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Erster Akt


Salon des pontevedrinischen Gesandtschaftspalais in Paris.
Links die Haupttüre. Rechts führen einige Treppen zu einer Art Kabinett. Hinten zwei weitere hell erleuchtete Säle. St. Brioche, Bogdanowitsch, Sylviane, Kromow, Olga, Pritschitsch, Praskowia, Herren und Damen der Gesellschaft. Diener, die Champagner servieren.)

CASCADA
Verehrteste Damen und Herren,
Ich halt' es für Gastespflicht
den Hausherrn dankend zu feiern,
doch Redner - das bin ich nicht!
Ich sag' darum in aller Kürze,
die bekanntlich immer die Würze:
der Baron gab heute sein Bestes,
wir bringen ihm ein dreifach' Hoch!
(stößt mit Zeta an)

CHOR
(anstoßend)
Dreimal hoch der Geber des Festes!
Er lebe dreimal, dreimal hoch!

ZETA
Wenn Beifall dieser Abend findet,
Den man mir herzlich dargebracht,
so hat dies nicht nur mich als Hausherrn,
auch als Gesandten stolz gemacht!
Des Festes höhere Bestimmung
ist nicht nur Amusement allein:
sie gilt dem Geburtstag des Fürsten,
dem patriotisch wir uns weih'n!
Bin Landesvater per procura,
drum rührt mich patriotisch dies,
denn ich bin also in figura:
Pontevedro in Paris!
(stößt mit allen an)

VALENCIENNE, SYLVIANE, OLGA, PRASKOWIA, CAMILLE, SAINT BRIOCHE, CASCADA, KROMOW, DAMEN UND HERREN
Als Landesvater per procura,
da rührt ihn patriotisch dies,
denn er ist also in figura:
Pontevedro in Paris!
(Die Diener nehmen den Gästen die Gläser ab; die Gesellschaft zerstreut sich in alle drei Säle. Valencienne nähert sich Camille.)


Nr. 1a Ballmusik

VALENCIENNE
(zu Camille, leise)
Camille, ich muß mit Ihnen sprechen!

CAMILLE
Sie machen mich selig!

VALENCIENNE
Nicht darüber...
Was schreiben Sie da auf meinen Fächer?

CAMILLE
Nun, weil Sie mir verbieten, es Ihnen zu sagen,
so schreibe ich: "Ich liebe dich!"

VALENCIENNE
Ich werde dazuschreiben: "Ich bin eine..."

ZETA
(hinzutretend)
Liebe Valencienne -

VALENCIENNE
Du wünschest, lieber Mirko?

ZETA
Verzeih, ich möchte dich bitten nachzusehen,
ob nicht schon Frau Glawari gekommen ist.

VALENCIENNE
Gern!
(wirft Camille einen vielsagenden Blick zu und geht dann ab.)

CAMILLE
Ja, gern!
Ich begleite Sie, gnädige Frau.
(geht ihr nach)

ZETA
(bleibt allein zurüch)
Frau Glawari, darf keinen Pariser heiraten!
Die Erbschaft muss Pontevedro zufallen,
und es ist auch heldenhaft, fürs Vaterland zu erben!
Valencienne, Valencienne!
(Zeta geht nach links ab; Valencienne und Camille treten von rechts auf.)

Nr. 2 Duett

VALENCIENNE
(sieht sich um)
So kommen Sie! 's ist niemand hier!

CAMILLE
Sie sehen den glücklichsten Mann in mir!

VALENCIENNE
Ich habe mit Ihnen zu sprechen.

CAMILLE
Ich möchte Ihnen ein Wort nur sagen.

VALENCIENNE
Oh still!
Sie wissen, dass ich dies nicht hören will!

CAMILLE
Sag' ich's auch nicht, Sie hören es doch!
Nur einmal möchte ich es sagen noch!

VALENCIENNE
Ach, liebster Freund, warum sich so quälen?
Wir machen ein Ende!

CAMILLE
Ein Ende?

VALENCIENNE
Ich will Sie vermählen!

CAMILLE
Vermählen? Mich? Nie darf das sein!
Ich liebe nur dich, allein nur dich!

VALENCIENNE
Ach, bitte schön, still!
Sie wissen, dass ich dies nicht hören will!
Ich bin eine anständ'ge Frau
und nehm's mit der Ehe genau.
Ich will derlei Aventüren
um gar keinen Preis mehr riskieren!
Es ist ja ein törichtes Spiel,
das niemals ans führt zum Ziel!
Sie wissen das, hoff' ich, genau:
Ich bin eine anständ'ge Frau!
Ich kann nur verlieren
und Sie nichts gewinnen,
drum müssen der Lockung,
wir eiligst entrinnen.
Gib acht, gib acht!
Mein Freund, gib acht.
Und spiele mit dem Feuer nicht!
Eh' du's gedacht,
wird's rasch entfacht,
aus Funken eine Flamme bricht!
Sehr gefährlich ist des Feuers Macht,
wenn man sie nicht bezähmt, bewacht!
Wer das nicht kennt,
sich leicht verbrennt.
Nimm vor dem Feuer dich in acht.
(setzt sich und sieht ihn verliebt an)

CAMILLE
Sie sind eine anständ'ge Frau,
das weiß ich ja leider genau.
Doch können Sie wirklich mir glauben.
Sie predigen hier einem Tauben!
Erreich' ich auch niemals mein Ziel,
erkaltet doch nie mein Gefühl.
Ich werde noch alt und noch grau -
Sie bleiben die anständ'ge Frau!
Ich kenn' die Gefahren,
Ich muß sie ertragen!
(Er eilt auf sie zu; sie huscht an ihm vorbei.)
Ich kann Ihnen nimmer
und nimmer entsagen!

VALENCIENNE
Gib acht, gib acht,
mein Freund gib acht!
Und spiele mit dem Feuer nicht!

CAMILLE
Ich hab's gedacht,
ich hab's gedacht,
Sie pred'gen nur von Pflicht.

VALENCIENNE
Eh' du's gedacht,
wird's rasch entfacht,
aus Funken eine Flamme bricht!

CAMILLE
Das Liebesglück mir nimmer lacht,
denn Liebe ist das nicht!

VALENCIENNE
Sehr gefährlich ist des Feuers Macht,
wenn man sie nicht bezähmt, bewacht!
Wer das nicht kennt,
sich leicht verbrennt.
Nimm vor dem Feuer dich in acht.

CAMILLE
Wenn die Liebe spricht: gib acht, gib acht!
So ist dies nicht der Liebe Macht!
Denn wahre Liebe wagt
und nimmt sich nie in acht!
(Valencienne und Camille gehen nach rechts ab; Zeta tritt mit Njegus von links auf.)

ZETA
Nun Njegus,
haben Sie meinen Auftrag ausgerichtet?
haben Sie meinen Botschaft überbracht?

NJEGUS
Mit Verlaub, Exzellenz.
Graf Danilowitsch wird in einer
Viertelstunde da sein!

ZETA
Gott sei Dank...! Einmal alle heiligen Zeiten
braucht man ikn, und wo steckt er?

NJEGUS
Im Maxim!

ZETA
Wo?

NJEGUS
Mädchen sind dort...

ZETA
Er ist mein Triumph in diesem Spiel...

NJEGUS
Keiner kann ihm das Wasser reichen...

ZETA
Höchstens dieser Herr Rosillon!

NJEGUS
Der ist doch schon verliebt bis über beide Ohren...

ZETA
In wenn?

NJEGUS
Das weiß man nicht... Es soll eine verheiratete
Dame sein...

ZETA
So...?
Meine Frau wird das schon herausbekommen...

ST. BRIOCHE
(von draußen)
Achtung, meine Herren, die Glawari kommt!

Nr. 3 Entrèe-Lied und Ensemble
(Zwanzig Herren, darunter Cascada und St. Brioche, eilen aus dem rückwärtigen Saal durch den Salon zurHaupttür.)

ZETA
Er muss unserem Vaterlande
die 20 Millionen verdienen!

ZETA
Was hat denn das zu bedeuten?

NJEGUS
Die 20 Millionen, Enzellenz!

ZETA
Was?

NJEGUS
Nun, die Glawari ist da.
(Zeta und Njegus gehen ab. Die Herren bilden bei Hannas Auftritt Spalier.)

HANNA
(zu den Herren, die sie umringen)
Bitte, meine Herrn...

CASCADA
Sie sind der Sterne schönster Stern...

HANNA
Welche Galanterien...

CASCADA
...Die hier strahlend zieh'n...

HANNA
Bitte, nicht doch. ,s ist genug!

ST. BRIOCHE
Und wie ein holdser Sinnentrug,
der uns blendet...

HANNA
Doch jetzt geendet!
Hören Sie, oh bitte, schweigen Sie!
Sie machen mich verlegen, meine Herr'n!

ST. BRIOCHE, CASCADA, UND HERREN
Empfangen Sie die Huldigung
als dieses Festes Stern!
Als schönster Stern!

HANNA
Hab' in Paris mich noch nicht ganz
so aklimatisiert,
daß dieser süße Firlefanz
von mir verstanden wird!
Bin noch Pontevedrinerin
ein bißchen allzusehr.
Ja, wär' ich schon Pariserin,
verstünd' ich etwas mehr!
Die Herr'n sind liebenswürdig sehr,
gilt das meiner Person?
Ich fürchte, dies gilt viel mehr
meiner... vielfachen Million!

ST. BRIOCHE, CASCADE UND HERREN
Oh, oh, oh, oh!

HANNA
Ach, tun Sie nur nicht so!
Gar oft hab' ich's gehört,
wir Witwen ach,
wit sind begehrt.
Erst wenn wir armen Witwen reich sind ja,
dann haben wir doppelten Wert!
Ja!

CASCADA UND ST. BRIOCHE
Wir sind tief gekränt,
daß man von uns denkt,
geld hätte nur Wert.

HERRENCHOR
Sie hat richtig gehört,
Witwen, die reich,
sind sehr begehrt!

HANNA
In unser'm Gelde
liegt unser Wert,
so hab' ich's immer gehört!

ST BRIOCHE, CASCADA, HERRENCHOR
Bitte, nur weiter,
nur weiter im Text!
Welch' and're Wahrheit
folgt zunächst?

HANNA
Bei mir daheim ist's nicht der Brauch,
daß Damen man hofiert.
Mit Komplimenten wird man auch
fast niemals molestiert.
Geht einer gar ins Zeug so scharf,
so unnerschämt wie Sie,
dann weiß man wohl, daß er es darf,
denn heucheln wird er nie!

ST BRIOCHE, CASCADA, HERRENCHOR
Diese Weise macht Sie doppelt so reizend.
Darum preise ich Sie voll Sympathie!

HANNA
Lassen Sie das fade Schmeicheln!
Ich durchschaue Euer Heuchein!
ja, ja, ja, ja, -

HERRENCHOR
Ach nein, Gnäd'ge, ach nein!
Wir können auch ehrlich wohl sein!

ST. BRIOCHE, CASCADA
Oh, nicht Schmeichelei und nicht Heuchelei,
ja, mir geht das nah!

HANNA
Ach, es geht mir gar nicht nah,
denn nut Süßholz raspelt ihr da!
Ach ja!

ST. BRIOCHE
Oh bitte, nicht zu zweifeln da!

CASCADA
Oh bitte ich mein's ehrlich ja!
St Brioche, Cascada
Und mir geht's wirklich sehr nah!

HERRENCHOR
Wir meinen's ehrlich, ach ja!
(Zeta, Valencienne, Camille treten auf)

VALENCIENNE
Ah, gnädige Frau, ich bin glücklich,
Sie in meinem Hause begrüßen zu können.

ZETA
Ich rechne es mir zur hohen Ehre an!

HANNA
(zu den Herren gewendet)
Meine Herren, kommen Sie morgen zu mir,
ich gebe ein echt pontevedrinisches Fest.
Vorwärts!
(Hanna geht mir dem Baron ab. Die anderen folgen. Valencienne und Camille bleiben zurück.)

Nr. 3a Ballmusik

VALENCIENNE
Camille!

CAMILLE
Ja was?

VALENCIENNE
Sie werden sie heiraten!

CAMILLE
Aber Valencienne! Nein!

VALENCIENNE
Ich will es, ich befehle es! Sie müssen glücklich
werden, und ich bleibe eine anständige Frau.

CAMILLE
Nun gut, werd' ich nie also heiraten.

VALENCIENNE
Unterstehn Sie sich!

CAMILLE
Aber Valencienne!
(Valencienne geht mit Camille ab.)

Nr. 4 Auftrittslied
(Graf Danilo tritt in Begleitung von Njegus auf.)

DANILO
Also bitte, ich bin hier.
Aber wo ist der Vaterland?

NJEGUS
Ich melde Sie sogleich seiner Exzellenz!

DANILO
Oh Vaterland, du machst bei Tag
mir schon genügend Müh' und Plag'!
Die Nacht braucht jeder Diplomat
doch meistenteils für sich privat!
Um eins bin ich schon im Bureau,
doch bin ich gleich drauf anderswo,
weil man den ganzen lieben Tag
nicht immer im Bureau sein mag!
Erstatte ich beim Chef Bericht,
so tu' ich's meistens selber nicht,
die Sprechstund' halt' ich niemals ein,
ein Diplomat muß schweigsam sein!
Die Akten häufen sich bei mir,
Ich finde, 's gibt zu viel Papier;
Ich tauch' die Feder selten ein
und komm' doch in die Tint' hinein!
Kein Wunder, wenn man so viel tut,
dass man am Abend gerne ruht
und sich bei Nacht, was man so nennt,
Erholung nach der Arbeit gönnt!
Da geh' ich zu Maxim,
dort bin ich sehr intim,
ich duze alle Damen,
ruf' sie beim Kosenamen:
Lolo, Dodo, Jou-jou,
Clo-clo, Margot, Frou-frou,
sie lassen mich vergessen,
das teure Vaterland!
Dann wird champagnisiert,
auch häufig cancaniert,
und geht's ans Kosen, Küssen,
mit allen diesen Süßsen:
Lolo, Dodo, Jou-jou,
Clo-clo, Margot, Frou-frou,
dann kann ich leicht vergessen
das teu're Vaterland.
Njegus, Geliebter, ich bin hier,
Nun, was will der Vaterland?

NJEGUS
Seine Exzellenz ist noch - mit Verlaub -
in ein Gespräch verwickelt mit Frau Glawari!

DANILO
(sehr überrascht)
Hanna Gla-? Ich meine Frau Glawari. So, so?

NJEGUS
Also, Ich melde Sie jetzt...
(will ab)

DANILO
Nein, Njegus, Geliebter, noch nicht melden! -
Heute ist schon vierte Nacht, dass Ich nicht
geschlafen habe. Ich muss mich ein bissel
niederlegen!

NJEGUS
Also gut, schlafen Sie a bissel!
(Danilo legt sich auf die ottomane. Njegus geht ab. Hanna kommt von den rückwärtigen Sällen in den Salon, von vier Herren begleitet.)

ST. BRIOCHE
Gnädige Frau, dürfte ich Ihnen sagen, wie glücklich
wir alle...

HANNA
Bitte, meine Herren, lassen Sie mich einen
Augenblick allein...
(Die Herren ziehen sich widerstrebend zurück.)
Oh, da schnarcht jemand!
Den muss Ich mir in der Nähe ansehen!
Da schnarcht ja jemand mitten auf dem Fest...

DANILO
Rrrruhe! Himmeldonnerwetter, kann man denn
nicht einmal in Ruhe...
Hanna -? O, Verzeihung, Gospodina,
Sie wohnen jetzt in Paris?

HANNA
Ja, ich will das Pariser Leben genießen,
nachholen, was ich versäumt habe, und
- vielleicht auch - heiraten!

DANILO
Hanna, so schnell wieder!

HANNA
Wie?

DANILO
Pardon, will ich sagen... Gospodina - wenn es
auf mich angekommen wäre, wären Sie jetzt
nicht Witwe des seligen Herrn Glawari, sondern
Gemahlin des seligen Grafen Danilo, aber Sie wissen, la esposa del feliz Conde Danilo, pero ya lo sabéis,
mi viejo tío... Deseredado!
Ana
Ah, sí, es verdad... Vuestro aristocrático tío! Ahora
él no vería ningún incoveninete en que su sobrino su
aristocrática mano me tendiera...

DANILO
No pensaréis acaso que yo por vuestros millones...

HANNA
Ein Mann wie der andere! Wenn mir jetzt einer sagt:
"Ich liebe Sie"! - dann glaub' ich ihm aufs Wort
- ja er liebt sie - meine Erbechaft nämlich!

DANILO
Ich werde Ihnen nie sagen: Ich liebe Sie!

HANNA
Nie?

DANILO
Nie!
(Hanna und Danilo gehen in entgegengesetzten Richtungen ab. Valencienne und Camille treten auf.)

VALENCIENNE
Ich bitte Sie, lieber Freund, es hat doch keinen
Zweck. Ich bin verheiratet.

CAMILLE
Wären Sie es nur mit mir!

VALENCIENNE
Oh, das wäre schön! Herrlich!
Erster Akt


Salon des pontevedrinischen Gesandtschaftspalais in Paris.
Links die Haupttüre. Rechts führen einige Treppen zu einer Art Kabinett. Hinten zwei weitere hell erleuchtete Säle. St. Brioche, Bogdanowitsch, Sylviane, Kromow, Olga, Pritschitsch, Praskowia, Herren und Damen der Gesellschaft. Diener, die Champagner servieren.)

CASCADA
Verehrteste Damen und Herren,
Ich halt' es für Gastespflicht
den Hausherrn dankend zu feiern,
doch Redner - das bin ich nicht!
Ich sag' darum in aller Kürze,
die bekanntlich immer die Würze:
der Baron gab heute sein Bestes,
wir bringen ihm ein dreifach' Hoch!
(stößt mit Zeta an)

CHOR
(anstoßend)
Dreimal hoch der Geber des Festes!
Er lebe dreimal, dreimal hoch!

ZETA
Wenn Beifall dieser Abend findet,
Den man mir herzlich dargebracht,
so hat dies nicht nur mich als Hausherrn,
auch als Gesandten stolz gemacht!
Des Festes höhere Bestimmung
ist nicht nur Amusement allein:
sie gilt dem Geburtstag des Fürsten,
dem patriotisch wir uns weih'n!
Bin Landesvater per procura,
drum rührt mich patriotisch dies,
denn ich bin also in figura:
Pontevedro in Paris!
(stößt mit allen an)

VALENCIENNE, SYLVIANE, OLGA, PRASKOWIA, CAMILLE, SAINT BRIOCHE, CASCADA, KROMOW, DAMEN UND HERREN
Als Landesvater per procura,
da rührt ihn patriotisch dies,
denn er ist also in figura:
Pontevedro in Paris!
(Die Diener nehmen den Gästen die Gläser ab; die Gesellschaft zerstreut sich in alle drei Säle. Valencienne nähert sich Camille.)


Nr. 1a Ballmusik

VALENCIENNE
(zu Camille, leise)
Camille, ich muß mit Ihnen sprechen!

CAMILLE
Sie machen mich selig!

VALENCIENNE
Nicht darüber...
Was schreiben Sie da auf meinen Fächer?

CAMILLE
Nun, weil Sie mir verbieten, es Ihnen zu sagen,
so schreibe ich: "Ich liebe dich!"

VALENCIENNE
Ich werde dazuschreiben: "Ich bin eine..."

ZETA
(hinzutretend)
Liebe Valencienne -

VALENCIENNE
Du wünschest, lieber Mirko?

ZETA
Verzeih, ich möchte dich bitten nachzusehen,
ob nicht schon Frau Glawari gekommen ist.

VALENCIENNE
Gern!
(wirft Camille einen vielsagenden Blick zu und geht dann ab.)

CAMILLE
Ja, gern!
Ich begleite Sie, gnädige Frau.
(geht ihr nach)

ZETA
(bleibt allein zurüch)
Frau Glawari, darf keinen Pariser heiraten!
Die Erbschaft muss Pontevedro zufallen,
und es ist auch heldenhaft, fürs Vaterland zu erben!
Valencienne, Valencienne!
(Zeta geht nach links ab; Valencienne und Camille treten von rechts auf.)

Nr. 2 Duett

VALENCIENNE
(sieht sich um)
So kommen Sie! 's ist niemand hier!

CAMILLE
Sie sehen den glücklichsten Mann in mir!

VALENCIENNE
Ich habe mit Ihnen zu sprechen.

CAMILLE
Ich möchte Ihnen ein Wort nur sagen.

VALENCIENNE
Oh still!
Sie wissen, dass ich dies nicht hören will!

CAMILLE
Sag' ich's auch nicht, Sie hören es doch!
Nur einmal möchte ich es sagen noch!

VALENCIENNE
Ach, liebster Freund, warum sich so quälen?
Wir machen ein Ende!

CAMILLE
Ein Ende?

VALENCIENNE
Ich will Sie vermählen!

CAMILLE
Vermählen? Mich? Nie darf das sein!
Ich liebe nur dich, allein nur dich!

VALENCIENNE
Ach, bitte schön, still!
Sie wissen, dass ich dies nicht hören will!
Ich bin eine anständ'ge Frau
und nehm's mit der Ehe genau.
Ich will derlei Aventüren
um gar keinen Preis mehr riskieren!
Es ist ja ein törichtes Spiel,
das niemals ans führt zum Ziel!
Sie wissen das, hoff' ich, genau:
Ich bin eine anständ'ge Frau!
Ich kann nur verlieren
und Sie nichts gewinnen,
drum müssen der Lockung,
wir eiligst entrinnen.
Gib acht, gib acht!
Mein Freund, gib acht.
Und spiele mit dem Feuer nicht!
Eh' du's gedacht,
wird's rasch entfacht,
aus Funken eine Flamme bricht!
Sehr gefährlich ist des Feuers Macht,
wenn man sie nicht bezähmt, bewacht!
Wer das nicht kennt,
sich leicht verbrennt.
Nimm vor dem Feuer dich in acht.
(setzt sich und sieht ihn verliebt an)

CAMILLE
Sie sind eine anständ'ge Frau,
das weiß ich ja leider genau.
Doch können Sie wirklich mir glauben.
Sie predigen hier einem Tauben!
Erreich' ich auch niemals mein Ziel,
erkaltet doch nie mein Gefühl.
Ich werde noch alt und noch grau -
Sie bleiben die anständ'ge Frau!
Ich kenn' die Gefahren,
Ich muß sie ertragen!
(Er eilt auf sie zu; sie huscht an ihm vorbei.)
Ich kann Ihnen nimmer
und nimmer entsagen!

VALENCIENNE
Gib acht, gib acht,
mein Freund gib acht!
Und spiele mit dem Feuer nicht!

CAMILLE
Ich hab's gedacht,
ich hab's gedacht,
Sie pred'gen nur von Pflicht.

VALENCIENNE
Eh' du's gedacht,
wird's rasch entfacht,
aus Funken eine Flamme bricht!

CAMILLE
Das Liebesglück mir nimmer lacht,
denn Liebe ist das nicht!

VALENCIENNE
Sehr gefährlich ist des Feuers Macht,
wenn man sie nicht bezähmt, bewacht!
Wer das nicht kennt,
sich leicht verbrennt.
Nimm vor dem Feuer dich in acht.

CAMILLE
Wenn die Liebe spricht: gib acht, gib acht!
So ist dies nicht der Liebe Macht!
Denn wahre Liebe wagt
und nimmt sich nie in acht!
(Valencienne und Camille gehen nach rechts ab; Zeta tritt mit Njegus von links auf.)

ZETA
Nun Njegus,
haben Sie meinen Auftrag ausgerichtet?
haben Sie meinen Botschaft überbracht?

NJEGUS
Mit Verlaub, Exzellenz.
Graf Danilowitsch wird in einer
Viertelstunde da sein!

ZETA
Gott sei Dank...! Einmal alle heiligen Zeiten
braucht man ikn, und wo steckt er?

NJEGUS
Im Maxim!

ZETA
Wo?

NJEGUS
Mädchen sind dort...

ZETA
Er ist mein Triumph in diesem Spiel...

NJEGUS
Keiner kann ihm das Wasser reichen...

ZETA
Höchstens dieser Herr Rosillon!

NJEGUS
Der ist doch schon verliebt bis über beide Ohren...

ZETA
In wenn?

NJEGUS
Das weiß man nicht... Es soll eine verheiratete
Dame sein...

ZETA
So...?
Meine Frau wird das schon herausbekommen...

ST. BRIOCHE
(von draußen)
Achtung, meine Herren, die Glawari kommt!

Nr. 3 Entrèe-Lied und Ensemble
(Zwanzig Herren, darunter Cascada und St. Brioche, eilen aus dem rückwärtigen Saal durch den Salon zurHaupttür.)

ZETA
Er muss unserem Vaterlande
die 20 Millionen verdienen!

ZETA
Was hat denn das zu bedeuten?

NJEGUS
Die 20 Millionen, Enzellenz!

ZETA
Was?

NJEGUS
Nun, die Glawari ist da.
(Zeta und Njegus gehen ab. Die Herren bilden bei Hannas Auftritt Spalier.)

HANNA
(zu den Herren, die sie umringen)
Bitte, meine Herrn...

CASCADA
Sie sind der Sterne schönster Stern...

HANNA
Welche Galanterien...

CASCADA
...Die hier strahlend zieh'n...

HANNA
Bitte, nicht doch. ,s ist genug!

ST. BRIOCHE
Und wie ein holdser Sinnentrug,
der uns blendet...

HANNA
Doch jetzt geendet!
Hören Sie, oh bitte, schweigen Sie!
Sie machen mich verlegen, meine Herr'n!

ST. BRIOCHE, CASCADA, UND HERREN
Empfangen Sie die Huldigung
als dieses Festes Stern!
Als schönster Stern!

HANNA
Hab' in Paris mich noch nicht ganz
so aklimatisiert,
daß dieser süße Firlefanz
von mir verstanden wird!
Bin noch Pontevedrinerin
ein bißchen allzusehr.
Ja, wär' ich schon Pariserin,
verstünd' ich etwas mehr!
Die Herr'n sind liebenswürdig sehr,
gilt das meiner Person?
Ich fürchte, dies gilt viel mehr
meiner... vielfachen Million!

ST. BRIOCHE, CASCADE UND HERREN
Oh, oh, oh, oh!

HANNA
Ach, tun Sie nur nicht so!
Gar oft hab' ich's gehört,
wir Witwen ach,
wit sind begehrt.
Erst wenn wir armen Witwen reich sind ja,
dann haben wir doppelten Wert!
Ja!

CASCADA UND ST. BRIOCHE
Wir sind tief gekränt,
daß man von uns denkt,
geld hätte nur Wert.

HERRENCHOR
Sie hat richtig gehört,
Witwen, die reich,
sind sehr begehrt!

HANNA
In unser'm Gelde
liegt unser Wert,
so hab' ich's immer gehört!

ST BRIOCHE, CASCADA, HERRENCHOR
Bitte, nur weiter,
nur weiter im Text!
Welch' and're Wahrheit
folgt zunächst?

HANNA
Bei mir daheim ist's nicht der Brauch,
daß Damen man hofiert.
Mit Komplimenten wird man auch
fast niemals molestiert.
Geht einer gar ins Zeug so scharf,
so unnerschämt wie Sie,
dann weiß man wohl, daß er es darf,
denn heucheln wird er nie!

ST BRIOCHE, CASCADA, HERRENCHOR
Diese Weise macht Sie doppelt so reizend.
Darum preise ich Sie voll Sympathie!

HANNA
Lassen Sie das fade Schmeicheln!
Ich durchschaue Euer Heuchein!
ja, ja, ja, ja, -

HERRENCHOR
Ach nein, Gnäd'ge, ach nein!
Wir können auch ehrlich wohl sein!

ST. BRIOCHE, CASCADA
Oh, nicht Schmeichelei und nicht Heuchelei,
ja, mir geht das nah!

HANNA
Ach, es geht mir gar nicht nah,
denn nut Süßholz raspelt ihr da!
Ach ja!

ST. BRIOCHE
Oh bitte, nicht zu zweifeln da!

CASCADA
Oh bitte ich mein's ehrlich ja!
St Brioche, Cascada
Und mir geht's wirklich sehr nah!

HERRENCHOR
Wir meinen's ehrlich, ach ja!
(Zeta, Valencienne, Camille treten auf)

VALENCIENNE
Ah, gnädige Frau, ich bin glücklich,
Sie in meinem Hause begrüßen zu können.

ZETA
Ich rechne es mir zur hohen Ehre an!

HANNA
(zu den Herren gewendet)
Meine Herren, kommen Sie morgen zu mir,
ich gebe ein echt pontevedrinisches Fest.
Vorwärts!
(Hanna geht mir dem Baron ab. Die anderen folgen. Valencienne und Camille bleiben zurück.)

Nr. 3a Ballmusik

VALENCIENNE
Camille!

CAMILLE
Ja was?

VALENCIENNE
Sie werden sie heiraten!

CAMILLE
Aber Valencienne! Nein!

VALENCIENNE
Ich will es, ich befehle es! Sie müssen glücklich
werden, und ich bleibe eine anständige Frau.

CAMILLE
Nun gut, werd' ich nie also heiraten.

VALENCIENNE
Unterstehn Sie sich!

CAMILLE
Aber Valencienne!
(Valencienne geht mit Camille ab.)

Nr. 4 Auftrittslied
(Graf Danilo tritt in Begleitung von Njegus auf.)

DANILO
Also bitte, ich bin hier.
Aber wo ist der Vaterland?

NJEGUS
Ich melde Sie sogleich seiner Exzellenz!

DANILO
Oh Vaterland, du machst bei Tag
mir schon genügend Müh' und Plag'!
Die Nacht braucht jeder Diplomat
doch meistenteils für sich privat!
Um eins bin ich schon im Bureau,
doch bin ich gleich drauf anderswo,
weil man den ganzen lieben Tag
nicht immer im Bureau sein mag!
Erstatte ich beim Chef Bericht,
so tu' ich's meistens selber nicht,
die Sprechstund' halt' ich niemals ein,
ein Diplomat muß schweigsam sein!
Die Akten häufen sich bei mir,
Ich finde, 's gibt zu viel Papier;
Ich tauch' die Feder selten ein
und komm' doch in die Tint' hinein!
Kein Wunder, wenn man so viel tut,
dass man am Abend gerne ruht
und sich bei Nacht, was man so nennt,
Erholung nach der Arbeit gönnt!
Da geh' ich zu Maxim,
dort bin ich sehr intim,
ich duze alle Damen,
ruf' sie beim Kosenamen:
Lolo, Dodo, Jou-jou,
Clo-clo, Margot, Frou-frou,
sie lassen mich vergessen,
das teure Vaterland!
Dann wird champagnisiert,
auch häufig cancaniert,
und geht's ans Kosen, Küssen,
mit allen diesen Süßsen:
Lolo, Dodo, Jou-jou,
Clo-clo, Margot, Frou-frou,
dann kann ich leicht vergessen
das teu're Vaterland.
Njegus, Geliebter, ich bin hier,
Nun, was will der Vaterland?

NJEGUS
Seine Exzellenz ist noch - mit Verlaub -
in ein Gespräch verwickelt mit Frau Glawari!

DANILO
(sehr überrascht)
Hanna Gla-? Ich meine Frau Glawari. So, so?

NJEGUS
Also, Ich melde Sie jetzt...
(will ab)

DANILO
Nein, Njegus, Geliebter, noch nicht melden! -
Heute ist schon vierte Nacht, dass Ich nicht
geschlafen habe. Ich muss mich ein bissel
niederlegen!

NJEGUS
Also gut, schlafen Sie a bissel!
(Danilo legt sich auf die ottomane. Njegus geht ab. Hanna kommt von den rückwärtigen Sällen in den Salon, von vier Herren begleitet.)

ST. BRIOCHE
Gnädige Frau, dürfte ich Ihnen sagen, wie glücklich
wir alle...

HANNA
Bitte, meine Herren, lassen Sie mich einen
Augenblick allein...
(Die Herren ziehen sich widerstrebend zurück.)
Oh, da schnarcht jemand!
Den muss Ich mir in der Nähe ansehen!
Da schnarcht ja jemand mitten auf dem Fest...

DANILO
Rrrruhe! Himmeldonnerwetter, kann man denn
nicht einmal in Ruhe...
Hanna -? O, Verzeihung, Gospodina,
Sie wohnen jetzt in Paris?

HANNA
Ja, ich will das Pariser Leben genießen,
nachholen, was ich versäumt habe, und
- vielleicht auch - heiraten!

DANILO
Hanna, so schnell wieder!

HANNA
Wie?

DANILO
Pardon, will ich sagen... Gospodina - wenn es
auf mich angekommen wäre, wären Sie jetzt
nicht Witwe des seligen Herrn Glawari, sondern
Gemahlin des seligen Grafen Danilo, aber Sie wissen, la esposa del feliz Conde Danilo, pero ya lo sabéis,
mi viejo tío... Deseredado!
Ana
Ah, sí, es verdad... Vuestro aristocrático tío! Ahora
él no vería ningún incoveninete en que su sobrino su
aristocrática mano me tendiera...

DANILO
No pensaréis acaso que yo por vuestros millones...

HANNA
Ein Mann wie der andere! Wenn mir jetzt einer sagt:
"Ich liebe Sie"! - dann glaub' ich ihm aufs Wort
- ja er liebt sie - meine Erbechaft nämlich!

DANILO
Ich werde Ihnen nie sagen: Ich liebe Sie!

HANNA
Nie?

DANILO
Nie!
(Hanna und Danilo gehen in entgegengesetzten Richtungen ab. Valencienne und Camille treten auf.)

VALENCIENNE
Ich bitte Sie, lieber Freund, es hat doch keinen
Zweck. Ich bin verheiratet.

CAMILLE
Wären Sie es nur mit mir!

VALENCIENNE
Oh, das wäre schön! Herrlich!



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