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ZWEITER AKT

Altertümlicher Salon im Schloss Santa Croce, im Hochparterre. Rings um den Salon herum ein schwerer geschnitzter und getäfelter Holzsockel. Altes Möblement. Links vorn ein Tafelklavier mit der schmalen Seite gegen das Publikum gestellt. Ein Diwan, Fauteuils, Blumentisch maskieren das Instrument etwas. Rechts ein breites hohes Fenster, das nach dem Garten sieht. Dahinter ein Kamin. Links eine Tür, zu Carlottas Gemächern führend. Rückwärts zwei hohe Türen, die, wenn sie geöffnet sind, Ausblick in einen reichmöbliertem Saal gewähren. Zwischen diesen Türen befindet sich eine solide, ins Mauerwerk gefügte eiserne Cassa, im Holzgetäfel des Sockels versteckt. Der Druck auf einen Knopf demaskiert deren Schlüsselloch. Ist sie geöffnet, sieht man hinter der schweren Eisentür mehrere Regale, auf denen einige alte Familienbücher, Pergamentrollen und einige alte Goldgeschirre stehen.


ERSTE SZENE
Marietta, dann Sora; Chor (hinter der Szene)

Nr. 7 - Zwischenaktmusik und Chor

CHOR
hinter der Szene
Hör doch die Töne, Estrella.
man tanzt Tarantella!
Berauschende Musik
bringt uns der Liebe süsses Glück.
Wem zuckt es nicht in den Füssen.
die Nacht zu geniessen?
Wer zaudert da noch lang,
wenn hell das Tamburin erklang?
Wer widersteht dir, Zauberklang

Dialog

MARIETTA
von links, im Kostüm eines Kammermädchens jener Zeit
Dio mio! Wenn die braven Leute nur einmal aufhören würden mit ihrer Serenata! Gratulieren zur Verlobung ist schön und gut, aber meine arme Gräfin hat Kopfweh und ...
geht ans Fenster, öffnet es, nickt und winkt mit dem Taschentuch
Ja! Wir glauben's euch! Wir glauben's euch!
Der Gesang wird schwächer.
Ah, sie entfernen sich, sie winken! Addio! Addio!
Der Gesang verhallt. Marietta schliesst das Fenster, trällert das Motiv mit, ordnet einiges im Zimmer, zieht die noch überzogenen Möbel ab.

SORA
von links auftretend
Die Gräfin ruht etwas, Marietta! Wenn der Herr Podestà kommt, soll er warten. Falls aber leise der Conte Erminio käme, soll man's ihr melden!

MARIETTA
schlau
Hm! Hm! Mit dem Sindulfo verlobt sie sich, und den Erminio ladet sie dazu ein! Na, beim Auskehren wird sich's ja finden!

SORA
Mir ist ebenfalls unbegreiflich, dass unsere Gräfin diesen Sindulfo von der traurigen Gestalt nimmt; aber der alte Nasoni lässt ihr keine Ruhe; will durchaus, dass die Verlobungsfeier schon heute stattfindet.

MARIETTA
spöttisch
Haha! Begreiflich! Seit die schönen runden Millionen drinnen in dem Schranke dort liegen, da hinter jener Tür, zeigt nach derselben
hat's der Alte gar eilig!

SORA
Die Gräfin fühlt sich durch ihr Wort an Sindulfo gebunden! Aber, ich lasse mir's nicht nehmen, der Erminio wär ihr lieber!

MARIETTA
Na, beim Auskehren wird sich's ja finden!

Beide plaudern, übers Klavier gelehnt, weiter.



ZWEITE SZENE
Die Vorigen, Zenobia

ZENOBIA
übellaunig eintretend
Wie, Marietta? Weisst du nichts Besseres zu tun heute, wo wir gegen hundert Gäste erwarten, als da zu tratschen und zu quatschen?

SORA
empört
Tratschen, Signorina?

MARIETTA
empört
Quatschen, Signorina?

ZENOBIA
herrisch
Schweigt!
zu Sora
Was machst du hier, Sora?

SORA
Mich hat die Gräfin rufen lassen, nur ihr zuliebe bleibe ich, denn ich bin in grässlicher Unruhe!

ZENOBIA
setzt sich auf ein überzogenes Fauteuil
Warum?

SORA
Ei, wegen meines Benozzo! Mehr als vierundzwanzig Stunden sind verstrichen, seit er mit dem Lösegeld an Gasparone abging, und er ist noch nicht zurückgekehrt!

MARIETTA
zu Zenobia
Bitte!

ZENOBIA
Was?

MARIETTA
Der Überzug!

ZENOBIA
steht auf
Ach so!

SORA
weinerlich
Ach, was mag der entsetzliche Räuber mit meinem guten Benozzo angefangen haben?

ZENOBIA
setzt sich wie früher auf ein überzogenes Fauteuil
Weine nicht, einfältiges Ding, wegen eines Mannes!

MARIETTA
unwillig über Zenobia, zu Sora
Signorina hat recht!
münzt ihre Rede auf Zenobia
Es gibt Leute, die gar keinen Mann haben und auch leben!

ZENOBIA
scharf
Meinst du damit mich?

MARIETTA
knickst
Nein, Signorina, mich!

ZENOBIA
Ich sah deutlich, wie du auf mich zeigtest!

MARIETTA
lebhaft
Ja, wenn Sie es selbst gesehen haben, wird es wohl so sein!

ZENOBIA
Genug, genug! Keinen Widerspruch, kecker Schnabel!

MARIETTA
scharf
Bitte!

ZENOBIA
Was?

MARIETTA
Der Überzug!

ZENOBIA
steht wütend auf
Ach so! Hinaus! Hinaus einmal! Und eins sage ich dir: mässige deine lose Zunge! Wenn nicht, gehst du aus dem Hause - oder ich!

MARIETTA
Na, beim Auskehren wird sich's ja finden!
geht mit Sora links ab


DRITTE SZENE
Zenobia (allein)

ZENOBIA
Ah! Haushalt besorgen, wenn das Innere blutet; Küche bestellen, wenn das Herz hungert; Keller inspizieren, wenn die Seele durstet... welch eine Tortur! O gemeine Prosa des Lebens, wie ekelst du mich an, seit ich in
Räuberhänden war!

Nr. 8 - Couplet

ZENOBIA
sinnend
Und doch ... und doch ist er nicht ohne, ah, dieser Gasparone!

1.
Der Blick von diesem Ungeheuer
schien grausam wohl, jedoch voll Feuer.
Er stand vor mir, so gross, so stramm,
ein Wolf vor einem zarten Lamm!
Die Hände zitternd hoch erhoben
fleht' ich ihn an, den schönen Mann!
Er schaut von unten mich bis oben
durchdringend an und lächelt dann.
Da fühlt' ich alle Fassung weichen;
ohnmächtig sank ich um, doch er
liess sinken mich, tat nichts dergleichen!

Es gibt ja keine Männer mehr!
Keine Männer mehr, keine Männer mehr!
Nein, nein, die gibt's nicht mehr!

2.
Ganz hilflos lag ich auf dem Sande,
dicht neben mir ein Teil der Bande,
die andern weiter im Gebüsch.
Es war romantisch, malerisch!
Bedenk' ich, was mir konnt' geschehen,
erstarret mir noch jetzt das Blut!
Vor Angst und Schreck wollt' ich vergehen,
dahin der Jungfrau Stolz und Mut!
Die wilde Schar auf öder Heide:
der Augenblick war kritisch sehr,
doch tat mir keiner was zuleide!

Es gibt ja keine Männer mehr!
Keine Männer mehr, keine Männer mehr!
Nein, nein, die gibt's nicht mehr!
setzt sich träumerisch auf den Diwan


VIERTE SZENE
Zenobia, Nasoni

Dialog

NASONI
stürmt von rückwärts herein
Nichts, nichts! Keine Spur von Benozzo und immer noch kein Sindulfo! Mit wem soll sich Carlotta verloben, wenn sie keinen Sindulfo hat?

ZENOBIA
die aus ihren Träumen unwillig aufschreckte
Warum auch das Verlobungsfest schon auf heute ansetzen, ohne Ihres Sohnes Rückkunft abzuwarten?!

NASONI
Vielleicht verlangt dieser Gasparone mehr Lösegeld?

ZENOBIA
höhnisch
Nun, hat die Gräfin für den Bräutigam zehntausend Zechinen gezahlt, wird sie schon noch was drauflegen!

NASONI
scharf
Den Bräutigam? Was wollen Sie damit sagen, Signorina?

ZENOBIA
Dass Ihr Sohn so viel Lösegeld gar nicht wert ist.

NASONI
scharf
Wenn Sindulfo ein überreifes Frauenzimmer wäre wie Sie, gäb Gasparone ihn vielleicht ohne Lösegeld frei!

ZENOBIA
wütend
Überreif?

NASONI
scharf
Sagen wir: alt!

ZENOBIA
wütend
Alt? ... Herr Podestà, man ist nur so alt, wie man aussieht!

NASON
giftig
Für so alt hätte ich Sie gar nicht gehalten!

ZENOBIA
stampft mit dem Fusse
Oh!
mit vor Wut erstickter Stimme
Was kostet es hierzulande, wenn man einen Podestà "Flegel" nennt?

NASONI
frech
Zwei bis drei Monate Einzelhaft!

ZENOBIA
Dann ...
bemeistert sich
dann will ich Sie lieber nicht ,,Flegel" nennen!
geht ab

NASONI
sieht Carlotta in Begleitung Erminios von links kommen
Da kommt die Gräfin; und wieder dieser Conte Erminio mit ihr! Oh, vergiften könnte ich diesen Menschen, vergiften! Das wär' ich meiner Gesundheit schuldig.
grüsst Carlotta


FÜNFTE SZENE
Nasoni, Carlotta, Erminio

CARLOTTA
Willkommen, padre mio! Nun... und Sindulfo?

NASONI
Ist noch immer nicht da! Sie sehen mich in heller Verzweiflung darüber!

ERMINIO:
ironisch
Also eine Verlobung ohne Bräutigam!
fein
Darf ich als Ersatz vielleicht indes mich anbieten?

NASONI
zwischen beide tretend
Nein, nein, danke!
für sich
Erdolchen könnt' ich diesen Menschen, erdolchen!
laut
Geduld, teure Carlotta! Ich habe eine ganze Postenkette ausgestellt, die uns meines Sohnes Rückkehr durch Schüsse anzeigt. Er wird bald hier sein!

CARLOTTA
heiter
Nun denn, vertreiben wir uns die Zeit indes, so gut es geht! Musizieren
wir!
tritt zum Klavier

NASONI
eifrig
Ja, ja, musizieren wir!

CARLOTTA
blättert in Noten
Da ist das Duett, welches Sie mir letzthin brachten 'Der einsame Schäfer!"

NASONI
Sie wollten es mit Sindulfo singen?!

CARLOTTA
Der leider nicht da ist!

ERMINIO
Darf vielleicht ich mich als Partner anbieten?

CARLOTTA
Bitte!

NASONI
für sich
Erwürgen könnt' ich diesen Menschen, erwürgen
laut zu Errninio
Singen Sie denn überhaupt?

ERMINIO
Bis ins hohe A. Singt Sindulfo?

NASONI
Bis ins hohe B, mein Herr! Bis ins hohe B, C, D, E. F, G, H, J, K, L, bis ins Z!

ERMINIO
Schade, dass er nicht da ist! Ich hätte ihn gebeten, mir sein ABC vorzusingen!

CARLOTTA
Nun, behelfen wir uns ohne ihn!
zu Erminio
Also, wir beide singen, und
zu Nasoni
Sie begleiten!

NASONI
verblüfft
Begleiten?

CARLOTTA
Nun ja!

ERMINIO
hämisch
Begleiten und umblättern!

NASONI
für sich, wütend
Durchblättern könnt' ich diesen Menschen, durchblättern!

CARLOTTA
Also?

NASONI
Ja, ja, meinetwegen
für sich
Oh, ich berste vor Wut!
setzt sich ans Klavier, spielt einige Akkorde, dann die einfach gesetzte Einleitung eines Duetts. Im Augenblick, wo Erminio den ersten Ton singt, unterbricht Nasoni sein Spiel.
War das nicht ein Schuss?

CARLOTTA
Gott bewahre, spielen Sie nur!

ERMINIO
Ich habe nichts gehört!

NASONI
brummig
Ich würde schwören, dass das ein Schuss war!

CARLOTTA, ERMINIO
Nein, nein! Weiter, weiter!

NASONI
spielt wieder die Einleitung. Im Augenblick, wo Erminio den ersten Ton singt, springt Nasoni auf, setzt sich auf die Klaviatur und schreit
Diesmal war's einer!

CARLOTTA, ERMINIO
Nein, nein!

CARLOTTA
Nur fort! Ich weiss nicht, was Sie haben! Spielen Sie, spielen Sie, spielen Sie nur!

NASONI
Aber' ich ...
im selben Augenblick, als er sich wieder setzt und spielen will, ertönen Schüsse, näher als die früheren. Er springt auf.
Diesmal ist' richtig! Kein Zweifel, man hat geschossen, er ist's! Es ist Sindulfo!
höhnisch zu Erminio
Jetzt wird er singen! Er! Und nicht Sie!
eilt zum Fenster, öffnet es und blickt gespannt hinaus


SECHSTE SZENE
Erminio, Carlotta, dann Nasoni

Carlotta will Nasoni folgen, Erminio vertritt ihr den Weg.

ERMINIO
Ein Wort, Gräfin! Lassen Sie mich den Moment benützen, Sie nochmals zu warnen!

CARLOTTA
Bitte, nichts Mehr davon! Sie kennen meinen Entschluss. Ich kann nicht zurück!

ERMINIO
Mit diesen Worten kennzeichnen Sie selbst Ihre Lage. Sie stehen im Begriff, eine Verbindung zu schliessen, gegen welche sich Ihr Herz sträubt, und...

CARLOTTA
unterbricht ihn
...Ich bitte, quälen Sie mich nicht! Ich muss ...
beherrscht sich
Ich will ... und gebe niemand das Recht, meinem Vorsatz entgegenzutreten!

Vivatrufe hinter der Szene

NASONI
kommt zurück vom Fenster
Eviva! Eviva! Oh, oh, ich kann mich vor Freude nicht fassen! Schüsse! Freudenrufe! Staub auf der Landstrasse! Er ist's, er ist's! Oh!
küsst und umarmt Carlotta leidenschaftlich
Ich muss Sie umarmen, Carlotta, küssen ... bin das meiner Gesundheit schuldig!

CARLOTTA
Ich teile Ihre Freude, Papa.

NASONI
Oh, ich kann meine Ungeduld nicht mehr bemeistern! Ihm entgegen, entgegen!
will ab
ZWEITER AKT

Altertümlicher Salon im Schloss Santa Croce, im Hochparterre. Rings um den Salon herum ein schwerer geschnitzter und getäfelter Holzsockel. Altes Möblement. Links vorn ein Tafelklavier mit der schmalen Seite gegen das Publikum gestellt. Ein Diwan, Fauteuils, Blumentisch maskieren das Instrument etwas. Rechts ein breites hohes Fenster, das nach dem Garten sieht. Dahinter ein Kamin. Links eine Tür, zu Carlottas Gemächern führend. Rückwärts zwei hohe Türen, die, wenn sie geöffnet sind, Ausblick in einen reichmöbliertem Saal gewähren. Zwischen diesen Türen befindet sich eine solide, ins Mauerwerk gefügte eiserne Cassa, im Holzgetäfel des Sockels versteckt. Der Druck auf einen Knopf demaskiert deren Schlüsselloch. Ist sie geöffnet, sieht man hinter der schweren Eisentür mehrere Regale, auf denen einige alte Familienbücher, Pergamentrollen und einige alte Goldgeschirre stehen.


ERSTE SZENE
Marietta, dann Sora; Chor (hinter der Szene)

Nr. 7 - Zwischenaktmusik und Chor

CHOR
hinter der Szene
Hör doch die Töne, Estrella.
man tanzt Tarantella!
Berauschende Musik
bringt uns der Liebe süsses Glück.
Wem zuckt es nicht in den Füssen.
die Nacht zu geniessen?
Wer zaudert da noch lang,
wenn hell das Tamburin erklang?
Wer widersteht dir, Zauberklang

Dialog

MARIETTA
von links, im Kostüm eines Kammermädchens jener Zeit
Dio mio! Wenn die braven Leute nur einmal aufhören würden mit ihrer Serenata! Gratulieren zur Verlobung ist schön und gut, aber meine arme Gräfin hat Kopfweh und ...
geht ans Fenster, öffnet es, nickt und winkt mit dem Taschentuch
Ja! Wir glauben's euch! Wir glauben's euch!
Der Gesang wird schwächer.
Ah, sie entfernen sich, sie winken! Addio! Addio!
Der Gesang verhallt. Marietta schliesst das Fenster, trällert das Motiv mit, ordnet einiges im Zimmer, zieht die noch überzogenen Möbel ab.

SORA
von links auftretend
Die Gräfin ruht etwas, Marietta! Wenn der Herr Podestà kommt, soll er warten. Falls aber leise der Conte Erminio käme, soll man's ihr melden!

MARIETTA
schlau
Hm! Hm! Mit dem Sindulfo verlobt sie sich, und den Erminio ladet sie dazu ein! Na, beim Auskehren wird sich's ja finden!

SORA
Mir ist ebenfalls unbegreiflich, dass unsere Gräfin diesen Sindulfo von der traurigen Gestalt nimmt; aber der alte Nasoni lässt ihr keine Ruhe; will durchaus, dass die Verlobungsfeier schon heute stattfindet.

MARIETTA
spöttisch
Haha! Begreiflich! Seit die schönen runden Millionen drinnen in dem Schranke dort liegen, da hinter jener Tür, zeigt nach derselben
hat's der Alte gar eilig!

SORA
Die Gräfin fühlt sich durch ihr Wort an Sindulfo gebunden! Aber, ich lasse mir's nicht nehmen, der Erminio wär ihr lieber!

MARIETTA
Na, beim Auskehren wird sich's ja finden!

Beide plaudern, übers Klavier gelehnt, weiter.



ZWEITE SZENE
Die Vorigen, Zenobia

ZENOBIA
übellaunig eintretend
Wie, Marietta? Weisst du nichts Besseres zu tun heute, wo wir gegen hundert Gäste erwarten, als da zu tratschen und zu quatschen?

SORA
empört
Tratschen, Signorina?

MARIETTA
empört
Quatschen, Signorina?

ZENOBIA
herrisch
Schweigt!
zu Sora
Was machst du hier, Sora?

SORA
Mich hat die Gräfin rufen lassen, nur ihr zuliebe bleibe ich, denn ich bin in grässlicher Unruhe!

ZENOBIA
setzt sich auf ein überzogenes Fauteuil
Warum?

SORA
Ei, wegen meines Benozzo! Mehr als vierundzwanzig Stunden sind verstrichen, seit er mit dem Lösegeld an Gasparone abging, und er ist noch nicht zurückgekehrt!

MARIETTA
zu Zenobia
Bitte!

ZENOBIA
Was?

MARIETTA
Der Überzug!

ZENOBIA
steht auf
Ach so!

SORA
weinerlich
Ach, was mag der entsetzliche Räuber mit meinem guten Benozzo angefangen haben?

ZENOBIA
setzt sich wie früher auf ein überzogenes Fauteuil
Weine nicht, einfältiges Ding, wegen eines Mannes!

MARIETTA
unwillig über Zenobia, zu Sora
Signorina hat recht!
münzt ihre Rede auf Zenobia
Es gibt Leute, die gar keinen Mann haben und auch leben!

ZENOBIA
scharf
Meinst du damit mich?

MARIETTA
knickst
Nein, Signorina, mich!

ZENOBIA
Ich sah deutlich, wie du auf mich zeigtest!

MARIETTA
lebhaft
Ja, wenn Sie es selbst gesehen haben, wird es wohl so sein!

ZENOBIA
Genug, genug! Keinen Widerspruch, kecker Schnabel!

MARIETTA
scharf
Bitte!

ZENOBIA
Was?

MARIETTA
Der Überzug!

ZENOBIA
steht wütend auf
Ach so! Hinaus! Hinaus einmal! Und eins sage ich dir: mässige deine lose Zunge! Wenn nicht, gehst du aus dem Hause - oder ich!

MARIETTA
Na, beim Auskehren wird sich's ja finden!
geht mit Sora links ab


DRITTE SZENE
Zenobia (allein)

ZENOBIA
Ah! Haushalt besorgen, wenn das Innere blutet; Küche bestellen, wenn das Herz hungert; Keller inspizieren, wenn die Seele durstet... welch eine Tortur! O gemeine Prosa des Lebens, wie ekelst du mich an, seit ich in
Räuberhänden war!

Nr. 8 - Couplet

ZENOBIA
sinnend
Und doch ... und doch ist er nicht ohne, ah, dieser Gasparone!

1.
Der Blick von diesem Ungeheuer
schien grausam wohl, jedoch voll Feuer.
Er stand vor mir, so gross, so stramm,
ein Wolf vor einem zarten Lamm!
Die Hände zitternd hoch erhoben
fleht' ich ihn an, den schönen Mann!
Er schaut von unten mich bis oben
durchdringend an und lächelt dann.
Da fühlt' ich alle Fassung weichen;
ohnmächtig sank ich um, doch er
liess sinken mich, tat nichts dergleichen!

Es gibt ja keine Männer mehr!
Keine Männer mehr, keine Männer mehr!
Nein, nein, die gibt's nicht mehr!

2.
Ganz hilflos lag ich auf dem Sande,
dicht neben mir ein Teil der Bande,
die andern weiter im Gebüsch.
Es war romantisch, malerisch!
Bedenk' ich, was mir konnt' geschehen,
erstarret mir noch jetzt das Blut!
Vor Angst und Schreck wollt' ich vergehen,
dahin der Jungfrau Stolz und Mut!
Die wilde Schar auf öder Heide:
der Augenblick war kritisch sehr,
doch tat mir keiner was zuleide!

Es gibt ja keine Männer mehr!
Keine Männer mehr, keine Männer mehr!
Nein, nein, die gibt's nicht mehr!
setzt sich träumerisch auf den Diwan


VIERTE SZENE
Zenobia, Nasoni

Dialog

NASONI
stürmt von rückwärts herein
Nichts, nichts! Keine Spur von Benozzo und immer noch kein Sindulfo! Mit wem soll sich Carlotta verloben, wenn sie keinen Sindulfo hat?

ZENOBIA
die aus ihren Träumen unwillig aufschreckte
Warum auch das Verlobungsfest schon auf heute ansetzen, ohne Ihres Sohnes Rückkunft abzuwarten?!

NASONI
Vielleicht verlangt dieser Gasparone mehr Lösegeld?

ZENOBIA
höhnisch
Nun, hat die Gräfin für den Bräutigam zehntausend Zechinen gezahlt, wird sie schon noch was drauflegen!

NASONI
scharf
Den Bräutigam? Was wollen Sie damit sagen, Signorina?

ZENOBIA
Dass Ihr Sohn so viel Lösegeld gar nicht wert ist.

NASONI
scharf
Wenn Sindulfo ein überreifes Frauenzimmer wäre wie Sie, gäb Gasparone ihn vielleicht ohne Lösegeld frei!

ZENOBIA
wütend
Überreif?

NASONI
scharf
Sagen wir: alt!

ZENOBIA
wütend
Alt? ... Herr Podestà, man ist nur so alt, wie man aussieht!

NASON
giftig
Für so alt hätte ich Sie gar nicht gehalten!

ZENOBIA
stampft mit dem Fusse
Oh!
mit vor Wut erstickter Stimme
Was kostet es hierzulande, wenn man einen Podestà "Flegel" nennt?

NASONI
frech
Zwei bis drei Monate Einzelhaft!

ZENOBIA
Dann ...
bemeistert sich
dann will ich Sie lieber nicht ,,Flegel" nennen!
geht ab

NASONI
sieht Carlotta in Begleitung Erminios von links kommen
Da kommt die Gräfin; und wieder dieser Conte Erminio mit ihr! Oh, vergiften könnte ich diesen Menschen, vergiften! Das wär' ich meiner Gesundheit schuldig.
grüsst Carlotta


FÜNFTE SZENE
Nasoni, Carlotta, Erminio

CARLOTTA
Willkommen, padre mio! Nun... und Sindulfo?

NASONI
Ist noch immer nicht da! Sie sehen mich in heller Verzweiflung darüber!

ERMINIO:
ironisch
Also eine Verlobung ohne Bräutigam!
fein
Darf ich als Ersatz vielleicht indes mich anbieten?

NASONI
zwischen beide tretend
Nein, nein, danke!
für sich
Erdolchen könnt' ich diesen Menschen, erdolchen!
laut
Geduld, teure Carlotta! Ich habe eine ganze Postenkette ausgestellt, die uns meines Sohnes Rückkehr durch Schüsse anzeigt. Er wird bald hier sein!

CARLOTTA
heiter
Nun denn, vertreiben wir uns die Zeit indes, so gut es geht! Musizieren
wir!
tritt zum Klavier

NASONI
eifrig
Ja, ja, musizieren wir!

CARLOTTA
blättert in Noten
Da ist das Duett, welches Sie mir letzthin brachten 'Der einsame Schäfer!"

NASONI
Sie wollten es mit Sindulfo singen?!

CARLOTTA
Der leider nicht da ist!

ERMINIO
Darf vielleicht ich mich als Partner anbieten?

CARLOTTA
Bitte!

NASONI
für sich
Erwürgen könnt' ich diesen Menschen, erwürgen
laut zu Errninio
Singen Sie denn überhaupt?

ERMINIO
Bis ins hohe A. Singt Sindulfo?

NASONI
Bis ins hohe B, mein Herr! Bis ins hohe B, C, D, E. F, G, H, J, K, L, bis ins Z!

ERMINIO
Schade, dass er nicht da ist! Ich hätte ihn gebeten, mir sein ABC vorzusingen!

CARLOTTA
Nun, behelfen wir uns ohne ihn!
zu Erminio
Also, wir beide singen, und
zu Nasoni
Sie begleiten!

NASONI
verblüfft
Begleiten?

CARLOTTA
Nun ja!

ERMINIO
hämisch
Begleiten und umblättern!

NASONI
für sich, wütend
Durchblättern könnt' ich diesen Menschen, durchblättern!

CARLOTTA
Also?

NASONI
Ja, ja, meinetwegen
für sich
Oh, ich berste vor Wut!
setzt sich ans Klavier, spielt einige Akkorde, dann die einfach gesetzte Einleitung eines Duetts. Im Augenblick, wo Erminio den ersten Ton singt, unterbricht Nasoni sein Spiel.
War das nicht ein Schuss?

CARLOTTA
Gott bewahre, spielen Sie nur!

ERMINIO
Ich habe nichts gehört!

NASONI
brummig
Ich würde schwören, dass das ein Schuss war!

CARLOTTA, ERMINIO
Nein, nein! Weiter, weiter!

NASONI
spielt wieder die Einleitung. Im Augenblick, wo Erminio den ersten Ton singt, springt Nasoni auf, setzt sich auf die Klaviatur und schreit
Diesmal war's einer!

CARLOTTA, ERMINIO
Nein, nein!

CARLOTTA
Nur fort! Ich weiss nicht, was Sie haben! Spielen Sie, spielen Sie, spielen Sie nur!

NASONI
Aber' ich ...
im selben Augenblick, als er sich wieder setzt und spielen will, ertönen Schüsse, näher als die früheren. Er springt auf.
Diesmal ist' richtig! Kein Zweifel, man hat geschossen, er ist's! Es ist Sindulfo!
höhnisch zu Erminio
Jetzt wird er singen! Er! Und nicht Sie!
eilt zum Fenster, öffnet es und blickt gespannt hinaus


SECHSTE SZENE
Erminio, Carlotta, dann Nasoni

Carlotta will Nasoni folgen, Erminio vertritt ihr den Weg.

ERMINIO
Ein Wort, Gräfin! Lassen Sie mich den Moment benützen, Sie nochmals zu warnen!

CARLOTTA
Bitte, nichts Mehr davon! Sie kennen meinen Entschluss. Ich kann nicht zurück!

ERMINIO
Mit diesen Worten kennzeichnen Sie selbst Ihre Lage. Sie stehen im Begriff, eine Verbindung zu schliessen, gegen welche sich Ihr Herz sträubt, und...

CARLOTTA
unterbricht ihn
...Ich bitte, quälen Sie mich nicht! Ich muss ...
beherrscht sich
Ich will ... und gebe niemand das Recht, meinem Vorsatz entgegenzutreten!

Vivatrufe hinter der Szene

NASONI
kommt zurück vom Fenster
Eviva! Eviva! Oh, oh, ich kann mich vor Freude nicht fassen! Schüsse! Freudenrufe! Staub auf der Landstrasse! Er ist's, er ist's! Oh!
küsst und umarmt Carlotta leidenschaftlich
Ich muss Sie umarmen, Carlotta, küssen ... bin das meiner Gesundheit schuldig!

CARLOTTA
Ich teile Ihre Freude, Papa.

NASONI
Oh, ich kann meine Ungeduld nicht mehr bemeistern! Ihm entgegen, entgegen!
will ab



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