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ACHTER AUFTRITT
van Bett. Meisterin Browe

VAN BETT
Verlasst Euch auf mich, Frau Browe, ich habe ihn; dieser Iwanow will mir nicht aus dem Kopf - er ist mir schon von einigen als ein homo suspectus bezeichnet worden.

MEISTERIN BROWE
Ein pectus? Um Verzeihung, Herr Bürgermeister -

VAN BETT
Das will sagen, ein Taugenichts, der sich's einfallen lässt, meine Nichte zu beliebäugeln.

MEISTERIN BROWE
Davon weiss ich nichts, und es geht mich auch nichts an.

VAN BETT
Aber mich geht's an, den Bürgermeister! Ich soll einen verdächtigen Menschen aufsuchen, und das kann kein anderer sein, als einer, der mit meiner Nichte liebäugelt.

MEISTERIN BROWE
Kurz, ich halte den Peter lwanow für einen rechtlichen Burschen. Jetzt muss ich an meine Geschäfte, also, Gott zum Gruss, Herr Bürgermeister.

VAN BETT
Noch ein Wort, Frau Browe. Ihr gebt heute ein Gastmahl, ein Fest -

MEISTERIN BROWE
Mein ältester Sohn macht Hochzeit, und da wissen Sie wohl -

VAN BETT
Gut, habe gar nichts dagegen. Ich wollte Euch nur darauf aufmerksam machen, dass bei solchen Lustbarkeiten häufig Händel vorfallen.

MEISTERIN BROWE
Das wollen wir nicht hoffen.

VAN BETT
Bei Gott ist kein Ding unmöglich und bei besoffenen Zimmergesellen, noch viel weniger - ich halte es daher für meine Pflicht, alles in Person zu. beaufsichtigen.

MEISTERIN BROWE
für sich
Auf den haben wir gewartet.
laut
Wenn es Ihnen Spass macht -

VAN BETT
Keineswegs; bloss ein Opfer, welches ich der öffentlichen Sicherheit bringe. Wann wird gespeist?

MEISTERIN BROWE
Um zwölf Uhr ' Herr Bürgermeister.

VAN BETT
Da finde ich mich ein, denn convivia habent multa scandalia.


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Syndham.

LORD
Finde ich hier vielleicht den Herrn Bürgermeister?

MEISTERIN BROWE
Hier, dieser Herr.
für sich
Gott sei Dank, da werde ich den Gierschlund mit guter Manier los.
Sie geht

VAN BETT
ihr nachrufend
Ich lasse nicht warten, verlasst Euch darauf.

MEISTERIN BROWE
Ich bin auch gar nicht bange.
Sie geht ab


ZEHNTER AUFTRITT
van Bett. Lord Syndham

LORD
Ich habe Sie um eine Gefälligkeit zu bitten, mein Herr.

VAN BETT
für sich
Das ist der Engländer, der sich seit einigen Tagen sehen lässt
laut
Darf ich um Dero Firma, will sagen, Dero Namen bitten?

LORD
Später sollen Sie erf ahren, wer ich bin. Erst bedarf ich Ihres Beistandes bei einer Nachforschung von höchster Wichtigkeit.

VAN BETT
Reden Sie! Nachforschungen - darin bin ich stark! Forte!

LORD
So hören Sie; Sie müssen mir einen jungen Mann entdecken helfen, der sich als Zimmergeselle hier aufhält.

VAN BETT
für sich
Schon wieder.
laut
Warten Sie mal, was für ein Landsmann?

LORD
Einen Russen.

VAN BETT
Der Peter heisst?

LORD
Sie wissen also?

VAN BETT
Ob! Dem laure ich schon lange auf, ich habe sogar vor wenigen Minuten noch Verhaltungsbefehle seinetwegen bekommen. Ich fixierte ihn - zwei Minuten - heraus war's.

LORD
vergnügt
Herr Bürgermeister, Ihr Glück ist in Ihren Händen.

VAN BETT
In meinen Händen? Ei, wieso?

LORD
geheimnisvoll
Suchen Sie auf eine geschickte Weise von diesem Peter herauszubringen, welches seine Pläne in bezug auf England sind.

VAN BETT
Auf England? Aha!

LORD
Doch ohne ihn merken zu lassen, dass er entdeckt ist; vor allem müssen Sie verhüten, dass der französische Gesandte uns zuvorkomme.

VAN BETT
Der französische Gesandte, mischt sich der auch hinein? Das Volk muss seine Nase doch in alles stecken.

LORD
Darum vorsichtig, denn auch er sucht unsern Peter und möchte gern - ebenso wie ich -

VAN BETT
Aha! Intelligo. Verlassen Sie sich auf mich, ich werde alles leiten. Erst f ange ich an - in bezug auf - versteht sich, ohne ihn merken zu lassen - und dann ergibt sich das übrige von selbst.

LORD
Gelingt es, so sind 2000 Pfund Ihr Lohn.

VAN BETT
2000 Pfund! Euer Herrlichkeit setzen mich in Verlegenheit.

LORD
Wieso?

VAN BETT
Hat gar nichts zu sagen; weiter, wenn's gefällig ist.

LORD
Eilen Sie, die Sache ist dringend und die Zeit kurz. Wo finde ich Sie wieder?

VAN BETT
In einer Stunde sind wir alle in der grossen Schenke versammelt, unser Mann ist auch dort, und Ehrwürden hätten dann die schönste Gelegenheit -

LORD
Gut, gut; um jedem Verdachte auszuweichen, werde ich verkleidet dort erscheinen. Sorgen Sie nur dafür, dass niemand mit ihm spricht. Vorsicht, die Sache ist zu wichtig. Auf Wiedersehen! 2000 Pfund!. Bedenken Sie!
Er geht ab

VAN BETT
Verlassen Sich Euer Eminenz auf mich.


ELFTER AUFTRITT
van Bett allein.

VAN BETT
Ich verstehe kein Wort von der ganzen Geschichte. Was Teufel haben sie alle mit dem armen Iwanow vor; es muss eine hohe Standesperson sein oder ein Staatsverbrecher. Übrigens ist es ein wahres Glück, dass die Sache an mich kam, denn wehe dem Staate, wo dergleichen politische Angelegenheiten in ungeschickte Hände fallen.


ZWÖLFTER AUFTRITT
Iwanow. van Bett.

IWANOW
Ach Gott! Da laufe ich ihm gerade ins Gesicht.

VAN BETT
für sich
Da ist er; jetzt krieg ich's heraus - aber nur immer fein.
freundlich
Nun, mein lieber Iwanow.

IWANOW
erstaunt, für sich
Sein lieber Iwanow?

VAN BETT
für sich
Der vertrauliche Ton scheint ihm zu missfallen.
laut
Nehmen Sie's nicht übel, Herr Iwanow, und seien Sie versichert, dass ich nichts weniger beabsichtige, als das Geheimnis zu erraten, das Sie hier in Saardam zurückhält.

IWANOW
für sich
's ist richtig, er weiss alles.
laut
Nun, weil es denn nicht anders sein kann, Sie haben von meinem Obersten Nachricht erhalten?

VAN BETT
Allerdings.
für sich
Sein Oberst? Der Engländer ist also ein Oberst, das hätte ich heraus.
laut
Ich weiss, welche Gefahr Sie laufen, wenn der französische Gesandte Sie entdeckt.

IWANOW
Der russische Gesandte wollen Sie sagen.

VAN BETT
Der französische! Ich werde doch den französischen Gesandten kennen. Aber fürchten Sie nichts.
wichtig
Der englische Oberst ist hier, adest!

IWANOW
für sich
Jetzt ist's wieder ein englischer Oberst.

VAN BETT
Kurz, es sind alle Massregeln getroffen - wir schliessen ab zur Zufriedenheit aller Teile.

IWANOW
Wie, Herr Bürgermeister, Sie sind also nicht gegen mich?

VAN BETT
Ich? Oh, Herr Iwanow, wie können Sie mich für so, mit Erlaubnis zu sagen, unpolitechnisch halten?

Nr. 6 - Duett

IWANOW
für sich
Darf ich wohl den Worten trauen,
Spielt er nicht etwa den Schlauen,
Was ihm sonst zwar schwer gelingt?
Darf ich es denn wirklich wagen,
Alles ihm heraus zu sagen,
Ob es mir nicht Schaden bringt?

VAN BETT
für sich
Er scheint mir nicht recht zu trauen,
Spielt am Ende gar den Schlauen,
Glaubt, dass mir es nicht gelingt.
Ganz behutsam werd ich fragen,
Dann wird er schon alles sagen,
Was uns grossen Nutzen bringt.

IWANOW
zu van Bett
Verzeihen Sie, wenn ich es noch nicht wage,
So mit der Sprache recht herauszugehn;
Man traut nicht jedem gleich in meiner Lage,
Sie werden mich recht gut verstehn.

VAN BETT
Ei, Freund, das kann ich keinem wohl verdenken,
Wenn nämlich er,wo Argwohn spürt,
Doch dürfen Sie mir Ihr Vertrauen schenken,
Da es zu Ihrem Lebensglücke führt.

IWANOW
ist überrascht und sagt
Mein Lebensglück!

VAN BETT
Das Ganze leitet mein Genie -

IWANOW
Das freut mich sehr, erfahren Sie -
Er stockt. Sie sehen sich eine Weile an, dann singt jeder für sich.

VAN BETT
beiseite
Er will nicht heraus mit der Sprache,
Und noch ganz dunkel, sehr dunkel ist mir diese Sache,
Drum ist es Zeit, hohe Zeit, dass den Anfang ich mache,
Denn bis jetzt bin ich immer, noch immer so klug wie vorher.

IWANOW
beiseite
Er will nicht heraus mit der Sprache,
Und noch sehr dunkel, ganz dunkel ist mir diese Sache,
Doch ist's gewagt, ja es ist sehr gewagt, wenn den Anfang ich mache,
Und ist es geschehen, dann kann ich zurück nimmer-mehr.

VAN BETT
der sich besonnen
Jetzt hab ich's, jetzt hab ich's,
Nun fang ich ihn gleich.
wichtig
Was ist Ihr Plan in bezug auf Frankreich?

IWANOW
verwundert
Mein Plan?

VAN BETT
Nun ja, der Plan, ich meine, der Plan.

IWANOW
für sich
Was ficht ihn denn schon wieder an?

VAN BETT
Mein Gott, Sie kennen doch Frankreich?

IWANOW
Nein.

VAN BETT
Nicht?

IWANOW
Doch soll's ein schönes Ländchen sein.

VAN BETT
für sich
Diese Wendung war sehr fein.
laut
Aber England kennen Sie ganz genau?

IWANOW
Das heisst -

VAN BETT
für sich
Aha!

IWANOW
Wieso?

VAN BETT
Ich frage, kennen Sie England genau?

IWANOW
achselzuckend
Je nun!

VAN BETT
für sich
Die Antwort war wieder schlau.
Da lässt sich für's erste nun weiter nichts tun, 's ist gewiss, dass er Aufträge hat.
Er zuckte die Achseln und sagte: je nun!
's ist ein feiner Diplomat.

IWANOW
für sich
Soll ich ihm gestehn, oder soll ich's nicht tun?
Teuer ist hier guter Rat.

VAN BETT
für sich
Er zuckte die Achseln und sagte: je nun!
's ist ein feiner Diplomat. -
Wie wär's, wenn, zum Geständnis ihn zu bringen,
Ich ihm nun Hoffnung zeigte auf Marien;
Er ist ihr sehr geneigt, legt leichter sich zum Ziele.

IWANOW
für sich
Nun sinnt er sicher wieder neue Fragen aus,
Die zu beantworten ich nicht imstande bin.

VAN BETT
laut
Sie lieben meine Nichte?

IWANOW
Was ist das?

VAN BETT
für sich
Er stutzt!
laut
Sie lieben sie, nicht wahr, hab ich recht?

IWANOW
für sich
Wie kommt in diesem Augenblick er auf Marie?

VAN BETT
für sich
Er stutzt schon wieder.
laut
Lieben Sie sie nicht?

IWANOW
für sich
Ich weiss nicht, soll ich's ihm gestehn?

VAN BETT
für sich
Er stutzt zum dritten Male!
laut
Nun, junger Stutzer, hören Sie mich an:
Gelingt des Obersten gehoffter Plan,
So könnte wohl es sich gestalten,
Dass Sie Mariens Hand erhalten.

IWANOW
freudig
Was hör ich?

VAN BETT
für sich
Das traf!

IWANOW
O welch ein Glück, welch süsses Glück!
Alles willig zu gestehen, sollen Sie bereit mich sehen.

VAN BETT
Alles willig zu gestehen, werde ich bereit ihn sehen.

IWANOW
Ist der Oberst nur zugegen, schenk ich reinen Wein ihm ein.

VAN BETT
Dazu konnte ihn bewegen meine Schlauheit nur allein.

IWANOW
Oh, wie konnt'ich jemals hoff en, zu erreichen
dieses Glück!

VAN BETT
Herrlich hab ich es getroffen, ha! Es war
ein Meisterstück!

IWANOW
beiseite
Endlich wird es mir gelingen,
Die Geliebte zu erringen
Und zu ernten süssen Lohn!
Nun darf ich ohne Furcht gestehen,
Was mich drückte lange schon.
Ja, vor Wonne möcht ich springen,
Endlich wird es mir gelingen,
Die Geliebte zu erringen
Und zu ernten süssen Lohn.

VAN BETT
beiseite
So nur kann es mir gelingen,
In die Sache Licht zu bringen
Und zu ernten reichen Lohn!
Dass ich gleich alles würd' erspähen,
Ei, das wusst' ich lange schon.
So nur kann es mir gelingen,
In die Sache Licht zu bringen,
Ruhm und Ehre zu erringen
Und zu ernten reichen Lohn.
Er geht ab


DREIZEHNTER AUFTRITT
Iwanow allein.

IWANOW
Meiner Seel, das begreif ich nicht - ich denke, der Mann ist bitterböse auf mich und im Gegenteil, er überhäuft mich nicht nur mit Höflichkeiten, sondern er will sogar mein Glück gründen. Da kommt Marie - alle Wetter - und der windige Franzose hinter ihr her; jetzt kriegt meine Freude gleich wieder eine Ohrfeige.


VIERZEHNTER AUFTRITT
Iwanow. Marie, ihr folgt Marquis von Chateauneuf.

MARQUIS
Diesmal, mein holdes Kind, entfliehen Sie mir nicht.

MARIE
Lassen Sie mich!

MARQUIS
Sie sind so spröde; gewiss fürchten Sie, dass Ihr Liebhaber -

IWANOW
tritt dazwischen
Da ist der Liebhaber.

MARQUIS
lacht
Ah, freut mich, dass ich die Ehre habe -

IWANOW
Mich nicht. Ist es bei Ihnen zulande Sitte, dass man sittsamen Mädchen am hellen, lichten Tage nachläuft?

MARQUIS
Und wenn ich ja sagte?

IWANOW
Hier wollen wir die Sitte nicht einführen, verstehen Sie mich?

MARQUIS
Sehr determiniert! - Mein schönes Kind, wie nennt sich der junge Brausekopf?

IWANOW
Peter Iwanow, Ihnen zu dienen oder nicht zu dienen, besser gesagt.

MARIE
So fange doch nur nicht etwa Streit an.

IWANOW
Es ist wahr, ich sollte mich eigentlich bei dem Herrn bedanken.
Sie streiten zusammen

MARQUIS
für sich
Peter Iwanow? Es wäre doch lustig, wenn ich durch die Neckerei mit einem Mädchen den Zaren entdeckt hätte, den ich seit zwei Tagen suche.

IWANOW
zu Marie
Ei Sapperment, alles muss doch seine Grenzen haben, auch die Courschneidenlasserei, und meine Meinung musste ich ihm wenigstens sagen.

MARQUIS
beiseite
Es wäre möglich - lass sehen!
laut
Ihr heisst Peter?

IWANOW
Ja, zum Henker, ich habe es schon einmal gesagt.

MARIE
leise
Wirst du dem Herrn gleich freundlich antworten, du grober Mensch!

IWANOW
Du wirst doch nicht verlangen -

MARIE
Ich tanze heut keinen Schritt mit dir.

IWANOW
Aber Marie -

MARIE
böse
Adieu, Herr Iwanow!

IWANOW
mit grimassierter Freundlichkeit zum Marquis
Ich heisse Peter Iwanow.
für sich
Dass dich ein Donnerwetter!


FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Zar

Nr. 7 - Finale

ZAR
zu Marie und Iwanow
Das Fest beginnt, seid ihr bereit und fertig?
Schon ertönt lautes Jubelgeschrei;
Man ist des Brautpaars nur gewärtig,
Dann ziehn sie im Glanze hier vorbei.

MARIE
Eben recht, dass Ihr kommt, denn nur Ihr seid der Mann,
Der den Kopf diesem Herrn da zurechtsetzen kann.

ZAR
Was gibt es wieder?

MARIE
Händel zwischen den beiden;
Dass man mich hübsch findet, will er nicht leiden,
Und ich kann doch, weiss Gott, nichts dafür.

IWANOW
Deine Hübschigkeit geht den Franzosen nichts an.

MARQUIS
der den Zaren beobachtet
Das ist wahrlich ein anderer Mann.
Die edle Bildung, der feurige Blick!

IWANOW
für sich, auf den Marquis blickend
Wart nur, dir brech ich noch das Genick.

ZAR
für sich
Ein Franzose, wie kommt der hierher?

MARIE
zu Iwanow
Du wütest wieder gar zu sehr.

IWANOW
Oh, dass er doch bei allen Teufeln wärl

MARQUIS
Das ist fürwahr kein gewöhnlich Gesicht.
Lass sehn, vielleicht täusche ich mich nicht.
Er tritt zwischen Marie und Iwanow
Ich kam nicht, Zwietracht zu erregen
Hierher, das glaubt mir sicherlich.
Drum frag ich, lieber Freund, weswegen
Seid Ihr so bitterböse nur auf mich?
Lasst Euren Zorn entschwinden
Und reicht versöhnlich mir die Hand;
Ist, eine Schöne schön zu finden,
Denn ein Verbrechen hierzuland?
Ich kann kein reizend Wesen sehn,
Muss huld'gend nahn;
Ist hier vielleicht zuviel geschehn,
Erbitt ich gnäd'ge Strafe mir.

MARIE
Ich darf in Wahrheit eingestehen,
Er huldigte sehr artig mir:
Hat er zuviel mich angesehen,
Wird gnäd'ge Strafe ihm dafür.

IWANOW
Ich darf in Wahrheit eingestehen,
Er huldigte gehörig ihr;
Das soll ich alles so ansehen,
Und doch verargt den Zorn man mir.

ZAR
Ich darf in Wahrheit eingestehen,
Der Mann aus Frankreich scheinet mir
Nicht auf Erobrung auszugehen,
Ihn fesseln andre Zwecke hier.
zum Marquis
Wo sind Sie her, mein Herr, wenn mir erlaubt zu fragen?

MARQUIS
tritt dem Zaren zur Linken
Von Rijswijk, der Gesandtschaft dien ich dort;
Wir reisen ab in wenig Tagen.

ZAR
Warum verlassen Sie den Ort?

MARQUIS
den Zaren stets fixierend
Der Grund ist einfach, es kam uns zu Ohren -
Die Nachricht wurde als verbürgt genannt -
Der Zar sei rettungslos verloren,
Der Russen Niederlage ist nur zu bekannt.

ZAR
heftig
Unmöglich!

MARQUIS
für sich
Es ist der Zar, bei meiner Ehr -.

ZAR
Wer sagt das?

MARQUIS
's ist gewiss, der Russen tapfres Heer
Soll vom Grosswesir total geschlagen sein.
Indem wir reden, ziehen sie in Moskau ein.

ZAR
sich vergessend
Ha, schändlich ist's erlogen!
Die Türken weit und breit,
Sie zittern vor der Russen Tapferkeit;
Die Siege bei Procop verkünden ihre Taten.

MARQUIS
leise sprechend, zum Zaren
Sie sind der Zar, Sie haben sich verraten.

ZAR
für sich
Was tat ich?

MARIE und IWANOW
die sich zurückgezogen, vortretend
Was habt ihr?

ZAR
Es ist nichts, mein Freund, glaube mir.

IWANOW
triumphierend zum Zaren
Du nimmst dich meiner treulich an,
Das ist brav!

MARIE
spottend zu Iwanow
Was hat man dir zuleid getan,
Du armer, armer Mann?
Musik auf dem Theater
Ach die Musik, ei das ist gut.
Es geht zum Tanz.

IWANOW
Mir ist gar nicht tanzerig zumut.

Sie gehen nach dem Hintergrund

MARQUIS
zum Zaren
Sire, ich habe Sie erkannt.

ZAR
Wer sind Sie?

MARQUIS
Marquis von Chateauneuf,
Vom König von Frankreich hierhergesandt.
Wollen Sie die Gnad' gewähren,
Mich huldreich anzuhören?

ZAR
leise
Man kommt. Auf Ihr Inkognito bedacht!
Wir treffen uns, für jetzt so viel,
Dass mir Ihr Hiersein Freude macht,
Es führt vielleicht uns zum gehofften Ziel.


SECHZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Meisterin Browe. Braut und Bräutigam nebst Gefolge. Musikanten.

CHOR
Lustig zum Tanze, jubelt, springet
Lustig zum Schmause, Gläser klinget!
Schmücket mit Kränzedas bräutliche Haus!
Glück, Heil und Segen Auf allen Wegen
Dem lieblichen Paar! Doch übers Jahr
Bringen wir neue Wünsche dar.

MEISTERIN BROWE
Ist es gefällig, Jungfer Marie,
Euch unserm Zuge anzureihn?

MARIE
Ihr seid zu gütig, die Braut geleiten
Wird mir 'ne grosse Ehre sein.

MEISTERIN BROWE
Dann lasst uns gehen, dort in der Schenke
Ist zum Empfang schon alles bereit.

IWANOW
Weisst du, Marie, was ich jetzt denke?
Ich wollte, wir wär'n auch so weit.

MARIE
Sieh doch nicht so grämlich drein,
Versprich mir, recht hübsch fromm zu sein,
Und plage dich nicht mit Sorgen.
Ist es nicht heute, ist es doch morgen,
In kurzem sind wir auch so weit,
Dann singt man uns, so wie ihnen heut.
Lustig zum Tanze, jubelt, springet,
Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

CHOR
Lustig zum Tanze, jubelt, springet,
Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

MEISTERIN BROWE
erblickt Chateauneuf
Wer ist der Fremde, kennt ihr ihn nicht,
Mit welchem Peter so eifrig spricht?

CHOR
Wer ist der Fremde, kennt ihr ihn nicht?

IWANOW
Neugierig seid ihr ganz und gar nicht.
's ist ein Franzose, der dort steht
Und allen Mädchen den Kopf verdreht.

DIE MÄDCHEN
sich vordrängend
Allen Mädchen?

MARIE
Das ist nicht wahr!

IWANOW
Ja so, nur einer.

DIE MÄDCHEN
Ist das wahr, ist das wahr?

IWANOW
Jetzt ist mir's klar.

MEISTERIN BROWE
Scheint ein Bekannter von Peter zu sein,
Dann ist es schicklich, man ladet ihn ein.
Sie will sich dem Zaren nähern, welcher bis dahin mit dem Marquis eifrig gesprochen hat.

IWANOW
Das fehlte noch!

ZAR
mit steigendem Feuer
Denen ich Lieb um Lieb geweiht,
Glanz und Wohlstand gegeben,
Mir trachten die Falschen nach dem Leben!
Doch die Verräter sollen es büssen!
Sterben seh ich sie bald zu meinen Füssen!

ALLE
werden aufmerksam

MARQUIS
bemerkt es und flüstert dem Zaren zu
Vorsicht, Sire, man merkt auf uns.

ZAR
fasst sich schnell und wendet sich mit erkünstelter Heiterkeit zu den übrigen
Lustig zum Tanze, jubelt, springet.
für sich
Mein heisses Blut verrät mich.

MARQUIS
einfallend
Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

CHOR
Lustig zum Tanze, jubelt, springet, Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

ZAR
zum Marquis
Hier lauscht man jedem unsrer Worte,
Ich harre Ihrer am genannten Orte.
Dort, von der Gäste Schwarm umrauscht,
So leicht kein Späher uns belauscht.
heiter zum Chor
Die Zeit verrinnt, das Fest beginntl

CHOR
Die Zeit verrinnt, das Fest beginnt!
Der Tag sei nur der Lust geweiht,
Auf, auf zur Freud und Fröhlichkeit!

MARIE
All diese bangen Zweifel, wann werden sie wohl enden?
Schenkst du mir nicht Vertrauen, so wirst du nie mein Mann.
Ich glaube, wenn wir beide schon vorm Altare ständen,
So fingst du, mich zu quälen, von neuem wieder an.
Denn deinem Wort ist nicht zu glauben,
Und bin ich auch dein Weibchen, so hegst du dennoch Zweifel,
Denn seh ich mich nur um, so wandelt Eifersucht dich an.
Doch weg mit Grillen, weg mit Sorgen,
Tanzt und jubelt bis zum Morgen!
Ach, wie gerne möchte ich dir vertraun,
Leider kann ich nie auf deine Schwüre baun.

IWANOW
All diese bangen Zweifel, sie werden dann erst enden,
Wenn ich als teure Gattin ans Herz dich schliessen kann.
Oh, dass wir doch nur beide schon vorm Altare ständen.
Wie ruhig und zufrieden, wie glücklich wär ich dann.
ja, auf mein Wort, du darfst mir traun,
ja, auf mein Wort, du darfst mir glauben!
Bist du nur erst mein Weibchen, dann schwinden alle Zweifel
Und nimmer wandelt mehr ein Zug von Eifersucht mich an.
Doch weg mit Grillen, weg mit Sorgen,
Tanzt und jubelt bis zum Morgen!
ja, du kannst auf meine Schwüre baun.
Ich schwör es, du darfst mir kühn vertraun.

ZAR und MARQUIS
Mög' der Himmel gnädig wenden,
Was Verräterlist ersann,
Sonst muss/wird blutig ich/er vollenden,
Und bestrafen diesen Plan.
Wo Undank wohnt, nicht Frieden thront.
Mein/Sein Volk beglücken ist mein/war sein eifriges Bestreben,
Undank ist dafür mein/sein Lohn.

MEISTERIN BROWE und CHOR
Freude streut mit vollen Händen
Heute Gaben jedermann,
Wollet drum den Wortkram enden,
Dass das Fest beginnen kann.
Ja, dieser Tag sei nur geweiht
Der Fröhlichkeit, der Heiterkeit;
Drum weg mit Grillen, weg mit Sorgen,
Tanzt und jubelt bis zum Morgen!

Alles wendet sich zum Gehen
ACHTER AUFTRITT
van Bett. Meisterin Browe

VAN BETT
Verlasst Euch auf mich, Frau Browe, ich habe ihn; dieser Iwanow will mir nicht aus dem Kopf - er ist mir schon von einigen als ein homo suspectus bezeichnet worden.

MEISTERIN BROWE
Ein pectus? Um Verzeihung, Herr Bürgermeister -

VAN BETT
Das will sagen, ein Taugenichts, der sich's einfallen lässt, meine Nichte zu beliebäugeln.

MEISTERIN BROWE
Davon weiss ich nichts, und es geht mich auch nichts an.

VAN BETT
Aber mich geht's an, den Bürgermeister! Ich soll einen verdächtigen Menschen aufsuchen, und das kann kein anderer sein, als einer, der mit meiner Nichte liebäugelt.

MEISTERIN BROWE
Kurz, ich halte den Peter lwanow für einen rechtlichen Burschen. Jetzt muss ich an meine Geschäfte, also, Gott zum Gruss, Herr Bürgermeister.

VAN BETT
Noch ein Wort, Frau Browe. Ihr gebt heute ein Gastmahl, ein Fest -

MEISTERIN BROWE
Mein ältester Sohn macht Hochzeit, und da wissen Sie wohl -

VAN BETT
Gut, habe gar nichts dagegen. Ich wollte Euch nur darauf aufmerksam machen, dass bei solchen Lustbarkeiten häufig Händel vorfallen.

MEISTERIN BROWE
Das wollen wir nicht hoffen.

VAN BETT
Bei Gott ist kein Ding unmöglich und bei besoffenen Zimmergesellen, noch viel weniger - ich halte es daher für meine Pflicht, alles in Person zu. beaufsichtigen.

MEISTERIN BROWE
für sich
Auf den haben wir gewartet.
laut
Wenn es Ihnen Spass macht -

VAN BETT
Keineswegs; bloss ein Opfer, welches ich der öffentlichen Sicherheit bringe. Wann wird gespeist?

MEISTERIN BROWE
Um zwölf Uhr ' Herr Bürgermeister.

VAN BETT
Da finde ich mich ein, denn convivia habent multa scandalia.


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Syndham.

LORD
Finde ich hier vielleicht den Herrn Bürgermeister?

MEISTERIN BROWE
Hier, dieser Herr.
für sich
Gott sei Dank, da werde ich den Gierschlund mit guter Manier los.
Sie geht

VAN BETT
ihr nachrufend
Ich lasse nicht warten, verlasst Euch darauf.

MEISTERIN BROWE
Ich bin auch gar nicht bange.
Sie geht ab


ZEHNTER AUFTRITT
van Bett. Lord Syndham

LORD
Ich habe Sie um eine Gefälligkeit zu bitten, mein Herr.

VAN BETT
für sich
Das ist der Engländer, der sich seit einigen Tagen sehen lässt
laut
Darf ich um Dero Firma, will sagen, Dero Namen bitten?

LORD
Später sollen Sie erf ahren, wer ich bin. Erst bedarf ich Ihres Beistandes bei einer Nachforschung von höchster Wichtigkeit.

VAN BETT
Reden Sie! Nachforschungen - darin bin ich stark! Forte!

LORD
So hören Sie; Sie müssen mir einen jungen Mann entdecken helfen, der sich als Zimmergeselle hier aufhält.

VAN BETT
für sich
Schon wieder.
laut
Warten Sie mal, was für ein Landsmann?

LORD
Einen Russen.

VAN BETT
Der Peter heisst?

LORD
Sie wissen also?

VAN BETT
Ob! Dem laure ich schon lange auf, ich habe sogar vor wenigen Minuten noch Verhaltungsbefehle seinetwegen bekommen. Ich fixierte ihn - zwei Minuten - heraus war's.

LORD
vergnügt
Herr Bürgermeister, Ihr Glück ist in Ihren Händen.

VAN BETT
In meinen Händen? Ei, wieso?

LORD
geheimnisvoll
Suchen Sie auf eine geschickte Weise von diesem Peter herauszubringen, welches seine Pläne in bezug auf England sind.

VAN BETT
Auf England? Aha!

LORD
Doch ohne ihn merken zu lassen, dass er entdeckt ist; vor allem müssen Sie verhüten, dass der französische Gesandte uns zuvorkomme.

VAN BETT
Der französische Gesandte, mischt sich der auch hinein? Das Volk muss seine Nase doch in alles stecken.

LORD
Darum vorsichtig, denn auch er sucht unsern Peter und möchte gern - ebenso wie ich -

VAN BETT
Aha! Intelligo. Verlassen Sie sich auf mich, ich werde alles leiten. Erst f ange ich an - in bezug auf - versteht sich, ohne ihn merken zu lassen - und dann ergibt sich das übrige von selbst.

LORD
Gelingt es, so sind 2000 Pfund Ihr Lohn.

VAN BETT
2000 Pfund! Euer Herrlichkeit setzen mich in Verlegenheit.

LORD
Wieso?

VAN BETT
Hat gar nichts zu sagen; weiter, wenn's gefällig ist.

LORD
Eilen Sie, die Sache ist dringend und die Zeit kurz. Wo finde ich Sie wieder?

VAN BETT
In einer Stunde sind wir alle in der grossen Schenke versammelt, unser Mann ist auch dort, und Ehrwürden hätten dann die schönste Gelegenheit -

LORD
Gut, gut; um jedem Verdachte auszuweichen, werde ich verkleidet dort erscheinen. Sorgen Sie nur dafür, dass niemand mit ihm spricht. Vorsicht, die Sache ist zu wichtig. Auf Wiedersehen! 2000 Pfund!. Bedenken Sie!
Er geht ab

VAN BETT
Verlassen Sich Euer Eminenz auf mich.


ELFTER AUFTRITT
van Bett allein.

VAN BETT
Ich verstehe kein Wort von der ganzen Geschichte. Was Teufel haben sie alle mit dem armen Iwanow vor; es muss eine hohe Standesperson sein oder ein Staatsverbrecher. Übrigens ist es ein wahres Glück, dass die Sache an mich kam, denn wehe dem Staate, wo dergleichen politische Angelegenheiten in ungeschickte Hände fallen.


ZWÖLFTER AUFTRITT
Iwanow. van Bett.

IWANOW
Ach Gott! Da laufe ich ihm gerade ins Gesicht.

VAN BETT
für sich
Da ist er; jetzt krieg ich's heraus - aber nur immer fein.
freundlich
Nun, mein lieber Iwanow.

IWANOW
erstaunt, für sich
Sein lieber Iwanow?

VAN BETT
für sich
Der vertrauliche Ton scheint ihm zu missfallen.
laut
Nehmen Sie's nicht übel, Herr Iwanow, und seien Sie versichert, dass ich nichts weniger beabsichtige, als das Geheimnis zu erraten, das Sie hier in Saardam zurückhält.

IWANOW
für sich
's ist richtig, er weiss alles.
laut
Nun, weil es denn nicht anders sein kann, Sie haben von meinem Obersten Nachricht erhalten?

VAN BETT
Allerdings.
für sich
Sein Oberst? Der Engländer ist also ein Oberst, das hätte ich heraus.
laut
Ich weiss, welche Gefahr Sie laufen, wenn der französische Gesandte Sie entdeckt.

IWANOW
Der russische Gesandte wollen Sie sagen.

VAN BETT
Der französische! Ich werde doch den französischen Gesandten kennen. Aber fürchten Sie nichts.
wichtig
Der englische Oberst ist hier, adest!

IWANOW
für sich
Jetzt ist's wieder ein englischer Oberst.

VAN BETT
Kurz, es sind alle Massregeln getroffen - wir schliessen ab zur Zufriedenheit aller Teile.

IWANOW
Wie, Herr Bürgermeister, Sie sind also nicht gegen mich?

VAN BETT
Ich? Oh, Herr Iwanow, wie können Sie mich für so, mit Erlaubnis zu sagen, unpolitechnisch halten?

Nr. 6 - Duett

IWANOW
für sich
Darf ich wohl den Worten trauen,
Spielt er nicht etwa den Schlauen,
Was ihm sonst zwar schwer gelingt?
Darf ich es denn wirklich wagen,
Alles ihm heraus zu sagen,
Ob es mir nicht Schaden bringt?

VAN BETT
für sich
Er scheint mir nicht recht zu trauen,
Spielt am Ende gar den Schlauen,
Glaubt, dass mir es nicht gelingt.
Ganz behutsam werd ich fragen,
Dann wird er schon alles sagen,
Was uns grossen Nutzen bringt.

IWANOW
zu van Bett
Verzeihen Sie, wenn ich es noch nicht wage,
So mit der Sprache recht herauszugehn;
Man traut nicht jedem gleich in meiner Lage,
Sie werden mich recht gut verstehn.

VAN BETT
Ei, Freund, das kann ich keinem wohl verdenken,
Wenn nämlich er,wo Argwohn spürt,
Doch dürfen Sie mir Ihr Vertrauen schenken,
Da es zu Ihrem Lebensglücke führt.

IWANOW
ist überrascht und sagt
Mein Lebensglück!

VAN BETT
Das Ganze leitet mein Genie -

IWANOW
Das freut mich sehr, erfahren Sie -
Er stockt. Sie sehen sich eine Weile an, dann singt jeder für sich.

VAN BETT
beiseite
Er will nicht heraus mit der Sprache,
Und noch ganz dunkel, sehr dunkel ist mir diese Sache,
Drum ist es Zeit, hohe Zeit, dass den Anfang ich mache,
Denn bis jetzt bin ich immer, noch immer so klug wie vorher.

IWANOW
beiseite
Er will nicht heraus mit der Sprache,
Und noch sehr dunkel, ganz dunkel ist mir diese Sache,
Doch ist's gewagt, ja es ist sehr gewagt, wenn den Anfang ich mache,
Und ist es geschehen, dann kann ich zurück nimmer-mehr.

VAN BETT
der sich besonnen
Jetzt hab ich's, jetzt hab ich's,
Nun fang ich ihn gleich.
wichtig
Was ist Ihr Plan in bezug auf Frankreich?

IWANOW
verwundert
Mein Plan?

VAN BETT
Nun ja, der Plan, ich meine, der Plan.

IWANOW
für sich
Was ficht ihn denn schon wieder an?

VAN BETT
Mein Gott, Sie kennen doch Frankreich?

IWANOW
Nein.

VAN BETT
Nicht?

IWANOW
Doch soll's ein schönes Ländchen sein.

VAN BETT
für sich
Diese Wendung war sehr fein.
laut
Aber England kennen Sie ganz genau?

IWANOW
Das heisst -

VAN BETT
für sich
Aha!

IWANOW
Wieso?

VAN BETT
Ich frage, kennen Sie England genau?

IWANOW
achselzuckend
Je nun!

VAN BETT
für sich
Die Antwort war wieder schlau.
Da lässt sich für's erste nun weiter nichts tun, 's ist gewiss, dass er Aufträge hat.
Er zuckte die Achseln und sagte: je nun!
's ist ein feiner Diplomat.

IWANOW
für sich
Soll ich ihm gestehn, oder soll ich's nicht tun?
Teuer ist hier guter Rat.

VAN BETT
für sich
Er zuckte die Achseln und sagte: je nun!
's ist ein feiner Diplomat. -
Wie wär's, wenn, zum Geständnis ihn zu bringen,
Ich ihm nun Hoffnung zeigte auf Marien;
Er ist ihr sehr geneigt, legt leichter sich zum Ziele.

IWANOW
für sich
Nun sinnt er sicher wieder neue Fragen aus,
Die zu beantworten ich nicht imstande bin.

VAN BETT
laut
Sie lieben meine Nichte?

IWANOW
Was ist das?

VAN BETT
für sich
Er stutzt!
laut
Sie lieben sie, nicht wahr, hab ich recht?

IWANOW
für sich
Wie kommt in diesem Augenblick er auf Marie?

VAN BETT
für sich
Er stutzt schon wieder.
laut
Lieben Sie sie nicht?

IWANOW
für sich
Ich weiss nicht, soll ich's ihm gestehn?

VAN BETT
für sich
Er stutzt zum dritten Male!
laut
Nun, junger Stutzer, hören Sie mich an:
Gelingt des Obersten gehoffter Plan,
So könnte wohl es sich gestalten,
Dass Sie Mariens Hand erhalten.

IWANOW
freudig
Was hör ich?

VAN BETT
für sich
Das traf!

IWANOW
O welch ein Glück, welch süsses Glück!
Alles willig zu gestehen, sollen Sie bereit mich sehen.

VAN BETT
Alles willig zu gestehen, werde ich bereit ihn sehen.

IWANOW
Ist der Oberst nur zugegen, schenk ich reinen Wein ihm ein.

VAN BETT
Dazu konnte ihn bewegen meine Schlauheit nur allein.

IWANOW
Oh, wie konnt'ich jemals hoff en, zu erreichen
dieses Glück!

VAN BETT
Herrlich hab ich es getroffen, ha! Es war
ein Meisterstück!

IWANOW
beiseite
Endlich wird es mir gelingen,
Die Geliebte zu erringen
Und zu ernten süssen Lohn!
Nun darf ich ohne Furcht gestehen,
Was mich drückte lange schon.
Ja, vor Wonne möcht ich springen,
Endlich wird es mir gelingen,
Die Geliebte zu erringen
Und zu ernten süssen Lohn.

VAN BETT
beiseite
So nur kann es mir gelingen,
In die Sache Licht zu bringen
Und zu ernten reichen Lohn!
Dass ich gleich alles würd' erspähen,
Ei, das wusst' ich lange schon.
So nur kann es mir gelingen,
In die Sache Licht zu bringen,
Ruhm und Ehre zu erringen
Und zu ernten reichen Lohn.
Er geht ab


DREIZEHNTER AUFTRITT
Iwanow allein.

IWANOW
Meiner Seel, das begreif ich nicht - ich denke, der Mann ist bitterböse auf mich und im Gegenteil, er überhäuft mich nicht nur mit Höflichkeiten, sondern er will sogar mein Glück gründen. Da kommt Marie - alle Wetter - und der windige Franzose hinter ihr her; jetzt kriegt meine Freude gleich wieder eine Ohrfeige.


VIERZEHNTER AUFTRITT
Iwanow. Marie, ihr folgt Marquis von Chateauneuf.

MARQUIS
Diesmal, mein holdes Kind, entfliehen Sie mir nicht.

MARIE
Lassen Sie mich!

MARQUIS
Sie sind so spröde; gewiss fürchten Sie, dass Ihr Liebhaber -

IWANOW
tritt dazwischen
Da ist der Liebhaber.

MARQUIS
lacht
Ah, freut mich, dass ich die Ehre habe -

IWANOW
Mich nicht. Ist es bei Ihnen zulande Sitte, dass man sittsamen Mädchen am hellen, lichten Tage nachläuft?

MARQUIS
Und wenn ich ja sagte?

IWANOW
Hier wollen wir die Sitte nicht einführen, verstehen Sie mich?

MARQUIS
Sehr determiniert! - Mein schönes Kind, wie nennt sich der junge Brausekopf?

IWANOW
Peter Iwanow, Ihnen zu dienen oder nicht zu dienen, besser gesagt.

MARIE
So fange doch nur nicht etwa Streit an.

IWANOW
Es ist wahr, ich sollte mich eigentlich bei dem Herrn bedanken.
Sie streiten zusammen

MARQUIS
für sich
Peter Iwanow? Es wäre doch lustig, wenn ich durch die Neckerei mit einem Mädchen den Zaren entdeckt hätte, den ich seit zwei Tagen suche.

IWANOW
zu Marie
Ei Sapperment, alles muss doch seine Grenzen haben, auch die Courschneidenlasserei, und meine Meinung musste ich ihm wenigstens sagen.

MARQUIS
beiseite
Es wäre möglich - lass sehen!
laut
Ihr heisst Peter?

IWANOW
Ja, zum Henker, ich habe es schon einmal gesagt.

MARIE
leise
Wirst du dem Herrn gleich freundlich antworten, du grober Mensch!

IWANOW
Du wirst doch nicht verlangen -

MARIE
Ich tanze heut keinen Schritt mit dir.

IWANOW
Aber Marie -

MARIE
böse
Adieu, Herr Iwanow!

IWANOW
mit grimassierter Freundlichkeit zum Marquis
Ich heisse Peter Iwanow.
für sich
Dass dich ein Donnerwetter!


FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Zar

Nr. 7 - Finale

ZAR
zu Marie und Iwanow
Das Fest beginnt, seid ihr bereit und fertig?
Schon ertönt lautes Jubelgeschrei;
Man ist des Brautpaars nur gewärtig,
Dann ziehn sie im Glanze hier vorbei.

MARIE
Eben recht, dass Ihr kommt, denn nur Ihr seid der Mann,
Der den Kopf diesem Herrn da zurechtsetzen kann.

ZAR
Was gibt es wieder?

MARIE
Händel zwischen den beiden;
Dass man mich hübsch findet, will er nicht leiden,
Und ich kann doch, weiss Gott, nichts dafür.

IWANOW
Deine Hübschigkeit geht den Franzosen nichts an.

MARQUIS
der den Zaren beobachtet
Das ist wahrlich ein anderer Mann.
Die edle Bildung, der feurige Blick!

IWANOW
für sich, auf den Marquis blickend
Wart nur, dir brech ich noch das Genick.

ZAR
für sich
Ein Franzose, wie kommt der hierher?

MARIE
zu Iwanow
Du wütest wieder gar zu sehr.

IWANOW
Oh, dass er doch bei allen Teufeln wärl

MARQUIS
Das ist fürwahr kein gewöhnlich Gesicht.
Lass sehn, vielleicht täusche ich mich nicht.
Er tritt zwischen Marie und Iwanow
Ich kam nicht, Zwietracht zu erregen
Hierher, das glaubt mir sicherlich.
Drum frag ich, lieber Freund, weswegen
Seid Ihr so bitterböse nur auf mich?
Lasst Euren Zorn entschwinden
Und reicht versöhnlich mir die Hand;
Ist, eine Schöne schön zu finden,
Denn ein Verbrechen hierzuland?
Ich kann kein reizend Wesen sehn,
Muss huld'gend nahn;
Ist hier vielleicht zuviel geschehn,
Erbitt ich gnäd'ge Strafe mir.

MARIE
Ich darf in Wahrheit eingestehen,
Er huldigte sehr artig mir:
Hat er zuviel mich angesehen,
Wird gnäd'ge Strafe ihm dafür.

IWANOW
Ich darf in Wahrheit eingestehen,
Er huldigte gehörig ihr;
Das soll ich alles so ansehen,
Und doch verargt den Zorn man mir.

ZAR
Ich darf in Wahrheit eingestehen,
Der Mann aus Frankreich scheinet mir
Nicht auf Erobrung auszugehen,
Ihn fesseln andre Zwecke hier.
zum Marquis
Wo sind Sie her, mein Herr, wenn mir erlaubt zu fragen?

MARQUIS
tritt dem Zaren zur Linken
Von Rijswijk, der Gesandtschaft dien ich dort;
Wir reisen ab in wenig Tagen.

ZAR
Warum verlassen Sie den Ort?

MARQUIS
den Zaren stets fixierend
Der Grund ist einfach, es kam uns zu Ohren -
Die Nachricht wurde als verbürgt genannt -
Der Zar sei rettungslos verloren,
Der Russen Niederlage ist nur zu bekannt.

ZAR
heftig
Unmöglich!

MARQUIS
für sich
Es ist der Zar, bei meiner Ehr -.

ZAR
Wer sagt das?

MARQUIS
's ist gewiss, der Russen tapfres Heer
Soll vom Grosswesir total geschlagen sein.
Indem wir reden, ziehen sie in Moskau ein.

ZAR
sich vergessend
Ha, schändlich ist's erlogen!
Die Türken weit und breit,
Sie zittern vor der Russen Tapferkeit;
Die Siege bei Procop verkünden ihre Taten.

MARQUIS
leise sprechend, zum Zaren
Sie sind der Zar, Sie haben sich verraten.

ZAR
für sich
Was tat ich?

MARIE und IWANOW
die sich zurückgezogen, vortretend
Was habt ihr?

ZAR
Es ist nichts, mein Freund, glaube mir.

IWANOW
triumphierend zum Zaren
Du nimmst dich meiner treulich an,
Das ist brav!

MARIE
spottend zu Iwanow
Was hat man dir zuleid getan,
Du armer, armer Mann?
Musik auf dem Theater
Ach die Musik, ei das ist gut.
Es geht zum Tanz.

IWANOW
Mir ist gar nicht tanzerig zumut.

Sie gehen nach dem Hintergrund

MARQUIS
zum Zaren
Sire, ich habe Sie erkannt.

ZAR
Wer sind Sie?

MARQUIS
Marquis von Chateauneuf,
Vom König von Frankreich hierhergesandt.
Wollen Sie die Gnad' gewähren,
Mich huldreich anzuhören?

ZAR
leise
Man kommt. Auf Ihr Inkognito bedacht!
Wir treffen uns, für jetzt so viel,
Dass mir Ihr Hiersein Freude macht,
Es führt vielleicht uns zum gehofften Ziel.


SECHZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Meisterin Browe. Braut und Bräutigam nebst Gefolge. Musikanten.

CHOR
Lustig zum Tanze, jubelt, springet
Lustig zum Schmause, Gläser klinget!
Schmücket mit Kränzedas bräutliche Haus!
Glück, Heil und Segen Auf allen Wegen
Dem lieblichen Paar! Doch übers Jahr
Bringen wir neue Wünsche dar.

MEISTERIN BROWE
Ist es gefällig, Jungfer Marie,
Euch unserm Zuge anzureihn?

MARIE
Ihr seid zu gütig, die Braut geleiten
Wird mir 'ne grosse Ehre sein.

MEISTERIN BROWE
Dann lasst uns gehen, dort in der Schenke
Ist zum Empfang schon alles bereit.

IWANOW
Weisst du, Marie, was ich jetzt denke?
Ich wollte, wir wär'n auch so weit.

MARIE
Sieh doch nicht so grämlich drein,
Versprich mir, recht hübsch fromm zu sein,
Und plage dich nicht mit Sorgen.
Ist es nicht heute, ist es doch morgen,
In kurzem sind wir auch so weit,
Dann singt man uns, so wie ihnen heut.
Lustig zum Tanze, jubelt, springet,
Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

CHOR
Lustig zum Tanze, jubelt, springet,
Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

MEISTERIN BROWE
erblickt Chateauneuf
Wer ist der Fremde, kennt ihr ihn nicht,
Mit welchem Peter so eifrig spricht?

CHOR
Wer ist der Fremde, kennt ihr ihn nicht?

IWANOW
Neugierig seid ihr ganz und gar nicht.
's ist ein Franzose, der dort steht
Und allen Mädchen den Kopf verdreht.

DIE MÄDCHEN
sich vordrängend
Allen Mädchen?

MARIE
Das ist nicht wahr!

IWANOW
Ja so, nur einer.

DIE MÄDCHEN
Ist das wahr, ist das wahr?

IWANOW
Jetzt ist mir's klar.

MEISTERIN BROWE
Scheint ein Bekannter von Peter zu sein,
Dann ist es schicklich, man ladet ihn ein.
Sie will sich dem Zaren nähern, welcher bis dahin mit dem Marquis eifrig gesprochen hat.

IWANOW
Das fehlte noch!

ZAR
mit steigendem Feuer
Denen ich Lieb um Lieb geweiht,
Glanz und Wohlstand gegeben,
Mir trachten die Falschen nach dem Leben!
Doch die Verräter sollen es büssen!
Sterben seh ich sie bald zu meinen Füssen!

ALLE
werden aufmerksam

MARQUIS
bemerkt es und flüstert dem Zaren zu
Vorsicht, Sire, man merkt auf uns.

ZAR
fasst sich schnell und wendet sich mit erkünstelter Heiterkeit zu den übrigen
Lustig zum Tanze, jubelt, springet.
für sich
Mein heisses Blut verrät mich.

MARQUIS
einfallend
Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

CHOR
Lustig zum Tanze, jubelt, springet, Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

ZAR
zum Marquis
Hier lauscht man jedem unsrer Worte,
Ich harre Ihrer am genannten Orte.
Dort, von der Gäste Schwarm umrauscht,
So leicht kein Späher uns belauscht.
heiter zum Chor
Die Zeit verrinnt, das Fest beginntl

CHOR
Die Zeit verrinnt, das Fest beginnt!
Der Tag sei nur der Lust geweiht,
Auf, auf zur Freud und Fröhlichkeit!

MARIE
All diese bangen Zweifel, wann werden sie wohl enden?
Schenkst du mir nicht Vertrauen, so wirst du nie mein Mann.
Ich glaube, wenn wir beide schon vorm Altare ständen,
So fingst du, mich zu quälen, von neuem wieder an.
Denn deinem Wort ist nicht zu glauben,
Und bin ich auch dein Weibchen, so hegst du dennoch Zweifel,
Denn seh ich mich nur um, so wandelt Eifersucht dich an.
Doch weg mit Grillen, weg mit Sorgen,
Tanzt und jubelt bis zum Morgen!
Ach, wie gerne möchte ich dir vertraun,
Leider kann ich nie auf deine Schwüre baun.

IWANOW
All diese bangen Zweifel, sie werden dann erst enden,
Wenn ich als teure Gattin ans Herz dich schliessen kann.
Oh, dass wir doch nur beide schon vorm Altare ständen.
Wie ruhig und zufrieden, wie glücklich wär ich dann.
ja, auf mein Wort, du darfst mir traun,
ja, auf mein Wort, du darfst mir glauben!
Bist du nur erst mein Weibchen, dann schwinden alle Zweifel
Und nimmer wandelt mehr ein Zug von Eifersucht mich an.
Doch weg mit Grillen, weg mit Sorgen,
Tanzt und jubelt bis zum Morgen!
ja, du kannst auf meine Schwüre baun.
Ich schwör es, du darfst mir kühn vertraun.

ZAR und MARQUIS
Mög' der Himmel gnädig wenden,
Was Verräterlist ersann,
Sonst muss/wird blutig ich/er vollenden,
Und bestrafen diesen Plan.
Wo Undank wohnt, nicht Frieden thront.
Mein/Sein Volk beglücken ist mein/war sein eifriges Bestreben,
Undank ist dafür mein/sein Lohn.

MEISTERIN BROWE und CHOR
Freude streut mit vollen Händen
Heute Gaben jedermann,
Wollet drum den Wortkram enden,
Dass das Fest beginnen kann.
Ja, dieser Tag sei nur geweiht
Der Fröhlichkeit, der Heiterkeit;
Drum weg mit Grillen, weg mit Sorgen,
Tanzt und jubelt bis zum Morgen!

Alles wendet sich zum Gehen



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