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DRITTER AUFZUG

Park des gräflichen Schlosses. Hinten ein grosses Gittertor. Links ein Pavillon, rechts der Eingang in das Schloss; weiter vorn eine Laube.

ERSTER AUFTRITT
Graf tritt auf

Nr. 13 - Rezitativ und Arie

Rezitativ

GRAF
Wie freundlich strahlt die helle Morgensonne
Auf mich herab, auf diesen Tag der Wonne!
Bald naht der Dorfbewohner frohe Schar,
Sie bringen Wünsche mancher Art mir dar.
»Gesundheit, langes Leben«,
So schallt's vom Mund der Gäste,
Doch wünsch' ich mir daneben
Das Köstlichste, das Beste:

Arie

Heiterkeit und Fröhlichkeit,
Ihr Götter dieses Lebens,
Euch zu sehen, zu erflehen,
Ist das Ziel des Strebens!
Oh, du holde Seligkeit,
Die des Menschen Herz erfreut,
Jubelnd ruf' ich aus: Ziehe nie hinaus!
Oh, holde Göttin Freude,
Gib mir immer das Geleite!
Seh' ich Blumen blühen,
Will's mich immer ziehen,
Sie sogleich zu pflücken,
Mich damit zu schmücken.
Ja, es bringt mir jede Sonne
Neue Lust und neue Wonne!
Kommt auf meinen Wegen
Etwas mir entgegen,
Was die Freude stört,
Lust in Schmerz verkehrt,
Werden stiller meine Lieder!
Aber gleich sing' ich doch wieder:
Heiterkeit und Fröhlichkeit! usw.

Hübsche Mädchen, hübsche Frauen,
Kann ich euch nur immer schauen!
Holde Sterne meines Lebens,
Ihr ruft nie, nein, nie vergebens.
Doch durch Liebe nicht allein
Zieht die Freude bei mir ein.
Sinkt der Abend nieder,
Dann im Kreis der Brüder,
Wenn Champagner winket,
Wenn man jubelt, trinket,
Dann ertönen meine Sänge
Bei der Laute frohen Klängen:
Heiterkeit und Fröhlichkeit! usw.
Durch Liebe, Sang und Wein,
Zieht die Freude bei mir ein!


ZWEITER AUFTRITT
Graf. Baron

BARON
Sieh da, der Herr Graf -

GRAF
Ah - der Herr Stallmeister -

BARON
Auch schon aus den Federn?

GRAF
Ich - botanisiere, und Sie?

BARON
Ich - botanisiere auch.

GRAF
lachend
Ja, du siehst mir auch aus, wie lauter Botanik. Die Wahrheit zu sagen, Herr Bruder, du siehst mir recht kläglich aus.

BARON
Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan.

GRAF
Wohl aus Ärger, weil ich dir gestern nicht das Feld überlassen wollte? Oh, du spieltest in deiner Verliebtheit eine äusserst komische Figur.

BARON
Komisch oder nicht, so viel ist gewiss, dass mich dein Betragen gegen das junge Mädchen empörte.

GRAF
Mein Betragen? Was soll das heissen?

BARON
Ich hoffe, jede andere Erklärung werde überflüssig sein, wenn ich dir sage, dass ich Gretchen zu meiner Gattin erwählt habe.

GRAF
Zu deiner Gattin? Hahaha!

BARON
pikiert
Herr Bruder, ich verbitte mir dies Lachen.

GRAF
Die Sache ist allerdings eher zum Weinen. - Sei gescheit, Herr Bruder, das Mädchen ist ja versprochen.

BARON
Ich schmeichle mir, alle Hindernisse beseitigen zu können.

GRAF
Also es wäre wirklich dein Ernst?

BARON
Mein völliger Ernst.

GRAF
Und meine Schwester -

BARON
Die wird schon einen Mann finden.

GRAF
Das Urteil der Welt -

BARON
Mein Glück gilt mir mehr.

GRAF
Eben deswegen; und weisst du denn schon, ob das Mädchen deiner wert ist, ob sie dich liebt?

BARON
Nein, Bruder, das weiss ich eben noch nicht. Aber -

GRAF
Na also -

BARON
Sie hält noch zurück, sie will mich prüfen, sich an meinem Schmerz weiden. Willst du mir einen Gefallen tun?

GRAF
Was denn?

BARON
Ich will sie hier erwarten. Verlass mich.

GRAF
Gern; aber du wirst gestört werden, es kommen Leute.

BARON
zur Laube gehend
Sie werden vorüberziehen.

GRAF
Eine Garnitur allerliebster Mädchen.

BARON
sich schnell wendend
Wahrhaftig?
Fasst sich
Mir sehr egal!
Setzt sich in die Laube

GRAF
Denen muss ich guten Morgen wünschen.
Geht auch in die Laube

BARON
Was willst du denn hier?

GRAF
Dableiben.

BARON
Aber du wolltest ja -

GRAF
Wir haben doch beide Platz.


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen in der Laube. Junge Mädchen aus dem Dorfe, geschmückt und Girlanden tragend, treten auf

Nr. 14 - Ensemble

MÄDCHEN
Um die Laube zu schmücken zu Freude und Glanz,
Eilet Blumen zu pflücken und windet den Kranz.
Ach, wir möchten gern dem Herrn es sagen,
Dass im Herzen wir ihn alle tragen.
Wenn sein Aug' auf einem ruht,
Wird ein'm so wonnig, wird ein'm so gut.
Ganz apart ist seine Art und seine Weise.
Um die Laube zu schmücken zu Freude und Glanz,
Eilet Blumen zu pflücken und windet den Kranz.
Unser Bestreben ist nur allein,
Für so viel Glück dankbar zu sein.

Alle wenden sich nach der Laube und wollen, als sie den Graf erblicken, mit einem Schrei davonlaufen

GRAF
vertritt ihnen den Weg
Halt! Ihr schönen Kinder!

MÄDCHEN
Der gnäd'ge Herr!

GRAF
Für so viel edle Denkungsart
Werde nicht der Dank gespart.

MÄDCHEN
Wir schämen uns.

GRAF
Ei, warum schämen?

MÄDCHEN
Sie könnten übel es wohl nehmen.

GRAF
Mitnichten, meine Kinder!
Nichts kann den Herrscher wohl mehr erfreun,
Als vom Volke so geliebt zu sein.
Und zum Beweise meiner Huld
Gelob' ich, heut bei Festes Glanz
Jede zu führen zum frohen Tanz.

BARON
Der freu'ge Lärm mehrt meine Pein!

GRAF
Das soll 'ne wahre Freude sein!

MÄDCHEN
unter sich
Er tanzt mit uns! Ach, das wird herrlich sein!

GRAF
Ihr könnt doch tanzen?

ERSTES MÄDCHEN
mit einem Knicks
Ich tanze gut!

ZWEITES MÄDCHEN
Ich tanze besser!

ALLE
sich vordrängend
Auch ich! Auch ich!

GRAF
Was nicht der Eghrgeiz tut!
Wohlan, ihr holden Mädchen,
Lasst ein Pröbchen mich sehn.

MÄDCHEN
drängen sich an ihn
Sogleich, mit tausend Freuden,
Der Herr muss es verstehn.

GRAF
Nicht all auf einmal! 's wird besser sein,
Ich tanz' mit jeder zuerst allein.

MÄDCHEN
unter sich
's wird besser sein, es tanzet jede mit ihm allein.

Graf walzt abwechselnd mit einigen

DIE ANDERN
Sammeln sich auf der Seite, die Köpfe zusammensteckend und lästernd
Die glaubt nun gleich, dass sie allein gefällt.
Wie sie sich ziert, wie sie die Beine stellt.
Seht doch nur hin, es ist zu lächerlich!
Da tanze ich doch etwas besser, ich!

BARON
in der Laube
Wie pocht mein armes Herz!
Könnt' ich betäuben diesen Schmerz!
Vor Sehnsucht und Verlangen pocht mein Herz!

DIE ANDERN MÄDCHEN
Seht nur hin, wir tanzen besser, viel besser!
Ach Gott, wie lächerlich! Ach Gott, wie lächerlich!

BARON
steht auf
Oh, welche Qual! Schmerzerfüllt
Muss ich einsam hier stehn,
Darf nicht im Tanze mit ihnen mich drehn.

GRAF
zu den Mädchen
Herrlich! Prächtig! Wunderschön
Wisst ihr im Tanze euch zu drehn. -
Zum Baron
Gefällt dir dieses Treiben?
Wie kannst du ruhig bleiben?

EINIGE MÄDCHEN
unter sich streitend
Ich tanz' am besten, hat er gesagt!

ANDERE
ebenso
Nein ich, hat er gesagt!

ALLE
den Grafen umringend
Wer tanzt am besten?

GRAF
Jede gut auf ihre Art.
Noch kann bestimmt ich nicht entscheiden,
Da an der Reih' ihr all' nicht wart.

DIE MÄDCHEN
sich wieder herandrängend
Jetzt komm' ich! Jetzt komm' ich! Jetzt komm' ich!

GRAF
Nicht all' auf einmal! Nicht all' auf einmal!

Beginnt wieder zu tanzen

BARON
Oh, diese Qual das Herz mir bricht!
Ich ertrag' es länger nicht; eine innre Stimme spricht:
Aus Verzweiflung ergib dich den Scherzen,
Betäube die Schmerzen!

Er kann sich nicht länger halten, ergreift ein Mädchen und walzt mit ihm. Der Graf hat indessen mehrere Male gewechselt. Die Mädchen können sich auch nicht länger halten und walzen miteinander. Die Gräfin tritt plötzlich mitten unter sie. Die Mädchen laufen schreiend davon. Graf und Baron stehen in grosser Verlegenheit da.


VIERTER AUFTRITT
Graf. Baron. Gräfin

GRÄFIN
»Von diesen Mädchen, glaub' ich, ward die eine jetzt sinnlos, die andern waren's schon vor Anbeginn.« Nicht übel, meine Herren, ich wähnte beide noch in Momus Armen und finde Sie, wo korykische Mädchen froh der Bacchen Tanz begehen.

GRAF
sich fassend
Verzeihe, liebes Kind, ich wollte dich überraschen.

GRÄFIN
In der Tat, das ist Ihnen gelungen.

BARON
Allerdings, wir wollten -

GRÄFIN
»Sie schweigen, eh' mich Ihre Rede ganz mit Zorn erfüllt.«

GRAF
Ich weiss, du liebst die Bilder in Teniers Manier.

BARON
Da probierten wir eine Szene -

GRAF
Bloss aus Liebe zur niederländischen Schule -

GRÄFIN
Ich will für diesmal das Märchen glauben, Herr Gemahl, verbitte mir jedoch die Vorstellung dieser niederländischen Szene, da schon die Probe mich nicht besonders enchantiert hat. Reichen Sie mir Ihren Arm, das Frühstück erwartet uns auf der Terrasse.


FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Pancratius

PANCRATIUS
Der Schulmeister Baculus wünscht den Herrn Stallmeister zu sprechen.
Leise zum Baron
Er lässt Ihnen sagen, er hätte sie bei sich, wie närr'sch.

BARON
für sich
Mein Gott!

GRAF
Begleiten Sie uns zum Frühstück, Herr Stallmeister?

BARON
Ich erfahre soeben -

GRAF
leise zu ihm
Geh mit, ich bitte dich.

BARON
Sie haben zu befehlen.
Zu Pancratius
Er soll mich hier erwarten.

Graf, Gräfin, Baron gehen ins Schloss

PANCRATIUS
die Girlanden und Blumen aufraffend
Was ist denn hier geschehen? Die Blumen liegen ja herum, wie närr'sch. Nach aussen rufend. Nur näher, Herr Gevatter, der Herr Stallmeister werden gleich erscheinen.
Zur Seite ab


SECHSTER AUFTRITT
Baculus. Gretchen

GRETCHEN
vorauslaufend
Und nun lass Er mich in Ruhe! Er ist und bleibt ein eifersüchtiger Narr!

BACULUS
Ein Narr war ich, so lange ich den Gedanken trug, dich zur Frau nehmen zu wollen; aber mit der Eifersucht, da ist's Matthäi am letzten.

GRETCHEN
Nun, Gott sei Dank!

BACULUS
Du hast für weiter nichts zu danken, als dass ich dir nicht auf der Stelle den Hals umgedreht habe.

GRETCHEN
Wer Ihn so reden hörte, sollte glauben, es wäre was Entsetzliches geschehen.

BACULUS
Es ist auch was Entsetzliches geschehen, du Kreuzspinne, du!

GRETCHEN
Das ist nicht wahr, nichts ist geschehen, aber er macht gar zu gern Lärmen um nichts.

BACULUS
Nun höre ein Mensch diesen Tugendspiegel. Ich komme bei stockfinsterer Nacht nach Hause, denke: der Herr Stubenbursch wird wohl noch über den Schreibbüchern sitzen, aber prosit die Mahlzeit! Er ist im ganzen Hause nicht zu finden. Ist das nichts?

GRETCHEN
Das war gewiss nichts.

BACULUS
Ich denke, du musst doch deinem Gret chen eine gute Nacht wünschen, gehe hinüber, trete in ihre Stube; wer sitzt mit ihr auf dem alten ledernen Diwan, im trauten Gespräche begriffen?

GRETCHEN
Das war wieder nichts.

BACULUS
Der Teufel auch, war das Nichts? Das waren zwei mir sehr fatale Etwasse. Sind das deine Grundsätze? Ist das die Treue, mit der du noch gestern prahltest?

GRETCHEN
Meine Treue ist unverletzt, ich kann's beschwören - weinend Er aber bringt mich ins Geschrei um nichts und wieder nichts, wegen eines Menschen, der noch ein pures Kind ist.

BACULUS
Das pure Kind trug, als ich es visitierte, lauter Mordinstrumente bei sich, Scheren, Nähnadeln, Nadelbüchsen; wer weiss, was der im Schilde führt, die Ortsbehörde wird ihn schon abfassen.

GRETCHEN
Sei Er froh, wenn sie Ihn nicht fasst.

BACULUS
Schweig, angehende Potiphar! In einen Sack würde ich dich stecken und in den Mühlbach werfen, wenn nicht zum Glück der Herr Stallmeister so ein Narr wäre, dich heiraten zu wollen. Gretchen sehr verwundert. Der Herr Stallmeister will mich heiraten?

BACULAS
Ja, du Eidechse! Rede mir nicht ein Wort dagegen oder du spazierst in den Mühlgraben.

GRETCHEN
Ach, ich bin's schon zufrieden, wenn ich Ihn nur loswerde, mein alter Schatz.

BACULUS
Was ist das? Beim Antigonus, nun ist's aus mit uns!

GRETCHEN
Aber ich kann noch gar nicht begreifen -

BACULUS
Kann ich's denn begreifen? Wie es scheint, ist der Herr Stallmeister noch vernagelter als ich.

GRETCHEN
Das will viel sagen.

BACULUS
Er zahlt mir fünftausend Taler, dass ich ihm meine Ansprüche auf dich abtrete.

GRETCHEN
Ach, der liebe Herr!

BACULUS
Wie sich der Basilisk freut, dass er mich los wird. Auf den Pavillon deutend. Da tritt hinein! Ich muss erst meinen Handel ins reine bringen, ehe er dich sieht.

GRETCHEN
So lebe Er wohl, Herr Sebastian!

BACULUS
Fahr hin, Gomorrha-Seele!

GRETCHEN
schluchzend
Ich danke Ihm für alle Liebe, die Er mir erwiesen; verzeih Er mir, wenn ich Ihn jemals betrübt habe, und sei Er versichert, dass ich noch in späten Jahren dem Himmel dafür danken werde,
plötzlich heiter
dass er mir von Ihm geholfen hat, Er alter, grauköpfiger Abc-Schütz!
Ab in den Pavillon

SIEBENTER AUFTRITT
Baculus allein

BACULUS
Das Wesen wollte mich nun jemals geliebt haben! - Ich vermute fast, dass es niemals der Fall war; oder ist sie nur darüber entrüstet, dass ich sie verkaufe? Pah, werden doch in England die Frauen verhandelt, und ich bin noch gar nicht verheiratet. Was ist dabei? Wer weiss, ob ich das Fünftausendtalergeschäft nicht in Zukunft ins grosse treibe. Übrigens ist jetzt mein Gewissen ganz beruhigt. Sie war meine Braut und sass ohne meinen Konsens mit einem Studenten auf dem Diwan. Und wenn eine Braut einmal mit einem Studenten auf einem ledernen Diwan gesessen hat, dann - ist es eine lederne Geschichte! Ah, der Herr Stallmeister!


ACHTER AUFTRITT
Baculus. Baron

BARON
Da bin ich; habt Ihr über die Sache nachgedacht?

BACULUS
Alles in Ordnung.

BARON
Habt Ihr mit Eurer Braut gesprochen?

BACULUS
Ei freilich.

BARON
Und sie willigt ein?

BACULUS
Sie macht sich eine Ehre daraus.

BARON
Sprecht, was sagt sie?

BACULUS
I nun, sie sagte, ich wäre zwar ihr lieber kleiner Sebastian - und das Herz würde ihr bluten - aber wenn's nicht anders sein könnte, und wenn der Herr Stallmeister ihr ein schönes Brautkleid verspräche -

BARON
Ihr lügt, das hat sie nicht gesagt.

BACULUS
Nun, so hat sie es doch gedacht: denn ich habe mein Lebtag gehört: wenn ein Mädchen heiraten soll, so denkt es immer zuerst ans Brautkleid.

BARON
Wo ist sie? Ich muss selbst mit ihr sprechen.

BACULUS
Hier ganz in der Nähe - und von wegen der fünftausend Taler -

BARON
Sie liegen bereit.

BACULUS
Ah, gratias!

BARON
Auch Euer Posten soll Euch bleiben.

BACULUS
aufgeblasen, sich den Hut aufsetzend
Es ist nun übrigens eine grosse Frage, ob ich die Stelle behalte oder nicht -

BARON
Wie Ihr wollt -

BACULUS
Man hat andere Ideen - grossartige -

BARON
Ruft mir Gretchen, ich stehe auf Kohlen.

BACULUS
den Pavillon öffnend
Hier, mein Herr Stallmeister, langen Sie zu.


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Gretchen

Nr. 15 - Terzett

BARON
Komm, liebes Gretchen,
Bekenne frei und ohne Scheu,
Dass du mir willst angehören.

GRETCHEN
lässt die Schürze, die sie sich vorhielt, fallen und verneigt sich
Wenn Sie befehlen.

BARON
Ha, Höll' und Teufel! Was ist das?

BACULUS
für sich
Er sieht ihr's an,
Dass der Student bei ihr sass.

GRETCHEN
zu Baculus
Macht Ernst Er oder Spass?

BARON
Die ist nicht deine Braut!

BACULUS
Ei freilich.

BARON
Hast du zwei?

BACULUS
Bewahre!

BARON
Bekenne laut, welche die Rechte sei?
Dies ist das liebliche Gesicht
Doch von gestern nicht, beim Teufel!
Das ist das Gesicht von gestern nicht!

BACULUS
Das ist es nicht?

BARON
Macht mich nicht toll!

BACULUS
's fällt mir nicht ein.

BARON
Die andre, wo kam sie hin?

BACULUS
Wenn ich dem Herrn gut raten soll:
Lass Er die andre ziehn.
Die ist doch auch ganz hübsch und fein
Und würde mir viel lieber sein.

GRETCHEN
Was hab' ich ihm denn getan?
Er sieht mich ja gar nicht an.

BACULUS
zu Gretchen
Sei nur getrost, sei nur getrost!
Dir wird dein Herr Gemahl
Und mir mein Kapital.

BARON
Es vergehen mir die Sinne,
Ich weiss kaum, was ich beginne,
Und erbebe schier vor Zorn und Wut!
Alle Qualen, alle Schmerzen
Nagen wieder mir am Herzen.
Diese Kränkung, sie fordert Blut!

GRETCHEN
Es vergehen mir die Sinne,
Denke ich, dass ich gewinne
Einen schönen Mann von edlem Blut!
Ha, schon weichen aus dem Herzen
Alle Leiden, alle Schmerzen,
Ich erhalte auch noch Hab und Gut!

BACULUS
Es vergehen mir die Sinne,
Denke ich, dass ich gewinne
Durch den Handel vieles Hab und Gut.
Ha, schon weichen aus dem Herzen
Alle Leiden, alle Schmerzen,
Die bereitet Liebe mir, darum Mut!
Alle Leiden verschwinden, darum Mut!

BARON
Wer ist das Mädchen, sprich?

BACULUS
Ach, lieber Herr, ich fürchte mich,
Es Ihnen grad' heraus zu sagen.

BARON
Was wäre wohl dabei zu wagen?

BACULUS
's könnt' im Schloss, bei meinem Leben,
Einen Mordspektakel geben.

BARON
Dein Schweigen macht die Sache schlimmer;
Sprich und zähl auf reichen Lohn.

BACULUS
Die andre ist kein Frauenzimmer.

BARON
Kein Frauenzimmer? Wer ist sie denn?

BACULUS
ihm ins Ohr schreiend
'ne Mannsperson.

BARON
empört
Ein Mann! Ein Mann!

BACULUS
Durch und durch und Student dazu.

BARON
Und hat die ganze Nacht
Im Zimmer meiner Schwester zugebracht?
Himmel und Erde! Tod und Hölle!
Ich ermord' ihn auf der Stelle!

Er läuft erregt herum

GRETCHEN, BACULUS
Seine Schwester?
Hier im Schloss! Was ist das?

GRETCHEN
zu Baculus
Er will mich wohl nicht nehmen?

BACULUS
Et, er wird sich schon bequemen.

GRETCHEN
Doch er bekümmert sich ja nicht um mich.

BACULUS
Hab nur Geduld, das findet sich.
Sei nur getrost!
Dir wird dein Herr Gemahl
Und mir mein Kapital.

BARON
Es vergehen mir die Sinne, usw.

GRETCHEN
Es vergehen mir die Sinne, usw.

BACULUS
Es vergehen mir die Sinne, usw.

Baculus und Gretchen ab

Wenn Nr. 15 nicht gesungen wird, folgt nachstehender Dialog:

BARON
spricht
Alle Teufel, das ist ja nicht Eure Braut!

BACULUS
Ei freilich.

BARON
Habt Ihr zwei?

BACULUS
Bewahre!

BARON
Wo ist denn die andere?

BACULUS
Herr Stallmeister, mit der andern hat's 'n Haken!

BARON
Wieso?

BACULUS
heimlich zum Baron
Ich will Ihnen nur gestehen: die andere ist kein Frauenzimmer.

BARON
Was denn?

BACULUS
Eine Mannsperson.

BARON
Ein Mann?

BACULUS
Durch und durch, ein Student. Nehmen Sie deshalb lieber hier das hübsche Kind.

BARON
Packt Euch samt Eurer Braut zum Teufel! - Fort, sag' ich!

GRETCHEN
Aber, Herr Baculus -?

BACULUS
Still, komm mit! Der Herr Stallmeister reitet jetzt ein anderes Prinzip. Der Paroxismus muss erst vorübergehn!

Geht mit Gretchen durch das Gittertor ab

BARON
Der Bursche war die ganze Nacht im Schloss, im Zimmer meiner Schwester! Höll' und Teufel!


ZEHNTER AUFTRITT
Baron, gleich darauf Baronin

BARON
für sich
Seh' ich recht? Er ist es! Beim ewigen Gott, es ging nie etwas Vollendeteres aus den Händen der Schöpfung hervor, als die schöne Hülle, welche dem Buben verliehen wurde, um Biedermänner zu verlocken; aber warte, Bursche, du sollst nicht ungestraft deine Pagenstreiche hier getrieben haben. Student also? Na, mit dir werd' ich schon fertig werden.

BARONIN
tritt auf
Guten Morgen, Herr Stallmeister.

BARON
beiseite
Was das Bürschchen für eine melodische Stimme hat.

BARONIN
Warum sehen Sie mich denn so sonderbar an?

BARON
für sich
Sonderbar? Da haben wir's. Das ist Tusch bei den Studenten.

BARONIN
Ich begreife Ihr Benehmen nicht, Herr Stallmeister.

BARON
Nimmt es Sie wunder - in der Tat? Für sich. Ich weiss nicht, warum ich so viele Umstände mache.
laut
Mein Herr -

BARONIN
Was ist das?

BARON
Sie sind ein dummer Junge!

BARONIN
Mein Herr, Sie sind von Sinnen! Für sich. Sicher hat der Alte geplaudert.

BARON
Sie werden mir Genugtuung geben für den Karnevalsstreich, den Sie sich in diesem Hause zu spielen erlaubten.

BARONIN
lacht
Herr Stallmeister!

BARON
Er lacht mich aus. Höll' und Teufel!

BARONIN
Halten Sie mich im Ernst für einen sogenannten Herrn der Schöpfung?

BARON
verwirrt
Dieser Ton - diese reizenden Züge - bei Gott, ich werde versucht zu glauben: wenn das ein Mann ist, so bin ich ein Frauenzimmer und weiss es nicht.

BARONIN
Herr Stallmeister, Ihr Betragen in diesem Augenblick ist zwar nicht das feinste, doch haben Sie mir vom ersten Augenblick unserer Bekanntschaft so viel Teilnahme eingeflösst, dass ich nicht umhin kann, mich Ihnen zu entdecken. Erfahren Sie also -

BARON
Was werd' ich hören?

BARONIN
Dass ich nicht die Braut des alten Schulmeisters bin -

BARON
Mir sehr einleuchtend - wenn Sie ein Mann wären!

BARONIN
Dass ich aber doch ein Frauenzimmer zu sein die Ehre habe, nämlich - die Baronin Freimann, des Grafen
Schwester.

BARON
höchst angenehm überrascht
Wie? Was? Wär' es möglich?

BARONIN
Aus guten Ursachen wünsche ich noch unerkannt zu bleiben und ersuche daher sehr ernstlich -

BARON
Sie, des Grafen Schwester? Also nicht verheiratet? Gott sei Dank! So muss ich keinem Grundsatz untreu werden, indem ich aufs neue um Ihre Hand werbe.

BARONIN
Haben Sie mich denn nicht verstanden? Ich bin die Schwester Ihres Herrn.

BARON
Also sollte ein blosses Vorurteil das Glück meines Lebens hindern? Beiseite. Nun ist die Reihe zu foppen an mir. Laut. Ich kenne Ihr Schicksal, gnädige Frau; Sie waren mit Ihrem ersten Mann nicht glücklich, mit mir werden Sie es sein. Sie kennen mich noch zu wenig. Ich bin nur ein Bürgerlicher, aber ein ehrlicher Mann; ich bin leidenschaftlich, heftig - Sie haben es erfahren -, im übrigen aber der ruhigste Mensch von der Welt! und gut bin ich - gut! Wahrhaftig, es wäre schlecht von mir, zu behaupten, dass ich nicht gut wäre.

BARONIN
Was wollen Sie aus mir machen, mein Herr - meine Verhältnisse, meine Grundsätze -

BARON
Der Bäuerin schenkt' ich mein Herz ohne Rücksicht auf Stand und Verhältnisse - vergelten Sie mir nun, verschmähen Sie den Bürgerlichen nicht.

Hat sich zu ihren Füssen geworfen und drückt ihre Hand an seine Lippen


ELFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Gräfin und Pancratius im Gespräch

GRÄFIN
Was ist das? Abermals eine Szene in niederländischer Manier?

Baron springt auf

GRÄFIN
Herr Stallmeister, was Sie gestern wünschten, sei Ihnen gewährt, Sie haben volle Freiheit, sich einen andern Aufenthalt zu wählen. Für jetzt bitte ich, mich zu begleiten, um eine Deputation der Dorfbewohner zu empfangen.
zur Baronin
Du, mein Kind, geh zu deinem Bräutigam und hüte dich vor der Verführung gewissenloser Männer: »Von den Sterblichen gehst du zum Hades.«
Sie geht mit Pancratius ab

BARON
indem er folgte leise zur Baronin
Ich schweige noch, weil Sie es wollen.
ab


ZWÖLFTER AUFTRITT
Baronin allein

BARONIN
Fast scheint es mir, die Frau Schwester sei mehr empfindlich als stolz und der Herr Stallmeister ihr trotz des Unterschiedes der Jahre nicht gleichgültig. Ja, ja, das Herz ist ein gar wunderliches Ding.


DREIZEHNTER AUFTRITT
Baronin. Graf

GRAF
Ha, schönes Gretchen, bist du endlich allein? Wo ist denn dein alter Schatz? Hol ihn der Teufel! Lass uns geschwind Abrede nehmen, wie und wo wir uns künftig ohne Zeugen sprechen können.

BARONIN
Künftig, Herr Graf, werden wir Gelegenheit genug dazu finden, aber ich wette, Sie werden sie selten benutzen.

GRAF
Du verlierst die Wette, denn ich bin ganz entsetzlich in dich verliebt.

BARONIN
Ich spreche nur ein Wort, und Ihre Liebe erkaltet.

GRAF
So will ich wenigstens - ehe du dieses fatale Wort aussprichst - dir beweisen, wie glühend sie war.
Will sie umarmen

BARONIN
Nicht mit Gewalt, Herr Graf, aber wenn Sie mir ein gutes Wort geben, so küsse ich Sie freiwillig.

GRAF
Schönes, liebes, süsses Gretchen, ich gebe dir die besten Worte von der Welt.

BARONIN
Und ich will denken, ich küsse meinen Bruder.

GRAF
Denke, was du willst, nur küsse mich.

BARONIN
fliegt in seine Arme
Recht von Herzen!

VIERZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Gräfin und Baron aus dem Schlosse kommend

Nr. 16 - Finale

GRÄFIN
Was seh' ich?

GRAF
prallt zurück
Alle Teufel!

BARON UND BARONIN
jedes für sich
Nun geht das Spiel zu Ende,
Und meine / jede Maske fallt.

GRÄFIN
»Du, die zur Erde neigt das Haupt, ich frage dich,
Bekennest oder leugnest du die Missetat?«

GRAF
zur Gräfin
Mein Kind, beruh'ge dich,
Im Scherz nur war's gemeint.

BARONIN
Ach nein, der gnäd'ge Herr,
Im Ernst hat er's gemeint.

GRÄFIN.
Im Ernst?

BARON
Im Ernst? Nun, wie man's nimmt!
Hahahaha!

GRAF UND GRÄFIN
Mein Herr, Ihr Lachen stimmt
Nicht zu der ernsten Sache.

BARON
leise zur Baronin
So darf ich?

GRAF UND GRÄFIN
Erklärung!

BARON
wie oben
So darf ich?

Baronin nickt bejahend

GRAF UND GRÄFIN
Erklärung! Mein Herr, was soll das heissen?

BARON
Der Graf, ich kann beweisen,
Dass er ganz schuldlos ist,
Nicht kann Verbrechen heissen,
Wenn man die Schwester küsst.

GRAF
Die Schwester?

GRÄFIN
Die Schwester?

BARONIN
Seine Schwester!

GRÄFIN
die Baronin umarmend
»Ismene, traute Schwester,
Vielgeliebtes Haupt«,
Wie hast du uns vexiert!

GRAF
für sich
Da haben Sie, mein Bester,
Sich schauderhaft blamiert.
Zur Gräfin, laut
Da siehst du, mein Vergehen
War blosse Ahnung nur;
Es hat mich nicht getäuscht
Die Stimme der Natur.

GRAFIN, BARONIN, BARON
Wir bitten sehr, zu schweigen!
Sie hatten keine Spur
Und waren schuldbewusst.

GRAF
Ich war es nicht allein,
Das wird sogleich sich zeigen.
Zur Gräfin
Gestehe nur, mein Kind,
Nach dem Baron deutend.
Dass dieser feine Herr
Dir nicht gleichgültig war.

GRÄFIN
Mein Herr! Sind Sie bei Sinnen?

GRAF
Nun, gib dich nur zufrieden,
Dein Bruder mit dir spricht.

GRÄFIN
Mein Bruder?

BARONIN
Ihr Bruder?

BARON
Ich bin's.

GRAF
Erstaune nur!

GRÄFIN
So hat mich nicht getäuscht
Die Stimme der Natur.

GRAF UND BARON
Wir bitten sehr, zu schweigen,
Du hattest keine Spur!

GRÄFIN
Ich will es nicht verschweigen,
's war blosse Ahnung nur!

BARONIN
Auch ich will's nicht verschweigen,
's war blosse Ahnung nur!

GRÄFIN
den Baron feurig umarmend
»Hämon, geliebter Bruder!«
Oh, wie selig fühl' ich mich.

GRAF
So komm denn, liebe Schwester.
Komm, ich umarme dich.

Umarmt sie etwas kalt

Quartett

ALLE VIER
Kann es im Erdenleben
Wohl Schönres noch geben,
Als wenn Geschwister sich
Liebhaben inniglich?
Wenn auch bei diesem Falle
Ein Zweifel presst die Brust -
Dass eh' wir schuldbewusst;
Unschuldig sind wir alle.


FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Dorfdeputierte. Landleute. Dienerschaft. Baculus und Gretchen mit der Schuljugend, alle geputzt, mit Fahnen, Kränzen usw. ziehen um die Buhne. Später Pancratius

LANDLEUTE
Unser Herr lebe hoch!
Er ist so brav, er ist so gut,
Unser Herr lebe hoch!
Jedermann er Gutes tut.
Unser Herr lebe hoch!
Die Frau Gräfin auch nicht minder;
Leider mangeln noch die Kinder,
Sonsten liessen wir daneben
Auch noch die Familie leben.
Weil's dermalen nicht so weit,
Sparen wir's für künft'ge Zeit.
Unser Herr lebe hoch!
Die Frau Gräfin auch nicht minder;
Vivat hoch das edle Paar,
Wie heute, so noch manches Jahr.

GRAF
der sich mit den übrigen in die Laube gesetzt hatte, steht auf
Ich danke innig euch
Für eure Segenswünsche!
Begrüsset auch zugleich
Die Schwester eures Herrn,
Die mich in dieser Maske
So herrlich überraschte.

BACULUS, GRETCHEN
Was hör' ich?

SCHULJUGEND
Unsre Schwester lebe hoch!

LANDLEUTE
Sie lebe hoch!

GRÄFIN
Dies ist mein teurer Bruder!

SCHULJUGEND
Unser Bruder lebe hoch!

LANDLEUTE
Er lebe hoch!

BACULUS
Wie soll ich das verstehen?
Wer ist der andre denn?
Den Stubenburschen mein' ich.

BARONIN
Er ist mein Kammermädchen
Und meines Jägers Braut.

GRETCHEN
zu Baculus
Da sieht Er's.

BACULUS
Höre, Gretchen,
Nun glaub ich deinem Schwur.

GRETCHEN
Sie hat mich nicht getäuscht
Die Stimme der Natur.

BACULUS
Ich bitte dich, zu schweigen.

BARON
der sich inzwischen mit der Baronin verständigte
So willigen Sie ein?

BACULUS
erstaunt
Was hör' ich?

BARON
Bald wird Vermählung sein!

BACULUS
Vermählung? Vermählung? O Missgeschick!
Mein ganzer Handel geht zurück.
Ich abgesetzter Mann,
Was fange ich nun an?

BARONIN, BARON
So sind wir nun verbunden;
Sein / Mein Weltschmerz ist verschwunden,
Nur Freude füllt die Brust.

Baculus plötzlich von einem Gedanken ergriffen, eilt in den Hintergrund zur Schuljugend und lässt sie im Halbkreise, dem Grafen gegenüber, niederknien; er selbst kniet hinter der Front, ihnen zuflüsternd

SCHULJUGEND
mit gefalteten Händen
O du, der du die Tugend selber bist,
Du bist aus edlem Blut, sei auch ein Christ!
Wir schwören hier zu deinen Füssen,
Im Leben keinen Bock zu schiessen!
Erhöre uns, erhöre uns, sei bös nicht mehr
Und lass uns unsern lieben Schulmeister.

GRAF
der mit den übrigen in Lachen ausbrach
Der Unschuld Lallen rühret mich,
Ich will deshalb auch milde sein und Ihm -

Pancratius ist aufgetreten und sagt dem Grafen etwas ins Ohr

ALLE
gespannt
Was ist geschehn?

GRAF
Im Ernst?

PANCRATIUS
Wie närr'sch!

GRAF
in lautes Lachen ausbrechend, spricht
Der arme Teufel ist zwar schuldbewusst, aber auch unschuldig; denn soeben wird mir gemeldet, dass er in der Dämmerung anstatt eines Rehbocks seinen eigenen Esel erschossen hat.

Alle lachen

BACULUS
schlägt die Hände zusammen und spricht zu Gretchen
Hab' ich dir nicht gesagt, dass mich das Tier so wehmütig ansah?
Singt
Sie hat mich nicht getäuscht
Die Stimme der Natur.

LANDLEUTE
Der Herr will milde sein
Und gnädig ihm verzeihn.

GRAF
Wofern Er künftig nicht
Mehr Jägerei will treiben,
Mag Er fortan getrost
In seinem Amte bleiben.

LANDLEUTE
Hoch lebe unser Herr! Hoch lebe unser Herr!

ALLE SOLI
Wie heut sich alles
Uns zum Heil gestaltet!

GRÄFIN, GRAF, BARONIN, BARON
Euch / Uns erblüht ein neues Leben
Durch der Ehe heilig Band,
Liebe wird euch / uns Freuden geben,
Da sich Herz zum Herzen fand.

BACULUS, GRETCHEN, LANDLEUTE
Lasset hoch den Herren leben!
Herz bezeigt er und Verstand;
Zeugnis wollen wir ihm geben,
Dass sein Walten anerkannt!
DRITTER AUFZUG

Park des gräflichen Schlosses. Hinten ein grosses Gittertor. Links ein Pavillon, rechts der Eingang in das Schloss; weiter vorn eine Laube.

ERSTER AUFTRITT
Graf tritt auf

Nr. 13 - Rezitativ und Arie

Rezitativ

GRAF
Wie freundlich strahlt die helle Morgensonne
Auf mich herab, auf diesen Tag der Wonne!
Bald naht der Dorfbewohner frohe Schar,
Sie bringen Wünsche mancher Art mir dar.
»Gesundheit, langes Leben«,
So schallt's vom Mund der Gäste,
Doch wünsch' ich mir daneben
Das Köstlichste, das Beste:

Arie

Heiterkeit und Fröhlichkeit,
Ihr Götter dieses Lebens,
Euch zu sehen, zu erflehen,
Ist das Ziel des Strebens!
Oh, du holde Seligkeit,
Die des Menschen Herz erfreut,
Jubelnd ruf' ich aus: Ziehe nie hinaus!
Oh, holde Göttin Freude,
Gib mir immer das Geleite!
Seh' ich Blumen blühen,
Will's mich immer ziehen,
Sie sogleich zu pflücken,
Mich damit zu schmücken.
Ja, es bringt mir jede Sonne
Neue Lust und neue Wonne!
Kommt auf meinen Wegen
Etwas mir entgegen,
Was die Freude stört,
Lust in Schmerz verkehrt,
Werden stiller meine Lieder!
Aber gleich sing' ich doch wieder:
Heiterkeit und Fröhlichkeit! usw.

Hübsche Mädchen, hübsche Frauen,
Kann ich euch nur immer schauen!
Holde Sterne meines Lebens,
Ihr ruft nie, nein, nie vergebens.
Doch durch Liebe nicht allein
Zieht die Freude bei mir ein.
Sinkt der Abend nieder,
Dann im Kreis der Brüder,
Wenn Champagner winket,
Wenn man jubelt, trinket,
Dann ertönen meine Sänge
Bei der Laute frohen Klängen:
Heiterkeit und Fröhlichkeit! usw.
Durch Liebe, Sang und Wein,
Zieht die Freude bei mir ein!


ZWEITER AUFTRITT
Graf. Baron

BARON
Sieh da, der Herr Graf -

GRAF
Ah - der Herr Stallmeister -

BARON
Auch schon aus den Federn?

GRAF
Ich - botanisiere, und Sie?

BARON
Ich - botanisiere auch.

GRAF
lachend
Ja, du siehst mir auch aus, wie lauter Botanik. Die Wahrheit zu sagen, Herr Bruder, du siehst mir recht kläglich aus.

BARON
Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan.

GRAF
Wohl aus Ärger, weil ich dir gestern nicht das Feld überlassen wollte? Oh, du spieltest in deiner Verliebtheit eine äusserst komische Figur.

BARON
Komisch oder nicht, so viel ist gewiss, dass mich dein Betragen gegen das junge Mädchen empörte.

GRAF
Mein Betragen? Was soll das heissen?

BARON
Ich hoffe, jede andere Erklärung werde überflüssig sein, wenn ich dir sage, dass ich Gretchen zu meiner Gattin erwählt habe.

GRAF
Zu deiner Gattin? Hahaha!

BARON
pikiert
Herr Bruder, ich verbitte mir dies Lachen.

GRAF
Die Sache ist allerdings eher zum Weinen. - Sei gescheit, Herr Bruder, das Mädchen ist ja versprochen.

BARON
Ich schmeichle mir, alle Hindernisse beseitigen zu können.

GRAF
Also es wäre wirklich dein Ernst?

BARON
Mein völliger Ernst.

GRAF
Und meine Schwester -

BARON
Die wird schon einen Mann finden.

GRAF
Das Urteil der Welt -

BARON
Mein Glück gilt mir mehr.

GRAF
Eben deswegen; und weisst du denn schon, ob das Mädchen deiner wert ist, ob sie dich liebt?

BARON
Nein, Bruder, das weiss ich eben noch nicht. Aber -

GRAF
Na also -

BARON
Sie hält noch zurück, sie will mich prüfen, sich an meinem Schmerz weiden. Willst du mir einen Gefallen tun?

GRAF
Was denn?

BARON
Ich will sie hier erwarten. Verlass mich.

GRAF
Gern; aber du wirst gestört werden, es kommen Leute.

BARON
zur Laube gehend
Sie werden vorüberziehen.

GRAF
Eine Garnitur allerliebster Mädchen.

BARON
sich schnell wendend
Wahrhaftig?
Fasst sich
Mir sehr egal!
Setzt sich in die Laube

GRAF
Denen muss ich guten Morgen wünschen.
Geht auch in die Laube

BARON
Was willst du denn hier?

GRAF
Dableiben.

BARON
Aber du wolltest ja -

GRAF
Wir haben doch beide Platz.


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen in der Laube. Junge Mädchen aus dem Dorfe, geschmückt und Girlanden tragend, treten auf

Nr. 14 - Ensemble

MÄDCHEN
Um die Laube zu schmücken zu Freude und Glanz,
Eilet Blumen zu pflücken und windet den Kranz.
Ach, wir möchten gern dem Herrn es sagen,
Dass im Herzen wir ihn alle tragen.
Wenn sein Aug' auf einem ruht,
Wird ein'm so wonnig, wird ein'm so gut.
Ganz apart ist seine Art und seine Weise.
Um die Laube zu schmücken zu Freude und Glanz,
Eilet Blumen zu pflücken und windet den Kranz.
Unser Bestreben ist nur allein,
Für so viel Glück dankbar zu sein.

Alle wenden sich nach der Laube und wollen, als sie den Graf erblicken, mit einem Schrei davonlaufen

GRAF
vertritt ihnen den Weg
Halt! Ihr schönen Kinder!

MÄDCHEN
Der gnäd'ge Herr!

GRAF
Für so viel edle Denkungsart
Werde nicht der Dank gespart.

MÄDCHEN
Wir schämen uns.

GRAF
Ei, warum schämen?

MÄDCHEN
Sie könnten übel es wohl nehmen.

GRAF
Mitnichten, meine Kinder!
Nichts kann den Herrscher wohl mehr erfreun,
Als vom Volke so geliebt zu sein.
Und zum Beweise meiner Huld
Gelob' ich, heut bei Festes Glanz
Jede zu führen zum frohen Tanz.

BARON
Der freu'ge Lärm mehrt meine Pein!

GRAF
Das soll 'ne wahre Freude sein!

MÄDCHEN
unter sich
Er tanzt mit uns! Ach, das wird herrlich sein!

GRAF
Ihr könnt doch tanzen?

ERSTES MÄDCHEN
mit einem Knicks
Ich tanze gut!

ZWEITES MÄDCHEN
Ich tanze besser!

ALLE
sich vordrängend
Auch ich! Auch ich!

GRAF
Was nicht der Eghrgeiz tut!
Wohlan, ihr holden Mädchen,
Lasst ein Pröbchen mich sehn.

MÄDCHEN
drängen sich an ihn
Sogleich, mit tausend Freuden,
Der Herr muss es verstehn.

GRAF
Nicht all auf einmal! 's wird besser sein,
Ich tanz' mit jeder zuerst allein.

MÄDCHEN
unter sich
's wird besser sein, es tanzet jede mit ihm allein.

Graf walzt abwechselnd mit einigen

DIE ANDERN
Sammeln sich auf der Seite, die Köpfe zusammensteckend und lästernd
Die glaubt nun gleich, dass sie allein gefällt.
Wie sie sich ziert, wie sie die Beine stellt.
Seht doch nur hin, es ist zu lächerlich!
Da tanze ich doch etwas besser, ich!

BARON
in der Laube
Wie pocht mein armes Herz!
Könnt' ich betäuben diesen Schmerz!
Vor Sehnsucht und Verlangen pocht mein Herz!

DIE ANDERN MÄDCHEN
Seht nur hin, wir tanzen besser, viel besser!
Ach Gott, wie lächerlich! Ach Gott, wie lächerlich!

BARON
steht auf
Oh, welche Qual! Schmerzerfüllt
Muss ich einsam hier stehn,
Darf nicht im Tanze mit ihnen mich drehn.

GRAF
zu den Mädchen
Herrlich! Prächtig! Wunderschön
Wisst ihr im Tanze euch zu drehn. -
Zum Baron
Gefällt dir dieses Treiben?
Wie kannst du ruhig bleiben?

EINIGE MÄDCHEN
unter sich streitend
Ich tanz' am besten, hat er gesagt!

ANDERE
ebenso
Nein ich, hat er gesagt!

ALLE
den Grafen umringend
Wer tanzt am besten?

GRAF
Jede gut auf ihre Art.
Noch kann bestimmt ich nicht entscheiden,
Da an der Reih' ihr all' nicht wart.

DIE MÄDCHEN
sich wieder herandrängend
Jetzt komm' ich! Jetzt komm' ich! Jetzt komm' ich!

GRAF
Nicht all' auf einmal! Nicht all' auf einmal!

Beginnt wieder zu tanzen

BARON
Oh, diese Qual das Herz mir bricht!
Ich ertrag' es länger nicht; eine innre Stimme spricht:
Aus Verzweiflung ergib dich den Scherzen,
Betäube die Schmerzen!

Er kann sich nicht länger halten, ergreift ein Mädchen und walzt mit ihm. Der Graf hat indessen mehrere Male gewechselt. Die Mädchen können sich auch nicht länger halten und walzen miteinander. Die Gräfin tritt plötzlich mitten unter sie. Die Mädchen laufen schreiend davon. Graf und Baron stehen in grosser Verlegenheit da.


VIERTER AUFTRITT
Graf. Baron. Gräfin

GRÄFIN
»Von diesen Mädchen, glaub' ich, ward die eine jetzt sinnlos, die andern waren's schon vor Anbeginn.« Nicht übel, meine Herren, ich wähnte beide noch in Momus Armen und finde Sie, wo korykische Mädchen froh der Bacchen Tanz begehen.

GRAF
sich fassend
Verzeihe, liebes Kind, ich wollte dich überraschen.

GRÄFIN
In der Tat, das ist Ihnen gelungen.

BARON
Allerdings, wir wollten -

GRÄFIN
»Sie schweigen, eh' mich Ihre Rede ganz mit Zorn erfüllt.«

GRAF
Ich weiss, du liebst die Bilder in Teniers Manier.

BARON
Da probierten wir eine Szene -

GRAF
Bloss aus Liebe zur niederländischen Schule -

GRÄFIN
Ich will für diesmal das Märchen glauben, Herr Gemahl, verbitte mir jedoch die Vorstellung dieser niederländischen Szene, da schon die Probe mich nicht besonders enchantiert hat. Reichen Sie mir Ihren Arm, das Frühstück erwartet uns auf der Terrasse.


FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Pancratius

PANCRATIUS
Der Schulmeister Baculus wünscht den Herrn Stallmeister zu sprechen.
Leise zum Baron
Er lässt Ihnen sagen, er hätte sie bei sich, wie närr'sch.

BARON
für sich
Mein Gott!

GRAF
Begleiten Sie uns zum Frühstück, Herr Stallmeister?

BARON
Ich erfahre soeben -

GRAF
leise zu ihm
Geh mit, ich bitte dich.

BARON
Sie haben zu befehlen.
Zu Pancratius
Er soll mich hier erwarten.

Graf, Gräfin, Baron gehen ins Schloss

PANCRATIUS
die Girlanden und Blumen aufraffend
Was ist denn hier geschehen? Die Blumen liegen ja herum, wie närr'sch. Nach aussen rufend. Nur näher, Herr Gevatter, der Herr Stallmeister werden gleich erscheinen.
Zur Seite ab


SECHSTER AUFTRITT
Baculus. Gretchen

GRETCHEN
vorauslaufend
Und nun lass Er mich in Ruhe! Er ist und bleibt ein eifersüchtiger Narr!

BACULUS
Ein Narr war ich, so lange ich den Gedanken trug, dich zur Frau nehmen zu wollen; aber mit der Eifersucht, da ist's Matthäi am letzten.

GRETCHEN
Nun, Gott sei Dank!

BACULUS
Du hast für weiter nichts zu danken, als dass ich dir nicht auf der Stelle den Hals umgedreht habe.

GRETCHEN
Wer Ihn so reden hörte, sollte glauben, es wäre was Entsetzliches geschehen.

BACULUS
Es ist auch was Entsetzliches geschehen, du Kreuzspinne, du!

GRETCHEN
Das ist nicht wahr, nichts ist geschehen, aber er macht gar zu gern Lärmen um nichts.

BACULUS
Nun höre ein Mensch diesen Tugendspiegel. Ich komme bei stockfinsterer Nacht nach Hause, denke: der Herr Stubenbursch wird wohl noch über den Schreibbüchern sitzen, aber prosit die Mahlzeit! Er ist im ganzen Hause nicht zu finden. Ist das nichts?

GRETCHEN
Das war gewiss nichts.

BACULUS
Ich denke, du musst doch deinem Gret chen eine gute Nacht wünschen, gehe hinüber, trete in ihre Stube; wer sitzt mit ihr auf dem alten ledernen Diwan, im trauten Gespräche begriffen?

GRETCHEN
Das war wieder nichts.

BACULUS
Der Teufel auch, war das Nichts? Das waren zwei mir sehr fatale Etwasse. Sind das deine Grundsätze? Ist das die Treue, mit der du noch gestern prahltest?

GRETCHEN
Meine Treue ist unverletzt, ich kann's beschwören - weinend Er aber bringt mich ins Geschrei um nichts und wieder nichts, wegen eines Menschen, der noch ein pures Kind ist.

BACULUS
Das pure Kind trug, als ich es visitierte, lauter Mordinstrumente bei sich, Scheren, Nähnadeln, Nadelbüchsen; wer weiss, was der im Schilde führt, die Ortsbehörde wird ihn schon abfassen.

GRETCHEN
Sei Er froh, wenn sie Ihn nicht fasst.

BACULUS
Schweig, angehende Potiphar! In einen Sack würde ich dich stecken und in den Mühlbach werfen, wenn nicht zum Glück der Herr Stallmeister so ein Narr wäre, dich heiraten zu wollen. Gretchen sehr verwundert. Der Herr Stallmeister will mich heiraten?

BACULAS
Ja, du Eidechse! Rede mir nicht ein Wort dagegen oder du spazierst in den Mühlgraben.

GRETCHEN
Ach, ich bin's schon zufrieden, wenn ich Ihn nur loswerde, mein alter Schatz.

BACULUS
Was ist das? Beim Antigonus, nun ist's aus mit uns!

GRETCHEN
Aber ich kann noch gar nicht begreifen -

BACULUS
Kann ich's denn begreifen? Wie es scheint, ist der Herr Stallmeister noch vernagelter als ich.

GRETCHEN
Das will viel sagen.

BACULUS
Er zahlt mir fünftausend Taler, dass ich ihm meine Ansprüche auf dich abtrete.

GRETCHEN
Ach, der liebe Herr!

BACULUS
Wie sich der Basilisk freut, dass er mich los wird. Auf den Pavillon deutend. Da tritt hinein! Ich muss erst meinen Handel ins reine bringen, ehe er dich sieht.

GRETCHEN
So lebe Er wohl, Herr Sebastian!

BACULUS
Fahr hin, Gomorrha-Seele!

GRETCHEN
schluchzend
Ich danke Ihm für alle Liebe, die Er mir erwiesen; verzeih Er mir, wenn ich Ihn jemals betrübt habe, und sei Er versichert, dass ich noch in späten Jahren dem Himmel dafür danken werde,
plötzlich heiter
dass er mir von Ihm geholfen hat, Er alter, grauköpfiger Abc-Schütz!
Ab in den Pavillon

SIEBENTER AUFTRITT
Baculus allein

BACULUS
Das Wesen wollte mich nun jemals geliebt haben! - Ich vermute fast, dass es niemals der Fall war; oder ist sie nur darüber entrüstet, dass ich sie verkaufe? Pah, werden doch in England die Frauen verhandelt, und ich bin noch gar nicht verheiratet. Was ist dabei? Wer weiss, ob ich das Fünftausendtalergeschäft nicht in Zukunft ins grosse treibe. Übrigens ist jetzt mein Gewissen ganz beruhigt. Sie war meine Braut und sass ohne meinen Konsens mit einem Studenten auf dem Diwan. Und wenn eine Braut einmal mit einem Studenten auf einem ledernen Diwan gesessen hat, dann - ist es eine lederne Geschichte! Ah, der Herr Stallmeister!


ACHTER AUFTRITT
Baculus. Baron

BARON
Da bin ich; habt Ihr über die Sache nachgedacht?

BACULUS
Alles in Ordnung.

BARON
Habt Ihr mit Eurer Braut gesprochen?

BACULUS
Ei freilich.

BARON
Und sie willigt ein?

BACULUS
Sie macht sich eine Ehre daraus.

BARON
Sprecht, was sagt sie?

BACULUS
I nun, sie sagte, ich wäre zwar ihr lieber kleiner Sebastian - und das Herz würde ihr bluten - aber wenn's nicht anders sein könnte, und wenn der Herr Stallmeister ihr ein schönes Brautkleid verspräche -

BARON
Ihr lügt, das hat sie nicht gesagt.

BACULUS
Nun, so hat sie es doch gedacht: denn ich habe mein Lebtag gehört: wenn ein Mädchen heiraten soll, so denkt es immer zuerst ans Brautkleid.

BARON
Wo ist sie? Ich muss selbst mit ihr sprechen.

BACULUS
Hier ganz in der Nähe - und von wegen der fünftausend Taler -

BARON
Sie liegen bereit.

BACULUS
Ah, gratias!

BARON
Auch Euer Posten soll Euch bleiben.

BACULUS
aufgeblasen, sich den Hut aufsetzend
Es ist nun übrigens eine grosse Frage, ob ich die Stelle behalte oder nicht -

BARON
Wie Ihr wollt -

BACULUS
Man hat andere Ideen - grossartige -

BARON
Ruft mir Gretchen, ich stehe auf Kohlen.

BACULUS
den Pavillon öffnend
Hier, mein Herr Stallmeister, langen Sie zu.


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Gretchen

Nr. 15 - Terzett

BARON
Komm, liebes Gretchen,
Bekenne frei und ohne Scheu,
Dass du mir willst angehören.

GRETCHEN
lässt die Schürze, die sie sich vorhielt, fallen und verneigt sich
Wenn Sie befehlen.

BARON
Ha, Höll' und Teufel! Was ist das?

BACULUS
für sich
Er sieht ihr's an,
Dass der Student bei ihr sass.

GRETCHEN
zu Baculus
Macht Ernst Er oder Spass?

BARON
Die ist nicht deine Braut!

BACULUS
Ei freilich.

BARON
Hast du zwei?

BACULUS
Bewahre!

BARON
Bekenne laut, welche die Rechte sei?
Dies ist das liebliche Gesicht
Doch von gestern nicht, beim Teufel!
Das ist das Gesicht von gestern nicht!

BACULUS
Das ist es nicht?

BARON
Macht mich nicht toll!

BACULUS
's fällt mir nicht ein.

BARON
Die andre, wo kam sie hin?

BACULUS
Wenn ich dem Herrn gut raten soll:
Lass Er die andre ziehn.
Die ist doch auch ganz hübsch und fein
Und würde mir viel lieber sein.

GRETCHEN
Was hab' ich ihm denn getan?
Er sieht mich ja gar nicht an.

BACULUS
zu Gretchen
Sei nur getrost, sei nur getrost!
Dir wird dein Herr Gemahl
Und mir mein Kapital.

BARON
Es vergehen mir die Sinne,
Ich weiss kaum, was ich beginne,
Und erbebe schier vor Zorn und Wut!
Alle Qualen, alle Schmerzen
Nagen wieder mir am Herzen.
Diese Kränkung, sie fordert Blut!

GRETCHEN
Es vergehen mir die Sinne,
Denke ich, dass ich gewinne
Einen schönen Mann von edlem Blut!
Ha, schon weichen aus dem Herzen
Alle Leiden, alle Schmerzen,
Ich erhalte auch noch Hab und Gut!

BACULUS
Es vergehen mir die Sinne,
Denke ich, dass ich gewinne
Durch den Handel vieles Hab und Gut.
Ha, schon weichen aus dem Herzen
Alle Leiden, alle Schmerzen,
Die bereitet Liebe mir, darum Mut!
Alle Leiden verschwinden, darum Mut!

BARON
Wer ist das Mädchen, sprich?

BACULUS
Ach, lieber Herr, ich fürchte mich,
Es Ihnen grad' heraus zu sagen.

BARON
Was wäre wohl dabei zu wagen?

BACULUS
's könnt' im Schloss, bei meinem Leben,
Einen Mordspektakel geben.

BARON
Dein Schweigen macht die Sache schlimmer;
Sprich und zähl auf reichen Lohn.

BACULUS
Die andre ist kein Frauenzimmer.

BARON
Kein Frauenzimmer? Wer ist sie denn?

BACULUS
ihm ins Ohr schreiend
'ne Mannsperson.

BARON
empört
Ein Mann! Ein Mann!

BACULUS
Durch und durch und Student dazu.

BARON
Und hat die ganze Nacht
Im Zimmer meiner Schwester zugebracht?
Himmel und Erde! Tod und Hölle!
Ich ermord' ihn auf der Stelle!

Er läuft erregt herum

GRETCHEN, BACULUS
Seine Schwester?
Hier im Schloss! Was ist das?

GRETCHEN
zu Baculus
Er will mich wohl nicht nehmen?

BACULUS
Et, er wird sich schon bequemen.

GRETCHEN
Doch er bekümmert sich ja nicht um mich.

BACULUS
Hab nur Geduld, das findet sich.
Sei nur getrost!
Dir wird dein Herr Gemahl
Und mir mein Kapital.

BARON
Es vergehen mir die Sinne, usw.

GRETCHEN
Es vergehen mir die Sinne, usw.

BACULUS
Es vergehen mir die Sinne, usw.

Baculus und Gretchen ab

Wenn Nr. 15 nicht gesungen wird, folgt nachstehender Dialog:

BARON
spricht
Alle Teufel, das ist ja nicht Eure Braut!

BACULUS
Ei freilich.

BARON
Habt Ihr zwei?

BACULUS
Bewahre!

BARON
Wo ist denn die andere?

BACULUS
Herr Stallmeister, mit der andern hat's 'n Haken!

BARON
Wieso?

BACULUS
heimlich zum Baron
Ich will Ihnen nur gestehen: die andere ist kein Frauenzimmer.

BARON
Was denn?

BACULUS
Eine Mannsperson.

BARON
Ein Mann?

BACULUS
Durch und durch, ein Student. Nehmen Sie deshalb lieber hier das hübsche Kind.

BARON
Packt Euch samt Eurer Braut zum Teufel! - Fort, sag' ich!

GRETCHEN
Aber, Herr Baculus -?

BACULUS
Still, komm mit! Der Herr Stallmeister reitet jetzt ein anderes Prinzip. Der Paroxismus muss erst vorübergehn!

Geht mit Gretchen durch das Gittertor ab

BARON
Der Bursche war die ganze Nacht im Schloss, im Zimmer meiner Schwester! Höll' und Teufel!


ZEHNTER AUFTRITT
Baron, gleich darauf Baronin

BARON
für sich
Seh' ich recht? Er ist es! Beim ewigen Gott, es ging nie etwas Vollendeteres aus den Händen der Schöpfung hervor, als die schöne Hülle, welche dem Buben verliehen wurde, um Biedermänner zu verlocken; aber warte, Bursche, du sollst nicht ungestraft deine Pagenstreiche hier getrieben haben. Student also? Na, mit dir werd' ich schon fertig werden.

BARONIN
tritt auf
Guten Morgen, Herr Stallmeister.

BARON
beiseite
Was das Bürschchen für eine melodische Stimme hat.

BARONIN
Warum sehen Sie mich denn so sonderbar an?

BARON
für sich
Sonderbar? Da haben wir's. Das ist Tusch bei den Studenten.

BARONIN
Ich begreife Ihr Benehmen nicht, Herr Stallmeister.

BARON
Nimmt es Sie wunder - in der Tat? Für sich. Ich weiss nicht, warum ich so viele Umstände mache.
laut
Mein Herr -

BARONIN
Was ist das?

BARON
Sie sind ein dummer Junge!

BARONIN
Mein Herr, Sie sind von Sinnen! Für sich. Sicher hat der Alte geplaudert.

BARON
Sie werden mir Genugtuung geben für den Karnevalsstreich, den Sie sich in diesem Hause zu spielen erlaubten.

BARONIN
lacht
Herr Stallmeister!

BARON
Er lacht mich aus. Höll' und Teufel!

BARONIN
Halten Sie mich im Ernst für einen sogenannten Herrn der Schöpfung?

BARON
verwirrt
Dieser Ton - diese reizenden Züge - bei Gott, ich werde versucht zu glauben: wenn das ein Mann ist, so bin ich ein Frauenzimmer und weiss es nicht.

BARONIN
Herr Stallmeister, Ihr Betragen in diesem Augenblick ist zwar nicht das feinste, doch haben Sie mir vom ersten Augenblick unserer Bekanntschaft so viel Teilnahme eingeflösst, dass ich nicht umhin kann, mich Ihnen zu entdecken. Erfahren Sie also -

BARON
Was werd' ich hören?

BARONIN
Dass ich nicht die Braut des alten Schulmeisters bin -

BARON
Mir sehr einleuchtend - wenn Sie ein Mann wären!

BARONIN
Dass ich aber doch ein Frauenzimmer zu sein die Ehre habe, nämlich - die Baronin Freimann, des Grafen
Schwester.

BARON
höchst angenehm überrascht
Wie? Was? Wär' es möglich?

BARONIN
Aus guten Ursachen wünsche ich noch unerkannt zu bleiben und ersuche daher sehr ernstlich -

BARON
Sie, des Grafen Schwester? Also nicht verheiratet? Gott sei Dank! So muss ich keinem Grundsatz untreu werden, indem ich aufs neue um Ihre Hand werbe.

BARONIN
Haben Sie mich denn nicht verstanden? Ich bin die Schwester Ihres Herrn.

BARON
Also sollte ein blosses Vorurteil das Glück meines Lebens hindern? Beiseite. Nun ist die Reihe zu foppen an mir. Laut. Ich kenne Ihr Schicksal, gnädige Frau; Sie waren mit Ihrem ersten Mann nicht glücklich, mit mir werden Sie es sein. Sie kennen mich noch zu wenig. Ich bin nur ein Bürgerlicher, aber ein ehrlicher Mann; ich bin leidenschaftlich, heftig - Sie haben es erfahren -, im übrigen aber der ruhigste Mensch von der Welt! und gut bin ich - gut! Wahrhaftig, es wäre schlecht von mir, zu behaupten, dass ich nicht gut wäre.

BARONIN
Was wollen Sie aus mir machen, mein Herr - meine Verhältnisse, meine Grundsätze -

BARON
Der Bäuerin schenkt' ich mein Herz ohne Rücksicht auf Stand und Verhältnisse - vergelten Sie mir nun, verschmähen Sie den Bürgerlichen nicht.

Hat sich zu ihren Füssen geworfen und drückt ihre Hand an seine Lippen


ELFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Gräfin und Pancratius im Gespräch

GRÄFIN
Was ist das? Abermals eine Szene in niederländischer Manier?

Baron springt auf

GRÄFIN
Herr Stallmeister, was Sie gestern wünschten, sei Ihnen gewährt, Sie haben volle Freiheit, sich einen andern Aufenthalt zu wählen. Für jetzt bitte ich, mich zu begleiten, um eine Deputation der Dorfbewohner zu empfangen.
zur Baronin
Du, mein Kind, geh zu deinem Bräutigam und hüte dich vor der Verführung gewissenloser Männer: »Von den Sterblichen gehst du zum Hades.«
Sie geht mit Pancratius ab

BARON
indem er folgte leise zur Baronin
Ich schweige noch, weil Sie es wollen.
ab


ZWÖLFTER AUFTRITT
Baronin allein

BARONIN
Fast scheint es mir, die Frau Schwester sei mehr empfindlich als stolz und der Herr Stallmeister ihr trotz des Unterschiedes der Jahre nicht gleichgültig. Ja, ja, das Herz ist ein gar wunderliches Ding.


DREIZEHNTER AUFTRITT
Baronin. Graf

GRAF
Ha, schönes Gretchen, bist du endlich allein? Wo ist denn dein alter Schatz? Hol ihn der Teufel! Lass uns geschwind Abrede nehmen, wie und wo wir uns künftig ohne Zeugen sprechen können.

BARONIN
Künftig, Herr Graf, werden wir Gelegenheit genug dazu finden, aber ich wette, Sie werden sie selten benutzen.

GRAF
Du verlierst die Wette, denn ich bin ganz entsetzlich in dich verliebt.

BARONIN
Ich spreche nur ein Wort, und Ihre Liebe erkaltet.

GRAF
So will ich wenigstens - ehe du dieses fatale Wort aussprichst - dir beweisen, wie glühend sie war.
Will sie umarmen

BARONIN
Nicht mit Gewalt, Herr Graf, aber wenn Sie mir ein gutes Wort geben, so küsse ich Sie freiwillig.

GRAF
Schönes, liebes, süsses Gretchen, ich gebe dir die besten Worte von der Welt.

BARONIN
Und ich will denken, ich küsse meinen Bruder.

GRAF
Denke, was du willst, nur küsse mich.

BARONIN
fliegt in seine Arme
Recht von Herzen!

VIERZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Gräfin und Baron aus dem Schlosse kommend

Nr. 16 - Finale

GRÄFIN
Was seh' ich?

GRAF
prallt zurück
Alle Teufel!

BARON UND BARONIN
jedes für sich
Nun geht das Spiel zu Ende,
Und meine / jede Maske fallt.

GRÄFIN
»Du, die zur Erde neigt das Haupt, ich frage dich,
Bekennest oder leugnest du die Missetat?«

GRAF
zur Gräfin
Mein Kind, beruh'ge dich,
Im Scherz nur war's gemeint.

BARONIN
Ach nein, der gnäd'ge Herr,
Im Ernst hat er's gemeint.

GRÄFIN.
Im Ernst?

BARON
Im Ernst? Nun, wie man's nimmt!
Hahahaha!

GRAF UND GRÄFIN
Mein Herr, Ihr Lachen stimmt
Nicht zu der ernsten Sache.

BARON
leise zur Baronin
So darf ich?

GRAF UND GRÄFIN
Erklärung!

BARON
wie oben
So darf ich?

Baronin nickt bejahend

GRAF UND GRÄFIN
Erklärung! Mein Herr, was soll das heissen?

BARON
Der Graf, ich kann beweisen,
Dass er ganz schuldlos ist,
Nicht kann Verbrechen heissen,
Wenn man die Schwester küsst.

GRAF
Die Schwester?

GRÄFIN
Die Schwester?

BARONIN
Seine Schwester!

GRÄFIN
die Baronin umarmend
»Ismene, traute Schwester,
Vielgeliebtes Haupt«,
Wie hast du uns vexiert!

GRAF
für sich
Da haben Sie, mein Bester,
Sich schauderhaft blamiert.
Zur Gräfin, laut
Da siehst du, mein Vergehen
War blosse Ahnung nur;
Es hat mich nicht getäuscht
Die Stimme der Natur.

GRAFIN, BARONIN, BARON
Wir bitten sehr, zu schweigen!
Sie hatten keine Spur
Und waren schuldbewusst.

GRAF
Ich war es nicht allein,
Das wird sogleich sich zeigen.
Zur Gräfin
Gestehe nur, mein Kind,
Nach dem Baron deutend.
Dass dieser feine Herr
Dir nicht gleichgültig war.

GRÄFIN
Mein Herr! Sind Sie bei Sinnen?

GRAF
Nun, gib dich nur zufrieden,
Dein Bruder mit dir spricht.

GRÄFIN
Mein Bruder?

BARONIN
Ihr Bruder?

BARON
Ich bin's.

GRAF
Erstaune nur!

GRÄFIN
So hat mich nicht getäuscht
Die Stimme der Natur.

GRAF UND BARON
Wir bitten sehr, zu schweigen,
Du hattest keine Spur!

GRÄFIN
Ich will es nicht verschweigen,
's war blosse Ahnung nur!

BARONIN
Auch ich will's nicht verschweigen,
's war blosse Ahnung nur!

GRÄFIN
den Baron feurig umarmend
»Hämon, geliebter Bruder!«
Oh, wie selig fühl' ich mich.

GRAF
So komm denn, liebe Schwester.
Komm, ich umarme dich.

Umarmt sie etwas kalt

Quartett

ALLE VIER
Kann es im Erdenleben
Wohl Schönres noch geben,
Als wenn Geschwister sich
Liebhaben inniglich?
Wenn auch bei diesem Falle
Ein Zweifel presst die Brust -
Dass eh' wir schuldbewusst;
Unschuldig sind wir alle.


FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Dorfdeputierte. Landleute. Dienerschaft. Baculus und Gretchen mit der Schuljugend, alle geputzt, mit Fahnen, Kränzen usw. ziehen um die Buhne. Später Pancratius

LANDLEUTE
Unser Herr lebe hoch!
Er ist so brav, er ist so gut,
Unser Herr lebe hoch!
Jedermann er Gutes tut.
Unser Herr lebe hoch!
Die Frau Gräfin auch nicht minder;
Leider mangeln noch die Kinder,
Sonsten liessen wir daneben
Auch noch die Familie leben.
Weil's dermalen nicht so weit,
Sparen wir's für künft'ge Zeit.
Unser Herr lebe hoch!
Die Frau Gräfin auch nicht minder;
Vivat hoch das edle Paar,
Wie heute, so noch manches Jahr.

GRAF
der sich mit den übrigen in die Laube gesetzt hatte, steht auf
Ich danke innig euch
Für eure Segenswünsche!
Begrüsset auch zugleich
Die Schwester eures Herrn,
Die mich in dieser Maske
So herrlich überraschte.

BACULUS, GRETCHEN
Was hör' ich?

SCHULJUGEND
Unsre Schwester lebe hoch!

LANDLEUTE
Sie lebe hoch!

GRÄFIN
Dies ist mein teurer Bruder!

SCHULJUGEND
Unser Bruder lebe hoch!

LANDLEUTE
Er lebe hoch!

BACULUS
Wie soll ich das verstehen?
Wer ist der andre denn?
Den Stubenburschen mein' ich.

BARONIN
Er ist mein Kammermädchen
Und meines Jägers Braut.

GRETCHEN
zu Baculus
Da sieht Er's.

BACULUS
Höre, Gretchen,
Nun glaub ich deinem Schwur.

GRETCHEN
Sie hat mich nicht getäuscht
Die Stimme der Natur.

BACULUS
Ich bitte dich, zu schweigen.

BARON
der sich inzwischen mit der Baronin verständigte
So willigen Sie ein?

BACULUS
erstaunt
Was hör' ich?

BARON
Bald wird Vermählung sein!

BACULUS
Vermählung? Vermählung? O Missgeschick!
Mein ganzer Handel geht zurück.
Ich abgesetzter Mann,
Was fange ich nun an?

BARONIN, BARON
So sind wir nun verbunden;
Sein / Mein Weltschmerz ist verschwunden,
Nur Freude füllt die Brust.

Baculus plötzlich von einem Gedanken ergriffen, eilt in den Hintergrund zur Schuljugend und lässt sie im Halbkreise, dem Grafen gegenüber, niederknien; er selbst kniet hinter der Front, ihnen zuflüsternd

SCHULJUGEND
mit gefalteten Händen
O du, der du die Tugend selber bist,
Du bist aus edlem Blut, sei auch ein Christ!
Wir schwören hier zu deinen Füssen,
Im Leben keinen Bock zu schiessen!
Erhöre uns, erhöre uns, sei bös nicht mehr
Und lass uns unsern lieben Schulmeister.

GRAF
der mit den übrigen in Lachen ausbrach
Der Unschuld Lallen rühret mich,
Ich will deshalb auch milde sein und Ihm -

Pancratius ist aufgetreten und sagt dem Grafen etwas ins Ohr

ALLE
gespannt
Was ist geschehn?

GRAF
Im Ernst?

PANCRATIUS
Wie närr'sch!

GRAF
in lautes Lachen ausbrechend, spricht
Der arme Teufel ist zwar schuldbewusst, aber auch unschuldig; denn soeben wird mir gemeldet, dass er in der Dämmerung anstatt eines Rehbocks seinen eigenen Esel erschossen hat.

Alle lachen

BACULUS
schlägt die Hände zusammen und spricht zu Gretchen
Hab' ich dir nicht gesagt, dass mich das Tier so wehmütig ansah?
Singt
Sie hat mich nicht getäuscht
Die Stimme der Natur.

LANDLEUTE
Der Herr will milde sein
Und gnädig ihm verzeihn.

GRAF
Wofern Er künftig nicht
Mehr Jägerei will treiben,
Mag Er fortan getrost
In seinem Amte bleiben.

LANDLEUTE
Hoch lebe unser Herr! Hoch lebe unser Herr!

ALLE SOLI
Wie heut sich alles
Uns zum Heil gestaltet!

GRÄFIN, GRAF, BARONIN, BARON
Euch / Uns erblüht ein neues Leben
Durch der Ehe heilig Band,
Liebe wird euch / uns Freuden geben,
Da sich Herz zum Herzen fand.

BACULUS, GRETCHEN, LANDLEUTE
Lasset hoch den Herren leben!
Herz bezeigt er und Verstand;
Zeugnis wollen wir ihm geben,
Dass sein Walten anerkannt!



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