オペラ作曲家別索引

オペラ対訳完成

その他対訳完成

このサイトについて

アクセス数

  • 今日  -
  • 昨日  -
  • 累計  -

翻訳エンジン


bose_soundlink_color_ii



Ouvertüre

ERSTER AUFZUG

Säulenhalle des Königsschlosses mit einem grossen Mittelportal, zu dem einige Stufen hinaufführen. An den Säulen sind Waffen, Schilde und Lanzen befestigt.

ERSTER AUFTRITT
Der König. Die Herzogin von Burgund. Adolar. Lysiart. Fürsten. Fürstinnen. Grafen. Ritter und Damen. Pagen. Herolde. Trabanten. Soldaten. Tänzer und Tänzerinnen

Der König sitzt rechts vorn auf dem Thron. Zu seiner Linken stehen die älteren Ehrendamen, zu seiner Rechten die Fürsten. Hinter dem Sitz des Königs stehen zwei Herolde mit goldenen Stäben. In nächster Nähe des Königs sechs Pagen; je zwei stehen zur Rechten und Linken des Thrones, zwei sitzen auf den Stufen desselben; der links Sitzende hält ein rotes Kissen, auf welchem Adolar später kniet; der rechts Sitzende trägt auf einem roten Kissen die goldene Zither, die er später Adolar überreicht. Die Herzogin von Burgund sitzt links vorn auf dem Thron. Hinter ihrem Sitz stehen die Grafen; links von ihrem Thron die Ehrendamen. Zu jeder Seite des Thrones steht ein Page: der rechts Stehende hält auf rotem Kissen einen goldenen Lorbeerkranz; der links Stehende ebenso einen roten Rosenkranz. Adolar steht zur Linken des Königlichen Thrones. Lysiart ebenso zur Linken des Thrones der Herzogin von Burgund. Alle Männer mit bedecktem Haupte. Es ist Tag

Nr. 1 - Introduktion und Reigen

CHOR DER FRAUEN
Dem Frieden Heil! dem Frieden Heil!
Dem Frieden Heil nach Sturmestagen!
Heil dieser Feier reiner Lust!
Des Helden Herz in starker Brust
Darf nun für sanfte Freuden schlagen.
Dem Frieden Heil! dem Frieden Heil!

Die Hofdamen wenden sich den hinter ihnen stehenden Rittern zu.
Die Ritter überreichen mit einer Verbeugung den Damen die Blumensträusse.
Die Hofdamen danken mit tiefer Verneigung.
Die Herren und Damen vom Ballett verfahren in derselben Weise.
Die Ehrendamen, Fürsten und Grafen, Adolar und Lysiart sind an dieser Ceremonie nicht beteiligt

CHOR DER RITTER
Den Frauen Heil! den Frauen Heil!
Den Frauen Heil! den zarten Schönen,
Den Blumen in des Lebens Kranz!
Wohl ringt der Mut nach Siegesglanz,
Doch Liebe muss das Leben krönen.

ALLE
Der Liebe Preis erfchall' in süssen Tönen,
Doch Treue reicht den schönsten Lebenskranz.
Dem Frieden Heil! dem Frieden Heil!

Ernster Reigen

Die vier Herolde in der Mitte hinten öffnen die Reihe. Die Herren und Damen vom Ballett treten in den Vordergrund, führen einen ernsten Tanz aus und treten nach dessen Beendigung in ihre frühere Stellung zurück

Recitativ

KÖNIG
Mein Adolar, so fern dem heitern Reigen,
So trübe bei des Festes Lust?

ADOLAR
tritt etwas nach der Mitte vor
Nur Sehnsucht herrscht in meiner Brust,
Ihr muss sich selbst die Freude neigen.

KÖNIG
Erheitre dich!

LYSIART
für sich
O Sorg' um einen Knaben!

KÖNIG
Beglückend Wiedersehn ist nah!
Weilt deine Braut in Nevers?

ADOLAR
Ja, mein König.

KÖNIG
Heut' noch soll sie Kunde haben,
Bald soll ihr Anblick dich erfreun,
Sie wird der Schmuck des Hofes sein.

ADOLAR
Liebreichster König!

König winkt dem auf den Stufen des Thrones rechts sitzenden Pagen. Der vordere Königspage erhebt sich und tritt zu Adolar vor

KÖNIG
Treuer Adolar!
Der froh zur Seite mir im Kampfe war,
Sei hier auch froh, es töne diesem Kreise
Ein Minnelied zu Euryanthes Preise.

Adolar zieht die Handschuhe ab, legt sie auf das Kissen des Pagen und ergreift die Zither; dann nimmt er die Mitte. Der vordere Königspage setzt sich wieder auf die Stufen

Nr. 2 - Romanze

ADOLAR
Unter blüh'nden Mandelbäumen,
An der Loire grünem Strand,
O wie selig ist's zu träumen,
Wo ich meine Liebe fand.
Sie, die Reine, Eine, Meine!
Keusch wie Schnee, wie Rosen mild;
Unter blühn'den Mandelbäumen
Schwebt um mich ihr süsses Bild.

Bei dem goldnen Licht der Sterne,
An der Loire Blütenstrand,
Gab der reinsten Liebe gerne
Augenstern ein Himmelspfand.
Selig, minnig, hold und innig,
Aug' in Auge, Mund an Mund;
Bei dem Leuchten ew'ger Sterne
Gab sich Herz dem Herzen kund!

Heil'ger Treue schönste Rose
An der Loire Blumenrand,
Ob auch Sturm und Welle tose,
Blühest du, des Lenzes Pfand!
Zarte, Reine, Süsse, Meine!
Du mit mir ganz Ein und Mein:
Heil'ger Treue schönste Rose
Blüht in deiner Brust allein!

Der König und die Herzogin von Burgundg geben nach Beendigung der Romanze Adolar ihren Beifall zu erkennen.
Die Herzogin von Burgund winkt nach hinten.
Eine Solotänzerin tritt mit den drei andern aus der Mitte zu Adolar vor.
Die beiden Burgunderpagen treten nach der Mitte zu Adolar.
Die beiden Königspagen erheben sich und nähern sich Adolar ebenso.
Die drei Tänzerinnen stehen im Halbkreis um die Mittelgruppe.
Die Solotänzerin nimmt den goldenen Lorbeerkranz von dem Kissen des hintern Burgunderpagen und schmückt Adolars Zither damit, indem sie den Kranz auf den Hals des Instrumentes hängt.
Der hintere Burgunderpage tritt nach links zum Thron zurück.
Adolar legt die bekränzte Zither auf das Kissen des vordern Königspagen, indem er gleichzeitig von dem Kissen seine Handschuhe nimmt.
Der vordere Königspage tritt nach rechts an seinen Platz zurück.
Der hintere Königspage hat inzwischen sein Kissen vor Adolar niedergelegt.
Adolar kniet darauf nieder und entblösst sein Haupt.
Die Solotänzerin nimmt vom Kissen des vordern Burgunderpagen den Rosenkranz, setzt ihn Adolar auf und tritt nach einer Verbeugung gegen die Herzogin von Burgund mit den drei Tänzerinnen an ihren Platz Mitte hinten zurück.
Der vordere Burgunderpage tritt nach links zum Thron zurück.
Adolar erhebt sich.
Der hintere Königspage nimmt das Kissen, auf welchem Adolar kniete, auf.
Adolar verneigt sich ehrfurchtsvoll zuerst vor der Herzogin von Burgund, dann vor dem König, nimmt den Kranz von seinem Haupt und legt ihn auf das Kissen des hintern Königspagen.
Der hintere Königspage tritt nach rechts an seinen Platz zurück.
Adolar bedeckt sich wieder und nimmt seinen frühern Platz in der Nähe des Königlichen Thrones wieder ein.
Lysiart verfolgt den Vorgang mit neidischen Blicken

Nr. 3 - Chor und Recitativ

Heil Euryanth'! der Lieblichsten der Schönen,
Der Liebe Heil, in reiner Unschuld Glanz!
Dich, Held und Sänger, müsse Ruhm bekrönen,
Doch Treue reicht den schönsten Lebenskranz.

Recitativ

LYSIART
für sich
Ich trag' es nicht!
Laut, indem er nach der Mitte etwas vor tritt
Hör' an, Graf Adolar,
Du hast uns hoch ergötzt mit dem Gesang,
Wo alle danken, nimm auch meinen Dank!
Kein Sänger ringt den Preis dir ab, fürwahr,
Vergeuden könntest du getrost dein Erbe,
Die Zither sorgt, dass nicht ihr Held verderbe!

ADOLAR
Gern, Lysiart, üb' ich mich in sanften Weisen,
Für Misslaut taugt mein gut gestimmtes Eisen.

Der König und die Herzogin von Burgund erheben sich

LYSIART
Was zürnst du gleich? Die Weise tadl' ich nicht,
Doch wohl die Worte vom Gedicht!
Hör' auf, der Frauen Treu' so hoch zu preisen;
Des Meeres Grund hegt Perlen, makelrein,
Des Weibes Brust schliesst keine Treue ein.

Die Herzogin, die Ehrendamen, die Hofdamen, die Burgunderpagen, die Tänzer und die Tänzerinnen, die Figurantenpaare verlassen erzürnt durch das Mittelportal den Saal.
Die Königsherolde nehmen hinten Mitte Aufstellung.
Die Königspagen verharren in ihrer Stellung.
Die Fürsten, Grafen und Ritter füllen in erregten Gruppen den Mittelgrund


ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen ohne die Frauen und ihre Begleitung

LYSIART
für sich
Schon atm' ich freier!
Laut
Was entgegnest du?

ADOLAR
zu seiner Rechten
Dies acht ich keiner Antwort wert.
Komm in den Wald, dort schliesset dir mein Schwert,
Mit Gott! die gift'gen Lippen zu.

LYSIART
Um schnöden Anlass kämpfen? Nie!
Die Warnung gab ich, nütze sie!
Mein junger Freund, wärst du der Preis der Ritter,
Wär ich der Niedrigste, ich schwör es dir,
Die Liebe deiner Braut gewänn' ich mir
Trotz deiner Rosenwang' und goldnen Zither!

ADOLAR
wirft Lysiart seinen Handschuh vor die Füsse
Erbärmlich eitler Prahler nenn' ich dich,
Den Handschuh nimm! dich lehr' ich Frauen ehren!

LYSIART
Ich nehm' ihn nicht. Besiegtest du gleich mich,
Doch unbesiegt noch meine Gründe wären.
Wag' es getrost, bekämpfe die!
Du prüftest wohl die Teure nie?

ADOLAR
Für Euryanthe bürgt der Glaube
In meiner Brust!

LYSIART
Du fromme Turteltaube,
Dein Glück zu stören trüg' ich Scheu!

KÖNIG
Mein Adolar, lass ab von diesem Streite!

LYSIART
Du hörst, die Weisheit ist auf meiner Seite!

ADOLAR
Mein Gut und Blut an Euryanthes Treu'!

Nr. 4 - Terzett mit Chor

LYSIART
Wohlan, du kennst mein herrlich Eigentum?
Das Erbteil meiner Väter, reich an Ruhm!
Zum Pfande setz' ich's, es sei dein,
Nenn' ich nicht die Gepries'ne mein!

ADOLAR
Es gilt! Es gilt!

KÖNIG UND CHOR
Vermessenes Beginnen!

ADOLAR
Kannst Euryanthes Liebe du gewinnen,
So nimm mein Gold, mein Gut, mein Land!
Zerrissen sei dann jedes süsse Band,
Die Heimat meid' ich!

LYSIART
Alles nach Gefallen!
Wie schön wirst du mit Kranz und Zither wallen!

ADOLAR
Vermessener! Frohlocke nicht!
Schlägt es dir fehl, ruf' ich zum Gottgericht,
Dich Frevler, alsobald -

LYSIART
Wohl! des sind alle Zeugen!

BEIDE
Es gilt, wohlan!

CHOR
Vermessenes Beginnen!
Kann nichts den starren Sinn euch beugen?
O geht zurück! Zu viel habt ihr gewagt!

KÖNIG
O geh zurück!

LYSIART
Kehrst du zurück?

ADOLAR
Ich gab mein Wort!

CHOR
O geht zurück!

KÖNIG
Ich mach' es ungesagt.

LYSIART
Du gabst dein Wort!

CHOR
Zu viel habt ihr gewagt!

ADOLAR
Des Edlen Wort kann nicht Gewalt vernichten!

CHOR
O geht zurück! zu viel habt ihr gewagt!

KÖNIG
Mein Adolar!

CHOR
O geht zurück!

ADOLAR
Ich gab mein Wort!

CHOR
O geht zurück!

KÖNIG
steigt vom Thron herab und nimmt zwischen Adolar und Lysiart die Mitte
Du trotzest kühn der schleichenden Gefahr.

ADOLAR
Mein König, Frauenehre schirmen, war
Die höchste stets von allen Ritterpflichten!
In Demut fleh' ich, nimm der Wette Pfand.
Er überreicht dem König seinen Ring

LYSIART
überreicht dem König ebenso den seinigen
Hier diesen Ring in deine Königshand! -
Jetzt schleunig rüst' ich mich zur Reise,
Und siegreich kehr' ich heim!

KÖNIG
steckt beide Ringe an seinen Finger
Doch die Beweise?

LYSIART
Ein Zeugnis ihrer Huld dir darzubringen,
Verpflicht' ich mich.

CHOR
Mög' es ihm nie gelingen!

König giebt nach rechts dem einen der Pagen einen Wink. Page tritt vor, hebt den Handschuh Adolars auf und geht auf seinen Platz zurück

ADOLAR
Ich bau' auf Gott und meine Euryanth'!
Ich bau' auf Gott und meine Euryanth'!

LYSIART
Ich bringe dir ein sich'res Unterpfand.

KÖNIG, CHOR
Die Unschuld schütz', o Gott, mit starker Hand!

Alle wenden sich zum Abgang nach dem Mittelportal


Verwandlung

Burggarten zu Revers; Umfriedung mit Mittelthor. Aus dem Wäldchen im Hintergrund sieht man die Turmspitzen der alten Burg hervorragen. Rechts vorn eine Rasenbank. Links hinten ein Gruftgewölbe, aus dessen Fenstern die ewige Lampe dämmert. Es ist Abend


DRITTER AUFTRITT
Euryanthe allein

Nr. 5a - Kavatine

EURYANTHE
tritt von rechts vorn auf
Glöcklein im Thale, Rieseln im Bach,
Säuseln in Lüften, schmelzendes Ach!
Sterne in Wipfeln äugelnd durch Laub,
Ach, und die Seele der Sehnsucht Raub.

Weilst du so ferne? Bangst wohl nach mir?
Bringen die Sterne Grüsse von dir?
Alle so golden, selig und klar,
Ach, doch dein Blick nicht, mein Adolar!

Eglantine nähert sich von rechts vorn


VIERTER AUFTRITT
Eglantine. Euryanthe zu ihrer Linken

Nr. 5b - Recitativ

EGLANTINE
So einsam bangend find' ich dich?

EURYANTHE
O nenne Bangen nicht mein einzig Glück'
Dies Sehnen ist der Himmel unter Klagen.

EGLANTINE
Dein Hoffen und dein Sehnen
Zeigt dir als höchstes Glück nur Thränen -

EURYANTHE
Mir bot das Leben Leid und Liebe nur.
Verwaiset lebt ich in des Klosters Stille, wie Veilchen blühn.
Da drang der Liebe Blick, ein Pfeil, in meine unbewehrte Brust,
Und mein ward Adolar!

EGLANTINE
für sich
Weh ihm! Weh dir!

EURYANTHE
Nach Nevers führt er mich, zog in den Kampf;
Hier blieb ich einsam, sehnsuchtsvoll zurück.
Da fand ich dich, dein schmeichelnd holdes Kosen
Gab Lind'rung mir.

EGLANTINE
Du wandeltest den Kerker
Zur Freistatt um, warst mild der Heimatlosen,
Die ihrer Ahnen Burg in Staub gesehn,
Den Vater als Rebell geächtet, flüchten!
Mich tötet die Erinnerung!

EURYANTHE
O Geliebte!
Getrost blick' in die Zukunft! Mir vertraue!

EGLANTINE
Dir? Nimmer hast du mir Vertraun gewährt!
Dich drückt ein bang Geheimnis -
Leg es nieder in diese Brust,
Dann kann ich ruhig sein,
Nur dann, sonst nie!

EURYANTHE
Verschone, lass mich schweigen!

EGLANTINE
Des Unglücks Blick ist scharf! Um Mitternacht
In dunkler Gruft, wo du dich einsam wähnst,
Wacht Liebe dir zur Seite.

EURYANTHE
O verschweig' es dir selbst, was du gesehn.

EGLANTINE.
Nichts sagst du mir?

Nr. 6a - Arie

O mein Leid ist unermessen,
Du kannst mir dein Herz entziehn!
Lass mich einsam und vergessen
In die fernste Wildnis fliehn!
Lass mich fort, vom Sturm getrieben,
Irren, schwanken, untergehn!
Nein, dein Mitleid ist kein Lieben,
Nie sollst du mich wiedersehn.
Doch wie könnt' ich je dich meiden?
O verstoss mich nicht von hier!
Dulden will ich, lächelnd leiden,
Sterben süss am Busen dir!

Nr. 6b - Recitativ

EURYANTHE
Freundin! Geliebte! an meine Brust!
Wie konnt' ich solche Lieb' ermessen!
Vergieb!

Sie umarmen

EGLANTINE
Du liebst mich? Alles ist vergessen!

EURYANTHE
So treu hast du mit mir gewacht,
In dunkler Gruft, in stiller Nacht?

EGLANTINE
Was störest du der Toten Ruh'?

EURYANTHE
O nein! Ich flehe dort für Emmas Frieden.
Die Schwester Adolars, durch schnellen Tod
Entrissen seiner Brudertreu'; ihr Leid
Trug sie verschwiegen in die Gruft hinab.

EGLANTINE
Wer that es kund?

EURYANTHE
Ihr Geist!

EGLANTINE
Entsetzen! Wie?!

EURYANTHE
schauernd in Erinnerung vor sich hinstarrend
Am letzten Mai, in banger Trennung Stunde,
Bei Mondenlicht sah'n wir von Duft umwallt
Der holden Emma Luftgestalt,
Und säuselnd tönt's von ihrem bleichen Munde:
ªDie ihr der Liebe Thränen Herz an Herz so selig weinet,
Hört mich an! Auch mir
Strahlt' einst dies goldne Licht, mein Udo
Liebte mich zart und treu! Er fiel in blut'ger Schlacht!
Da war mein Leben mir kein Leben mehr,
Aus gifterfülltem Ring sog ich den Tod!
Weh dieser That, die mich vom Heil geschieden!
Getrennt von Udo irr ich durch die Nächte!
O weint um mich! Nicht eh' kann Ruh' mir werden,
Bis diesen Ring, aus dem ich Tod getrunken,
Der Unschuld Thräne netzt im höchsten Leid
Und Treu' dem Mörder Rettung beut für Mord!´

EGLANTINE
triumphierend
Gewicht'ge Kunde!

EURYANTH
entsetzt auffahrend
Was hab' ich gethan?
Verraten Adolars Geheimnis! Gott!
Gebrochen meinen Eid!

EGLANTINE
Befürchte nichts!

Nr. 7 - Duett

EURYANTHE
Unter ist mein Stern gegangen,
Bange Ahnung sagt es laut!

EGLANTINE
Kannst du zagen, kannst du bangen,
Holde, da du mir vertraut?

EURYANTHE
Weh! ich brach des Schweigens Treue!

EURYANTHE
Unter ist mein Stern gegangen,
Bange Ahnung sagt es laut!

EGLANTINE
Kannst du zagen, kannst du bangen,
Holde, da du mir vertraut? -
Such' an meinem Busen Ruh!

BEIDE
Trost der Liebe, süss bist (findest) du!

EURYANTHE
Ja, es wallt mein Herz aufs neue
Selig deinem Herzen zu;
Nie bezweifl' ich deine Treue,
Du nur bist mein alles, du!

EGLANTINE
Ja, es wallt dein Herz aufs neue
Selig meinem Herzen zu;
Zweifle nie an meiner Treue,
Du nur bist mein alles, du!

Euryanthe ab in das Gruftgewölbe links hinten. Eglantine begleitet sie


FÜNFTER AUFTRITT
Eglantine zurückkehrend; allein

Nr. 8 - Recitativ und Arie

EGLANTINE
mit ausbrechender Heftigkeit
Bethörte, die an meine Liebe glaubt,
Du bist umgarnt, nicht entrinnst du mehr!
Vor allem nun durchsuch' ich Emmas Gruft,
Für meinen Plan soll die Entdeckung nützen.
Vielleicht sinkt Adolar
Noch reuevoll an diese glüh'nde Brust.
O der Gedanke löst mich auf in Wonne
Und vor Entzücken ist die Seele trunken.
Fänd ich den Tod, an seine Brust gesunken
Nur einen, einen Augenblick,
Ich wollt' ihn mit Vernichtung zahlen.
Nur einen Augenblick an seiner Brust!
Hinweg, wahnsinn'ge Hoffnung! Gauklerin!
Erwecke nicht dies Herz zu neuen Qualen,
Ich weiss, dass ich ganz elend bin!

Arie

Er konnte mich um sie verschmähn,
Und ich sollt' es ertragen?
In herbem Leid soll ich vergehn
In meinen Blütentagen!
Er hörte kalt der Liebe Flehn,
Mein Herz, so bang, so todeswund. Weh'! weh'!
Drum stürz' auch all' sein Glück zu Grund!
Er konnte mich um sie verschmähn,
Und ich sollt' es ertragen?
Verschmähen konnt' er mich um sie, ja!
Drum stürz' auch all sein Glück zu Grund!

Im Abgehen nach rechts hört sie von links Lysiarts Trompete, sie sieht erwartend nach dort, wendet sich und eilt in das Grabgewölbe links hinten ab


SECHSTER AUFTRITT
Bauern und Bäuerinnen von rechts hinten, um Lysiart und die Ritter zu begrüssen. Gleichzeitig von links vorn acht Trompeter, die sich auf der linken Seite aufstellen; ihnen folgen achtzehn Ritter, die vor ihnen Aufstellung nehmen; endlich Lysiart und Rudolf, die Mitte nehmend

Nr. 9 - Finale

CHOR DER LANDLEUTE
Jubeltöne, Heldensöhne,
Fröhlich jauchzend euch empfangen;
Kühlt von Streites Glut die Wangen
Mit den Rosen dieser Flur.

CHOR DER RITTER
Mut erfrischt das Herz des Kriegers,
Kühnes Wagen ist ihm Wonne;
Selig, wen des Friedens Sonne
Unter diesen Blüten grüsst.

CHOR DER LANDLEUTE
Seht, entgegen lacht euch Segen!
Schöner blühen die Gefilde,
Sel'gen Friedens Himmelsmilde
Gabt, ihr Tapfern, uns zurück!
Hirtenweisen froh euch preisen,
Berg und Thal von Lust ertönen,
Lasst euch Dank und Liebe krönen
In der Treue Heiligtum.


SIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen. Eglantine, Euryanthe aus dem Gruftgewölbe

Lysiart eilt Euryanthe entgegen. Alle begrüssen Euryanthe

CHOR DER LANDLEUTE
Hirtenweisen froh euch preisen,
Berg und Thal von Lust ertönen
In der Treue Heiligtum!

CHOR DER RITTER
Heil der lieblichsten der Schönen,
Euryanthe Preis und Ruhm!

EURYANTHE
Graf Lysiart, edle Ritter, seid willkommen.

EGLANTINE
für sich
O möchte meiner Schmach ein Rächer kommen.

CHOR DER RITTER
leise untereinander
Wie schön ist sie! wie schön!

LYSIART
Erhab'ne Euryanth',
Reicht mir zum Dank die zarte Hand,
Ich bringe Freude!

EURYANTHE
für sich
Wie bin ich beklommen!
Laut
Mein tapfrer Graf, wer hat Euch hergesandt?

LYSIART
Mich hat des Königs Huld erwählt,
Dass ich Euch zum Begleiter diene,
Da noch dem Fest die Krone fehlt.

EURYANTHE
Mit Wonnebeben ehr' ich dies Gebot -
O Wiedersehen! Eglantine!

EGLANTINE
Willkomm'ne Kunde!
Für sich
Meinem Herzen Tod!

EURYANTHE
verbindlich zu Lysiart
Verschmähet nicht die ländlich stille Zelle
In Nevers' Burg zu kurzer Rast.

LYSIART
freudig
Wo du erscheinst, da wird die Wildnis helle,
Wie selig wäre deines Herzens Gast.
Beneidenswerter Freund!

CHOR DER RITTER
unter sich
O schwarzer Plan!

EURYANTHE
unbefangen
Wie sagt Ihr?

LYSIART
mit ritterlicher Courtoisie
Ehrfurcht Euch nur stammelnd nannte
Die süsseste der Erde, Euryanthe!

EURYANTHE
in heiterer Geschäftigkeit
Fröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
Euch den Tag, wo Ihr hoch uns erfreut!

Bauerntanz

Lysiart stellt Euryanthe den Rittern vor. Die Ritter begrüssen sie ehrfurchtsvoll. Rudolf macht sich mit Eglantine bekannt

CHOR
Fröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
Euch den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
Ruhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
Schmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!

EURYANTHE
Sehnen, Verlangen, schmachten und Bangen
Wandelt nun Hoffnung in himmlische Lust!
Wieder ihn sehen! Wonnen und Wehen
Schwellen die Seele, durchwogen die Brust!

RUDOLF
Sehnen, Verlangen, Schmachten und Bangen
Wandelt ihr Hoffen in himmlische Lust!
Sie wird ihn sehen! Wonnen und Wehen
Schwellen die Seele, durchwogen die Brust!

LYSIART
Stillt dies Verlangen süsses Umfangen,
Schwelg' ich in Wonnen an Lippe und Brust!
Werd' ich ihn sehen wütend vergehen,
Marter des Feindes ist Krone der Lust!

EGLANTINE
Nun nicht mehr bangen! Was sie begangen,
Stürzet zu Trümmern ihr Glück, ihre Lust!
Nicht mehr verschmähen wird er mein Flehen,
Trunken vom Siege schon klopft meine Brust!

CHOR
Fröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
Euch den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
Ruhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
Schmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!

EURYANTHE
Sehnend Verlangen durchwogt die Brust,
Wieder ihn sehen, Wonnen und Wehen
Durchwogen die Brust!

CHOR
Fröhliche Klänge, Tänze, Gesänge
Feiern den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
Ruhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
Schmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!

EURYANTHE
Sehnend Verlangen durchwogt die Brust!
Sehnend Verlangen, Schmachten und Bangen
Durchwoget die Brust.
Wieder ihn sehen, o himmlische Lust!
Sehnend Verlangen durchwoget die Brust,
Wieder ihn sehen, o himmlische Lust!

Euryanthe reicht Lysiart freundlich die Hand. Lysiart führt sie nach rechts hinten ab. Eglantine von Rudolf geführt, folgt. Die Ritter und Trompeter schliessen sich an. Die Bauern geben den Abgehenden Raum
Ouvertüre

ERSTER AUFZUG

Säulenhalle des Königsschlosses mit einem grossen Mittelportal, zu dem einige Stufen hinaufführen. An den Säulen sind Waffen, Schilde und Lanzen befestigt.

ERSTER AUFTRITT
Der König. Die Herzogin von Burgund. Adolar. Lysiart. Fürsten. Fürstinnen. Grafen. Ritter und Damen. Pagen. Herolde. Trabanten. Soldaten. Tänzer und Tänzerinnen

Der König sitzt rechts vorn auf dem Thron. Zu seiner Linken stehen die älteren Ehrendamen, zu seiner Rechten die Fürsten. Hinter dem Sitz des Königs stehen zwei Herolde mit goldenen Stäben. In nächster Nähe des Königs sechs Pagen; je zwei stehen zur Rechten und Linken des Thrones, zwei sitzen auf den Stufen desselben; der links Sitzende hält ein rotes Kissen, auf welchem Adolar später kniet; der rechts Sitzende trägt auf einem roten Kissen die goldene Zither, die er später Adolar überreicht. Die Herzogin von Burgund sitzt links vorn auf dem Thron. Hinter ihrem Sitz stehen die Grafen; links von ihrem Thron die Ehrendamen. Zu jeder Seite des Thrones steht ein Page: der rechts Stehende hält auf rotem Kissen einen goldenen Lorbeerkranz; der links Stehende ebenso einen roten Rosenkranz. Adolar steht zur Linken des Königlichen Thrones. Lysiart ebenso zur Linken des Thrones der Herzogin von Burgund. Alle Männer mit bedecktem Haupte. Es ist Tag

Nr. 1 - Introduktion und Reigen

CHOR DER FRAUEN
Dem Frieden Heil! dem Frieden Heil!
Dem Frieden Heil nach Sturmestagen!
Heil dieser Feier reiner Lust!
Des Helden Herz in starker Brust
Darf nun für sanfte Freuden schlagen.
Dem Frieden Heil! dem Frieden Heil!

Die Hofdamen wenden sich den hinter ihnen stehenden Rittern zu.
Die Ritter überreichen mit einer Verbeugung den Damen die Blumensträusse.
Die Hofdamen danken mit tiefer Verneigung.
Die Herren und Damen vom Ballett verfahren in derselben Weise.
Die Ehrendamen, Fürsten und Grafen, Adolar und Lysiart sind an dieser Ceremonie nicht beteiligt

CHOR DER RITTER
Den Frauen Heil! den Frauen Heil!
Den Frauen Heil! den zarten Schönen,
Den Blumen in des Lebens Kranz!
Wohl ringt der Mut nach Siegesglanz,
Doch Liebe muss das Leben krönen.

ALLE
Der Liebe Preis erfchall' in süssen Tönen,
Doch Treue reicht den schönsten Lebenskranz.
Dem Frieden Heil! dem Frieden Heil!

Ernster Reigen

Die vier Herolde in der Mitte hinten öffnen die Reihe. Die Herren und Damen vom Ballett treten in den Vordergrund, führen einen ernsten Tanz aus und treten nach dessen Beendigung in ihre frühere Stellung zurück

Recitativ

KÖNIG
Mein Adolar, so fern dem heitern Reigen,
So trübe bei des Festes Lust?

ADOLAR
tritt etwas nach der Mitte vor
Nur Sehnsucht herrscht in meiner Brust,
Ihr muss sich selbst die Freude neigen.

KÖNIG
Erheitre dich!

LYSIART
für sich
O Sorg' um einen Knaben!

KÖNIG
Beglückend Wiedersehn ist nah!
Weilt deine Braut in Nevers?

ADOLAR
Ja, mein König.

KÖNIG
Heut' noch soll sie Kunde haben,
Bald soll ihr Anblick dich erfreun,
Sie wird der Schmuck des Hofes sein.

ADOLAR
Liebreichster König!

König winkt dem auf den Stufen des Thrones rechts sitzenden Pagen. Der vordere Königspage erhebt sich und tritt zu Adolar vor

KÖNIG
Treuer Adolar!
Der froh zur Seite mir im Kampfe war,
Sei hier auch froh, es töne diesem Kreise
Ein Minnelied zu Euryanthes Preise.

Adolar zieht die Handschuhe ab, legt sie auf das Kissen des Pagen und ergreift die Zither; dann nimmt er die Mitte. Der vordere Königspage setzt sich wieder auf die Stufen

Nr. 2 - Romanze

ADOLAR
Unter blüh'nden Mandelbäumen,
An der Loire grünem Strand,
O wie selig ist's zu träumen,
Wo ich meine Liebe fand.
Sie, die Reine, Eine, Meine!
Keusch wie Schnee, wie Rosen mild;
Unter blühn'den Mandelbäumen
Schwebt um mich ihr süsses Bild.

Bei dem goldnen Licht der Sterne,
An der Loire Blütenstrand,
Gab der reinsten Liebe gerne
Augenstern ein Himmelspfand.
Selig, minnig, hold und innig,
Aug' in Auge, Mund an Mund;
Bei dem Leuchten ew'ger Sterne
Gab sich Herz dem Herzen kund!

Heil'ger Treue schönste Rose
An der Loire Blumenrand,
Ob auch Sturm und Welle tose,
Blühest du, des Lenzes Pfand!
Zarte, Reine, Süsse, Meine!
Du mit mir ganz Ein und Mein:
Heil'ger Treue schönste Rose
Blüht in deiner Brust allein!

Der König und die Herzogin von Burgundg geben nach Beendigung der Romanze Adolar ihren Beifall zu erkennen.
Die Herzogin von Burgund winkt nach hinten.
Eine Solotänzerin tritt mit den drei andern aus der Mitte zu Adolar vor.
Die beiden Burgunderpagen treten nach der Mitte zu Adolar.
Die beiden Königspagen erheben sich und nähern sich Adolar ebenso.
Die drei Tänzerinnen stehen im Halbkreis um die Mittelgruppe.
Die Solotänzerin nimmt den goldenen Lorbeerkranz von dem Kissen des hintern Burgunderpagen und schmückt Adolars Zither damit, indem sie den Kranz auf den Hals des Instrumentes hängt.
Der hintere Burgunderpage tritt nach links zum Thron zurück.
Adolar legt die bekränzte Zither auf das Kissen des vordern Königspagen, indem er gleichzeitig von dem Kissen seine Handschuhe nimmt.
Der vordere Königspage tritt nach rechts an seinen Platz zurück.
Der hintere Königspage hat inzwischen sein Kissen vor Adolar niedergelegt.
Adolar kniet darauf nieder und entblösst sein Haupt.
Die Solotänzerin nimmt vom Kissen des vordern Burgunderpagen den Rosenkranz, setzt ihn Adolar auf und tritt nach einer Verbeugung gegen die Herzogin von Burgund mit den drei Tänzerinnen an ihren Platz Mitte hinten zurück.
Der vordere Burgunderpage tritt nach links zum Thron zurück.
Adolar erhebt sich.
Der hintere Königspage nimmt das Kissen, auf welchem Adolar kniete, auf.
Adolar verneigt sich ehrfurchtsvoll zuerst vor der Herzogin von Burgund, dann vor dem König, nimmt den Kranz von seinem Haupt und legt ihn auf das Kissen des hintern Königspagen.
Der hintere Königspage tritt nach rechts an seinen Platz zurück.
Adolar bedeckt sich wieder und nimmt seinen frühern Platz in der Nähe des Königlichen Thrones wieder ein.
Lysiart verfolgt den Vorgang mit neidischen Blicken

Nr. 3 - Chor und Recitativ

Heil Euryanth'! der Lieblichsten der Schönen,
Der Liebe Heil, in reiner Unschuld Glanz!
Dich, Held und Sänger, müsse Ruhm bekrönen,
Doch Treue reicht den schönsten Lebenskranz.

Recitativ

LYSIART
für sich
Ich trag' es nicht!
Laut, indem er nach der Mitte etwas vor tritt
Hör' an, Graf Adolar,
Du hast uns hoch ergötzt mit dem Gesang,
Wo alle danken, nimm auch meinen Dank!
Kein Sänger ringt den Preis dir ab, fürwahr,
Vergeuden könntest du getrost dein Erbe,
Die Zither sorgt, dass nicht ihr Held verderbe!

ADOLAR
Gern, Lysiart, üb' ich mich in sanften Weisen,
Für Misslaut taugt mein gut gestimmtes Eisen.

Der König und die Herzogin von Burgund erheben sich

LYSIART
Was zürnst du gleich? Die Weise tadl' ich nicht,
Doch wohl die Worte vom Gedicht!
Hör' auf, der Frauen Treu' so hoch zu preisen;
Des Meeres Grund hegt Perlen, makelrein,
Des Weibes Brust schliesst keine Treue ein.

Die Herzogin, die Ehrendamen, die Hofdamen, die Burgunderpagen, die Tänzer und die Tänzerinnen, die Figurantenpaare verlassen erzürnt durch das Mittelportal den Saal.
Die Königsherolde nehmen hinten Mitte Aufstellung.
Die Königspagen verharren in ihrer Stellung.
Die Fürsten, Grafen und Ritter füllen in erregten Gruppen den Mittelgrund


ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen ohne die Frauen und ihre Begleitung

LYSIART
für sich
Schon atm' ich freier!
Laut
Was entgegnest du?

ADOLAR
zu seiner Rechten
Dies acht ich keiner Antwort wert.
Komm in den Wald, dort schliesset dir mein Schwert,
Mit Gott! die gift'gen Lippen zu.

LYSIART
Um schnöden Anlass kämpfen? Nie!
Die Warnung gab ich, nütze sie!
Mein junger Freund, wärst du der Preis der Ritter,
Wär ich der Niedrigste, ich schwör es dir,
Die Liebe deiner Braut gewänn' ich mir
Trotz deiner Rosenwang' und goldnen Zither!

ADOLAR
wirft Lysiart seinen Handschuh vor die Füsse
Erbärmlich eitler Prahler nenn' ich dich,
Den Handschuh nimm! dich lehr' ich Frauen ehren!

LYSIART
Ich nehm' ihn nicht. Besiegtest du gleich mich,
Doch unbesiegt noch meine Gründe wären.
Wag' es getrost, bekämpfe die!
Du prüftest wohl die Teure nie?

ADOLAR
Für Euryanthe bürgt der Glaube
In meiner Brust!

LYSIART
Du fromme Turteltaube,
Dein Glück zu stören trüg' ich Scheu!

KÖNIG
Mein Adolar, lass ab von diesem Streite!

LYSIART
Du hörst, die Weisheit ist auf meiner Seite!

ADOLAR
Mein Gut und Blut an Euryanthes Treu'!

Nr. 4 - Terzett mit Chor

LYSIART
Wohlan, du kennst mein herrlich Eigentum?
Das Erbteil meiner Väter, reich an Ruhm!
Zum Pfande setz' ich's, es sei dein,
Nenn' ich nicht die Gepries'ne mein!

ADOLAR
Es gilt! Es gilt!

KÖNIG UND CHOR
Vermessenes Beginnen!

ADOLAR
Kannst Euryanthes Liebe du gewinnen,
So nimm mein Gold, mein Gut, mein Land!
Zerrissen sei dann jedes süsse Band,
Die Heimat meid' ich!

LYSIART
Alles nach Gefallen!
Wie schön wirst du mit Kranz und Zither wallen!

ADOLAR
Vermessener! Frohlocke nicht!
Schlägt es dir fehl, ruf' ich zum Gottgericht,
Dich Frevler, alsobald -

LYSIART
Wohl! des sind alle Zeugen!

BEIDE
Es gilt, wohlan!

CHOR
Vermessenes Beginnen!
Kann nichts den starren Sinn euch beugen?
O geht zurück! Zu viel habt ihr gewagt!

KÖNIG
O geh zurück!

LYSIART
Kehrst du zurück?

ADOLAR
Ich gab mein Wort!

CHOR
O geht zurück!

KÖNIG
Ich mach' es ungesagt.

LYSIART
Du gabst dein Wort!

CHOR
Zu viel habt ihr gewagt!

ADOLAR
Des Edlen Wort kann nicht Gewalt vernichten!

CHOR
O geht zurück! zu viel habt ihr gewagt!

KÖNIG
Mein Adolar!

CHOR
O geht zurück!

ADOLAR
Ich gab mein Wort!

CHOR
O geht zurück!

KÖNIG
steigt vom Thron herab und nimmt zwischen Adolar und Lysiart die Mitte
Du trotzest kühn der schleichenden Gefahr.

ADOLAR
Mein König, Frauenehre schirmen, war
Die höchste stets von allen Ritterpflichten!
In Demut fleh' ich, nimm der Wette Pfand.
Er überreicht dem König seinen Ring

LYSIART
überreicht dem König ebenso den seinigen
Hier diesen Ring in deine Königshand! -
Jetzt schleunig rüst' ich mich zur Reise,
Und siegreich kehr' ich heim!

KÖNIG
steckt beide Ringe an seinen Finger
Doch die Beweise?

LYSIART
Ein Zeugnis ihrer Huld dir darzubringen,
Verpflicht' ich mich.

CHOR
Mög' es ihm nie gelingen!

König giebt nach rechts dem einen der Pagen einen Wink. Page tritt vor, hebt den Handschuh Adolars auf und geht auf seinen Platz zurück

ADOLAR
Ich bau' auf Gott und meine Euryanth'!
Ich bau' auf Gott und meine Euryanth'!

LYSIART
Ich bringe dir ein sich'res Unterpfand.

KÖNIG, CHOR
Die Unschuld schütz', o Gott, mit starker Hand!

Alle wenden sich zum Abgang nach dem Mittelportal


Verwandlung

Burggarten zu Revers; Umfriedung mit Mittelthor. Aus dem Wäldchen im Hintergrund sieht man die Turmspitzen der alten Burg hervorragen. Rechts vorn eine Rasenbank. Links hinten ein Gruftgewölbe, aus dessen Fenstern die ewige Lampe dämmert. Es ist Abend


DRITTER AUFTRITT
Euryanthe allein

Nr. 5a - Kavatine

EURYANTHE
tritt von rechts vorn auf
Glöcklein im Thale, Rieseln im Bach,
Säuseln in Lüften, schmelzendes Ach!
Sterne in Wipfeln äugelnd durch Laub,
Ach, und die Seele der Sehnsucht Raub.

Weilst du so ferne? Bangst wohl nach mir?
Bringen die Sterne Grüsse von dir?
Alle so golden, selig und klar,
Ach, doch dein Blick nicht, mein Adolar!

Eglantine nähert sich von rechts vorn


VIERTER AUFTRITT
Eglantine. Euryanthe zu ihrer Linken

Nr. 5b - Recitativ

EGLANTINE
So einsam bangend find' ich dich?

EURYANTHE
O nenne Bangen nicht mein einzig Glück'
Dies Sehnen ist der Himmel unter Klagen.

EGLANTINE
Dein Hoffen und dein Sehnen
Zeigt dir als höchstes Glück nur Thränen -

EURYANTHE
Mir bot das Leben Leid und Liebe nur.
Verwaiset lebt ich in des Klosters Stille, wie Veilchen blühn.
Da drang der Liebe Blick, ein Pfeil, in meine unbewehrte Brust,
Und mein ward Adolar!

EGLANTINE
für sich
Weh ihm! Weh dir!

EURYANTHE
Nach Nevers führt er mich, zog in den Kampf;
Hier blieb ich einsam, sehnsuchtsvoll zurück.
Da fand ich dich, dein schmeichelnd holdes Kosen
Gab Lind'rung mir.

EGLANTINE
Du wandeltest den Kerker
Zur Freistatt um, warst mild der Heimatlosen,
Die ihrer Ahnen Burg in Staub gesehn,
Den Vater als Rebell geächtet, flüchten!
Mich tötet die Erinnerung!

EURYANTHE
O Geliebte!
Getrost blick' in die Zukunft! Mir vertraue!

EGLANTINE
Dir? Nimmer hast du mir Vertraun gewährt!
Dich drückt ein bang Geheimnis -
Leg es nieder in diese Brust,
Dann kann ich ruhig sein,
Nur dann, sonst nie!

EURYANTHE
Verschone, lass mich schweigen!

EGLANTINE
Des Unglücks Blick ist scharf! Um Mitternacht
In dunkler Gruft, wo du dich einsam wähnst,
Wacht Liebe dir zur Seite.

EURYANTHE
O verschweig' es dir selbst, was du gesehn.

EGLANTINE.
Nichts sagst du mir?

Nr. 6a - Arie

O mein Leid ist unermessen,
Du kannst mir dein Herz entziehn!
Lass mich einsam und vergessen
In die fernste Wildnis fliehn!
Lass mich fort, vom Sturm getrieben,
Irren, schwanken, untergehn!
Nein, dein Mitleid ist kein Lieben,
Nie sollst du mich wiedersehn.
Doch wie könnt' ich je dich meiden?
O verstoss mich nicht von hier!
Dulden will ich, lächelnd leiden,
Sterben süss am Busen dir!

Nr. 6b - Recitativ

EURYANTHE
Freundin! Geliebte! an meine Brust!
Wie konnt' ich solche Lieb' ermessen!
Vergieb!

Sie umarmen

EGLANTINE
Du liebst mich? Alles ist vergessen!

EURYANTHE
So treu hast du mit mir gewacht,
In dunkler Gruft, in stiller Nacht?

EGLANTINE
Was störest du der Toten Ruh'?

EURYANTHE
O nein! Ich flehe dort für Emmas Frieden.
Die Schwester Adolars, durch schnellen Tod
Entrissen seiner Brudertreu'; ihr Leid
Trug sie verschwiegen in die Gruft hinab.

EGLANTINE
Wer that es kund?

EURYANTHE
Ihr Geist!

EGLANTINE
Entsetzen! Wie?!

EURYANTHE
schauernd in Erinnerung vor sich hinstarrend
Am letzten Mai, in banger Trennung Stunde,
Bei Mondenlicht sah'n wir von Duft umwallt
Der holden Emma Luftgestalt,
Und säuselnd tönt's von ihrem bleichen Munde:
ªDie ihr der Liebe Thränen Herz an Herz so selig weinet,
Hört mich an! Auch mir
Strahlt' einst dies goldne Licht, mein Udo
Liebte mich zart und treu! Er fiel in blut'ger Schlacht!
Da war mein Leben mir kein Leben mehr,
Aus gifterfülltem Ring sog ich den Tod!
Weh dieser That, die mich vom Heil geschieden!
Getrennt von Udo irr ich durch die Nächte!
O weint um mich! Nicht eh' kann Ruh' mir werden,
Bis diesen Ring, aus dem ich Tod getrunken,
Der Unschuld Thräne netzt im höchsten Leid
Und Treu' dem Mörder Rettung beut für Mord!´

EGLANTINE
triumphierend
Gewicht'ge Kunde!

EURYANTH
entsetzt auffahrend
Was hab' ich gethan?
Verraten Adolars Geheimnis! Gott!
Gebrochen meinen Eid!

EGLANTINE
Befürchte nichts!

Nr. 7 - Duett

EURYANTHE
Unter ist mein Stern gegangen,
Bange Ahnung sagt es laut!

EGLANTINE
Kannst du zagen, kannst du bangen,
Holde, da du mir vertraut?

EURYANTHE
Weh! ich brach des Schweigens Treue!

EURYANTHE
Unter ist mein Stern gegangen,
Bange Ahnung sagt es laut!

EGLANTINE
Kannst du zagen, kannst du bangen,
Holde, da du mir vertraut? -
Such' an meinem Busen Ruh!

BEIDE
Trost der Liebe, süss bist (findest) du!

EURYANTHE
Ja, es wallt mein Herz aufs neue
Selig deinem Herzen zu;
Nie bezweifl' ich deine Treue,
Du nur bist mein alles, du!

EGLANTINE
Ja, es wallt dein Herz aufs neue
Selig meinem Herzen zu;
Zweifle nie an meiner Treue,
Du nur bist mein alles, du!

Euryanthe ab in das Gruftgewölbe links hinten. Eglantine begleitet sie


FÜNFTER AUFTRITT
Eglantine zurückkehrend; allein

Nr. 8 - Recitativ und Arie

EGLANTINE
mit ausbrechender Heftigkeit
Bethörte, die an meine Liebe glaubt,
Du bist umgarnt, nicht entrinnst du mehr!
Vor allem nun durchsuch' ich Emmas Gruft,
Für meinen Plan soll die Entdeckung nützen.
Vielleicht sinkt Adolar
Noch reuevoll an diese glüh'nde Brust.
O der Gedanke löst mich auf in Wonne
Und vor Entzücken ist die Seele trunken.
Fänd ich den Tod, an seine Brust gesunken
Nur einen, einen Augenblick,
Ich wollt' ihn mit Vernichtung zahlen.
Nur einen Augenblick an seiner Brust!
Hinweg, wahnsinn'ge Hoffnung! Gauklerin!
Erwecke nicht dies Herz zu neuen Qualen,
Ich weiss, dass ich ganz elend bin!

Arie

Er konnte mich um sie verschmähn,
Und ich sollt' es ertragen?
In herbem Leid soll ich vergehn
In meinen Blütentagen!
Er hörte kalt der Liebe Flehn,
Mein Herz, so bang, so todeswund. Weh'! weh'!
Drum stürz' auch all' sein Glück zu Grund!
Er konnte mich um sie verschmähn,
Und ich sollt' es ertragen?
Verschmähen konnt' er mich um sie, ja!
Drum stürz' auch all sein Glück zu Grund!

Im Abgehen nach rechts hört sie von links Lysiarts Trompete, sie sieht erwartend nach dort, wendet sich und eilt in das Grabgewölbe links hinten ab


SECHSTER AUFTRITT
Bauern und Bäuerinnen von rechts hinten, um Lysiart und die Ritter zu begrüssen. Gleichzeitig von links vorn acht Trompeter, die sich auf der linken Seite aufstellen; ihnen folgen achtzehn Ritter, die vor ihnen Aufstellung nehmen; endlich Lysiart und Rudolf, die Mitte nehmend

Nr. 9 - Finale

CHOR DER LANDLEUTE
Jubeltöne, Heldensöhne,
Fröhlich jauchzend euch empfangen;
Kühlt von Streites Glut die Wangen
Mit den Rosen dieser Flur.

CHOR DER RITTER
Mut erfrischt das Herz des Kriegers,
Kühnes Wagen ist ihm Wonne;
Selig, wen des Friedens Sonne
Unter diesen Blüten grüsst.

CHOR DER LANDLEUTE
Seht, entgegen lacht euch Segen!
Schöner blühen die Gefilde,
Sel'gen Friedens Himmelsmilde
Gabt, ihr Tapfern, uns zurück!
Hirtenweisen froh euch preisen,
Berg und Thal von Lust ertönen,
Lasst euch Dank und Liebe krönen
In der Treue Heiligtum.


SIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen. Eglantine, Euryanthe aus dem Gruftgewölbe

Lysiart eilt Euryanthe entgegen. Alle begrüssen Euryanthe

CHOR DER LANDLEUTE
Hirtenweisen froh euch preisen,
Berg und Thal von Lust ertönen
In der Treue Heiligtum!

CHOR DER RITTER
Heil der lieblichsten der Schönen,
Euryanthe Preis und Ruhm!

EURYANTHE
Graf Lysiart, edle Ritter, seid willkommen.

EGLANTINE
für sich
O möchte meiner Schmach ein Rächer kommen.

CHOR DER RITTER
leise untereinander
Wie schön ist sie! wie schön!

LYSIART
Erhab'ne Euryanth',
Reicht mir zum Dank die zarte Hand,
Ich bringe Freude!

EURYANTHE
für sich
Wie bin ich beklommen!
Laut
Mein tapfrer Graf, wer hat Euch hergesandt?

LYSIART
Mich hat des Königs Huld erwählt,
Dass ich Euch zum Begleiter diene,
Da noch dem Fest die Krone fehlt.

EURYANTHE
Mit Wonnebeben ehr' ich dies Gebot -
O Wiedersehen! Eglantine!

EGLANTINE
Willkomm'ne Kunde!
Für sich
Meinem Herzen Tod!

EURYANTHE
verbindlich zu Lysiart
Verschmähet nicht die ländlich stille Zelle
In Nevers' Burg zu kurzer Rast.

LYSIART
freudig
Wo du erscheinst, da wird die Wildnis helle,
Wie selig wäre deines Herzens Gast.
Beneidenswerter Freund!

CHOR DER RITTER
unter sich
O schwarzer Plan!

EURYANTHE
unbefangen
Wie sagt Ihr?

LYSIART
mit ritterlicher Courtoisie
Ehrfurcht Euch nur stammelnd nannte
Die süsseste der Erde, Euryanthe!

EURYANTHE
in heiterer Geschäftigkeit
Fröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
Euch den Tag, wo Ihr hoch uns erfreut!

Bauerntanz

Lysiart stellt Euryanthe den Rittern vor. Die Ritter begrüssen sie ehrfurchtsvoll. Rudolf macht sich mit Eglantine bekannt

CHOR
Fröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
Euch den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
Ruhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
Schmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!

EURYANTHE
Sehnen, Verlangen, schmachten und Bangen
Wandelt nun Hoffnung in himmlische Lust!
Wieder ihn sehen! Wonnen und Wehen
Schwellen die Seele, durchwogen die Brust!

RUDOLF
Sehnen, Verlangen, Schmachten und Bangen
Wandelt ihr Hoffen in himmlische Lust!
Sie wird ihn sehen! Wonnen und Wehen
Schwellen die Seele, durchwogen die Brust!

LYSIART
Stillt dies Verlangen süsses Umfangen,
Schwelg' ich in Wonnen an Lippe und Brust!
Werd' ich ihn sehen wütend vergehen,
Marter des Feindes ist Krone der Lust!

EGLANTINE
Nun nicht mehr bangen! Was sie begangen,
Stürzet zu Trümmern ihr Glück, ihre Lust!
Nicht mehr verschmähen wird er mein Flehen,
Trunken vom Siege schon klopft meine Brust!

CHOR
Fröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
Euch den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
Ruhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
Schmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!

EURYANTHE
Sehnend Verlangen durchwogt die Brust,
Wieder ihn sehen, Wonnen und Wehen
Durchwogen die Brust!

CHOR
Fröhliche Klänge, Tänze, Gesänge
Feiern den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
Ruhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
Schmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!

EURYANTHE
Sehnend Verlangen durchwogt die Brust!
Sehnend Verlangen, Schmachten und Bangen
Durchwoget die Brust.
Wieder ihn sehen, o himmlische Lust!
Sehnend Verlangen durchwoget die Brust,
Wieder ihn sehen, o himmlische Lust!

Euryanthe reicht Lysiart freundlich die Hand. Lysiart führt sie nach rechts hinten ab. Eglantine von Rudolf geführt, folgt. Die Ritter und Trompeter schliessen sich an. Die Bauern geben den Abgehenden Raum



|新しいページ|検索|ページ一覧|RSS|@ウィキご利用ガイド | 管理者にお問合せ
|ログイン|