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VIERTER AUFZUG


(Wilde Felsengegend)

GENOVEVA
Steil und steiler ragen die Felsen, -
Drohende Gründe!
Schreckliche Wildnis! -
Sagt, wann sind wir am Ziele?

CASPAR, BALTHASAR
Bald!

GENOVEVA
Der Tag ist schwül, die Füße schmerzen,
Gönnt eine Weile Ruhe der Müden!

CASPAR, BALTHASAR
Vorwärts jetzt!

GENOVEVA
Grausames Leid fügt Ihr mir zu! -
Fürchtet Ihr nicht, der einst erscheinen,
Der einst mich rächen wird?

CASPAR, BALTHASAR
Heuchlerin schweigt!

GENOVEVA
Wehe mir Armen! -
Hier führt kein Weg zurück.

(Sie sind unter a angelangt)

BALTHASAR
Hier wartet!

GENOVEVA
Weh' mir, kaum halt' ich aufrecht mich.

(Sie sinkt erschöpft an einem Felsen nieder)

Gaunerlied

CASPAR, BALTHASAR
Sie hatten beid' sich herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er ein Dieb.
Wenn Schelmenstreich' er macht',
Sie warf sich hin und lacht',
Und lacht'.

Um sechse früh ward er gehenkt,
Um sieben drauf in's Grab gesenkt;
Sie aber schon um acht
'nen andern küßt', und lacht',
Und lacht'.

(Sie entfernen sich)

GENOVEVA
Die letzte Hoffnung schwindet,
Bald ist's vorüber! -
Sterben müssen, so jung,
Sterben von Mörderhand, -
Preisgegeben der Schande!
Zeigt kein Ausweg sich?
Erscheint kein Retter?

(Sie erhebt sich)

Siegfried , Siegfried, hörst du die Stimme nicht
Deines Weibes, das dich treu geliebt?
Und die Schuld wird einst zu Tage kommen.
Und sehnsuchtsvoll wirst du mich rufen,
Und trösten kann ich dich nicht,
Siegfried, sagen dir nicht,
Wie ich vergeben alles Weh um deinetwillen! -
Zeigt kein Ausweg sich?
Erscheint kein Retter?

(Sie erblickt das Kreuz)

Was leuchtet hier aus dunklem Versteck -
Ein Kreuz, ein Muttergottesbild!
Dies sah'n sie nicht, sie hätten
Den letzten Trost mir geraubt! -

(niederkniend)

O heil'ge Jungfrau, blick' auf mich,
Gib' Kraft, das Bitterste zu tragen!
Mich geb' ich hier in Deine Hand,
O zieh' sie nicht zurück,
Die Du zum Heil mir ausgestrecket,
Du leitest mich zu meinem Glück,
Gib daß dazu kein Weg mich schrecket! -

Wie wird die Luft von Tönen wach,
Wie weh'n zum Herzen mir sie mild!
Und Fels und Wald hallt von den Tönen nach,
Wie wird auf einmal alles Leid gestillt!

(Ein rosiger Schein ergiesst sich über Genoveva)

Was schau' ich!
Oeffnet sich der Höhle Dach?
Der Himmel über mir von Glanz erfüllt
Und in dem Glanz der Liebe Bild!
Allgütiger!

STIMMEN HINTER DER SZENE
Frieden sei mit dir, Frieden!

GENOVEVA
Sieh mich vor Dir im Staube.
Was ist vor Deines Himmels Herrlichkeit
Der Menschen Not, der Erde kurzes Leid!
Du läßt mich der Verzweiflung
Nicht zum Raube!
Du Liebesquell, mein Hort, an den ich glaube,
Durch Trübsal führst Du ein zur Seligkeit!

STIMMEN HINTER DER SZENE
Frieden!

GENOVEVA
Du Liebesquell, mein Hort, an den ieh glaube,
Dureh Trübsal ftihrst Du ein zur Seligkeit!
Versehwunden ist die hohe Liehtgestalt!
Der Ton verhallt!
Des Himmels Glanz erblasst!

(aufstehend)

Ich hore Sehritte dureh den Wald...

(Golo wird sichtbar)

Was kommen mag, ieh bin gefasst!

GOLO
Kennt Ihr den Ring?
Und auch dies Schwert?
Dies Schwert gab mir Graf Siegfried,
Daß Ihr den Tod von ihm empfangt -
Den Ring, damit an seines Willens Ernst
Ihr keinen Zweifel hegt, - wie dünkt Euch das?

GENOVEVA
Ihr lügt -

GOLO
Lügt auch dies Schwert, -
Lügt auch der Ring, derselbe,
Den Siegfried einst am Traualtar Ihr gabt?

GENOVEVA
Ich - fass' es nicht!

GOLO
Was denkt Ihr über Drago's Ende?

GENOVEVA
Ich? - Nichts. Was denkt der Graf?

GOLO
Was ein jeder denkt, -
Daß Ihr auf's Aergste ihn berückt! -

GENOVEVA
In dieser Stunde fängt mein Elend an.

GOLO
Mit immer höh'ren Reizen Euch zu schmücken -

GENOVEVA
O frevelhafter Spott! - Was säumt Ihr noch?
Hier steh' ich, tötet mich; Ihr tut ein gutes Werk!

GOLO
Wenn Ihr so mutig seid, daß Ihr den Tod
Erwählt, - ich bin zu feig, dies schöne Haupt,
Das mir wie Sonn' und Mond und Sterne war,
An's Schwert zu liefern. -
Kommt und entflieht mit mir!

GENOVEVA
Ihr sprecht im Wahnsinn!

GOLO
Einmal nur
Gib, was Du geben kannst, nur einmal
Laß ruhen mich an Deiner Brust!

GENOVEVA
Zurück, Verruchter!

GOLO
Nur einmal
Gönn' mir dies Himmelsglück! -

GENOVEVA
Hinweg, Du fluchbelad'ner Mann!

GOLO
Hör' mich - vom Tod will ich Dich retten, -
Nur bitte!

GENOVEVA
Euch! O nie!

GOLO
Bedenk', - Du bist in meiner Macht! Ein Wink

(hinter die Szene deutend)

Von mir, - und jene Männer greifen Dich!

GENOVEVA
Ich bin in Gottes Hand! -

GOLO
O sprich es aus ein einzig Wort,
Und Du bist frei! - -
Du schweigst? -

(in die Szene rufend)

Ihr Männer tretet vor!

(Caspar und Balthasar kommen)

Seid Ihr bereit, des Herrn Befehl
An seiner sünd'gen Gattin zu vollziehn?

BALTHASAR, CASPAR.
Ja! -

GOLO
So will's der Graf, Ihr sollt's
Mit diesem Schwerte tun!

(Er gibt ihnen Siegfried Schwert)

DIE BEIDEN
Wie Ihr befehlt, so wird's gescheh'n! -

GOLO
Tut Eure Pflicht!
Ich geh! - Und hört:
Kehr' ich zu Nacht nicht heim in's Schloß,
So sucht mich nicht und sagt den Andern:
Ich sei zu Roß, den Falken auf der Hand,
In's Land hineingesprengt! -

(Er entfernt sich)

CASPAR
(zu Genoveva)
Habt Ihr noch einen Wunsch, so nennt ihn!
Kann ich ihn erfüllen, soll's gescheh'n!

GENOVEVA
Wenn mein Gemahl zurückkehrt, sagt ihm dies:
Daß ich, wie hart er auch mit mir verfuhr,
Ihm Alles doch, bevor ich starb, vergab!

(Die Szene verfinstert sich)

BALTHASAR
Weib, heuchelt nicht im letzten Augenblick!
Ich sah den Drago selbst
in Eurem Schlafgemach!

GENOVEVA
Ich sah den Drago erst, als ihr ihn saht!

BALTHASAR
Ei wie Ihr lügt!

GENOVEVA
Golo, in mich entbrannt,
Und abgewiesen, wie es sich geziemt,
Spann Ränke.

BALTHASAR
Weiter nur!

GENOVEVA
Den guten frommen Knecht betört' er,
Daß er in mein Schlafgemach sich schlich.

BALTHASAR
Nun ist's genug!

GENOVEVA
Umsonst versucht mein Mund,
Die rohen Herzen zu erweichen!

(am Kreuz niederkniend)

Schickst Du kein Zeichen Deiner Huld,
So sterb' ich jetzt! - Doch Deinem Willen
Muss ich mich neigen! -

CASPAR
(zu Balthasar)
Führ' sie vom Kreuze fort; am Kreuz
Mag ich nicht morden!

BALTHASAR
Fort von hier!

GENOVEVA
Vom Kreuze lass' ich nicht!

BALTHASAR
Glaubt Ihr,
Das Kreuz schützt auch ein buhlend Weib?

GENOVEVA.
Von meinem Heiland lass' ich nicht!

CASPAR
(leise zu Balthasar)
Mir ist, als hört' ich in der Ferne
Geschrei und Hörnerruf -

BALTHASAR
Schweig', Feiger, schweig -
Die Furcht hat Dein Gehör geschärft, -
Fass' an, fass' an!

(Hörner hinter der Szene)

CASPAR
Mir bebt die Hand, ich kann es nicht -

GENOVEVA
Heb' gnädig mich zu Dir empor!

CASPAR
Wir sind verraten - laß uns fliehn!

(Er wirft das Schwert weg und entflieht)

BALTHASAR
Hinweg!

(Jäger und Knapper werden sichtbar. Genoveva ist
ohnmächtig niedergesunken)

JÄGER
Sie ist's, am Kreuze dort!
Den Mördern nach!
Zu Hülfe ihr!
Wo ist der Graf? Fort suchet!
Da naht er!

MARGARETHA
Graf Siegfried herbei!

(Siegfried von Margaretha geführt, stürzt Genoveva zu
Füssen, Margaretha verschwindet hinter dem Felsen)

SIEGFRIED
O Genoveva!

CHOR
Weh', sie erkennt ihn nicht!

SIEGFRIED
Mein teures Weib! -

CHOR
Der Schreck raubt' ihr die Sinne!

GENOVEVA
(noch halb bewusstlos)
Güt'ger Gott - wo bin ich!

SIEGFRIED
Mein teures Weib!

GENOVEVA
Die Stimme kenn' ich - -

(gedämpft)

Wie Wolken liegt's vor den Augen mir - -

(Sie erkennt Siegfried)

Siegfried, Du bist's! -

CHOR
Welch' Wiederseh'n!

SIEGFRIED
O laß es ruhn Dein Aug' auf mir! -

GENOVEVA
Ich mische meine Tränen mit den Deinen!

SIEGFRIED
Ich bin die Schuld an Deinem Elend,
Ich bin's, der Dich in Not gebracht
Wie kann ich Dich versöhnen!

GENOVEVA
Sprich nicht so!
Es war nicht Deine Schuld, der Himmel fügt' es!

SIEGFRIED
So lang' ich lebe, kömmt kein Trost
In meine Brust! -

GENOVEVA
Glaub' mir auf's Neu'
Kehrt Ruh und Glück zurück;
Gelingen wird es meiner Lieb' und Treu'!

BEIDE
Gelingen wird es unsrer Lieb' und Treu'!

SIEGFRIED
Kein Trost, kein Trost!

GRENOVEVA
Gelingen wird es meiner Lieb' und Treu!
O glaub es mir, gelingen wird es unsrer Lieb' und Treu!
Aufs neu kehrt Ruh' und Glück zurück;
Gelingen wird es unsrer Lieb' und Treu!

SIEGFRIED
O teures Weib!
Gelingen wird es deiner Lieb' und Treu!
Aufs neu kehrt Ruh' und Glück zurück,
Aufs neu kehrt Ruh' und Glück zurück;
Gelingen wird es unsrer Lieb' und Treu!

GENOVEVA
Doch - wo ist Golo?

BALTHASAR
Um den seid unbesorgt! Wir fanden ihn
Zerschmettert in der Schlucht dort -

GENOVEVA
O laß uns fort von diesem Schreckensort!

CHOR DER FRAUEN
Auf unsern Händen tragen wir Euch!

CHOR DER MÄNNER
Von Zweigen flechten wir
Die Sänfte Euch!

GENOVEVA
Laßt, lieben Leute!
Neue Kräfte, ich fühl's, durchdringen mich -
Habt Dank!

SIEGFRIED
(zu Genoveva)
Stütz' Dich auf mich!

(zu den Jägern)

Kommt Alle mit in's Schloß,
Denn dieser Tag, ein Festtag soll er sein;
Die Glocken läuten schon von fern,
Und Priester sollen Messe singen,
Dem Hocherhabnen unsern Dank zu bringen!

CHOR
Bestreut den Weg mit grünen Mai'n,
Laßt den Ruf erschallen in's Land hinein:
Die viel geduldet, die edle Herrin,
Sie kehrt zurück!
Bestreut den Weg mit grünen Mai'n,

(Gesang hinter der Szene)

Nun hebet Herz und Hände,
Voll Freude himmelan,
Zu ihm, dess' Macht ohn' Ende,
Dem all' wir untertan!

Sein Reich es soll besteh'n,
In aller Ewigkeit,
Für ihn zum Tod zu geh'n
War'n allzeit wir bereit!

(Die Bühne verwandelt sich in die erste Szene
des ersten Aktes)

Lasst den Ruf erschallen ins Land hinein:
Die edle Herrin, o hohes Glück,
Sie kehrt zurück!
O hohes Glück!

Was konnt' uns bringen Schaden,
Da er ja mit uns war!
Er ist der Quell der Gnaden,
Der ew'ge, licht und klar!

HIDULFUS
(tritt mit Großem Gefolge aus der Kirche)
Seid mir gegrüsst nach schwerer
Prüfung Tagen! Sie sind dahin, und sieggeschmückt
Seid aus dem Kampfe ihr hervorgegangen!

GENOVEVA, SIEGFRIED
Des Herren Gnade sichtbarlich
Hat sich an uns erwiesen!

HIDULFUS
So füg ich denn, die lange sich vergebens suchten,
Eure Hände aufs neu zusammen!
Der so gnädig über euch gewaltet,
Bleib' euch gnädig immerdar!

GENOVEVA, SIEGFRIED
Er bleibe gnädig immerdar,
Gnädig, gnädig!

CHOR
Er bleibe gnädig immerdar!
Gnädig, gnädig!
Erschalle, festlicher Sang,
Ertönet, jubelnde Lieder!
Siegfried Heil, dem tapfren Helden,
Heil Genoveva, der hohen Frau,
Siegfried Heil, dem tapfren Helden,
Heil, Genoveva, der hohen Frau!
Siegfried Heil, Heil Genoveva,
Heil Genoveva, Siegfried Heil!
Nehmet zu freundlich holdem
Empfang Blühende Rosen!

GENOVEVA, SIEGFRIED
Habt Dank!

CHOR
Mögen des Lebens Stürme
Euch nie feindlich umtosen!

GENOVEVA, SIEGFRIED
O namenloses Glück!

CHOR
Lebet in Freude! Lebet in Frieden!

GENOVEVA
Ich kann's nicht fassen, nicht glauben,
mein Siegfried!

CHOR
Nehmet zu freundlich holdem Empfang
Blühende Rosen!

GENOVEVA, SIEGFRIED
Habt Dank! Habt Dank!

CHOR
Mögen des Lebens Stürme
Euch nie feindlich umtosen!

GENOVEVA, SIEGFRIED
O namenloses Glück!

ALLE
Siegfried Heil, dem tapfren Helden,
Heil Genoveva, der hohen Frau, Heil, usw.
VIERTER AUFZUG

Wilde Felsengegend

GENOVEVA
Steil und steiler ragen die Felsen, -
Drohende Gründe! Schreckliche Wildnis! -
Sagt, wann sind wir am Ziele?

CASPAR UND BALTHASAR
Bald!

GENOVEVA
Der Tag ist schwül, die Füsse schmerzen,
Gönnt eine Weile Ruhe der Müden!

CASPAR UND BALTHASAR
Vorwärts jetzt!

GENOVEVA
Grausames Leid fügt Ihr mir zu! -
Fürchtet Ihr nicht, der einst erscheinen,
Der einst mich rächen wird?

CASPAR UND BALTHASAR
Heuchlerin schweigt!

GENOVEVA
Wehe mir Armen! -
Hier führt kein Weg zurück.

BALTHASAR
Hier wartet!

GENOVEVA
Weh' mir, kaum halt' ich aufrecht mich.

CASPAR UND BALTHASAR

Gaunerlied

Sie hatten beid' sich herzlich lieb,
Spitzbübin war sie, er ein Dieb.
Wenn Schelmenstreich' er macht',
Sie warf sich hin und lacht',
Und lacht'.

Um sechse früh ward er gehenkt,
Um sieben drauf in's Grab gesenkt;
Sie aber schon um acht
'nen andern küsst', und lacht',
Und lacht'.

GENOVEVA
Die letzte Hoffnung schwindet,
Bald ist's vorüber! -
Sterben müssen, so jung,
Sterben von Mörderhand, -
Preisgegeben der Schande!
Zeigt kein Ausweg sich? erscheint kein Retter?
Siegfried, Siegfried, hörst du die Stimme nicht
Deines Weibes, das dich treu geliebt?
Und die Schuld wird einst zu Tage kommen.
Und sehnsuchtsvoll wirst du mich rufen,
Und trösten kann ich dich nicht,
Siegfried, sagen dir nicht,
Wie ich vergeben
Alles Weh um deinetwillen! -
Zeigt kein Ausweg sich? erscheint kein Retter?
Was leuchtet hier aus dunklem Versteck -
Ein Kreuz, ein Muttergottesbild!

Dies sah'n sie nicht, sie hätten
Den letzten Trost mir geraubt! -
O heil'ge Jungfrau, blick' auf mich,
Gib' Kraft, das Bitterste zu tragen!
Mich geb' ich hier in Deine Hand,
O zieh' sie nicht zurück,
Die Du zum Heil mir ausgestrecket,
Du leitest mich zu meinem Glück,
Gib dass dazu kein Weg mich schrecket! -

Wie wird die Luft von Tönen wach,
Wie weh'n zum Herzen mir sie mild!
Und Fels und Wald hallt von den Tönen nach,
Wie wird auf einmal alles Leid gestillt!
Was schau' ich! Oeffnet sich der Höhle Dach?
Der Himmel über mir von Glanz erfüllt
Und in dem Glanz der Liebe Bild!

Allgütiger! Sieh mich vor Dir im Staube.
Was ist vor Deines Himmels Herrlichkeit
Der Menschen Not, der Erde kurzes Leid!
Du lässt mich der Verzweiflung nicht zum Raube!
Du Liebesquell, mein Hort, an den ich glaube,
Durch Trübsal führst Du ein zur Seligkeit!

Ich höre Schritte durch den Wald, -
Was kommen mag, ich bin gefasst.

GOLO
Kennt Ihr den Ring?

GOLO
Und auch dies Schwert?
Dies Schwert gab mir Graf Siegfried,
Dass Ihr den Tod von ihm empfangt -
Den Ring, damit an seines Willens Ernst
Ihr keinen Zweifel hegt, - wie dünkt Euch das?

GENOVEVA
Ihr lügt -

GOLO
Lügt auch dies Schwert, -
Lügt auch der Ring, derselbe,
Den Siegfried einst am Traualtar Ihr gabt?

GENOVEVA
Ich - fass' es nicht!

GOLO
Was denkt Ihr über Drago's Ende?

GENOVEVA
Ich? - Nichts. Was denkt der Graf?

GOLO
Was ein jeder denkt, -
Dass Ihr auf's Aergste ihn berückt! -

GENOVEVA
In dieser Stunde fängt mein Elend an.

GOLO
Mit immer höh'ren Reizen Euch zu schmücken -

GENOVEVA
O frevelhafter Spott! - Was säumt Ihr noch?
Hier steh' ich, tötet mich; Ihr tut ein gutes Werk!

GOLO
Wenn Ihr so mutig seid, dass Ihr den Tod
Erwählt, - ich bin zu feig, dies schöne Haupt,
Das mir wie Sonn' und Mond und Sterne war,
An's Schwert zu liefern. -
Kommt und entflieht mit mir!

GENOVEVA
Ihr sprecht im Wahnsinn!

GOLO
Einmal nur
Gib, was Du geben kannst, nur einmal
Lass ruhen mich an Deiner Brust!

GENOVEVA
Zurück, Verruchter!

GOLO
Nur einmal
Gönn' mir dies Himmelsglück! -

GENOVEVA
Hinweg, Du fluchbelad'ner Mann!

GOLO
Hör' mich - vom Tod will ich Dich retten, -
Nur bitte!

GENOVEVA
Euch! O nie!

GOLO
Bedenk', -
Du bist in meiner Macht! Ein Wink
Von mir, - und jene Männer greifen Dich!

GENOVEVA
Ich bin in Gottes Hand! -

GOLO
O sprich es aus ein einzig Wort,
Und Du bist frei! - -
Du schweigst? -
Ihr Männer tretet vor!
Seid Ihr bereit, des Herrn Befehl
An seiner sünd'gen Gattin zu vollziehn?

BALTHASAR UND CASPAR.
Ja! -

GOLO
So will's der Graf, Ihr sollt's
Mit diesem Schwerte tun!

DIE BEIDEN
Wie Ihr befehlt, so wird's gescheh'n! -

GOLO
Tut Eure Pflicht!
Ich geh! - Und hört:
Kehr' ich zu Nacht nicht heim in's Schloss,
So sucht mich nicht und sagt den Andern:
Ich sei zu Ross, den Falken auf der Hand,
In's Land hineingesprengt! -

CASPAR
Habt Ihr noch einen Wunsch, so nennt ihn! Kann
Ich ihn erfüllen, soll's gescheh'n!

GENOVEVA
Wenn mein Gemahl zurückkehrt, sagt ihm dies:
Dass ich, wie hart er auch mit mir verfuhr,
Ihm Alles doch, bevor ich starb, vergab!

BALTHASAR
Nun ist's genug!

GENOVEVA
Umsonst versucht mein Mund,
Die rohen Herzen zu erweichen!
Schickst Du kein Zeichen Deiner Huld,
So sterb' ich jetzt! - Doch Deinem Willen
Muss ich mich neigen! -

CASPAR
Führ' sie vom Kreuze fort; am Kreuz
Mag ich nicht morden!

BALTHASAR
Fort von hier!

GENOVEVA
Vom Kreuze lass' ich nicht!

BALTHASAR
Glaubt Ihr, das Kreuz schützt auch ein buhlend Weib?

GENOVEVA.
Von meinem Heiland lass' ich nicht!

CASPAR
Mir ist, als hört' ich in der Ferne
Geschrei und Hörnerruf -

BALTHASAR
Schweig', Feiger, schweig -
Die Furcht hat Dein Gehör geschärft, -
Fass' an, fass' an!

CASPAR
Mir bebt die Hand, ich kann es nicht -

GENOVEVA
Heb' gnädig mich zu Dir empor!

CASPAR
Wir sind verraten - lass uns fliehn!

BALTHASAR
Hinweg!

JÄGER
Sie ist's, am Kreuze dort!
Den Mördern nach!
Zu Hülfe ihr!
Wo ist der Graf? Fort suchet!
Da naht er!

MARGARETHA
Graf Siegfried herbei!

SIEGFRIED
O Genoveva!

CHOR
Weh', sie erkennt ihn nicht!

SIEGFRIED
Mein teures Weib! -

CHOR
Der Schreck raubt' ihr die Sinne!

GENOVEVA
Güt'ger Gott - wo bin ich!

SIEGFRIED
Mein teures Weib!

GENOVEVA
Die Stimme kenn' ich - -
Wie Wolken liegt's vor den Augen mir - -
Siegfried, Du bist's! -

CHOR
Welch' Wiederseh'n!

SIEGFRIED
O lass es ruhn Dein Aug' auf mir! -

GENOVEVA
Ich mische meine Tränen mit den Deinen!

SIEGFRIED
Ich bin die Schuld an Deinem Elend,
Ich bin's, der Dich in Not gebracht
Wie kann ich Dich versöhnen!

GENOVEVA
Sprich nicht so!
Es war nicht Deine Schuld, der Himmel fügt' es!

SIEGFRIED
So lang' ich lebe, kömmt kein Trost
In meine Brust! -

GENOVEVA
Glaub' mir auf's Neu'
Kehrt Ruh und Glück zurück;
Gelingen wird es meiner Lieb' und Treu'!

BEIDE
Gelingen wird es unsrer Lieb' und Treu'!

GENOVEVA
Doch - wo ist Golo?

BALTHASAR
Um den seid unbesorgt! Wir fanden ihn
Zerschmettert in der Schlucht dort -

GENOVEVA
O lass uns fort von diesem Schreckensort!

SIEGFRIED
Versagen Dir die Füsse nicht die Kraft?

CHOR DER FRAUEN
Auf unsern Händen
Tragen wir Euch!

CHOR DER MÄNNER
Von Zweigen flechten wir
Die Sänfte Euch!

GENOVEVA
Lasst, lieben Leute! Neue Kräfte,
Ich fühl's, durchdringen mich - habt Dank!

SIEGFRIED
Stütz' Dich auf mich!
Kommt Alle mit in's Schloss,
Denn dieser Tag, ein Festtag soll er sein;
Die Glocken läuten schon von fern,
Und Priester sollen Messe singen,
Dem Hocherhabnen unsern Dank zu bringen!

CHOR
Bestreut den Weg mit grünen Mai'n,
Lasst den Ruf erschallen in's Land hinein:
Die viel geduldet,
Die edle Herrin,
Sie kehrt zurück!

Gesang hinter der Szene

Nun hebet Herz und Hände,
Voll Freude himmelan,
Zu ihm, dess' Macht ohn' Ende,
Dem all' wir untertan!

Sein Reich es soll besteh'n,
In aller Ewigkeit,
Für ihn zum Tod zu geh'n
War'n allzeit wir bereit!

Was konnt' uns bringen Schaden,
Da er ja mit uns war!
Er ist der Quell der Gnaden,
Der ew'ge, licht und klar!

SCHLUSSCHOR
Erschalle, festlicher Sang,
Ertönet, jubelnde Lieder!
Siegfried Heil
Dem tapferen Helden,
Heil Genoveva
Der hohen Frau!
Das uns so lang
Entrissen war,
Das edle Paar
Es kehrt uns zurück!

MÄDCHEN
Nehmet zu freundlich -
Holdem Empfang
Blühende Rosen!

SIEGFRIED UND GENOVEVA
Habt Dank, habt Dank!

JÜNGLINGE
Mögen des Lebens
Stürme euch nie
Feindlich umtosen!

SIEGFRIED UND GENOVEVA
O namenloses Glück!

MÄDCHEN
Lebet in Freude!

JÜNGLINGE
Lebet in Frieden!

GENOVEVA
Ich kann's nicht fassen,
Nicht glauben, mein Siegfried!

ALLE
Siegfried Heil, dem tapferen Helden,
Heil Genoveva, der hohen Frau!


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