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BECKMESSER
zur Laute
»Den Tag seh' ich erscheinen,
der mir wohlgefall'n tut.....
Sachs schlägt auf, Beckmesser schüttelt sich
»Da fasst mein Herz sich einen
Sachs schlägt auf, Beckmesser setzt heftig ab, singt aber weiter
guten und frischen -
Sachs hat aufgeschlagen, Beckmesser wendet sich wütend um die Ecke herum
Treibt Ihr hier Scherz? Was wär' nicht gelungen?

SACHS
Besser gesungen:
»Da fasst mein Herz sich einen guten,frischen -«

BECKMESSER
Wie sollt' sich das reimen
auf »Seh ich erscheinen«?

SACHS
Ist Euch an der Weise nichts gelegen?
Mich dünkt, sollt' passen Ton und Wort.

BECKMESSER
Mit Euch zu streiten?
Lasst von den Schlägen,
sonst denkt Ihr mir dran!

SACHS
Jetzt fahret fort!

BECKMESSER
Bin ganz verwirrt!

SACHS
So fangt noch mal an:
drei Schläg' ich jetzt pausieren kann.

BECKMESSER
für sich
Am besten, wenn ich ihn gar nicht beacht'.
Wenn's nur die Jungfer nicht irre macht!
Den Tag seh' ich erscheinen,
der mir wohl gefall'n tut;
da fasst mein Herz sich einen
guten und frischen Mut.
Da denk' ich nicht an Sterben,
Sachs schlägt
lieber an Werben
um jung' Mägdeleins Hand.
Sachs schlägt
Warum wohl aller Tage
schönster mag dieser sein?
Schlag. Ärgerlich
Allen hier ich es sage:
Schlag
weil ein schönes Fräulein
zwei Schläge
von ihrem lieb'n Herrn Vater,
Sachs schlägt und nickt ironisch beifällig
wie gelobt hat er,
viele kleine Schläge
ist bestimmt zum Eh'stand.
Fünf Schläge. Sehr ärgerlich
Wer sich getrau',
Schlag
der komm' und schau',
da steh'n die hold lieblich' Jungfrau,
drei Schläge
auf die ich all mein' Hoffnung bau':
Schlag
darum ist der Tag so schön blau,
viele Schläge
als ich anfänglich fand.«
Er bricht wütend um die Ecke auf Sachs los

BECKMESSER
Sachs! Seht, Ihr bringt mich um!
Wollt Ihr jetzt schweigen?

SACHS
Ich bin ja stumm!
Die Zeichen merkt' ich; wir sprechen dann:
derweil lassen die Sohlen sich an.

BECKMESSER
gewahrt, dass Magdalene sich vom Fenster entfernen will
Sie entweicht? Pst, pst! - Herrgott! Ich muss!
Um die Ecke herum die Faust gegen Sachs ballend
Sachs, Euch gedenk' ich die Ärgernuss!
Er macht sich zum zweiten Vers fertig

SACHS
mit dem Hammer nach dem Leisten ausholend
Merker am Ort! - Fahret fort!

BECKMESSER
immer stärker und atemloser
»Will heut' mir das Herz hüpfen,
Schlag
werben um Fräulein jung,
drei Schläge
doch tät' der Vater knüpfen
Schlag
daran ein' Bedingung
drei Schläge
für den, wer ihn beerben
will und auch werben
zwei Schläge
um sein Kindelein fein.
viele Schläge
Der Zunft ein bied'rer Meister
wohl sein' Tochter er liebt,
drei Schläge
doch zugleich auch beweist er,
zwei Schläge
was er auf die Kunst gibt:
ununterbrochene Schläge
zum Preise muss es bringen
im Meistersingen,
wer sein Eidam will sein.
Er stampft wütend mit den Füssen
Nun gilt es Kunst, dass mit Vergunst,
ohn' all schädlich gemeinen Dunst,
fortwährende Schläge
ihm glücke des Preises Gewunst,
war begehrt mit wahrer Inbrunst,
Sachs, welcher kopfschüttelnd es aufgibt, die einzelnen Fehler anzumerken, arbeitet hämmernd fort, um den Keil aus dem Leisten zu schlagen
um die Jungfrau zu frei'n.«

SACHS
über den Laden weit herausgelehnt
Seid Ihr nun fertig?

BECKMESSER
in höchster Angst
Wie fraget Ihr?

SACHS
hält die fertigen Schuhe triumphierend heraus
Mit den Schuhen ward ich fertig schier. -
Während er die Schuhe an den Bändern hoch in der Luft tanzen lässt
Das heiss ich mir echte Merkerschuh: -
mein Merkersprüchlein hört dazu! -
sehr kräftig
Mit lang und kurzen Hieben
steht's auf der Sohl geschrieben:
da lest es klar
und nehmt es wahr,
und merkt's Euch immerdar.
Gut Lied will Takt:
wer den verzwackt,
dem Schreiber mit der Feder
haut ihn der Schuster aufs Leder. -
Nun lauft in Ruh:
habt gute Schuh,
der Fuss Euch drin nicht knackt,
ihn hält die Sohl im Takt!

BECKMESSER
der sich ganz in die Gasse zurückgezogen hat und an die Mauer mit dem Rücken sich anlehnt, singt, um Sachs zu übertäuben, mit grösster Anstrengung, schreiend und atemlos hastig, während er die Laute wütend nach Sachs schwingt
"Darf ich mich Meister nennen,
das bewähr ich heut gern,
weil ich nach dem Preis brennen
muss, dursten und hungern.
Nun ruf ich die neun Musen,
dass an sie blusen
mein dicht'rischen Verstand.
Wohl kenn ich alle Regeln,
halte gut Mass und Zahl;
doch Sprung und Überkegeln
wohl passiert je einmal,
wann der Kopf ganz voll Zagen
zu frei'n will wagen
um jung Mägdeleins Hand.
Er verschnauft sich
Ein Junggesell,
trug ich mein Fell,
mein Ehr, Amt, Würd und Brot zur Stell,
dass Euch mein Gesang wohl gefällt,
und mich das Jungfräulein erwähl,
wenn sie mein Lied gut fand." -

DAVID
hat den Fensterladen, dicht hinter Beckmesser, ein wenig geöffnet und lugt daraus hervor
Wer Teufel, hier? -
Er wird Magdalene gewahr
Und drüben gar?
Die Lene ist's -, ich seh es klar!
Herrje, der war's, den hat sie bestellt.
Der ist's, der ihr besser als ich gefällt!
Nun warte, du kriegst's!
Dir streich ich das Fell!

Er entfernt sich nach innen

NACHBARN
erst einige, dann immer mehr, öffnen während Beckmessers Lied in der Gasse die Fenster und gucken heraus
Was heult denn da?
Wer kreischt mit Macht?
Ist das erlaubt so spät zur Nacht?
Gebt Ruhe hier! 's ist Schlafenszeit.
Mein', hört nur, wie dort der Esel schreit!
Ihr da! Seid still und schert Euch fort!
Heult, kreischt und schreit an andrem Ort!

Sie verlassen die Fenster und kommen nach und nach in Nachtkleidern einzeln auf die Strasse heraus. – Sachs beobachtet noch eine Zeitlang den wachsenden Tumult, löscht aber alsbald sein Licht aus und schliesst den Laden so weit, dass er, ungesehen, stets durch eine kleine Öffnung den Platz unter der Linde beobachten kann.Walther und Eva sehen mit wachsender Sorge dem anschwellenden Auflaufe zu; er schliesst sie in seinen Mantel fest an sich und birgt sich hart an der Linde im Gebüsch, so dass beide fast ungesehen bleiben

DAVID
ist, mit einem Knüppel bewaffnet, zurückgekommen, steigt aus dem Fenster und wirft sich auf Beckmesser
Zum Teufel mit dir, verdammter Kerl!

MAGDALENE
winkt David heftig zurück. Am Fenster, schreiend
Ach, Himmel! David! Gott, welche Not!
Zu Hilfe! Zu Hilfe!
Sie schlagen sich tot!

BECKMESSER
wehrt sich, will fliehen; David hält ihn am Kragen
Verfluchter Bursch!
Lässt du mich los?

DAVID
Gewiss! Die Glieder brech ich dir bloss!

Beckmesser und David balgen sich fortwährend; bald verschwinden sie gänzlich, bald kommen sie wieder in den Vordergrund, immer Beckmesser auf der Flucht. David ihn einholend, festhaltend und prügelnd

NACHBARN
an den Fenstern
Seht nach! Springt zu!
Da würgen sich zwei!
Sie kommen herab.
's gibt Schlägerei!

ANDERE NACHBARN
in die Gasse laut schreiend
Heda! Herbei! 's gibt Schlägerei:
da würgen sich zwei.
Ihr da, lasst los! Gebt freien Lauf!
Lasst ihr nicht los, wir schlagen drauf.

EIN NACHBAR
Ei, seht, auch Ihr hier?
Geht's Euch was an?

EIN ZWEITER
Was sucht Ihr hier?
Hat man Euch was getan?

ERSTER NACHBAR
Euch kennt man gut.

ZWEITER NACHBAR
Euch noch viel besser.

ERSTER NACHBAR
Wieso denn?

ZWEITER NACHBAR
zuschlagend
Ei, so!

MAGDALENE
hinabschreiend
David! Beckmesser!

LEHRBUBEN
einzeln, dann mehr, von allen Seiten dazukommend
Herbei! Herbei! 's gibt Keilerei!

EINIGE
's sind die Schuster!

ANDERE
Nein, 's sind die Schneider!

DIE ERSTEREN
Die Trunkenbolde!

DIE ANDEREN
Die Hungerleider!

DIE NACHBARN
auf der Gasse durcheinander
Euch gönnt ich's schon lange
Wird euch wohl bange?
Das für die Klage!
Seht euch vor, wenn ich schlage!
Hat euch die Frau gehetzt?
Schau, wie es Prügel setzt!
Seid ihr noch nicht gewitzt?
Nun, schlagt doch! - Das sitzt!
Dass dich Halunken
gleich ein Donnerwetter träf!
Wartet, ihr Racker!
Massabzwacker! -
Esel! - Dummrian! -
Du Grobian! -
Lümmel du! -
Drauf und zu!

LEHRBUBEN
komen von allen Seiten dazu
Kennt man die Schlosser nicht?
Die haben's sicher angericht't!
Ich glaub, die Schmiede werden's sein!
Die Schreiner seh ich dort beim Schein! -
Hei! Schaut die Schäffler dort beim Tanz!
Dort seh die Bader ich im Glanz;
herbei zum Tanz!
Krämer finden sich zur Hand
mit Gerstenstang und Zuckerkand,
mit Pfeffer, Zimt, Muskatennuss,
sie riechen schön,
doch machen viel Verdruss;
sie riechen schön,
und bleiben gern vom Schuss.
Seht nur, der Has
hat überall die Nas!
Meinst du damit etwa mich?
Mein ich damit etwa dich?
Immer mehr heran!
Lustig, wacker! jetzt geht's erst recht an!
Hei, nun geht's Plauz! hast du nicht gesehn!
Hast's auf die Schnauz! -
Ha! nun geht's: Krach! Hagelwetterschlag!
Wo es sitzt, da wächst nichts so bald nach!
Keilt euch wacker! Keiner weiche!
Haltet selbst Gesellen mutig stand!
Wer wich, 's wär wahrlich eine Schand!
Wacker drauf und dran!
Wir stehen alle wie ein Mann!
Wie ein Mann
stehn wir alle fest zur Keilerei!

Bereits prügeln sich Nachbarn und Lebrbuben fast allgemein durcheinander

GESELLEN
mit Knitteln bewaffnet, kommen von verschiedenen Seiten dazu
Heda! Gesellen 'ran!
Dort wird mit Streit und Zank getan;
da gibt's gewiss noch Schlägerei;
Gesellen, haltet euch dabei!
's sind die Weber! 's sind die Gerber!
Die Preisverderber!
Dacht ich mir's doch gleich:
spielen immer Streich!
Dort den Metzger Klaus
kenn ich heraus!
's brennt manchem im Haus!
's ist morgen der Fünfte!
Zünfte heraus! -
Hei, hier setzt's Prügel!
Schneider mit dem Bügel!
Gürtler! - Spengler! - Zinngiesser! -
Leimsieder! - Lichtgiesser! -
Tuchscherer! Leinweber!
Immer dran! Immer drauf!
Schert euch selber fort
und macht euch heim!
Immer drauf und dran!
jetzt gilt's, keiner weiche hier!
Zünfte! Zünfte! Heraus! -

DIE MEISTER
und älteren Bürger kommen von verschiedenen Seiten dazu
Was gibt's denn da für Zank und Streit?
Das tost ja weit und breit!
Gebt Ruh und schert
euch jeder gleich nach Hause heim,
sonst schlag ein Hageldonnerwetter drein!
Stemmt euch hier nicht mehr zu Hauf,
oder sonst wir schlagen drein!

NACHBARINNEN
haben die Fenster geöffnet und gucken heraus
Was ist das für Zanken und Streit?
Da gibt's gewiss noch Schlägerei!
Wär nur der Vater nicht dabei!
's wird einem wahrlich angst und bang!
Heda! Ihr dort unten,
so seid doch nur gescheit!
Seid ihr denn Alle gleich
zu Streit und Zank bereit?
Seid ihr alle blind und toll?
Sind euch vom Wein denn
noch die Köpfe voll?
Mein! Dort schlägt sich mein Mann!
Hilfe! Der Vater! Der Vater!
Ach, sie haun ihn tot!
Hört keines mehr sein Wort!
Gott, welche Not!
Seht dort den Christian;
er walkt den Peter ab!
Auf, schreit zu Hilfe: Mord und Zeter! -
Gott, wie sie walken!
Die Köpf und Zöpfe wackeln hin und her!
Schafft Wasser, Wasser her! Wasser her!
das giesst ihn' auf die Köpf herab!

Die Rauferei ist allgemein geworden, Schreien und Toben

MAGDALENE
am Fenster, verzweifelt die Hände ringend
Ach Himmel! David! Gott! Welche Not!
Zu Hilfe! Zu Hilfe! Sie schlagen sich tot!
mit grösster Anstrengung
Hör doch nur, David!
So lass doch nur den Herrn dort los,
er hat mir nichts getan!
hinabspähend
So hör mich doch nur an!
Herrgott, er hält ihn noch!
Nein! David, ist er toll?
mit höchster Anstrengung
Ach, David, hör:
's ist Herr Beckmesser!

POGNER
ist im Nachtgewand oben an das Fenster getreten
Um Gott! Eva! Schliess zu!
Ich seh, ob unt' im Hause Ruh!

Er zieht Magdalenen, welche jammernd die Hände nach der Gasse hinab gerungen, herein und schliesst das Fenster

WALTHER
der bisher mit Eva sich hinter dem Gebüsch verborgen, fasst jetzt Eva dicht in den linken Arm und zieht mit der rechten Hand das Schwert
Jetzt gilt's zu wagen,
sich durchzuschlagen!

Er dringt mit geschwungenem Schwert bis in die Mitte der Bühne vor, um sich mit Eva durch die Gasse durchzuhauen. Da springt Sachs mit einem kräftigen Satze aus dem Laden, bahnt sich mit geschwungenem Knieriemen den Weg bis zu Walther und packt diesen beim Arm

POGNER
auf der Treppe
He! Lene! Wo bist du?

SACHS
die halb ohnmächtige Eva die Treppe hinaufstossend
Ins Haus, Jungfer Lene!

Pogner empfängt Eva und zieht sie in das Haus. - Sachs, mit einem Knieriemen David eines überhauend und mit einem Fusstritt ihn voran in den Laden stossend, zieht Walther, den er mit der andren Hand fest gefasst hält, mit sich hinein und schliesst sogleich fest hinter sich zu. Beckmesser, durch Sachs von David befreit, sucht sich eilig durch die Menge zu flüchten. – Im gleichen Augenblick, wo Sachs auf die Strasse sprang, hörte man einen Hornruf des Nachtwächters. Alle suchen in eiliger Flucht nach allen Seiten hin das Weite, so dass die Bühne sehr bald gänzlich leer wird. Als die Strasse und Gasse leer geworden und alle Häuser geschlossen sind, betritt der Nachtwächter die Bühne, reibt sich die Augen, siebt sich verwundert um und schüttelt den Kopf.

DER NACHTWÄCHTER
mit leise bebender Stimme
Hört, ihr Leut,
und lasst euch sagen,
die Glock hat
eilfe geschlagen:
bewahrt euch vor Gespenstern und Spuk,
dass kein böser Geist eu'r Seel beruck!
Lobet Gott, den Herrn!

Hornruf. Der Vollmond tritt hervor und scheint hell in die Gasse hinein; der Nachtwächter schreitet langsam dieselbe hinab. Als der Nachtwächter um die Ecke biegt, fällt der Vorhang, genau mit dem letzten Takte
BECKMESSER
zur Laute
»Den Tag seh' ich erscheinen,
der mir wohlgefall'n tut.....
Sachs schlägt auf, Beckmesser schüttelt sich
»Da fasst mein Herz sich einen
Sachs schlägt auf, Beckmesser setzt heftig ab, singt aber weiter
guten und frischen -
Sachs hat aufgeschlagen, Beckmesser wendet sich wütend um die Ecke herum
Treibt Ihr hier Scherz? Was wär' nicht gelungen?

SACHS
Besser gesungen:
»Da fasst mein Herz sich einen guten,frischen -«

BECKMESSER
Wie sollt' sich das reimen
auf »Seh ich erscheinen«?

SACHS
Ist Euch an der Weise nichts gelegen?
Mich dünkt, sollt' passen Ton und Wort.

BECKMESSER
Mit Euch zu streiten?
Lasst von den Schlägen,
sonst denkt Ihr mir dran!

SACHS
Jetzt fahret fort!

BECKMESSER
Bin ganz verwirrt!

SACHS
So fangt noch mal an:
drei Schläg' ich jetzt pausieren kann.

BECKMESSER
für sich
Am besten, wenn ich ihn gar nicht beacht'.
Wenn's nur die Jungfer nicht irre macht!
Den Tag seh' ich erscheinen,
der mir wohl gefall'n tut;
da fasst mein Herz sich einen
guten und frischen Mut.
Da denk' ich nicht an Sterben,
Sachs schlägt
lieber an Werben
um jung' Mägdeleins Hand.
Sachs schlägt
Warum wohl aller Tage
schönster mag dieser sein?
Schlag. Ärgerlich
Allen hier ich es sage:
Schlag
weil ein schönes Fräulein
zwei Schläge
von ihrem lieb'n Herrn Vater,
Sachs schlägt und nickt ironisch beifällig
wie gelobt hat er,
viele kleine Schläge
ist bestimmt zum Eh'stand.
Fünf Schläge. Sehr ärgerlich
Wer sich getrau',
Schlag
der komm' und schau',
da steh'n die hold lieblich' Jungfrau,
drei Schläge
auf die ich all mein' Hoffnung bau':
Schlag
darum ist der Tag so schön blau,
viele Schläge
als ich anfänglich fand.«
Er bricht wütend um die Ecke auf Sachs los

BECKMESSER
Sachs! Seht, Ihr bringt mich um!
Wollt Ihr jetzt schweigen?

SACHS
Ich bin ja stumm!
Die Zeichen merkt' ich; wir sprechen dann:
derweil lassen die Sohlen sich an.

BECKMESSER
gewahrt, dass Magdalene sich vom Fenster entfernen will
Sie entweicht? Pst, pst! - Herrgott! Ich muss!
Um die Ecke herum die Faust gegen Sachs ballend
Sachs, Euch gedenk' ich die Ärgernuss!
Er macht sich zum zweiten Vers fertig

SACHS
mit dem Hammer nach dem Leisten ausholend
Merker am Ort! - Fahret fort!

BECKMESSER
immer stärker und atemloser
»Will heut' mir das Herz hüpfen,
Schlag
werben um Fräulein jung,
drei Schläge
doch tät' der Vater knüpfen
Schlag
daran ein' Bedingung
drei Schläge
für den, wer ihn beerben
will und auch werben
zwei Schläge
um sein Kindelein fein.
viele Schläge
Der Zunft ein bied'rer Meister
wohl sein' Tochter er liebt,
drei Schläge
doch zugleich auch beweist er,
zwei Schläge
was er auf die Kunst gibt:
ununterbrochene Schläge
zum Preise muss es bringen
im Meistersingen,
wer sein Eidam will sein.
Er stampft wütend mit den Füssen
Nun gilt es Kunst, dass mit Vergunst,
ohn' all schädlich gemeinen Dunst,
fortwährende Schläge
ihm glücke des Preises Gewunst,
war begehrt mit wahrer Inbrunst,
Sachs, welcher kopfschüttelnd es aufgibt, die einzelnen Fehler anzumerken, arbeitet hämmernd fort, um den Keil aus dem Leisten zu schlagen
um die Jungfrau zu frei'n.«

SACHS
über den Laden weit herausgelehnt
Seid Ihr nun fertig?

BECKMESSER
in höchster Angst
Wie fraget Ihr?

SACHS
hält die fertigen Schuhe triumphierend heraus
Mit den Schuhen ward ich fertig schier. -
Während er die Schuhe an den Bändern hoch in der Luft tanzen lässt
Das heiss ich mir echte Merkerschuh: -
mein Merkersprüchlein hört dazu! -
sehr kräftig
Mit lang und kurzen Hieben
steht's auf der Sohl geschrieben:
da lest es klar
und nehmt es wahr,
und merkt's Euch immerdar.
Gut Lied will Takt:
wer den verzwackt,
dem Schreiber mit der Feder
haut ihn der Schuster aufs Leder. -
Nun lauft in Ruh:
habt gute Schuh,
der Fuss Euch drin nicht knackt,
ihn hält die Sohl im Takt!

BECKMESSER
der sich ganz in die Gasse zurückgezogen hat und an die Mauer mit dem Rücken sich anlehnt, singt, um Sachs zu übertäuben, mit grösster Anstrengung, schreiend und atemlos hastig, während er die Laute wütend nach Sachs schwingt
"Darf ich mich Meister nennen,
das bewähr ich heut gern,
weil ich nach dem Preis brennen
muss, dursten und hungern.
Nun ruf ich die neun Musen,
dass an sie blusen
mein dicht'rischen Verstand.
Wohl kenn ich alle Regeln,
halte gut Mass und Zahl;
doch Sprung und Überkegeln
wohl passiert je einmal,
wann der Kopf ganz voll Zagen
zu frei'n will wagen
um jung Mägdeleins Hand.
Er verschnauft sich
Ein Junggesell,
trug ich mein Fell,
mein Ehr, Amt, Würd und Brot zur Stell,
dass Euch mein Gesang wohl gefällt,
und mich das Jungfräulein erwähl,
wenn sie mein Lied gut fand." -

DAVID
hat den Fensterladen, dicht hinter Beckmesser, ein wenig geöffnet und lugt daraus hervor
Wer Teufel, hier? -
Er wird Magdalene gewahr
Und drüben gar?
Die Lene ist's -, ich seh es klar!
Herrje, der war's, den hat sie bestellt.
Der ist's, der ihr besser als ich gefällt!
Nun warte, du kriegst's!
Dir streich ich das Fell!

Er entfernt sich nach innen

NACHBARN
erst einige, dann immer mehr, öffnen während Beckmessers Lied in der Gasse die Fenster und gucken heraus
Was heult denn da?
Wer kreischt mit Macht?
Ist das erlaubt so spät zur Nacht?
Gebt Ruhe hier! 's ist Schlafenszeit.
Mein', hört nur, wie dort der Esel schreit!
Ihr da! Seid still und schert Euch fort!
Heult, kreischt und schreit an andrem Ort!

Sie verlassen die Fenster und kommen nach und nach in Nachtkleidern einzeln auf die Strasse heraus. – Sachs beobachtet noch eine Zeitlang den wachsenden Tumult, löscht aber alsbald sein Licht aus und schliesst den Laden so weit, dass er, ungesehen, stets durch eine kleine Öffnung den Platz unter der Linde beobachten kann.Walther und Eva sehen mit wachsender Sorge dem anschwellenden Auflaufe zu; er schliesst sie in seinen Mantel fest an sich und birgt sich hart an der Linde im Gebüsch, so dass beide fast ungesehen bleiben

DAVID
ist, mit einem Knüppel bewaffnet, zurückgekommen, steigt aus dem Fenster und wirft sich auf Beckmesser
Zum Teufel mit dir, verdammter Kerl!

MAGDALENE
winkt David heftig zurück. Am Fenster, schreiend
Ach, Himmel! David! Gott, welche Not!
Zu Hilfe! Zu Hilfe!
Sie schlagen sich tot!

BECKMESSER
wehrt sich, will fliehen; David hält ihn am Kragen
Verfluchter Bursch!
Lässt du mich los?

DAVID
Gewiss! Die Glieder brech ich dir bloss!

Beckmesser und David balgen sich fortwährend; bald verschwinden sie gänzlich, bald kommen sie wieder in den Vordergrund, immer Beckmesser auf der Flucht. David ihn einholend, festhaltend und prügelnd

NACHBARN
an den Fenstern
Seht nach! Springt zu!
Da würgen sich zwei!
Sie kommen herab.
's gibt Schlägerei!

ANDERE NACHBARN
in die Gasse laut schreiend
Heda! Herbei! 's gibt Schlägerei:
da würgen sich zwei.
Ihr da, lasst los! Gebt freien Lauf!
Lasst ihr nicht los, wir schlagen drauf.

EIN NACHBAR
Ei, seht, auch Ihr hier?
Geht's Euch was an?

EIN ZWEITER
Was sucht Ihr hier?
Hat man Euch was getan?

ERSTER NACHBAR
Euch kennt man gut.

ZWEITER NACHBAR
Euch noch viel besser.

ERSTER NACHBAR
Wieso denn?

ZWEITER NACHBAR
zuschlagend
Ei, so!

MAGDALENE
hinabschreiend
David! Beckmesser!

LEHRBUBEN
einzeln, dann mehr, von allen Seiten dazukommend
Herbei! Herbei! 's gibt Keilerei!

EINIGE
's sind die Schuster!

ANDERE
Nein, 's sind die Schneider!

DIE ERSTEREN
Die Trunkenbolde!

DIE ANDEREN
Die Hungerleider!

DIE NACHBARN
auf der Gasse durcheinander
Euch gönnt ich's schon lange
Wird euch wohl bange?
Das für die Klage!
Seht euch vor, wenn ich schlage!
Hat euch die Frau gehetzt?
Schau, wie es Prügel setzt!
Seid ihr noch nicht gewitzt?
Nun, schlagt doch! - Das sitzt!
Dass dich Halunken
gleich ein Donnerwetter träf!
Wartet, ihr Racker!
Massabzwacker! -
Esel! - Dummrian! -
Du Grobian! -
Lümmel du! -
Drauf und zu!

LEHRBUBEN
komen von allen Seiten dazu
Kennt man die Schlosser nicht?
Die haben's sicher angericht't!
Ich glaub, die Schmiede werden's sein!
Die Schreiner seh ich dort beim Schein! -
Hei! Schaut die Schäffler dort beim Tanz!
Dort seh die Bader ich im Glanz;
herbei zum Tanz!
Krämer finden sich zur Hand
mit Gerstenstang und Zuckerkand,
mit Pfeffer, Zimt, Muskatennuss,
sie riechen schön,
doch machen viel Verdruss;
sie riechen schön,
und bleiben gern vom Schuss.
Seht nur, der Has
hat überall die Nas!
Meinst du damit etwa mich?
Mein ich damit etwa dich?
Immer mehr heran!
Lustig, wacker! jetzt geht's erst recht an!
Hei, nun geht's Plauz! hast du nicht gesehn!
Hast's auf die Schnauz! -
Ha! nun geht's: Krach! Hagelwetterschlag!
Wo es sitzt, da wächst nichts so bald nach!
Keilt euch wacker! Keiner weiche!
Haltet selbst Gesellen mutig stand!
Wer wich, 's wär wahrlich eine Schand!
Wacker drauf und dran!
Wir stehen alle wie ein Mann!
Wie ein Mann
stehn wir alle fest zur Keilerei!

Bereits prügeln sich Nachbarn und Lebrbuben fast allgemein durcheinander

GESELLEN
mit Knitteln bewaffnet, kommen von verschiedenen Seiten dazu
Heda! Gesellen 'ran!
Dort wird mit Streit und Zank getan;
da gibt's gewiss noch Schlägerei;
Gesellen, haltet euch dabei!
's sind die Weber! 's sind die Gerber!
Die Preisverderber!
Dacht ich mir's doch gleich:
spielen immer Streich!
Dort den Metzger Klaus
kenn ich heraus!
's brennt manchem im Haus!
's ist morgen der Fünfte!
Zünfte heraus! -
Hei, hier setzt's Prügel!
Schneider mit dem Bügel!
Gürtler! - Spengler! - Zinngiesser! -
Leimsieder! - Lichtgiesser! -
Tuchscherer! Leinweber!
Immer dran! Immer drauf!
Schert euch selber fort
und macht euch heim!
Immer drauf und dran!
jetzt gilt's, keiner weiche hier!
Zünfte! Zünfte! Heraus! -

DIE MEISTER
und älteren Bürger kommen von verschiedenen Seiten dazu
Was gibt's denn da für Zank und Streit?
Das tost ja weit und breit!
Gebt Ruh und schert
euch jeder gleich nach Hause heim,
sonst schlag ein Hageldonnerwetter drein!
Stemmt euch hier nicht mehr zu Hauf,
oder sonst wir schlagen drein!

NACHBARINNEN
haben die Fenster geöffnet und gucken heraus
Was ist das für Zanken und Streit?
Da gibt's gewiss noch Schlägerei!
Wär nur der Vater nicht dabei!
's wird einem wahrlich angst und bang!
Heda! Ihr dort unten,
so seid doch nur gescheit!
Seid ihr denn Alle gleich
zu Streit und Zank bereit?
Seid ihr alle blind und toll?
Sind euch vom Wein denn
noch die Köpfe voll?
Mein! Dort schlägt sich mein Mann!
Hilfe! Der Vater! Der Vater!
Ach, sie haun ihn tot!
Hört keines mehr sein Wort!
Gott, welche Not!
Seht dort den Christian;
er walkt den Peter ab!
Auf, schreit zu Hilfe: Mord und Zeter! -
Gott, wie sie walken!
Die Köpf und Zöpfe wackeln hin und her!
Schafft Wasser, Wasser her! Wasser her!
das giesst ihn' auf die Köpf herab!

Die Rauferei ist allgemein geworden, Schreien und Toben

MAGDALENE
am Fenster, verzweifelt die Hände ringend
Ach Himmel! David! Gott! Welche Not!
Zu Hilfe! Zu Hilfe! Sie schlagen sich tot!
mit grösster Anstrengung
Hör doch nur, David!
So lass doch nur den Herrn dort los,
er hat mir nichts getan!
hinabspähend
So hör mich doch nur an!
Herrgott, er hält ihn noch!
Nein! David, ist er toll?
mit höchster Anstrengung
Ach, David, hör:
's ist Herr Beckmesser!

POGNER
ist im Nachtgewand oben an das Fenster getreten
Um Gott! Eva! Schliess zu!
Ich seh, ob unt' im Hause Ruh!

Er zieht Magdalenen, welche jammernd die Hände nach der Gasse hinab gerungen, herein und schliesst das Fenster

WALTHER
der bisher mit Eva sich hinter dem Gebüsch verborgen, fasst jetzt Eva dicht in den linken Arm und zieht mit der rechten Hand das Schwert
Jetzt gilt's zu wagen,
sich durchzuschlagen!

Er dringt mit geschwungenem Schwert bis in die Mitte der Bühne vor, um sich mit Eva durch die Gasse durchzuhauen. Da springt Sachs mit einem kräftigen Satze aus dem Laden, bahnt sich mit geschwungenem Knieriemen den Weg bis zu Walther und packt diesen beim Arm

POGNER
auf der Treppe
He! Lene! Wo bist du?

SACHS
die halb ohnmächtige Eva die Treppe hinaufstossend
Ins Haus, Jungfer Lene!

Pogner empfängt Eva und zieht sie in das Haus. - Sachs, mit einem Knieriemen David eines überhauend und mit einem Fusstritt ihn voran in den Laden stossend, zieht Walther, den er mit der andren Hand fest gefasst hält, mit sich hinein und schliesst sogleich fest hinter sich zu. Beckmesser, durch Sachs von David befreit, sucht sich eilig durch die Menge zu flüchten. – Im gleichen Augenblick, wo Sachs auf die Strasse sprang, hörte man einen Hornruf des Nachtwächters. Alle suchen in eiliger Flucht nach allen Seiten hin das Weite, so dass die Bühne sehr bald gänzlich leer wird. Als die Strasse und Gasse leer geworden und alle Häuser geschlossen sind, betritt der Nachtwächter die Bühne, reibt sich die Augen, siebt sich verwundert um und schüttelt den Kopf.

DER NACHTWÄCHTER
mit leise bebender Stimme
Hört, ihr Leut,
und lasst euch sagen,
die Glock hat
eilfe geschlagen:
bewahrt euch vor Gespenstern und Spuk,
dass kein böser Geist eu'r Seel beruck!
Lobet Gott, den Herrn!

Hornruf. Der Vollmond tritt hervor und scheint hell in die Gasse hinein; der Nachtwächter schreitet langsam dieselbe hinab. Als der Nachtwächter um die Ecke biegt, fällt der Vorhang, genau mit dem letzten Takte



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