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DRITTER AKT

Der Markusplatz. im Hintergrund die Markuskirche, vom Monde beleuchtet. Rechts und links Bogengänge. Rechts rückwärts ein Abgang, welcher um den Glockenturm herum nach der Piazzetta führt. Links rückwärts ein Abgang, der unter dem Schwibbogen des Glockenspiels zu den Mercerien führt. Die Vorderbühne von Laternen beleuchtet. Links vorne eine mit Teppichen geschmückte Loge für den Herzog.

ERSTER AUFTRITT

Nr. 14 - Introduktion

Masken tanzen im Hintergrund; rechts rückwärts erschallt verhallend nachfolgende Reminiszenz

MASKENGRUPPEN
vorbeiziehend.
Karneval Ruft uns zum Ball
Er ist Souverän!
Zögert nicht,
Denn was er spricht,
Muss sofort geschehn!
Frisch hinaus zum Markusplatz,
Musik zieht uns voran,
Arm in Arm mit seinem Schatz,
Folgt fröhlich jedermann!


ZWEITER AUFTRITT
Annina. Giboletta. Herzog. Mädchen

Der Herzog kommt mit Annina und Ciboletta; beide tragen stilisierte Taubenkostüme. Aus den Bogengängen kommen einige Mädchen, ebenfalls als Tauben gekleidet

Nr. 14a - Taubenterzett mit Chor

ANNINA, CIBOLETTA
Die Tauben von San Marco
Wem sind sie nicht bekannt?
Die Tauben sind der Liebe,
Des Friedens Unterpfand!
Drum hat vor ihren Wagen
Frau Venus uns gespannt,
Und später hat uns Noah,
Auf Kundschaft ausgesandt!

HERZOG
Wie's in der Bibel stand

ANNINA
Wir eilen pfeilgeschwind
Mit Briefen durch das Land.

CIBOLETTA
Zur Liebesbotschaft sind
Wir immer gern zur Hand!

HERZOG
Drum ward euch zur Belohnung
Hier Wohnung und auch Schonung
Für immer zuerkannt!

ANNINA, CIBOLETTA
Ein gutes Beispiel geben wir
Für jedes Liebespaar!
In Eintracht leben wir
Und schnäbeln immerdar!

HERZOG
O süsse Schnäbelei,
Wie gern bin ich dabei
Drum reicht mir eure
Schnäbel alle zwei!

BEIDE
In Liebesseligkeit,
Vereint in Zärtlichkeit,
Stets sanft und hold und zart
Nach Taubenart!

HERZOG
In Liebesseligkeit,
Vereint in Zärtlichkeit,
Stets sanft und hold und zart
Nach Taubenart!

Die Mädchen begleiten den Refrain mit einem die Tauben imitierenden Gurren. Nach dem Ensemble "flattern" die Tauben nach rückwärts davon; der Herzog mit Annina und Ciboletta links vorn ab.


DRITTER AUFTRITT
Caramello

CARAMELLO
kommt von rechts rückwärts, blickt traurig dem Herzog nach
Da zieht er hin, der Herzog, mit Annina am Arm - und ich habe das Nachsehen!
O Weibertreue! Weibertreue!

Nr. 15 - Lagunen-Walzer

CARAMELLO
Ach, wie so herrlich zu schaun
Sind all die reizenden Fraun,
Doch willst do einer vertraun,
Dann, Freundchen, auf Sand wirst du baun!
Rasch, wie die Wellen entfliehn,
Flüchtig, wie Wolken dort ziehn,
Treibt ihr beweglicher Sinn
Sie bald her, bald hin!
Wie sie schmeicheln,
Liebe heucheln,
Uns durch Tränen
Schnell versöhnen!
Ob sie schmollen
Oder grollen:
Wie des Herzens Stimme spricht,
Errätst du nicht!
Doch ich will nicht länger klagen,
Nicht cosi an tutte sagen,
Denn es gibt noch süsse Frauen,
Die uns Paradiese bauen!
Reich belohnt ist unser Lieben,
Wenn nur eine treu geblieben.
Treue, schönes, süsses Wort
Der Liebe sichrer Hort!
Nachts die Wellen leise rauschen,
Mädchen an den Fenstern lauschen,
Gondeln gleiten hin und wieder,
Rings ertönen sanfte Lieder,
Hell am dunklen Himmelsbogen,
Kommt der Stern der Lieb' gezogen!
Leuchte mild darein
Und lass sie selig sein!
Ach, wie so herrlich zu schaun
Sind all die lieblichen Fraun,
Doch willst du einer vertraun,
Dann, Freundchen, auf Sand wirst du baun!
Und du fragst immer aufs neu',
Ob dir dein Liebchen auch treu
Hör nur, von fern singt der Gondolier:
La donna è mobile!
Links ab


VIERTER AUFTRITT
Delacqua, dann Ciboletta, später Barbara mit Enrico

DELACQUA
kommt weinend)
Oh, oh! Barbara, mein Weib, ist mir geraubt worden! Ich war in Murano,
dort habe ich Barbara nicht gefunden! Ich war zu Hause da habe ich sie auch nicht gefunden! Francesco, der Gondoliere, hat gestanden, dass dieser Schurke von Caramello sic entführte! Wo mag sie sein!
ruft
Barbara! Barbara!
Sucht sie unter den Masken

CIBOLETTA
kommt rufend
Pappacoda! Pappacoda!
Wo ist Pappacoda? Ich muss ihm endlich sein Glück verkünden! Er ist ja herzoglicher Leibkoch geworden!
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

DELACQUA
erblickt Ciboletta
Ciboletta, wo ist mein Weib?

CIBOLETTA
Na, das bin ja ich!

DELACQUA
droht ihr mit dem Stock
Du!

CIBOLETTA
Ihr habt mir doch selbst gesagt, dass ich für heute abend Euer Weib bin!

DELACQUA
Dumme Ente, wo ist deine Herrin?

CIBOLETTA
In Murano!

DELACQUA
Da ist sie nicht! Sie ist hier! Ich weiss es!

CIBOLETTA
Na, wenn Ihr es wisst, warum fragt Ihr denn mich?

DELACQUA
ruft
Barbara! Barbara!

CIBOLETTA
für sich
Meine Herrin verrate ich nicht!
Ich will ihn auf falsche Fährte bringen!
aufschreiend
Ha! Ich hab's!

DELACQUA
stürzt zu ihr
Du hast es! Was hast du?!

CIBOLETTA
Ich glaube, Signora Barbara gesehen zu haben!

DELACQUA
Wo? Wo?

CIBOLETTA
Auf der Piazzetta!

DELACQUA
Maskiert?

CIBOLETTA
Ja!

DELACQUA
Wie?

CIBOLETTA
Sie trug...

DELACQUA
Was? Was?

CIBOLETTA
…einen ... einen roten Domino!
beiseite, pfiffig
Ich sage rot, weil sie einen grünen besitzt!

DELACQUA
nimmt sie bei der Hand
So komm und hilf mir suchen!

CIBOLETTA
wehrt sich.
Nein, nein, geht nur allein!

DELACQUA
Du folgst mir oder...
erblickt plötzlich einen roten Domino, stürzt auf ihn zu
Ha! ein roter Domino!
sieht plötzlich einen anderen roten Domino
Ha! Da noch einer!
Eilt jedem roten Domino nach und ruf!
Barbara! Barbara!
Verschwindet unter den Masken

BARBARA
kommt in einem roten Domino mit Enrico von links.
Himmel! Das war mein Mann! Er sucht mich!

ENRICO
erschrocken
Der Onkel! - Rasch verschwinden wir!

BARBARA
So schnell als möglich nach Murano!

CIBOLETTA
kommt, aufschreiend
Signora Barbara!

BARBARA
Ciboletta, du hier?

CIBOLETTA
erschrocken
Und Ihr seid in einem roten Domino? Oh - ich Esel! Messere Delacqua sucht Euch wie eine Stecknadel. Er war in Murano und hat Euch nicht gefunden!

ENRICO
Nun und?

CIBOLETTA
Um ihn von Eurer Fährte abzulenken, sagte ich ihm, Ihr hättet einen roten Domino an, weil ich meinte, Ihr hättet einen grünen an! Nun habt Ihr aber wirklich einen roten an!

BARBARA
ausser sich
Mein Gott, was tun, was tun?!

ENRICO
Nichts einfacher als das! Ihr beide wechselt die Dominos!

BARBARA
Ja, ja, die Idee ist gut!

CIBOLETTA
Glaubt Ihr?
beide wechseln die Dominos

BARBARA
Und jetzt rasch nach Murano! Annina wartet dort auf mich!
will ab

CIBOLETTA
Annina? Die ist ja gar nicht in Murano!

BARBARA
bleibt stehen, sehr überrascht
Nicht in Murano?

CIBOLETTA
Nein, ich habe mit ihr beim Herzog soupiert! Jetzt ist sie mit ihm auf der Piazzetta!

ENRICO
Rasch auf die Piazzetta! Annina soll uns Rede stehen!

BARBARA
Was auch geschehe, Ciboletta, du hast mich nicht gesehen!

CIBOLETTA
Nein, ich habe Sie nicht gesehen!

ENRICO
So wenig wie ich!
eilt mit Barbara fort


FÜNFTER AUFTRITT
Ciboletta. Delacqua. Pappacoda.

CIBOLETTA
allein
Barbara - Annina - Enrico - Delacqua - roter Domino - grüner Domino - Murano - Venedig! Ich weiss nicht mehr, wo mir der Verstand steht. Wenn ich nur Pappacoda fände.
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

DELACQUA
läuft über die Szene, ruft
Barbara! Barbara!
ab

CIBOLETTA
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

PAPPACODA
kommt durch die Menge
Ciboletta! Ciboletta! Cibolet ..
erblickt sie
... ta! Du treuloses Frauenzimmer, finde ich dich endlich? Du Verräterin!

CIBOLETTA
Bist du verrückt?

PAPPACODA
Du, die mir gehört, hast in dem Kostüm, das nicht dir gehört, einen jungen Herzog erhört! Gehört sich das? Unerhört!

CIBOLETTA
Aber, Pappacoda... Pappacodscherl.. Pappagoscherl

PAPPACODA
wütend
Rrrrr!

CIBOLETTA
Sei doch nicht gar so wütend! Ich habe wohl mit dem Herzog soupiert, habe mir auch einige Liebenswürdigkeiten gefallen lassen, aber nur um einen Preis!

PAPPACODA
Um welchen Preis?

CIBOLETTA
Um deine Ernennung zum herzoglichen Oberküchenkellerspeisenmeister!

PAPPACODA
Was? Ich Oberspeisenkellerküchenmeister?

CIBOLETTA
Jawohl und das verdankst du mir!

PAPPACODA
Das verdanke ich dir? Jetzt koche ich dir immer deine Lieblingsspeise!

CIBOLETTA
Ach, du kochst mir ja doch immer nur Stockfisch mit Zwiebeln!

PAPPACODA
Nein! Ich koche dir meine Spezialspeise: Boeuf ä la mode mit Sauce misterioso!

CIBOLETTA
Wie macht man das?


Nr. 16 - Duett

PAPPACODA
Tacke, tacke, tack,
Erst hack ich fein,
Tacke, tacke, tack,
Die Stoffe klein,
Am Herd ein Häferl zischt,
Da wird es drin gemischt!

CIBOLETTA
Tacke, tacke, tack,
Ich hack dabei,
Tacke, tacke, tack,
Noch allerlei,
Ein dunkelfarb'ger Saft,
Sein Inhalt rätselhaft!

PAPPACODA
Wenn's lang genug gerührt,
Wird's sauber durchpassiert
Und endlich im Geschirr serviert!
Man rät, man fragt, was das wohl ist?
Es scheint deliziös,
Doch etwas mysteriös!
Aber wenn man erst gekostet hat,
Schreit begeistert alles: delikat!
Wer hat das entdeckt?

CIBOLETTA
Uje! Das schmeckt!

PAPPACODA
Alles voll Respekt
Die Finger leckt!

BEIDE
Wem der Duft nur in die Nase zieht,
Dem macht's ungeheuren Appetit!

PAPPACODA
Ja, zu solcher Sauce braucht's Genie, Ich mische sie,
Aber fragt nicht wie!

CIBOLETTA
Quirle, quirle, quirl,
Ich sprudle fein,
Quirle, quirle, quirl,
Drei Eier ein
Und röste nun auf Kohl'n
Zwei alte Stiefelsohl'n!

PAPPACODA
Pimperim, pimpim,
Stoss Bröseln dann,
Pimperim, pimpim,
Und schütt sie an!
Mit Butter nicht gespart,
Sonst beisst sich's Leder hart!

CIBOLETTA
Doch solch Boeuf ä la mode
Ziert jede table d'hôte
Auch Pappendeckel tät's zur Not!
Wird's nur garniert recht zierlich, schlau,
Ruft alles erfreut:
Oh, welche Sauberkeit!
Aber wenn man erst gekostet hat
usw. bis Schluss. Beide tanzen ab


SECHSTER AUFTRITT
Der Herzog. Centurio. Ciboletta. Pappacoda.

HERZOG
kommt mit Centurio
Wo mag die reizende Frau nur geblieben sein? Sie verschwand so plötzlich!

CENTURIO
Ich verstehe es auch nicht! Ihr grüner Domino macht sie doch kenntlich!

CIBOLETTA
kommt, zieht Pappacoda hinter sich nach
Der Herzog! Komm, ich werd dich vorstellen!

PAPPACODA
ängstlich
Er wird mich gleich wieder wegstellen.

CIBOLETTA
Euer Hoheit!

HERZOG
nervös
Was gibt es?

CIBOLETTA
Ich habe die Ehre, meinen Bräutigam vorzustellen Ihren neuen Leibkoch!

HERZOG
wie oben
Was geht mich der neue Leibkoch an! Ich habe andere Sachen ins Kopf!
plötzlich
Halt! Weisst du nicht, wo deine Herrin hingeraten ist?

CIBOLETTA
Ach, Herr Herzog meinen Annina? Sie haben meinen Pappacoda zum Oberkoch gemacht, dafür will ich mich Ihnen dankbar zeigen: Das Frauenzimmer, mit welcher wir nachtmahlten, ist nicht Signora Barbara Delacqua, sondern ein Fischermädchen aus Chioggia namens Annina und ist Ihres Leibbarbiers Caramello Liebchen!

HERZOG
wütend
Was?
Zu Centurio
Schaffe mir sogleich Caramello her, tot oder lebendig!
Centurio ab, dann zu Pappacoda und Ciboletta
Packt euch!

CIBOLETTA
jammernd)
Mein Gott,. jetzt ist der Herzog böse!
legt sich mit dem Kopf auf Pappacodas Brust

PAPPACODA
Dumme Gans! Durch dein Geschnatter hast du alles verdorben!

HERZOG
Beruhigt euch, du bist und bleibst mein Leibkoch! Nun aber geht!

PAPPACODA
hoch erfreut
Ich bleibe Leibkoch? Herr Herzig, das ist herzog! Nein, Herr Herzog, das ist herzig! Komm, meine Oberleibköchin!
eilt mit Ciboletta ab

HERZOG
geht wütend auf und ab
Na warte, du Schurke!


SIEBENTER AUFTRITT
Der Herzog. Caramello. Cersturio

CENTURIO
führt Caramello, der sich noch immer ängstlich drücken will.
So, hier ist Seine Hoheit!

CARAMELLO
der es kaum wagt, den Herzog anzublicken, zu Centurio
Ist er sehr böse?

CENTURIO
Sehr!
geht ab

CARAMELLO
ganz leise
Euer Hoheit.

HERZOG
böse
Nur näher!
Caramello geht weiter weg von ihm
Näher!
Caramello noch einige Schritte weiter weg von ihm
Näher!!
da Caramello abermals weiter weggeht, geht der Herzog energisch auf ihn zu
Kennst du ein Fischermädchen namens Annina aus Chioggia?

CARAMELLO
erschrickt, macht ein harmloses Gesicht, als verstünde er nicht
Wie, bitte?

HERZOG
sprudelnd
Kennst du ein Fischermädchen namens Annina aus Chioggia?

CARAMELLO
Nicht dass ich wüsste!

HERZOG
Du kennst sie nicht?

CARAMELLO
Ich kenne keine Annina!

HERZOG
drohend
Du kennst keine Annina!

CARAMELLO
als würde es ihm plötzlich einfallen.
Ah, die Annina die Annina! Hoheit, warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Die Annina! die kenne ich nicht!

HERZOG
Schurke! Elender! Keine Ausflüchte! Ich weiss, Annina ist deine Geliebte!

CARAMELLO
Ach ja, richtig! Die Annina! Jetzt erinnere ich mich! Wo hatte ich nur meinen Kopf?

HERZOG
Deinen Kopf? In einer Schlinge von Hanf wirst du ihn gleich haben, wenn du nicht alles gestehst!

CARAMELLO
Gnade, Hoheit! Gnade!
kniet nieder
Ich war ja selbst betrogen, schämte mich, meine Eselei einzugestehen, und leide seither Qualen der wildesten Eifersucht! Puh!

HERZOG
Du hast auch allen Grund dazu, denn Annina gefällt mir! Ich will sie zu meiner Geliebten machen!

CARAMELLO
erschrocken
Hoheit, tun Sie das nicht!

HERZOG
Vorwärts, hilf mir das Mädchen suchen!
geht nach rückwärts

CARAMELLO
Da hilft nichts ich bring ihn um!

zieht ein Rasiermesser und macht an der Hand die Geste des Schleifens

HERZOG
kommt wieder zu ihm
Was machst du denn da?

CARAMELLO
Das ist eine kleine Generalprobe für das morgige Rasieren!

Hinter der Szene Stimmen und Lachen

HERZOG
Komm, vorwärts!

CARAMELLO
reicht dem Herzog die Hand
Hoheit, sind wir wieder gut!

HERZOG
lacht, klopft ihm auf die Schulter
Wer könnte dir böse sein!

CARAMELLO
vergisst sich, tätschelt dem Herzog auf die Wange
Eben!

Herzog und Caramello links ab


ACHTER AUFTRITT
Annina. Agricola. Senatorsfrauen

ANNINA
kommt mit Agricola und den anderen Frauen
Ihr hättet ihn sehen müssen, wie fad er girrte....
Ihn kopierend
"Ach, schöne Frau", winselte er, "Sie sind so zurückhaltend, so kalt!"

AGRICOLA
Na, und du?

ANNINA
Ich sagte: "Euer Hoheit verstehen eben das Einheizen nicht!"

AGRICOLA
Der Vergleich eines Herzogs mit einem Ofenheizer ist kühn, aber.. .
schnalzt mit den Fingern und schüttelt ihr energisch die Hand
... ich achte dich! Unglaublich! Ein Mann, ein Fürst, der nur so zu machen braucht...
spreizt die fünf Finger der rechten Hand aus

ANNINA
Es gibt eben noch Frauen in Italien, die, wenn er so macht...
macht dieselbe Geste wie Agricola
... ihm so machen!
führt die gespreizten Finger an die Nase und macht so eine "lange Nase"

ALLE
lachend
So!
machen dieselbe Geste


NEUNTER AUFTRITT
Vorige. Herzog und Caramello.

HERZOG
ist mit Caramello von rückwärts aufgetreten, hat die Damen beobachtet, lachend
Ja! So?
macht dieselbe Geste

ALLE
aufschreiend
Oh!
wollen entfliehen

HERZOG
Halt! Bleiben Sie, meine Damen!

ANNINA
verlegen
Hoheit, ich

HERZOG
unterbricht sie
Pst! Seien Sie ganz ruhig. Ziehen wir einen Schleier über die Ereignisse dieses Abends!

CARAMELLO
Bei diesem Schleier wird mir schwarz vor den Augen!
vorwurfsvoll
Annina!

ANNINA
losbrechend
Ah, das geht zu weit!

HERZOG
unterbrechend
Genug davon! Dort naht der grosse Maskenzug! Vergessen wir nicht, dass heut Karneval ist!

Hier fällt rauschend die Musik des Maskenzuges ein, der von rückwärts rechts aufzieht. Die Personen der neunten Szene ziehen sich nach rechts zurück, nehmen in der Loge Platz; Caramello und Annina streiten pantomimisch

Nr. 17 - Finale

Fanfaren ertönen. Dann kommen die Gondolieri mit ihren von Blumen umwundenen Rudern, eine lange Gondel in der bekannten venezianischen Form in der Mitte tragend. Darauf folgen bekannte Sehenswürdigkeiten Venedigs, personifiziert, z. B. der Uhrturm (als grosse, wandelnde Glocke, zu beiden Seiten die männlichen Figuren, die mit mächtigen Hämmern daran schlagen), die Seufzerbrücke (als Bogen, darunter ein liebendes Pärchen) usw.

DELACQUA
hinter der Szene
Haltet sie!

Die Musik geht leise weiter.

ALLE
Was gibt's?

CIBOLETTA
von Delacqua verfolgt, eilt nach rechts vorn.
Helft mir, helft mir! Er will mir die Maske herabreissen!

ALLE
Oho! Maskenfreiheit! Maskenfreiheit!

DELACQUA
Ach was, Maskenfreiheit! Der rote Domino ist meine Frau, meine Barbara!

HERZOG
Ja, wenn es seine Frau ist, muss sie sich demaskieren
zu Caramello
Jetzt werde ich endlich die echte sehen!

CIBOLETTA
nimmt die Maske ab
Ich bin ja die Zofe!

ALLE
lachen
Die Zofe?

DELACQUA
kläglich
Ach da habe ich mich in der Eile vergriffen! Aber wo ist denn meine Barbara?
ruft
Barbara! Barbara!

ALLE
ihn kopierend
Barbara! Barbara!

BARBARA
mit Enrico von links kommend
Hier bin ich, Männchen!

DELACQUA
Wo warst du denn?

HERZOG
Das ist sie also? Allerliebst!

BARBARA
Denke dir, ich hatte eine falsche Gondel bestiegen, Männchen! Vermummte Gondolieri ruderten mich trotz meines Schreiens und Weinens nach dem Lido! Enrico hat mich gerettet!

ALLE
lachend
Enrico?

ENRICO
Ja, ich hörte die Hilferufe und rettete meine schöne Tante!

AGRICOLA
zu Enrico
Enrico ich achte Sie!
schüttelt ihm die Hand

DELACQUA
gerührt
Enrico, Neffe, Retter an mein Herz!

HERZOG
zu Barbara
Sie haben einen Neffen?

BARBARA
Wie alle Tanten, Herr Herzog!

HERZOG
für sich
Blamiert!
laut
Caramello, dein guter Wille gelte für die Tat! Ich mache dich zu meinem Verwalter!

CARAMELLO
Ich habe von Euer Hoheit nichts anderes erwartet!

HERZOG
auf Annina zeigend
Und sie wird meine Verwalterin!

CARAMELLO
Verzeihung, Hoheit, die wird meine Verwalterin!

Der Herzog geht zu Annina, küsst ihr die Hand, Barbara blickt kokett auf den Herzog.

Schlussgesang

ALLE
Alle maskiert, alle maskiert,
Wo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
Ganz ungeniert alle maskiert,
Cospetto, wie amüsant das wird!

Der Vorhang fällt.
DRITTER AKT

Der Markusplatz. im Hintergrund die Markuskirche, vom Monde beleuchtet. Rechts und links Bogengänge. Rechts rückwärts ein Abgang, welcher um den Glockenturm herum nach der Piazzetta führt. Links rückwärts ein Abgang, der unter dem Schwibbogen des Glockenspiels zu den Mercerien führt. Die Vorderbühne von Laternen beleuchtet. Links vorne eine mit Teppichen geschmückte Loge für den Herzog.

ERSTER AUFTRITT

Nr. 14 - Introduktion

Masken tanzen im Hintergrund; rechts rückwärts erschallt verhallend nachfolgende Reminiszenz

MASKENGRUPPEN
vorbeiziehend.
Karneval Ruft uns zum Ball
Er ist Souverän!
Zögert nicht,
Denn was er spricht,
Muss sofort geschehn!
Frisch hinaus zum Markusplatz,
Musik zieht uns voran,
Arm in Arm mit seinem Schatz,
Folgt fröhlich jedermann!


ZWEITER AUFTRITT
Annina. Giboletta. Herzog. Mädchen

Der Herzog kommt mit Annina und Ciboletta; beide tragen stilisierte Taubenkostüme. Aus den Bogengängen kommen einige Mädchen, ebenfalls als Tauben gekleidet

Nr. 14a - Taubenterzett mit Chor

ANNINA, CIBOLETTA
Die Tauben von San Marco
Wem sind sie nicht bekannt?
Die Tauben sind der Liebe,
Des Friedens Unterpfand!
Drum hat vor ihren Wagen
Frau Venus uns gespannt,
Und später hat uns Noah,
Auf Kundschaft ausgesandt!

HERZOG
Wie's in der Bibel stand

ANNINA
Wir eilen pfeilgeschwind
Mit Briefen durch das Land.

CIBOLETTA
Zur Liebesbotschaft sind
Wir immer gern zur Hand!

HERZOG
Drum ward euch zur Belohnung
Hier Wohnung und auch Schonung
Für immer zuerkannt!

ANNINA, CIBOLETTA
Ein gutes Beispiel geben wir
Für jedes Liebespaar!
In Eintracht leben wir
Und schnäbeln immerdar!

HERZOG
O süsse Schnäbelei,
Wie gern bin ich dabei
Drum reicht mir eure
Schnäbel alle zwei!

BEIDE
In Liebesseligkeit,
Vereint in Zärtlichkeit,
Stets sanft und hold und zart
Nach Taubenart!

HERZOG
In Liebesseligkeit,
Vereint in Zärtlichkeit,
Stets sanft und hold und zart
Nach Taubenart!

Die Mädchen begleiten den Refrain mit einem die Tauben imitierenden Gurren. Nach dem Ensemble "flattern" die Tauben nach rückwärts davon; der Herzog mit Annina und Ciboletta links vorn ab.


DRITTER AUFTRITT
Caramello

CARAMELLO
kommt von rechts rückwärts, blickt traurig dem Herzog nach
Da zieht er hin, der Herzog, mit Annina am Arm - und ich habe das Nachsehen!
O Weibertreue! Weibertreue!

Nr. 15 - Lagunen-Walzer

CARAMELLO
Ach, wie so herrlich zu schaun
Sind all die reizenden Fraun,
Doch willst do einer vertraun,
Dann, Freundchen, auf Sand wirst du baun!
Rasch, wie die Wellen entfliehn,
Flüchtig, wie Wolken dort ziehn,
Treibt ihr beweglicher Sinn
Sie bald her, bald hin!
Wie sie schmeicheln,
Liebe heucheln,
Uns durch Tränen
Schnell versöhnen!
Ob sie schmollen
Oder grollen:
Wie des Herzens Stimme spricht,
Errätst du nicht!
Doch ich will nicht länger klagen,
Nicht cosi an tutte sagen,
Denn es gibt noch süsse Frauen,
Die uns Paradiese bauen!
Reich belohnt ist unser Lieben,
Wenn nur eine treu geblieben.
Treue, schönes, süsses Wort
Der Liebe sichrer Hort!
Nachts die Wellen leise rauschen,
Mädchen an den Fenstern lauschen,
Gondeln gleiten hin und wieder,
Rings ertönen sanfte Lieder,
Hell am dunklen Himmelsbogen,
Kommt der Stern der Lieb' gezogen!
Leuchte mild darein
Und lass sie selig sein!
Ach, wie so herrlich zu schaun
Sind all die lieblichen Fraun,
Doch willst du einer vertraun,
Dann, Freundchen, auf Sand wirst du baun!
Und du fragst immer aufs neu',
Ob dir dein Liebchen auch treu
Hör nur, von fern singt der Gondolier:
La donna è mobile!
Links ab


VIERTER AUFTRITT
Delacqua, dann Ciboletta, später Barbara mit Enrico

DELACQUA
kommt weinend)
Oh, oh! Barbara, mein Weib, ist mir geraubt worden! Ich war in Murano,
dort habe ich Barbara nicht gefunden! Ich war zu Hause da habe ich sie auch nicht gefunden! Francesco, der Gondoliere, hat gestanden, dass dieser Schurke von Caramello sic entführte! Wo mag sie sein!
ruft
Barbara! Barbara!
Sucht sie unter den Masken

CIBOLETTA
kommt rufend
Pappacoda! Pappacoda!
Wo ist Pappacoda? Ich muss ihm endlich sein Glück verkünden! Er ist ja herzoglicher Leibkoch geworden!
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

DELACQUA
erblickt Ciboletta
Ciboletta, wo ist mein Weib?

CIBOLETTA
Na, das bin ja ich!

DELACQUA
droht ihr mit dem Stock
Du!

CIBOLETTA
Ihr habt mir doch selbst gesagt, dass ich für heute abend Euer Weib bin!

DELACQUA
Dumme Ente, wo ist deine Herrin?

CIBOLETTA
In Murano!

DELACQUA
Da ist sie nicht! Sie ist hier! Ich weiss es!

CIBOLETTA
Na, wenn Ihr es wisst, warum fragt Ihr denn mich?

DELACQUA
ruft
Barbara! Barbara!

CIBOLETTA
für sich
Meine Herrin verrate ich nicht!
Ich will ihn auf falsche Fährte bringen!
aufschreiend
Ha! Ich hab's!

DELACQUA
stürzt zu ihr
Du hast es! Was hast du?!

CIBOLETTA
Ich glaube, Signora Barbara gesehen zu haben!

DELACQUA
Wo? Wo?

CIBOLETTA
Auf der Piazzetta!

DELACQUA
Maskiert?

CIBOLETTA
Ja!

DELACQUA
Wie?

CIBOLETTA
Sie trug...

DELACQUA
Was? Was?

CIBOLETTA
…einen ... einen roten Domino!
beiseite, pfiffig
Ich sage rot, weil sie einen grünen besitzt!

DELACQUA
nimmt sie bei der Hand
So komm und hilf mir suchen!

CIBOLETTA
wehrt sich.
Nein, nein, geht nur allein!

DELACQUA
Du folgst mir oder...
erblickt plötzlich einen roten Domino, stürzt auf ihn zu
Ha! ein roter Domino!
sieht plötzlich einen anderen roten Domino
Ha! Da noch einer!
Eilt jedem roten Domino nach und ruf!
Barbara! Barbara!
Verschwindet unter den Masken

BARBARA
kommt in einem roten Domino mit Enrico von links.
Himmel! Das war mein Mann! Er sucht mich!

ENRICO
erschrocken
Der Onkel! - Rasch verschwinden wir!

BARBARA
So schnell als möglich nach Murano!

CIBOLETTA
kommt, aufschreiend
Signora Barbara!

BARBARA
Ciboletta, du hier?

CIBOLETTA
erschrocken
Und Ihr seid in einem roten Domino? Oh - ich Esel! Messere Delacqua sucht Euch wie eine Stecknadel. Er war in Murano und hat Euch nicht gefunden!

ENRICO
Nun und?

CIBOLETTA
Um ihn von Eurer Fährte abzulenken, sagte ich ihm, Ihr hättet einen roten Domino an, weil ich meinte, Ihr hättet einen grünen an! Nun habt Ihr aber wirklich einen roten an!

BARBARA
ausser sich
Mein Gott, was tun, was tun?!

ENRICO
Nichts einfacher als das! Ihr beide wechselt die Dominos!

BARBARA
Ja, ja, die Idee ist gut!

CIBOLETTA
Glaubt Ihr?
beide wechseln die Dominos

BARBARA
Und jetzt rasch nach Murano! Annina wartet dort auf mich!
will ab

CIBOLETTA
Annina? Die ist ja gar nicht in Murano!

BARBARA
bleibt stehen, sehr überrascht
Nicht in Murano?

CIBOLETTA
Nein, ich habe mit ihr beim Herzog soupiert! Jetzt ist sie mit ihm auf der Piazzetta!

ENRICO
Rasch auf die Piazzetta! Annina soll uns Rede stehen!

BARBARA
Was auch geschehe, Ciboletta, du hast mich nicht gesehen!

CIBOLETTA
Nein, ich habe Sie nicht gesehen!

ENRICO
So wenig wie ich!
eilt mit Barbara fort


FÜNFTER AUFTRITT
Ciboletta. Delacqua. Pappacoda.

CIBOLETTA
allein
Barbara - Annina - Enrico - Delacqua - roter Domino - grüner Domino - Murano - Venedig! Ich weiss nicht mehr, wo mir der Verstand steht. Wenn ich nur Pappacoda fände.
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

DELACQUA
läuft über die Szene, ruft
Barbara! Barbara!
ab

CIBOLETTA
ruft
Pappacoda! Pappacoda!

PAPPACODA
kommt durch die Menge
Ciboletta! Ciboletta! Cibolet ..
erblickt sie
... ta! Du treuloses Frauenzimmer, finde ich dich endlich? Du Verräterin!

CIBOLETTA
Bist du verrückt?

PAPPACODA
Du, die mir gehört, hast in dem Kostüm, das nicht dir gehört, einen jungen Herzog erhört! Gehört sich das? Unerhört!

CIBOLETTA
Aber, Pappacoda... Pappacodscherl.. Pappagoscherl

PAPPACODA
wütend
Rrrrr!

CIBOLETTA
Sei doch nicht gar so wütend! Ich habe wohl mit dem Herzog soupiert, habe mir auch einige Liebenswürdigkeiten gefallen lassen, aber nur um einen Preis!

PAPPACODA
Um welchen Preis?

CIBOLETTA
Um deine Ernennung zum herzoglichen Oberküchenkellerspeisenmeister!

PAPPACODA
Was? Ich Oberspeisenkellerküchenmeister?

CIBOLETTA
Jawohl und das verdankst du mir!

PAPPACODA
Das verdanke ich dir? Jetzt koche ich dir immer deine Lieblingsspeise!

CIBOLETTA
Ach, du kochst mir ja doch immer nur Stockfisch mit Zwiebeln!

PAPPACODA
Nein! Ich koche dir meine Spezialspeise: Boeuf ä la mode mit Sauce misterioso!

CIBOLETTA
Wie macht man das?


Nr. 16 - Duett

PAPPACODA
Tacke, tacke, tack,
Erst hack ich fein,
Tacke, tacke, tack,
Die Stoffe klein,
Am Herd ein Häferl zischt,
Da wird es drin gemischt!

CIBOLETTA
Tacke, tacke, tack,
Ich hack dabei,
Tacke, tacke, tack,
Noch allerlei,
Ein dunkelfarb'ger Saft,
Sein Inhalt rätselhaft!

PAPPACODA
Wenn's lang genug gerührt,
Wird's sauber durchpassiert
Und endlich im Geschirr serviert!
Man rät, man fragt, was das wohl ist?
Es scheint deliziös,
Doch etwas mysteriös!
Aber wenn man erst gekostet hat,
Schreit begeistert alles: delikat!
Wer hat das entdeckt?

CIBOLETTA
Uje! Das schmeckt!

PAPPACODA
Alles voll Respekt
Die Finger leckt!

BEIDE
Wem der Duft nur in die Nase zieht,
Dem macht's ungeheuren Appetit!

PAPPACODA
Ja, zu solcher Sauce braucht's Genie, Ich mische sie,
Aber fragt nicht wie!

CIBOLETTA
Quirle, quirle, quirl,
Ich sprudle fein,
Quirle, quirle, quirl,
Drei Eier ein
Und röste nun auf Kohl'n
Zwei alte Stiefelsohl'n!

PAPPACODA
Pimperim, pimpim,
Stoss Bröseln dann,
Pimperim, pimpim,
Und schütt sie an!
Mit Butter nicht gespart,
Sonst beisst sich's Leder hart!

CIBOLETTA
Doch solch Boeuf ä la mode
Ziert jede table d'hôte
Auch Pappendeckel tät's zur Not!
Wird's nur garniert recht zierlich, schlau,
Ruft alles erfreut:
Oh, welche Sauberkeit!
Aber wenn man erst gekostet hat
usw. bis Schluss. Beide tanzen ab


SECHSTER AUFTRITT
Der Herzog. Centurio. Ciboletta. Pappacoda.

HERZOG
kommt mit Centurio
Wo mag die reizende Frau nur geblieben sein? Sie verschwand so plötzlich!

CENTURIO
Ich verstehe es auch nicht! Ihr grüner Domino macht sie doch kenntlich!

CIBOLETTA
kommt, zieht Pappacoda hinter sich nach
Der Herzog! Komm, ich werd dich vorstellen!

PAPPACODA
ängstlich
Er wird mich gleich wieder wegstellen.

CIBOLETTA
Euer Hoheit!

HERZOG
nervös
Was gibt es?

CIBOLETTA
Ich habe die Ehre, meinen Bräutigam vorzustellen Ihren neuen Leibkoch!

HERZOG
wie oben
Was geht mich der neue Leibkoch an! Ich habe andere Sachen ins Kopf!
plötzlich
Halt! Weisst du nicht, wo deine Herrin hingeraten ist?

CIBOLETTA
Ach, Herr Herzog meinen Annina? Sie haben meinen Pappacoda zum Oberkoch gemacht, dafür will ich mich Ihnen dankbar zeigen: Das Frauenzimmer, mit welcher wir nachtmahlten, ist nicht Signora Barbara Delacqua, sondern ein Fischermädchen aus Chioggia namens Annina und ist Ihres Leibbarbiers Caramello Liebchen!

HERZOG
wütend
Was?
Zu Centurio
Schaffe mir sogleich Caramello her, tot oder lebendig!
Centurio ab, dann zu Pappacoda und Ciboletta
Packt euch!

CIBOLETTA
jammernd)
Mein Gott,. jetzt ist der Herzog böse!
legt sich mit dem Kopf auf Pappacodas Brust

PAPPACODA
Dumme Gans! Durch dein Geschnatter hast du alles verdorben!

HERZOG
Beruhigt euch, du bist und bleibst mein Leibkoch! Nun aber geht!

PAPPACODA
hoch erfreut
Ich bleibe Leibkoch? Herr Herzig, das ist herzog! Nein, Herr Herzog, das ist herzig! Komm, meine Oberleibköchin!
eilt mit Ciboletta ab

HERZOG
geht wütend auf und ab
Na warte, du Schurke!


SIEBENTER AUFTRITT
Der Herzog. Caramello. Cersturio

CENTURIO
führt Caramello, der sich noch immer ängstlich drücken will.
So, hier ist Seine Hoheit!

CARAMELLO
der es kaum wagt, den Herzog anzublicken, zu Centurio
Ist er sehr böse?

CENTURIO
Sehr!
geht ab

CARAMELLO
ganz leise
Euer Hoheit.

HERZOG
böse
Nur näher!
Caramello geht weiter weg von ihm
Näher!
Caramello noch einige Schritte weiter weg von ihm
Näher!!
da Caramello abermals weiter weggeht, geht der Herzog energisch auf ihn zu
Kennst du ein Fischermädchen namens Annina aus Chioggia?

CARAMELLO
erschrickt, macht ein harmloses Gesicht, als verstünde er nicht
Wie, bitte?

HERZOG
sprudelnd
Kennst du ein Fischermädchen namens Annina aus Chioggia?

CARAMELLO
Nicht dass ich wüsste!

HERZOG
Du kennst sie nicht?

CARAMELLO
Ich kenne keine Annina!

HERZOG
drohend
Du kennst keine Annina!

CARAMELLO
als würde es ihm plötzlich einfallen.
Ah, die Annina die Annina! Hoheit, warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Die Annina! die kenne ich nicht!

HERZOG
Schurke! Elender! Keine Ausflüchte! Ich weiss, Annina ist deine Geliebte!

CARAMELLO
Ach ja, richtig! Die Annina! Jetzt erinnere ich mich! Wo hatte ich nur meinen Kopf?

HERZOG
Deinen Kopf? In einer Schlinge von Hanf wirst du ihn gleich haben, wenn du nicht alles gestehst!

CARAMELLO
Gnade, Hoheit! Gnade!
kniet nieder
Ich war ja selbst betrogen, schämte mich, meine Eselei einzugestehen, und leide seither Qualen der wildesten Eifersucht! Puh!

HERZOG
Du hast auch allen Grund dazu, denn Annina gefällt mir! Ich will sie zu meiner Geliebten machen!

CARAMELLO
erschrocken
Hoheit, tun Sie das nicht!

HERZOG
Vorwärts, hilf mir das Mädchen suchen!
geht nach rückwärts

CARAMELLO
Da hilft nichts ich bring ihn um!

zieht ein Rasiermesser und macht an der Hand die Geste des Schleifens

HERZOG
kommt wieder zu ihm
Was machst du denn da?

CARAMELLO
Das ist eine kleine Generalprobe für das morgige Rasieren!

Hinter der Szene Stimmen und Lachen

HERZOG
Komm, vorwärts!

CARAMELLO
reicht dem Herzog die Hand
Hoheit, sind wir wieder gut!

HERZOG
lacht, klopft ihm auf die Schulter
Wer könnte dir böse sein!

CARAMELLO
vergisst sich, tätschelt dem Herzog auf die Wange
Eben!

Herzog und Caramello links ab


ACHTER AUFTRITT
Annina. Agricola. Senatorsfrauen

ANNINA
kommt mit Agricola und den anderen Frauen
Ihr hättet ihn sehen müssen, wie fad er girrte....
Ihn kopierend
"Ach, schöne Frau", winselte er, "Sie sind so zurückhaltend, so kalt!"

AGRICOLA
Na, und du?

ANNINA
Ich sagte: "Euer Hoheit verstehen eben das Einheizen nicht!"

AGRICOLA
Der Vergleich eines Herzogs mit einem Ofenheizer ist kühn, aber.. .
schnalzt mit den Fingern und schüttelt ihr energisch die Hand
... ich achte dich! Unglaublich! Ein Mann, ein Fürst, der nur so zu machen braucht...
spreizt die fünf Finger der rechten Hand aus

ANNINA
Es gibt eben noch Frauen in Italien, die, wenn er so macht...
macht dieselbe Geste wie Agricola
... ihm so machen!
führt die gespreizten Finger an die Nase und macht so eine "lange Nase"

ALLE
lachend
So!
machen dieselbe Geste


NEUNTER AUFTRITT
Vorige. Herzog und Caramello.

HERZOG
ist mit Caramello von rückwärts aufgetreten, hat die Damen beobachtet, lachend
Ja! So?
macht dieselbe Geste

ALLE
aufschreiend
Oh!
wollen entfliehen

HERZOG
Halt! Bleiben Sie, meine Damen!

ANNINA
verlegen
Hoheit, ich

HERZOG
unterbricht sie
Pst! Seien Sie ganz ruhig. Ziehen wir einen Schleier über die Ereignisse dieses Abends!

CARAMELLO
Bei diesem Schleier wird mir schwarz vor den Augen!
vorwurfsvoll
Annina!

ANNINA
losbrechend
Ah, das geht zu weit!

HERZOG
unterbrechend
Genug davon! Dort naht der grosse Maskenzug! Vergessen wir nicht, dass heut Karneval ist!

Hier fällt rauschend die Musik des Maskenzuges ein, der von rückwärts rechts aufzieht. Die Personen der neunten Szene ziehen sich nach rechts zurück, nehmen in der Loge Platz; Caramello und Annina streiten pantomimisch

Nr. 17 - Finale

Fanfaren ertönen. Dann kommen die Gondolieri mit ihren von Blumen umwundenen Rudern, eine lange Gondel in der bekannten venezianischen Form in der Mitte tragend. Darauf folgen bekannte Sehenswürdigkeiten Venedigs, personifiziert, z. B. der Uhrturm (als grosse, wandelnde Glocke, zu beiden Seiten die männlichen Figuren, die mit mächtigen Hämmern daran schlagen), die Seufzerbrücke (als Bogen, darunter ein liebendes Pärchen) usw.

DELACQUA
hinter der Szene
Haltet sie!

Die Musik geht leise weiter.

ALLE
Was gibt's?

CIBOLETTA
von Delacqua verfolgt, eilt nach rechts vorn.
Helft mir, helft mir! Er will mir die Maske herabreissen!

ALLE
Oho! Maskenfreiheit! Maskenfreiheit!

DELACQUA
Ach was, Maskenfreiheit! Der rote Domino ist meine Frau, meine Barbara!

HERZOG
Ja, wenn es seine Frau ist, muss sie sich demaskieren
zu Caramello
Jetzt werde ich endlich die echte sehen!

CIBOLETTA
nimmt die Maske ab
Ich bin ja die Zofe!

ALLE
lachen
Die Zofe?

DELACQUA
kläglich
Ach da habe ich mich in der Eile vergriffen! Aber wo ist denn meine Barbara?
ruft
Barbara! Barbara!

ALLE
ihn kopierend
Barbara! Barbara!

BARBARA
mit Enrico von links kommend
Hier bin ich, Männchen!

DELACQUA
Wo warst du denn?

HERZOG
Das ist sie also? Allerliebst!

BARBARA
Denke dir, ich hatte eine falsche Gondel bestiegen, Männchen! Vermummte Gondolieri ruderten mich trotz meines Schreiens und Weinens nach dem Lido! Enrico hat mich gerettet!

ALLE
lachend
Enrico?

ENRICO
Ja, ich hörte die Hilferufe und rettete meine schöne Tante!

AGRICOLA
zu Enrico
Enrico ich achte Sie!
schüttelt ihm die Hand

DELACQUA
gerührt
Enrico, Neffe, Retter an mein Herz!

HERZOG
zu Barbara
Sie haben einen Neffen?

BARBARA
Wie alle Tanten, Herr Herzog!

HERZOG
für sich
Blamiert!
laut
Caramello, dein guter Wille gelte für die Tat! Ich mache dich zu meinem Verwalter!

CARAMELLO
Ich habe von Euer Hoheit nichts anderes erwartet!

HERZOG
auf Annina zeigend
Und sie wird meine Verwalterin!

CARAMELLO
Verzeihung, Hoheit, die wird meine Verwalterin!

Der Herzog geht zu Annina, küsst ihr die Hand, Barbara blickt kokett auf den Herzog.

Schlussgesang

ALLE
Alle maskiert, alle maskiert,
Wo Spass, wo Tollheit und Lust regiert!
Ganz ungeniert alle maskiert,
Cospetto, wie amüsant das wird!

Der Vorhang fällt.



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