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チケットぴあ
Nr. 6 - Marsch


FÜNFTER AUFTRITT
Rocco, Pizarro, Offiziere, Wachen.

PIZARRO
Hauptmann, drei Schildwachen auf den Wall! Sechs Mann an die Zugbrücke, jedermann, der sich der Festung nähert, wird sogleich vor mich gebracht! Rocco, ist etwas Neues vorgefallen?

ROCCO
Nein, Herr Gouverneur.

PIZARRO
Depeschen?

ROCCO
Hier sind sie.

PIZARRO
Immer Empfehlungen oder Vorwürfe. Diese Schrift kenne ich.
gebe Ihnen Nachricht, dass der Minister in Erfahrung gebracht hat, dass die Staatsgefängnisse, denen Sie vorstehen, mehrere Opfer willkürlicher Gewalt enthalten. Er reist morgen ab, um Sie mit einer Untersuchung zu überraschen. Seien Sie auf Ihrer Hut und suchen Sie sich sicher zu stellen.«
Gott, wenn er entdeckte, dass ich diesen Florestan in Ketten liegen habe, den er längst tot glaubt. Doch es gibt ein Mittel! Eine kühne Tat . . .

Nr. 7 - Arie mit Chor

PIZARRO
Ha, welch ein Augenblick!
Die Rache werd' ich kühlen,
Dich rufet dein Geschick!
In seinem Herzen wühlen,
O Wonne, grosses Glück!
Schon war ich nah, im Staube,
Dem lauten Spott zum Raube,
Dahingestreckt zu sein.
Nun ist es mir geworden,
Den Mörder selbst zu morden;
In seiner letzten Stunde,
Den Stahl in seiner Wunde,
Ihm noch ins Ohr zu schrein:
Triumph! Der Sieg ist mein!

CHOR DER WACHE
Er spricht von Tod und Wunde!
Nun fort auf unsre Runde,
Wie wichtig muss es sein!
Er spricht von Tod und Wunde!
Wacht scharf auf eurer Runde,
Wie wichtig muss es sein!


PIZARRO
Hauptmann! Besteigen Sie mit einem Trompeter sogleich den Turm. Sehen Sie mit der grössten Achtsamkeit auf die Strassen von Sevilla. Sobald Sie einen Wagen von Reitern begleitet entdecken, lassen Sie augenblicklich ein Signal geben. Verstehen Sie, augenblicklich! Ich erwarte die grösste Pünktlichkeit. Sie haften mir mit Ihrem Kopf. Fort! auf eure Posten! Rocco!

ROCCO
Herr!


Nr. 8 - Duett

PIZARRO
Jetzt, Alter, jetzt hat es Eile!
Dir wird ein Glück zuteile,
Du wirst ein reicher Mann;
Das geb ich nur daran.

ROCCO
So sagt doch nur in Eile,
Womit ich dienen kann.

PIZARRO
Du bist von kaltem Blute,
Von unverzagtem Mute
Durch langen Dienst geworden.

ROCCO
Was soll ich? Redet! Redet!

PIZARRO
Morden!

ROCCO
Wie?

PIZARRO
Höre mich nur an!
Du bebst? Bist du ein Mann?
Wir dürfen gar nicht säumen;
Dem Staate liegt daran,
Den bösen Untertan
Schnell aus dem Weg zu räumen.

ROCCO
O Herr!

PIZARRO
Du stehst noch an?
Er darf nicht länger leben,
Sonst ist's um mich geschehn.
Pizarro sollte beben?
Du fällst - ich werde stehn.

ROCCO
Die Glieder fühl' ich beben,
Wie könnt ich das bestehn?
Ich nehm ihm nicht das Leben,
Mag, was da will, geschehn.
Nein, Herr, das Leben nehmen,
Das ist nicht meine Pflicht.

PIZARRO
Ich will mich selbst bequemen,
Wenn dir's an Mut gebricht;
Nun eile rasch und munter
Zu jenem Mann hinunter -
Du weisst -

ROCCO
Der kaum mehr lebt
Und wie ein Schatten schwebt?

PIZARRO
Zu dem, zu dem hinab!
Ich wart' in kleiner Ferne,
Du gräbst in der Zisterne
Sehr schnell ein Grab.

ROCCO
Und dann?

PIZARRO
Dann werd' ich selbst, vermummt,
Mich in den Kerker schleichen -
Ein Stoss - und er verstummt!

ROCCO
Verhungernd in den Ketten
Ertrug er lange Pein,
Ihn töten, heisst ihn retten,
Der Dolch wird ihn befrein.

PIZARRO
Er sterb in seinen Ketten,
Zu kurz war seine Pein,
Sein Tod nur kann mich retten,
Dann werd' ich ruhig sein.

Jetzt, Alter, jetzt hat es Eile!
Hast du mich verstanden?
Du gibst ein Zeichen!
Dann werd' ich selbst, vermummt,
Mich in den Kerker schleichen -
Ein Stoss - und er verstummt!

ROCCO
Verhungernd in den Ketten
Ertrug er lange Pein,
Ihn töten, heisst ihn retten,
Der Dolch wird ihn befrein.

PIZARRO
Er sterb in seinen Ketten,
Zu kurz war seine Pein.
Sein Tod nur kann mich retten,
Dann werd' ich ruhig sein.


SECHSTER AUFTRITT
Leonore allein.

Nr. 9 - Rezitativ und Arie

LEONORE
Abscheulicher! Wo eilst du hin?
Was hast du vor in wildem Grimme?
Des Mitleids Ruf, der Menschheit Stimme -
Rührt nichts mehr deinen Tigersinn?
Doch toben auch wie Meereswogen
Dir in der Seele Zorn und Wut,
So leuchtet mir ein Farbenbogen,
Der hell auf dunkeln Wolken ruht:
Der blickt so still, so friedlich nieder,
Der spiegelt alte Zeiten wider,
Und neu besänftigt wallt mein Blut.

Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern
Der Müden nicht erbleichen!
O komm, erhell' mein Ziel, sei's noch so fern,
Die Liebe, sie wird's erreichen.
Ich folg' dem innern Triebe,
Ich wanke nicht,
Mich stärkt die Pflicht
Der treuen Gattenliebe!
O du, für den ich alles trug,
Könnt ich zur Stelle dringen,
Wo Bosheit dich in Fesseln schlug,
Und süssen Trost dir bringen!
Ich folg' dem innern Triebe,
Ich wanke nicht,
Mich stärkt die Pflicht
Der treuen Gattenliebe!


SIEBENTER AUFTRITT
Marzelline. Jaquino.

JAQUINO
Aber Marzelline -

MARZELLINE
Kein Wort, ich will nichts mehr hören.

JAQUINO
Ja früher, da war ich der gute, liebe Jaquino. Aber seit dieser Fidelio -


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen, Rocco, Leonore.

ROCCO
Was habt ihr beide denn wieder zu zanken?

MARZELLINE
Ach, Vater, Er will, dass ich ihn lieben, ihn heiraten soll.

ROCCO
Nein, Jaquino, von deiner Heirat ist jetzt keine Rede, mich beschäftigen andere Absichten.

LEONORE
Meister Rocco, ich ersuchte Euch schon einigemale, die armen Gefangenen in unsern Festungsgarten zu lassen. Heute ist das Wetter so schön.

ROCCO
Kinder, ohne Erlaubnis des Gouverneurs?

MARZELLINE
Aber er sprach doch so lange mit Euch. Vielleicht ...

ROCCO
Du hast recht, Marzelline. Ich kann es wagen. Jaquino und Fidelio, öffnet die leichteren Gefängnisse. Ich aber gehe zu Pizarro und halte ihn zurück.


NEUNTER AUFTRITT
Chor der Gefangenen.

Nr. 10 - Finale

CHOR DER GEFANGENEN
O welche Lust, in freier Luft
Den Atem leicht zu heben!
Nur hier, nur hier ist Leben!
Der Kerker eine Gruft.

ERSTER GEFANGENER
Wir wollen mit Vertrauen
Auf Gottes Hilfe bauen!
Die Hoffnung flüstert sanft mir zu:
Wir werden frei, wir finden Ruh

ALLE ANDEREN
O Himmel! Rettung! Welch ein Glück!
O Freiheit! Kehrst du zurück?

ZWEITER GEFANGENER
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -

ALLE
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -
O welche Lust, in freier Luft
Den Atem leicht zu heben!
Nur hier, nur hier ist Leben.
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -


ZEHNTER AUFTRITT
Rocco, Leonore.

Rezitativ

LEONORE
Nun sprecht, wie ging's?

ROCCO
Recht gut, recht gut!
Zusammen rafft ich meinen Mut
Und trug ihm alles vor;
Und sollst du's glauben,
Was er zur Antwort mir gab?
Die Heirat und dass du mir hilfst, will er erlauben;
Noch heute führ' ich in den Kerker dich hinab.

Duett

LEONORE
Noch heute! Noch heute!
O welch ein Glück! O welche Wonne l

ROCCO
Ich sehe deine Freude;
Nur noch ein Augenblick.
Dann gehen wir schon beide -

LEONORE
Wohin?

ROCCO
Zu jenem Mann hinab,
Dem ich seit vielen Wochen
Stets weniger zu essen gab.

LEONORE
Ha! - Wird er losgesprochen?

ROCCO
O nein!

LEONORE
So sprich!

ROCCO
O nein, O nein!
Wir müssen ihn, doch wie? - befrein!
Denn nach Pizarros Wille
Muss er in aller Stille
Von uns begraben sein!

LEONORE
So ist er tot?

ROCCO
Noch nicht, noch nicht.

LEONORE
Ist ihn zu töten deine Pflicht?

ROCCO
Nein guter Junge, zittre nicht,
Zum Morden dingt sich Rocco nicht.
Der Gouverneur kommt selbst hinab,
Wir beide graben nur das Grab.

LEONORE
Vielleicht das Grab des Gatten graben,
Was kann fürchterlicher sein?

ROCCO
Ich darf ihn nicht mit Speise laben,
Ihm wird im Grabe besser sein. -
Wir müssen gleich zu Werke schreiten,
Du musst mir helfen, mich begleiten;
Hart ist des Kerkermeisters Brot.

LEONORE
Ich folge dir, wär's in den Tod.

ROCCO
In der zerfallenen Zisterne
Bereiten wir die Grube leicht.
Ich tu es, glaube mir, nicht gerne;
Auch dir ist schaurig, wie mich deucht?

LEONORE
Ich bin es nur noch nicht gewohnt.

ROCCO
Ich hätte gerne dich verschont,
Doch wird es mir allein zu schwer,
Und gar so streng ist unser Herr.

LEONORE
O welch ein Schmerz!

ROCCO
Mir scheint, er weine.
Nein, du bleibst hier - ich geh alleine,
Ich geh allein.

LEONORE
O nein, O nein!
Ich muss ihn sehn; den Armen sehen,
Und müsst ich selbst zugrunde gehen.

ROCCO, LEONORE
O säumen wir nun länger nicht,
Wir folgen unsrer strengen Pflicht.


ELFTER AUFTRITT
Die Vorigen, Jaquino und Marzelline.

MARZELLINE
Ach, Vater, Vater, eilt!

ROCCO
Was hast du denn?

JAQUINO
Nicht länger weilt!

ROCCO
Was ist geschehn?

MARZELLINE
Es folget mir Pizarro nach!
Er drohet dir.

ROCCO
Gemach! Gemach!

LEONORE
So eilet fort!

ROCCO
Nur noch dies Wort:
Sprich, weiss er schon?

JAQUINO
Ja, er weiss es schon.

MARZELLINE
Der Offizier sagt ihm, was wir
Jetzt den Gefangenen gewähren.

ROCCO
Lasst alle schnell zurücke kehren.

MARZELLINE
Ihr wisst ja, wie er tobet,
Und kennet seine Wut.

LEONORE
Wie mir's im Innem tobet!
Empöret ist mein Blut.

ROCCO
Mein Herz hat mich gelobet,
Sei der Tyrann in Wut.


ZWÖLFTER AUFTRITT
Die Vorigen, Pizarro, später Die Gefangenen.

PIZARRO
Verwegner Alter! Welche Rechte
Legst du dir frevelnd selber bei?
Und ziemt es dem gedungnen Knechte,
Zu geben die Gefangnen frei?

ROCCO
O Herr!

PIZARRO
Wohlan!

ROCCO
Des Frühlings Kommen,
Das heitre warme Sonnenlicht,
Dann: habt Ihr wohl in acht genommen,
Was sonst zu meinem Vorteil spricht?
Des Königs Namensfest ist heute,
Das feiern wir auf solche Art.
Der unten stirbt - doch lasst die andern
Jetzt fröhlich hin und wieder wandern;
Für jenen sei der Zorn gespart.

PIZARRO
So eile, ihm sein Grab zu graben,
Hier will ich stille Ruhe haben.
Schliess' die Gefangnen wieder ein,
Mögst du nie mehr verwegen sein!

DIE GEFANGENEN
Leb' wohl, du warmes Sonnenlicht,
Schnell schwindest du uns wieder;
Schon sinkt die Nacht hernieder,
Aus der so bald kein Morgen bricht.

MARZELLINE
Wie eilten sie zum Sonnenlicht
Und scheiden traurig wieder.
Die andern murmeln nieder:
Hier wohnt die Lust, die Freude nicht.

LEONORE
Ihr hört das Wort, drum zögert nicht,
Kehrt in den Kerker wieder.
Angst rinnt durch meine Glieder.
Ereilt den FrevIer kein Gericht?

JAQUINO
Ihr hört das Wort, drum zögert nicht,
Kehrt in den Kerker wieder.
Sie sinnen auf und nieder!
Könnt ich verstehn, was jeder spricht!

PIZARRO
Nun, Rocco, zögre länger nicht,
Steig' in den Kerker nieder.
Nicht eher kehrst du wieder,
Bis ich vollzogen das Gericht.

ROCCO
Nein, Herr, ich zögre länger nicht,
Ich steige eilend nieder.
Mir beben meine Glieder;
O unglückselig harte Pflicht!
Nr. 6 - Marsch


FÜNFTER AUFTRITT
Rocco, Pizarro, Offiziere, Wachen.

PIZARRO
Hauptmann, drei Schildwachen auf den Wall! Sechs Mann an die Zugbrücke, jedermann, der sich der Festung nähert, wird sogleich vor mich gebracht! Rocco, ist etwas Neues vorgefallen?

ROCCO
Nein, Herr Gouverneur.

PIZARRO
Depeschen?

ROCCO
Hier sind sie.

PIZARRO
Immer Empfehlungen oder Vorwürfe. Diese Schrift kenne ich.
gebe Ihnen Nachricht, dass der Minister in Erfahrung gebracht hat, dass die Staatsgefängnisse, denen Sie vorstehen, mehrere Opfer willkürlicher Gewalt enthalten. Er reist morgen ab, um Sie mit einer Untersuchung zu überraschen. Seien Sie auf Ihrer Hut und suchen Sie sich sicher zu stellen.«
Gott, wenn er entdeckte, dass ich diesen Florestan in Ketten liegen habe, den er längst tot glaubt. Doch es gibt ein Mittel! Eine kühne Tat . . .

Nr. 7 - Arie mit Chor

PIZARRO
Ha, welch ein Augenblick!
Die Rache werd' ich kühlen,
Dich rufet dein Geschick!
In seinem Herzen wühlen,
O Wonne, grosses Glück!
Schon war ich nah, im Staube,
Dem lauten Spott zum Raube,
Dahingestreckt zu sein.
Nun ist es mir geworden,
Den Mörder selbst zu morden;
In seiner letzten Stunde,
Den Stahl in seiner Wunde,
Ihm noch ins Ohr zu schrein:
Triumph! Der Sieg ist mein!

CHOR DER WACHE
Er spricht von Tod und Wunde!
Nun fort auf unsre Runde,
Wie wichtig muss es sein!
Er spricht von Tod und Wunde!
Wacht scharf auf eurer Runde,
Wie wichtig muss es sein!


PIZARRO
Hauptmann! Besteigen Sie mit einem Trompeter sogleich den Turm. Sehen Sie mit der grössten Achtsamkeit auf die Strassen von Sevilla. Sobald Sie einen Wagen von Reitern begleitet entdecken, lassen Sie augenblicklich ein Signal geben. Verstehen Sie, augenblicklich! Ich erwarte die grösste Pünktlichkeit. Sie haften mir mit Ihrem Kopf. Fort! auf eure Posten! Rocco!

ROCCO
Herr!


Nr. 8 - Duett

PIZARRO
Jetzt, Alter, jetzt hat es Eile!
Dir wird ein Glück zuteile,
Du wirst ein reicher Mann;
Das geb ich nur daran.

ROCCO
So sagt doch nur in Eile,
Womit ich dienen kann.

PIZARRO
Du bist von kaltem Blute,
Von unverzagtem Mute
Durch langen Dienst geworden.

ROCCO
Was soll ich? Redet! Redet!

PIZARRO
Morden!

ROCCO
Wie?

PIZARRO
Höre mich nur an!
Du bebst? Bist du ein Mann?
Wir dürfen gar nicht säumen;
Dem Staate liegt daran,
Den bösen Untertan
Schnell aus dem Weg zu räumen.

ROCCO
O Herr!

PIZARRO
Du stehst noch an?
Er darf nicht länger leben,
Sonst ist's um mich geschehn.
Pizarro sollte beben?
Du fällst - ich werde stehn.

ROCCO
Die Glieder fühl' ich beben,
Wie könnt ich das bestehn?
Ich nehm ihm nicht das Leben,
Mag, was da will, geschehn.
Nein, Herr, das Leben nehmen,
Das ist nicht meine Pflicht.

PIZARRO
Ich will mich selbst bequemen,
Wenn dir's an Mut gebricht;
Nun eile rasch und munter
Zu jenem Mann hinunter -
Du weisst -

ROCCO
Der kaum mehr lebt
Und wie ein Schatten schwebt?

PIZARRO
Zu dem, zu dem hinab!
Ich wart' in kleiner Ferne,
Du gräbst in der Zisterne
Sehr schnell ein Grab.

ROCCO
Und dann?

PIZARRO
Dann werd' ich selbst, vermummt,
Mich in den Kerker schleichen -
Ein Stoss - und er verstummt!

ROCCO
Verhungernd in den Ketten
Ertrug er lange Pein,
Ihn töten, heisst ihn retten,
Der Dolch wird ihn befrein.

PIZARRO
Er sterb in seinen Ketten,
Zu kurz war seine Pein,
Sein Tod nur kann mich retten,
Dann werd' ich ruhig sein.

Jetzt, Alter, jetzt hat es Eile!
Hast du mich verstanden?
Du gibst ein Zeichen!
Dann werd' ich selbst, vermummt,
Mich in den Kerker schleichen -
Ein Stoss - und er verstummt!

ROCCO
Verhungernd in den Ketten
Ertrug er lange Pein,
Ihn töten, heisst ihn retten,
Der Dolch wird ihn befrein.

PIZARRO
Er sterb in seinen Ketten,
Zu kurz war seine Pein.
Sein Tod nur kann mich retten,
Dann werd' ich ruhig sein.


SECHSTER AUFTRITT
Leonore allein.

Nr. 9 - Rezitativ und Arie

LEONORE
Abscheulicher! Wo eilst du hin?
Was hast du vor in wildem Grimme?
Des Mitleids Ruf, der Menschheit Stimme -
Rührt nichts mehr deinen Tigersinn?
Doch toben auch wie Meereswogen
Dir in der Seele Zorn und Wut,
So leuchtet mir ein Farbenbogen,
Der hell auf dunkeln Wolken ruht:
Der blickt so still, so friedlich nieder,
Der spiegelt alte Zeiten wider,
Und neu besänftigt wallt mein Blut.

Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern
Der Müden nicht erbleichen!
O komm, erhell' mein Ziel, sei's noch so fern,
Die Liebe, sie wird's erreichen.
Ich folg' dem innern Triebe,
Ich wanke nicht,
Mich stärkt die Pflicht
Der treuen Gattenliebe!
O du, für den ich alles trug,
Könnt ich zur Stelle dringen,
Wo Bosheit dich in Fesseln schlug,
Und süssen Trost dir bringen!
Ich folg' dem innern Triebe,
Ich wanke nicht,
Mich stärkt die Pflicht
Der treuen Gattenliebe!


SIEBENTER AUFTRITT
Marzelline. Jaquino.

JAQUINO
Aber Marzelline -

MARZELLINE
Kein Wort, ich will nichts mehr hören.

JAQUINO
Ja früher, da war ich der gute, liebe Jaquino. Aber seit dieser Fidelio -


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen, Rocco, Leonore.

ROCCO
Was habt ihr beide denn wieder zu zanken?

MARZELLINE
Ach, Vater, Er will, dass ich ihn lieben, ihn heiraten soll.

ROCCO
Nein, Jaquino, von deiner Heirat ist jetzt keine Rede, mich beschäftigen andere Absichten.

LEONORE
Meister Rocco, ich ersuchte Euch schon einigemale, die armen Gefangenen in unsern Festungsgarten zu lassen. Heute ist das Wetter so schön.

ROCCO
Kinder, ohne Erlaubnis des Gouverneurs?

MARZELLINE
Aber er sprach doch so lange mit Euch. Vielleicht ...

ROCCO
Du hast recht, Marzelline. Ich kann es wagen. Jaquino und Fidelio, öffnet die leichteren Gefängnisse. Ich aber gehe zu Pizarro und halte ihn zurück.


NEUNTER AUFTRITT
Chor der Gefangenen.

Nr. 10 - Finale

CHOR DER GEFANGENEN
O welche Lust, in freier Luft
Den Atem leicht zu heben!
Nur hier, nur hier ist Leben!
Der Kerker eine Gruft.

ERSTER GEFANGENER
Wir wollen mit Vertrauen
Auf Gottes Hilfe bauen!
Die Hoffnung flüstert sanft mir zu:
Wir werden frei, wir finden Ruh

ALLE ANDEREN
O Himmel! Rettung! Welch ein Glück!
O Freiheit! Kehrst du zurück?

ZWEITER GEFANGENER
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -

ALLE
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -
O welche Lust, in freier Luft
Den Atem leicht zu heben!
Nur hier, nur hier ist Leben.
Sprecht leise! Haltet euch zurück!
Wir sind belauscht mit Ohr und Blick. -


ZEHNTER AUFTRITT
Rocco, Leonore.

Rezitativ

LEONORE
Nun sprecht, wie ging's?

ROCCO
Recht gut, recht gut!
Zusammen rafft ich meinen Mut
Und trug ihm alles vor;
Und sollst du's glauben,
Was er zur Antwort mir gab?
Die Heirat und dass du mir hilfst, will er erlauben;
Noch heute führ' ich in den Kerker dich hinab.

Duett

LEONORE
Noch heute! Noch heute!
O welch ein Glück! O welche Wonne l

ROCCO
Ich sehe deine Freude;
Nur noch ein Augenblick.
Dann gehen wir schon beide -

LEONORE
Wohin?

ROCCO
Zu jenem Mann hinab,
Dem ich seit vielen Wochen
Stets weniger zu essen gab.

LEONORE
Ha! - Wird er losgesprochen?

ROCCO
O nein!

LEONORE
So sprich!

ROCCO
O nein, O nein!
Wir müssen ihn, doch wie? - befrein!
Denn nach Pizarros Wille
Muss er in aller Stille
Von uns begraben sein!

LEONORE
So ist er tot?

ROCCO
Noch nicht, noch nicht.

LEONORE
Ist ihn zu töten deine Pflicht?

ROCCO
Nein guter Junge, zittre nicht,
Zum Morden dingt sich Rocco nicht.
Der Gouverneur kommt selbst hinab,
Wir beide graben nur das Grab.

LEONORE
Vielleicht das Grab des Gatten graben,
Was kann fürchterlicher sein?

ROCCO
Ich darf ihn nicht mit Speise laben,
Ihm wird im Grabe besser sein. -
Wir müssen gleich zu Werke schreiten,
Du musst mir helfen, mich begleiten;
Hart ist des Kerkermeisters Brot.

LEONORE
Ich folge dir, wär's in den Tod.

ROCCO
In der zerfallenen Zisterne
Bereiten wir die Grube leicht.
Ich tu es, glaube mir, nicht gerne;
Auch dir ist schaurig, wie mich deucht?

LEONORE
Ich bin es nur noch nicht gewohnt.

ROCCO
Ich hätte gerne dich verschont,
Doch wird es mir allein zu schwer,
Und gar so streng ist unser Herr.

LEONORE
O welch ein Schmerz!

ROCCO
Mir scheint, er weine.
Nein, du bleibst hier - ich geh alleine,
Ich geh allein.

LEONORE
O nein, O nein!
Ich muss ihn sehn; den Armen sehen,
Und müsst ich selbst zugrunde gehen.

ROCCO, LEONORE
O säumen wir nun länger nicht,
Wir folgen unsrer strengen Pflicht.


ELFTER AUFTRITT
Die Vorigen, Jaquino und Marzelline.

MARZELLINE
Ach, Vater, Vater, eilt!

ROCCO
Was hast du denn?

JAQUINO
Nicht länger weilt!

ROCCO
Was ist geschehn?

MARZELLINE
Es folget mir Pizarro nach!
Er drohet dir.

ROCCO
Gemach! Gemach!

LEONORE
So eilet fort!

ROCCO
Nur noch dies Wort:
Sprich, weiss er schon?

JAQUINO
Ja, er weiss es schon.

MARZELLINE
Der Offizier sagt ihm, was wir
Jetzt den Gefangenen gewähren.

ROCCO
Lasst alle schnell zurücke kehren.

MARZELLINE
Ihr wisst ja, wie er tobet,
Und kennet seine Wut.

LEONORE
Wie mir's im Innem tobet!
Empöret ist mein Blut.

ROCCO
Mein Herz hat mich gelobet,
Sei der Tyrann in Wut.


ZWÖLFTER AUFTRITT
Die Vorigen, Pizarro, später Die Gefangenen.

PIZARRO
Verwegner Alter! Welche Rechte
Legst du dir frevelnd selber bei?
Und ziemt es dem gedungnen Knechte,
Zu geben die Gefangnen frei?

ROCCO
O Herr!

PIZARRO
Wohlan!

ROCCO
Des Frühlings Kommen,
Das heitre warme Sonnenlicht,
Dann: habt Ihr wohl in acht genommen,
Was sonst zu meinem Vorteil spricht?
Des Königs Namensfest ist heute,
Das feiern wir auf solche Art.
Der unten stirbt - doch lasst die andern
Jetzt fröhlich hin und wieder wandern;
Für jenen sei der Zorn gespart.

PIZARRO
So eile, ihm sein Grab zu graben,
Hier will ich stille Ruhe haben.
Schliess' die Gefangnen wieder ein,
Mögst du nie mehr verwegen sein!

DIE GEFANGENEN
Leb' wohl, du warmes Sonnenlicht,
Schnell schwindest du uns wieder;
Schon sinkt die Nacht hernieder,
Aus der so bald kein Morgen bricht.

MARZELLINE
Wie eilten sie zum Sonnenlicht
Und scheiden traurig wieder.
Die andern murmeln nieder:
Hier wohnt die Lust, die Freude nicht.

LEONORE
Ihr hört das Wort, drum zögert nicht,
Kehrt in den Kerker wieder.
Angst rinnt durch meine Glieder.
Ereilt den FrevIer kein Gericht?

JAQUINO
Ihr hört das Wort, drum zögert nicht,
Kehrt in den Kerker wieder.
Sie sinnen auf und nieder!
Könnt ich verstehn, was jeder spricht!

PIZARRO
Nun, Rocco, zögre länger nicht,
Steig' in den Kerker nieder.
Nicht eher kehrst du wieder,
Bis ich vollzogen das Gericht.

ROCCO
Nein, Herr, ich zögre länger nicht,
Ich steige eilend nieder.
Mir beben meine Glieder;
O unglückselig harte Pflicht!


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