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DRITTER AUFZUG

Eine öde, von dichtem Gebüsch umwachsene Felsschlucht. Über eine kleine Anhöhe rechts führt ein steiler Pfad herein. Im Vordergrund links eine von Trauerweiden umgebene Quelle, in deren Nähe ein Moossitz.Vollmondnacht

ERSTER AUFTRITT
Adolar schwarz gerüstet, das Schwert, mit dem er sich den Weg gebahnt, in der Hand, steigt langsam den Pfad von rechts nieder und bleibt, im Kampfe mit sich, sinnend stehen. Euryanthe in wallendem Haar und in einem einfachen weissen Kleide, folgt ihm matt und bebend

Nr. 15 - Recitativ und Duett

Recitativ

EURYANTHE
Hier weilest du? Hier darf ich ruhn?
Sich rechts vorn an ein Felsstück lehnend
O gönn' auch Frieden meiner Seele nun!
Bei Sonnenglut, bei Sternenschimmer
Durchirrtest du den öden Hain,
Sie wendet sich mit einigen Schritten zu ihm
Verschmähtest Rast und Labung immer,
Und neben dir, o Gott! war ich allein!
Sei milde nun!

Adolar wendet sich und blickt sie durchbohrend an.

EURYANTHE
flieht von ihm
Weh! solch ein Blick ist Tod!
Was ist's, dass mir dein Zürnen droht?
Du wendest dich hinweg von meinen Leiden?
Lass mich nicht ohne Trost verscheiden!
Ein lindernd Wort nur lass der Lipp' entbeben,
Nur einen Blick, wie du mir sonst gegeben!

ADOLAR
Dies ist der Ort,
So schaurig, öd' und still,
Wie meine That ihn will!
Ich führte dich zum Tode fort.

EURYANTHE
Barmherzigkeit!

ADOLAR
Vernimm mein letztes Wort!
Es wecke meine Stimme
Dein schlummerndes Gewissen!
Du sollst in meinem Grimme
Erbarmen nicht vermissen.
Bereu'!

EURYANTHE
Ich bin mir Liebe nur bewusst!
Fühlst du nicht meine Treu' in deiner Brust?

ADOLAR
Du, die entweiht das heiligste Vertrauen,
Den Himmel log und barg des Abgrunds Grauen -

Duett

ADOLAR
Wie liebt' ich dich! Du warst mein höchstes Gut!
Du warst mein höchstes Gut! wie liebt' ich dich!

EURYANTHE
O stille deines Zornes Glut!
Mein Herz ist rein, wie meine Thaten.

ADOLAR
Der höchsten Liebe sprachst du Hohn!
So grässlich ward noch nie die Treu verraten;
Empfange nun der Unthat Lohn!

EURYANTHE
O höre mich.

ADOLAR
Zu oft von deinen Lippen
Hört ich den holden Liebeton.
Sirenenlied an Todesklippen,
Verstumm' auf ewig!

EURYANTHE
Kann nichts dich bewegen,
So töte mich! Mein letzter Hauch ist Segen
Für dich, mein letzter Herzschlag dir geweiht!

ADOLAR
Verworfene! Zum Tode sei bereit!

EURYANTHE
Du klagst mich an!

ADOLAR
Der Tod macht dich -

EURYANTHE
O herbe Pein!

ADOLAR
Von Makel rein!

EURYANTHE
Vertraun und Glauben sind geschwunden -

ADOLAR
Der Tod macht dich von Makel rein!

EURYANTHE
Du klagst mich an -

ADOLAR
Im Sterben nur -

EURYANTHE
O herbe Pein!

ADOLAR
Kannst du gesunden!

EURYANTHE
Vertraun und Glauben sind verschwunden,
So bittrer Tod war nie gefunden,
Mein Leben war in dir allein!

ADOLAR
Mein Herzblut quillt aus deinen Wunden!
Weh, dass ich muss dein Richter sein!

EURYANTHE
Du klagst mich an!

ADOLAR
Der Tod macht dich -

EURYANTHE
O herbe Pein!

ADOLAR
Von Makel rein!

EURYANTHE
Vertraun und Glauben sind verschwunden,
Mein Leben war in dir allein!
Du klagst mich an, o herbe Pein,
Mein Leben war in dir allein!

ADOLAR
Weh, dass ich muss dein Richter sein!
Der Tod macht dich von Makel rein,
Weh, dass ich muss dein Richter sein!

EURYANTHE
scheint Grässliches zu gewahren und eilt zurück an Adolars Brust, als wolle sie ihn schützen
Entsetzen! rette dich!
Nach links hineinsehend
Sieh, eine Schlange, fürchterlich,
Wälzt sich herbei durch das Gestein!
Hinweg, lass mich das Opfer sein!
Für dich zu sterben, o versage
Dies höchste Glück nicht meinem Fleh'n!
Schon naht die Schlange, flüchte!

ADOLAR
sie von sich stossend
Nicht verzage!
Mit Gott will ich den Kampf bestehn!

Ab nach links vorn


ZWEITER AUFTRITT
Euryanthe allein

Nr. 16 - Arioso und Recitativ

EURYANTHE
in heftiger Angst
Schirmende Engel Schar,
Wachend allimmerdar,
In tiefster Mächte Schoss
Über der Menschen Los,
Blicke herab!
Schirmende Engelschar, blicke herab!
Schäumend in Kampfes Wut,
Qualmend in Dampf und Glut
Dringet die Feindin ein!
O wo wird Hilfe sein
In dieser Not?
Wie sie dichter ihn umzingelt,
Sich nach seinem Herzen ringelt!
Weh! er fällt! - Nein! mein Held
Ringt sich auf und hochgeschwungen
Blitzt sein Schwert! Es ist gelungen!
Heil! der Sieg ist ihm gegeben!
Seele, fühle ganz dein Glück!
O was ist mein Leben
Gegen diesen Augenblick! -

Sie eilt in höchster Freudigkeit dem zurückkehrenden Adolar entgegen


DRITTER AUFTRITT
Euryanthe. Adolar zu ihrer Linken

Recitativ

EURYANTHE
Nun lass mich sterben!

ADOLAR
Nein, das sei mir fern!
Dich töten war der Ehre streng' Gebot,
Du aber wolltest gehn für mich in Tod,
So kann ich nicht dein Richter sein;
Im Schutz des Höchsten bleibe hier allein!

Er eilt, nach schmerzlichem innern Kampf sich losreissend, mit einem letzten Blick auf Euryanthe nach links ab


VIERTER AUFTRITT
Euryanthe allein

Nr. 17 - Recitativ und Kavatine

Recitativ

EURYANTHE
So bin ich nun verlassen,
So muss ich hier erblassen
Im öden Felsenthal,
In Einsamkeit und Qual!
Was rieselst du im Haine,
Du Quelle, mildiglich?
Was blickst mit goldnem Scheine,
So lieblich, Mond, auf mich?
Nicht sieget deine Pracht
Ob meiner Leiden Nacht.
Wo irr' ich hin?
Ach, nirgend hin!
Die ganze Welt ist öd' und leer,
Mir bleibet keine Heimat mehr!

Kavatine

Hier dicht am Quell, wo Weiden stehn,
Die Sterne hell durchschauen,
Da will ich mir den Tod erflehn,
Mein stilles Grab mir bauen.
Wohl kommt auch er einst weit daher,
Und findet kaum die Stätte mehr;
Dann rauscht ihm sanft die Weide zu:
Sie fand von Lieb' und Leide Ruh'!
Die Blum' im Thaue spricht:
Nein: sie verriet dich nicht!

Sie sinkt erschöpft auf den Moossitz an der Quelle links hin. Die Morgenröte bricht an. Bauern Männerchor, treten beim Beginn der Hornmusik von links hinten auf und nehmen die rechte Seite


FÜNFTER AUFTRITT
Euryanthe. Bauern. Dann Jäger und Musikanten

Nr. 18 - Jägerchor

Die erste Strophe entfernt.

CHOR
Die Thale dampfen, die Höhen glühn,
Welch fröhlich Jagen im Waldesgrün!
Der Morgen weckt zu frischer Lust,
Hoch schwillt die Brust, des Siegs bewusst.
Dringt mutig durch Schluchten und Moor,
Lasst schmettern die Hörner im Chor:
Ihr Fürsten der Waldung hervor!

Die Jäger kommen von rechts hinten und nehmen die linke Seite. Die Musikanten folgen ihnen, indem sie die Mitte nehmen

CHOR
Nun freudig sieget das goldne Licht,
Vom Bogen flieget des Pfeils Gewicht,
Ereilt den Aar auf luft'gem Horst,
Erlegt die Schlang' im dichten Forst.
Wohlauf denn durch Schluchten und Moor,
Lasst schmettern die Hörner im Chor:
Ihr Fürsten der Waldung hervor!

Der König erscheint nach Beendigung des Jagdchors auf der kleinen Anhöhe rechts. Vier Pagen und zwei Jagdjunker folgen ihm und nehmen dann hinter ihm Aufstellung


SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der König und Gefolge

KÖNIG
blickt nach links vorn hinein und scheint dort die getötete Schlange wahrzunehmen
O seht! die Schlang' erlegt von starker Hand!

CHOR
hat inzwischen Euryanthe bemerkt und lenkt des Königs Aufmerksamkeit auf sie
Und hier in Thränen eine zarte Frau!

KÖNIG
ist herabgestiegen und hat sich Euryanthe genähert
Wer du auch sein magst, holde Unbekannte,
Verbanne jede Scheu, blick' auf zu mir,
Des Unglücks Hort, dein König, spricht zu dir!

Euryanthe wendet ihr Antlitz gegen den König, ohne aufzustehn

KÖNIG UND CHOR
sie erkennend
Himmel! Euryanthe!

Jäger ziehen sich nach rechts vor die Bauern

Nr. 19 - Duett mit Chor

EURYANTHE
Lasst mich hier in Ruh' erblassen,
Gönnt mir diese letzte Huld!

KÖNIG
Nein, ich will dich nicht verlassen,
Komm', zu sühnen deine Schuld!

EURYANTHE
Meine Brust ist rein von Schuld.

KÖNIG
Du nicht schuldig? Dürft ich's hoffen?

CHOR
Hilf uns auf der Wahrheit Spur!

EURYANTHE
Eglantines flehend Kosen
Lockt' mir mein Geheimnis ab;
Natter war sie unter Rosen,
Die den Tod mir schmeichelnd gab.

KÖNIG
Euryanthe, sprichst du Wahrheit,
O so nimm mein Wort zum Pfand,
Höllentrug bring ich zur Klarheit,
Neu knüpf' ich dein schönes Band.

EURYANTHE
Wiedersehn!
Sich langsam aufrichtend
Mich ihm versöhnen,
Wär' es möglich?

CHOR
Hoffe! Lebe!

EURYANTHE
Stürb' ich hin in diesen Tönen!

CHOR
Hoffe!

EURYANTHE
Täuscht mich nicht!

KÖNIG
Glaube, hoffe, lebe!

CHOR
Glaube, hoffe, liebe, lebe!

EURYANTHE
O wie ich bebe! o kann ich's fassen!

Nr. 20 - Arie mit Chor

EURYANTHE
in Wonneglut aufspringend
Zu ihm, zu ihm, zu ihm! o weilet nicht!
Wo bist du meines Daseins Licht?
Wo bist du wo bist du, wo?
Zu ihm, dass ich ihn fest umfasse,
Ihn nimmer, nimmer lasse!
So Herz an Herzen, Aug' in Auge,
Aus seinen Blicken Leben sauge!
Wo bist du meines Daseins Licht,
Dass ich dich fest umfasse,
Nimmer, nimmer lasse!
Wo bist du, wo bist du?
Zu ihm, o weilet nicht!

CHOR.
Fort - o weilet nicht!

EURYANTHE
Zu ihm, zu ihm, zu ihm!
O weilet nicht!
Wo bist du meines Daseins Licht?
Wo bist du, wo bist du, wo?
Zu ihm, zu ihm, zu ihm!

CHOR
Fort, fort, fort! o weilet nicht!
Fort, o weilet nicht! fort zu ihm!

EURYANTHE
Dass ich ihn fest umfasse,
Ihn nimmer, nimmer lasse!
Herz an Herzen, Aug' in Auge
Seiner Blicke Leben sauge!
Dass ich ihn fest umfasse,
Nimmer lasse, nimmer lasse!
Zu ihm! o Hoffnung! Himmelsstrahl!
Ich trag' es nicht!
Ich sterb' in Wonn' und Qual!
Ich trag' es nicht!
Ich sterb' in Wonn' und Qual!

CHOR
Hoffe, liebe, lebe!
Dir winkt ein Himmelsstrahl!

EURYANTHE
Ach!
Sie sinkt zusammen

CHOR
O Jammer, unerhört!
O lieblichste der Blüten,
Wie hat so früh das Wüten
Des Sturmes dich zerstört!

Alle umstehen Euryanthe mit teilnahmsvollen Gebärden


Verwandlung

Freier Platz vor der Burg Nevers, deren Eingangsthor man links hinten hoch oben erblickt; die Zugbrücke führt auf einen im Zickzack nach unten verlaufenden Weg. Im Vordergrunde rechts und links die Hütten der Landleute; rechts vorn diejenige des Brautpaars. Rasenbänke rechts und links ganz vorn. In weiter Ferne sieht man die weinumlaubten Berge der schönen Landschaft

SIEBENTER AUFTRITT
Die Brautmutter. Der Bräutigam. Die Braut. Bertha. Bauern und Bäuerinnen. Man beglückwünscht das Brautpaar und schmückt dessen Hütte rechts vorn mit Blumengewinden

Nr. 21 - Tanz mit Gesang und Chor
Pas de cinq Bauerntanz
Gesang und Chor.

BERTHA
Der Mai bringt frische Rosen dar,
Die Rose schmückt der Jungfrau Haar,
Und niemand weiss im grünen Mai,
Was Rose, noch was Mädchen sei.

CHOR
Berthas Gesang mit teilnehmenden Gebärden begleitend
Denn was da blüht, ist Ros' im Mai.

BERTHA
Der Mai bringt frische Blüten viel,
Die Liebe ist des Maien Spiel,
Und niemand weiss im grünen Mai,
Was Blüte, noch was Liebe sei.

CHOR
Denn was da blüht, das liebt im Mai!

BERTHA
Der Mai bringt dir, du teures Paar,
Der Blüten allerschönste dar.
Wohl wisst ihr zwei im grünen Mai,
Wie selig Lieb' und Treue sei.

CHOR
Denn eure Treu' krönt heut' der Mai!

Adolar mit gesenktem Visier, wankt, ohne das festliche Treiben zu beachten, von rechts hinten herzu und steht sinnend rechts vorn


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Adolar. Alle Übrigen sind erstaunt über das Erscheinen des Unbekannten

ADOLAR
Giebts keine Treu' auf weiter Erde mehr,
Davon, davon ist mir das Herz so schwer.
In Liebesglut ist nichts als Wankelmut,
Am falschen Herzen sich's gefährlich ruht.

DIE LANDLEUTE
Welch Klagen hier trübt froher Liebe Mut?

ADOLAR
Fahr' hin, fahr' hin, du süsser Liebestraum,
Gieb dunkler Nacht und ihren Schrecken Raum.
Nacht ohne Licht herein mit Stürmen bricht;
Heimat, versag' ein Grab dem Müden nicht.
Er öffnet sein Visier. Die Landleute erkennen ihren Herrn; freudige Bewegung

CHOR
Er ist's, o Glück, o neuer Hoffnung Licht!

BERTHA
So musste der ersehnte Tag erscheinen!

ALLE
Geliebter Herr! willkommen bei den deinen!

ADOLAR
Hinweg! Lasst meiner Trauer mich!

BERTHA
Hier schlägt noch jedes Herz für dich!

CHOR
Führ' an der Jugend mut'ge Schar, befreie
Dein seufzend Land -

ADOLAR
Du süsse, heil'ge Treue!
Du lebst, doch nicht in Euryanthes Brust!

CHOR
Den schnödesten Verdacht entferne,
Ich spreche Wahrheit sonder Scheu:
Es wankten eh' des Himmels Sterne,
Als unsrer süssen Herrin Treu'!

ADOLAR
Nein! sie verriet mich!

BERTHA
Hör' gewicht'ge Kunde:
Mit deinem Feind ist Eglantin' im Bunde,
Auf deiner Ahnen stolzem Sitz,
Wo du ihr Zuflucht einst gegeben,
Will Lysiart heut zur Herrin sie erheben.

ADOLAR
Allwaltender, wo ist dein Blitz?!

Nr. 22 - Solo mit Chor

BERTHA UND CHOR
Vernichte kühn das Werk der Tücke,
Vertrau' der Liebe und dem Glücke!
Es jauchzt dir zu dein ganzes Land,
Zum Schwert für dich greift jede Hand!

ADOLAR
Hilf mir durchschau'n das Werk der Tücke,
Allwissender, mit klarem Blicke;
Gieb Kraft zum Siege meiner Hand,
Für Ehre, Treue, Gut und Land.

Er schliesst seinen Helm und tritt beobachtend nach links vorn


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Die Personen des Hochzeitsmarsches

Nr. 23 - Hochzeitsmarsch und Chor

Die acht Trompeter welche aus dem Eingangsthor des Schlosses links hinten den Hochzeitszug eröffnen, beginnen die Marschmusik. Es folgen ihnen im Marsch ohne Tritt: ein Offizier, zwei Fahnenträger mit schwarzen Fahnen, zwei Fahnenträger mit den Fahnen von Nevers und Rethel, vierzehn Soldaten, zwei Chorknaben mit Fahnen, zwei Chorknaben mit Räucherbecken, zwei Chorknaben mit Lichtern, zwei Geistliche, Lysiart und Eglantine totenbleich, zwei Pagen die Eglantines Schleppe tragen, vier Damen, vierzehn Ritter, ein Offizier, zwei Fahnenträger mit den Fahnen von Nevers und Rethel, zwölf Soldaten. Die Fahnenträger mit den schwarzen Fahnen nehmen am untern Ausgang des vom Schloss herabkommenden Weges Aufstellung. Der erste Offizier mit den beiden andern Fahnenträgern und die vierzehn Soldaten marschieren nach rechts und von da nach links um den Raum und nehmen zuerst auf der linken Seite Aufstellung, um den Zug, der den ganzen Raum umschreitet, an sich vorüber ziehen zu lassen; dann ziehen sie sich nach rechts hinüber und nehmen dort Aufstellung. Der letzte Offizier mit seinen zwei Fahnenträgern und zwölf Soldaten nimmt auf dem Burgweg Aufstellung

LANDLEUTE
Das Frevlerpaar! Weh' diesem Bunde!

ADOLAR
O klopfend Herz - sei stark zu dieser Stunde!

EGLANTINE
mit Gebärden des Schmerzes, indem sie mit Entsetzen, das in Wahnsinn übergeht, stehen bleibt
Ich kann nicht weiter! Todesschauer
Durchrieseln mein Gebein!
Mich drückt die Luft -
Sieh! Emma steigt aus dunkler Gruft,
Sie winket mir mit starrer Hand!
Was forderst du zurück der Rache Pfand?
Ich gab es hin, die Unschuld zu ermorden!
Hinweg! Hier bin ich Herrscherin geworden!
Auf ewig, Lysiart, bin ich dein!
Geschmiedet ist der Trauring, fest und eigen,
Mit Meineid, Blut und Thränen - kannst du schweigen?
Sei ruhig! Nacht hüllt unsre Thaten ein!

Lysiart schaut sie ingrimmig an

CHOR
Welch Entsetzen! Welch Gericht!
Die Vergeltung schlummert nicht.

LYSIART
Hört! dass Wahnsinn aus ihr spricht!

ADOLAR
für sich
Ha! mir tagt ein schrecklich Licht!
Vortretend, Lysiart zur Linken
Erzittre, ruchlos' Paar! Es naht die Rache.
Der Himmel führt bedrückter Unschuld Sache!

LYSIART
Was zischest aus dem Staub du, nicht'ger Wurm?
Vasallen, werft den Fremdling in den Turm!

Die vierzehn Ritter zur Linken, wollen auf Adolar eindringen

ADOLAR
zu ihnen
Mich wollt ihr fahen? mich?

Er schlägt den Helmsturz auf

CHOR
in freudigem Erstaunen, in Jubel ausbrechend
Heil, Adolar, in seiner Väter Hallen!

Die Ritter drängen sich um ihn

CHOR
Geliebter, unsre Demut dich versöhne!

EGLANTINE
aus dumpfer Betäubung erwachend und in die Arme ihrer rechts vorn stehenden Frauen sinkend
Er ist's! in seiner Glorie, seiner Schöne!
Weh mir!

LYSIART
Verderben, Fluch euch allen!
Verwegne Knechte, büssend sollt ihr fallen!

Nr. 24 - Chor mit Duett

DIE RITTER
Chor, sich drohend gegen Lysiart gruppierend
Trotze nicht, Vermessener!
Strafe dräut, Verräter.
Tilgt das Werk der Nacht!
Zittre, Gottvergessener!
Birg dich, Missethäter!
Gottes Auge wacht.

ADOLAR
Zum Kampf, zum Gottgerichte,
Verruchter Frevler, du!

LYSIART
Dass ich dich, Feind! vernichte,
Jauchzt mir der Abgrund zu!

ADOLAR
Dein schwarzes Herz durchwühle
Mein sieggewohnter Stahl!

LYSIART
Dein strömend Herzblut kühle
Der Seele Folterqual!

ADOLAR
Dein schwarzes Herz durchwühle
Mein sieggewohnter Stahl!

LYSIART
Dein strömend Herzblut kühle
Der Seele Folterqual!

CHOR
Trotze nicht, Vermessener!
Zittre, Gottvergessener!
Trotze nicht, Vermessener!
Strafe dräut, Verräter,
Tilgt, das Werk der Nacht!
Erzittre, Gottvergessener!
Birg dich, Missethäter!
Gottes Auge wacht!

ADOLAR
Dein schwarzes Herz durchwühle
Mein sieggewohnter Stahl!

LYSIART
Dein strömend Herzblut kühle
Der Seele Folterqual!

CHOR
Zittre, Gottvergessener!

ADOLAR
Zum Kampf! Zum Gottgerichte!
Verruchter Frevler du!
Trotze nicht! Gottes Auge wacht!

LYSIART
Zum Kampf! will nicht um Mitleid werben,
Heran! ich bin bereit! heran!

CHOR
Birg dich, Missethäter!
Gottes Auge wacht!
Schande nur und Verderben
Ist ewig dir geweiht!
Trotze nicht! trotze nicht!
Gottes Auge wacht!

Adolar, Lysiart ziehen die Schwerter und dringen aufeinander ein. Der König, zwei Jagdjunker, vier Pagen nahen sich von rechts hinten. Die zwei Jagdjunker trennen die Kämpfenden


ZEHNTER AUFTRITT
Der König nimmt zwischen Lysiart und Adolar die Mitte. Die vier Pagen stehen hinter ihm. Die beiden Jagdjunker nehmen, zurückstehend, zur Linken des Königs Aufstellung

Nr. 25 - Finale

KÖNIG
zürnend
Lasst ruhn das Schwert, der höchste Richter naht,
Der Rächer jeder Frevelthat!

Alle beugen sich ehrerbietig. Lysiart das Schwert senkend, tritt zurück

ADOLAR
knieend
Mein König, hör' den grässlichsten Verrat!
Wir sind getäuschet, aller Tugend Bildnis
War Euryanthe! - Weh mir! in der Wildnis
Verlassen irret sie umher!
Hilf, rette, strafe!

KÖNIG
Hemme deine Klagen,
Fass' dich, als Held das Grässlichste zu tragen,
Dich segnend ist das treuste Herz gebrochen!

EGLANTINE
in teuflischer Lust auffahrend
Triumph! gerochen
Ist meine Schmach! der Feindin Herz gebrochen!
Es stürmt der Tod durch deine Brust!
Betrogner! war dir meine Glut bewusst,
Wie legtest sorglos und vermessen
Die Schlange du an der Geliebten Brust?
So hattest du mein Flehn vergessen?
Vergessen meinen Todesschmerz?
Vergessen deines Kaltsinns Hohn?
Vergessen meines Zornes Drohn?

ADOLAR
Abscheuliche!

EGLANTINE
Grausamer Adolar!
Verzweifle, da sie schuldlos war!
Ich war's, von deren Hand den Ring
Der kühne Räuber dort empfing.
Ich war's, die ihn der Gruft entwandte.
Rein, wie das Licht, war Euryanthe!

CHOR
O höllischer Verrat! o herb' Geschick!

LYSIART
nähert sich Eglantine
Wahnsinn'ge!

EGLANTINE
Schnödes Werkzeug meiner Rache,
Dich schleudr' ich in dein Nichts zurück!

LYSIART
Was hält mich, dass ich dich zermalme,
Meineidige! Verräterin!

Er stösst sie nieder. Eglantine fällt ihren Frauen in die Arme, die sie nach rechts vorn abführen

CHOR
Ruchloser Mörder!

KÖNIG
winkt
Führt zum Tod ihn!

ADOLAR
Nein, gebt ihn frei!
Lasst ganz sein Werk ihn krönen.
Hier ist mein Herz, der Mörder sei
Befriedigt. - Gott! wen nannt' ich Mörder? Ich!
Ich bin der Mörder und der Fluch trifft mich!
Wer mordete mit wildem Triebe
Die höchste Treue, Glauben, Unschuld, Liebe!
Wo lebt ein Frevler sonst, als ich?

Er versinkt in dumpfe Verzweiflung. Der König winkt noch einmal. Lysiart wendet sich nach hinten.
Die beiden Jagdjunker, der Offizier rechts hinten und sechs Mann seiner Soldaten begleiten Lysiart als Gefangenen nach rechts hinten hinaus. Hornsignale rechts hinten

CHOR DER JÄGER
rechts hinten
O Wonne! sie atmet! sie lebet!

Euryanthe, Chor der Jäger kommen von rechts hinten


ELFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Euryanthe zu Adolar in den Vordergrund eilend. Jagdchor

Duett mit Chor

Der Jagdchor nimmt vor den Trompetern Ausstellung. Adolar kniet vor Euryanthe. Der König in der Mitte, hinter beiden stehend

EURYANTHE, ADOLAR
Hin nimm die Seele mein,
Atme mein Leben ein!
Hin nimm die Seele mein,
Mein Leben atme ein,
Ganz bin ich dein!
Lass mich in Lust und Wehn
An deiner Brust vergehn!

CHOR
O Lust nach Todespein,
O Treue, stark und rein,
Du sein, er dein!
Holdseliger Verein,
O Lust nach Todespein!

Recitativ

ADOLAR
von Entzückung ergriffen
Ich ahne, Emma, selig ist sie jetzt:
Der Unschuld Thräne hat den Ring benetzt.
Treu' bot dem Mörder Rettung an für Mord,
Ewig vereint mit Udo weilt sie dort!

König nähert sich und vereinigt die Hände der Liebenden

Schlusschor

EURYANTHE, ADOLAR
Nun selig Glück will jedes Leid versöhnen!

CHOR
Nun feiert hoch in vollen Jubeltönen
Der Ritter Schmuck, die treu'ste aller Schönen.
Geprüftes Paar, besiegt ist Nacht und Tod,
Die Wahrheit strahlt im reinsten Morgenrot,
Der Himmel schirmt dies Band!
Heil Adolar! In vollen Jubeltönen!
Heil Euryanth'! Der Treusten aller Schönen.
Heil Adolar! Heil Euryanth'.
DRITTER AUFZUG

Eine öde, von dichtem Gebüsch umwachsene Felsschlucht. Über eine kleine Anhöhe rechts führt ein steiler Pfad herein. Im Vordergrund links eine von Trauerweiden umgebene Quelle, in deren Nähe ein Moossitz.Vollmondnacht

ERSTER AUFTRITT
Adolar schwarz gerüstet, das Schwert, mit dem er sich den Weg gebahnt, in der Hand, steigt langsam den Pfad von rechts nieder und bleibt, im Kampfe mit sich, sinnend stehen. Euryanthe in wallendem Haar und in einem einfachen weissen Kleide, folgt ihm matt und bebend

Nr. 15 - Recitativ und Duett

Recitativ

EURYANTHE
Hier weilest du? Hier darf ich ruhn?
Sich rechts vorn an ein Felsstück lehnend
O gönn' auch Frieden meiner Seele nun!
Bei Sonnenglut, bei Sternenschimmer
Durchirrtest du den öden Hain,
Sie wendet sich mit einigen Schritten zu ihm
Verschmähtest Rast und Labung immer,
Und neben dir, o Gott! war ich allein!
Sei milde nun!

Adolar wendet sich und blickt sie durchbohrend an.

EURYANTHE
flieht von ihm
Weh! solch ein Blick ist Tod!
Was ist's, dass mir dein Zürnen droht?
Du wendest dich hinweg von meinen Leiden?
Lass mich nicht ohne Trost verscheiden!
Ein lindernd Wort nur lass der Lipp' entbeben,
Nur einen Blick, wie du mir sonst gegeben!

ADOLAR
Dies ist der Ort,
So schaurig, öd' und still,
Wie meine That ihn will!
Ich führte dich zum Tode fort.

EURYANTHE
Barmherzigkeit!

ADOLAR
Vernimm mein letztes Wort!
Es wecke meine Stimme
Dein schlummerndes Gewissen!
Du sollst in meinem Grimme
Erbarmen nicht vermissen.
Bereu'!

EURYANTHE
Ich bin mir Liebe nur bewusst!
Fühlst du nicht meine Treu' in deiner Brust?

ADOLAR
Du, die entweiht das heiligste Vertrauen,
Den Himmel log und barg des Abgrunds Grauen -

Duett

ADOLAR
Wie liebt' ich dich! Du warst mein höchstes Gut!
Du warst mein höchstes Gut! wie liebt' ich dich!

EURYANTHE
O stille deines Zornes Glut!
Mein Herz ist rein, wie meine Thaten.

ADOLAR
Der höchsten Liebe sprachst du Hohn!
So grässlich ward noch nie die Treu verraten;
Empfange nun der Unthat Lohn!

EURYANTHE
O höre mich.

ADOLAR
Zu oft von deinen Lippen
Hört ich den holden Liebeton.
Sirenenlied an Todesklippen,
Verstumm' auf ewig!

EURYANTHE
Kann nichts dich bewegen,
So töte mich! Mein letzter Hauch ist Segen
Für dich, mein letzter Herzschlag dir geweiht!

ADOLAR
Verworfene! Zum Tode sei bereit!

EURYANTHE
Du klagst mich an!

ADOLAR
Der Tod macht dich -

EURYANTHE
O herbe Pein!

ADOLAR
Von Makel rein!

EURYANTHE
Vertraun und Glauben sind geschwunden -

ADOLAR
Der Tod macht dich von Makel rein!

EURYANTHE
Du klagst mich an -

ADOLAR
Im Sterben nur -

EURYANTHE
O herbe Pein!

ADOLAR
Kannst du gesunden!

EURYANTHE
Vertraun und Glauben sind verschwunden,
So bittrer Tod war nie gefunden,
Mein Leben war in dir allein!

ADOLAR
Mein Herzblut quillt aus deinen Wunden!
Weh, dass ich muss dein Richter sein!

EURYANTHE
Du klagst mich an!

ADOLAR
Der Tod macht dich -

EURYANTHE
O herbe Pein!

ADOLAR
Von Makel rein!

EURYANTHE
Vertraun und Glauben sind verschwunden,
Mein Leben war in dir allein!
Du klagst mich an, o herbe Pein,
Mein Leben war in dir allein!

ADOLAR
Weh, dass ich muss dein Richter sein!
Der Tod macht dich von Makel rein,
Weh, dass ich muss dein Richter sein!

EURYANTHE
scheint Grässliches zu gewahren und eilt zurück an Adolars Brust, als wolle sie ihn schützen
Entsetzen! rette dich!
Nach links hineinsehend
Sieh, eine Schlange, fürchterlich,
Wälzt sich herbei durch das Gestein!
Hinweg, lass mich das Opfer sein!
Für dich zu sterben, o versage
Dies höchste Glück nicht meinem Fleh'n!
Schon naht die Schlange, flüchte!

ADOLAR
sie von sich stossend
Nicht verzage!
Mit Gott will ich den Kampf bestehn!

Ab nach links vorn


ZWEITER AUFTRITT
Euryanthe allein

Nr. 16 - Arioso und Recitativ

EURYANTHE
in heftiger Angst
Schirmende Engel Schar,
Wachend allimmerdar,
In tiefster Mächte Schoss
Über der Menschen Los,
Blicke herab!
Schirmende Engelschar, blicke herab!
Schäumend in Kampfes Wut,
Qualmend in Dampf und Glut
Dringet die Feindin ein!
O wo wird Hilfe sein
In dieser Not?
Wie sie dichter ihn umzingelt,
Sich nach seinem Herzen ringelt!
Weh! er fällt! - Nein! mein Held
Ringt sich auf und hochgeschwungen
Blitzt sein Schwert! Es ist gelungen!
Heil! der Sieg ist ihm gegeben!
Seele, fühle ganz dein Glück!
O was ist mein Leben
Gegen diesen Augenblick! -

Sie eilt in höchster Freudigkeit dem zurückkehrenden Adolar entgegen


DRITTER AUFTRITT
Euryanthe. Adolar zu ihrer Linken

Recitativ

EURYANTHE
Nun lass mich sterben!

ADOLAR
Nein, das sei mir fern!
Dich töten war der Ehre streng' Gebot,
Du aber wolltest gehn für mich in Tod,
So kann ich nicht dein Richter sein;
Im Schutz des Höchsten bleibe hier allein!

Er eilt, nach schmerzlichem innern Kampf sich losreissend, mit einem letzten Blick auf Euryanthe nach links ab


VIERTER AUFTRITT
Euryanthe allein

Nr. 17 - Recitativ und Kavatine

Recitativ

EURYANTHE
So bin ich nun verlassen,
So muss ich hier erblassen
Im öden Felsenthal,
In Einsamkeit und Qual!
Was rieselst du im Haine,
Du Quelle, mildiglich?
Was blickst mit goldnem Scheine,
So lieblich, Mond, auf mich?
Nicht sieget deine Pracht
Ob meiner Leiden Nacht.
Wo irr' ich hin?
Ach, nirgend hin!
Die ganze Welt ist öd' und leer,
Mir bleibet keine Heimat mehr!

Kavatine

Hier dicht am Quell, wo Weiden stehn,
Die Sterne hell durchschauen,
Da will ich mir den Tod erflehn,
Mein stilles Grab mir bauen.
Wohl kommt auch er einst weit daher,
Und findet kaum die Stätte mehr;
Dann rauscht ihm sanft die Weide zu:
Sie fand von Lieb' und Leide Ruh'!
Die Blum' im Thaue spricht:
Nein: sie verriet dich nicht!

Sie sinkt erschöpft auf den Moossitz an der Quelle links hin. Die Morgenröte bricht an. Bauern Männerchor, treten beim Beginn der Hornmusik von links hinten auf und nehmen die rechte Seite


FÜNFTER AUFTRITT
Euryanthe. Bauern. Dann Jäger und Musikanten

Nr. 18 - Jägerchor

Die erste Strophe entfernt.

CHOR
Die Thale dampfen, die Höhen glühn,
Welch fröhlich Jagen im Waldesgrün!
Der Morgen weckt zu frischer Lust,
Hoch schwillt die Brust, des Siegs bewusst.
Dringt mutig durch Schluchten und Moor,
Lasst schmettern die Hörner im Chor:
Ihr Fürsten der Waldung hervor!

Die Jäger kommen von rechts hinten und nehmen die linke Seite. Die Musikanten folgen ihnen, indem sie die Mitte nehmen

CHOR
Nun freudig sieget das goldne Licht,
Vom Bogen flieget des Pfeils Gewicht,
Ereilt den Aar auf luft'gem Horst,
Erlegt die Schlang' im dichten Forst.
Wohlauf denn durch Schluchten und Moor,
Lasst schmettern die Hörner im Chor:
Ihr Fürsten der Waldung hervor!

Der König erscheint nach Beendigung des Jagdchors auf der kleinen Anhöhe rechts. Vier Pagen und zwei Jagdjunker folgen ihm und nehmen dann hinter ihm Aufstellung


SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der König und Gefolge

KÖNIG
blickt nach links vorn hinein und scheint dort die getötete Schlange wahrzunehmen
O seht! die Schlang' erlegt von starker Hand!

CHOR
hat inzwischen Euryanthe bemerkt und lenkt des Königs Aufmerksamkeit auf sie
Und hier in Thränen eine zarte Frau!

KÖNIG
ist herabgestiegen und hat sich Euryanthe genähert
Wer du auch sein magst, holde Unbekannte,
Verbanne jede Scheu, blick' auf zu mir,
Des Unglücks Hort, dein König, spricht zu dir!

Euryanthe wendet ihr Antlitz gegen den König, ohne aufzustehn

KÖNIG UND CHOR
sie erkennend
Himmel! Euryanthe!

Jäger ziehen sich nach rechts vor die Bauern

Nr. 19 - Duett mit Chor

EURYANTHE
Lasst mich hier in Ruh' erblassen,
Gönnt mir diese letzte Huld!

KÖNIG
Nein, ich will dich nicht verlassen,
Komm', zu sühnen deine Schuld!

EURYANTHE
Meine Brust ist rein von Schuld.

KÖNIG
Du nicht schuldig? Dürft ich's hoffen?

CHOR
Hilf uns auf der Wahrheit Spur!

EURYANTHE
Eglantines flehend Kosen
Lockt' mir mein Geheimnis ab;
Natter war sie unter Rosen,
Die den Tod mir schmeichelnd gab.

KÖNIG
Euryanthe, sprichst du Wahrheit,
O so nimm mein Wort zum Pfand,
Höllentrug bring ich zur Klarheit,
Neu knüpf' ich dein schönes Band.

EURYANTHE
Wiedersehn!
Sich langsam aufrichtend
Mich ihm versöhnen,
Wär' es möglich?

CHOR
Hoffe! Lebe!

EURYANTHE
Stürb' ich hin in diesen Tönen!

CHOR
Hoffe!

EURYANTHE
Täuscht mich nicht!

KÖNIG
Glaube, hoffe, lebe!

CHOR
Glaube, hoffe, liebe, lebe!

EURYANTHE
O wie ich bebe! o kann ich's fassen!

Nr. 20 - Arie mit Chor

EURYANTHE
in Wonneglut aufspringend
Zu ihm, zu ihm, zu ihm! o weilet nicht!
Wo bist du meines Daseins Licht?
Wo bist du wo bist du, wo?
Zu ihm, dass ich ihn fest umfasse,
Ihn nimmer, nimmer lasse!
So Herz an Herzen, Aug' in Auge,
Aus seinen Blicken Leben sauge!
Wo bist du meines Daseins Licht,
Dass ich dich fest umfasse,
Nimmer, nimmer lasse!
Wo bist du, wo bist du?
Zu ihm, o weilet nicht!

CHOR.
Fort - o weilet nicht!

EURYANTHE
Zu ihm, zu ihm, zu ihm!
O weilet nicht!
Wo bist du meines Daseins Licht?
Wo bist du, wo bist du, wo?
Zu ihm, zu ihm, zu ihm!

CHOR
Fort, fort, fort! o weilet nicht!
Fort, o weilet nicht! fort zu ihm!

EURYANTHE
Dass ich ihn fest umfasse,
Ihn nimmer, nimmer lasse!
Herz an Herzen, Aug' in Auge
Seiner Blicke Leben sauge!
Dass ich ihn fest umfasse,
Nimmer lasse, nimmer lasse!
Zu ihm! o Hoffnung! Himmelsstrahl!
Ich trag' es nicht!
Ich sterb' in Wonn' und Qual!
Ich trag' es nicht!
Ich sterb' in Wonn' und Qual!

CHOR
Hoffe, liebe, lebe!
Dir winkt ein Himmelsstrahl!

EURYANTHE
Ach!
Sie sinkt zusammen

CHOR
O Jammer, unerhört!
O lieblichste der Blüten,
Wie hat so früh das Wüten
Des Sturmes dich zerstört!

Alle umstehen Euryanthe mit teilnahmsvollen Gebärden


Verwandlung

Freier Platz vor der Burg Nevers, deren Eingangsthor man links hinten hoch oben erblickt; die Zugbrücke führt auf einen im Zickzack nach unten verlaufenden Weg. Im Vordergrunde rechts und links die Hütten der Landleute; rechts vorn diejenige des Brautpaars. Rasenbänke rechts und links ganz vorn. In weiter Ferne sieht man die weinumlaubten Berge der schönen Landschaft

SIEBENTER AUFTRITT
Die Brautmutter. Der Bräutigam. Die Braut. Bertha. Bauern und Bäuerinnen. Man beglückwünscht das Brautpaar und schmückt dessen Hütte rechts vorn mit Blumengewinden

Nr. 21 - Tanz mit Gesang und Chor
Pas de cinq Bauerntanz
Gesang und Chor.

BERTHA
Der Mai bringt frische Rosen dar,
Die Rose schmückt der Jungfrau Haar,
Und niemand weiss im grünen Mai,
Was Rose, noch was Mädchen sei.

CHOR
Berthas Gesang mit teilnehmenden Gebärden begleitend
Denn was da blüht, ist Ros' im Mai.

BERTHA
Der Mai bringt frische Blüten viel,
Die Liebe ist des Maien Spiel,
Und niemand weiss im grünen Mai,
Was Blüte, noch was Liebe sei.

CHOR
Denn was da blüht, das liebt im Mai!

BERTHA
Der Mai bringt dir, du teures Paar,
Der Blüten allerschönste dar.
Wohl wisst ihr zwei im grünen Mai,
Wie selig Lieb' und Treue sei.

CHOR
Denn eure Treu' krönt heut' der Mai!

Adolar mit gesenktem Visier, wankt, ohne das festliche Treiben zu beachten, von rechts hinten herzu und steht sinnend rechts vorn


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Adolar. Alle Übrigen sind erstaunt über das Erscheinen des Unbekannten

ADOLAR
Giebts keine Treu' auf weiter Erde mehr,
Davon, davon ist mir das Herz so schwer.
In Liebesglut ist nichts als Wankelmut,
Am falschen Herzen sich's gefährlich ruht.

DIE LANDLEUTE
Welch Klagen hier trübt froher Liebe Mut?

ADOLAR
Fahr' hin, fahr' hin, du süsser Liebestraum,
Gieb dunkler Nacht und ihren Schrecken Raum.
Nacht ohne Licht herein mit Stürmen bricht;
Heimat, versag' ein Grab dem Müden nicht.
Er öffnet sein Visier. Die Landleute erkennen ihren Herrn; freudige Bewegung

CHOR
Er ist's, o Glück, o neuer Hoffnung Licht!

BERTHA
So musste der ersehnte Tag erscheinen!

ALLE
Geliebter Herr! willkommen bei den deinen!

ADOLAR
Hinweg! Lasst meiner Trauer mich!

BERTHA
Hier schlägt noch jedes Herz für dich!

CHOR
Führ' an der Jugend mut'ge Schar, befreie
Dein seufzend Land -

ADOLAR
Du süsse, heil'ge Treue!
Du lebst, doch nicht in Euryanthes Brust!

CHOR
Den schnödesten Verdacht entferne,
Ich spreche Wahrheit sonder Scheu:
Es wankten eh' des Himmels Sterne,
Als unsrer süssen Herrin Treu'!

ADOLAR
Nein! sie verriet mich!

BERTHA
Hör' gewicht'ge Kunde:
Mit deinem Feind ist Eglantin' im Bunde,
Auf deiner Ahnen stolzem Sitz,
Wo du ihr Zuflucht einst gegeben,
Will Lysiart heut zur Herrin sie erheben.

ADOLAR
Allwaltender, wo ist dein Blitz?!

Nr. 22 - Solo mit Chor

BERTHA UND CHOR
Vernichte kühn das Werk der Tücke,
Vertrau' der Liebe und dem Glücke!
Es jauchzt dir zu dein ganzes Land,
Zum Schwert für dich greift jede Hand!

ADOLAR
Hilf mir durchschau'n das Werk der Tücke,
Allwissender, mit klarem Blicke;
Gieb Kraft zum Siege meiner Hand,
Für Ehre, Treue, Gut und Land.

Er schliesst seinen Helm und tritt beobachtend nach links vorn


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Die Personen des Hochzeitsmarsches

Nr. 23 - Hochzeitsmarsch und Chor

Die acht Trompeter welche aus dem Eingangsthor des Schlosses links hinten den Hochzeitszug eröffnen, beginnen die Marschmusik. Es folgen ihnen im Marsch ohne Tritt: ein Offizier, zwei Fahnenträger mit schwarzen Fahnen, zwei Fahnenträger mit den Fahnen von Nevers und Rethel, vierzehn Soldaten, zwei Chorknaben mit Fahnen, zwei Chorknaben mit Räucherbecken, zwei Chorknaben mit Lichtern, zwei Geistliche, Lysiart und Eglantine totenbleich, zwei Pagen die Eglantines Schleppe tragen, vier Damen, vierzehn Ritter, ein Offizier, zwei Fahnenträger mit den Fahnen von Nevers und Rethel, zwölf Soldaten. Die Fahnenträger mit den schwarzen Fahnen nehmen am untern Ausgang des vom Schloss herabkommenden Weges Aufstellung. Der erste Offizier mit den beiden andern Fahnenträgern und die vierzehn Soldaten marschieren nach rechts und von da nach links um den Raum und nehmen zuerst auf der linken Seite Aufstellung, um den Zug, der den ganzen Raum umschreitet, an sich vorüber ziehen zu lassen; dann ziehen sie sich nach rechts hinüber und nehmen dort Aufstellung. Der letzte Offizier mit seinen zwei Fahnenträgern und zwölf Soldaten nimmt auf dem Burgweg Aufstellung

LANDLEUTE
Das Frevlerpaar! Weh' diesem Bunde!

ADOLAR
O klopfend Herz - sei stark zu dieser Stunde!

EGLANTINE
mit Gebärden des Schmerzes, indem sie mit Entsetzen, das in Wahnsinn übergeht, stehen bleibt
Ich kann nicht weiter! Todesschauer
Durchrieseln mein Gebein!
Mich drückt die Luft -
Sieh! Emma steigt aus dunkler Gruft,
Sie winket mir mit starrer Hand!
Was forderst du zurück der Rache Pfand?
Ich gab es hin, die Unschuld zu ermorden!
Hinweg! Hier bin ich Herrscherin geworden!
Auf ewig, Lysiart, bin ich dein!
Geschmiedet ist der Trauring, fest und eigen,
Mit Meineid, Blut und Thränen - kannst du schweigen?
Sei ruhig! Nacht hüllt unsre Thaten ein!

Lysiart schaut sie ingrimmig an

CHOR
Welch Entsetzen! Welch Gericht!
Die Vergeltung schlummert nicht.

LYSIART
Hört! dass Wahnsinn aus ihr spricht!

ADOLAR
für sich
Ha! mir tagt ein schrecklich Licht!
Vortretend, Lysiart zur Linken
Erzittre, ruchlos' Paar! Es naht die Rache.
Der Himmel führt bedrückter Unschuld Sache!

LYSIART
Was zischest aus dem Staub du, nicht'ger Wurm?
Vasallen, werft den Fremdling in den Turm!

Die vierzehn Ritter zur Linken, wollen auf Adolar eindringen

ADOLAR
zu ihnen
Mich wollt ihr fahen? mich?

Er schlägt den Helmsturz auf

CHOR
in freudigem Erstaunen, in Jubel ausbrechend
Heil, Adolar, in seiner Väter Hallen!

Die Ritter drängen sich um ihn

CHOR
Geliebter, unsre Demut dich versöhne!

EGLANTINE
aus dumpfer Betäubung erwachend und in die Arme ihrer rechts vorn stehenden Frauen sinkend
Er ist's! in seiner Glorie, seiner Schöne!
Weh mir!

LYSIART
Verderben, Fluch euch allen!
Verwegne Knechte, büssend sollt ihr fallen!

Nr. 24 - Chor mit Duett

DIE RITTER
Chor, sich drohend gegen Lysiart gruppierend
Trotze nicht, Vermessener!
Strafe dräut, Verräter.
Tilgt das Werk der Nacht!
Zittre, Gottvergessener!
Birg dich, Missethäter!
Gottes Auge wacht.

ADOLAR
Zum Kampf, zum Gottgerichte,
Verruchter Frevler, du!

LYSIART
Dass ich dich, Feind! vernichte,
Jauchzt mir der Abgrund zu!

ADOLAR
Dein schwarzes Herz durchwühle
Mein sieggewohnter Stahl!

LYSIART
Dein strömend Herzblut kühle
Der Seele Folterqual!

ADOLAR
Dein schwarzes Herz durchwühle
Mein sieggewohnter Stahl!

LYSIART
Dein strömend Herzblut kühle
Der Seele Folterqual!

CHOR
Trotze nicht, Vermessener!
Zittre, Gottvergessener!
Trotze nicht, Vermessener!
Strafe dräut, Verräter,
Tilgt, das Werk der Nacht!
Erzittre, Gottvergessener!
Birg dich, Missethäter!
Gottes Auge wacht!

ADOLAR
Dein schwarzes Herz durchwühle
Mein sieggewohnter Stahl!

LYSIART
Dein strömend Herzblut kühle
Der Seele Folterqual!

CHOR
Zittre, Gottvergessener!

ADOLAR
Zum Kampf! Zum Gottgerichte!
Verruchter Frevler du!
Trotze nicht! Gottes Auge wacht!

LYSIART
Zum Kampf! will nicht um Mitleid werben,
Heran! ich bin bereit! heran!

CHOR
Birg dich, Missethäter!
Gottes Auge wacht!
Schande nur und Verderben
Ist ewig dir geweiht!
Trotze nicht! trotze nicht!
Gottes Auge wacht!

Adolar, Lysiart ziehen die Schwerter und dringen aufeinander ein. Der König, zwei Jagdjunker, vier Pagen nahen sich von rechts hinten. Die zwei Jagdjunker trennen die Kämpfenden


ZEHNTER AUFTRITT
Der König nimmt zwischen Lysiart und Adolar die Mitte. Die vier Pagen stehen hinter ihm. Die beiden Jagdjunker nehmen, zurückstehend, zur Linken des Königs Aufstellung

Nr. 25 - Finale

KÖNIG
zürnend
Lasst ruhn das Schwert, der höchste Richter naht,
Der Rächer jeder Frevelthat!

Alle beugen sich ehrerbietig. Lysiart das Schwert senkend, tritt zurück

ADOLAR
knieend
Mein König, hör' den grässlichsten Verrat!
Wir sind getäuschet, aller Tugend Bildnis
War Euryanthe! - Weh mir! in der Wildnis
Verlassen irret sie umher!
Hilf, rette, strafe!

KÖNIG
Hemme deine Klagen,
Fass' dich, als Held das Grässlichste zu tragen,
Dich segnend ist das treuste Herz gebrochen!

EGLANTINE
in teuflischer Lust auffahrend
Triumph! gerochen
Ist meine Schmach! der Feindin Herz gebrochen!
Es stürmt der Tod durch deine Brust!
Betrogner! war dir meine Glut bewusst,
Wie legtest sorglos und vermessen
Die Schlange du an der Geliebten Brust?
So hattest du mein Flehn vergessen?
Vergessen meinen Todesschmerz?
Vergessen deines Kaltsinns Hohn?
Vergessen meines Zornes Drohn?

ADOLAR
Abscheuliche!

EGLANTINE
Grausamer Adolar!
Verzweifle, da sie schuldlos war!
Ich war's, von deren Hand den Ring
Der kühne Räuber dort empfing.
Ich war's, die ihn der Gruft entwandte.
Rein, wie das Licht, war Euryanthe!

CHOR
O höllischer Verrat! o herb' Geschick!

LYSIART
nähert sich Eglantine
Wahnsinn'ge!

EGLANTINE
Schnödes Werkzeug meiner Rache,
Dich schleudr' ich in dein Nichts zurück!

LYSIART
Was hält mich, dass ich dich zermalme,
Meineidige! Verräterin!

Er stösst sie nieder. Eglantine fällt ihren Frauen in die Arme, die sie nach rechts vorn abführen

CHOR
Ruchloser Mörder!

KÖNIG
winkt
Führt zum Tod ihn!

ADOLAR
Nein, gebt ihn frei!
Lasst ganz sein Werk ihn krönen.
Hier ist mein Herz, der Mörder sei
Befriedigt. - Gott! wen nannt' ich Mörder? Ich!
Ich bin der Mörder und der Fluch trifft mich!
Wer mordete mit wildem Triebe
Die höchste Treue, Glauben, Unschuld, Liebe!
Wo lebt ein Frevler sonst, als ich?

Er versinkt in dumpfe Verzweiflung. Der König winkt noch einmal. Lysiart wendet sich nach hinten.
Die beiden Jagdjunker, der Offizier rechts hinten und sechs Mann seiner Soldaten begleiten Lysiart als Gefangenen nach rechts hinten hinaus. Hornsignale rechts hinten

CHOR DER JÄGER
rechts hinten
O Wonne! sie atmet! sie lebet!

Euryanthe, Chor der Jäger kommen von rechts hinten


ELFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Euryanthe zu Adolar in den Vordergrund eilend. Jagdchor

Duett mit Chor

Der Jagdchor nimmt vor den Trompetern Ausstellung. Adolar kniet vor Euryanthe. Der König in der Mitte, hinter beiden stehend

EURYANTHE, ADOLAR
Hin nimm die Seele mein,
Atme mein Leben ein!
Hin nimm die Seele mein,
Mein Leben atme ein,
Ganz bin ich dein!
Lass mich in Lust und Wehn
An deiner Brust vergehn!

CHOR
O Lust nach Todespein,
O Treue, stark und rein,
Du sein, er dein!
Holdseliger Verein,
O Lust nach Todespein!

Recitativ

ADOLAR
von Entzückung ergriffen
Ich ahne, Emma, selig ist sie jetzt:
Der Unschuld Thräne hat den Ring benetzt.
Treu' bot dem Mörder Rettung an für Mord,
Ewig vereint mit Udo weilt sie dort!

König nähert sich und vereinigt die Hände der Liebenden

Schlusschor

EURYANTHE, ADOLAR
Nun selig Glück will jedes Leid versöhnen!

CHOR
Nun feiert hoch in vollen Jubeltönen
Der Ritter Schmuck, die treu'ste aller Schönen.
Geprüftes Paar, besiegt ist Nacht und Tod,
Die Wahrheit strahlt im reinsten Morgenrot,
Der Himmel schirmt dies Band!
Heil Adolar! In vollen Jubeltönen!
Heil Euryanth'! Der Treusten aller Schönen.
Heil Adolar! Heil Euryanth'.



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