ZWEITER AKT
Spielt am Morgen des folgenden Tages.
Gastzimmer im Gasthause zum Hosenbande mit einer Tür im Hauptgrunde und zwei Seitentüren, wovon die rechts zu Falstaffs Zimmer führt. Im Hintergrunde eine Schenkbank mit aufgehängten bleiernen Henkelkrügen, Verschiedene Tische mit rohen Stühlen und Bänken
Im Original wird der Aufzug mit einem Sprechauftritt zwischen Fluth und dem Wirt eröffnet. Seit langem hat sich aber der nachstehende Aktbeginn herausgebildet, der auf eine Anregung des Sängers Emil Scaria (1838-86) zurückgeht und Teile aus Shakespeares Heinrich IV. verwendet
ERSTER AUFTRITT
Falstaff
FALSTAFF
(tritt aus seinem Zimmer)
Kellner! Hol die Pest alle Liebesabenteuer und Weibertücken. - Wenn mich je wieder so eine Sirene verleitet, soll man mich wie einen Hasen an den Hinterbeinen beim Wildhändler aufhängen. Kellner! -Wenn Ehrlichkeit nicht vom Angesicht der Erde verschwunden ist, so bin ich ein ausgenommener Hering! - Hol die Pest alle Weiber! - Kellner!
ZWEITER AUFTRITT
Falstaff. Kellner
KELLNER
(eintretend)
Habt Ihr gerufen, Sir John?
FALSTAFF
Kannst du bei dem Gebrülle noch fragen, harthöriger Schlingel? Ich will dir die Ohren abschneiden und sie als Delikatesse nach Konstantinopel schicken. Hol Sekt, du Schuft!
KELLNER
Ja, Sir John, aber erst, wenn Ihr die alten Schulden bezahlt habt.
FALSTAFF
Schulden bezahlen, das tue ich nie, das ist doppelte Arbeit. Wer Schulden bezahlt, dem sollte man mit einer Wagendeichsel einen Nasenstüber geben. Jetzt, Sklave, gehorche oder ich lasse die Klinge auf deinem Rücken tanzen, dass du glauben sollst, es sei des Teufels Fiedelbogen und du die Geige dazu. - Kerl, schaffe Sekt oder ich verdurste, ich verschmachte, ich schrumpfe zusammen wie ein gebratener Apfel und werde melancholisch wie ein Affenpintscher, hol Sekt, süsser Knabe!
KELLNER
Nein!
FALSTAFF
Du Schuft, hole Sekt oder ich prügle dich in einen Flaschenhals hinein.
KELLNER
Hört auf, Sir John, ich will noch welchen holen.
(Er geht ab.)
FALSTAFF
(allein)
Oh, was habe ich erleben müssen, mich, den ehrenwerten Sir John Falstaff, auf die Bleiche tragen und in den Schlamm ausschütten wie einen elenden Lappen! Wasser, abscheuliches Wasser strömte mir in meine Gurgel. Oh, es war entsetzlich! Ich wäre ertrunken, wäre das Ufer nicht so seicht und sandig gewesen. Wasser trinken! Brrr! Das schwellt den Menschen auf, und was für eine Figur wäre aus mir geworden, wenn ich noch in Schwellung geraten wäre!
KELLNER bringt Sekt und geht wieder
FALSTAFF
(setzt sich und greift nach der Kanne)
Komm her, alte Freundin, und mache mich die fürchterliche Strapaze vergessen!
(Er schenkt ein und trinkt.)
Was aber werd ich nun unternehmen? Ich muss Künste ersinnen, ich muss mein Glück verbessern! - Mit jenen schmucken Weibchen wäre das herrlich gegangen, denn beide haben steinreiche Männer und führen die Schlüssel zu den Geldkästen. Die sollten meine Schätze werden, und ich wollte sie brandschatzen! - Aber nun?
(Er sinnt nach.)
Der Kellner tritt ein mit einem Brief
KELLNER
Hier, Sir John, bringe ich Euch ein Briefchen, das eine Frauensperson soeben abgegeben hat.
FALSTAFF
Gib her!
(Der Kellner bleibt neugierig stehen; Falstaff fährt ihn an, worauf er erschrocken hinter die Schenkbank läuft, wo er sich zu schaffen macht. Falstaff öffnet den Brief)
Wie? Von Frau Fluth? Ärgerlich Ach was! Ich habe ihretwegen den ganzen Bauch voll Flut bekommen! Aber lass doch sehen!
(Er liest mit Mühe)
»Ich bin untröstlich über Euren gestrigen Unfall! Doch seid verschwiegen und kommt heute wieder. Um neun Uhr geht mein Mann zur Vogelbeize fort und dann … «
(in Ekstase)
Ha,siehst du nun, alter Hans?! Nur immer vorwärts! Schielen sie noch nach dir? Das verdankst du deiner wackern Figur, die du mehr in Ehren halten solltest, als du bisher getan hast! Vorwärts drauf! Die Weiber sollen meine Taschen wieder füllen.
STIMMEN VON AUSSEN
Heda! Sekt her! Kellner!
DRITTER AUFTRITT
Falstaff. Bürger, zur Vogelbeize gerüstet. Kellner
KELLNER
Ha, da kommen schon die Herren Bürger zum Morgentrunk. Guten Morgen, verehrte Herren!
ERSTER BÜRGER
Mach fort und bring uns eine Kanne guten Sekt!
KELLNER
Sogleich, ihr Herren!
FALSTAFF
He, Robert, eine frische Kanne! (Sie wird ihm gebracht.)
ERSTER BÜRGER
zum zweiten
Ach, da sitzt ja der dicke Sir John, wegen dem Fluth gestern unnützerweise den tollen Spektakel machte. Wir wollen ihn anreden.
(Er tritt zu Falstaff)
Ei, Herr Ritter, es freut mich, Euch wohlauf zu sehen.
FALSTAFF
Gleichfalls, gleichfalls! Tausend, ihr seid ja ordentlich ausgerüstet! Wo wollt ihr denn heut schon so früh hin?
ZWEITER BÜRGER
(hinzutretend)
Wir ziehen heute früh alle auf die Vogelbeiz.
MEHRERE BÜRGER.
Wir auch!
FALSTAFF
Ach so! Und wollt ihr euch wohl zuvor mit einem guten Glas Sekt die Augen klar waschen? Na, da tut ihr recht, Jungens, denn Trinken, das hält den ganzen Menschen zusammen. - Na, auf gute Jagd!
(Er nimmt seinen Humpen)
DIE BEIDEN BÜRGER
(ihre Becher ergreifend)
Euer Wohlsein, Sir.John!
FALSTAFF
Aber brav ausgeleert, ihr Maikäfer! Verächtlich Ihr habt ja so nur Nussschalen zu Bechern!
ERSTER BÜRGER
Hoho, Sir John! Was Ihr vertragt, das kann ich auch noch prästieren!
ZWEITER BÜRGER
Ich auch! - Drauf wollt ich wetten!
FALSTAFF
(aufstehend)
So? - Meint ihr? - Also wer von uns am meisten trinkt, geht bei der Zeche umsonst aus!
DIE BEIDEN BÜRGER
Es gilt! Es gilt!
FALSTAFF
(beiseite)
Na wartet, das soll euch schlecht bekommen!
(Laut)
Vorwärts also! Die ganze Kanne genommen, wie ich, und auf einmal ausgesogen!
DIE BEIDEN BÜRGER holen ihre Kannen. Die andern treten mit herzu
FALSTAFF
(seine Kanne in der Hand)
Der Wein soll leben.
ALLE
Hoch!
Die andern trinken aus Bechern. Falstaff und die beiden Bürger leeren auf einen langen Zug ihre ganzen Kannen und machen die Nagelprobe. Der Kellner steht schon mit frischgefüllten Kannen bereit
FALSTAFF
Bravo! Na, ihr habt einen ganz passablen Zug! Wenn er nur aushaltig ist! - Wir werden ja sehen! - Ihr könnt doch noch?
ERSTER BÜRGER
(zum zweiten leise)
Kannst du noch?
ZWEITER BÜRGER
(bedenklich)
Ich will's versuchen.
ERSTER BÜRGER
(zu Falstaff)
ja, ja, wir können noch!
FALSTAFF
Also zum zweiten Gang!
(Sie tauschen die ausgetrunkenen Kannen gegen die frischgefüllten um)
Nun aber ein lustiges Lied dazu, damit das Turnier ordentlich im Takt geschlagen werden kann!
Nr. 5 - Lied
FALSTAFF
1
Als Büblein klein an der Mutter Brust,
Hop heissa bei Regen und Wind,
Da war der Sekt schon meine Lust,
Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag.
Komm, braune Hanne, her,
Reich mir die Kanne her,
Füll mir den Schlauch!
Lösch mir der Kehle Brand,
Trinken ist keine Schand',
Bacchus trank auch,
ja, Bacchus trank auch.
(Er spricht
Nun! in Positur!
Gesungen
Haltet euch bereit!
CHOR
Bereit!
FALSTAFF
Macht die Kehlen weit!
CHOR
Weit!
FALSTAFF
Eins-zwei-und-
CHOR
Drei!
FALSTAFF und die zwei BÜRGER trinken
CHOR
Bravo!
Falstaff und der erste Bürger haben ausgetrunken, machen eine Nagelprobe und geben ihre Kannen an den hinter ihnen stehenden Kellner. Der zweite Bürger kann aber mit seinem Zuge nicht fertig werden, schluckt mehrmals, fängt an zu wanken und lässt endlich die Hand mit dem Kruge sinken, aus dem noch ein Rest Wein fliesst
ZWEITER BÜRGER
(spricht)
Es geht - nicht mehr! …
EINIGE BÜRGER unterstützen ihn
FALSTAFF
Was sehe ich? Mann, erhole dich! -
Wahrhaftig, der Kerl ist schon hin!
Tragt ihn hinaus und legt ihn auf den Rasen!
EINIGE BÜRGER
(tragen den zweiten Bürger hinaus und singen dazu)
Sie trugen einen hin, der trank,
Bis dass vom Wein er niedersank.
Gott Bacchus geh' ihm sanfte Ruh'!
Schlaf aus, du armer Zecher, du!
FALSTAFF
(spricht)
Nun, der hat für heute genug!
(Zum ersten Bürger)
Und du, mein Freund, es kommt mir vor, als wolltest du auch etwas wacklig werden! Kannst du noch?
ERSTER BÜRGER
(sehr heiter)
Ja, ich kann noch!
FALSTAFF
Das ist brav! Wohlan denn, noch eine Kanne! Ich wollte, du hieltest noch lange Stich, denn was mich betrifft, mein Freund, siehst du …
(auf seinen Bauch deutend),
da drin haben noch viele Kannen Platz!
BEIDE haben unterdessen schon zwei frische Kannen genommen
FALSTAFF
singt
II
Und als ich vertreten die Kinderschuh',
Hop heissa bei Regen und Wind,
Da schlossen die Mädel sich vor mir zu,
Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag.
Und ist die Tasche leer,
Und wird die Flasche leer,
Kommt, Würfel, raus!
Glück ist ein spröder Gast!
Wer es beim Schopfe fasst -
ERSTER BÜRGER
(versucht mitzusingen, konfus, aber heiter )
Glück ist ein spröder Gast - Schopfe fasst -
VIERTER BÜRGER
(zum ersten, spricht, ihn abhaltend )
So schweig doch still!
FALSTAFF
Führt es nach Haus, ja,
Führt es nach Haus!
(Zum ersten Bürger, gesprochen )
Kerl, du singst ja falsch wie ein Rabe! Nun, so halt wenigstens ordentlich Takt! - In Positur!
(Gesungen )
Haltet euch bereit!
CHOR
Bereit!
FALSTAFF
Macht die Kehlen weit!
CHOR
Weit!
FALSTAFF
Eins-zwei-und-
CHOR
Drei!
(Nach dem Trinken)
Bravo!
FALSTAFF und der ERSTE BÜRGER
(trinken aus in langem Zuge und reichen die geleerten Kannen dem Kellner zurück. Während des Trinkens schon nimmt Falstaff Würfel aus seiner Tasche und schüttelt damit. Unmittelbar nach dem Austrinken wirft er auch schon, indem er an den Tisch getreten ist und sagt)
Gut stehn sie! Seht da, Jungens! Wer hält sechs Pence?
ERSTER BÜRGER
(schon taumelnd, aber immer sehr heiter )
Ich - halte - ich -
Er nimmt die Würfel Seht da - gut steh -
(Er fällt vornüber der Länge nach um)
FALSTAFF
Gut stehn sie! - Da liegt der Tölpel! - Fort aus meinen Augen mit diesem Belege von Unmässigkeit und Völlerei!
(Der erste Bürger wird binausgetragen )
Aber vergesst nicht, dass er fünfzehn Pence an mich verloren hat, denn Spielschulden sind Ehrensachen.
DRITTER BÜRGER
(Karikatur, hinkt, ist etwas bucklig und spricht im Diskant )
Das muss wahr sein, Sir John, Ihr seid ein gewaltiger Held, und wir gestehen Euch nach Gerechtigkeit zu, dass Ihr die Zeche gewonnen habt! Es lebe Sir John!
ALLE
Er lebe!
VIERTER BÜRGER
Doch nun müssen wir machen, dass wir fortkommen, es wird sonst zu spät zur Vogelbeiz.
DRITTER BÜRGER
Ja, gehen wir!
ALLE gehen ab durch die Haustür
FALSTAFF
(den Bürgern nachsehend)
Ich wünsche euch, dass ihr lauter solche Galgenvögel, wie ihr selber seid, fangen und euch untereinander die Hälse umdrehen mögt! - Ist das ein schlechtes Gesindel! - Diese Heimchen wollen mit dem alten Hans um die Wette trinken! Diese Pfennigsgurgeln! - Wenn's nur bald Zeit wäre, zu der kleinen Fluth zum Stelldichein zu gehen! - Ha, ich fühle mich so wohl, so wohl!
VIERTER AUFTRITT
Falstaff. Der Kellner mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern
KELLNER
Verzeiht, Sir John! Ich soll Euch hier diese Flasche echten Madeira überbringen, die Euch ein Gentleman nebst seinem besten Grusse zum Morgentrunk anbieten lässt.
(Er stellt die Flasche, die er öffnet, und die Gläser auf den Tisch)
FALSTAFF
Wer ist es denn, mein Junge?
KELLNER
Ein Kavalier, der sich Sir Bach nennt. Er sitzt im andern Zimmer und lässt um die Ehre bitten, Euch aufwarten zu dürfen.
FALSTAFF
Bäche von solchen Quellen lass ich mir gefallen! Leite diesen Bach hierher, mein Junge.
KELLNER geht ab in das Seitenzimmer links
FALSTAFF
Es ist doch etwas Herrliches, einen günstigen, grossen Ruf wie ich zu besitzen; alle Kavaliere drängen sich zu meiner Bekanntschaft. - Ha, da kommt er schon.
FÜNFTER AUFTRITT
Falstaff. Herr Fluth, als Bach verkleidet
Nr. 6 - Rezitativ und Duett
Rezitativ
FLUTH
Gott grüss Euch, Sir! Ich bin sehr hochbeglückt, den grossen, den weltberühmten Ritter John Falstaff hier zu sehn!
(Gegenseitige Verbeugung)
FALSTAFF
(geschmeichelt)
Oh! … Ihr beschämt mich!
(Beiseite )
Ein charmanter Mann!
FLUTH
Mein werter Sir, ich war so dreist,
Euch einen Morgentrunk hierher zu senden.
FALSTAFF
Ist's Euch genehm, so trinken wir ihn gleich.
FLUTH
Von Herzen gerne!
(Falstaff schenkt ein, sie verbeugen sich gegeneinander)
BEIDE
Wohl bekomm' es Euch!
(Sie trinken)
FALSTAFF
Vortrefflich! - Doch wer seid Ihr, werter Sir?
Und was führt Euch zu mir?
FLUTH
Ich heisse Bach.
FALSTAFF
Bach!
FLUTH
Und bin ein Mann,
Der vieles durchgebracht.
FALSTAFF
Da habet Ihr, Herr Bach, es ganz wie ich gemacht.
FLUTH
Doch bleibt mir noch ein gutes Sümmchen übrig,
Das ich nicht schonen will bei einem Unternehmen,
Zu dem ich Euern Rat erbitten möchte.
FALSTAFF
Ein Abenteuer?
FLUTH
Ja, so ist's - und da Ihr, teurer Sir,
Als ein galanter Kavalier bekannt,
Den jede Frau erhört, so wend' ich mich an Euch.
Erfahret denn:
(Geheimnisvoll.)
Ich bin verliebt zum Rasen
In eine Madame Fluth und muss die Frau besitzen,
Und wenn ich drüber sterben soll!
FALSTAFF
(für sich)
Ha, alle Wetter, das wird intressant!
Der kommt in mein Gehege!
(Laut)
Ich kenn sie wohl, es ist ein liebes Weibchen!
FLUTH
(beiseite)
Du Höllenhund!
(Laut)
Doch ist sie stets bewacht Von ihrem eifersüchtigen Gemahl. Kennt Ihr ihn auch?
FALSTAFF
Ich hab ihn nie gesehn, Doch sagt man allgemein, er sei ein ausgemachter Narr Und habe sehr viel Geld.
FLUTH
(beiseite)
Die Pest in deinen Hals!
(Laut)
Mein teurer Sir - Weil dieses Weibchen mich durchaus verschmäht, So bitt ich Euch, probiert bei ihr das Glück! Ihr seid ein feiner, ein sehr gewandter Mann, Dem sie gewiss nicht widerstehen kann!
FALSTAFF
(geschmeichelt)
Ihr traut mir sehr viel zu -
FLUTH
(beiseite)
ja, jede Schändlichkeit!
(Laut)
Doch damit alle Mittel zu Gebote stehn, Erlaubet Ihr mir wohl, den Beutel Gold Euch zur Verfügung hier zu lassen …
(Er legt einen Beutel mit Gold auf den Tisch)
FALSTAFF
(für sich)
Nun, das wird doch ein Esel sein!
(Zu ihm)
Herr Bach! Ihr seid ein wackrer Mann! Ich zweifle nicht, das Weibchen zu erobern.
FLUTH
So, glaubt Ihr? -
(Sich fassend)
Oh, das wäre herrlich!
FALSTAFF
Allein, was habt denn ihr davon,
Wenn sie mich nun erhört?
FLUTH
Das ist ganz einfach. Seht,
Sie deklamieret stets von ihrer Tugend;
Doch könnt' ich vor sie treten
Mit irgendeiner sicheren Entdeckung
Vom Gegenteil, so würd' auch ich erhört.
FALSTAFF
Ist's weiter nichts als das?
Da helf ich Euch sogleich!
FLUTH
(beiseite)
Ich komme um vor Wut!
(Laut)
Wie das? Erkläret Euch!
FALSTAFF
(lacht)
Hahahaha! Euch kann ich es ja sagen - so hört:
(Langsam und sehr selbstgefällig)
Ich habe selbst seit ein'gen Tagen
Mit ihr ein zärtliches Verhältnis.
FLUTH
(auffahrend)
Tod und Teufel!
FALSTAFF
Was sagt Ihr, Sir?
FLUTH
(sich fassend)
Ich sagt' . . . ich hege keinen Zweifel
Und bin vor Freude ausser mir!
Erzählt doch weiter!
FALSTAFF
Ich hatte gestern schon ein Stelldichein bei ihr,
Doch als wir eben im vertraulichen Gespräch,
Da kommt ihr Mann, der Narr,
Der eifersücht'ge Kerl gelaufen
Mit einem ganzen Rudel Nachbarn. Weiss der Teufel,
Woher er Wind bekommen von der Sache;
Genug - er kam und tobt' und schrie
Umher, als wär' er toll.
FLUTH
(erstaunt)
Als Ihr noch da wart?
FALSTAFF
Nun freilich! - Doch zum Glücke
War eben eine Freundin da,
Die des Verwünschten Ankunft eilig uns verriet.
Die lieben Weibchen, sie wussten schnell zu helfen
Und sie versteckten mich in -
FLUTH
Nun?
FALSTAFF
In einem grossen Waschkorb.
Duett
FLUTH
In einem Waschkorb?
FALSTAFF
Ja, Sir Bach, nun denkt Euch nur!
Die gewichtige Statur!
Eingepökelt lag ich drinnen,
Ganz bedeckt mit alten Linnen,
Bis der Themse schnöde Flut
Kühlte meiner Liebe Glut.
Ach, Sir Bach, bedenket nur,
Die gewichtige Statur!
FLUTH
I! Das geht mir wirklich nah!
Traurig ist, was Euch geschah.
Ihr seid herzlich zu beklagen!
Alles das habt Ihr ertragen
Um die niedliche Frau Fluth?
Ei, was doch die Liebe tut!
FALSTAFF
Ja, denkt nur!
FLUTH
Ei, was doch die Liebe tut.
Doch da ist wohl das Verlangen
Nach dem Weibchen Euch vergangen?
FALSTAFF
Ja beinah - denn hätt' ich Lust,
Läg' sie heut noch an meiner Brust.
FLUTH
(für sich)
Himmel! Hölle! - Fassung! Ruh'!
(Freundlich)
Wie? So schnell kämt Ihr dazu?
FALSTAFF
Ja, ein Sieg ist leichte Mühe,
Wenn man so wie ich gefällt,
Und sie hat auf heute frühe
Mich schon wieder hinbestellt.
Dann wird ihr Mann, das Ungeheuer,
Auf die Vogelbeize gehn …
Ein Weibchen, fängt es einmal Feuer,
Bleibt nicht auf halbem Wege stehn!
Bleibt nicht so leicht auf halbem Wege stehn.
FLUTH
Nun, Ihr geht doch hin, Sir John?
FALSTAFF
(steckt den Beutel mit Geld ein)
Euch zuliebe tu ich's schon.
FLUTH
Tausend Dank, mein werter Sir!
(beiseite)
Walfisch! Das bezahlst du mir!
FALSTAFF
Zeit ist's schon zum Stelldichein,
Und das Täubchen wird schon spähen.
BEIDE
(nacheinander)
Heut wird alles besser gehen,
Und wir werden glücklich sein!
Welche Hoffnung! Welche Freude!
Nur geschwind zum Stelldichein!
FALSTAFF
Wie freu ich mich, wie freu ich mich,
Wie treibt mich das Verlangen!
Wir beide kriegen sicherlich
Das Weibchen noch zu fangen
Und drehen ihrem Ehemann
Ein Paar gewalt'ge Hörner an.
Hahahahahaha!
FLUTH
Ha! Wie freu ich mich, wie freu ich mich,
Wie treibt mich das Verlangen!
Noch heut bekomm ich sicherlich
Den saubern Herrn zu fangen;
Mit wahrer Wonne denk ich dran,
Wenn ich dich tüchtig prügeln kann!
Hahahahahaha!
BEIDE
Wie freu ich mich,
Wie treibt mich das Verlangen!
Wir beide kriegen sicherlich
Das Weibchen noch zu fangen!
Welche Hoffnung! Welche Freude!
Es ruft die Stunde schon zu ihr zum Stelldichein,
Wir werden sicher heute beide glücklich sein.
(Sie umarmen sich)
Lebt wohl denn!
FLUTH
ihn umarmt haltend, abgewandt
Recht bald durchprügl' ich dich.
FALSTAFF
ebenso
Der Tölpel dauert mich!
BEIDE
Wir werden beide glücklich sein.
Die Stunde ruft zum Stelldichein,
Wir werden beide glücklich sein!
(Beide geben ab)
VERWANDLUNG
Garten hinter Reichs Hause, welches den Hintergrund bildet
Verschiedene Baumgruppen, wovon eine zu jeder Seite, ganz im Vordergrunde
SECHSTER AUFTRITT
Spärlich allein
Nr. 7 - Szene, Romanze, Duettino und Quartettino
Szene
SPÄRLICH
(furchtsam auftretend)
Dies ist die Stunde, wo sie oft
Im Garten promeniert,
Vielleicht treff ich sie unverhofft,
Wenn sie vorbeispaziert.
O süsse Anna!
Nein, nicht länger will ich warten,
Bestürmen muss ich heut ihr Herz!
Courage, Spärlich, sei gescheit!
Herz, klopfe nicht so sehr!
Gewiss, sie sieht dein Herzeleid,
Sie widersteht nicht mehr.
Ich höre kommen, Das wird sie sein…
Courage! - O Himmel, nein!
Nur schnell, husch, husch, husch, husch!
Ich krieche hinter diesen Busch.
(Er versteckt sich hinter den Baum rechts im Vordergrunde)
SIEBENTER AUFTRITT
Spärlich versteckt. Cajus
CAJUS
Der sein die Stunde, wo sik oft
Miss Reiken promeniert,
Kann ick sie treffen unver'offt
Wenn sie vorbeipassiert.
Ick werden sagen de ma propre bouche …
SPÄRLICH
Er spricht von Busch - o weh, ich bin entdeckt!
CAJUS
(mit Bravour)
Ick werden sagen. ssöne Reik!
Ick lieben gar ssu sehr!
Wo sein Rival, ick spiessen gleik,
Ick swören par honneur!
Par exemple ce miserable Sperlik - wo stecken er - ick wollen ihm spiessen wie eine Sperlink!
(Er zieht den Degen)
Et ce gaillard de Fenton -
ick wollen ihm … ick wollen ihm …
FENTON
singt in der Ferne
Horch, die Lerche singt im Hain -
CAJUS
Ciel! Qu' entends-je?
Monsieur Fenton sein ssur Stell -
(Er steckt den Degen ein)
Da verstecken ick mir ssnell!
(Er versteckt sich hinter einem Busch auf der entgegengeset enieiteite von Spärlich)
ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Fenton
Romanze
FENTON
Horch, die Lerche singt im Hain!
Lausche, Liebchen, still,
öffne sacht dein Fensterlein,
Höre, was sie will.
Deutlich ist des Liedes Ton -
Wer da liebt, versteht ihn schon!
SPÄRLICH
versteckt
Spare deiner Stimme Ton.
Anna liebt mich sicher schon!
CAJUS
versteckt
Tiens! - den einen 'ätt' ick sson.
Ick ermorden den Patron!
Während der Romanze und des folgenden Duettinos werden Spärlich und Cajus nicht sichtbar, nur beim Ritornell, wo sie singen
FENTON
Höre, wie der milde Klang,
Liebchen, sich zu dir erhebt!
Frage nicht, was der Gesang,
Teure, sehnsuchtsvoll erstrebt!
Deutlich ist des Liedes Ton,
Wer da liebt, versteht ihn schon.
Hörst du Philomelens Sang?
Rührt dich nicht der tiefe Schmerz?
Kehrt zum Hain sie trüb und bang,
Ach, ihr bricht das treue Herz.
Deutlich ist des Liedes Ton,
Wer da liebt, versteht ihn schon.
CAJUS und SPÄRLICH versteckt, wie oben
NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Anna, aus dem Hause
Duettino
ANNA
Fenton!
FENTON
eilt ihr entgegen
Mein Mädchen! Doch du hast geweint?
ANNA
Ach, schwere Sorgen muss ich leiden,
Des Vaters Wort, der Mutter Wunsch
Will uns auf ewig scheiden -
FENTON
Und du? …
ANNA
Ich habe keinen Willen …
FENTON
Wie? So entsagst du mir?
Weh mir! Du liebst mich nicht!
Wie soll ich das ertragen?
(Er verhüllt sein Gesicht)
ANNA
(liebevoll )
Fenton! Mein Fenton!
Kannst du zweifeln? Kannst du fragen?
Kennst du noch nicht meinen Sinn?
Muss ich dir noch einmal sagen,
Dass ich dein auf ewig bin?
Mag die Mutter mich beschwören,
Mag der Vater mich bedräun,
Dir nur soll mein Herz gehören,
Ewig bleibet Anna dein!
FENTON
O verzeih des Herzens Zagen,
Keinen Zweifel hegt mein Sinn,
Kaum -kann ich das Glück ertragen,
Dass ich dir so teuer bin.
Mir nur sollst du angehören,
Ewig ganz die Meine sein.
Quartettino
FENTON
Bestürmen denn die läst'gen Freier
Dich immer noch mit Herz und Hand?
ANNA
Ach, leider ja!
FENTON
Der dumme Fant,
Der Junker Spärlich, mit seinem ewigen
(Nachspottend)
»O süsse Anna!«
SPÄRLICH
(hervorguckend)
Ha, zum Geier!
Wer weiss, was er da von mir spricht!
ANNA
Den hält mein Vater hoch und teuer,
Doch der bekommt mich sicher nicht!
FENTON
Und jener alberne Franzose? …
ANNA
Den wünscht die Mutter sich zum Sohn! Hahahaha!
CAJUS
hervorguckend
Ah! Ick verstehen quelque chose -
Ma foi! Ick müssen morden ssohn le traitre!
FENTON
Mit solchen Freiern, wie die zwei,
Wag ich den Wettkamnf ohne Scheu!
ANNA
O solche Freier wie die zwei, hahahaha!!
ANNA, dann FENTON
Nur Geduld! Habe Mut,
Bis der Augenblick zu fassen.
Treue Liebe wird nicht voneinander lassen,
Alles geht noch gut!
SPÄRLICH
(tritt unbemerkt hervor)
Welche Pein! Welche Wut!
Nicht mehr weiss ich mich zu fassen -
Süsse Anna, ach, so willst du mich verlassen!
Es ist aus mein Mut!
CAJUS
(tritt unbemerkt hervor)
Sacre Dieu, welke Wut!
Krieg ick ce monsieur zu fassen,
Sans pardon er müssen gleik sein Leben lassen,
Geben'in sein Blut!
ANNA und FENTON eilen Hand in Hand ab
CAJUS
(hervorkommend)
Ah! Ick 'ohlen ihn nock ein und wollen ihm eine 'erausforderung an seine Kopf werfen.
SPÄRLICH ist aus seinem Versteck hervorgekrochen und im Begriff, sich fortzuschleichen
CAJUS
(ich umkehrend, stösst auf ihn)
Ah! 'ölle und Teufel! Was maken Ihr ier? - Ah! Monsieur Sperlik - ick müssen Euk umbringen!
SPÄRLICH
(entfliehend)
O süsse Anna!
CAJUS
(ihm nacheilend)
Wenn ick Euk tref fen nock einmal in diese Garten von Miss Anna Reiken - mort de ma vie! - ick wollen sneiden ab Eure Ohren - par tous les diables!
(Seine Stimme verliert sich in der Ferne)
VERWANDLUNG
Zimmer in Fluths Hause wie im ersten Akt, jedoch ohne Licht auf dem Tische und ohne den Korb
ZEHNTER AUFTRITT
Frau Fluth und Falstaff treten auf; Frau Fluth riegelt hinter sich zu
FALSTAFF
Liebe Frau Fluth! Euer eigener Kummer über meinen gestrigen Unfall lindert mein ausgestandenes Leid.
FRAU FLUTH
Ach, Sir John! Ich bin Euch wahrlich eine Entschädigung für den Schreck schuldig, aber glaubt mir, ich selbst habe genug ausgestanden!
FALSTAFF
Sind wir denn jetzt vor Eurem Manne ganz sicher?
FRAU FLUTH
Ganz sicher. Er ist mit seinen Freunden auf der Vogelbeize.
FALSTAFF
Nun, das ist herrlich! -
(Er setzt sich)
So, nun komm her, mein süsses Täubchen!
(Er will sie an sich ziehen)
FRAU REICH
(draussen klopfend)
Heda! Ho! Frau Gevatterin Fluth!
FALSTAFF
aufspringend
Alle Teufel!
FRAU FLUTH
Tretet hinter die Tapete, Sir John!
(Er tut es; sie öffnet die Tür.)
ELFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Frau Reich
FRAU REICH
Um Gottes willen, Frau Gevatterin, Ihr habt doch nicht wieder den dicken Ritter bei Euch?
FRAU FLUTH
Wieso? Leise Er steckt schon da!
FRAU REICH
Euer Mann hat wieder seinen Raptus bekommen. Er weiss die Geschichte mit dem Korbe von gestern, und wer darinnen steckte; er ist eben bei uns drüben und versichert meinem Mann, Sir John sei gerade jetzt wieder bei Euch. Die ganze Gesellschaft hat er von der Jagd abgehalten und wird wieder Haussuchung vornehmen.
FRAU FLUTH
Ach, ich Unglückliche! Der Ritter ist hier!
FRAU REICH
So seid ihr beide Kinder des Todes! - Schnell fort mit ihm l Gott, was das für eine Frau ist!
FRAU FLUTH
Wo soll er hin? Wollen wir ihn wieder in den Korb stecken?
FALSTAFF
(tritt hervor)
Nein, ich will nicht wieder in den Korb! Kann ich nicht hinaus, bevor er kommt?
FRAU REICH
Unmöglich, Ihr unvorsichtiger Mensch! Sie würden Euch in der Tür begegnen und umbringen.
FRAU FLUTH
(die indes nachgedacht)
Wenn Ihr in Eurer eigenen Gestalt hinausgeht, Sir John, so seid Ihr verloren. Könnten wir ihn nicht verkleiden?
FRAU REICH
Lieber Himmel, es wird nicht gehen! Kein Weiberrock ist ihm gross genug, sonst könnte er so vielleicht entkommen.
FALSTAFF
Liebste Engel! Denkt euch etwas aus! Besser, alles versucht, als ein Unglück!
FRAU FLUTH
Die Muhme meiner Magd, die dicke Frau aus Brentford, hat einen Rock hier …
(Auf das Seitenzimmer rechts deutend)
FRAU REICH
Gottlob! Der wird ihm passen! Sie ist so dick wie er. Folgt mir, Sir John!
FRAU FLUTH
Geschwind, geschwind, macht fort!
FALSTAFF
ja, eilen wir, liebste Frau Reich!
FRAU REICH und FALSTAFF gehen in das Nebenzimmer rechts
FRAU FLUTH
Wie nur mein Mann das alles erfahren hat? Das muss ich herausbekommen! - Nun, hoffentlich trifft er ihn in diesem Aufzuge. Er kennt zwar die dicke Frau aus Brentford nicht, aber da alle Welt von ihr sagt, sie sei eine Hexe und schlechte Person, so hat er verboten, dass sie je in unser Haus komme. Findet er sie, so wird er sie wohl tüchtig durchklopfen. Hahahaha! Das wäre herrlich! Aha! Da ist er schon!
ZWÖLFTER AUFTRITT
Frau Fluth. Herr Fluth, den Degen in der Hand, verschliesst hinter sich die Tür. Später zwei Knechte
Nr. 8 - Duett
FLUTH
So! Jetzt hätt' ich ihn gefangen!
FRAU FLUTH betrachtet ihn ruhig
FLUTH
(kommt näher)
In der Falle steckt er schon!
Seine Frau bei der Hand nehmend, mit verhaltenem Ingrimm
Gestern ist er mir entgangen -
Heute - heute -
FRAU FLUTH
Aber Mann!
FLUTH
(zwingt sie, zu schweigen)
Heute!
Selbstgefällig
Heute kommt er nicht davon!
FRAU FLUTH
(ihn aufziehend)
Hast schon wieder deine Grillen?
FLUTH
Heute!
FRAU FLUTH
Fängt der Lärm von vorne an?
FLUTH
Heute!
FRAU FLUTH
Hör doch auf, um Gottes willen,
Toller, eifersücht'ger Mann!
FLUTH
(will in das Nebenzimmer links gehen )
Jetzt will ich doch einmal sehen …
FRAU FLUTH
(sich vor die Tür stellend )
Keinen Schritt lass ich geschehen!
Das Durchstöbern leid ich nicht!
FLUTH
(heftig)
Das sagst du mir ins Gesicht?
FRAU FLUTH
ja!
FLUTH
Ungetreue!
(Er will hinein)
FRAU FLUTH
(hält ihn fest)
Ungeheuer!
FLUTH
So verwegen!
FRAU FLUTH
Ungeheuer! Man sollte dich in Ketten legen, Ungeheuer!
FLUTH
Lasse mich!
FRAU FLUTH
Keinen Schritt!
FLUTH
Lasse mich! Oder ich … ich …
(sich losreissend)
ich morde dich!
FRAU FLUTH
(lacht )
Hahahahaha!
FLUTH
(ihr wütend nachspottend)
Hahahahaha!
Lache nur! Du falsche Schlange,
Warte nur, es ist schon gut,
Oh, es kocht in mir schon lange,
Fühlen sollst du meine Wut!
(Schnaubend)
Du sollst sehen, was ein Mann,
Der gereizt ist, alles kann!
Höre meiner Rache Schwur Lache nur!
Warte nur, du falsche Schlange,
Warte nur, usw.
FRAU FLUTH
Tobe nur! Mir ist nicht bange,
Lass heraus nur deine Wut!
Hahaha! Ich kenne lange
Schon den hohl grimm'gen Herrn Fluth.
Wie die Eifersucht den Mann
Doch so ganz verwirren kann!
Oh, zu deiner Rache Schwur
Lach ich nur!
DIE BEIDEN KNECHTE kommen in diesem Augenblicke mit dem Waschkorb, in welchem Wäsche liegt, aus dem Nebenzimmer links
FRAU FLUTH
Oh, schön! Die kommen grad' gelegen!
FLUTH
(zu den Knechten)
Halt! Ihr Schurken, bleibet stehen!
(Zu seiner Frau)
Diesen Korb werd' ich besehen!
(Zu den Knechten)
Stellt ihn auf die Erde nieder!
(Er lässt den Korb hinstellen )
So!
DIE KNECHTE wollen sich durch die Haupttür entfernen, an der sie, dieselbe verschlossen findend, stehenbleiben
FLUTH
(sich zu seiner Frau kehrend)
Warum wirst du so verlegen?
FRAU FLUTH
Ich?
FLUTH
(ironisch)
Schickst wohl auf die Bleiche wieder?
FRAU FLUTH
(keck)
Nun freilich!
FLUTH
Ha! Ein saubres Zeug!
Wart! Ich wasch es dir sogleich!
(Die Knechte wieder bemerkend)
Was steht denn ihr noch da?
(Sich besinnend)
Ja so! - die Tür hab ich verschlossen.
Marsch, hinaus mit euch!
(Er lässt die Knechte hinaus und verschliesst wieder)
(Heroisch)
Jetzt will ich deinen saubern Junker
Ein wenig auf die Bleiche schicken!
Ja! - Bleich will ich ihn machen!
(Mit einem Ansatz stürzt er auf den Korb und beginnt die Wäsche Stück für Stück herauszureissen und umherzuwerfen)
Heraus, heraus, du Schuft!
Ich weiss, er steckt darin!
FRAU FLUTH
Haha, der tolle Mann!
Wie er nur so was glauben kann!
FLUTH
(zieht den Degen)
Ha, deine letzte Stunde ruft!
(Er stösst mit dem Degen in den Korb)
Verräter! So fahr denn hin! Hin! Hin!
FRAU FLUTH
lacht
Ganz recht, ganz recht! Stoss zu, stoss zu
Und fördre ihn zur ew'gen Ruh!
Hahahahaha!
FLUTH
(fühlt, dass er auf nichts gestossen hat, und guckt in den Korb)
Und dennoch weiss ich sicherlich,
Der dicke Kerl stak gestern drinnen!
FRAU FLUTH zuckt die Achseln
FLUTH
Hier ist er jetzt! - Wo ist er? Sprich!
FRAU FLUTH schweigt und zuckt die Achseln
FLUTH
(sich mit Gewalt zähmend)
Ich bitte dich! Weib, bring mich nicht von Sinnen!
FRAU FLUTH lacht ihm ins Gesicht
FLUTH
Ich find ihn doch, den Bösewicht! Das ganze Haus kehr ich noch um!
(Er will in das Seitengemach rechts)
FRAU FLUTH
(stellt sich ihm entgegen )
Ich bin die Frau! Ich leid es nicht!
FLUTH
Lasse mich! Zurück! Zurück, sag ich! Ich bring dich um.
FRAU FLUTH
Hahahahaha!
FLUTH
Warte nur!
(Schnaubend)
Du sollst sehen, was ein Mann,'
Der gereizt ist, alles kann!
Warte nur, du falsche Schlange,
Es ist schon gut!
Höre meiner Rache Schwur …
Lache nur! Es kocht in mir schon lange.
Warte nur, lache nur!
FRAU FLUTH
Wie die Eifersucht den Mann
Doch so ganz verwirren kann!
Oh, zu deiner Rache Schwur
Lach ich nur!
(Es wird an die Tür geklopft)
Nr. 9 - Finale
FLUTH
Wer klopft?
SPÄRLICH, CAJUS und REICH
(draussen)
Macht auf, Herr Fluth! Wir sind's, die Ihr bestellt.
FLUTH
Aha! Ich komme! Herein, herein!
(Er öffnet ihnen, ohne wieder zu verschliessen)
DREIZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Reich. Cajus. Spärlich
FLUTH
O Freunde, was ich leiden muss
Von diesem ehrvergessnen Weibe!
FRAU FLUTH setzt sich ruhig hin
REICH
So habt Ihr ihn gefunden, Nachbar?
FLUTH
Noch nicht! Sie widersetzt dem Suchen sich -
Allein umsonst! Die Jagd soll gleich beginnen!
CAJUS
(umherblickend )
Oh ciel! Quelle chose epouvantable!
Er 'aben ankeriktet eine ssöne ordre!
SPÄRLICH
O süsse Anna!
FLUTH
Ihr habt mich gestern ausgelacht,
Drum sollt Ihr heute Zeugen sein,
Von meiner fürchterlichen Rache!
FRAU FLUTH
Nun denn, ins Himmels Namen,
Ich will nicht länger widerstreben,
Durchsuch das Haus; ich unterwerfe mich.
(Sie steht auf und ruft in die Tür rechts)
Kommt doch heraus, Frau Nachbarin,
Und bringt die alte Frau mit!
Mein Mann will in das Zimmer gehn.
FLUTH
Was für 'ne alte Frau?
FRAU FLUTH
Die Muhme unsrer Magd ist's,
Die dicke Frau aus Brentford.
FLUTH
Die Hexe die, die Vettel?
Hab ich ihr nicht das Haus verboten?
FRAU FLUTH
Ich bitte dich, mein lieber Mann!
Wie gutmütig
Ach, liebe Herren Nachbarn,
Lasst doch die alte Frau nicht schlagen!
VIERZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Falstaff als alte Frau gekleidet. Frau Reich
FRAU REICH
Stützt Euch, Mutter Klatsch, auf mich, Ich geleit Euch bis zur Tür.
FLUTH
Was? Mutter Klatsche nennt sie sich? Klatsche
FRAU FLUTH
Bravo!
FLUTH
Klatsche geben will ich ihr!
(Zu Falstaff )
Rede Sie, was führt Sie her?
Will Sie wieder Karten schlagen? He?
FALSTAFF
(die Harthörige spielend, in der Fistel)
Was sagt Ihr, Herr? Ich höre sehr schwer.
FLUTH
Prophezeien? - Brieflein tragen
Und die Leute hintergehn? He?
FALSTAFF
(wie oben)
Ach, ich kann Euch nicht verstehn!
FLUTH
(wütend )
O Hexe! Sie kann mich nicht verstehn?
(Er prügelt Falstaff)
Hinaus, du Hexe! Du Vettel! Hinaus! Da!
FALSTAFF
Au! Au! Au!
DIE ANDERN MÄNNER
Fort mit ihr! Hinaus!
FALSTAFF
Au! Au! Au!
SpÄRLICH, CAJUS, REICH
Und wohl 'bekomm der Schmaus!
DIE BEIDEN FRAUEN
Haha! Wohl bekomme dir der Schmaus!
FALSTAFF wird hinausgeprügelt
FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Falstaff
FLUTH
So! Fortgeprügelt wär' der alte Drachen,
Nun lasset uns die Runde machen!
Und find ich heut den Junker nicht,
So nennt mich alle einen Wicht!
FLUTH, REICH und SPÄRLICH
Schärft die Augen! Spitzt die Ohren!
Wer ihn findet, halt ihn fest!
Sicher ist er heut verloren,
Wenn er sich erwischen lässt.
Ha, ich (er) weiss vor Gift und Groll
Nicht, was ich (er) beginnen soll.
DIE FRAUEN
Schärft die Augen! Spitzt die Ohren!
Wer ihn findet, halt ihn fest!
Lachen muss man ob des Toren,
Der so leicht sich foppen lässt.
Ha, er weiss vor Gift und Groll
Nicht, was er beginnen soll.
CAJUS
Oui, ick spitzen meine Ohren!
Attention! - Ick 'alten fest!
Jedermann sein 'eut verloren,
Der von mir sick fassen lässt!
Jalousie mir macken toll,
Soll 'eraus nun meine Groll!
(Die Männer geben eilig zu beiden Seiten ab)