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ERSTER AKT

Ouvertüre

ERSTER AUFTRITT
Innere Ansicht der Schiffswerft zu Saardam
Viele Zimmerleute bei der Arbeit, unter ihnen Peter Michaelow und Peter Iwanow

Nr. 1 - Introduktion und Lied

CHOR DER ZIMMERLEUTE
Greifet an und rührt die Hände,
Baut des Schiffes stolze Wände!
Greifet an!
Rastet nicht in der Pflicht!
Tag für Tag, Schlag für Schlag!
Handwerksmann hat seine Plagen,
Lust zur Arbeit hilft sie tragen.

ZAR
im Vordergrund arbeitend, für sich
Dieses Wogen, dieses Streben -
Wie es doch mein Herz so hoch erfreut.
Der ist glücklich, der sein Leben
Solcher Arbeit stets geweiht.

IWANOW
auf der andern Seite
Froher Mut, leichtes Blut
Und dazu ein frohes Lied,
Das aus vollem Herzen sprüht -
Das ist gut.

CHOR
Recht, ganz recht, was soll gelingen,
Muss man mit Gesang vollbringen.

IWANOW
auf den Zaren zeigend
Hier, Gefährten, der vor allen
Weiss solch Lied uns vorzutragen.

ZAR
sich erhebend
Euch zugefallen,
Sei es denn!
Mög` es euch behagen.

Alle sammeln sich um den Zaren

Lied

ZAR
Auf, Gesellen, greift zur Axt und regt die nerv'gen Arme,
Dass so Herz als Blut mit jedem Streiche mehr erwarme!
Dröhnt der Schlag im Holz, als will die Erde erbeben,
jauchzt des Zimmermannes Brust vor wonnigem Leben.
Wackrer Zimmermann, hast ja Freude dran -
Wohlauf!
Denke, was du kunstvoll bauest, trotzt jeder Wut in grausen Wettern;
Was dein Beil erfasst, das muss ein kräftiger Hieb auch zerschmettern.

CHOR
die Äxte schwingend
Zimmermann zu sein, ist eine Lust,
Stete Arbeit kräftigt seine Brust:
Stattlich Werkzeug und des Liebchens Kuss,
Freunde, das ist Hochgenuss!

ZAR
Auf, Gesellen, der Gigantenbau kann nur gelingen,
Wenn sich alle Kräfte einigen, ihn zu vollbringen.
Seht dann euer stolzes Werk die Meere durchjagen,
Durch des Nordens Eis und Südens Glut keck sich wagen.
Wackrer Zimmermann, hast ja Freude dran -
Hallo!
Ha! Wie Donnersturm den riesgen Bau wild umkracht, ihn zu zersplittern,
Doch er trotzet kühn der Flut Geheul und dem Strahl in Gewittern.

CHOR
Zimmermann zu sein, ist eine Lust,
Darum rufet laut aus voller Brust:
Stattlich Werkzeug und des Liebchens Kuss,
Freunde, das ist Hochgenuss!

ZAR
Euren Wunsch hab ich gewährt,
Eilet nun zur Arbeit wieder
Und bedenket, dass alsbald
Ein frohes Jubellied erschallt,
Das zum Feste euch begehrt.

CHOR
Greifet an und rührt die Hände,
Baut des Schiffes stolze Wände!
Greifet an!
Rastet nicht in der Pflicht!
Tag für Tag, Schlag für Schlag!
Handwerksmann hat seine Plagen,
Lust zur Arbeit hilft sie tragen.

Nach beendigtem Chor geht alles wieder zur Arbeit, die Zimmerleute verlieren sich nach und nach.

IWANOW
Das muss wahr sein: du bist ein ganzer Kerl; ein Zimmermann, wie ihn Gott verlangt, und dabei ein Liedersanger, der seinesgleichen sucht.

ZAR
lächelnd
O ich besitze noch eine Eigenschaft, die in deinen Augen mehr ist als alle die übrigen.

IWANOW
Die ist?

ZAR
Geduld.

IWANOW
Na, da sei stille - was die betrifft -

ZAR
Wie? Höre ich nicht mit wahrer Engelsgeduld die Schilderungen deiner Zärtlichkeit für die reizende Marie an, die ebenso liebenswürdig wie ihr Oheim dumm und lächerlich ist?

IWANOW
Das ist wahr; aber da wir gerade davon reden, weisst du wohl ' dass mir ganz übel zumute ist?

ZAR
Argwöhnt der gestrenge Bürgermeister etwas?

IWANOW
Es scheint so, denn er hat sich bei der Meisterin genau nach mir erkundigt.

ZAR
Du hast doch keine Ehrensache?

IWANOW
Je nun - vor dir habe ich kein Geheimnis, drum höre. Du weisst, dass ich ein Russe bin. Als ich achtzehn Jahre alt war, machte man mir weis, ich müsste Vaterlandsverteidiger werden. Ich dachte: je nun, kannst's ja probieren, und liess mir den Soldatenrock anziehen. Der Rock war ganz hübsch, aber alles, was ich in dem Rock tun musste, war gar nicht hübsch; zudem war ich von jeher ein Feind jeden Zwanges. Was tat ich also? An einem schönen Morgen stellte ich mein Gewehr ins Schilderhaus, hing den Rock an den Nagel und vertauschte beides hier in Saardam mit Zimmeraxt und Winkelmass.

ZAR
Jetzt versteh ich dich.

IWANOW
Mein ehemaliger Oberst kann sich am Ende erinnern, dass ich da mals beim Verlesen gefehlt habe - in Saardam sind jetzt viele russische Offiziere.

ZAR
Sehr richtig - also müssen wir auf unsrer Hut sein.

IWANOW
Freilich. Übrigens kommt es mir vor, als ob du dich in einer ähnlichen Lage befändest.

ZAR
Ich?

IWANOW
Ja, ja. Du verbirgst dich so sorgfältig, vermeidest von deiner Familie zu reden und was dich nach Saardam geführt.

ZAR
Du glaubst doch nicht -

IWANOW
droht ihm
Alter junge, gesteh's nur, du hast auch Suiten gemacht! Doch was geht es mich an, ich will mich nicht in dein Geheimnis drängen.
Er sieht nach hinten
Da kommt Marie. Ist es nicht schrecklich, dass sie mit ihrem niedlichen Gesichtchen die Nichte eines Bürgermeisters ist?


ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Marie

MARIE
im Auftreten
Nein, es istl weiss Gott, zu arg - auf Schritt und Tritt geht einem der Mensch nach.

IWANOW
Mensch? Welcher Mensch?

MARIE
Ach, ein junger Franzose, der seit gestern hier herumschleicht.

ZAR
Ein Franzose?

IWANOW
Ein junger? Warum schleicht er herum? Warum?

MARIE
Was weiss ich? Er hielt mich an und fragte mich nach allerlei.

IWANOW
Das fehlte noch! Erst schleicht er herum, dann fragt er noch allerlei.
Still doch!
zu Marie
Nun, mein Kind, wonach erkundigte er sich?

MARIE
verschämt
Je nun -

IWANOW
Heraus mit dem Allerlei.

MARIE
Er meinte, ich wäre recht hübsch - und kurz und gut, ich wäre recht hübsch.

IWANOW
So? Das ist recht hübsch. Um das zu erfahren, brauchen wir keinen Franzosen, das können wir auf deutsch auch sehen.

MARIE
Endlich wollte er mich küssen.

IWANOW
Hab ich's nicht gedacht, das ist gewöhnlich das Ende. Soll man da nicht rasend werden?!

MARIE
ihn besänftigend
Aber Peter -

IWANOW
Nichts Peter! - Ich wollte, den französischen Gesandten, der da drüben in Rijswijk den Frieden kongressiert, holte der Kuckuck! Alle Augenblicke fährt hier so ein Windbeutel herum. Träfe ich nur einmal einen, ich wollte ihn gleich -

MARIE
Was gleich?

IWANOW
Das werd ich jetzt nicht sagen.

MARIE
Mein lieber Peter Iwanow, Sie sind ein kleines Grossmäulchen.

IWANOW
Ich wäre -

MARIE
Stille! - Sie sind ein kleines Grossmäulchen.

IWANOW
Aber Mamsell Marie -

MARIE
ernst
Herr Peter Iwanow!

IWANOW
nach einer Pause ruhig
Ich bin ein kleines Grossmäulchen.

MARIE
So recht, lieber Peter, nun bist du wieder artig. Warum ich eigentlich komme -

IWANOW
hastig
Ja warum? Das möchte ich eben wissen.

MARIE
ihm gelassen die Backen klopfend
Nur immer Gemütsruhe.

IWANOW
ja doch, ich bin ruhig, mein Gemüt auch.

MARIE
Mein Oheim hat unser Verständnis ausgewittert - glaube ich wenigstens -, er will heute auf den Werften selbst nachsehen, das ist ihm in drei Jahren nicht eingefallen; er hat Briefe, Befehle erhalten, und alles überzeugt mich, dass ein Anschlag gegen uns im Werk ist.

ZAR
der sich zurückgezogen, hat sich bei Mariens Erzählung aufmerksam genähert. Für sich
Sollte ich entdeckt sein?

IWANOW
für sich
Gewiss von meinem Oberst!

MARIE
Nun, meine Herren, ihr seid ja beide ganz verdutzt? Und Sie, mein Vielgetreuer, Sie kommen mir ganz kurios vor. Vorhin, da ein galanter junger Mann sich nach meinen kleinen häuslichen Angelegenheiten erkundigte, wird er bei der blossen Erzählung Feuer und Flamme, und nun, da unsrer Liebe Gefahr droht, steht er da, als könnte er nicht bis drei zählen.

IWANOW
Marie, du hast es heute wieder darauf abgesehen, mich zu quälen. Ich liebe dich so herzlich, aber ebendeswegen kann es mir doch nicht angenehm sein, wenn dich die ganze Welt küssen will.

MARIE
Die ganze Welt? Nein, lieber Peter, das würde ein zu grosses Gedränge werden; ich will mich darum lieber mit einem begnügen
Sie reicht ihm die Hand

IWANOW
küsst sie
Du bist doch ein Engel!

MARIE
Jetzt höre. Was mein Oheim im Schilde führt - ich weiss es nicht, und wir müssen es in Geduld erwarten. Sei darum guten Muts; ich bin und bleibe dir treu, und sollte es meinem teuren Oheim einfallen, mich zu einem andern Ehebündnis zwingen zu wollen - ich ahne so etwas -, so springe ich lieber in den Kanal.

IWANOW
Ich springe mit.

MARIE
Abgemacht, wir springen im Duett. Vorher aber gehen wir zum Feste. Du weisst doch, dass ich Brautjungfer bei Charlottes Hochzeit bin. Ich eile, mich in den Staat zu werfen.

IWANOW
Ach Gott, da wirst du wieder alles bezaubern.

MARIE
Je nun, ich werde mein möglichstes tun.
zum Zaren
Sehn Sie wieder den Eifersüchtigen?
zu Iwanow
Ach, lieber, lieber Peter, du musst noch gewaltig gezogen werden.

Nr. 2 - Ariette

MARIE
Die Eifersucht ist eine Plage,
Weh dem, der ihr zum Opfer fällt.
Sie schaffet viele trübe Tage,
Warum ist sie wohl auf der Welt?
Warum? Warum?

IWANOW
spricht
Ei, das möcht ich auch wissen.

MARIE
Zwar kenn ich dieses garst'ge Fieber
Nur eigentlich vom Namen her;
Bemerkt' ich's nicht bei dir, mein Lieber,
So wüsst' ich nicht, dass es vorhanden wär.

IWANOW
spricht
Es ist aber einmal da, und ich habe alle Ursache dazu.

MARIE
O ja!
Wenn bei unsern Festen
Alles sich im Tanze dreht
Und wenn einer von den Gästen
Zeigt, dass er mich nicht verschmäht;
Wenn er, während wir pausieren,
Mich recht viel und freundlich fragt
Und mit artigen Manieren
Ein'ge Schmeicheleien sagt,
Zum Exempel: diese Wangen,
Dieser Lippen Purpurrot
Wecken glühendes Verlangen,
Sie bezaubern mich, bei Gott!
Wär' es mir erlaubt zu fragen,
Ob ihr Herz noch frei sich fühlt?
Wenn, mit einem Wort zu sagen,
Er, was man so nennt, den Angenehmen spielt -

IWANOW
spricht
Dann darf ich doch -

MARIE
Dann darfst du niemals eifersüchtig sein.
Mein Herz gehört nur dir allein;
Du weisst es ja, mein Herz gehört nur dir allein.
Ach, das solltest du erst fühlen,
Wie so schön die Zeit verrinnt
Wenn bei unsern heitern Spielen
Pfänder einzulösen sind.
Wenn mit harrenden Gebärden
Jeder seinen Lohn begehrt,
Und es heisst: was soll dem werden,
Welchem dieses Pfand gehört? "
Diesem gibst du sieben Küsse,
Jenem achte, diesem neun,
Zehne reichst du jenem her!"
Lieber Freund, das sind Genüsse,
So was existiert nicht mehr.
Wenn dann mit verschämten Wangen
Schüchtern der Erwählte naht,
Wenn mit glühendem Verlangen
Er den Lohn empfangen hat -

IWANOW
spricht
Dann darf ich doch -

MARIE
Dann darfst du doch nicht eifersüchtig sein.
Mein Herz gehört nur dir allein;
Du weisst es ja, mein Herz gehört nur dir allein!

IWANOW
spricht
Nun, das nehme mir kein Mensch übel.

MARIE
Sieh, das sind nur alles Spiele
Unbefangner Jugendlust;
Fern von liebendem Gefühle
Schlägt das Herz in unsrer Brust.
Was geschieht vor allen Leuten,
Kann ja Böses nicht bedeuten.
Drum darfst du niemals eifersüchtig sein,
Mein Herz, du weisst es ja, bleibt ewig dein. -
Hast du mich auch wohl verstanden?
Ist kein Fieber mehr vorhanden?
Her mit dem Puls, wir werden nun gleich sehn,
Ob du kuriert, als Arzt muss ich's verstehn.
Sie ergreift seine Hand und fühlt den Puls.
Gut, sehr gut, in solchem Tempo muss er gehn.
Bedanke dich!
Sie hält ihm die andere Hand hin, die Iwanow küsst
Wie nun das Blut so ruhig fliesst,
Wie lieb du mir nun wieder bist.
Sie hält dem Zaren die Hand zum Kusse hin, während die andere noch immer Iwanow den Puls fühlt. Zum Zaren
Doch auch Ihr seid mir lieb und wert.
Herrgott! Was tobt dein Blut schon wieder fürchterlich,
Mein lieber Freund, du bist noch nicht kuriert!
Leb wohl und bessre dich!
Sie läuft ab

IWANOW
folgt ihr


DRITTER AUFTRITT
Zar, Lefort

LEFORT
Guten Morgen, Peter Michaelow! Ihr seid allein?

ZAR
Wie du siehst. Hast du Nachrichten von Moskau?

LEFORT
nachdem er sich umgesehen
Ja, Sire, und ernstliche Besorgnisse.

ZAR
Nun?

LEFORT
Sire, ich habe meine Bewunderung dem edelmütigen Entschlusse nicht versagen können, der Sie bestimmte, Ihre Staaten zu verlassen und bei den Völkern Europas Kenntnisse zu erwerben, die einst das Glück Ihres Volkes sichern sollen; allein, es ist Zeit, unseren Reisen ein Ziel zu setzen. Seit einem Jahre arbeiten Sie als Peter Michaelow auf den Werften von Saardam; seitdem hat sich vieles geändert. Ihre Untertanen fangen an, über Ihre Abwesenheit zu murren.

ZAR
Immerhin! Sie ahnen nicht, dass ich unter diesem groben Kittel mehr für sie getan, als der Zar in zehn Jahren hätte tun können. Doch zur Sache! Woher diese Besorgnisse?

LEFORT
Ihre Feinde in Moskau sind tätiger denn je; der kühne Geist Ihrer Schwester Sophie reizt die Bojaren und Strelitzen zum Aufruhr.

ZAR
wütend
Ha! Glaubt die zügellose Schar, die Zeiten Fedors und Iwans seien noch nicht verstrichen? Die Verräter sollen büssen! Ein Blick von mir entscheidet ihr Schicksal. Lass alles zu meiner Abreise bereiten! Fort!

LEFORT
geht ab


VIERTER AUFTRITT
Zar allein

Nr. 3 - Rezitativ und Arie

ZAR
Verraten! Von euch verraten,
Denen ich Vertraun und Liebe geweiht.
Höllischer Undank! Verrat! Des Lasters Krone!

(Diese Arie wird gewöhnlich gestrichen:)

Nur eurem Glück war mein Leben,
Nur eurer Grösse geweiht,
Und ihr verratet mich!
Die Macht des.Zepters, den Glanz der Krone,
Beneidenswert wähnt mancher sie,
Doch bittrer Undank, Hass zum Lohne
Ist oft die Frucht für Herrschers Müh.
Und nur ein Trost lindert die Schmerzen,
Ein Blick nach oben stärket die Brust:
Was auch die Mitwelt nicht erkannte,
Von Nebelschleier noch umhüllt,
Wir sehen dann aus jenem Lande
Das Volk der Nachwelt dankerfüllt.
Drum sehnt sich mein Geist nach Licht und Wahrheit.
Wie schütze ich das Werk, das ich durch deinen Beistand schaffte?
Kann der Verräter Blut dir wohlgefällig sein,
Der du der Milde und der Güte Urquell bist?
Treu hing stets mein Herz an meinem ganzen Volke,
Seinem Glück allein war stets mein Leben nur geweiht.
Warum, o Gott, erhabne Vorsicht,
Wird Völkerglück durch Strenge nur erreicht?
Warum durch Liebe, Huld und Milde,
Das Herz des Volkes nicht erweicht?
Treu hing stets mein Herz an meinem ganzen Volke,
Seinem Glück allein war mein Leben nur geweiht.
So sei es denn entschieden, dem Tode weih ich sie;
Man bessert ja hienieden durch Wohltun Sünder nie!
Verräterblut soll färben das blanke Henkerbeil,
Damit sie sühnend sterben, dem Vaterland zum Heil!


FÜNFTER AUFTRITT
Zar. Iwanow. Später Meisterin Browes Stimme

IWANOW
steht den Zaren eine Weile an
Du scheinst mir auch übel gelaunt.

ZAR
Wie das so manchmal kommt - es geht vorüber.

IWANOW
Freilich wohl, aber es sollte lieber gar nicht kommen, es nützt ja zu nichts.

ZAR
Wo fehlt dir 's denn schon wieder?

IWANOW
Marie macht mir den Kopf warm, und zum übermass des Unglücks ist der Herr Bürgermeister soeben auf der Werft angekommen.
leise
Du begreifst wohl weswegen.

ZAR
Ei, es soll mich freuen, seine Bekanntschaft zu machen - jetzt habe ich zu tun - auf Wiedersehn beim Feste.
Er will gehen

IWANOW
hält ihn
Höre, Freund, das ist nicht schön von dir.

ZAR
Was?

IWANOW
Dass du so hinterm Berg hältst. Ich habe dir alles vertraut, was ich auf dem Herzen, hatte, aber du spielst stets den Geheimnisvollen gegen mich.

ZAR
Sei ruhig, ehe ich abreise, erfährst du mein Geheimnis.

IWANOW
Was? Du willst uns verlassen? Wieder was Neues!

ZAR
Meine Familie verlangt nach mir.

IWANOW
So, deine Familie? Ist sie gross?

ZAR
Ziemlich.

IWANOW
Und da sehnt sie sich wohl sehr nach dir?

ZAR
Mehr oder weniger.

IWANOW
Du lebst doch nicht mit ihr in Uneinigkeit?

ZAR
kräftig
Ich stifte Frieden, darauf verlass dich!

MEISTERIN BROWE
hinter der Szene
Hierher, Herr Bürgermeister.

IWANOW
Da ist er!


SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. van Bett. Meisterin Browe.

Nr. 4 - Arie

VAN BETT
O sancta justitia! Ich möchte rasen,
Von früh bis spät lauf ich herum;
Ich bin von Amtspflicht ganz aufgeblasen,
Das Wohl der Stadt bringt mich noch um.
Plerique hominum auf dieser Erde,
Sie ruhn doch mal von Qual und Beschwerde;
Doch kaum schaut der Morgen in meine Kammer,
So rufen die Akten mein Genie,
Und bis zur Nacht bin ich, o Jammer,
Re vera übler noch dran als ein Vieh!
Kein Zugpferd in der Tat hat's so schlimm,
Als ein Vorstand und Rat.
Ein Glück, dass ich mein Amt verstehe,
Und sapientissime alles wend und drehe,
Dass mein Ingenium Akten weiss zu schmieren
Und das Consilium am Gängelband zu führen.
Denn ich weiss zu bombardieren
Zu rationieren und zu expektorieren,
Zu inspizieren, zu räsonieren,
Zu echauffieren und zu malträtieren.
Rem publicam hab ich stets im Sinn.
Man weiss es ja, dass ich ein Codex bin.
Alt und jung ruft mir zum Preise,
Ich bin Saardams grösstes Licht.
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.
Diese ausdrucksvollen Züge,
Dieses Aug', wie ein Flambeau,
Künden meines Geistes Siege,
Ich bin ein zweiter Salomo.
Dazu der Corpus noch in petto,
Mit einem Wort, ich bin ganz netto.

Er sperrt den Mund auf, als sänge er das im Orchester erklingende tiefe F

Man glaub' mir's, dass ich nie mich trüge
Et eo ipso momento
Gleich über jedes Crimen siege.
Ich wühl mich in Prozesse ein
Und schlichte sie sehr schlau und fein.
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.
Diese ausdrucksvollen Züge,
Dieses Aug', wie ein Flambeau,
Verkünden meines Geistes Siege,
Ich bin ein zweiter Salomo.
Denn ich weiss zu bombardieren,
Zu rationieren, zu expektorieren,
Zu blamieren, inspizieren,
Echauffieren, räsonieren, malträtieren,
Und zu ieren, zieren, rühren,
Führen, schmieren, ratifizieren.
Mit einem Wort, man sieht mir's an,
Ich bin ad speciem ein ganzer Mann!

Spricht zu Witwe Browe.
Ihr könnt es nicht glauben, was mir alles auf dem Halse liegt und noch vielleicht darauf liegen wird. Da lest einmal.
Er zeigt ihr einen Brief
Ihr werdet Euer blaues Wunder hören.

MEISTERIN BROWE
Das Lesen ist von jeher meine schwache Seite gewesen, das tat mein seliger Alter für mich. Wende Sie sich hier an meinen Gesellen, den Peter Michaelow, der ist der Gelehrteste auf der Werft.

VAN BETT
Da, mein Freund!
zur Meisterin Browe
Nun passt einmal auf.
zum Zaren
Lies laut, mein Sohn!

ZAR
liest
"Mein Herr" -

VAN BETT
Schön, ich sehe, du kannst lesen, lies laut. Ich verlange ja nicht, dass du so schön lesen sollst wie ich; bewahre, das würde sich auch für dich gar nicht schicken.

ZAR
liest
"Herr Bürgermeister! Es liegt den Generalstaaten sehr viel daran, von dem Tun und Lassen eines Fremden, namens Peter, der gegenwärtig auf den Werften zu Saardam arbeitet, unterrichtet zu sein."

IWANOW
für sich
Ich bin entdeckt.

ZAR
für sich
Das bin ich.

VAN BETT
Schön, mir liegt auch viel daran. - Sequens, mein Sohn, das heisst, lies weiter!

ZAR
liest
"Nehmen Sie die allernötigsten Massregeln, damit dieser Fremde sich nicht von Saardam entfernt, und berichten Sie mir ungesäumt alles, was Sie in Erfahrung bringen können. Ich habe die Ehre zu sein

VAN BETT
Gehorsamer Diener. Ist das alles?

ZAR
Ja, Herr Bürgermeister.

VAN BETT
nimmt den Brief
Das ist eine äusserst verwickelte Sache, wie man sagt, ein casus confusus.

ZAR
Haben denn der Herr Bürgermeister keine Vermutungen, wer es ungefähr -

VAN BETT
Schöne Frage! Ich vermute immer, eine gute
Obrigkeit vermutet immer, und ich wette, in diese
Sache ist eine wichtige Person verwickelt, die man fest-
setzen soll, id est ad carcerem. Ein Ausreisser vielleicht.

IWANOW
bestürzt, für sich
Da haben wir's.

VAN BETT
Frau Meisterin, lasst sämtliche Arbeiter sich hier versammeln.

MEISTERIN BROWE
Ei, du Gerechter, Ihr werdet doch unter meinen Leuten keine Verbrecher suchen! Ichbin eine rechtschaffene Niederländerin, und mein Mann ist tot.

VAN BETT
Ebendeshalb schafft mir die Leute her! Tutti.

MEISTERIN BROWE
gibt Iwanow ein Zeichen, dieser zieht eine Glocke
Bloss um Euch den Willen zu tun.


SIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen.
Zimmerleute kommen hastig von allen Seiten mit ihren Schurzfellen, Arbeitsgerät in Händen.

Nr. 5 - Chor und Ensemble

CHOR
Lasst ruhen die Arbeit, das Zeichen ertönet,
Wir eilen zum Schrnause;
Es rufet die Stunde, so lange ersehnet,
Zum gastlichen Hause.
Ein heitrer, fröhlicher Festtag ist heut,
Bei Tanz und Gesängen entschwinde die Zeit.
Lasst heute des Daseins uns erfreuen!

VAN BETT
Was Tanz und Schmaus, es handelt sich hier
Um Staatsgeschäfte!
Unruhe im Chor
Ruhe! Und dann
Stellt euch in Reih und Glied,
Dass die Physiognomien ich mir betrachten kann.

CHOR
unter sich
Was will er betrachten?
Was schwatzt er für Zeug?

VAN BETT
für sich
Meinen Mann werd ich finden,
Das merk ich gleich.
laut
Antwortet laut und mit Verstand:
Wer von euch allen wird Peter genannt?

ZAR
Ich heisse Peter.

IWANOW und mehrere ZIMMERLEUTE.
Auch ich, auch ich!

VAN BETT
Schreit doch nicht so fürchterlich!
Ihr heisst alle Peter? Der Fall ist selten.
Ihr könnt alle doch wohl nicht für Peter gelten?

DIE PETER
Ihr fragt nach dem Namen, wer wird ihn verneinen,
Wir sind viele Peter, was wundert ihr Euch?

VAN BETT
Ei, hol euch der Teufel, ich suche nur einen
Und finde ein ganzes Dutzend gleich.

CHOR
Wir sind ihm zu viele, das ist doch zum Lachen,
Doch was hat er vor? Wo will er hinaus?

VAN BETT
für sich
Ich muss die Sache pfiffiger machen,
So bring ich es niemals heraus.
zum Chor
Woher seid ihr?

CHOR
Von Saardam.

VAN BETT
Ist das auch wahr?

CHOR
Ja, ja! Alle von Saardam.

VAN BETT
Das ist mir nun schon ganz klar.
Und welcher ist ein Fremder von euch?

ZAR und IWANOW
Wir beide sind fremd.

VAN BETT
Aha! Das dacht' ich mir gleich.
für sich
Nur pfiffig sondieren und immer leise,
Denn so nur erhält man das wahre Licht.
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.

CHOR
Die Sache wird lustig.

IWANOW
für sich
Ich bin verloren.

CHOR
Jetzt packt er die beiden.
Sie lachen

VAN BETT
Still, nicht gelacht!
zum Zaren
Antworte, wo bist du geboren?

ZAR
In Smolensk.

VAN BETT
Das hab ich mir doch gleich gedacht.

CHOR
lachend
Haha, das hat er schlau gemacht.

VAN BETT
Still, kein Wort kann man verstehn.
zu Iwanow
Wo bist du geboren?

IWANOW
In Moskau.

VAN BETT
Schön, dein Name?

IWANOW
spricht
Peter Iwanow.

VAN BETT
spricht zum Zaren
Und du heisst?

ZAR
spricht
Peter Michaelow.

VAN BETT
kopfschüttelnd
Hm, hm! Der Fall wird kitzlig, so will mir's scheinen,
Da hab ich wieder zwei für einen.
Doch täuschet meine Weltkenntnis mich nicht,
So hat
auf Iwanow deutend
der das echte Spitzbubengesicht.

ZAR, IWANOW und CHOR.
Ist wohl die Frage uns erlaubt,
Warum der Zeit man uns beraubt?

VAN BETT
Ein hochgelahrtes Stadtgericht
Schert sich um Zeit und Stunde nicht.
Geht wieder zur Arbeit, ihr lieben Leute,
ich weiss genug für heute.
zu Meisterin Browe, auf Iwanow deutend
Auf diesen einen gebt wohl acht!
zum Chor
Ihr habt eure Sache gut gemacht.

CHOR
Wenn dann nach der Arbeit das Zeichen ertönet,
Wir eilen zum Schmause;
Es rufet die Stunde, so lange ersehnet,
Zum gastlichen Hause.
Ein heitrer, fröhlicher Festtag ist heut,
Bei Tanz und Gesängen entschwinde die Zeit.
Lasst heute des Daseins uns erfreuen!
Seine Art und seine Weise
Ist die rechte wahrlich nicht,
Drum sich jeder glücklich preise,
Den verschonet sein Gericht.

IWANOW und ZAR
Auf so abgeschmackte Weise
Wird ihm nicht das kleinste Licht;
Er dünkt sich sehr klug und weise,
Doch, gottlob, er ist es nicht.

VAN BETT
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.

ALLE ZIMMERLEUTE
gehen ab
ERSTER AKT

Ouvertüre

ERSTER AUFTRITT
Innere Ansicht der Schiffswerft zu Saardam
Viele Zimmerleute bei der Arbeit, unter ihnen Peter Michaelow und Peter Iwanow

Nr. 1 - Introduktion und Lied

CHOR DER ZIMMERLEUTE
Greifet an und rührt die Hände,
Baut des Schiffes stolze Wände!
Greifet an!
Rastet nicht in der Pflicht!
Tag für Tag, Schlag für Schlag!
Handwerksmann hat seine Plagen,
Lust zur Arbeit hilft sie tragen.

ZAR
im Vordergrund arbeitend, für sich
Dieses Wogen, dieses Streben -
Wie es doch mein Herz so hoch erfreut.
Der ist glücklich, der sein Leben
Solcher Arbeit stets geweiht.

IWANOW
auf der andern Seite
Froher Mut, leichtes Blut
Und dazu ein frohes Lied,
Das aus vollem Herzen sprüht -
Das ist gut.

CHOR
Recht, ganz recht, was soll gelingen,
Muss man mit Gesang vollbringen.

IWANOW
auf den Zaren zeigend
Hier, Gefährten, der vor allen
Weiss solch Lied uns vorzutragen.

ZAR
sich erhebend
Euch zugefallen,
Sei es denn!
Mög` es euch behagen.

Alle sammeln sich um den Zaren

Lied

ZAR
Auf, Gesellen, greift zur Axt und regt die nerv'gen Arme,
Dass so Herz als Blut mit jedem Streiche mehr erwarme!
Dröhnt der Schlag im Holz, als will die Erde erbeben,
jauchzt des Zimmermannes Brust vor wonnigem Leben.
Wackrer Zimmermann, hast ja Freude dran -
Wohlauf!
Denke, was du kunstvoll bauest, trotzt jeder Wut in grausen Wettern;
Was dein Beil erfasst, das muss ein kräftiger Hieb auch zerschmettern.

CHOR
die Äxte schwingend
Zimmermann zu sein, ist eine Lust,
Stete Arbeit kräftigt seine Brust:
Stattlich Werkzeug und des Liebchens Kuss,
Freunde, das ist Hochgenuss!

ZAR
Auf, Gesellen, der Gigantenbau kann nur gelingen,
Wenn sich alle Kräfte einigen, ihn zu vollbringen.
Seht dann euer stolzes Werk die Meere durchjagen,
Durch des Nordens Eis und Südens Glut keck sich wagen.
Wackrer Zimmermann, hast ja Freude dran -
Hallo!
Ha! Wie Donnersturm den riesgen Bau wild umkracht, ihn zu zersplittern,
Doch er trotzet kühn der Flut Geheul und dem Strahl in Gewittern.

CHOR
Zimmermann zu sein, ist eine Lust,
Darum rufet laut aus voller Brust:
Stattlich Werkzeug und des Liebchens Kuss,
Freunde, das ist Hochgenuss!

ZAR
Euren Wunsch hab ich gewährt,
Eilet nun zur Arbeit wieder
Und bedenket, dass alsbald
Ein frohes Jubellied erschallt,
Das zum Feste euch begehrt.

CHOR
Greifet an und rührt die Hände,
Baut des Schiffes stolze Wände!
Greifet an!
Rastet nicht in der Pflicht!
Tag für Tag, Schlag für Schlag!
Handwerksmann hat seine Plagen,
Lust zur Arbeit hilft sie tragen.

Nach beendigtem Chor geht alles wieder zur Arbeit, die Zimmerleute verlieren sich nach und nach.

IWANOW
Das muss wahr sein: du bist ein ganzer Kerl; ein Zimmermann, wie ihn Gott verlangt, und dabei ein Liedersanger, der seinesgleichen sucht.

ZAR
lächelnd
O ich besitze noch eine Eigenschaft, die in deinen Augen mehr ist als alle die übrigen.

IWANOW
Die ist?

ZAR
Geduld.

IWANOW
Na, da sei stille - was die betrifft -

ZAR
Wie? Höre ich nicht mit wahrer Engelsgeduld die Schilderungen deiner Zärtlichkeit für die reizende Marie an, die ebenso liebenswürdig wie ihr Oheim dumm und lächerlich ist?

IWANOW
Das ist wahr; aber da wir gerade davon reden, weisst du wohl ' dass mir ganz übel zumute ist?

ZAR
Argwöhnt der gestrenge Bürgermeister etwas?

IWANOW
Es scheint so, denn er hat sich bei der Meisterin genau nach mir erkundigt.

ZAR
Du hast doch keine Ehrensache?

IWANOW
Je nun - vor dir habe ich kein Geheimnis, drum höre. Du weisst, dass ich ein Russe bin. Als ich achtzehn Jahre alt war, machte man mir weis, ich müsste Vaterlandsverteidiger werden. Ich dachte: je nun, kannst's ja probieren, und liess mir den Soldatenrock anziehen. Der Rock war ganz hübsch, aber alles, was ich in dem Rock tun musste, war gar nicht hübsch; zudem war ich von jeher ein Feind jeden Zwanges. Was tat ich also? An einem schönen Morgen stellte ich mein Gewehr ins Schilderhaus, hing den Rock an den Nagel und vertauschte beides hier in Saardam mit Zimmeraxt und Winkelmass.

ZAR
Jetzt versteh ich dich.

IWANOW
Mein ehemaliger Oberst kann sich am Ende erinnern, dass ich da mals beim Verlesen gefehlt habe - in Saardam sind jetzt viele russische Offiziere.

ZAR
Sehr richtig - also müssen wir auf unsrer Hut sein.

IWANOW
Freilich. Übrigens kommt es mir vor, als ob du dich in einer ähnlichen Lage befändest.

ZAR
Ich?

IWANOW
Ja, ja. Du verbirgst dich so sorgfältig, vermeidest von deiner Familie zu reden und was dich nach Saardam geführt.

ZAR
Du glaubst doch nicht -

IWANOW
droht ihm
Alter junge, gesteh's nur, du hast auch Suiten gemacht! Doch was geht es mich an, ich will mich nicht in dein Geheimnis drängen.
Er sieht nach hinten
Da kommt Marie. Ist es nicht schrecklich, dass sie mit ihrem niedlichen Gesichtchen die Nichte eines Bürgermeisters ist?


ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Marie

MARIE
im Auftreten
Nein, es istl weiss Gott, zu arg - auf Schritt und Tritt geht einem der Mensch nach.

IWANOW
Mensch? Welcher Mensch?

MARIE
Ach, ein junger Franzose, der seit gestern hier herumschleicht.

ZAR
Ein Franzose?

IWANOW
Ein junger? Warum schleicht er herum? Warum?

MARIE
Was weiss ich? Er hielt mich an und fragte mich nach allerlei.

IWANOW
Das fehlte noch! Erst schleicht er herum, dann fragt er noch allerlei.
Still doch!
zu Marie
Nun, mein Kind, wonach erkundigte er sich?

MARIE
verschämt
Je nun -

IWANOW
Heraus mit dem Allerlei.

MARIE
Er meinte, ich wäre recht hübsch - und kurz und gut, ich wäre recht hübsch.

IWANOW
So? Das ist recht hübsch. Um das zu erfahren, brauchen wir keinen Franzosen, das können wir auf deutsch auch sehen.

MARIE
Endlich wollte er mich küssen.

IWANOW
Hab ich's nicht gedacht, das ist gewöhnlich das Ende. Soll man da nicht rasend werden?!

MARIE
ihn besänftigend
Aber Peter -

IWANOW
Nichts Peter! - Ich wollte, den französischen Gesandten, der da drüben in Rijswijk den Frieden kongressiert, holte der Kuckuck! Alle Augenblicke fährt hier so ein Windbeutel herum. Träfe ich nur einmal einen, ich wollte ihn gleich -

MARIE
Was gleich?

IWANOW
Das werd ich jetzt nicht sagen.

MARIE
Mein lieber Peter Iwanow, Sie sind ein kleines Grossmäulchen.

IWANOW
Ich wäre -

MARIE
Stille! - Sie sind ein kleines Grossmäulchen.

IWANOW
Aber Mamsell Marie -

MARIE
ernst
Herr Peter Iwanow!

IWANOW
nach einer Pause ruhig
Ich bin ein kleines Grossmäulchen.

MARIE
So recht, lieber Peter, nun bist du wieder artig. Warum ich eigentlich komme -

IWANOW
hastig
Ja warum? Das möchte ich eben wissen.

MARIE
ihm gelassen die Backen klopfend
Nur immer Gemütsruhe.

IWANOW
ja doch, ich bin ruhig, mein Gemüt auch.

MARIE
Mein Oheim hat unser Verständnis ausgewittert - glaube ich wenigstens -, er will heute auf den Werften selbst nachsehen, das ist ihm in drei Jahren nicht eingefallen; er hat Briefe, Befehle erhalten, und alles überzeugt mich, dass ein Anschlag gegen uns im Werk ist.

ZAR
der sich zurückgezogen, hat sich bei Mariens Erzählung aufmerksam genähert. Für sich
Sollte ich entdeckt sein?

IWANOW
für sich
Gewiss von meinem Oberst!

MARIE
Nun, meine Herren, ihr seid ja beide ganz verdutzt? Und Sie, mein Vielgetreuer, Sie kommen mir ganz kurios vor. Vorhin, da ein galanter junger Mann sich nach meinen kleinen häuslichen Angelegenheiten erkundigte, wird er bei der blossen Erzählung Feuer und Flamme, und nun, da unsrer Liebe Gefahr droht, steht er da, als könnte er nicht bis drei zählen.

IWANOW
Marie, du hast es heute wieder darauf abgesehen, mich zu quälen. Ich liebe dich so herzlich, aber ebendeswegen kann es mir doch nicht angenehm sein, wenn dich die ganze Welt küssen will.

MARIE
Die ganze Welt? Nein, lieber Peter, das würde ein zu grosses Gedränge werden; ich will mich darum lieber mit einem begnügen
Sie reicht ihm die Hand

IWANOW
küsst sie
Du bist doch ein Engel!

MARIE
Jetzt höre. Was mein Oheim im Schilde führt - ich weiss es nicht, und wir müssen es in Geduld erwarten. Sei darum guten Muts; ich bin und bleibe dir treu, und sollte es meinem teuren Oheim einfallen, mich zu einem andern Ehebündnis zwingen zu wollen - ich ahne so etwas -, so springe ich lieber in den Kanal.

IWANOW
Ich springe mit.

MARIE
Abgemacht, wir springen im Duett. Vorher aber gehen wir zum Feste. Du weisst doch, dass ich Brautjungfer bei Charlottes Hochzeit bin. Ich eile, mich in den Staat zu werfen.

IWANOW
Ach Gott, da wirst du wieder alles bezaubern.

MARIE
Je nun, ich werde mein möglichstes tun.
zum Zaren
Sehn Sie wieder den Eifersüchtigen?
zu Iwanow
Ach, lieber, lieber Peter, du musst noch gewaltig gezogen werden.

Nr. 2 - Ariette

MARIE
Die Eifersucht ist eine Plage,
Weh dem, der ihr zum Opfer fällt.
Sie schaffet viele trübe Tage,
Warum ist sie wohl auf der Welt?
Warum? Warum?

IWANOW
spricht
Ei, das möcht ich auch wissen.

MARIE
Zwar kenn ich dieses garst'ge Fieber
Nur eigentlich vom Namen her;
Bemerkt' ich's nicht bei dir, mein Lieber,
So wüsst' ich nicht, dass es vorhanden wär.

IWANOW
spricht
Es ist aber einmal da, und ich habe alle Ursache dazu.

MARIE
O ja!
Wenn bei unsern Festen
Alles sich im Tanze dreht
Und wenn einer von den Gästen
Zeigt, dass er mich nicht verschmäht;
Wenn er, während wir pausieren,
Mich recht viel und freundlich fragt
Und mit artigen Manieren
Ein'ge Schmeicheleien sagt,
Zum Exempel: diese Wangen,
Dieser Lippen Purpurrot
Wecken glühendes Verlangen,
Sie bezaubern mich, bei Gott!
Wär' es mir erlaubt zu fragen,
Ob ihr Herz noch frei sich fühlt?
Wenn, mit einem Wort zu sagen,
Er, was man so nennt, den Angenehmen spielt -

IWANOW
spricht
Dann darf ich doch -

MARIE
Dann darfst du niemals eifersüchtig sein.
Mein Herz gehört nur dir allein;
Du weisst es ja, mein Herz gehört nur dir allein.
Ach, das solltest du erst fühlen,
Wie so schön die Zeit verrinnt
Wenn bei unsern heitern Spielen
Pfänder einzulösen sind.
Wenn mit harrenden Gebärden
Jeder seinen Lohn begehrt,
Und es heisst: was soll dem werden,
Welchem dieses Pfand gehört? "
Diesem gibst du sieben Küsse,
Jenem achte, diesem neun,
Zehne reichst du jenem her!"
Lieber Freund, das sind Genüsse,
So was existiert nicht mehr.
Wenn dann mit verschämten Wangen
Schüchtern der Erwählte naht,
Wenn mit glühendem Verlangen
Er den Lohn empfangen hat -

IWANOW
spricht
Dann darf ich doch -

MARIE
Dann darfst du doch nicht eifersüchtig sein.
Mein Herz gehört nur dir allein;
Du weisst es ja, mein Herz gehört nur dir allein!

IWANOW
spricht
Nun, das nehme mir kein Mensch übel.

MARIE
Sieh, das sind nur alles Spiele
Unbefangner Jugendlust;
Fern von liebendem Gefühle
Schlägt das Herz in unsrer Brust.
Was geschieht vor allen Leuten,
Kann ja Böses nicht bedeuten.
Drum darfst du niemals eifersüchtig sein,
Mein Herz, du weisst es ja, bleibt ewig dein. -
Hast du mich auch wohl verstanden?
Ist kein Fieber mehr vorhanden?
Her mit dem Puls, wir werden nun gleich sehn,
Ob du kuriert, als Arzt muss ich's verstehn.
Sie ergreift seine Hand und fühlt den Puls.
Gut, sehr gut, in solchem Tempo muss er gehn.
Bedanke dich!
Sie hält ihm die andere Hand hin, die Iwanow küsst
Wie nun das Blut so ruhig fliesst,
Wie lieb du mir nun wieder bist.
Sie hält dem Zaren die Hand zum Kusse hin, während die andere noch immer Iwanow den Puls fühlt. Zum Zaren
Doch auch Ihr seid mir lieb und wert.
Herrgott! Was tobt dein Blut schon wieder fürchterlich,
Mein lieber Freund, du bist noch nicht kuriert!
Leb wohl und bessre dich!
Sie läuft ab

IWANOW
folgt ihr


DRITTER AUFTRITT
Zar, Lefort

LEFORT
Guten Morgen, Peter Michaelow! Ihr seid allein?

ZAR
Wie du siehst. Hast du Nachrichten von Moskau?

LEFORT
nachdem er sich umgesehen
Ja, Sire, und ernstliche Besorgnisse.

ZAR
Nun?

LEFORT
Sire, ich habe meine Bewunderung dem edelmütigen Entschlusse nicht versagen können, der Sie bestimmte, Ihre Staaten zu verlassen und bei den Völkern Europas Kenntnisse zu erwerben, die einst das Glück Ihres Volkes sichern sollen; allein, es ist Zeit, unseren Reisen ein Ziel zu setzen. Seit einem Jahre arbeiten Sie als Peter Michaelow auf den Werften von Saardam; seitdem hat sich vieles geändert. Ihre Untertanen fangen an, über Ihre Abwesenheit zu murren.

ZAR
Immerhin! Sie ahnen nicht, dass ich unter diesem groben Kittel mehr für sie getan, als der Zar in zehn Jahren hätte tun können. Doch zur Sache! Woher diese Besorgnisse?

LEFORT
Ihre Feinde in Moskau sind tätiger denn je; der kühne Geist Ihrer Schwester Sophie reizt die Bojaren und Strelitzen zum Aufruhr.

ZAR
wütend
Ha! Glaubt die zügellose Schar, die Zeiten Fedors und Iwans seien noch nicht verstrichen? Die Verräter sollen büssen! Ein Blick von mir entscheidet ihr Schicksal. Lass alles zu meiner Abreise bereiten! Fort!

LEFORT
geht ab


VIERTER AUFTRITT
Zar allein

Nr. 3 - Rezitativ und Arie

ZAR
Verraten! Von euch verraten,
Denen ich Vertraun und Liebe geweiht.
Höllischer Undank! Verrat! Des Lasters Krone!

(Diese Arie wird gewöhnlich gestrichen:)

Nur eurem Glück war mein Leben,
Nur eurer Grösse geweiht,
Und ihr verratet mich!
Die Macht des.Zepters, den Glanz der Krone,
Beneidenswert wähnt mancher sie,
Doch bittrer Undank, Hass zum Lohne
Ist oft die Frucht für Herrschers Müh.
Und nur ein Trost lindert die Schmerzen,
Ein Blick nach oben stärket die Brust:
Was auch die Mitwelt nicht erkannte,
Von Nebelschleier noch umhüllt,
Wir sehen dann aus jenem Lande
Das Volk der Nachwelt dankerfüllt.
Drum sehnt sich mein Geist nach Licht und Wahrheit.
Wie schütze ich das Werk, das ich durch deinen Beistand schaffte?
Kann der Verräter Blut dir wohlgefällig sein,
Der du der Milde und der Güte Urquell bist?
Treu hing stets mein Herz an meinem ganzen Volke,
Seinem Glück allein war stets mein Leben nur geweiht.
Warum, o Gott, erhabne Vorsicht,
Wird Völkerglück durch Strenge nur erreicht?
Warum durch Liebe, Huld und Milde,
Das Herz des Volkes nicht erweicht?
Treu hing stets mein Herz an meinem ganzen Volke,
Seinem Glück allein war mein Leben nur geweiht.
So sei es denn entschieden, dem Tode weih ich sie;
Man bessert ja hienieden durch Wohltun Sünder nie!
Verräterblut soll färben das blanke Henkerbeil,
Damit sie sühnend sterben, dem Vaterland zum Heil!


FÜNFTER AUFTRITT
Zar. Iwanow. Später Meisterin Browes Stimme

IWANOW
steht den Zaren eine Weile an
Du scheinst mir auch übel gelaunt.

ZAR
Wie das so manchmal kommt - es geht vorüber.

IWANOW
Freilich wohl, aber es sollte lieber gar nicht kommen, es nützt ja zu nichts.

ZAR
Wo fehlt dir 's denn schon wieder?

IWANOW
Marie macht mir den Kopf warm, und zum übermass des Unglücks ist der Herr Bürgermeister soeben auf der Werft angekommen.
leise
Du begreifst wohl weswegen.

ZAR
Ei, es soll mich freuen, seine Bekanntschaft zu machen - jetzt habe ich zu tun - auf Wiedersehn beim Feste.
Er will gehen

IWANOW
hält ihn
Höre, Freund, das ist nicht schön von dir.

ZAR
Was?

IWANOW
Dass du so hinterm Berg hältst. Ich habe dir alles vertraut, was ich auf dem Herzen, hatte, aber du spielst stets den Geheimnisvollen gegen mich.

ZAR
Sei ruhig, ehe ich abreise, erfährst du mein Geheimnis.

IWANOW
Was? Du willst uns verlassen? Wieder was Neues!

ZAR
Meine Familie verlangt nach mir.

IWANOW
So, deine Familie? Ist sie gross?

ZAR
Ziemlich.

IWANOW
Und da sehnt sie sich wohl sehr nach dir?

ZAR
Mehr oder weniger.

IWANOW
Du lebst doch nicht mit ihr in Uneinigkeit?

ZAR
kräftig
Ich stifte Frieden, darauf verlass dich!

MEISTERIN BROWE
hinter der Szene
Hierher, Herr Bürgermeister.

IWANOW
Da ist er!


SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. van Bett. Meisterin Browe.

Nr. 4 - Arie

VAN BETT
O sancta justitia! Ich möchte rasen,
Von früh bis spät lauf ich herum;
Ich bin von Amtspflicht ganz aufgeblasen,
Das Wohl der Stadt bringt mich noch um.
Plerique hominum auf dieser Erde,
Sie ruhn doch mal von Qual und Beschwerde;
Doch kaum schaut der Morgen in meine Kammer,
So rufen die Akten mein Genie,
Und bis zur Nacht bin ich, o Jammer,
Re vera übler noch dran als ein Vieh!
Kein Zugpferd in der Tat hat's so schlimm,
Als ein Vorstand und Rat.
Ein Glück, dass ich mein Amt verstehe,
Und sapientissime alles wend und drehe,
Dass mein Ingenium Akten weiss zu schmieren
Und das Consilium am Gängelband zu führen.
Denn ich weiss zu bombardieren
Zu rationieren und zu expektorieren,
Zu inspizieren, zu räsonieren,
Zu echauffieren und zu malträtieren.
Rem publicam hab ich stets im Sinn.
Man weiss es ja, dass ich ein Codex bin.
Alt und jung ruft mir zum Preise,
Ich bin Saardams grösstes Licht.
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.
Diese ausdrucksvollen Züge,
Dieses Aug', wie ein Flambeau,
Künden meines Geistes Siege,
Ich bin ein zweiter Salomo.
Dazu der Corpus noch in petto,
Mit einem Wort, ich bin ganz netto.

Er sperrt den Mund auf, als sänge er das im Orchester erklingende tiefe F

Man glaub' mir's, dass ich nie mich trüge
Et eo ipso momento
Gleich über jedes Crimen siege.
Ich wühl mich in Prozesse ein
Und schlichte sie sehr schlau und fein.
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.
Diese ausdrucksvollen Züge,
Dieses Aug', wie ein Flambeau,
Verkünden meines Geistes Siege,
Ich bin ein zweiter Salomo.
Denn ich weiss zu bombardieren,
Zu rationieren, zu expektorieren,
Zu blamieren, inspizieren,
Echauffieren, räsonieren, malträtieren,
Und zu ieren, zieren, rühren,
Führen, schmieren, ratifizieren.
Mit einem Wort, man sieht mir's an,
Ich bin ad speciem ein ganzer Mann!

Spricht zu Witwe Browe.
Ihr könnt es nicht glauben, was mir alles auf dem Halse liegt und noch vielleicht darauf liegen wird. Da lest einmal.
Er zeigt ihr einen Brief
Ihr werdet Euer blaues Wunder hören.

MEISTERIN BROWE
Das Lesen ist von jeher meine schwache Seite gewesen, das tat mein seliger Alter für mich. Wende Sie sich hier an meinen Gesellen, den Peter Michaelow, der ist der Gelehrteste auf der Werft.

VAN BETT
Da, mein Freund!
zur Meisterin Browe
Nun passt einmal auf.
zum Zaren
Lies laut, mein Sohn!

ZAR
liest
"Mein Herr" -

VAN BETT
Schön, ich sehe, du kannst lesen, lies laut. Ich verlange ja nicht, dass du so schön lesen sollst wie ich; bewahre, das würde sich auch für dich gar nicht schicken.

ZAR
liest
"Herr Bürgermeister! Es liegt den Generalstaaten sehr viel daran, von dem Tun und Lassen eines Fremden, namens Peter, der gegenwärtig auf den Werften zu Saardam arbeitet, unterrichtet zu sein."

IWANOW
für sich
Ich bin entdeckt.

ZAR
für sich
Das bin ich.

VAN BETT
Schön, mir liegt auch viel daran. - Sequens, mein Sohn, das heisst, lies weiter!

ZAR
liest
"Nehmen Sie die allernötigsten Massregeln, damit dieser Fremde sich nicht von Saardam entfernt, und berichten Sie mir ungesäumt alles, was Sie in Erfahrung bringen können. Ich habe die Ehre zu sein

VAN BETT
Gehorsamer Diener. Ist das alles?

ZAR
Ja, Herr Bürgermeister.

VAN BETT
nimmt den Brief
Das ist eine äusserst verwickelte Sache, wie man sagt, ein casus confusus.

ZAR
Haben denn der Herr Bürgermeister keine Vermutungen, wer es ungefähr -

VAN BETT
Schöne Frage! Ich vermute immer, eine gute
Obrigkeit vermutet immer, und ich wette, in diese
Sache ist eine wichtige Person verwickelt, die man fest-
setzen soll, id est ad carcerem. Ein Ausreisser vielleicht.

IWANOW
bestürzt, für sich
Da haben wir's.

VAN BETT
Frau Meisterin, lasst sämtliche Arbeiter sich hier versammeln.

MEISTERIN BROWE
Ei, du Gerechter, Ihr werdet doch unter meinen Leuten keine Verbrecher suchen! Ichbin eine rechtschaffene Niederländerin, und mein Mann ist tot.

VAN BETT
Ebendeshalb schafft mir die Leute her! Tutti.

MEISTERIN BROWE
gibt Iwanow ein Zeichen, dieser zieht eine Glocke
Bloss um Euch den Willen zu tun.


SIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen.
Zimmerleute kommen hastig von allen Seiten mit ihren Schurzfellen, Arbeitsgerät in Händen.

Nr. 5 - Chor und Ensemble

CHOR
Lasst ruhen die Arbeit, das Zeichen ertönet,
Wir eilen zum Schrnause;
Es rufet die Stunde, so lange ersehnet,
Zum gastlichen Hause.
Ein heitrer, fröhlicher Festtag ist heut,
Bei Tanz und Gesängen entschwinde die Zeit.
Lasst heute des Daseins uns erfreuen!

VAN BETT
Was Tanz und Schmaus, es handelt sich hier
Um Staatsgeschäfte!
Unruhe im Chor
Ruhe! Und dann
Stellt euch in Reih und Glied,
Dass die Physiognomien ich mir betrachten kann.

CHOR
unter sich
Was will er betrachten?
Was schwatzt er für Zeug?

VAN BETT
für sich
Meinen Mann werd ich finden,
Das merk ich gleich.
laut
Antwortet laut und mit Verstand:
Wer von euch allen wird Peter genannt?

ZAR
Ich heisse Peter.

IWANOW und mehrere ZIMMERLEUTE.
Auch ich, auch ich!

VAN BETT
Schreit doch nicht so fürchterlich!
Ihr heisst alle Peter? Der Fall ist selten.
Ihr könnt alle doch wohl nicht für Peter gelten?

DIE PETER
Ihr fragt nach dem Namen, wer wird ihn verneinen,
Wir sind viele Peter, was wundert ihr Euch?

VAN BETT
Ei, hol euch der Teufel, ich suche nur einen
Und finde ein ganzes Dutzend gleich.

CHOR
Wir sind ihm zu viele, das ist doch zum Lachen,
Doch was hat er vor? Wo will er hinaus?

VAN BETT
für sich
Ich muss die Sache pfiffiger machen,
So bring ich es niemals heraus.
zum Chor
Woher seid ihr?

CHOR
Von Saardam.

VAN BETT
Ist das auch wahr?

CHOR
Ja, ja! Alle von Saardam.

VAN BETT
Das ist mir nun schon ganz klar.
Und welcher ist ein Fremder von euch?

ZAR und IWANOW
Wir beide sind fremd.

VAN BETT
Aha! Das dacht' ich mir gleich.
für sich
Nur pfiffig sondieren und immer leise,
Denn so nur erhält man das wahre Licht.
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.

CHOR
Die Sache wird lustig.

IWANOW
für sich
Ich bin verloren.

CHOR
Jetzt packt er die beiden.
Sie lachen

VAN BETT
Still, nicht gelacht!
zum Zaren
Antworte, wo bist du geboren?

ZAR
In Smolensk.

VAN BETT
Das hab ich mir doch gleich gedacht.

CHOR
lachend
Haha, das hat er schlau gemacht.

VAN BETT
Still, kein Wort kann man verstehn.
zu Iwanow
Wo bist du geboren?

IWANOW
In Moskau.

VAN BETT
Schön, dein Name?

IWANOW
spricht
Peter Iwanow.

VAN BETT
spricht zum Zaren
Und du heisst?

ZAR
spricht
Peter Michaelow.

VAN BETT
kopfschüttelnd
Hm, hm! Der Fall wird kitzlig, so will mir's scheinen,
Da hab ich wieder zwei für einen.
Doch täuschet meine Weltkenntnis mich nicht,
So hat
auf Iwanow deutend
der das echte Spitzbubengesicht.

ZAR, IWANOW und CHOR.
Ist wohl die Frage uns erlaubt,
Warum der Zeit man uns beraubt?

VAN BETT
Ein hochgelahrtes Stadtgericht
Schert sich um Zeit und Stunde nicht.
Geht wieder zur Arbeit, ihr lieben Leute,
ich weiss genug für heute.
zu Meisterin Browe, auf Iwanow deutend
Auf diesen einen gebt wohl acht!
zum Chor
Ihr habt eure Sache gut gemacht.

CHOR
Wenn dann nach der Arbeit das Zeichen ertönet,
Wir eilen zum Schmause;
Es rufet die Stunde, so lange ersehnet,
Zum gastlichen Hause.
Ein heitrer, fröhlicher Festtag ist heut,
Bei Tanz und Gesängen entschwinde die Zeit.
Lasst heute des Daseins uns erfreuen!
Seine Art und seine Weise
Ist die rechte wahrlich nicht,
Drum sich jeder glücklich preise,
Den verschonet sein Gericht.

IWANOW und ZAR
Auf so abgeschmackte Weise
Wird ihm nicht das kleinste Licht;
Er dünkt sich sehr klug und weise,
Doch, gottlob, er ist es nicht.

VAN BETT
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.

ALLE ZIMMERLEUTE
gehen ab



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