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Ouvertüre

DROLL
Lasst mich erzählen, wie mein Herr, Oberon, der König der Elfen, durch die Liebe zweier Menschen mit seiner Gemahlin Titania versöhnt wird!

ERSTER AKT

ERSTE SZENE
Feengarten im Reiche Oberons, in üppig blühender Blumenpracht. Oberon liegt schlafend auf dem Blumenlager. Genien und Feen sind in einem Tableau gruppiert, das sich bis zum Beginn des Gesanges nur wenig bewegt. Zum Anfang des Chores erscheinen die Elfen, um sich vereint mit den Genien in verschiedenartigen Gruppierungen zu zeigen. Alle tragen Lilienkränze auf dem Kopf und halten Lilienstengel in den Händen

Introduktion

ELFENCHOR
singt ganz leise
Leicht, wie Feentritt nur geht,
Durch den Raum, ihr Elfen, weht!
Viel zu laut die Quelle tönt! Zu laut!
Viel zu laut der Zephyr stöhnt! Zu laut!
Jagt die wirre Mücke fort!
Lasst die Bien' nicht summen dort!
Auf dem Lilienlager liegt
Oberon, im Traum gewiegt!
Schlummer schloss sein Augenlid,
Das so lang der Schlaf vermied.

SOLI
O brächt er Ruh' und sanfte Lust
In unsers trauernden Königs Brust!

CHOR
Leicht, wie Feentritt nur geht,
Durch den Raum, ihr Elfen, weht!
Viel zu laut die Quelle tönt!
Viel zu laut der Zephyr stöhnt!
Zu laut! Viel zu laut!

Droll und Puck kommen rasch hinzu

DROLL
zu den Elfen
Fort mit euch ... Steht nicht länger müssig hier herum.

PUCK
betrachte Oberon mit grosser Teilnahme
Warum sieht Oberon auch im Schlaf so traurig aus?

DROLL
Sein Kummer ist so tief, dass jedes Lächeln darin ertrinkt.

PUCK
Noch immer?

DROLL
Ja, mein lieber Puck. So harmlos es auch anfing, Die Königin Titania fand den Frühling schöner als den Herbst. Ein paar Nächte vorher hatte sie wieder den Herbst wegen seiner schönen Farben über alles gelobt. »Du bist unbeständig wie jede Frau«, sagte darauf unser Oberon. Und lächelte.

PUCK
Er hätte sagen müssen »unbeständig wie der Mann!«, lieber Droll.

DROLL
Ja - Titania gab ihm auch gleich dieselbe Antwort. »Unbeständig wie der Mann!«

PUCK
Oder - wie die Menschen, Droll.

DROLL
Hoffentlich sind die Menschen klüger und lieben einander noch glühender als sie miteinander streiten. Sonst … Ach, lieber Puck, ich spreche es lieber gar nicht aus.

PUCK
Was ist sonst?

DROLL
Sonst kommt ein grosses Unglück über unsere ganze Elfenwelt. Denn Oberon und Titania haben einen sehr schlimmen Schwur getan. Sie würden einander nie mehr lieben, bevor nicht zwei Menschen der Welt bewiesen, dass sie sozusagen alle beide recht hätten.

PUCK
nickt
Aber wo gibt es solche Menschen?

DROLL
Das ist ja der Kummer.
Deshalb seufzt doch der König im Traum.

PUCK
Und du bist trotzdem so guter Laune?

DROLL
Mit Seufzen ist niemand geholfen. Ich habe unterdessen schon mit dem Suchen begonnen.

PUCK
Und jetzt berichtest du dem König?

DROLL
Ja … Aber still davon. Nur wenn Oberon selbst davon zu reden beginnt …

Puck macht eine Gebärde der Enttäuschung

DROLL
lächelnd
Es sieht mir aber ganz danach aus …

Oberon richtet sich auf, wie aus einem schweren Traum erwachend

Arie

OBERON
Schreckensschwur! - Dein wildes Quälen
Selbst im Schlummer niemals ruht!
Leiden weckst du, nicht zu zählen,
Fachst nur an die inn’re Glut!
Immer Angst und immer Schmerzen,
Doppelt, wenn der Traum verweilet,
Unnennbare Pein im Herzen,
Doch kein Balsam, der sie heilet.
Schreckensschwur! – Dein wildes Quälen
Selbst im Schlaf nicht ruht!
Leiden weckst du, nicht zu zählen,
Fachst nur an die inn’re Glut!
Schreckensschwur!

Droll und Puck kommen ehrfürchtig näher

DROLL
redet ihn mit einer tiefen Verbeugung an
Erlaube uns, grosser König …

OBERON
erwacht völlig
Ach, mein Puck! Und du, Droll, guter Freund …

DROLL
Ich bin nur dein Diener, grosser König.

OBERON
lächelt
Aber der klügste ...

DROLL
Man bemüht sich, liebster Herr. Die ganze Nacht hab ich gesucht.
Von Ost bis West, von Pol zu Pol.

OBERON
überrascht
Hast du sie am Ende schon?

DROLL
Ich bin erst am Anfang. Er ist da und sie ist dort, und die halbe Welt ist zwischen ihnen. Er ist ein Ritter am Hof des Kaisers Karl und heisst Hüon von Bordeaux. Sie ist die Prinzessin Rezia, die Tochter des grossen Kalifen Harun al Raschid. Wenn diese beiden sich so beständig über alle Massen erweisen, wie man annehmen muss, dann ist dein Schwur erfüllt und dann … nun du weisst ja, grosser König.

OBERON
zärtlich
Dann kehrt Titania zu mir zurück!

DROLL
Aber Titania wird nur dann den Schwur als erfüllt ansehen, wenn die Prüfungen so hart werden, wie es der Streit war.

OBERON
Noch länger suchen?

DROLL
Erst müssen sie schon einander finden. Aber dann wieder verlieren und wieder finden und trotzdem nicht voneinander lassen. Hüon ist mit seinem Waffenmeister Scherasmin an unserem Zauberwald vorübergezogen, da war nur noch ganz wenig nötig. Ein paar tanzende Sonnenstrahlen, eine raunende Stimme, und schon habe ich ihn hinter mir hergezogen, wie ich wollte. Gleich wirst du ihn sehen, grosser König.

Hüon und Scherasmin kommen nach vorne

HÜON
Es kam wie Gesang aus der Luft. Ihre Stimme!

SCHERASMIN
Sagen S'endlich, Euer Gnaden, wie diese rätselhafte »Sie« heisst. Das ist doch eine unnötige Quälerei. Eine Geliebte ohne Namen! Eine Schönheit, die man nicht sieht. Eine Braut, von der man nur träumt. Da hätt ich mir längst eine beigebogen, die ich vor mir hab …

HÜON
Wer wirklich in der Tiefe liebt, ist für alle blind … bis er die Geliebte gefunden hat.

SCHERASMIN
Ich weiss nicht, wie tief Ihre Gefühle sitzen, Euer Gnaden. Meine wohnen in der Gurgel und im Magen. Einen Hunger hab ich, dass ich weinen möcht, und einen Durst!

HÜON
Hörst du nicht, Scherasmin? Alles tönt und klingt. Auf einmal werde ich auch so müde.
sinkt um

SCHERASMIN
lagert sich wie er
Ich rieche einen guten Braten.
Und der gute Wein …
sinkt in Schlaf

HÜON
Geliebte Braut …

In der Mitte des Hintergrundes ziehen sich die Blütenranken nach oben, und wie in einem Blumenrahmen wird ein kleiner persische Kiosk sichtbar, in dessen Mitte Rezia sitzt, mit einer Laute in der Hand

Vision

REZIA
Warum musst du schlafen, o Held voll Mut?
Ein Mädchen sitzt weinend an Babylons Flut!
Auf, rette sie dir, eh als Opfer sie sinkt!
Güienne, zu Hilfe, die Schönheit dir winkt!

OBERON
bewegt seinen Zauberstab
Genug!

Die Blütenranken schliessen sich wieder und die Vision verschwindet

SCHERASMIN
schaut um sich
Hilfe, Herr Hüon! Wo sind wir?
geht zu ihm und rüttelt ihn
Aufwachen! Aufstehen!

HÜON
wehrt sich; noch im Halbschlaf
Lass mich doch …
sehnsüchtig
Du holdes Bild!
wacht endlich völlig auf
Was war das eben?

SCHERASMIN
sieht sich misstrauisch um
Am Ende waren wir richtig verzaubert? In dieser merkwürdigen Gegend muss man schon auf alles gefasst sein.

HÜON
Dann hat die Qual des Suchens ein Ende …

SCHERASMIN
Das ist mir eine schöne Zauberei, die einen so mir nix dir nix ums schöne Leben bringt.

OBERON
tritt, gefolgt von Puck und Droll, vor die beiden
Habt keine Sorge. Ich bin dein Freund, Herr Hüon von Bordeaux.

HÜON
Du kennst mich?

OBERON
Freilich!

DROLL
fällt ein
Wir wissen auch, dass du hier die Frau suchst, die von Anbeginn für dich bestimmt ist. Weil du sie im ganzen Frankenland nicht gefunden hast, bist du über das Meer gekommen.

HÜON
Ich würde über alle Meere der Welt fahren.

OBERON
Das wirst du auch noch tun müssen.

DROLL
einfallend
… aber schon mit ihr, nach der du dich sehnst …

HÜON
Wer kann so etwas versprechen?

OBERON
mit Würde
Ich bin Oberon, der König der Elfen.

SCHERASMIN
Nix als schöne Worte und gute Ratschläge. Davon kann man nicht fett werden!

DROLL
Was willst du sonst von uns?

SCHERASMIN
Das ist für mich kein Ratschlag, der mir nicht rät, wo wir zuschlagen müssen. Das sag uns, lieber Herr! Dann holen wir uns schon die Braut und alles, was dazugehört.

OBERON
lächelnd
Du wirst zufrieden sein, lustiger Bursch.

Er winkt nach rückwärts. Zwei Elfen bringen auf einem Polster zu Hüon ein Horn, zwei andere Genien treten zu Scherasmin: auf ihrem Polster steht ein goldener Becher

OBERON
Nimm dir das Horn, Hüon von Bordeaux.

DROLL
Bläst du leise hinein, Hüon, wird dir sogleich ein Zauber aus der Ferne helfen. Bläst du mit ganzem Atem, dann rufst du Oberon selbst.

HÜON
Oh, das versteh ich, Nur der findet ganz die Liebe, der sich ihr ganz hingibt.

SCHERASMIN
Was soll ich denn mit dem Becher da … ?

OBERON
Trink daraus, wenn du in Bedrängnis bist.

SCHERASMIN
Oh, dann bin ich immer in Bedrängnis.
nimmt und trinkt
Das ist ja grossartig. Da wird man sofort dreimal so couragiert.
Komm, trink mit mir, fescher Geist!
hinter Puck her. Puck entwischt ihm

HÜON
Vorwärts, Scherasmin! Worauf wartest du noch?
geht voraus
Oder willst du jetzt nicht mehr, weil es ernst wird?

SCHERASMIN
trinkt rasch aus dem Becher
Von mir aus bis ans Ende der Welt, Herr Hüon.
Wenn man so ausgerüstet wird …
Da riskier ich jeden Krieg …

Feen, Genien und Elfen erscheinen zu Tänzen und Gruppierungen. Hüon von Bordeaux hält sich rechts vorn auf. Oberon inmitten der Feen, Genien und Elfen. Scherasmin links vorn

Ensemble

FEENCHOR
Ehre und Heil dem, der treu ist ed brav!
In Oberon zeigt sich stets ein Freund!
Doch weh für den Feigen, Verräter und Sklav'!
Die Rache der Feen bereit erscheint.
Ehre und Heil dein, der treu ist und brav!
Ehre und Heil!

HÜON
zu Oberon
Sei ein Führer mir, holder Geist!
Zu dem Thron des Ungläubigen leite mich,
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt,
Dort zeig' die Treu' deines Hüon sich.

OBERON
Es küsst die Sonne den Purpursaum,
Der um Feenlauben fliesst,
Oft muss sie sinken in jene Flut,
Eh, sterblicher Ritter, vergönnt dir ist
Zu nahen Bagdads Schloss.
Doch sieh! Mein Lilienzepter weht,
Und Bagdad liegt vor dir.

In der Mitte des Hintergrundes ziehen sich die Blütenranken wieder nach oben, und wie in einem Blumengarten, von der Abendsonne beleuchtet, wird am Ufer des Tigris die Stadt Bagdad sichtbar

HÜON
Kann ich meinen Augen trau'n?
Ja, auf gold'ne Zinnen hier
Sich das Abendrot ergiesset,
Und der Strom in reicher Zier
Schnell zu seinem Meere fliesset.
Doch ach, wo find' ich sie,
Die mir Liebe im Schlummer hat gespendet?
Floh sie denn auf ewig mich?
Hat der Klang denn ganz geendet?

OBERON
Getrost, mein Held, getrost!
Nach Ruhme strebe kühn!
Nur fort, die Lieb' wird dir in Babylon erblühn.

Er verschwindet unauffällig inmitten der Feen und Elfen

ELFENCHOR
Eil, o Held! Liebe und Ruhm,
Sie werden bald dein schönes Eigentum!
Eil, o Held, Liebe und Ruhm,
Lieb' sei dein Eigentum!

HÜON
Sei ein Führer mir, holder Geist!
Zum Kalifen leite mich!
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt!
Holder Geist, sei mein Führer,
Leite zu dem Gottverworf’nen mich!
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt,
Dort zeig' die Treu' deines Hüon sich!
Sei mein Führer! - Du holder Geist! -

Feen, Genien und Elfen verschwinden nach allen Seiten hin. Oberons Blumenlager versinkt; die Blütenranken ziehen sich vor dem vollen Anblick der in der Abendsonne liegenden Stadt Bagdad nach oben, unten und nach den Seiten hin zurück


ZWEITE SZENE
Auf einer Strasse aus dem Zauberwald Oberons nach Bagdad

SCHERASMIN
kommt mit Droll und Hüon; er geht ein paar Schritte vor den beiden
Immer voran, Herr Hüon! Jetzt ist schon lange genug gescheit geredet worden. Ich hab einen Hunger

DROLL
Und dein Becher?

SCHERASMIN
Das ist es ja: Wenn man in einem fort trinkt, braucht man erst recht eine Unterlag' für den Magen.

DROLL
Ich will dir noch einen Rat geben, bevor du weiterziehst, Hüon.

HÜON
Wie ich Rezia gewinne?

DROLL
Ihr Herz hast du längst. Du musst jetzt nur dazusehen, wie du sie am besten aus dem Palast des Kalifen bringst.
reicht ihm und Scherasmin zwei kostbare Röcke
Verkleidet euch mit diesen Röcken. Auf diese Weise könnt ihr ungehindert in den Palast hineinkommen und euch unter die Grossen des Kalifen mengen.

SCHERASMIN
Aber das Schwert behalten wir unter dem Rock! Und wenn's keiner vermutet, schlagen wir drein.

DROLL
Ihr seid nur zwei gegen Unzählige. Aber wenn es schlimm wird, gebraucht das Horn.

SCHERASMIN
Wird Oberon wirklich erscheinen, wenn wir ihn rufen?

DROLL
Gewissi Aber dann dürft ihr eins nicht vergessen: dass der nächste Tag vielleicht noch schlimmere Not bringt.

HÜON
Not, wenn ich meine Rezia für immer habe? Was fehlt mit dann noch zu meinem Glück?

DROLL
Du musst erst entdecken, wo es für dich wächst,

HÜON
Aus eurem Zauber?

DROLL
Nein, Hüon, viel seltsamer.
Aus Eurem Leid!

Er verschwindet. Hüon und Scherasmin blicken ihm überrascht und nachdenklich nach. Dann fasst Hüon, weiterschreitend, neuen Mut

Arie

HÜON
Von Jugend auf in dem Kampfgefild',
Die Lanze hoch und vor den Schild,
Stets da, wo sich der Mann erprobt,
Am wild'sten Schlacht und Kampflust tobt.
Führend des Vaters Schwert,
Stolz, dass sein Name mich ehrt;
Im Herzen noch die Liebe schwieg.
Mein einz'ges Streben: Sieg! Sieg! Sieg!-
Jetzt giesst sich aus ein sanft'rer Glanz
Auf meines Lebens Wogentanz,
Der Schönheit Lächeln mildert zart
Des Ruhmes wilde Männerart.
Süss, wie des Abends Weh'n,
Stern in der Nacht so schön,
Nichts reizender's dir je verblieb
Um mich zu fesseln: Lieb'! Lieb'! Liebe! –
Ob aber auch neues Gefühl mich durchbebt,
Doch stets noch die frühere Glut mich belebt!
Sein ohne Lieb' welch' düst'rer Trauerflor!
Doch Sein ohne Ehre, den Tod zög' ich vor!



DRITTE SZENE
Eine offene Halle im Harem des Kalifen Harun al Raschid

Finale

REZIA
allein
Eil, edler Held! Befreie dir
Die Braut, die deiner wartet hier!
Eh' soll die Hand mir Tod verleih'n '
Als eines andern sein, denn dein!
Ja, o Herr! Mein Heil, mein Leben!
Rezia ist für ewig dein,
Liebe wusste wohl zu prägen
Meiner Brust dein Siegel ein.
Ja, im Herzen ruht dein Bildnis,
Dort bestimmt es ganz mein Los!
Ja, im Herzen ruht dein Bildnis,
Wie der Tropfen in der Tulpe
Taugetränktem Liebesschoss.
Ja, o Herr! Mein Heil, mein Leben!
Rezia ist für ewig dein

FATIME
tritt eilig ein, freudig
Glück! Freude! Gerettet sind wir in der Not!
Auf! Er ist da und trotzet kühn dem Tod!

REZIA
erwartungsvoll
Da? ? Wo? ? Süsse Fatime, rede weiter fort!

FATIME
Heut abend führte zu Namuna ihn der Zufall!
Nein, das Schicksal! Fürwahr, das Schicksal!
Dort, ganz Wort für Wort, hört er,
was dir im Traum erschien,
Und schwur zu retten ans den Fesseln dich,
Wo nicht, den Tod für sich!

REZIA
Sagt' ich's nicht? Sagt' ich's nicht?

Duettino

BEIDE
O welches Glück!

REZIA
Seine Nähe trag' ich kaum!

FATIME
Sie erträgt es kaum!

BEIDE
O, welches Glück!

REZIA
Seine Nähe trag' ich kaum!

FATIME
Sie erträgt es kaum!

BEIDE
O welches Glück! O welches Glück!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!
Liebe hat erfüllt den Traum!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!
O welches Glück, o welches Glück!

REZIA
Seine Nähe trag' ich kaum!

FATIME
Sie erträgt es kaum!

BEIDE
O seine Nähe trag' ich/trägt sie kaum!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!
Seine Nähe trag' ich/trägt sie kaum!
iebe hat erfüllt den Traum!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!

FATIME
Horch, Herrin, horch! Auf der Terrasse Bahn
Schon hört man des Harems Wächter nahn,
Und sieh', die Sklaven kommen sacht,
Weil schon zut Ruhe ruft die Nacht.

Rezia and Fatime kommen vor und geben einander Zeichen des geheimen Einverständnisses. Die Janitscharenmusik bewegt sich langsam auf die Terrasse. Mesru, der sehr dicke Anführer der Haremswächter, erscheint wackelnd mit ihnen. Dreissig Mann Wachen von ebendaher, nehmen hinter der Musik Aufstellung

CHOR
Dunkel ist es schon und spät,
Und von jedem Minaret
Stimmen zum Gebet schon riefen,
Die Lüftchen selbst entschliefen.
Länger bleibt nicht hier am Ort,
Fort zur Ruh, fort, fort, fort, fort!

Der Vollmond steigt herauf und überflutet mit seinem Licht die Halle

REZIA
beiseite
Seele, froh in Jubelklängen,
Wie soll ich zurück dich drängen?
Nur zu laut tut dich ja kund
Das glüh’nde Aug'; beredter Mund!
Dass dich nicht verrat' ein Wort,
Fort zur Ruhe, fort, nur fort!

CHOR
Länger bleibt nicht hier am Ort,
Fort zur Ruh'; fort zur Ruh'!
Dunkel ist es schon und spät,
Und von jedem Minaret
Stimmen rufen zum Gebet!
Das Lüftchen selber schlafen geht,
Fort, drum fort! Fort, nur fort!
Nur fort, nur fort!

Die Janitscharenmusik bewegt sich langsam hinweg
Ouvertüre

DROLL
Lasst mich erzählen, wie mein Herr, Oberon, der König der Elfen, durch die Liebe zweier Menschen mit seiner Gemahlin Titania versöhnt wird!

ERSTER AKT

ERSTE SZENE
Feengarten im Reiche Oberons, in üppig blühender Blumenpracht. Oberon liegt schlafend auf dem Blumenlager. Genien und Feen sind in einem Tableau gruppiert, das sich bis zum Beginn des Gesanges nur wenig bewegt. Zum Anfang des Chores erscheinen die Elfen, um sich vereint mit den Genien in verschiedenartigen Gruppierungen zu zeigen. Alle tragen Lilienkränze auf dem Kopf und halten Lilienstengel in den Händen

Introduktion

ELFENCHOR
singt ganz leise
Leicht, wie Feentritt nur geht,
Durch den Raum, ihr Elfen, weht!
Viel zu laut die Quelle tönt! Zu laut!
Viel zu laut der Zephyr stöhnt! Zu laut!
Jagt die wirre Mücke fort!
Lasst die Bien' nicht summen dort!
Auf dem Lilienlager liegt
Oberon, im Traum gewiegt!
Schlummer schloss sein Augenlid,
Das so lang der Schlaf vermied.

SOLI
O brächt er Ruh' und sanfte Lust
In unsers trauernden Königs Brust!

CHOR
Leicht, wie Feentritt nur geht,
Durch den Raum, ihr Elfen, weht!
Viel zu laut die Quelle tönt!
Viel zu laut der Zephyr stöhnt!
Zu laut! Viel zu laut!

Droll und Puck kommen rasch hinzu

DROLL
zu den Elfen
Fort mit euch ... Steht nicht länger müssig hier herum.

PUCK
betrachte Oberon mit grosser Teilnahme
Warum sieht Oberon auch im Schlaf so traurig aus?

DROLL
Sein Kummer ist so tief, dass jedes Lächeln darin ertrinkt.

PUCK
Noch immer?

DROLL
Ja, mein lieber Puck. So harmlos es auch anfing, Die Königin Titania fand den Frühling schöner als den Herbst. Ein paar Nächte vorher hatte sie wieder den Herbst wegen seiner schönen Farben über alles gelobt. »Du bist unbeständig wie jede Frau«, sagte darauf unser Oberon. Und lächelte.

PUCK
Er hätte sagen müssen »unbeständig wie der Mann!«, lieber Droll.

DROLL
Ja - Titania gab ihm auch gleich dieselbe Antwort. »Unbeständig wie der Mann!«

PUCK
Oder - wie die Menschen, Droll.

DROLL
Hoffentlich sind die Menschen klüger und lieben einander noch glühender als sie miteinander streiten. Sonst … Ach, lieber Puck, ich spreche es lieber gar nicht aus.

PUCK
Was ist sonst?

DROLL
Sonst kommt ein grosses Unglück über unsere ganze Elfenwelt. Denn Oberon und Titania haben einen sehr schlimmen Schwur getan. Sie würden einander nie mehr lieben, bevor nicht zwei Menschen der Welt bewiesen, dass sie sozusagen alle beide recht hätten.

PUCK
nickt
Aber wo gibt es solche Menschen?

DROLL
Das ist ja der Kummer.
Deshalb seufzt doch der König im Traum.

PUCK
Und du bist trotzdem so guter Laune?

DROLL
Mit Seufzen ist niemand geholfen. Ich habe unterdessen schon mit dem Suchen begonnen.

PUCK
Und jetzt berichtest du dem König?

DROLL
Ja … Aber still davon. Nur wenn Oberon selbst davon zu reden beginnt …

Puck macht eine Gebärde der Enttäuschung

DROLL
lächelnd
Es sieht mir aber ganz danach aus …

Oberon richtet sich auf, wie aus einem schweren Traum erwachend

Arie

OBERON
Schreckensschwur! - Dein wildes Quälen
Selbst im Schlummer niemals ruht!
Leiden weckst du, nicht zu zählen,
Fachst nur an die inn’re Glut!
Immer Angst und immer Schmerzen,
Doppelt, wenn der Traum verweilet,
Unnennbare Pein im Herzen,
Doch kein Balsam, der sie heilet.
Schreckensschwur! – Dein wildes Quälen
Selbst im Schlaf nicht ruht!
Leiden weckst du, nicht zu zählen,
Fachst nur an die inn’re Glut!
Schreckensschwur!

Droll und Puck kommen ehrfürchtig näher

DROLL
redet ihn mit einer tiefen Verbeugung an
Erlaube uns, grosser König …

OBERON
erwacht völlig
Ach, mein Puck! Und du, Droll, guter Freund …

DROLL
Ich bin nur dein Diener, grosser König.

OBERON
lächelt
Aber der klügste ...

DROLL
Man bemüht sich, liebster Herr. Die ganze Nacht hab ich gesucht.
Von Ost bis West, von Pol zu Pol.

OBERON
überrascht
Hast du sie am Ende schon?

DROLL
Ich bin erst am Anfang. Er ist da und sie ist dort, und die halbe Welt ist zwischen ihnen. Er ist ein Ritter am Hof des Kaisers Karl und heisst Hüon von Bordeaux. Sie ist die Prinzessin Rezia, die Tochter des grossen Kalifen Harun al Raschid. Wenn diese beiden sich so beständig über alle Massen erweisen, wie man annehmen muss, dann ist dein Schwur erfüllt und dann … nun du weisst ja, grosser König.

OBERON
zärtlich
Dann kehrt Titania zu mir zurück!

DROLL
Aber Titania wird nur dann den Schwur als erfüllt ansehen, wenn die Prüfungen so hart werden, wie es der Streit war.

OBERON
Noch länger suchen?

DROLL
Erst müssen sie schon einander finden. Aber dann wieder verlieren und wieder finden und trotzdem nicht voneinander lassen. Hüon ist mit seinem Waffenmeister Scherasmin an unserem Zauberwald vorübergezogen, da war nur noch ganz wenig nötig. Ein paar tanzende Sonnenstrahlen, eine raunende Stimme, und schon habe ich ihn hinter mir hergezogen, wie ich wollte. Gleich wirst du ihn sehen, grosser König.

Hüon und Scherasmin kommen nach vorne

HÜON
Es kam wie Gesang aus der Luft. Ihre Stimme!

SCHERASMIN
Sagen S'endlich, Euer Gnaden, wie diese rätselhafte »Sie« heisst. Das ist doch eine unnötige Quälerei. Eine Geliebte ohne Namen! Eine Schönheit, die man nicht sieht. Eine Braut, von der man nur träumt. Da hätt ich mir längst eine beigebogen, die ich vor mir hab …

HÜON
Wer wirklich in der Tiefe liebt, ist für alle blind … bis er die Geliebte gefunden hat.

SCHERASMIN
Ich weiss nicht, wie tief Ihre Gefühle sitzen, Euer Gnaden. Meine wohnen in der Gurgel und im Magen. Einen Hunger hab ich, dass ich weinen möcht, und einen Durst!

HÜON
Hörst du nicht, Scherasmin? Alles tönt und klingt. Auf einmal werde ich auch so müde.
sinkt um

SCHERASMIN
lagert sich wie er
Ich rieche einen guten Braten.
Und der gute Wein …
sinkt in Schlaf

HÜON
Geliebte Braut …

In der Mitte des Hintergrundes ziehen sich die Blütenranken nach oben, und wie in einem Blumenrahmen wird ein kleiner persische Kiosk sichtbar, in dessen Mitte Rezia sitzt, mit einer Laute in der Hand

Vision

REZIA
Warum musst du schlafen, o Held voll Mut?
Ein Mädchen sitzt weinend an Babylons Flut!
Auf, rette sie dir, eh als Opfer sie sinkt!
Güienne, zu Hilfe, die Schönheit dir winkt!

OBERON
bewegt seinen Zauberstab
Genug!

Die Blütenranken schliessen sich wieder und die Vision verschwindet

SCHERASMIN
schaut um sich
Hilfe, Herr Hüon! Wo sind wir?
geht zu ihm und rüttelt ihn
Aufwachen! Aufstehen!

HÜON
wehrt sich; noch im Halbschlaf
Lass mich doch …
sehnsüchtig
Du holdes Bild!
wacht endlich völlig auf
Was war das eben?

SCHERASMIN
sieht sich misstrauisch um
Am Ende waren wir richtig verzaubert? In dieser merkwürdigen Gegend muss man schon auf alles gefasst sein.

HÜON
Dann hat die Qual des Suchens ein Ende …

SCHERASMIN
Das ist mir eine schöne Zauberei, die einen so mir nix dir nix ums schöne Leben bringt.

OBERON
tritt, gefolgt von Puck und Droll, vor die beiden
Habt keine Sorge. Ich bin dein Freund, Herr Hüon von Bordeaux.

HÜON
Du kennst mich?

OBERON
Freilich!

DROLL
fällt ein
Wir wissen auch, dass du hier die Frau suchst, die von Anbeginn für dich bestimmt ist. Weil du sie im ganzen Frankenland nicht gefunden hast, bist du über das Meer gekommen.

HÜON
Ich würde über alle Meere der Welt fahren.

OBERON
Das wirst du auch noch tun müssen.

DROLL
einfallend
… aber schon mit ihr, nach der du dich sehnst …

HÜON
Wer kann so etwas versprechen?

OBERON
mit Würde
Ich bin Oberon, der König der Elfen.

SCHERASMIN
Nix als schöne Worte und gute Ratschläge. Davon kann man nicht fett werden!

DROLL
Was willst du sonst von uns?

SCHERASMIN
Das ist für mich kein Ratschlag, der mir nicht rät, wo wir zuschlagen müssen. Das sag uns, lieber Herr! Dann holen wir uns schon die Braut und alles, was dazugehört.

OBERON
lächelnd
Du wirst zufrieden sein, lustiger Bursch.

Er winkt nach rückwärts. Zwei Elfen bringen auf einem Polster zu Hüon ein Horn, zwei andere Genien treten zu Scherasmin: auf ihrem Polster steht ein goldener Becher

OBERON
Nimm dir das Horn, Hüon von Bordeaux.

DROLL
Bläst du leise hinein, Hüon, wird dir sogleich ein Zauber aus der Ferne helfen. Bläst du mit ganzem Atem, dann rufst du Oberon selbst.

HÜON
Oh, das versteh ich, Nur der findet ganz die Liebe, der sich ihr ganz hingibt.

SCHERASMIN
Was soll ich denn mit dem Becher da … ?

OBERON
Trink daraus, wenn du in Bedrängnis bist.

SCHERASMIN
Oh, dann bin ich immer in Bedrängnis.
nimmt und trinkt
Das ist ja grossartig. Da wird man sofort dreimal so couragiert.
Komm, trink mit mir, fescher Geist!
hinter Puck her. Puck entwischt ihm

HÜON
Vorwärts, Scherasmin! Worauf wartest du noch?
geht voraus
Oder willst du jetzt nicht mehr, weil es ernst wird?

SCHERASMIN
trinkt rasch aus dem Becher
Von mir aus bis ans Ende der Welt, Herr Hüon.
Wenn man so ausgerüstet wird …
Da riskier ich jeden Krieg …

Feen, Genien und Elfen erscheinen zu Tänzen und Gruppierungen. Hüon von Bordeaux hält sich rechts vorn auf. Oberon inmitten der Feen, Genien und Elfen. Scherasmin links vorn

Ensemble

FEENCHOR
Ehre und Heil dem, der treu ist ed brav!
In Oberon zeigt sich stets ein Freund!
Doch weh für den Feigen, Verräter und Sklav'!
Die Rache der Feen bereit erscheint.
Ehre und Heil dein, der treu ist und brav!
Ehre und Heil!

HÜON
zu Oberon
Sei ein Führer mir, holder Geist!
Zu dem Thron des Ungläubigen leite mich,
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt,
Dort zeig' die Treu' deines Hüon sich.

OBERON
Es küsst die Sonne den Purpursaum,
Der um Feenlauben fliesst,
Oft muss sie sinken in jene Flut,
Eh, sterblicher Ritter, vergönnt dir ist
Zu nahen Bagdads Schloss.
Doch sieh! Mein Lilienzepter weht,
Und Bagdad liegt vor dir.

In der Mitte des Hintergrundes ziehen sich die Blütenranken wieder nach oben, und wie in einem Blumengarten, von der Abendsonne beleuchtet, wird am Ufer des Tigris die Stadt Bagdad sichtbar

HÜON
Kann ich meinen Augen trau'n?
Ja, auf gold'ne Zinnen hier
Sich das Abendrot ergiesset,
Und der Strom in reicher Zier
Schnell zu seinem Meere fliesset.
Doch ach, wo find' ich sie,
Die mir Liebe im Schlummer hat gespendet?
Floh sie denn auf ewig mich?
Hat der Klang denn ganz geendet?

OBERON
Getrost, mein Held, getrost!
Nach Ruhme strebe kühn!
Nur fort, die Lieb' wird dir in Babylon erblühn.

Er verschwindet unauffällig inmitten der Feen und Elfen

ELFENCHOR
Eil, o Held! Liebe und Ruhm,
Sie werden bald dein schönes Eigentum!
Eil, o Held, Liebe und Ruhm,
Lieb' sei dein Eigentum!

HÜON
Sei ein Führer mir, holder Geist!
Zum Kalifen leite mich!
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt!
Holder Geist, sei mein Führer,
Leite zu dem Gottverworf’nen mich!
Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt,
Dort zeig' die Treu' deines Hüon sich!
Sei mein Führer! - Du holder Geist! -

Feen, Genien und Elfen verschwinden nach allen Seiten hin. Oberons Blumenlager versinkt; die Blütenranken ziehen sich vor dem vollen Anblick der in der Abendsonne liegenden Stadt Bagdad nach oben, unten und nach den Seiten hin zurück


ZWEITE SZENE
Auf einer Strasse aus dem Zauberwald Oberons nach Bagdad

SCHERASMIN
kommt mit Droll und Hüon; er geht ein paar Schritte vor den beiden
Immer voran, Herr Hüon! Jetzt ist schon lange genug gescheit geredet worden. Ich hab einen Hunger

DROLL
Und dein Becher?

SCHERASMIN
Das ist es ja: Wenn man in einem fort trinkt, braucht man erst recht eine Unterlag' für den Magen.

DROLL
Ich will dir noch einen Rat geben, bevor du weiterziehst, Hüon.

HÜON
Wie ich Rezia gewinne?

DROLL
Ihr Herz hast du längst. Du musst jetzt nur dazusehen, wie du sie am besten aus dem Palast des Kalifen bringst.
reicht ihm und Scherasmin zwei kostbare Röcke
Verkleidet euch mit diesen Röcken. Auf diese Weise könnt ihr ungehindert in den Palast hineinkommen und euch unter die Grossen des Kalifen mengen.

SCHERASMIN
Aber das Schwert behalten wir unter dem Rock! Und wenn's keiner vermutet, schlagen wir drein.

DROLL
Ihr seid nur zwei gegen Unzählige. Aber wenn es schlimm wird, gebraucht das Horn.

SCHERASMIN
Wird Oberon wirklich erscheinen, wenn wir ihn rufen?

DROLL
Gewissi Aber dann dürft ihr eins nicht vergessen: dass der nächste Tag vielleicht noch schlimmere Not bringt.

HÜON
Not, wenn ich meine Rezia für immer habe? Was fehlt mit dann noch zu meinem Glück?

DROLL
Du musst erst entdecken, wo es für dich wächst,

HÜON
Aus eurem Zauber?

DROLL
Nein, Hüon, viel seltsamer.
Aus Eurem Leid!

Er verschwindet. Hüon und Scherasmin blicken ihm überrascht und nachdenklich nach. Dann fasst Hüon, weiterschreitend, neuen Mut

Arie

HÜON
Von Jugend auf in dem Kampfgefild',
Die Lanze hoch und vor den Schild,
Stets da, wo sich der Mann erprobt,
Am wild'sten Schlacht und Kampflust tobt.
Führend des Vaters Schwert,
Stolz, dass sein Name mich ehrt;
Im Herzen noch die Liebe schwieg.
Mein einz'ges Streben: Sieg! Sieg! Sieg!-
Jetzt giesst sich aus ein sanft'rer Glanz
Auf meines Lebens Wogentanz,
Der Schönheit Lächeln mildert zart
Des Ruhmes wilde Männerart.
Süss, wie des Abends Weh'n,
Stern in der Nacht so schön,
Nichts reizender's dir je verblieb
Um mich zu fesseln: Lieb'! Lieb'! Liebe! –
Ob aber auch neues Gefühl mich durchbebt,
Doch stets noch die frühere Glut mich belebt!
Sein ohne Lieb' welch' düst'rer Trauerflor!
Doch Sein ohne Ehre, den Tod zög' ich vor!



DRITTE SZENE
Eine offene Halle im Harem des Kalifen Harun al Raschid

Finale

REZIA
allein
Eil, edler Held! Befreie dir
Die Braut, die deiner wartet hier!
Eh' soll die Hand mir Tod verleih'n '
Als eines andern sein, denn dein!
Ja, o Herr! Mein Heil, mein Leben!
Rezia ist für ewig dein,
Liebe wusste wohl zu prägen
Meiner Brust dein Siegel ein.
Ja, im Herzen ruht dein Bildnis,
Dort bestimmt es ganz mein Los!
Ja, im Herzen ruht dein Bildnis,
Wie der Tropfen in der Tulpe
Taugetränktem Liebesschoss.
Ja, o Herr! Mein Heil, mein Leben!
Rezia ist für ewig dein

FATIME
tritt eilig ein, freudig
Glück! Freude! Gerettet sind wir in der Not!
Auf! Er ist da und trotzet kühn dem Tod!

REZIA
erwartungsvoll
Da? ? Wo? ? Süsse Fatime, rede weiter fort!

FATIME
Heut abend führte zu Namuna ihn der Zufall!
Nein, das Schicksal! Fürwahr, das Schicksal!
Dort, ganz Wort für Wort, hört er,
was dir im Traum erschien,
Und schwur zu retten ans den Fesseln dich,
Wo nicht, den Tod für sich!

REZIA
Sagt' ich's nicht? Sagt' ich's nicht?

Duettino

BEIDE
O welches Glück!

REZIA
Seine Nähe trag' ich kaum!

FATIME
Sie erträgt es kaum!

BEIDE
O, welches Glück!

REZIA
Seine Nähe trag' ich kaum!

FATIME
Sie erträgt es kaum!

BEIDE
O welches Glück! O welches Glück!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!
Liebe hat erfüllt den Traum!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!
O welches Glück, o welches Glück!

REZIA
Seine Nähe trag' ich kaum!

FATIME
Sie erträgt es kaum!

BEIDE
O seine Nähe trag' ich/trägt sie kaum!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!
Seine Nähe trag' ich/trägt sie kaum!
iebe hat erfüllt den Traum!
Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!

FATIME
Horch, Herrin, horch! Auf der Terrasse Bahn
Schon hört man des Harems Wächter nahn,
Und sieh', die Sklaven kommen sacht,
Weil schon zut Ruhe ruft die Nacht.

Rezia and Fatime kommen vor und geben einander Zeichen des geheimen Einverständnisses. Die Janitscharenmusik bewegt sich langsam auf die Terrasse. Mesru, der sehr dicke Anführer der Haremswächter, erscheint wackelnd mit ihnen. Dreissig Mann Wachen von ebendaher, nehmen hinter der Musik Aufstellung

CHOR
Dunkel ist es schon und spät,
Und von jedem Minaret
Stimmen zum Gebet schon riefen,
Die Lüftchen selbst entschliefen.
Länger bleibt nicht hier am Ort,
Fort zur Ruh, fort, fort, fort, fort!

Der Vollmond steigt herauf und überflutet mit seinem Licht die Halle

REZIA
beiseite
Seele, froh in Jubelklängen,
Wie soll ich zurück dich drängen?
Nur zu laut tut dich ja kund
Das glüh’nde Aug'; beredter Mund!
Dass dich nicht verrat' ein Wort,
Fort zur Ruhe, fort, nur fort!

CHOR
Länger bleibt nicht hier am Ort,
Fort zur Ruh'; fort zur Ruh'!
Dunkel ist es schon und spät,
Und von jedem Minaret
Stimmen rufen zum Gebet!
Das Lüftchen selber schlafen geht,
Fort, drum fort! Fort, nur fort!
Nur fort, nur fort!

Die Janitscharenmusik bewegt sich langsam hinweg



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