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In dem breiten Fenster erscheint Klytämnestra. Ihr fahles, gedunsenes Gesicht, in dem grellen Licht der Fackeln, erscheint noch bleicher über dem scharlachroten Gewand. Sie stützt sich auf eine Vertraute, die dunkelviolett gekleidet ist, und auf einen elfenbeinernen, mit Edelsteinen geschmückten Stab. Eine gelbe Gestalt, mit zurückgekämmtem schwarzem Haar, einer Egypterin ähnlich, mit glattem Gesicht einer aufgerichteten Schlange gleichend, trägt ihr die Schleppe. Die Königin ist über und über bedeckt mit Edelsteinen und Talismanen, die Arme sind voll von Reifen, ihre Finger starren von Ringen. Die Lider ihrer Augen scheinen übermässig gross und es scheint ihr eine furchtbare Anstrengung zu kosten, sie offen zu halten. Elektra richtet sich hoch auf. Klytämnestra öffnet jäh die Augen, zitternd vor Zorn tritt sie ans Fenster und zeigt mit dem Stock auf Elektra

KLYTÄMNESTRA
Was willst du? Seht doch, dort! so seht doch das!
Wie es sich aufbäumt mit geblähtem Hals
und nach mir züngelt! und das lass ich frei
in meinem Hause laufen!
Wenn sie mich mit ihren Blicken töten könnte!
O Götter, warum liegt ihr so auf mir?
Warum verwüstet ihr mich so? warum
muss meine Kraft in mir gelähmt sein, warum
bin ich lebendigen Leibes wie ein wüstes
Gefild und diese Nessel wächst aus mir
heraus, und ich hab' nicht die Kraft zu jäten!
Warum geschieht mir das, ihr ew'gen Götter?

ELEKTRA
Die Götter! bist doch selber eine Göttin!
bist, was sie sind.

KLYTÄMNESTRA
Habt ihr gehört? habt ihr
verstanden, was sie redet?

DIE VERTRAUTE
Dass auch du
vom Stamm der Götter bist.

DIE SCHLEPPENTRÄGERIN
zischend:
Sie meint es tückisch.

KLYTÄMNESTRA
Klytämnestras schwere Augenlider fallen zu
Das klingt mir so bekannt. Und nur als hätt ich's
vergessen, lang und lang. Sie kennt mich gut.
Doch weiss man nie, was sie im Schilde führt.

Die Vertraute und die Schleppträgerin
flüstern miteinander

ELEKTRA
nähert sich langsam Klytämnestra
Du bist nicht mehr du selber. Das Gewürm
hängt immerfort um dich. Was sie ins Ohr
dir zischen, trennt dein Denken fort und fort
entzwei, so gehst du hin im Taumel, immer
bist du als wie im Traum.

KLYTÄMNESTRA
Ich will hinunter.
Lasst, lasst, ich will mit ihr reden.
Sie geht vom Fenster weg und erscheint mit ihren Begleiterinnen in der Türe von der Türschwelle aus
Sie ist heute
nicht widerlich. Sie redet wie ein Arzt.

DIE VERTRAUTE
Sie redet
nicht, wie sie's meint.

DIE SCHLEPPENTRÄGERIN
Ein jedes Wort ist Falschheit.

KLYTÄMNESTRA
auffahrend
Ich will nichts hören. Was aus euch herauskommt,
ist nur der Atem des Aegisth.
Und wenn ich nachts euch wekke, redet ihr
nicht jede etwas andres? Schreist nicht du,
dass meine Augenlider angeschwollen
und meine Leber krank ist, und winselst
nicht du ins andre Ohr, dass du Dämonen
gesehen hast mit langen spitzen Schnäbeln,
die mir das Blut aussagen? zeigst du nicht
die Spuren mir an meinem Fleisch, und folg' ich
dir nicht und schlachte, schlachte, schlachte Opfer
um Opfer? Zerrt ihr mich mit euren Reden
und Gegenreden nicht zu Tod? Ich will nicht
mehr hören: das ist wahr und das ist Lüge.
Was die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.
Wenn sie zu mir redet, was mich zu hören freut,
so will ich horchen, auf was sie redet.
Wenn einer etwas Angenehmes sagt,
und wär' es meine Tochter, wär es die da,
will ich von meiner Seele alle Hüllen
abstreifen und das Fächeln sanfter Luft,
von wo es kommen mag, einlassen, wie
die Kranken tun, wenn sie der kühlen Luft,
am Teiche sitzend, abends ihre Beulen
und all ihr Eiterndes der kühlen Luft
preisgeben abends, und nichts andres denken,
als Linderung zu schaffen.
Lasst mich allein mit ihr.


Ungeduldig weist sie mit dem Stock die Vertraute und die Schleppträgerin ins Haus. Diese verschwinden zögernd in der Tür. Auch die Fackeln verschwinden und nur aus dem Innern des Hauses fällt ein schwacher Schein durch den Flur auf den Hof und streift hie und da die Gestalten der beiden Frauen Klytämnestra kommt herab

KLYTÄMNESTRA
Ich habe keine guten Nächte. Weisst du
kein Mittel gegen Träume?

ELEKTRA
näher rückend
Träumst du, Mutter?

KLYTÄMNESTRA
Wer älter wird, der träumt. Allein es lässt sich
vertreiben. Es gibt Bräuche.
Es muss für alles richtige Bräuche geben.
Darum bin ich so
behängt mit Steinen. Denn es wohnt in jedem
ganz sicher eine Kraft. Man muss nur wissen,
wie man sie nützen kann. Wenn du nur wolltest,
du könntest etwas sagen, das mir nützt.

ELEKTRA
Ich, Mutter, ich?

KLYTÄMNESTRA
Ja, du! denn du bist klug.
In deinem Kopf ist alles stark.
Du könntest vieles sagen, was mir nützt.
Wenn auch ein Wort nichts weiter ist! Was ist denn
ein Hauch! und doch kriecht zwischen Tag und Nacht,
wenn ich mit offnen Augen lieg', ein Etwas
hin über mich, es ist kein Wort, es ist
kein Schmerz, es drückt mich nicht, es würgt mich nicht,
nichts ist es, nicht einmal ein Alp, und dennoch
es ist so fürchterlich, dass meine Seele
sich wünscht, erhängt zu sein, und jedes Glied
in mir schreit nach dem Tod, und dabei leb' ich
und bin nicht einmal krank; du siehst mich doch:
seh' ich wie eine Kranke? Kann man denn
vergehn, lebend, wie ein faules Aas?
kann man zerfallen, wenn man garnicht krank ist?
zerfallen wachen Sinnes, wie ein Kleid,
zerfressen von den Motten? Und dann schlaf' ich
und träume, träume! dass sich mir das Mark
in den Knochen löst, und taumle wieder auf,
und nicht der zehnte Teil der Wasseruhr
ist abgelaufen, und was unter'm Vorhang
hereingrinst, ist noch nicht der fahle Morgen, nein,
immer noch die Fackel vor der Tür,
die grässlich zuckt wie ein Lebendiges
und meinen Schlaf belauert.
Diese Träume müssen
ein Ende haben. Wer sie immer schickt:
ein jeder Dämon lässt von uns, sobald
das rechte Blut geflossen ist.

ELEKTRA
Ein jeder!

KLYTÄMNESTRA
Und müsst' ich jedes Tier, das kriecht und fliegt,
zur Ader lassen und im Dampf des Blutes
aufsteh'n und schlafen gehn wie die Völker
des letzten Thule in blutroten Nebel:
ich will nicht länger träumen.

ELEKTRA
Wenn das rechte
Blutopfer unter'm Beile fällt, dann träumst du
nicht länger.

KLYTÄMNESTRA
Also wüsstest du, mit welchem
geweihten Tier --

ELEKTRA
Mit einem ungeweihten!

KLYTÄMNESTRA
Das drin gebunden liegt?

ELEKTRA
Nein! es läuft frei.

KLYTÄMNESTRA
Und was für Bräuche?

ELEKTRA
Wunderbare Bräuche,
und sehr genau zu üben.

KLYTÄMNESTRA
Rede doch!

ELEKTRA
Kannst du mich nicht erraten?

KLYTÄMNESTRA
Nein, darum frag' ich.
Den Namen sag des Opfertiers.

ELEKTRA
Ein Weib.

KLYTÄMNESTRA
hastig
Von meinen Dienerinnen eine sag!
ein Kind? ein jungfäuliches Weib? ein Weib,
das schon erkannt vom Manne?

ELEKTRA
Ja! erkannt!
das ist's!

KLYTÄMNESTRA
Und wie das Opfer? und welche Stunde,
und wo?

ELEKTRA
An jedem Ort, zu jeder Stunde
des Tags und der Nacht.

KLYTÄMNESTRA
Die Bräuche sag!
Wie brächt' ich's dar? ich selber muss --

ELEKTRA
Nein. Diesmal
gehst du nicht auf die Jagd mit Netz und mit Beil.

KLYTÄMNESTRA
Wer denn? wer brächt es dar?

ELEKTRA
Ein Mann.

KLYTÄMNESTRA
Aegisth?

ELEKTRA
lacht:
Ich sagte doch: ein Mann!

KLYTÄMNESTRA
Wer? gib mir Antwort.
Vom Hause jemand? oder muss ein Fremder
herbei?

ELEKTRA
zu Boden stierend, wie abwesend:
Ja, ja, ein Fremder. Aber freilich
ist er vom Haus.

KLYTÄMNESTRA
Gib mir nicht Rätsel auf.
Elektra, hör mich an. Ich freue mich,
dass ich dich heut einmal nicht störrisch finde.

ELEKTRA
Lässt du den Bruder nicht nach Hause, Mutter?

KLYTÄMNESTRA
Von ihm zu reden hab' ich dir verboten.

ELEKTRA
So hast du Furcht vor ihm?

KLYTÄMNESTRA
Wer sagt das?

ELEKTRA
Mutter,
du zitterst ja!

KLYTÄMNESTRA
Wer fürchtet sich
vor einem Schwachsinnigen.

ELEKTRA
Wie?

KLYTÄMNESTRA
Es heisst,
er stammelt, liegt im Hofe bei den Hunden
und weiss nicht Mensch und Tier zu unterscheiden.

ELEKTRA
Das Kind war ganz gesund.

KLYTÄMNESTRA
Es heisst, sie gaben
ihm schlechte Wohnung und Tiere
des Hofes zur Gesellschaft.

ELEKTRA
Ah!

KLYTÄMNESTRA
mit gesenkten Augenlidern
Ich schickte
viel Gold und wieder Gold, sie sollten ihn
gut halten als ein Königskind.

ELEKTRA
Du lügst!
Du schicktest Gold, damit sie ihn erwürgen.

KLYTÄMNESTRA
Wer sagt dir das?

ELEKTRA
Ich seh's an deinen Augen.
Allein an deinem Zittern seh' ich auch,
dass er noch lebt. Dass du bei Tag und Nacht
an nichts denkst als an ihn. Dass dir das Herz
verdorrt vor Grauen, weil du weisst: er kommt.

KLYTÄMNESTRA
Was kümmert mich, wer ausser Haus ist.
Ich lebe hier und bin die Herrin. Diener
hab ich genug, die Tore zu bewachen,
und wenn ich will, lass ich bei Tag und Nacht
vor meiner Kammer drei Bewaffnete
mit offenen Augen sitzen. Und aus dir
bring' ich so oder so das rechte Wort
schon an den Tag. Du hast dich schon verraten,
dass du das rechte Opfer weisst und auch
die Bräuche, die mir nützen. Sagst du's nicht
im Freien, wirst du's an der Kette sagen.
Sagst du nicht satt, so sagst du's hungernd. Träume
sind etwas, das man los wird. Wer dran leidet
und nicht das Mittel findet, sich zu heilen,
ist nur ein Narr. Ich finde mir heraus,
wer bluten muss, damit ich wieder schlafe.

ELEKTRA
mit einem Sprung aus dem Dunkel auf sie zu, immer näheran ihr, immer furchtbarer anwachsend:
Was bluten muss? Dein eigenes Genick,
wenn dich der Jäger abgefangen hat!
Ich hör ihn durch die Zimmer gehn, ich hör ihn
den Vorhang von dem Bette heben:
Wer schlachtet
ein Opfertier im Schlaf! Er jagt dich auf,
schreiend entfliehst du. Aber er, er ist hinterdrein,
er treibt dich durch das Haus! willst du nach rechts,
da steht das Bett! nach links, da schäumt das Bad
wie Blut! das Dunkel und die Fakkeln werfen
schwarzrote Todesnetze über dich --

KLYTÄMNESTRA
von sprachlosem Grauen geschüttelt
Hinab die Treppen durch Gewölbe hin,
Gewölbe und Gewölbe geht die Jagd
Und ich, ich, ich, ich, ich, die ihn dir geschickt,
ich bin wie ein Hund an deiner Ferse, willst du
in eine Höhle, spring ich dich von seitwärts
an. So treiben wir dich fort, bis eine Mauer
Alles sperrt, und dort -- im tiefsten Dunkel,
doch ich seh ihn wohl, ein Schatten, und doch Glieder
und das Weisse von einem Auge doch, da sitzt
der Vater, er achtet's nicht, und doch muss es geschehn,
zu seinen Füssen drücken wir dich hin.
Du möchtest schreien, doch die Luft erwürgt
den ungebornen Schrei und lässt ihn lautlos
zu Boden fallen, wie von Sinnen hälst du
den Nacken hin, fühlst schon die Schärfe zukken
bis an den Sitz des Lebens, doch er hält
den Schlag zurück: die Bräuche sind noch nicht erfüllt.
alles schweigt, du hörst dein eignes Herz
an deinen Rippen schlagen: diese Zeit
 -- sie dehnt sich vor dir wie ein finstrer Schlund
von Jahren -- diese Zeit ist dir gegeben
zu ahnen, wie es Scheiternden zu Mute ist,
wenn ihr vergebliches Geschrei die Schwärze
der Wolken und des Tods zerfrisst, diese Zeit
ist dir gegeben, alle zu beneiden,
die angeschmiedet sind an Kerkermauern,
die auf dem Grund von Brunnen nach dem Tod
als wie nach Erlösung schrei'n -- denn du,
du liegst in deinem Selbst so eingekerkert,
als wär's der glühnde Bauch von einem Tier
von Erz -- und so wie jetzt kannst du nicht schrein!
da steh' ich
vor dir, und nun liest du mit starrem Aug'
das ungeheure Wort, das mir in mein
Gesicht geschrieben ist:
erhängt ist dir die Seele in der selbst-
gedrehten Schlinge, sausend fällt das Beil,
und ich steh' da und seh' dich endlich sterben!
Dann träumst du nicht mehr, dann brauche ich
nicht mehr zu träumen, und wer dann noch lebt,
der jauchzt und kann sich seines Lebens freun!

Sie stehn einander, Elektra in wilder Trunkenheit, Klytämnestra grässlich atmend vor Angst, Aug' in Aug'. In diesen Augenblick erhellt sich die Hausflur. die Vertraute kommt hergelaufen. Sie flüstert Klytämnestra etwas ins Ohr. Diese scheint erst nicht recht zu verstehen. Allmählich kommt sie zu sich. Sie winkt: Lichter! Es laufen Dienerinnen mit Fackeln heraus, und stellen sich hinter Klytämnestra. Sie winkt: Mehr Lichter! Nun verändern sich ihre Züge allmählich und die Spannung weicht einem bösen Triumph. Es kommen immer mehr Dienerinnen heraus, stelle sich hinter Klytämnestra, so dass der Hof voll von Licht wird undrotgelber Schein um die Mauern flutet. Klytämnestra lässt sich die Botschaft abermals zuflüstern und verliert dabei Elektra keinen Augenblick aus dem Auge. Ganz bis an den Hals sich sättigend mitwilder Freude, streckt Klytämnestra die beiden Hände drohend gegen Elektra. Dann hebt ihr die Vertraute den Stock auf und, auf beide sich stützend, eilig, gierig, an den Stufen ihr Gewand aufraffend, läuft sie ins Haus. Die Dienerinnen mit den Lichtern,wie gejagt, hinter ihr drein

ELEKTRA
Was sagen sie ihr denn? sie freut sich ja!
Mein Kopf! Mir fällt nichts ein. Worüber freut sich
das Weib?
In dem breiten Fenster erscheint Klytämnestra. Ihr fahles, gedunsenes Gesicht, in dem grellen Licht der Fackeln, erscheint noch bleicher über dem scharlachroten Gewand. Sie stützt sich auf eine Vertraute, die dunkelviolett gekleidet ist, und auf einen elfenbeinernen, mit Edelsteinen geschmückten Stab. Eine gelbe Gestalt, mit zurückgekämmtem schwarzem Haar, einer Egypterin ähnlich, mit glattem Gesicht einer aufgerichteten Schlange gleichend, trägt ihr die Schleppe. Die Königin ist über und über bedeckt mit Edelsteinen und Talismanen, die Arme sind voll von Reifen, ihre Finger starren von Ringen. Die Lider ihrer Augen scheinen übermässig gross und es scheint ihr eine furchtbare Anstrengung zu kosten, sie offen zu halten. Elektra richtet sich hoch auf. Klytämnestra öffnet jäh die Augen, zitternd vor Zorn tritt sie ans Fenster und zeigt mit dem Stock auf Elektra

KLYTÄMNESTRA
Was willst du? Seht doch, dort! so seht doch das!
Wie es sich aufbäumt mit geblähtem Hals
und nach mir züngelt! und das lass ich frei
in meinem Hause laufen!
Wenn sie mich mit ihren Blicken töten könnte!
O Götter, warum liegt ihr so auf mir?
Warum verwüstet ihr mich so? warum
muss meine Kraft in mir gelähmt sein, warum
bin ich lebendigen Leibes wie ein wüstes
Gefild und diese Nessel wächst aus mir
heraus, und ich hab' nicht die Kraft zu jäten!
Warum geschieht mir das, ihr ew'gen Götter?

ELEKTRA
Die Götter! bist doch selber eine Göttin!
bist, was sie sind.

KLYTÄMNESTRA
Habt ihr gehört? habt ihr
verstanden, was sie redet?

DIE VERTRAUTE
Dass auch du
vom Stamm der Götter bist.

DIE SCHLEPPENTRÄGERIN
zischend:
Sie meint es tückisch.

KLYTÄMNESTRA
Klytämnestras schwere Augenlider fallen zu
Das klingt mir so bekannt. Und nur als hätt ich's
vergessen, lang und lang. Sie kennt mich gut.
Doch weiss man nie, was sie im Schilde führt.

Die Vertraute und die Schleppträgerin
flüstern miteinander

ELEKTRA
nähert sich langsam Klytämnestra
Du bist nicht mehr du selber. Das Gewürm
hängt immerfort um dich. Was sie ins Ohr
dir zischen, trennt dein Denken fort und fort
entzwei, so gehst du hin im Taumel, immer
bist du als wie im Traum.

KLYTÄMNESTRA
Ich will hinunter.
Lasst, lasst, ich will mit ihr reden.
Sie geht vom Fenster weg und erscheint mit ihren Begleiterinnen in der Türe von der Türschwelle aus
Sie ist heute
nicht widerlich. Sie redet wie ein Arzt.

DIE VERTRAUTE
Sie redet
nicht, wie sie's meint.

DIE SCHLEPPENTRÄGERIN
Ein jedes Wort ist Falschheit.

KLYTÄMNESTRA
auffahrend
Ich will nichts hören. Was aus euch herauskommt,
ist nur der Atem des Aegisth.
Und wenn ich nachts euch wekke, redet ihr
nicht jede etwas andres? Schreist nicht du,
dass meine Augenlider angeschwollen
und meine Leber krank ist, und winselst
nicht du ins andre Ohr, dass du Dämonen
gesehen hast mit langen spitzen Schnäbeln,
die mir das Blut aussagen? zeigst du nicht
die Spuren mir an meinem Fleisch, und folg' ich
dir nicht und schlachte, schlachte, schlachte Opfer
um Opfer? Zerrt ihr mich mit euren Reden
und Gegenreden nicht zu Tod? Ich will nicht
mehr hören: das ist wahr und das ist Lüge.
Was die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.
Wenn sie zu mir redet, was mich zu hören freut,
so will ich horchen, auf was sie redet.
Wenn einer etwas Angenehmes sagt,
und wär' es meine Tochter, wär es die da,
will ich von meiner Seele alle Hüllen
abstreifen und das Fächeln sanfter Luft,
von wo es kommen mag, einlassen, wie
die Kranken tun, wenn sie der kühlen Luft,
am Teiche sitzend, abends ihre Beulen
und all ihr Eiterndes der kühlen Luft
preisgeben abends, und nichts andres denken,
als Linderung zu schaffen.
Lasst mich allein mit ihr.


Ungeduldig weist sie mit dem Stock die Vertraute und die Schleppträgerin ins Haus. Diese verschwinden zögernd in der Tür. Auch die Fackeln verschwinden und nur aus dem Innern des Hauses fällt ein schwacher Schein durch den Flur auf den Hof und streift hie und da die Gestalten der beiden Frauen Klytämnestra kommt herab

KLYTÄMNESTRA
Ich habe keine guten Nächte. Weisst du
kein Mittel gegen Träume?

ELEKTRA
näher rückend
Träumst du, Mutter?

KLYTÄMNESTRA
Wer älter wird, der träumt. Allein es lässt sich
vertreiben. Es gibt Bräuche.
Es muss für alles richtige Bräuche geben.
Darum bin ich so
behängt mit Steinen. Denn es wohnt in jedem
ganz sicher eine Kraft. Man muss nur wissen,
wie man sie nützen kann. Wenn du nur wolltest,
du könntest etwas sagen, das mir nützt.

ELEKTRA
Ich, Mutter, ich?

KLYTÄMNESTRA
Ja, du! denn du bist klug.
In deinem Kopf ist alles stark.
Du könntest vieles sagen, was mir nützt.
Wenn auch ein Wort nichts weiter ist! Was ist denn
ein Hauch! und doch kriecht zwischen Tag und Nacht,
wenn ich mit offnen Augen lieg', ein Etwas
hin über mich, es ist kein Wort, es ist
kein Schmerz, es drückt mich nicht, es würgt mich nicht,
nichts ist es, nicht einmal ein Alp, und dennoch
es ist so fürchterlich, dass meine Seele
sich wünscht, erhängt zu sein, und jedes Glied
in mir schreit nach dem Tod, und dabei leb' ich
und bin nicht einmal krank; du siehst mich doch:
seh' ich wie eine Kranke? Kann man denn
vergehn, lebend, wie ein faules Aas?
kann man zerfallen, wenn man garnicht krank ist?
zerfallen wachen Sinnes, wie ein Kleid,
zerfressen von den Motten? Und dann schlaf' ich
und träume, träume! dass sich mir das Mark
in den Knochen löst, und taumle wieder auf,
und nicht der zehnte Teil der Wasseruhr
ist abgelaufen, und was unter'm Vorhang
hereingrinst, ist noch nicht der fahle Morgen, nein,
immer noch die Fackel vor der Tür,
die grässlich zuckt wie ein Lebendiges
und meinen Schlaf belauert.
Diese Träume müssen
ein Ende haben. Wer sie immer schickt:
ein jeder Dämon lässt von uns, sobald
das rechte Blut geflossen ist.

ELEKTRA
Ein jeder!

KLYTÄMNESTRA
Und müsst' ich jedes Tier, das kriecht und fliegt,
zur Ader lassen und im Dampf des Blutes
aufsteh'n und schlafen gehn wie die Völker
des letzten Thule in blutroten Nebel:
ich will nicht länger träumen.

ELEKTRA
Wenn das rechte
Blutopfer unter'm Beile fällt, dann träumst du
nicht länger.

KLYTÄMNESTRA
Also wüsstest du, mit welchem
geweihten Tier --

ELEKTRA
Mit einem ungeweihten!

KLYTÄMNESTRA
Das drin gebunden liegt?

ELEKTRA
Nein! es läuft frei.

KLYTÄMNESTRA
Und was für Bräuche?

ELEKTRA
Wunderbare Bräuche,
und sehr genau zu üben.

KLYTÄMNESTRA
Rede doch!

ELEKTRA
Kannst du mich nicht erraten?

KLYTÄMNESTRA
Nein, darum frag' ich.
Den Namen sag des Opfertiers.

ELEKTRA
Ein Weib.

KLYTÄMNESTRA
hastig
Von meinen Dienerinnen eine sag!
ein Kind? ein jungfäuliches Weib? ein Weib,
das schon erkannt vom Manne?

ELEKTRA
Ja! erkannt!
das ist's!

KLYTÄMNESTRA
Und wie das Opfer? und welche Stunde,
und wo?

ELEKTRA
An jedem Ort, zu jeder Stunde
des Tags und der Nacht.

KLYTÄMNESTRA
Die Bräuche sag!
Wie brächt' ich's dar? ich selber muss --

ELEKTRA
Nein. Diesmal
gehst du nicht auf die Jagd mit Netz und mit Beil.

KLYTÄMNESTRA
Wer denn? wer brächt es dar?

ELEKTRA
Ein Mann.

KLYTÄMNESTRA
Aegisth?

ELEKTRA
lacht:
Ich sagte doch: ein Mann!

KLYTÄMNESTRA
Wer? gib mir Antwort.
Vom Hause jemand? oder muss ein Fremder
herbei?

ELEKTRA
zu Boden stierend, wie abwesend:
Ja, ja, ein Fremder. Aber freilich
ist er vom Haus.

KLYTÄMNESTRA
Gib mir nicht Rätsel auf.
Elektra, hör mich an. Ich freue mich,
dass ich dich heut einmal nicht störrisch finde.

ELEKTRA
Lässt du den Bruder nicht nach Hause, Mutter?

KLYTÄMNESTRA
Von ihm zu reden hab' ich dir verboten.

ELEKTRA
So hast du Furcht vor ihm?

KLYTÄMNESTRA
Wer sagt das?

ELEKTRA
Mutter,
du zitterst ja!

KLYTÄMNESTRA
Wer fürchtet sich
vor einem Schwachsinnigen.

ELEKTRA
Wie?

KLYTÄMNESTRA
Es heisst,
er stammelt, liegt im Hofe bei den Hunden
und weiss nicht Mensch und Tier zu unterscheiden.

ELEKTRA
Das Kind war ganz gesund.

KLYTÄMNESTRA
Es heisst, sie gaben
ihm schlechte Wohnung und Tiere
des Hofes zur Gesellschaft.

ELEKTRA
Ah!

KLYTÄMNESTRA
mit gesenkten Augenlidern
Ich schickte
viel Gold und wieder Gold, sie sollten ihn
gut halten als ein Königskind.

ELEKTRA
Du lügst!
Du schicktest Gold, damit sie ihn erwürgen.

KLYTÄMNESTRA
Wer sagt dir das?

ELEKTRA
Ich seh's an deinen Augen.
Allein an deinem Zittern seh' ich auch,
dass er noch lebt. Dass du bei Tag und Nacht
an nichts denkst als an ihn. Dass dir das Herz
verdorrt vor Grauen, weil du weisst: er kommt.

KLYTÄMNESTRA
Was kümmert mich, wer ausser Haus ist.
Ich lebe hier und bin die Herrin. Diener
hab ich genug, die Tore zu bewachen,
und wenn ich will, lass ich bei Tag und Nacht
vor meiner Kammer drei Bewaffnete
mit offenen Augen sitzen. Und aus dir
bring' ich so oder so das rechte Wort
schon an den Tag. Du hast dich schon verraten,
dass du das rechte Opfer weisst und auch
die Bräuche, die mir nützen. Sagst du's nicht
im Freien, wirst du's an der Kette sagen.
Sagst du nicht satt, so sagst du's hungernd. Träume
sind etwas, das man los wird. Wer dran leidet
und nicht das Mittel findet, sich zu heilen,
ist nur ein Narr. Ich finde mir heraus,
wer bluten muss, damit ich wieder schlafe.

ELEKTRA
mit einem Sprung aus dem Dunkel auf sie zu, immer näheran ihr, immer furchtbarer anwachsend:
Was bluten muss? Dein eigenes Genick,
wenn dich der Jäger abgefangen hat!
Ich hör ihn durch die Zimmer gehn, ich hör ihn
den Vorhang von dem Bette heben:
Wer schlachtet
ein Opfertier im Schlaf! Er jagt dich auf,
schreiend entfliehst du. Aber er, er ist hinterdrein,
er treibt dich durch das Haus! willst du nach rechts,
da steht das Bett! nach links, da schäumt das Bad
wie Blut! das Dunkel und die Fakkeln werfen
schwarzrote Todesnetze über dich --

KLYTÄMNESTRA
von sprachlosem Grauen geschüttelt
Hinab die Treppen durch Gewölbe hin,
Gewölbe und Gewölbe geht die Jagd
Und ich, ich, ich, ich, ich, die ihn dir geschickt,
ich bin wie ein Hund an deiner Ferse, willst du
in eine Höhle, spring ich dich von seitwärts
an. So treiben wir dich fort, bis eine Mauer
Alles sperrt, und dort -- im tiefsten Dunkel,
doch ich seh ihn wohl, ein Schatten, und doch Glieder
und das Weisse von einem Auge doch, da sitzt
der Vater, er achtet's nicht, und doch muss es geschehn,
zu seinen Füssen drücken wir dich hin.
Du möchtest schreien, doch die Luft erwürgt
den ungebornen Schrei und lässt ihn lautlos
zu Boden fallen, wie von Sinnen hälst du
den Nacken hin, fühlst schon die Schärfe zukken
bis an den Sitz des Lebens, doch er hält
den Schlag zurück: die Bräuche sind noch nicht erfüllt.
alles schweigt, du hörst dein eignes Herz
an deinen Rippen schlagen: diese Zeit
 -- sie dehnt sich vor dir wie ein finstrer Schlund
von Jahren -- diese Zeit ist dir gegeben
zu ahnen, wie es Scheiternden zu Mute ist,
wenn ihr vergebliches Geschrei die Schwärze
der Wolken und des Tods zerfrisst, diese Zeit
ist dir gegeben, alle zu beneiden,
die angeschmiedet sind an Kerkermauern,
die auf dem Grund von Brunnen nach dem Tod
als wie nach Erlösung schrei'n -- denn du,
du liegst in deinem Selbst so eingekerkert,
als wär's der glühnde Bauch von einem Tier
von Erz -- und so wie jetzt kannst du nicht schrein!
da steh' ich
vor dir, und nun liest du mit starrem Aug'
das ungeheure Wort, das mir in mein
Gesicht geschrieben ist:
erhängt ist dir die Seele in der selbst-
gedrehten Schlinge, sausend fällt das Beil,
und ich steh' da und seh' dich endlich sterben!
Dann träumst du nicht mehr, dann brauche ich
nicht mehr zu träumen, und wer dann noch lebt,
der jauchzt und kann sich seines Lebens freun!

Sie stehn einander, Elektra in wilder Trunkenheit, Klytämnestra grässlich atmend vor Angst, Aug' in Aug'. In diesen Augenblick erhellt sich die Hausflur. die Vertraute kommt hergelaufen. Sie flüstert Klytämnestra etwas ins Ohr. Diese scheint erst nicht recht zu verstehen. Allmählich kommt sie zu sich. Sie winkt: Lichter! Es laufen Dienerinnen mit Fackeln heraus, und stellen sich hinter Klytämnestra. Sie winkt: Mehr Lichter! Nun verändern sich ihre Züge allmählich und die Spannung weicht einem bösen Triumph. Es kommen immer mehr Dienerinnen heraus, stelle sich hinter Klytämnestra, so dass der Hof voll von Licht wird undrotgelber Schein um die Mauern flutet. Klytämnestra lässt sich die Botschaft abermals zuflüstern und verliert dabei Elektra keinen Augenblick aus dem Auge. Ganz bis an den Hals sich sättigend mitwilder Freude, streckt Klytämnestra die beiden Hände drohend gegen Elektra. Dann hebt ihr die Vertraute den Stock auf und, auf beide sich stützend, eilig, gierig, an den Stufen ihr Gewand aufraffend, läuft sie ins Haus. Die Dienerinnen mit den Lichtern,wie gejagt, hinter ihr drein

ELEKTRA
Was sagen sie ihr denn? sie freut sich ja!
Mein Kopf! Mir fällt nichts ein. Worüber freut sich
das Weib?


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