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VIERTE SZENE
Eva, reich geschmückt, in glänzender weisser Kleidung, etwas leidend und blass, tritt zum Laden herein und schreitet langsam vor

SACHS
Grüss Gott, mein Evchen! Ei, wie herrlich
und stolz du's heute meinst!
Du machst wohl alt und jung begehrlich,
wenn du so schön erscheinst.

EVA
Meister! ‘s ist nicht so gefährlich:
und ist's dem Schneider geglückt,
wer sieht dann, wo's mir beschwerlich,
wo still der Schuh mich drückt?

SACHS:
Der böse Schuh! ‘s war deine Laun',
dass du ihn gestern nicht probiert.

EVA
Merk' wohl, ich hatt' zu viel Vertrau'n;
im Meister hatt' ich mich geirrt.

SACHS
Ei, ‘s tut mir leid! Zeig' her, mein Kind,
dass ich dir helfe gleich geschwind.

EVA
Sobald ich stehe, will es geh'n;
doch will ich geh'n, zwingt's mich zu steh'n.

SACHS
Hier auf den Schemel streck den Fuss:
der üblen Not ich wehren muss.
Sie streckt einen Fuss auf dem Schemel am Werktisch aus.
Was ist's mit dem?

EVA
Ihr seht, zu weit!

SACHS
Kind, das ist pure Eitelkeit,
der Schuh ist knapp.

EVA
Das sagt' ich ja:
drum drückt er mich an den Zehen da.

SACHS
Hier links?

EVA
Nein, rechts.

SACHS
Wohl mehr am Spann?

EVA
Hier, mehr am Hacken.

SACHS
Kommt der auch dran?

EVA
Ach Meister! Wüsstet Ihr besser als ich,
wo der Schuh mich drückt?

SACHS
Ei, ‘s wundert mich,
dass er zu weit und doch drückt überall?
Walther, in glänzender Rittertracht, tritt unter die Tür der Kammer. Eva stösst einen Schrei aus und bleibt, unverwandt auf Walther blickend, in ihrer Stellung, mit dem Fusse auf dem Schemel. Sachs, der vor ihr niedergebückt steht, bleibt mit dem Rücken der Tür zugekehrt, ohne Walthers Eintritt zu beachten. Walther, durch den Anblick Evas festgebannt, bleibt ebenfalls unbeweglich unter der Tür stehen.
Aha! Hier sitzt's! Nun begreif' ich den Fall!
Kind, du hast recht:
‘s stak in der Naht.
Nun warte, dem Übel schaff' ich Rat.
Bleib nur so steh'n; ich nehm' dir den Schuh
eine Weil' auf den Leisten:
dann lässt er dir Ruh'!
Er hat ihr sanft den Schuh vom Fusse gezogen; während sie in ihrer Stellung verbleibt, macht er sich am Werktisch mit dem Schuh zu schaffen und tut, als beachte er nichts anderes

SACHS
bei der Arbeit
Immer schustern, das ist nun mein Los;
des Nachts, des Tags komm' nicht davon los!
Kind, hör' zu! Ich hab mir's überdacht,
was meinem Schustern ein Ende macht:
am besten, ich werbe doch noch um dich;
da gewänn' ich doch was als Poet für mich!
Du hörst nicht drauf? - So sprich doch jetzt!
Hast mir's ja selbst in den Kopf gesetzt.
Schon gut! - Ich merk':
»Mach deinen Schuh!«..
Säng' mir nur wenigstens einer dazu!
Hörte heut' gar ein schönes Lied:
wem dazu wohl ein dritter Vers geriet?

WALTHER
den Blick unverwandt auf Eva geheftet
»Weilten die Sterne im lieblichen Tanz?
So licht und klar im Lockenhaar,
vor allen Frauen hehr zu schauen,
lag ihr mit zartem Glanz ein Sternenkranz. -

SACHS
immerfort arbeitend
Lausch, Kind, das ist ein Meisterlied!

WALTHER
Wunder ob Wunder nun bieten sich dar:
zwiefachen Tag ich grüssen mag;
denn gleich zwei'n Sonnen reinster Wonnen
der hehrsten Augen Paar nahm ich da wahr. -

SACHS
beiseite zu Eva
Derlei hörst du jetzt bei mir singen.

WALTHER
Huldreichstes Bild,
dem ich zu nahen mich erkühnt:
den Kranz, von zweier Sonnen Strahl
zugleich geblichen und ergrünt,
minnig und mild,
sie flocht ihn um das Haupt dem Gemahl.

SACHS
hat den Schuh zurückgebracht und ist jetzt darüber, ihn Eva wieder anzuziehen
Nun schau, ob dazu mein Schuh geriet?

WALTHER
Dort Huld-geboren, nun Ruhm-erkoren,

SACHS
Mein' endlich doch,
es tät' mir gelingen?

WALTHER
giesst paradiesische Lust sie in des Dichters Brust

SACHS
Versuch's! Tritt auf! - Sag, drückt er dich noch?

WALTHER
im Liebestraum.«

Eva, die wie bezaubert regungslos gestanden, gesehen und gehört hat, bricht jetzt in heftiges Weinen aus, sinkt Sachs an die Brust und drückt ihn schluchzend an sich. Walther ist zu ihnen getreten; er drückt begeistert Sachs die Hand. Sachs tut sich endlich Gewalt an, reisst sich wie unmutig los und lässt dadurch Eva unwillkürlich an Walthers Schulter sich anlehnen

SACHS
Hat man mit dem Schuhwerk nicht seine Not!
Wär' ich nicht noch Poet dazu,
ich machte länger keine Schuh'!
Das ist eine Müh', ein Aufgebot!
Zu weit dem einen, dem andern zu eng;
von allen Seiten Lauf und Gedräng':
da klappt's, da schlappt's,
hier drückt's, da zwickt's!
Der Schuster soll auch alles wissen,
flicken, was nur immer zerrissen
und ist er nun gar Poet dazu,
da lässt man am End' ihm auch da keine Ruh';
und ist er erst noch Witwer gar,
zum Narren hält man ihn fürwahr.
Die jüngsten Mädchen, ist Not am Mann,
begehren. er hielte um sie an.
Versteht er sie, versteht er sie nicht,
all eins, ob ja, ob nein er spricht:
am End' riecht er doch nach Pech
und gilt für dumm, tückisch und frech!
Ei, ‘s ist mir nur um den Lehrbuben leid;
der verliert mir allen Respekt;
die Lene macht' ihn schon nicht recht gescheit,
dass aus Töpf' und Tellern er leckt!
Wo Teufel er jetzt nur wieder steckt?
Er stellt sich, als wolle er nach David sehen

EVA
indem sie Sachs zurückhält und von neuem an sich zieht
O Sachs, mein Freund! Du teurer Mann!
Wie ich dir Edlem lohnen kann?
Was ohne deine Liebe, was wär' ich ohne dich,
ob je auch Kind ich bliebe,
erwecktest du mich nicht?
Durch dich gewann ich,
was man preist,
durch dich ersann ich,
was ein Geist!
Durch dich erwacht',
durch dich nur dacht'
ich edel, frei und kühn,
du liessest mich erblüh'n!
Ja, lieber Meister, schilt mich nur!
Ich war doch auf der rechten Spur:
denn, hatte ich die Wahl,
nur dich erwählt' ich mir:
du warest mein Gemahl.
Den Preis reicht' ich nur dir! -
Doch nun hat's mich gewählt
zu nie gekannter Qual:
und werd' ich heut' vermählt,
so war's ohn' alle Wahl!
Das war ein Müssen, war ein Zwang!
Euch selbst, mein Meister, wurde bang'.

SACHS
Mein Kind, von Tristan und Isolde
kenn' ich ein traurig Stück:
Hans Sachs war klug und wollte
nichts von Herrn Markes Glück.
‘s war Zeit, dass ich den Rechten fand,
wär' sonst am End' doch hineingerannt. -
Aha! Da streicht die Lene schon ums Haus:
Nur herein! - He, David! Kommst nicht heraus?
Magdalene, in festlichem Staate, tritt durch die Ladentür herein; David ebenfalls im Festkleid, mit Blumen und Bändern sehr reich und zierlich aufgeputzt, kommt zugleich aus der Kammer
Die Zeugen sind da, Gevatter zur Hand;
jetzt schnell zur Taufe, nehmt euren Stand.
Alle blicken ihn verwundert an
Ein Kind ward hier geboren;
jetzt sei ihm ein Nam' erkoren!
So ist's nach Meisterweis' und Art,
wenn eine Meister-Weise geschaffen ward:
dass die einen guten Namen trag',
dran jeder sie erkennen mag.
Vernehmt, respektable Gesellschaft,
was euch hier zur Stell' schafft!
Eine Meisterweise ist gelungen,
von Junker Walther gedichtet und gesungen;
der jungen Weise lebender Vater
lud mich und die Pognerin zu Gevatter.
Weil wir die Weise wohl vernommen,
sind wir zur Taufe hierher gekommen.
Auch dass wir zur Handlung Zeugen haben,
ruf' ich Jungfer Lene und meinen Knaben.
Doch da's zum Zeugen kein Lehrbube tut
und heut' auch den Spruch er gesungen gut,
so mach' ich den Burschen gleich zum Gesell;
knie nieder, David, und nimm diese Schell'!
David ist niedergekniet: Sachs gibt ihm eine starke Ohrfeige
Steh' auf, Gesell', und denk' an den Streich;
du merkst dir dabei die Taufe zugleich! -
Fehlt sonst noch was, uns keiner schilt:
wer weiss, ob's nicht gar einer Nottaufe gilt.
Dass die Weise Kraft behalte zum Leben,
will ich nur gleich den Namen ihr geben:
»Die selige Morgentraumdeut-Weise«
sei sie genannt zu des Meisters Preise.
Nun wachse sie gross, ohn' Schad' und Bruch.
Die jüngste Gevatterin spricht den Spruch.

Er tritt aus der Mitte des Halbkreises, der von den übrigen um ihn gebildet war, auf die Seite, so dass nun Eva in die Mitte zu stehen kommt

EVA
Selig, wie die Sonne
meines Glückes lacht,
Morgen voller Wonne
selig mir erwacht!
Traum der höchsten Hulden,
himmlisch' Morgenglüh'n!
Deutung euch zu schulden,
selig süss Bemüh'n!
Einer Weise mild und hehr
sollt' es hold gelingen,
meines Herzens süss Beschwer'
deutend zu bezwingen.

SACHS
Vor dem Kinde lieblich hold
möcht' ich gern wohl singen;
doch des Herzens süss' Beschwer
galt es zu bezwingen.

WALTHER
Deine Liebe liess mir es gelingen,
meines Herzens süss' Beschwer' deutend zu bezwingen.

MAGDALENE und DAVID
Wach' oder träum' ich schon so früh?
Das zu erklären macht mir Müh':

EVA
Ob es nur ein Morgentraum?

WALTHER
Ob es noch der Morgentraum?

SACHS
‘s war ein schöner Morgen-Traum:

EVA und WALTHER
Selig deut' ich mir es kaum.
Doch die Weise, was sie leise
mir/dir vertraut

WALTHER
im stillen Raum,

BEIDE
hell und laut,
in der Meister vollem Kreis

WALTHER
werbe sie um den höchsten Preis!

EVA
deute sie auf den höchsten Preis!

SACHS
dran zu deuten wag' ich kaum.
Diese Weise, was sie leise
mir anvertraut' im stillen Raum,
sagt mir laut:
auch der Jugend ew'ges Reis
grünt nur durch des Dichters Preis.

MAGDALENE und DAVID
‘s ist wohl nur ein Morgentraum?
Was ich seh', begreif' ich kaum!

DAVID
Ward zur Stelle gleich Geselle?
Lene Braut?
Im Kirchenraum wir gar getraut?
‘s geht der Kopf mir wie im Kreis,
dass Meister gar bald ich heiss'!

MAGDALENE
Er zur Stelle gleich Geselle?
Ich die Braut?
Im Kirchenraum wir gar getraut?
Ja, wahrhaftig! ‘s geht:
wer weiss,
dass ich die Meist'rin bald heiss'!

SACHS
zu den übrigen sich wendend
Jetzt all' am Fleck!
zu Eva
Den Vater grüss'!
Auf nach der Wies', schnell auf die Füss'!
Eva und Magdalene gehen
zu Walther
Nun, Junker, kommt! Habt frohen Mut! -
David, Gesell! Schliess' den Laden gut!

Als Sachs und Walther ebenfalls auf die Strasse gehen und David über das Schliessen der Ladentür sich hermacht, wird ein Vorhang von beiden Seiten zusammengezogen, so dass im Proszenium er die Szene gänzlich verschliesst
VIERTE SZENE
Eva, reich geschmückt, in glänzender weisser Kleidung, etwas leidend und blass, tritt zum Laden herein und schreitet langsam vor

SACHS
Grüss Gott, mein Evchen! Ei, wie herrlich
und stolz du's heute meinst!
Du machst wohl alt und jung begehrlich,
wenn du so schön erscheinst.

EVA
Meister! ‘s ist nicht so gefährlich:
und ist's dem Schneider geglückt,
wer sieht dann, wo's mir beschwerlich,
wo still der Schuh mich drückt?

SACHS:
Der böse Schuh! ‘s war deine Laun',
dass du ihn gestern nicht probiert.

EVA
Merk' wohl, ich hatt' zu viel Vertrau'n;
im Meister hatt' ich mich geirrt.

SACHS
Ei, ‘s tut mir leid! Zeig' her, mein Kind,
dass ich dir helfe gleich geschwind.

EVA
Sobald ich stehe, will es geh'n;
doch will ich geh'n, zwingt's mich zu steh'n.

SACHS
Hier auf den Schemel streck den Fuss:
der üblen Not ich wehren muss.
Sie streckt einen Fuss auf dem Schemel am Werktisch aus.
Was ist's mit dem?

EVA
Ihr seht, zu weit!

SACHS
Kind, das ist pure Eitelkeit,
der Schuh ist knapp.

EVA
Das sagt' ich ja:
drum drückt er mich an den Zehen da.

SACHS
Hier links?

EVA
Nein, rechts.

SACHS
Wohl mehr am Spann?

EVA
Hier, mehr am Hacken.

SACHS
Kommt der auch dran?

EVA
Ach Meister! Wüsstet Ihr besser als ich,
wo der Schuh mich drückt?

SACHS
Ei, ‘s wundert mich,
dass er zu weit und doch drückt überall?
Walther, in glänzender Rittertracht, tritt unter die Tür der Kammer. Eva stösst einen Schrei aus und bleibt, unverwandt auf Walther blickend, in ihrer Stellung, mit dem Fusse auf dem Schemel. Sachs, der vor ihr niedergebückt steht, bleibt mit dem Rücken der Tür zugekehrt, ohne Walthers Eintritt zu beachten. Walther, durch den Anblick Evas festgebannt, bleibt ebenfalls unbeweglich unter der Tür stehen.
Aha! Hier sitzt's! Nun begreif' ich den Fall!
Kind, du hast recht:
‘s stak in der Naht.
Nun warte, dem Übel schaff' ich Rat.
Bleib nur so steh'n; ich nehm' dir den Schuh
eine Weil' auf den Leisten:
dann lässt er dir Ruh'!
Er hat ihr sanft den Schuh vom Fusse gezogen; während sie in ihrer Stellung verbleibt, macht er sich am Werktisch mit dem Schuh zu schaffen und tut, als beachte er nichts anderes

SACHS
bei der Arbeit
Immer schustern, das ist nun mein Los;
des Nachts, des Tags komm' nicht davon los!
Kind, hör' zu! Ich hab mir's überdacht,
was meinem Schustern ein Ende macht:
am besten, ich werbe doch noch um dich;
da gewänn' ich doch was als Poet für mich!
Du hörst nicht drauf? - So sprich doch jetzt!
Hast mir's ja selbst in den Kopf gesetzt.
Schon gut! - Ich merk':
»Mach deinen Schuh!«..
Säng' mir nur wenigstens einer dazu!
Hörte heut' gar ein schönes Lied:
wem dazu wohl ein dritter Vers geriet?

WALTHER
den Blick unverwandt auf Eva geheftet
»Weilten die Sterne im lieblichen Tanz?
So licht und klar im Lockenhaar,
vor allen Frauen hehr zu schauen,
lag ihr mit zartem Glanz ein Sternenkranz. -

SACHS
immerfort arbeitend
Lausch, Kind, das ist ein Meisterlied!

WALTHER
Wunder ob Wunder nun bieten sich dar:
zwiefachen Tag ich grüssen mag;
denn gleich zwei'n Sonnen reinster Wonnen
der hehrsten Augen Paar nahm ich da wahr. -

SACHS
beiseite zu Eva
Derlei hörst du jetzt bei mir singen.

WALTHER
Huldreichstes Bild,
dem ich zu nahen mich erkühnt:
den Kranz, von zweier Sonnen Strahl
zugleich geblichen und ergrünt,
minnig und mild,
sie flocht ihn um das Haupt dem Gemahl.

SACHS
hat den Schuh zurückgebracht und ist jetzt darüber, ihn Eva wieder anzuziehen
Nun schau, ob dazu mein Schuh geriet?

WALTHER
Dort Huld-geboren, nun Ruhm-erkoren,

SACHS
Mein' endlich doch,
es tät' mir gelingen?

WALTHER
giesst paradiesische Lust sie in des Dichters Brust

SACHS
Versuch's! Tritt auf! - Sag, drückt er dich noch?

WALTHER
im Liebestraum.«

Eva, die wie bezaubert regungslos gestanden, gesehen und gehört hat, bricht jetzt in heftiges Weinen aus, sinkt Sachs an die Brust und drückt ihn schluchzend an sich. Walther ist zu ihnen getreten; er drückt begeistert Sachs die Hand. Sachs tut sich endlich Gewalt an, reisst sich wie unmutig los und lässt dadurch Eva unwillkürlich an Walthers Schulter sich anlehnen

SACHS
Hat man mit dem Schuhwerk nicht seine Not!
Wär' ich nicht noch Poet dazu,
ich machte länger keine Schuh'!
Das ist eine Müh', ein Aufgebot!
Zu weit dem einen, dem andern zu eng;
von allen Seiten Lauf und Gedräng':
da klappt's, da schlappt's,
hier drückt's, da zwickt's!
Der Schuster soll auch alles wissen,
flicken, was nur immer zerrissen
und ist er nun gar Poet dazu,
da lässt man am End' ihm auch da keine Ruh';
und ist er erst noch Witwer gar,
zum Narren hält man ihn fürwahr.
Die jüngsten Mädchen, ist Not am Mann,
begehren. er hielte um sie an.
Versteht er sie, versteht er sie nicht,
all eins, ob ja, ob nein er spricht:
am End' riecht er doch nach Pech
und gilt für dumm, tückisch und frech!
Ei, ‘s ist mir nur um den Lehrbuben leid;
der verliert mir allen Respekt;
die Lene macht' ihn schon nicht recht gescheit,
dass aus Töpf' und Tellern er leckt!
Wo Teufel er jetzt nur wieder steckt?
Er stellt sich, als wolle er nach David sehen

EVA
indem sie Sachs zurückhält und von neuem an sich zieht
O Sachs, mein Freund! Du teurer Mann!
Wie ich dir Edlem lohnen kann?
Was ohne deine Liebe, was wär' ich ohne dich,
ob je auch Kind ich bliebe,
erwecktest du mich nicht?
Durch dich gewann ich,
was man preist,
durch dich ersann ich,
was ein Geist!
Durch dich erwacht',
durch dich nur dacht'
ich edel, frei und kühn,
du liessest mich erblüh'n!
Ja, lieber Meister, schilt mich nur!
Ich war doch auf der rechten Spur:
denn, hatte ich die Wahl,
nur dich erwählt' ich mir:
du warest mein Gemahl.
Den Preis reicht' ich nur dir! -
Doch nun hat's mich gewählt
zu nie gekannter Qual:
und werd' ich heut' vermählt,
so war's ohn' alle Wahl!
Das war ein Müssen, war ein Zwang!
Euch selbst, mein Meister, wurde bang'.

SACHS
Mein Kind, von Tristan und Isolde
kenn' ich ein traurig Stück:
Hans Sachs war klug und wollte
nichts von Herrn Markes Glück.
‘s war Zeit, dass ich den Rechten fand,
wär' sonst am End' doch hineingerannt. -
Aha! Da streicht die Lene schon ums Haus:
Nur herein! - He, David! Kommst nicht heraus?
Magdalene, in festlichem Staate, tritt durch die Ladentür herein; David ebenfalls im Festkleid, mit Blumen und Bändern sehr reich und zierlich aufgeputzt, kommt zugleich aus der Kammer
Die Zeugen sind da, Gevatter zur Hand;
jetzt schnell zur Taufe, nehmt euren Stand.
Alle blicken ihn verwundert an
Ein Kind ward hier geboren;
jetzt sei ihm ein Nam' erkoren!
So ist's nach Meisterweis' und Art,
wenn eine Meister-Weise geschaffen ward:
dass die einen guten Namen trag',
dran jeder sie erkennen mag.
Vernehmt, respektable Gesellschaft,
was euch hier zur Stell' schafft!
Eine Meisterweise ist gelungen,
von Junker Walther gedichtet und gesungen;
der jungen Weise lebender Vater
lud mich und die Pognerin zu Gevatter.
Weil wir die Weise wohl vernommen,
sind wir zur Taufe hierher gekommen.
Auch dass wir zur Handlung Zeugen haben,
ruf' ich Jungfer Lene und meinen Knaben.
Doch da's zum Zeugen kein Lehrbube tut
und heut' auch den Spruch er gesungen gut,
so mach' ich den Burschen gleich zum Gesell;
knie nieder, David, und nimm diese Schell'!
David ist niedergekniet: Sachs gibt ihm eine starke Ohrfeige
Steh' auf, Gesell', und denk' an den Streich;
du merkst dir dabei die Taufe zugleich! -
Fehlt sonst noch was, uns keiner schilt:
wer weiss, ob's nicht gar einer Nottaufe gilt.
Dass die Weise Kraft behalte zum Leben,
will ich nur gleich den Namen ihr geben:
»Die selige Morgentraumdeut-Weise«
sei sie genannt zu des Meisters Preise.
Nun wachse sie gross, ohn' Schad' und Bruch.
Die jüngste Gevatterin spricht den Spruch.

Er tritt aus der Mitte des Halbkreises, der von den übrigen um ihn gebildet war, auf die Seite, so dass nun Eva in die Mitte zu stehen kommt

EVA
Selig, wie die Sonne
meines Glückes lacht,
Morgen voller Wonne
selig mir erwacht!
Traum der höchsten Hulden,
himmlisch' Morgenglüh'n!
Deutung euch zu schulden,
selig süss Bemüh'n!
Einer Weise mild und hehr
sollt' es hold gelingen,
meines Herzens süss Beschwer'
deutend zu bezwingen.

SACHS
Vor dem Kinde lieblich hold
möcht' ich gern wohl singen;
doch des Herzens süss' Beschwer
galt es zu bezwingen.

WALTHER
Deine Liebe liess mir es gelingen,
meines Herzens süss' Beschwer' deutend zu bezwingen.

MAGDALENE und DAVID
Wach' oder träum' ich schon so früh?
Das zu erklären macht mir Müh':

EVA
Ob es nur ein Morgentraum?

WALTHER
Ob es noch der Morgentraum?

SACHS
‘s war ein schöner Morgen-Traum:

EVA und WALTHER
Selig deut' ich mir es kaum.
Doch die Weise, was sie leise
mir/dir vertraut

WALTHER
im stillen Raum,

BEIDE
hell und laut,
in der Meister vollem Kreis

WALTHER
werbe sie um den höchsten Preis!

EVA
deute sie auf den höchsten Preis!

SACHS
dran zu deuten wag' ich kaum.
Diese Weise, was sie leise
mir anvertraut' im stillen Raum,
sagt mir laut:
auch der Jugend ew'ges Reis
grünt nur durch des Dichters Preis.

MAGDALENE und DAVID
‘s ist wohl nur ein Morgentraum?
Was ich seh', begreif' ich kaum!

DAVID
Ward zur Stelle gleich Geselle?
Lene Braut?
Im Kirchenraum wir gar getraut?
‘s geht der Kopf mir wie im Kreis,
dass Meister gar bald ich heiss'!

MAGDALENE
Er zur Stelle gleich Geselle?
Ich die Braut?
Im Kirchenraum wir gar getraut?
Ja, wahrhaftig! ‘s geht:
wer weiss,
dass ich die Meist'rin bald heiss'!

SACHS
zu den übrigen sich wendend
Jetzt all' am Fleck!
zu Eva
Den Vater grüss'!
Auf nach der Wies', schnell auf die Füss'!
Eva und Magdalene gehen
zu Walther
Nun, Junker, kommt! Habt frohen Mut! -
David, Gesell! Schliess' den Laden gut!

Als Sachs und Walther ebenfalls auf die Strasse gehen und David über das Schliessen der Ladentür sich hermacht, wird ein Vorhang von beiden Seiten zusammengezogen, so dass im Proszenium er die Szene gänzlich verschliesst



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