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SECHSTE SZENE
Beckmesser ist, dem Nachtwächter nachschleichend, die Gasse heraufgekommen, hat nach den Fenstern von Pogners Haus gespäht und, an Sachsens Haus gelehnt, stimmt er jetzt seine mitgebrachte Laute

EVA
Walther zurückhaltend
Tu's nicht! - Doch horch!

WALTHER
Einer Laute Klang.
Als Sachs den ersten Ton der Laute vernommen, hat er, von einem plötzlichen Einfall erfasst, das Licht wieder etwas eingezogen und öffnet leise den unteren Teil des Ladens

EVA
Ach, meine Not!

WALTHER
Wie, wird dir bang'?
Der Schuster, sieh, zog ein das Licht. So sei's gewagt!

EVA
Weh! Siehst du denn nicht? Ein and'rer kam und nahm dort Stand.
Sachs hat unvermerkt seinen Werktisch ganz unter die Tür gestellt Jetzt erlauscht er Evas Ausruf

WALTHER
Ich hör's und seh's:
ein Musikant. Was will der hier so spät des Nachts?

EVA
in Verzweiflung
‘s ist Beckmesser schon!

SACHS
Aha, ich dacht's!
Er setzt sich leise zur Arbeit zurecht

WALTHER
Der Merker? Er in meiner Gewalt?
Drauf zu! Den Lung'rer mach' ich kalt!

EVA
Um Gott! So hör! Willst den Vater wecken?
Er singt ein Lied, dann zieht er ab.
Lass dort uns im Gebüsch verstecken. -
Was mit den Männern ich Müh' doch hab!
Sie zieht Walther hinter das Gebüsch auf die Bank unter der Linde. Beckmesser, eifrig nach dem Fenster lugend, klimpert voll Ungeduld heftig auf der Laute. Als er sich endlich auch zum Singen rüstet, schlägt Sachs sehr stark mit dem Hammer auf den Leisten, nachdem er soeben das Licht wieder hell auf die Strasse hat fallen lassen.

SACHS
Jerum! Jerum! Hallo hallo he!
O ho! Trallalei! Trallalei! O ho!

BECKMESSER
springt ärgerlich von dem Steinsitz auf und gewahrt Sachs bei der Arbeit
Was soll das sein?
Verdammtes Schrein!

SACHS
Als Eva aus dem Paradies
von Gott dem Herrn verstossen,
gar schuf ihr Schmerz der harte Kies
an ihrem Fuss, dem blossen.

BECKMESSER
Was fällt dem groben Schuster ein?

SACHS
Das jammerte den Herrn,

WALTHER
flüsternd zu Eva
Was heisst das Lied? Wie nennt er dich?

SACHS
ihr Füsschen hatt' er gern,

EVA
flüsternd zu Walther
Ich hört' es schon:
‘s geht nicht auf mich.

SACHS
und seinem Engel rief er zu:

EVA
Doch eine Bosheit steckt darin.

SACHS
»Da, mach der armen Sünd'rin Schuh'!
Und da der Adam, wie ich seh',
an Steinen dort sich stösst die Zeh',
dass recht fortan er wandeln kann,
so miss dem auch Stiefeln an!«

WALTHER
Welch Zögernis! Die Zeit geht hin!

BECKMESSER
tritt zu Sachs heran
Wie, Meister? Auf? Noch so spät zur Nacht?

SACHS
Herr Stadtschreiber! Was, Ihr wacht?
Die Schuh' machen Euch grosse Sorgen?
Ihr seht, ich bin dran:
Ihr habt sie morgen.
Er arbeitet

BECKMESSER
zornig
Hol' der Teufel die Schuh'! Hier will ich Ruh'!

SACHS
Jerum! Jerum!
Hallo hallo he!
Oho! Trallalei! Trallalei! O he!
O Eva, Eva! Schlimmes Weib,
das hast du am Gewissen,

WALTHER
zu Eva
Uns oder dem Merker? Wem spielt er den Streich?

SACHS
dass ob der Füss' am Menschenleib

EVA
zu Walther
Ich fürcht', uns dreien
gilt er gleich.

SACHS
jetzt Engel schustern müssen.

EVA
O weh der Pein.
Mir ahnt nichts Gutes!

SACHS
Blieb'st du im Paradies, da gab es keinen Kies.

WALTHER
Mein süsser Engel, sei guten Mutes!

SACHS
Um deiner jungen Missetat
hantier' ich jetzt mit Ahl' und Draht

EVA
Mich betrübt das Lied!

WALTHER
Ich hör' es kaum!
Du bist bei mir,
welch holder Traum!
Er zieht sie zärtlich an sich

SACHS
und ob Herrn Adams übler Schwäch'
versohl' ich Schuh' und streiche Pech.
Wär' ich nicht fein ein Engel rein,
Teufel möchte Schuster sein!

Beckmesser drohend auf Sachs zufahrend

SACHS
Je -
Er unterbricht sich

BECKMESSER
Gleich höret auf!
Spielt Ihr mir Streich'?
Bleibt Ihr tags und nachts Euch gleich?

SACHS
Wenn ich hier sing', was kümmert's Euch?
Die Schuhe sollen doch fertig werden?

BECKMESSER
So schliesst Euch ein und schweigt dazu still!

SACHS
Des Nachts arbeiten macht Beschwerden;
wenn ich da munter bleiben will,
so brauch' ich Luft und frischen Gesang;
drum hört, wie der dritte Vers gelang!
Er wichst den Draht ersichtlich

BECKMESSER
Er macht mich rasend!

SACHS
fortarbeitend
Jerum! Jerum!
Hallo hallo he!

BECKMESSER
Das grobe Geschrei!

SACHS
O ho! Trallalei! Trallalei! O he!

BECKMESSER
Am End' denkt sie gar, dass ich das sei!
Er hält sich die Ohren zu und geht verzweiflungsvoll, sich mit sich beratend, die Gasse vor dem Fenster auf und ab

SACHS
O Eva! Hör mein' Klageruf,
mein' Not und schwer Verdrüssen!
Die Kunstwerk', die ein Schuster schuf,
sie tritt die Welt mit Füssen!
Gäb' nicht ein Engel Trost,
der gleiches Werk erlost,
und rief' mich oft ins Paradies,
wie ich da Schuh' und Stiefel liess'!
Doch wenn mich der im Himmel hält,
dann liegt zu Füssen mir die Welt,
und bin in Ruh'
Hans Sachs ein Schuh-
macher und Poet dazu.

BECKMESSER
Das Fenster geht auf!
Er späht nach dem Fenster, welches jetzt leise geöffnet wird und an welchem vorsichtig Magdalene in Evas Kleidung sich zeigt.

EVA
mit grosser Aufgeregtheit
Mich schmerzt das Lied, ich weiss nicht wie!
O fort, lass uns fliehen!

WALTHER
auffahrend
Nun denn:
mit dem Schwert!

EVA
Nicht doch! Ach, halt!

BECKMESSER
Herrgott, ‘s ist sie!

WALTHER
die Hand vom Schwert nehmend
Kaum wär' er's wert!

EVA
Ja, besser Geduld!

BECKMESSER
der, während Sachs fortfährt zu arbeiten und zu singen, in grosser Aufregung mit sich beraten hat
Jetzt bin ich verloren, singt der noch fort!

EVA
O bester Mann,
dass ich so Not dir machen kann!

BECKMESSER
tritt zu Sachs an den Laden heran und klimpert, während des Folgenden mit dem Rücken der Gasse zugewandt, seitwärts auf der Laute, um Magdalene am Fenster festzuhalten
Freund Sachs! So hört doch nur ein Wort!

WALTHER
leise zu Eva
Wer ist am Fenster?

BECKMESSER
Wie seid Ihr auf die Schuh' versessen!

EVA
‘s ist Magdalene.

BECKMESSER
Ich hatt' sie wahrlich schon vergessen.

WALTHER
Das heiss' ich vergelten!

BECKMESSER
Als Schuster seid Ihr mir wohl wert,

WALTHER
Fast muss ich lachen.

BECKMESSER
als Kunstfreund doch weit mehr verehrt.

EVA
Wie ich ein End' und Flucht mir ersehne!

WALTHER
Ich wünscht', er möchte den Anfang machen.
Walther und Eva, auf der Bank sanft aneinandergelehnt, erfolgen des weiteren Sachs und Beckmesser mit wachsender Teilnahme

BECKMESSER
Eu'r Urteil, glaubt, das halt' ich hoch;
drum bitt' ich:
hört das Liedlein doch,
mit dem ich morgen möcht' gewinnen,
ob das auch recht nach Euren Sinnen.
Er klimpert wiederholt seitwärts nach dem Fenster gewandt

SACHS
Oha! Wollt mich beim Wahne fassen?
Mag mich nicht wieder schelten lassen.
»Seit sich der Schuster dünkt Poet,
gar übel es um Eu'r Schuhwerk steht.«
Ich seh', wie's schlappt und überall klappt:
drum lass ich Vers und Reim'
gar billig nun daheim,
Verstand und Witz und Kenntnis dazu,
mach' Euch für morgen die neuen Schuh'.

BECKMESSER
kreischend
Lasst das doch sein! Das war ja nur Scherz.
Vernehmt besser, wie's mir ums Herz!
Vom Volk seid Ihr geehrt,
auch der Pognerin seid Ihr wert.
Will ich vor aller Welt
nun morgen um die werben,
sagt, könnt's mich nicht verderben,
wenn mein Lied ihr nicht gefällt?
Drum hört mich ruhig an;
und sang ich, sagt mir dann,
was Euch gefällt, was nicht,
dass ich mich danach richt'.
Er klimpert wieder

SACHS
Ei, lasst mich doch in Ruh'!
Wie käme solche Ehr' mir zu?
Nur Gassenhauer dicht' ich zum meisten,
drum sing' ich zur Gassen und hau' auf den Leisten.
Jerum! Jerum!
Hallo hallo he!

BECKMESSER
Verfluchter Kerl! Den Verstand verlier' ich
mit seinem Lied voll Pech und Schmierich! -

SACHS
O ho! Trallalei! Trallalei! O he!

BECKMESSER
Schweigt doch! Weckt Ihr die Nachbarn auf?

SACHS
Die sind's gewohnt:
‘s hört keiner drauf. -
»O Eva, Eva!« -

BECKMESSER
in höchste Wut ausbrechend
O Ihr boshafter Geselle!
Ihr spielt mir heut' den letzten Streich!
Schweigt Ihr jetzt nicht auf der Stelle,
so denkt Ihr dran, das schwör' ich Euch.
Er klimpert wütend
Neidisch seid Ihr, nichts weiter,
dünkt Ihr Euch auch gleich gescheiter.
Dass andre auch was sind, ärgert Euch schändlich!
Glaubt, ich kenne Euch aus- und inwendlich!
Dass man Euch noch nicht zum Merker gewählt,
das ist's, was den gallichten Schuster quält.
Nun gut! Solang' als Beckmesser lebt
und ihm noch ein Reim an den Lippen klebt,
solang' ich noch bei den Meistern was gelt',
ob Nürnberg »blüh' und wachs'«,
das schwör' ich Herrn Hans Sachs:
nie wird er je zum Merker bestellt!
Er klimpert in höchster Wut

SACHS
der ihm ruhig und aufmerksam zugehört hat
War das Eu'r Lied?

BECKMESSER
Der Teufel hol's!

SACHS
Zwar wenig Regel:
doch klang's recht stolz!

BECKMESSER
Wollt Ihr mich hören?

SACHS
In Gottes Namen
singt zu:
ich schlag' auf die Sohl' die Rahmen.

BECKMESSER
Doch schweigt Ihr still?

SACHS
Ei, singet Ihr,
die Arbeit, schaut, fördert's auch mir.

BECKMESSER
Das verfluchte Klopfen wollt Ihr doch lassen?

SACHS
Wie sollt' ich die Sohl' Euch richtig fassen?

BECKMESSER
Was? Ihr wollt klopfen, und ich soll singen?

SACHS
Euch muss das Lied, mir der Schuh gelingen.

BECKMESSER
Ich mag keine Schuh'!

SACHS
Das sagt Ihr jetzt;
in der Singschul' Ihr mir's dann wieder versetzt.
Doch hört! Vielleicht sich's richten lässt:
zwei-einig geht der Mensch am best.
Darf ich die Arbeit nicht entfernen,
die Kunst des Merkers möcht' ich erlernen.
Darin kommt Euch nun keiner gleich;
ich lern' sie nie, wenn nicht von Euch.
Drum singt Ihr nun, ich acht' und merk'
und fördr' auch wohl dabei mein Werk.

BECKMESSER
Merkt immer zu; und was nicht gewann,
nehmt Eure Kreide und streicht mir‘s an.

SACHS
Nein, Herr! Da fleckten die Schuh' mir nicht,
mit dem Hammer auf den Leisten halt' ich Gericht.

BECKMESSER
Verdammte Bosheit! - Gott, und ‘s wird spät:
am End' mir die Jungfer vom Fenster geht!
Er klimpert eifrig

SACHS
aufschlagend
Fanget an! ‘s pressiert! Sonst sing' ich für mich!

BECKMESSER
Haltet ein! Nur das nicht! - Teufel, wie ärgerlich! -
Wollt Ihr Euch denn als Merker erdreisten,
nun gut, so merkt mit dem Hammer auf den Leisten;
nur mit dem Beding, nach den Regeln scharf,
aber nichts, was nach den Regeln ich darf.

SACHS
Nach den Regeln, wie sie der Schuster kennt,
dem die Arbeit unter den Händen brennt.

BECKMESSER
Auf Meisterehr'?

SACHS
Und Schustermut!

BECKMESSER
Nicht einen Fehler:
glatt und gut!
Nachtwächterhorn sehr entfernt

SACHS
Dann gingt Ihr morgen unbeschuht.

WALTHER
leise zu Eva
Welch toller Spuk!
Mich dünkt's ein Traum.

SACHS
auf den Steinsitz vor der Ladentür deutend
Setzt Euch denn hier!

BECKMESSER
zieht sich nach der Ecke des Hauses zurück
Lasst hier mich stehen!

WALTHER
den Singstuhl, scheint's, verliess ich kaum!

SACHS
Warum so weit?

BECKMESSER
Euch nicht zu seh'n,
wie's Brauch der Schul' vor dem Gemerk'.

EVA
sanft an Walthers Brust gelehnt
Die Schläf' umwebt mir's wie ein Wahn:
ob's Heil, ob Unheil, was ich ahn'?

SACHS
Da hör' ich Euch schlecht.

BECKMESSER
Der Stimme Stärk'
ich so gar lieblich dämpfen kann.
Er stellt sich ganz um die Ecke, dem Fenster gegenüber, auf

SACHS
Wie fein! Nun gut denn! - Fanget an!
Beckmesser stimmt die in der Wut unversehens heraufgeschraubte D-Saite wieder herunter. Sachs holt mit dem Hammer aus
SECHSTE SZENE
Beckmesser ist, dem Nachtwächter nachschleichend, die Gasse heraufgekommen, hat nach den Fenstern von Pogners Haus gespäht und, an Sachsens Haus gelehnt, stimmt er jetzt seine mitgebrachte Laute

EVA
Walther zurückhaltend
Tu's nicht! - Doch horch!

WALTHER
Einer Laute Klang.
Als Sachs den ersten Ton der Laute vernommen, hat er, von einem plötzlichen Einfall erfasst, das Licht wieder etwas eingezogen und öffnet leise den unteren Teil des Ladens

EVA
Ach, meine Not!

WALTHER
Wie, wird dir bang'?
Der Schuster, sieh, zog ein das Licht. So sei's gewagt!

EVA
Weh! Siehst du denn nicht? Ein and'rer kam und nahm dort Stand.
Sachs hat unvermerkt seinen Werktisch ganz unter die Tür gestellt Jetzt erlauscht er Evas Ausruf

WALTHER
Ich hör's und seh's:
ein Musikant. Was will der hier so spät des Nachts?

EVA
in Verzweiflung
‘s ist Beckmesser schon!

SACHS
Aha, ich dacht's!
Er setzt sich leise zur Arbeit zurecht

WALTHER
Der Merker? Er in meiner Gewalt?
Drauf zu! Den Lung'rer mach' ich kalt!

EVA
Um Gott! So hör! Willst den Vater wecken?
Er singt ein Lied, dann zieht er ab.
Lass dort uns im Gebüsch verstecken. -
Was mit den Männern ich Müh' doch hab!
Sie zieht Walther hinter das Gebüsch auf die Bank unter der Linde. Beckmesser, eifrig nach dem Fenster lugend, klimpert voll Ungeduld heftig auf der Laute. Als er sich endlich auch zum Singen rüstet, schlägt Sachs sehr stark mit dem Hammer auf den Leisten, nachdem er soeben das Licht wieder hell auf die Strasse hat fallen lassen.

SACHS
Jerum! Jerum! Hallo hallo he!
O ho! Trallalei! Trallalei! O ho!

BECKMESSER
springt ärgerlich von dem Steinsitz auf und gewahrt Sachs bei der Arbeit
Was soll das sein?
Verdammtes Schrein!

SACHS
Als Eva aus dem Paradies
von Gott dem Herrn verstossen,
gar schuf ihr Schmerz der harte Kies
an ihrem Fuss, dem blossen.

BECKMESSER
Was fällt dem groben Schuster ein?

SACHS
Das jammerte den Herrn,

WALTHER
flüsternd zu Eva
Was heisst das Lied? Wie nennt er dich?

SACHS
ihr Füsschen hatt' er gern,

EVA
flüsternd zu Walther
Ich hört' es schon:
‘s geht nicht auf mich.

SACHS
und seinem Engel rief er zu:

EVA
Doch eine Bosheit steckt darin.

SACHS
»Da, mach der armen Sünd'rin Schuh'!
Und da der Adam, wie ich seh',
an Steinen dort sich stösst die Zeh',
dass recht fortan er wandeln kann,
so miss dem auch Stiefeln an!«

WALTHER
Welch Zögernis! Die Zeit geht hin!

BECKMESSER
tritt zu Sachs heran
Wie, Meister? Auf? Noch so spät zur Nacht?

SACHS
Herr Stadtschreiber! Was, Ihr wacht?
Die Schuh' machen Euch grosse Sorgen?
Ihr seht, ich bin dran:
Ihr habt sie morgen.
Er arbeitet

BECKMESSER
zornig
Hol' der Teufel die Schuh'! Hier will ich Ruh'!

SACHS
Jerum! Jerum!
Hallo hallo he!
Oho! Trallalei! Trallalei! O he!
O Eva, Eva! Schlimmes Weib,
das hast du am Gewissen,

WALTHER
zu Eva
Uns oder dem Merker? Wem spielt er den Streich?

SACHS
dass ob der Füss' am Menschenleib

EVA
zu Walther
Ich fürcht', uns dreien
gilt er gleich.

SACHS
jetzt Engel schustern müssen.

EVA
O weh der Pein.
Mir ahnt nichts Gutes!

SACHS
Blieb'st du im Paradies, da gab es keinen Kies.

WALTHER
Mein süsser Engel, sei guten Mutes!

SACHS
Um deiner jungen Missetat
hantier' ich jetzt mit Ahl' und Draht

EVA
Mich betrübt das Lied!

WALTHER
Ich hör' es kaum!
Du bist bei mir,
welch holder Traum!
Er zieht sie zärtlich an sich

SACHS
und ob Herrn Adams übler Schwäch'
versohl' ich Schuh' und streiche Pech.
Wär' ich nicht fein ein Engel rein,
Teufel möchte Schuster sein!

Beckmesser drohend auf Sachs zufahrend

SACHS
Je -
Er unterbricht sich

BECKMESSER
Gleich höret auf!
Spielt Ihr mir Streich'?
Bleibt Ihr tags und nachts Euch gleich?

SACHS
Wenn ich hier sing', was kümmert's Euch?
Die Schuhe sollen doch fertig werden?

BECKMESSER
So schliesst Euch ein und schweigt dazu still!

SACHS
Des Nachts arbeiten macht Beschwerden;
wenn ich da munter bleiben will,
so brauch' ich Luft und frischen Gesang;
drum hört, wie der dritte Vers gelang!
Er wichst den Draht ersichtlich

BECKMESSER
Er macht mich rasend!

SACHS
fortarbeitend
Jerum! Jerum!
Hallo hallo he!

BECKMESSER
Das grobe Geschrei!

SACHS
O ho! Trallalei! Trallalei! O he!

BECKMESSER
Am End' denkt sie gar, dass ich das sei!
Er hält sich die Ohren zu und geht verzweiflungsvoll, sich mit sich beratend, die Gasse vor dem Fenster auf und ab

SACHS
O Eva! Hör mein' Klageruf,
mein' Not und schwer Verdrüssen!
Die Kunstwerk', die ein Schuster schuf,
sie tritt die Welt mit Füssen!
Gäb' nicht ein Engel Trost,
der gleiches Werk erlost,
und rief' mich oft ins Paradies,
wie ich da Schuh' und Stiefel liess'!
Doch wenn mich der im Himmel hält,
dann liegt zu Füssen mir die Welt,
und bin in Ruh'
Hans Sachs ein Schuh-
macher und Poet dazu.

BECKMESSER
Das Fenster geht auf!
Er späht nach dem Fenster, welches jetzt leise geöffnet wird und an welchem vorsichtig Magdalene in Evas Kleidung sich zeigt.

EVA
mit grosser Aufgeregtheit
Mich schmerzt das Lied, ich weiss nicht wie!
O fort, lass uns fliehen!

WALTHER
auffahrend
Nun denn:
mit dem Schwert!

EVA
Nicht doch! Ach, halt!

BECKMESSER
Herrgott, ‘s ist sie!

WALTHER
die Hand vom Schwert nehmend
Kaum wär' er's wert!

EVA
Ja, besser Geduld!

BECKMESSER
der, während Sachs fortfährt zu arbeiten und zu singen, in grosser Aufregung mit sich beraten hat
Jetzt bin ich verloren, singt der noch fort!

EVA
O bester Mann,
dass ich so Not dir machen kann!

BECKMESSER
tritt zu Sachs an den Laden heran und klimpert, während des Folgenden mit dem Rücken der Gasse zugewandt, seitwärts auf der Laute, um Magdalene am Fenster festzuhalten
Freund Sachs! So hört doch nur ein Wort!

WALTHER
leise zu Eva
Wer ist am Fenster?

BECKMESSER
Wie seid Ihr auf die Schuh' versessen!

EVA
‘s ist Magdalene.

BECKMESSER
Ich hatt' sie wahrlich schon vergessen.

WALTHER
Das heiss' ich vergelten!

BECKMESSER
Als Schuster seid Ihr mir wohl wert,

WALTHER
Fast muss ich lachen.

BECKMESSER
als Kunstfreund doch weit mehr verehrt.

EVA
Wie ich ein End' und Flucht mir ersehne!

WALTHER
Ich wünscht', er möchte den Anfang machen.
Walther und Eva, auf der Bank sanft aneinandergelehnt, erfolgen des weiteren Sachs und Beckmesser mit wachsender Teilnahme

BECKMESSER
Eu'r Urteil, glaubt, das halt' ich hoch;
drum bitt' ich:
hört das Liedlein doch,
mit dem ich morgen möcht' gewinnen,
ob das auch recht nach Euren Sinnen.
Er klimpert wiederholt seitwärts nach dem Fenster gewandt

SACHS
Oha! Wollt mich beim Wahne fassen?
Mag mich nicht wieder schelten lassen.
»Seit sich der Schuster dünkt Poet,
gar übel es um Eu'r Schuhwerk steht.«
Ich seh', wie's schlappt und überall klappt:
drum lass ich Vers und Reim'
gar billig nun daheim,
Verstand und Witz und Kenntnis dazu,
mach' Euch für morgen die neuen Schuh'.

BECKMESSER
kreischend
Lasst das doch sein! Das war ja nur Scherz.
Vernehmt besser, wie's mir ums Herz!
Vom Volk seid Ihr geehrt,
auch der Pognerin seid Ihr wert.
Will ich vor aller Welt
nun morgen um die werben,
sagt, könnt's mich nicht verderben,
wenn mein Lied ihr nicht gefällt?
Drum hört mich ruhig an;
und sang ich, sagt mir dann,
was Euch gefällt, was nicht,
dass ich mich danach richt'.
Er klimpert wieder

SACHS
Ei, lasst mich doch in Ruh'!
Wie käme solche Ehr' mir zu?
Nur Gassenhauer dicht' ich zum meisten,
drum sing' ich zur Gassen und hau' auf den Leisten.
Jerum! Jerum!
Hallo hallo he!

BECKMESSER
Verfluchter Kerl! Den Verstand verlier' ich
mit seinem Lied voll Pech und Schmierich! -

SACHS
O ho! Trallalei! Trallalei! O he!

BECKMESSER
Schweigt doch! Weckt Ihr die Nachbarn auf?

SACHS
Die sind's gewohnt:
‘s hört keiner drauf. -
»O Eva, Eva!« -

BECKMESSER
in höchste Wut ausbrechend
O Ihr boshafter Geselle!
Ihr spielt mir heut' den letzten Streich!
Schweigt Ihr jetzt nicht auf der Stelle,
so denkt Ihr dran, das schwör' ich Euch.
Er klimpert wütend
Neidisch seid Ihr, nichts weiter,
dünkt Ihr Euch auch gleich gescheiter.
Dass andre auch was sind, ärgert Euch schändlich!
Glaubt, ich kenne Euch aus- und inwendlich!
Dass man Euch noch nicht zum Merker gewählt,
das ist's, was den gallichten Schuster quält.
Nun gut! Solang' als Beckmesser lebt
und ihm noch ein Reim an den Lippen klebt,
solang' ich noch bei den Meistern was gelt',
ob Nürnberg »blüh' und wachs'«,
das schwör' ich Herrn Hans Sachs:
nie wird er je zum Merker bestellt!
Er klimpert in höchster Wut

SACHS
der ihm ruhig und aufmerksam zugehört hat
War das Eu'r Lied?

BECKMESSER
Der Teufel hol's!

SACHS
Zwar wenig Regel:
doch klang's recht stolz!

BECKMESSER
Wollt Ihr mich hören?

SACHS
In Gottes Namen
singt zu:
ich schlag' auf die Sohl' die Rahmen.

BECKMESSER
Doch schweigt Ihr still?

SACHS
Ei, singet Ihr,
die Arbeit, schaut, fördert's auch mir.

BECKMESSER
Das verfluchte Klopfen wollt Ihr doch lassen?

SACHS
Wie sollt' ich die Sohl' Euch richtig fassen?

BECKMESSER
Was? Ihr wollt klopfen, und ich soll singen?

SACHS
Euch muss das Lied, mir der Schuh gelingen.

BECKMESSER
Ich mag keine Schuh'!

SACHS
Das sagt Ihr jetzt;
in der Singschul' Ihr mir's dann wieder versetzt.
Doch hört! Vielleicht sich's richten lässt:
zwei-einig geht der Mensch am best.
Darf ich die Arbeit nicht entfernen,
die Kunst des Merkers möcht' ich erlernen.
Darin kommt Euch nun keiner gleich;
ich lern' sie nie, wenn nicht von Euch.
Drum singt Ihr nun, ich acht' und merk'
und fördr' auch wohl dabei mein Werk.

BECKMESSER
Merkt immer zu; und was nicht gewann,
nehmt Eure Kreide und streicht mir‘s an.

SACHS
Nein, Herr! Da fleckten die Schuh' mir nicht,
mit dem Hammer auf den Leisten halt' ich Gericht.

BECKMESSER
Verdammte Bosheit! - Gott, und ‘s wird spät:
am End' mir die Jungfer vom Fenster geht!
Er klimpert eifrig

SACHS
aufschlagend
Fanget an! ‘s pressiert! Sonst sing' ich für mich!

BECKMESSER
Haltet ein! Nur das nicht! - Teufel, wie ärgerlich! -
Wollt Ihr Euch denn als Merker erdreisten,
nun gut, so merkt mit dem Hammer auf den Leisten;
nur mit dem Beding, nach den Regeln scharf,
aber nichts, was nach den Regeln ich darf.

SACHS
Nach den Regeln, wie sie der Schuster kennt,
dem die Arbeit unter den Händen brennt.

BECKMESSER
Auf Meisterehr'?

SACHS
Und Schustermut!

BECKMESSER
Nicht einen Fehler:
glatt und gut!
Nachtwächterhorn sehr entfernt

SACHS
Dann gingt Ihr morgen unbeschuht.

WALTHER
leise zu Eva
Welch toller Spuk!
Mich dünkt's ein Traum.

SACHS
auf den Steinsitz vor der Ladentür deutend
Setzt Euch denn hier!

BECKMESSER
zieht sich nach der Ecke des Hauses zurück
Lasst hier mich stehen!

WALTHER
den Singstuhl, scheint's, verliess ich kaum!

SACHS
Warum so weit?

BECKMESSER
Euch nicht zu seh'n,
wie's Brauch der Schul' vor dem Gemerk'.

EVA
sanft an Walthers Brust gelehnt
Die Schläf' umwebt mir's wie ein Wahn:
ob's Heil, ob Unheil, was ich ahn'?

SACHS
Da hör' ich Euch schlecht.

BECKMESSER
Der Stimme Stärk'
ich so gar lieblich dämpfen kann.
Er stellt sich ganz um die Ecke, dem Fenster gegenüber, auf

SACHS
Wie fein! Nun gut denn! - Fanget an!
Beckmesser stimmt die in der Wut unversehens heraufgeschraubte D-Saite wieder herunter. Sachs holt mit dem Hammer aus



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