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ZWEITER AKT

Das Innere einer grossen Schenke
Der offene Hintergrund gewährt die Aussicht in den Gar-ten mit Lauben und Bogengängen; Blumengewinde und bunte Lampen zieren das Ganze. Im Vordergrund wie im Garten befinden sich Stühle, Bänke und Tische mit Krügen, Flaschen, Gläsern, Pfeifen usw.

Nr. 8 a - Introduktion
(Allegro jubiloso)

ERSTER AUFTRITT
Zar, Iwanow sitzen vorn links zur Seite und rauchen. Zimmerleute, Frauen und Mädchen sitzen teils an Tischen und trinken, teils gehen sie umher, schäkern usw. Beim Aufziehen des Vorhangs muss das Ganze ein lebendiges Bild zeigen.

Nr. 8 b - Chor

CHOR
Hoch lebe die Freude, hoch!
Nur sie ist die Würze im Leben.
Was wünscht der Mensch wohl noch,
Ist Freude ihm gegeben?

EINZELNE STIMMEN
Mich freut ein Gläschen, mich freut ein Mädchen,
Mich ein schön Mieder, mich frohe Lieder.

ALLE
Gesundheit und ein heitrer, froher Sinn
Reichen schon zur Freude hin.
Drum freuet euch!
Worüber, das bleibt sich gleich.

MÄNNER
Frau Gevattrin, Ihr sollt leben!

FRAUEN
Ei, wir danken schön dafür.

MÄNNER
Und die Frau Nachbarin daneben!

FRAUEN
Uns zu bedanken nach Gebühr.

ALLE
Wenn auch das Glas in Stücken zerfällt,
Stosst an, es leb' die ganze Welt.
Juchhe! Schenket euch ein und trinket alle Gläser leer,
Wer doch sein Leben lang so froh und fröhlich wär'!
Stosst an! Juchhe!


ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Lefort.

IWANOW
steht gegen Ende des Chores auf
Nein, nun halt ich's nicht länger aus, ich muss sehen, wo sie steckt.
Er geht nach dem Hintergrunde

ZAR
Nun, Iwanow, wohin?
Er erblickt Lefort
Ha, Lefort!

LEFORT
tritt zu ihm, leise
Alles ist zur Abreise bereit.

ZAR
Noch einen Augenblick, Lefort. Ich erwarte jemand, dessen Anwesenheit meine Pläne ändern könnte.

LEFORT
Darf ich fragen, wen?

ZAR
Den französischen Gesandten.

LEFORT
Und seine Absicht?

ZAR
Ist, meine Anwesenheit in Saardam zu benutzen, mich zu gewinnen, und ich gestehe, dass die Allianz gerade in diesem Augenblick mir mehr als willkommen wäre.
Sie sprechen leise weiter

IWANOW
tritt wieder vor
Es ist von ihr nichts zu hören noch zu sehen, und ich hätte so viel mit ihr zu bereden. Oh, warum muss man sich doch, wenn man verliebt ist, ewig abquälen? Ich sehe gar nicht ein, warum, nicht einmal die Notwendigkeit.

MEHRERE GÄSTE
rufen
Bier her, Rum!


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Marquis von Chateauneuf.

MARQUIS
tritt als holländischer Offizier verkleidet auf, den Zaren suchend
Ich muss gestehen, die Gesellschaft ist nicht übel für gekrönte Häupter und ihre Gesandten.

ZAR
den Marquis erblickend, für sich
Ha, Chateauneuf.
laut
Kamerad, Kamerad!

IWANOW
Wieder ein neuer Gast.

ZAR
reicht dem Marquis die Hand und lädt ihn zum Sitzen ein

MARQUIS
setzt sich auf Iwanows Platz
Guten Tag, Kameraden.

IWANOW
für sich
Der macht nicht viel Umstände.
laut
Hört, guter Freund, das ist mein Platz.

MARQUIS
So? Das freut mich.

IWANOW
für sich
Gott steh mir bei. Das ist der Fran-zose von heute früh.

ZAR
zu Iwanow
Nun, was fehlt dir? Du scheinst ja ganz verwirrt.

IWANOW
O nichts
beiseite
Wetter! Ich errate, wes-halb er kommt. Er hat es auf Marie abgesehen. Nun wird mir's nachgerade zu bunt.

ZAR
lwanow - nimm deine Pfeife.

IWANOW
trocken
Ich habe schon geraucht.

ZAR
So nimm dein Glas -

IWANOW
Ich habe keinen Durst.

ZAR
Ich wollte auf Maries Gesundheit trinken.

MARQUIS
Wer ist das schöne Kind?

IWANOW
zum Marquis
Tun Sie mir den Gefallen, stellen Sie sich nicht so unschuldig.

ZAR
Du bist übel gelaunt.

IWANOW
I behüte. Ich kam hierher, mich lustig zu machen, und das tue ich auch. Juch! - Ich möchte verrückt werden!

ZAR, MARQUIS und LEFORT
lachen


VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. Marie

MARIE
sehr eilig,zu Iwanow
Aber, wo steckst du denn? Ich suche dich überall.

IWANOW
Siehe da, es freut mich, dass ich endlich das Vergnügen habe -

MARQUIS
sich umsehend
Die Kleine sieht bezaubernd aus.

LEFORT
Allerliebst.

ZAR
Bist du nun zufrieden, Iwan?
leise zum Marquis
Zur Sache, Herr Marquis!

IWANOW
Allerliebst, bezaubernd! Und das hörst du alles an?

MARIE
Mein Gott, ich kann den Leuten doch das Reden nicht verbieten. Geh, du bist wieder recht brummig! Ich habe mich so oft auf den heutigen Abend gefreut, aber immer musst du mir die Lust verbittern. - Komm mit, wir haben uns in der grossen Laube versammelt und wollen das Brautlied singen, das uns Peter Michaelow gelehrt hat, du tanzest dann mit mir die Runde.

IWANOW
Marie, sieh mir einmal ins Gesicht.

MARIE
tut es
Nun?

MARQUIS
zieht mehrere Papiere hervor, leise zum Zaren
Hier ist der Traktat, wenn Euer Majestät geruhen wollen -

IWANOW
Hast du mich wirklich aufgesucht?

MARIE
Wen soll ich denn suchen?

IWANOW
Es könnte ja auch wohl der gewisse jemand sein.

MARIE
lauter
Du meinst doch nicht den Franzosen?

MARQUIS
hört es und sieht sich um

IWANOW
Ja, sehen Sie sich nur um, die Rede ist von Ihnen.

MARIE
Pfui, lwan, das war wieder ein schlechter Witz.

MARQUIS
steht auf
Sie haben mich also wiedererkannt, mein schönes Kind?

IWANOW
Jetzt geht das Courschneiden wieder los.

MEHRERE GÄSTE
haben sich, während der Zar liest, hinter ihm gesammelt
Was haben denn die da zu verhandeln?

ANDERE
Wohl Staatsgeheimnisse?

MARIE
die sich mit dem Marquis unterhielt
Nein, mein Herr, wir haben keine Zeit, wir müssen zum Konzert.

MARQUIS
lacht
Zum Konzert?

MARIE
mit einem Knicks
Ich bin die Sängerin, mit Ihrer Erlaubnis, ich singe vor.

MARQUIS
Ach, dürfte ich Ihnen doch nachsingen.

MARIE
Das steht Ihnen frei. Können Sie denn auch singen?

MARQUIS
Ei wohl, aber nur zärtliche, schmachtende Romanzen.
Er geht zum Zaren zurück

IWANOW
läuft herum
Gott steh mir bei!
zu Marie
Komm, Marie, wenn der Kerl gar anfängt zu singen, trifft mich der Schlag.

MARQUIS
leise zum Zaren
Sie werden beobachtet.

IWANOW
Komm, Marie, mir fängt an schwül zu werden.

MARIE
Gleich! gleich!
zum Marquis
Bitte, lieber Herr, singen Sie etwas Schmachtendes.

IWANOW
Aber Marie -

ZAR
leise zum Marquis
Tun Sie es, damit ich ungestört bin.

MARQUIS
zu Marie
Was könnte ich Ihnen abschlagen? Sie wünschen also -

MARIE
Etwas recht Zärtliches; hier
auf Iwanow zeigend
dieser junge Mann hört es so gern.

IWANOW
seufzt

MARIE
Hören Sie, wie er seufzt. ja, solche Lieder sind seine Passion, so etwas zum Zerfliessen!
leise zu Iwanow
Das ist für deinen niedrigen Argwohn.

MARQUIS
Tretet näher, meine Freunde, und singt den Endreim mit.

ALLE
sammeln sich um den Marquis

ZAR
an seinem Tische, liest ungestört

Nr. 9 - Lied mit Chor

MARQUIS
Lebe wohl, mein fland'risch Mädchen,
Wider Willen muss ich fort;
Doch ich liebe dich von Herzen,
Darauf geb ich dir mein Wort.
Teurer weit als meine Seele
Bist du, o Geliebte, mir!
Und keiner andern soll's jemals gelingen,
Mir auch entfernt nur gefährlich zu sein;
Konnt' ich dein Herz, deine Liebe erringen,
Kann ich auch ewige Treue dir weihn!

MARIE, MARQUIS und CHOR
Ewige Treue will ich/er ihr weihn.
Ich/ Er will ewige Treue der Teuren weihn.

MARQUIS
Gib mir diese seidne Locke,
Auf dem Herzen ruhe sie,
Meiner holden Maid aus Flandern,
Die ich wider Willen flieh,
Ihrer werd ich mich erinnern,
Wenn mich Kampf und Schlacht umgibt.
Doch wirst du auch einstens meiner gedenken
Der dir gehöret mit Herz und mit Sinn,
Und eine Träne der Wehmut mir schenken,
Wenn ich nicht mehr unter Lebenden bin?
Wirst du auch meiner zärtlich gedenken,
Teures Mädchen, der dir stets gehöret mit Herz und Sinn?

MARQUIS, MARIE und CHOR
Der dir gehört mit Herz und Sinn;
Wirst du mein auch gedenken mit Herz und Sinn?


FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Meisterin Browe kommt von hinten.

MEISTERIN BROWE
Bringt die Tische und Bänke beiseite, wir müssen hier tanzen; es wird zu feucht im Garten, und das ist für junge Eheleute nicht gut.

MARIE
Frau Meisterin, ist mein Oheim noch im Garten?

MEISTERIN BROWE
Ei freilich, er tut mehreren Zimmerleuten die Ehre an, mit ihnen zu trinken, und schreit dabei, dass einem Hören und Sehen vergeht.

MARIE
Desto besser, so denkt er nicht an mich.

IWANOW
Du fürchtest wohl, er möchte dich in deiner höchst angenehmen Unterhaltung stören, denn du bist über das Lied ja ordentlich verzückt!

MARIE
Höchst!

IWANOW
Ganz ausser dir.

MARIE
Höchst.

IWANOW
Du beträgst dich -

MARIE
Wie eine Verzückte.

MEISTERIN BROWE
Aber, was habt ihr denn miteinander?

MARIE
Herr Iwanow setzt mir soeben die Romanze auseinander, die der Herr sang.

MEISTERIN BROWE
Dummes Zeug! Stellt euch zum Tanz, gleich kommt die Musik.
Sie geht anordnend nach dem Hintergrunde

IWANOW
Nichts setz ich auseinander, aber die Romanze setzt uns auseinander, und ich danke Gott, dass mir endlich die Augen geöffnet wurden. Oh, ich merke alles, ich bin nicht so dumm. Der verkappte Franzose hat dich bestrickt, will dich zur Gräfin, zur Prinzessin, zur - Gott weiss was - machen, und mich denkst du so lange an der Nase herumzuführen - aber nein, so haben wir nicht gewettet. Gott ist mein Zeuge, ich habe dich so herzlich liebgehabt, ich hätte mein Leben für dich gegeben, ich wäre mit dir in den Kanal gesprungen. Aber nein, erst werfe ich den Romanzensänger hinein und dann - dann springe ich noch lange nicht hinterdrein.

MARIE
nach einer kleinen Pause, ernst
Wäre dein Betragen einer Erwiderung wert, so würde ich dir antworten, so aber will ich es bis morgen versparen, wenn du ausgeschlafen hast. Das eine nur: halte mich nicht für herzlos und glaube gewiss, dass deine Rede mich erschüttert haben würde - ich schwöre es dir
tragisch
bei der Liebe, die ich stets für dich gehegt habe -, wenn du mir nicht die beruhigende Gewissheit gegeben hättest, dass du -
mit Humor
unter keiner Bedingung ins Wasser springst.
Sie lacht

IWANOW
Das hab ich nun davon, jetzt lacht sie mich noch aus. O Weiber, Weiber!


SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. van Bett.

VAN BETT
noch hinter der Szene
Schon gut, schon gut! Stattet mir morgen Euern Bericht ab; jetzt hab ich keine Zeit.

MARIE
Mein Oheim, er darf mich hier nicht finden!
Sie versteckt sich unter der Menge

MEISTERIN BROWE
mit van Bett vortretend
Was gibt's, Herr Bürgermeister?

VAN BETT
Kleinigkeit. Soeben meldet mir mein Schreiber, dass verschiedene Gefangene meine Abwesenheit benutzt haben und entwichen sind.

MEISTERIN BROWE
Ei, das ist denn doch -

VAN BETT
Pah, das ist mir schon hundertmal passiert.
Er blickt spähend umher

MEISTERIN BROWE
Wen suchen denn der Herr Bürgermeister?

VAN BETT
Ich reflektiere bloss.
für sich
Der Mann von 2000 Pfund lässt lange auf sich warten.
er erblickt Iwanow
Ah, sieh da, Herr Iwanow! Ich freue mich, dass ich die Ehre habe.

MEISTERIN BROWE
Ei, Sie sind ja auf einmal gewaltig höflich gegen einen Zimmergesellen.

VAN BETT
leise
St! Erinnert Ihr Euch, Frau Browe, was ich heute früh zu Euch sprach?

MEISTERIN BROWE
ebenso
Wegen Iwanow?

VAN BETT
Ich sagte Euch: dieser vermeinte Zimmergeselle ist nicht, was er scheint; er ist entweder ein Prinz oder ein Spitzbube, ein Mittelding gibt's nicht.

MEISTERIN BROWE
Aber, gestrenger Herr Bürgermeister -

VAN BETT
Prinz oder Spitzbube, denkt an mich.
Er sieht sich um
Da kommt der Mylord.
zur Witwe Browe
Lasst Euch aber nichts merken.

MEISTERIN BROWE
sich zurückziehend
Der schwatzt wieder entsetzlich viel dummes Zeug.


SIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Syndham, als holländischer Schiffer verkleidet, tritt vor.

VAN BETT
ihm entgegen
Ah - Euer Herrlichkeit.

LORD
leise
St! Hier bin ich nicht Lord.

VAN BETT
ebenso
Das konnt' ich mir gleich denken. Ich habe schon alles eingeleitet. Dort,
auf Iwanow deutend
dort ist unser Mann.

LORD
Sind Sie Ihrer Sache auch gewiss?

VAN BETT
Das sollen Sie gleich hören.
laut
Herr Iwanow!

IWANOW
Zu Befehl!
für sich
Aha, das ist der Oheim.

VAN BETT
leise zum Lord
Sehen Sie, alles ist richtig.

LORD
Was richtig?

VAN BETT
Alles. Hören Sie nicht, er sagte: zu Befehl.

LORD
Nun?

VAN BETT
Wenn einer "zu Befehl" sagt, ist alles richtig.

LORD
Ich werde mich überzeugen.

IWANOW
Holla! Rum! Gläser!

ZAR
Papier und Tinte.
Man bringt das Verlangte. Der Chor hat sich währenddessen zurückgezogen.

Nr. 10 - Sextett

VAN BETT, LORD, IWANOW, MARQUIS, ZAR, LEFORT
Zum Werk, das wir beginnen,
Braucht es der Klugheit Macht,
Um Grosses zu gewinnen
Durch Pläne, schlau erdacht.
Drum prüfe sich ein jeder,
Jetzt ist dazu noch Zeit,
Auf dass dann keiner später
Geschehenes bereut.
Ans Werk!

Alle setzen sich: der Lord, van Bett und Iwanow an den Tisch rechts, der Zar, der Marquis und Lefort links.

LORD
zu van Bett
Sind Sie gewiss, dass wir ganz ungestört?

VAN BETT
Sei'n Sie versichert, dass niemand hier uns hört.

LORD
nach rechts zeigend
Doch jene Leute an dem Tische dort?

VAN BETT
's sind lust'ge Vögel, hören nicht ein Wort.
Doch bäte ich, zum Ziele zu gelangen.
Dass jeder nun frei und offen seine Meinung sagt.

IWANOW
Das ist mir lieb.

VAN BETT
Heraus denn ohne Bangen,
Hier unter Freunden keiner etwas wagt.

MARQUIS
Sind Sie gewiss1 dass niemand hier uns hört?

ZAR
Seien Sie ganz ruhig, wir sind ganz ungestört.

MARQUIS
Doch jene Zecher an dem Tische dort?

ZAR
's sind lust'ge Vögel, sie schwatzen, sie trinken
Und hören nicht ein Wort.

LORD
zu Iwanow
Geruhen Majestät mich anzuhören.

VAN BETT
erstaunt
Majestät?!

IWANOW
Ei, wie komm ich so zu Ehren?

LORD
Verzeihung, ich vergass -

VAN BETT
für sich
'ne Majestät.
laut
Aha!

LORD
Nicht unvorsichtig, Herr van Bett!

IWANOW
zum Lord
Ganz frei heraus, lieber Herr, ich dächte,
Dass meine Sache man recht bald in Ordnung brächte,
Auf dass ich könnte ruhig sein.

LORD
Sire, das liegt an Ihnen nur allein.

VAN BETT
für sich
Es ist ein Sire, das leuchtet mir jetzt ein.

MARQUIS
zum Zaren
Gestatten Majestät mir eine Frage?

ZAR
Sehr gern.

MARQUIS
Was halten Sie von dem Vertrage?

ZAR
zum Marquis
Zur Antwort, dass ich gern, ich will nicht leugnen,
Bereit wär', den Traktat zu unterzeichnen,
Wenn ausgedehnte Vollmacht Ihnen ward.

MARQUIS
übergibt eine Schrift
Hier der Beleg, dass nichts daran gespart.

LORD
der währenddessen mit Iwanow gesprochen, freudig zu van Bett
Ich rücke näher schon dem Ziel.

VAN BETT
So schnell? Ei, das ist wirklich viel.

LORD
Sehr viel.

VAN BETT
Entsetzlich viel!
leise zum Lord
Doch sagen Sie mir nur mit einem Worte,
Sie nannten diesen Mann ja Majestät -

LORD
Nun freilich.

VAN BETT
Was ist's denn für `ne Sorte
Von Majestät?

LORD
St!

VAN BETT
St! Ich bin ganz Ohr.
beiseite
's ist nicht richtig, alle beide
Kommen mir verdächtig vor.

ALLE
Unsre Absicht zu erreichen,
Lasst uns schlau zu Werke gehn;
Denn auch nicht das kleinste Zeichen
Deute, dass wir uns verstehn.
Darum leise und mit Vorsicht
Werde jeder Schritt getan:
Nur auf solche Weise gelinget der Plan.

VAN BETT
Man möchte gleich des Teufels werden,
Wenn man nie etwas erfährt.

ZAR
zum Marquis
Den Entwurf nun aufzusetzen,
Sehn Sie ernstlich mich bereit.
Er schreibt

IWANOW
zum Lord
Nur über eines bin ich nicht im klaren,
Drohn mir denn künftig auch wirklich nicht mehr Gefahren?
Sie sagten vorhin, man forsche noch nach mir.

LORD
Darüber kann ich ganz genau berichten, Sire;
Die Herren Gesandten fremder Mächte, sie trachten
Sich Ihrer zu bemächt'gen
leise
in Person.
Sie sprechen weiter

VAN BETT
beiseite
Sich seiner zu bemächt'gen, alle Wetter!
Das ist ein Demagoge, so viel merk ich schon.
Dann kann er doch auch nicht von hoher Abkunft stammen,
Denn Prinz und Demagoge, das passt doch nicht zusammen.
Lauter Wirrwarr, keine Klarheit!
Lauter Lügen, keine Wahrheit!

IWANOW
zum Lord
Das eine nur, mein Herr, bemerk ich Ihnen:
Nicht hab ich Lust, ferner noch zu dienen.

LORD
Ha, ich versteh, Neutralität ist Ihnen lieber.

IWANOW
bejahend
Neutralität.

VAN BETT
Neutralität, da geht nichts drüber.

ZAR
Hier mein Entwurf, lesen Sie, Marquis.

LORD
leise zu van Bett
Ich bin am Ziel. Um eins noch bitt ich Sie,
Mir ferner beizustehn, wie es geschah bisher.

VAN BETT
Versteht sich, die seltne Ehr' -

LORD
Fortan sei Ihre erste Pflicht,
Streng zu verhüten, dass ihn jemand spricht,
Vorzüglich niemand Fremdes! Sie verstehn mich doch?

VAN BETT
Ist's Ihnen recht, so steck ich ihn sogleich ins Loch.

LORD
Herr, sind Sie toll? Was reden Sie für Zeug? -
Die tiefste Ehrfurcht -

VAN BETT
Das dacht-' ich mir gleich.

ZAR
Nun, Marquis, sind Sie zufrieden?

MARQUIS
der gelesen hat
Welch glücklich Los ward mir beschieden,
Dass zum Vermittler mich mein König auserkor.

ZAR
steht auf, die andern beiden mit ihm
Unsre Ansicht?
Marquis. Ist nur eine.
Sie reichen sich die Hände

IWANOW
steht auf, die andern mit ihm
Ihre Ansicht ist die meine.

VAN BETT
für sich
"Ihre Ansicht ist die meine."
Es ist nicht richtig, alle beide
Kommen mir verdächtig vor.

ALLE
Unsre Absicht zu erreichen,
Lasst uns schlau zu Werke gehn;
Denn auch nicht das kleinste Zeichen
Deute, dass wir uns verstehn.
Darum leise und mit Vorsicht
Werde jeder Schritt getan:
Nur auf solche Weise gelinget der Plan.

LEFORT
geht auf einen Wink des Zaren ab


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Meisterin Browe. Marie.

Vor Anfang des Sextetts hatte sich ein Teil der Anwesenden teils entfernt, teils ganz in den Hintergrund gezogen. Alles tritt nun wieder vor.

MEISTERIN BROWE
Hierher die Musik! Sind die Tische noch nicht beiseite? Angepackt, junge Burschen! Frisch, munter, der Tanz geht los.

MARQUIS
fröhlich
So ist's recht, lustig muss man sein. Das ist der schönste Tag meines Lebens.
Er stösst auf den Lord
Was seh ich?

LORD
Das ist Marquis von Chateauneuf.

MARQUIS
Sie sind's, Mylord? Wozu diese Verkleidung?

LORD
Wie kommen Sie in diesem Gewande in die Schenke?

MARQUIS
leise
St! Ein verliebtes Abenteuer, verraten Sie mich nicht.

LORD
Da geht's Ihnen wie mir, ich bin auch verliebt.

MARQUIS
für sich
Der sucht, was ich bereits gefunden.

LORD
für sich
Der gute Marquis kommt etwas zu spät.

EINIGE
rufen
Zum Tanz! Zum Tanz!

ANDERE
Das Brautlied! Das Brautlied!

VAN BETT
Ruhe! Nicht so gelärmt, wenn Personen von
hohem Range anwesend sind.

EINIGE
unter sich
Was sagt er? Wie ist das?

LORD
leise
Aber Herr Bürgermeister -

VAN BETT
Verstehe!
laut
Ich wollte sagen, wenn ich anwesend bin.

DIE GÄSTE
unter sich
Ach so, wenn's weiter nichts ist.

VAN BETT
Frau Browe, ich glaube, das Volk räsoniert.

MEISTERIN BROWE
Ei behüte, sie meinen nur, aus Ihnen machten sie sich nichts.

VAN BETT
Das kann ich den Leuten nicht verdenken, besonders wenn ihrer so viele beieinander sind. - Näher, liebe Leute, geniert euch meinetwegen gar nicht. Tanzt und singt! Wo ist denn meine -
erblickt Marie, die sich unter der Menge versteckt hält -
Ah, sieh da, unsere teure Nichte.

MARIE
Mein Gott, ich suche Sie überall -

VAN BETT
Freut mich, dass du da bist.
beiseite
Jetzt kann ich ihr allenfalls erlauben, hierzubleiben, denn ist er ein Prinz, so kann man nicht wissen -

MARIE
Sie erlauben mir also, hierzubleiben?

VAN BETT
Ei, was werde ich nicht. Es sind ja
auf Iwanow deutend
Personen gegenwärtig, denen deine Gegenwart vielleicht nicht ganz unangenehm ist.
für sich
Aha, die Majestät schmunzelt. Oh, es ist doch etwas Einziges um ein majestätisches Schmunzeln.

ALLE
Das Lied! Das Lied!

VAN BETT
Singe, mein Kind, befriedige die zarten Gemüter.

Marie steht in der Mitte; auf der einen Seite der Zar und der Marquis, auf der andern der Lord und van Bett, welche sich bemühen, lwanow ins Gespräch zu ziehen, dieser ist aber nur mit Marie beschäftigt.

Nr. 11 - Brautlied mit Chor
(Während des Ritornells wird getanzt.)

MARIE
Lieblich röten sich die Wangen
Einer Jungfrau hold und schön;
Ihre Brust schwellt süsses Bangen,
Sieht ihr Aug' den Jüngling stehn.
Naht er ihr mit Liebesscherz,
Weiss sich's Mädchen nicht zu fassen;
Möcht ihn lieben, möcht ihn hassen.
Was bedeutet das, mein Herz?
Jungfrau, solche zarten Triebe
Künden die erwachte Liebe!
Darum hütet eure Herzen,
Mit der Liebe gilt kein Scherzen.

CHOR
Darum hütet eure Herzen,
Mit der Liebe gilt kein Scherzen.

MARIE
Doch dein Herz ist schon getroffen:
Beim Geliebten ist dein Glück,
Und dein Sehnen und dein Hoffen
Strahlt sein Auge dir zurück.
Mägdlein ruft: wer rettet mich?
Mädchen, bald sollst befreiet du dich sehen.
Wirst du zum Altare gehen,
Legt dein Harm sich sicherlich.
Jungfrau war nicht mehr zu retten,
Seufzt nun in der Ehe Ketten.
Alle Mägdlein, trotz der Klagen,
Müssen solche Fesseln tragen.

CHOR
Alle Mägdlein, trotz der Klagen,
Müssen solche Fesseln tragen.

Nach dem Lied Lärm von aussen.


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lefort. Später kommt Meisterin Browe von hinten.

LEFORT
eilig zum Zaren
Der Kurier von Moskau ist da. Die Empörung ist allgemein.

ZAR
heftig
Tod und Hölle. Es ist die höchste Zeit. Fort nach Moskau!

MEISTERIN BROWE
bestürzt
Mein Gott, was soll das bedeuten! Das ganze Haus ist von Soldaten umringt.

ALLE
Soldaten?

VAN BETT
Wer untersteht sich -

MEISTERIN BROWE
Da kommen sie schon.
Sie tritt zurück.

ZAR
Verdammt, wie nun entkommen?


ZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Ein Offizier mit Wachen.

VAN BETT
ihm entgegen
Herr, wie können Sie sich unterfangen, ohne mein Vorwissen -

OFFIZIER
Ich habe meine Verhaltungsbefehle, denen ich folgen muss.

VAN BETT
beruhigt
Das ist etwas anderes. Wenn Sie Verhaltungsbefehle haben -

OFFIZIER
Sie sind der Bürgermeister von Saardam?

VAN BETT
Der bin ich.
zu den andern
Ja, wenn er Verhaltungsbefehle hat -

OFFIZIER
Dem Rate von Amsterdam wurde angezeigt, dass seit einigen Monaten auf den Schiffswerften von Holland sich Fremde einfinden und eine grosse Anzahl von Arbeitern weglocken; sie haben beschlossen, dieser Falschwerberei Einhalt zu tun.

LEFORT
leise
Das geht auf uns.

ZAR
ebenso
Still!

VAN BETT.
Sag ich's doch! Die Bürgermeister von Holland verstehen alle nichts. Ich stehe dafür, dass zu Saardam -

OFFIZIER
Eben zu Saardam haben die meisten Abwerbungen stattgefunden.

VAN BETT
Hab ich's nicht gedacht? Und kein Mensch macht mir eine Anzeige davon.

OFFIZIER
Nach dem Beschlusse der Herren soll jeder Fremde, der sich nicht hinlänglich legitimieren kann, verhaftet werden.

VAN BETT
Verhaftet und eingesperrt. Meine Maxime!

IWANOW
Ich bin verloren.

ZAR
Das Abenteuer wird lustig.

VAN BETT
Halt, ich hab's! Seit heute morgen hab ich schon Verdacht.
Er sieht sich um
Wir sind von Staatsverrätern umgeben.

ALLE
erschrocken
Staatsverräter?

ZAR
Verwünscht!

IWANOW
O weh!

VAN BETT
Gleich sollt ihr euch überzeugen.

Nr. 12 - Finale

VAN BETT
Schon seit geraumer Zeit bemerk ich hier Gesichter,
Die mir ganz unbekannt;
Und die gehören sicherlich zu dem Gelichter,
Das man soeben mir genannt.
Mir wird es sicherlich gelingen,
Zum Geständnis sie zu bringen.
Sondieren werde ich ganz leise.
Dass ohn' Erlaubnis keiner spricht!
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.

ALLE
Was will er tun, wen will er zwingen? Wen will er zum Geständnis bringen? Schlauheit ist sonst seine Sache nicht.

VAN BETT
Hier von diesen beiden Laffen
Hab ich einen ausersehn.
zum Marquis
He, was hast du hier zu schaffen?
Wirst du gleich es mir gestehn?

MARQUIS
Gesandter des Königs von Frankreich und Navarra,
Marquis von Chateauneuf nennt man mich.

VAN BETT
O weh! Was hab ich da getan!
Da kam ich gleich beim ersten übel an.

CHOR
verwundert
Ein Gesandter! Ein Gesandter von Frankreich?

VAN BETT
ärgerlich zum Chor
Von Frankreich, von England,
von Spanien, von Schottland,
Das bleibt sich gleich.
Habt Respekt, das rat ich euch.
zum Marquis
Vergebung Euer Gnaden, denn ich irrte mich;
Den an Ihrer Seite, den meinte ich.
zu Lefort
Antworte mir, wer bist du? Sprich!

LEFORT
Gesandter des Kaisers aller Reussen,
Admiral Lefort nennt man mich.

VAN BETT
O Donnerwetter! Was soll das sein?
Das begreife ein andrer als ich.

CHOR
Zwei Gesandte! Was soll das heissen?
Zwei Gesandte in der Schenke, wie wunderlich!

VAN BETT
zu Lefort
Verzeihung, erhabner Admiral!
Wie kann der Mensch sich irren,
's ist wahrhaftig ein Skandal!

SOLI und CHOR
Der Spass fängt an uns zu belust'gen.
Lass doch sehn, wie weit er's treibt,
Ob er beim Examinieren bleibt.

VAN BETT
erblickt den Lord, beiseite
Halt! jetzt hab ich's, der muss es sein,
Der mir die Pfunde zugedacht
Und noch kein Lot mir hat gebracht;
Der mich so frech belogen,
Unterhandlungen gepflogen
Hier bei trautem Rendezvous.
Heraus mit der Sprache! Wer bist du?
Bei Eurem Kopf, die Wahrheit gesteht!

LORD
Gesandter der brit'schen Majestät,
Lord Syndham werde ich genannt.

VAN BETT
Das ist zu toll, ich verliere den Verstand;
Wohin ich mich auch wende hier in dem Kreise,
Erblicke ich ein hochgebor'n Gesicht!

SOLI und CHOR
O er ist klug und weise,
Und ihn betrügt man nicht.

VAN BETT
Stille, nicht Allotria getrieben!
Wird mein Ansehn so geehrt?
Wo bin ich doch gleich stehngeblieben?
ja so, nun weiss ich's. Ihr Leute, hört!
Von denen hier sich nichts ermitteln lässt,
Drum hört mich an, was ich ersann!
auf den Zaren und Iwanow deutend
Gleich packt mir die zwei Burschen fest.

ZAR und IWANOW
Wen, mich?
Was fällt Euch ein?

MARIE und MEISTERIN BROWE
Nun geht's von vorne wieder an!

CHOR
Was haben die ihm denn getan?
Sie wollen auf beide los.

VAN BETT
Wollt ihr nicht auch Gesandte sein?

MEISTERIN BROWE
Herr Bürgermeister -

VAN BETT
Lasst mich gewähren!

MARIE
Liebster Oheim -

VAN BETT
Ich will nichts hören!

ZAR
Ihr wollt es wagen?

VAN BETT
Packt ihn, ihr Leute!

IWANOW
Lasst Euch doch sagen -

VAN BETT
Sie alle beide!

MARIE
Aber so hört mich doch nur an,
Was hat Euch Iwanow getan?

VAN BETT
Geh mir, Mädchen, schnell aus dem Gesicht,
Misch dich in Staatsgeschäfte nicht.

CHOR
Er ist fürwahr im Kopfe toll!
Er weiss nicht, wen von allen er einsperren soll.
Und widerstrebt man ihm, braucht er Gewalt.

DIE ÜBRIGEN
Fürwahr, er ist im Kopfe toll!
Er weiss nicht, wen er fangen soll,
Und widerstrebt man ihm, braucht er Gewalt.

VAN BETT
Ich werde wahrlich noch im Kopfe toll!
Und einer ist es, den ich fangen soll,
Und braucht man Widerstand, brauch ich Gewalt.
Ihr alle räumt nun diesen Ort!
Ihr schleppt mir diese beiden fort!

Man will lwanow fassen.

LORD
schnell und leise zu van Bett
Herr, wissen Sie auch, was Sie wagen?
Das ist der Zar.

VAN BETT
Nicht möglich!
auf den Zaren zeigend
Dann packt mir diesen.

MARQUIS
schnell und leise
Herr Bürgermeister, wissen Sie, was Sie wagen?
Das ist der Zar.

VAN BETT
Ach, was Sie sagen!
Sehr klug, sehr pfiffig, sehr schlau, sehr fein!
Nun wollen alle wieder Zare sein.
Abgetan, man will mich hier vexieren,
Ich lasse alles arretieren,
Gesandte - Zare - Wirte - Gäste,
Alles sperrt ein, so ist's das beste.

ZAR
wütend
Ha, wag es, mir zu nahn, wer noch Lust am Leben hat!
Mein Langmut ist zu Ende, und es wendet sich das Blatt.
In dem Staub zu meinen Füssen
Und zu spät wirst du erfahren,
Was, Verwegner, du gewagt.
Sollst du dein Vergehen büssen.

VAN BETT
Was, du willst dich widersetzen? Diese Kühnheit geht zu weit!
Deine Frevel zu bestrafen, bin als Richter ich bereit.
Soviel darf getrost ich sagen,
Ich gebiete hier allein;
Solche Keckheit zu ertragen,
Müsst' ich mehr als Schwachkopf sein.

MARQUIS, LEFORT und LORD
Ha, er will sich widersetzen, es kommt noch zu blut'gem Streit!
Seine Kühnheit zu bestrafen, sehen wir ihn schon bereit.
Wenn wir ihn gewähren liessen,
Würde er bald Blut vergiessen;
Doch davor ihn zu bewahren,
Werde alles gern gewagt.

CHOR
Ha, er will sich widersetzen, es setzt sicherlich noch Streit,
Und gefangen ihn zu sehen, wäre doch uns allen leid.
Seinem Zorne nach zu schliessen,
Kommt es noch zu Blutvergiessen.
Könnten wir doch nur erfahren,
Weshalb er so vieles wagt.

MARIE und IWANOW
Seinem Zorn sich/ mich widersetzen,
Sei du nimmermehr / Siehst du nimmer mich bereit,
Denn was könntest du / könnte ich gewinnen,
Führte es zu blut'gem Streit?
Nein, du darfst dich nicht / Nimmer werd ich mich entschliessen,
Ohne Not Blut zu vergiessen.
Davor soll dich / Gott bewahren,
Denn es hiesse viel gewagt.

VAN BETT
Wagt ihr hier noch ein Wort,
Sperr ich euch alle ein!

LORD, LEFORT und CHOR
Wagt man hier noch ein Wort,
Sperrt er uns alle ein!

ZAR
Mein Geheimnis werd ich wahren,
Doch die Kühnheit nicht verzeihn.

MARQUIS
Sein Geheimnis wird er wahren,
Den Gefahren nun sich weihn.

MARIE, MEISTERIN BROWE und IWANOW
Keine Silbe mehr zu wagen,
Wird das beste nun wohl sein!

MARIE, IWANOW, LEFORT, LORD und CHOR
Eilig uns fort von hier jetzt zu tragen,
Wird wohl das beste sein.

ZAR
Wagst du nur noch ein Wort jetzt zu sagen,
Büsst du dein Leben ein.

MARQUIS
Seinen Zorn zu ertragen,
Wird wohl das beste sein.

VAN BETT
Solchen Hohn zu ertragen,
Müsst' ich ein Schwachkopf sein.

Gegen Ende geht der Bürgermeister auf den Zaren los, dieser schleudert ihn zurück, worauf sich van Bett unter einem Tische verkriecht; der Zar'ergreifl einen Stuhl und schlägt auf den Tisch, die Platte sPringt herunter und van Bett läufl mit dem Tisch als Halskragen durch die Menge, die ebenfalls handgemein wurde. Die Männer ergreifen Stühle und Bänke; die Weiber rennen du-rcheinander, die Soldaten verteidigen sich mit den Kolben, und unter allgemeiner Bewegung fällt der Vorhang.
ZWEITER AKT

Das Innere einer grossen Schenke
Der offene Hintergrund gewährt die Aussicht in den Gar-ten mit Lauben und Bogengängen; Blumengewinde und bunte Lampen zieren das Ganze. Im Vordergrund wie im Garten befinden sich Stühle, Bänke und Tische mit Krügen, Flaschen, Gläsern, Pfeifen usw.

Nr. 8 a - Introduktion
(Allegro jubiloso)

ERSTER AUFTRITT
Zar, Iwanow sitzen vorn links zur Seite und rauchen. Zimmerleute, Frauen und Mädchen sitzen teils an Tischen und trinken, teils gehen sie umher, schäkern usw. Beim Aufziehen des Vorhangs muss das Ganze ein lebendiges Bild zeigen.

Nr. 8 b - Chor

CHOR
Hoch lebe die Freude, hoch!
Nur sie ist die Würze im Leben.
Was wünscht der Mensch wohl noch,
Ist Freude ihm gegeben?

EINZELNE STIMMEN
Mich freut ein Gläschen, mich freut ein Mädchen,
Mich ein schön Mieder, mich frohe Lieder.

ALLE
Gesundheit und ein heitrer, froher Sinn
Reichen schon zur Freude hin.
Drum freuet euch!
Worüber, das bleibt sich gleich.

MÄNNER
Frau Gevattrin, Ihr sollt leben!

FRAUEN
Ei, wir danken schön dafür.

MÄNNER
Und die Frau Nachbarin daneben!

FRAUEN
Uns zu bedanken nach Gebühr.

ALLE
Wenn auch das Glas in Stücken zerfällt,
Stosst an, es leb' die ganze Welt.
Juchhe! Schenket euch ein und trinket alle Gläser leer,
Wer doch sein Leben lang so froh und fröhlich wär'!
Stosst an! Juchhe!


ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Lefort.

IWANOW
steht gegen Ende des Chores auf
Nein, nun halt ich's nicht länger aus, ich muss sehen, wo sie steckt.
Er geht nach dem Hintergrunde

ZAR
Nun, Iwanow, wohin?
Er erblickt Lefort
Ha, Lefort!

LEFORT
tritt zu ihm, leise
Alles ist zur Abreise bereit.

ZAR
Noch einen Augenblick, Lefort. Ich erwarte jemand, dessen Anwesenheit meine Pläne ändern könnte.

LEFORT
Darf ich fragen, wen?

ZAR
Den französischen Gesandten.

LEFORT
Und seine Absicht?

ZAR
Ist, meine Anwesenheit in Saardam zu benutzen, mich zu gewinnen, und ich gestehe, dass die Allianz gerade in diesem Augenblick mir mehr als willkommen wäre.
Sie sprechen leise weiter

IWANOW
tritt wieder vor
Es ist von ihr nichts zu hören noch zu sehen, und ich hätte so viel mit ihr zu bereden. Oh, warum muss man sich doch, wenn man verliebt ist, ewig abquälen? Ich sehe gar nicht ein, warum, nicht einmal die Notwendigkeit.

MEHRERE GÄSTE
rufen
Bier her, Rum!


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Marquis von Chateauneuf.

MARQUIS
tritt als holländischer Offizier verkleidet auf, den Zaren suchend
Ich muss gestehen, die Gesellschaft ist nicht übel für gekrönte Häupter und ihre Gesandten.

ZAR
den Marquis erblickend, für sich
Ha, Chateauneuf.
laut
Kamerad, Kamerad!

IWANOW
Wieder ein neuer Gast.

ZAR
reicht dem Marquis die Hand und lädt ihn zum Sitzen ein

MARQUIS
setzt sich auf Iwanows Platz
Guten Tag, Kameraden.

IWANOW
für sich
Der macht nicht viel Umstände.
laut
Hört, guter Freund, das ist mein Platz.

MARQUIS
So? Das freut mich.

IWANOW
für sich
Gott steh mir bei. Das ist der Fran-zose von heute früh.

ZAR
zu Iwanow
Nun, was fehlt dir? Du scheinst ja ganz verwirrt.

IWANOW
O nichts
beiseite
Wetter! Ich errate, wes-halb er kommt. Er hat es auf Marie abgesehen. Nun wird mir's nachgerade zu bunt.

ZAR
lwanow - nimm deine Pfeife.

IWANOW
trocken
Ich habe schon geraucht.

ZAR
So nimm dein Glas -

IWANOW
Ich habe keinen Durst.

ZAR
Ich wollte auf Maries Gesundheit trinken.

MARQUIS
Wer ist das schöne Kind?

IWANOW
zum Marquis
Tun Sie mir den Gefallen, stellen Sie sich nicht so unschuldig.

ZAR
Du bist übel gelaunt.

IWANOW
I behüte. Ich kam hierher, mich lustig zu machen, und das tue ich auch. Juch! - Ich möchte verrückt werden!

ZAR, MARQUIS und LEFORT
lachen


VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. Marie

MARIE
sehr eilig,zu Iwanow
Aber, wo steckst du denn? Ich suche dich überall.

IWANOW
Siehe da, es freut mich, dass ich endlich das Vergnügen habe -

MARQUIS
sich umsehend
Die Kleine sieht bezaubernd aus.

LEFORT
Allerliebst.

ZAR
Bist du nun zufrieden, Iwan?
leise zum Marquis
Zur Sache, Herr Marquis!

IWANOW
Allerliebst, bezaubernd! Und das hörst du alles an?

MARIE
Mein Gott, ich kann den Leuten doch das Reden nicht verbieten. Geh, du bist wieder recht brummig! Ich habe mich so oft auf den heutigen Abend gefreut, aber immer musst du mir die Lust verbittern. - Komm mit, wir haben uns in der grossen Laube versammelt und wollen das Brautlied singen, das uns Peter Michaelow gelehrt hat, du tanzest dann mit mir die Runde.

IWANOW
Marie, sieh mir einmal ins Gesicht.

MARIE
tut es
Nun?

MARQUIS
zieht mehrere Papiere hervor, leise zum Zaren
Hier ist der Traktat, wenn Euer Majestät geruhen wollen -

IWANOW
Hast du mich wirklich aufgesucht?

MARIE
Wen soll ich denn suchen?

IWANOW
Es könnte ja auch wohl der gewisse jemand sein.

MARIE
lauter
Du meinst doch nicht den Franzosen?

MARQUIS
hört es und sieht sich um

IWANOW
Ja, sehen Sie sich nur um, die Rede ist von Ihnen.

MARIE
Pfui, lwan, das war wieder ein schlechter Witz.

MARQUIS
steht auf
Sie haben mich also wiedererkannt, mein schönes Kind?

IWANOW
Jetzt geht das Courschneiden wieder los.

MEHRERE GÄSTE
haben sich, während der Zar liest, hinter ihm gesammelt
Was haben denn die da zu verhandeln?

ANDERE
Wohl Staatsgeheimnisse?

MARIE
die sich mit dem Marquis unterhielt
Nein, mein Herr, wir haben keine Zeit, wir müssen zum Konzert.

MARQUIS
lacht
Zum Konzert?

MARIE
mit einem Knicks
Ich bin die Sängerin, mit Ihrer Erlaubnis, ich singe vor.

MARQUIS
Ach, dürfte ich Ihnen doch nachsingen.

MARIE
Das steht Ihnen frei. Können Sie denn auch singen?

MARQUIS
Ei wohl, aber nur zärtliche, schmachtende Romanzen.
Er geht zum Zaren zurück

IWANOW
läuft herum
Gott steh mir bei!
zu Marie
Komm, Marie, wenn der Kerl gar anfängt zu singen, trifft mich der Schlag.

MARQUIS
leise zum Zaren
Sie werden beobachtet.

IWANOW
Komm, Marie, mir fängt an schwül zu werden.

MARIE
Gleich! gleich!
zum Marquis
Bitte, lieber Herr, singen Sie etwas Schmachtendes.

IWANOW
Aber Marie -

ZAR
leise zum Marquis
Tun Sie es, damit ich ungestört bin.

MARQUIS
zu Marie
Was könnte ich Ihnen abschlagen? Sie wünschen also -

MARIE
Etwas recht Zärtliches; hier
auf Iwanow zeigend
dieser junge Mann hört es so gern.

IWANOW
seufzt

MARIE
Hören Sie, wie er seufzt. ja, solche Lieder sind seine Passion, so etwas zum Zerfliessen!
leise zu Iwanow
Das ist für deinen niedrigen Argwohn.

MARQUIS
Tretet näher, meine Freunde, und singt den Endreim mit.

ALLE
sammeln sich um den Marquis

ZAR
an seinem Tische, liest ungestört

Nr. 9 - Lied mit Chor

MARQUIS
Lebe wohl, mein fland'risch Mädchen,
Wider Willen muss ich fort;
Doch ich liebe dich von Herzen,
Darauf geb ich dir mein Wort.
Teurer weit als meine Seele
Bist du, o Geliebte, mir!
Und keiner andern soll's jemals gelingen,
Mir auch entfernt nur gefährlich zu sein;
Konnt' ich dein Herz, deine Liebe erringen,
Kann ich auch ewige Treue dir weihn!

MARIE, MARQUIS und CHOR
Ewige Treue will ich/er ihr weihn.
Ich/ Er will ewige Treue der Teuren weihn.

MARQUIS
Gib mir diese seidne Locke,
Auf dem Herzen ruhe sie,
Meiner holden Maid aus Flandern,
Die ich wider Willen flieh,
Ihrer werd ich mich erinnern,
Wenn mich Kampf und Schlacht umgibt.
Doch wirst du auch einstens meiner gedenken
Der dir gehöret mit Herz und mit Sinn,
Und eine Träne der Wehmut mir schenken,
Wenn ich nicht mehr unter Lebenden bin?
Wirst du auch meiner zärtlich gedenken,
Teures Mädchen, der dir stets gehöret mit Herz und Sinn?

MARQUIS, MARIE und CHOR
Der dir gehört mit Herz und Sinn;
Wirst du mein auch gedenken mit Herz und Sinn?


FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Meisterin Browe kommt von hinten.

MEISTERIN BROWE
Bringt die Tische und Bänke beiseite, wir müssen hier tanzen; es wird zu feucht im Garten, und das ist für junge Eheleute nicht gut.

MARIE
Frau Meisterin, ist mein Oheim noch im Garten?

MEISTERIN BROWE
Ei freilich, er tut mehreren Zimmerleuten die Ehre an, mit ihnen zu trinken, und schreit dabei, dass einem Hören und Sehen vergeht.

MARIE
Desto besser, so denkt er nicht an mich.

IWANOW
Du fürchtest wohl, er möchte dich in deiner höchst angenehmen Unterhaltung stören, denn du bist über das Lied ja ordentlich verzückt!

MARIE
Höchst!

IWANOW
Ganz ausser dir.

MARIE
Höchst.

IWANOW
Du beträgst dich -

MARIE
Wie eine Verzückte.

MEISTERIN BROWE
Aber, was habt ihr denn miteinander?

MARIE
Herr Iwanow setzt mir soeben die Romanze auseinander, die der Herr sang.

MEISTERIN BROWE
Dummes Zeug! Stellt euch zum Tanz, gleich kommt die Musik.
Sie geht anordnend nach dem Hintergrunde

IWANOW
Nichts setz ich auseinander, aber die Romanze setzt uns auseinander, und ich danke Gott, dass mir endlich die Augen geöffnet wurden. Oh, ich merke alles, ich bin nicht so dumm. Der verkappte Franzose hat dich bestrickt, will dich zur Gräfin, zur Prinzessin, zur - Gott weiss was - machen, und mich denkst du so lange an der Nase herumzuführen - aber nein, so haben wir nicht gewettet. Gott ist mein Zeuge, ich habe dich so herzlich liebgehabt, ich hätte mein Leben für dich gegeben, ich wäre mit dir in den Kanal gesprungen. Aber nein, erst werfe ich den Romanzensänger hinein und dann - dann springe ich noch lange nicht hinterdrein.

MARIE
nach einer kleinen Pause, ernst
Wäre dein Betragen einer Erwiderung wert, so würde ich dir antworten, so aber will ich es bis morgen versparen, wenn du ausgeschlafen hast. Das eine nur: halte mich nicht für herzlos und glaube gewiss, dass deine Rede mich erschüttert haben würde - ich schwöre es dir
tragisch
bei der Liebe, die ich stets für dich gehegt habe -, wenn du mir nicht die beruhigende Gewissheit gegeben hättest, dass du -
mit Humor
unter keiner Bedingung ins Wasser springst.
Sie lacht

IWANOW
Das hab ich nun davon, jetzt lacht sie mich noch aus. O Weiber, Weiber!


SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. van Bett.

VAN BETT
noch hinter der Szene
Schon gut, schon gut! Stattet mir morgen Euern Bericht ab; jetzt hab ich keine Zeit.

MARIE
Mein Oheim, er darf mich hier nicht finden!
Sie versteckt sich unter der Menge

MEISTERIN BROWE
mit van Bett vortretend
Was gibt's, Herr Bürgermeister?

VAN BETT
Kleinigkeit. Soeben meldet mir mein Schreiber, dass verschiedene Gefangene meine Abwesenheit benutzt haben und entwichen sind.

MEISTERIN BROWE
Ei, das ist denn doch -

VAN BETT
Pah, das ist mir schon hundertmal passiert.
Er blickt spähend umher

MEISTERIN BROWE
Wen suchen denn der Herr Bürgermeister?

VAN BETT
Ich reflektiere bloss.
für sich
Der Mann von 2000 Pfund lässt lange auf sich warten.
er erblickt Iwanow
Ah, sieh da, Herr Iwanow! Ich freue mich, dass ich die Ehre habe.

MEISTERIN BROWE
Ei, Sie sind ja auf einmal gewaltig höflich gegen einen Zimmergesellen.

VAN BETT
leise
St! Erinnert Ihr Euch, Frau Browe, was ich heute früh zu Euch sprach?

MEISTERIN BROWE
ebenso
Wegen Iwanow?

VAN BETT
Ich sagte Euch: dieser vermeinte Zimmergeselle ist nicht, was er scheint; er ist entweder ein Prinz oder ein Spitzbube, ein Mittelding gibt's nicht.

MEISTERIN BROWE
Aber, gestrenger Herr Bürgermeister -

VAN BETT
Prinz oder Spitzbube, denkt an mich.
Er sieht sich um
Da kommt der Mylord.
zur Witwe Browe
Lasst Euch aber nichts merken.

MEISTERIN BROWE
sich zurückziehend
Der schwatzt wieder entsetzlich viel dummes Zeug.


SIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Syndham, als holländischer Schiffer verkleidet, tritt vor.

VAN BETT
ihm entgegen
Ah - Euer Herrlichkeit.

LORD
leise
St! Hier bin ich nicht Lord.

VAN BETT
ebenso
Das konnt' ich mir gleich denken. Ich habe schon alles eingeleitet. Dort,
auf Iwanow deutend
dort ist unser Mann.

LORD
Sind Sie Ihrer Sache auch gewiss?

VAN BETT
Das sollen Sie gleich hören.
laut
Herr Iwanow!

IWANOW
Zu Befehl!
für sich
Aha, das ist der Oheim.

VAN BETT
leise zum Lord
Sehen Sie, alles ist richtig.

LORD
Was richtig?

VAN BETT
Alles. Hören Sie nicht, er sagte: zu Befehl.

LORD
Nun?

VAN BETT
Wenn einer "zu Befehl" sagt, ist alles richtig.

LORD
Ich werde mich überzeugen.

IWANOW
Holla! Rum! Gläser!

ZAR
Papier und Tinte.
Man bringt das Verlangte. Der Chor hat sich währenddessen zurückgezogen.

Nr. 10 - Sextett

VAN BETT, LORD, IWANOW, MARQUIS, ZAR, LEFORT
Zum Werk, das wir beginnen,
Braucht es der Klugheit Macht,
Um Grosses zu gewinnen
Durch Pläne, schlau erdacht.
Drum prüfe sich ein jeder,
Jetzt ist dazu noch Zeit,
Auf dass dann keiner später
Geschehenes bereut.
Ans Werk!

Alle setzen sich: der Lord, van Bett und Iwanow an den Tisch rechts, der Zar, der Marquis und Lefort links.

LORD
zu van Bett
Sind Sie gewiss, dass wir ganz ungestört?

VAN BETT
Sei'n Sie versichert, dass niemand hier uns hört.

LORD
nach rechts zeigend
Doch jene Leute an dem Tische dort?

VAN BETT
's sind lust'ge Vögel, hören nicht ein Wort.
Doch bäte ich, zum Ziele zu gelangen.
Dass jeder nun frei und offen seine Meinung sagt.

IWANOW
Das ist mir lieb.

VAN BETT
Heraus denn ohne Bangen,
Hier unter Freunden keiner etwas wagt.

MARQUIS
Sind Sie gewiss1 dass niemand hier uns hört?

ZAR
Seien Sie ganz ruhig, wir sind ganz ungestört.

MARQUIS
Doch jene Zecher an dem Tische dort?

ZAR
's sind lust'ge Vögel, sie schwatzen, sie trinken
Und hören nicht ein Wort.

LORD
zu Iwanow
Geruhen Majestät mich anzuhören.

VAN BETT
erstaunt
Majestät?!

IWANOW
Ei, wie komm ich so zu Ehren?

LORD
Verzeihung, ich vergass -

VAN BETT
für sich
'ne Majestät.
laut
Aha!

LORD
Nicht unvorsichtig, Herr van Bett!

IWANOW
zum Lord
Ganz frei heraus, lieber Herr, ich dächte,
Dass meine Sache man recht bald in Ordnung brächte,
Auf dass ich könnte ruhig sein.

LORD
Sire, das liegt an Ihnen nur allein.

VAN BETT
für sich
Es ist ein Sire, das leuchtet mir jetzt ein.

MARQUIS
zum Zaren
Gestatten Majestät mir eine Frage?

ZAR
Sehr gern.

MARQUIS
Was halten Sie von dem Vertrage?

ZAR
zum Marquis
Zur Antwort, dass ich gern, ich will nicht leugnen,
Bereit wär', den Traktat zu unterzeichnen,
Wenn ausgedehnte Vollmacht Ihnen ward.

MARQUIS
übergibt eine Schrift
Hier der Beleg, dass nichts daran gespart.

LORD
der währenddessen mit Iwanow gesprochen, freudig zu van Bett
Ich rücke näher schon dem Ziel.

VAN BETT
So schnell? Ei, das ist wirklich viel.

LORD
Sehr viel.

VAN BETT
Entsetzlich viel!
leise zum Lord
Doch sagen Sie mir nur mit einem Worte,
Sie nannten diesen Mann ja Majestät -

LORD
Nun freilich.

VAN BETT
Was ist's denn für `ne Sorte
Von Majestät?

LORD
St!

VAN BETT
St! Ich bin ganz Ohr.
beiseite
's ist nicht richtig, alle beide
Kommen mir verdächtig vor.

ALLE
Unsre Absicht zu erreichen,
Lasst uns schlau zu Werke gehn;
Denn auch nicht das kleinste Zeichen
Deute, dass wir uns verstehn.
Darum leise und mit Vorsicht
Werde jeder Schritt getan:
Nur auf solche Weise gelinget der Plan.

VAN BETT
Man möchte gleich des Teufels werden,
Wenn man nie etwas erfährt.

ZAR
zum Marquis
Den Entwurf nun aufzusetzen,
Sehn Sie ernstlich mich bereit.
Er schreibt

IWANOW
zum Lord
Nur über eines bin ich nicht im klaren,
Drohn mir denn künftig auch wirklich nicht mehr Gefahren?
Sie sagten vorhin, man forsche noch nach mir.

LORD
Darüber kann ich ganz genau berichten, Sire;
Die Herren Gesandten fremder Mächte, sie trachten
Sich Ihrer zu bemächt'gen
leise
in Person.
Sie sprechen weiter

VAN BETT
beiseite
Sich seiner zu bemächt'gen, alle Wetter!
Das ist ein Demagoge, so viel merk ich schon.
Dann kann er doch auch nicht von hoher Abkunft stammen,
Denn Prinz und Demagoge, das passt doch nicht zusammen.
Lauter Wirrwarr, keine Klarheit!
Lauter Lügen, keine Wahrheit!

IWANOW
zum Lord
Das eine nur, mein Herr, bemerk ich Ihnen:
Nicht hab ich Lust, ferner noch zu dienen.

LORD
Ha, ich versteh, Neutralität ist Ihnen lieber.

IWANOW
bejahend
Neutralität.

VAN BETT
Neutralität, da geht nichts drüber.

ZAR
Hier mein Entwurf, lesen Sie, Marquis.

LORD
leise zu van Bett
Ich bin am Ziel. Um eins noch bitt ich Sie,
Mir ferner beizustehn, wie es geschah bisher.

VAN BETT
Versteht sich, die seltne Ehr' -

LORD
Fortan sei Ihre erste Pflicht,
Streng zu verhüten, dass ihn jemand spricht,
Vorzüglich niemand Fremdes! Sie verstehn mich doch?

VAN BETT
Ist's Ihnen recht, so steck ich ihn sogleich ins Loch.

LORD
Herr, sind Sie toll? Was reden Sie für Zeug? -
Die tiefste Ehrfurcht -

VAN BETT
Das dacht-' ich mir gleich.

ZAR
Nun, Marquis, sind Sie zufrieden?

MARQUIS
der gelesen hat
Welch glücklich Los ward mir beschieden,
Dass zum Vermittler mich mein König auserkor.

ZAR
steht auf, die andern beiden mit ihm
Unsre Ansicht?
Marquis. Ist nur eine.
Sie reichen sich die Hände

IWANOW
steht auf, die andern mit ihm
Ihre Ansicht ist die meine.

VAN BETT
für sich
"Ihre Ansicht ist die meine."
Es ist nicht richtig, alle beide
Kommen mir verdächtig vor.

ALLE
Unsre Absicht zu erreichen,
Lasst uns schlau zu Werke gehn;
Denn auch nicht das kleinste Zeichen
Deute, dass wir uns verstehn.
Darum leise und mit Vorsicht
Werde jeder Schritt getan:
Nur auf solche Weise gelinget der Plan.

LEFORT
geht auf einen Wink des Zaren ab


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Meisterin Browe. Marie.

Vor Anfang des Sextetts hatte sich ein Teil der Anwesenden teils entfernt, teils ganz in den Hintergrund gezogen. Alles tritt nun wieder vor.

MEISTERIN BROWE
Hierher die Musik! Sind die Tische noch nicht beiseite? Angepackt, junge Burschen! Frisch, munter, der Tanz geht los.

MARQUIS
fröhlich
So ist's recht, lustig muss man sein. Das ist der schönste Tag meines Lebens.
Er stösst auf den Lord
Was seh ich?

LORD
Das ist Marquis von Chateauneuf.

MARQUIS
Sie sind's, Mylord? Wozu diese Verkleidung?

LORD
Wie kommen Sie in diesem Gewande in die Schenke?

MARQUIS
leise
St! Ein verliebtes Abenteuer, verraten Sie mich nicht.

LORD
Da geht's Ihnen wie mir, ich bin auch verliebt.

MARQUIS
für sich
Der sucht, was ich bereits gefunden.

LORD
für sich
Der gute Marquis kommt etwas zu spät.

EINIGE
rufen
Zum Tanz! Zum Tanz!

ANDERE
Das Brautlied! Das Brautlied!

VAN BETT
Ruhe! Nicht so gelärmt, wenn Personen von
hohem Range anwesend sind.

EINIGE
unter sich
Was sagt er? Wie ist das?

LORD
leise
Aber Herr Bürgermeister -

VAN BETT
Verstehe!
laut
Ich wollte sagen, wenn ich anwesend bin.

DIE GÄSTE
unter sich
Ach so, wenn's weiter nichts ist.

VAN BETT
Frau Browe, ich glaube, das Volk räsoniert.

MEISTERIN BROWE
Ei behüte, sie meinen nur, aus Ihnen machten sie sich nichts.

VAN BETT
Das kann ich den Leuten nicht verdenken, besonders wenn ihrer so viele beieinander sind. - Näher, liebe Leute, geniert euch meinetwegen gar nicht. Tanzt und singt! Wo ist denn meine -
erblickt Marie, die sich unter der Menge versteckt hält -
Ah, sieh da, unsere teure Nichte.

MARIE
Mein Gott, ich suche Sie überall -

VAN BETT
Freut mich, dass du da bist.
beiseite
Jetzt kann ich ihr allenfalls erlauben, hierzubleiben, denn ist er ein Prinz, so kann man nicht wissen -

MARIE
Sie erlauben mir also, hierzubleiben?

VAN BETT
Ei, was werde ich nicht. Es sind ja
auf Iwanow deutend
Personen gegenwärtig, denen deine Gegenwart vielleicht nicht ganz unangenehm ist.
für sich
Aha, die Majestät schmunzelt. Oh, es ist doch etwas Einziges um ein majestätisches Schmunzeln.

ALLE
Das Lied! Das Lied!

VAN BETT
Singe, mein Kind, befriedige die zarten Gemüter.

Marie steht in der Mitte; auf der einen Seite der Zar und der Marquis, auf der andern der Lord und van Bett, welche sich bemühen, lwanow ins Gespräch zu ziehen, dieser ist aber nur mit Marie beschäftigt.

Nr. 11 - Brautlied mit Chor
(Während des Ritornells wird getanzt.)

MARIE
Lieblich röten sich die Wangen
Einer Jungfrau hold und schön;
Ihre Brust schwellt süsses Bangen,
Sieht ihr Aug' den Jüngling stehn.
Naht er ihr mit Liebesscherz,
Weiss sich's Mädchen nicht zu fassen;
Möcht ihn lieben, möcht ihn hassen.
Was bedeutet das, mein Herz?
Jungfrau, solche zarten Triebe
Künden die erwachte Liebe!
Darum hütet eure Herzen,
Mit der Liebe gilt kein Scherzen.

CHOR
Darum hütet eure Herzen,
Mit der Liebe gilt kein Scherzen.

MARIE
Doch dein Herz ist schon getroffen:
Beim Geliebten ist dein Glück,
Und dein Sehnen und dein Hoffen
Strahlt sein Auge dir zurück.
Mägdlein ruft: wer rettet mich?
Mädchen, bald sollst befreiet du dich sehen.
Wirst du zum Altare gehen,
Legt dein Harm sich sicherlich.
Jungfrau war nicht mehr zu retten,
Seufzt nun in der Ehe Ketten.
Alle Mägdlein, trotz der Klagen,
Müssen solche Fesseln tragen.

CHOR
Alle Mägdlein, trotz der Klagen,
Müssen solche Fesseln tragen.

Nach dem Lied Lärm von aussen.


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lefort. Später kommt Meisterin Browe von hinten.

LEFORT
eilig zum Zaren
Der Kurier von Moskau ist da. Die Empörung ist allgemein.

ZAR
heftig
Tod und Hölle. Es ist die höchste Zeit. Fort nach Moskau!

MEISTERIN BROWE
bestürzt
Mein Gott, was soll das bedeuten! Das ganze Haus ist von Soldaten umringt.

ALLE
Soldaten?

VAN BETT
Wer untersteht sich -

MEISTERIN BROWE
Da kommen sie schon.
Sie tritt zurück.

ZAR
Verdammt, wie nun entkommen?


ZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Ein Offizier mit Wachen.

VAN BETT
ihm entgegen
Herr, wie können Sie sich unterfangen, ohne mein Vorwissen -

OFFIZIER
Ich habe meine Verhaltungsbefehle, denen ich folgen muss.

VAN BETT
beruhigt
Das ist etwas anderes. Wenn Sie Verhaltungsbefehle haben -

OFFIZIER
Sie sind der Bürgermeister von Saardam?

VAN BETT
Der bin ich.
zu den andern
Ja, wenn er Verhaltungsbefehle hat -

OFFIZIER
Dem Rate von Amsterdam wurde angezeigt, dass seit einigen Monaten auf den Schiffswerften von Holland sich Fremde einfinden und eine grosse Anzahl von Arbeitern weglocken; sie haben beschlossen, dieser Falschwerberei Einhalt zu tun.

LEFORT
leise
Das geht auf uns.

ZAR
ebenso
Still!

VAN BETT.
Sag ich's doch! Die Bürgermeister von Holland verstehen alle nichts. Ich stehe dafür, dass zu Saardam -

OFFIZIER
Eben zu Saardam haben die meisten Abwerbungen stattgefunden.

VAN BETT
Hab ich's nicht gedacht? Und kein Mensch macht mir eine Anzeige davon.

OFFIZIER
Nach dem Beschlusse der Herren soll jeder Fremde, der sich nicht hinlänglich legitimieren kann, verhaftet werden.

VAN BETT
Verhaftet und eingesperrt. Meine Maxime!

IWANOW
Ich bin verloren.

ZAR
Das Abenteuer wird lustig.

VAN BETT
Halt, ich hab's! Seit heute morgen hab ich schon Verdacht.
Er sieht sich um
Wir sind von Staatsverrätern umgeben.

ALLE
erschrocken
Staatsverräter?

ZAR
Verwünscht!

IWANOW
O weh!

VAN BETT
Gleich sollt ihr euch überzeugen.

Nr. 12 - Finale

VAN BETT
Schon seit geraumer Zeit bemerk ich hier Gesichter,
Die mir ganz unbekannt;
Und die gehören sicherlich zu dem Gelichter,
Das man soeben mir genannt.
Mir wird es sicherlich gelingen,
Zum Geständnis sie zu bringen.
Sondieren werde ich ganz leise.
Dass ohn' Erlaubnis keiner spricht!
O ich bin klug und weise,
Und mich betrügt man nicht.

ALLE
Was will er tun, wen will er zwingen? Wen will er zum Geständnis bringen? Schlauheit ist sonst seine Sache nicht.

VAN BETT
Hier von diesen beiden Laffen
Hab ich einen ausersehn.
zum Marquis
He, was hast du hier zu schaffen?
Wirst du gleich es mir gestehn?

MARQUIS
Gesandter des Königs von Frankreich und Navarra,
Marquis von Chateauneuf nennt man mich.

VAN BETT
O weh! Was hab ich da getan!
Da kam ich gleich beim ersten übel an.

CHOR
verwundert
Ein Gesandter! Ein Gesandter von Frankreich?

VAN BETT
ärgerlich zum Chor
Von Frankreich, von England,
von Spanien, von Schottland,
Das bleibt sich gleich.
Habt Respekt, das rat ich euch.
zum Marquis
Vergebung Euer Gnaden, denn ich irrte mich;
Den an Ihrer Seite, den meinte ich.
zu Lefort
Antworte mir, wer bist du? Sprich!

LEFORT
Gesandter des Kaisers aller Reussen,
Admiral Lefort nennt man mich.

VAN BETT
O Donnerwetter! Was soll das sein?
Das begreife ein andrer als ich.

CHOR
Zwei Gesandte! Was soll das heissen?
Zwei Gesandte in der Schenke, wie wunderlich!

VAN BETT
zu Lefort
Verzeihung, erhabner Admiral!
Wie kann der Mensch sich irren,
's ist wahrhaftig ein Skandal!

SOLI und CHOR
Der Spass fängt an uns zu belust'gen.
Lass doch sehn, wie weit er's treibt,
Ob er beim Examinieren bleibt.

VAN BETT
erblickt den Lord, beiseite
Halt! jetzt hab ich's, der muss es sein,
Der mir die Pfunde zugedacht
Und noch kein Lot mir hat gebracht;
Der mich so frech belogen,
Unterhandlungen gepflogen
Hier bei trautem Rendezvous.
Heraus mit der Sprache! Wer bist du?
Bei Eurem Kopf, die Wahrheit gesteht!

LORD
Gesandter der brit'schen Majestät,
Lord Syndham werde ich genannt.

VAN BETT
Das ist zu toll, ich verliere den Verstand;
Wohin ich mich auch wende hier in dem Kreise,
Erblicke ich ein hochgebor'n Gesicht!

SOLI und CHOR
O er ist klug und weise,
Und ihn betrügt man nicht.

VAN BETT
Stille, nicht Allotria getrieben!
Wird mein Ansehn so geehrt?
Wo bin ich doch gleich stehngeblieben?
ja so, nun weiss ich's. Ihr Leute, hört!
Von denen hier sich nichts ermitteln lässt,
Drum hört mich an, was ich ersann!
auf den Zaren und Iwanow deutend
Gleich packt mir die zwei Burschen fest.

ZAR und IWANOW
Wen, mich?
Was fällt Euch ein?

MARIE und MEISTERIN BROWE
Nun geht's von vorne wieder an!

CHOR
Was haben die ihm denn getan?
Sie wollen auf beide los.

VAN BETT
Wollt ihr nicht auch Gesandte sein?

MEISTERIN BROWE
Herr Bürgermeister -

VAN BETT
Lasst mich gewähren!

MARIE
Liebster Oheim -

VAN BETT
Ich will nichts hören!

ZAR
Ihr wollt es wagen?

VAN BETT
Packt ihn, ihr Leute!

IWANOW
Lasst Euch doch sagen -

VAN BETT
Sie alle beide!

MARIE
Aber so hört mich doch nur an,
Was hat Euch Iwanow getan?

VAN BETT
Geh mir, Mädchen, schnell aus dem Gesicht,
Misch dich in Staatsgeschäfte nicht.

CHOR
Er ist fürwahr im Kopfe toll!
Er weiss nicht, wen von allen er einsperren soll.
Und widerstrebt man ihm, braucht er Gewalt.

DIE ÜBRIGEN
Fürwahr, er ist im Kopfe toll!
Er weiss nicht, wen er fangen soll,
Und widerstrebt man ihm, braucht er Gewalt.

VAN BETT
Ich werde wahrlich noch im Kopfe toll!
Und einer ist es, den ich fangen soll,
Und braucht man Widerstand, brauch ich Gewalt.
Ihr alle räumt nun diesen Ort!
Ihr schleppt mir diese beiden fort!

Man will lwanow fassen.

LORD
schnell und leise zu van Bett
Herr, wissen Sie auch, was Sie wagen?
Das ist der Zar.

VAN BETT
Nicht möglich!
auf den Zaren zeigend
Dann packt mir diesen.

MARQUIS
schnell und leise
Herr Bürgermeister, wissen Sie, was Sie wagen?
Das ist der Zar.

VAN BETT
Ach, was Sie sagen!
Sehr klug, sehr pfiffig, sehr schlau, sehr fein!
Nun wollen alle wieder Zare sein.
Abgetan, man will mich hier vexieren,
Ich lasse alles arretieren,
Gesandte - Zare - Wirte - Gäste,
Alles sperrt ein, so ist's das beste.

ZAR
wütend
Ha, wag es, mir zu nahn, wer noch Lust am Leben hat!
Mein Langmut ist zu Ende, und es wendet sich das Blatt.
In dem Staub zu meinen Füssen
Und zu spät wirst du erfahren,
Was, Verwegner, du gewagt.
Sollst du dein Vergehen büssen.

VAN BETT
Was, du willst dich widersetzen? Diese Kühnheit geht zu weit!
Deine Frevel zu bestrafen, bin als Richter ich bereit.
Soviel darf getrost ich sagen,
Ich gebiete hier allein;
Solche Keckheit zu ertragen,
Müsst' ich mehr als Schwachkopf sein.

MARQUIS, LEFORT und LORD
Ha, er will sich widersetzen, es kommt noch zu blut'gem Streit!
Seine Kühnheit zu bestrafen, sehen wir ihn schon bereit.
Wenn wir ihn gewähren liessen,
Würde er bald Blut vergiessen;
Doch davor ihn zu bewahren,
Werde alles gern gewagt.

CHOR
Ha, er will sich widersetzen, es setzt sicherlich noch Streit,
Und gefangen ihn zu sehen, wäre doch uns allen leid.
Seinem Zorne nach zu schliessen,
Kommt es noch zu Blutvergiessen.
Könnten wir doch nur erfahren,
Weshalb er so vieles wagt.

MARIE und IWANOW
Seinem Zorn sich/ mich widersetzen,
Sei du nimmermehr / Siehst du nimmer mich bereit,
Denn was könntest du / könnte ich gewinnen,
Führte es zu blut'gem Streit?
Nein, du darfst dich nicht / Nimmer werd ich mich entschliessen,
Ohne Not Blut zu vergiessen.
Davor soll dich / Gott bewahren,
Denn es hiesse viel gewagt.

VAN BETT
Wagt ihr hier noch ein Wort,
Sperr ich euch alle ein!

LORD, LEFORT und CHOR
Wagt man hier noch ein Wort,
Sperrt er uns alle ein!

ZAR
Mein Geheimnis werd ich wahren,
Doch die Kühnheit nicht verzeihn.

MARQUIS
Sein Geheimnis wird er wahren,
Den Gefahren nun sich weihn.

MARIE, MEISTERIN BROWE und IWANOW
Keine Silbe mehr zu wagen,
Wird das beste nun wohl sein!

MARIE, IWANOW, LEFORT, LORD und CHOR
Eilig uns fort von hier jetzt zu tragen,
Wird wohl das beste sein.

ZAR
Wagst du nur noch ein Wort jetzt zu sagen,
Büsst du dein Leben ein.

MARQUIS
Seinen Zorn zu ertragen,
Wird wohl das beste sein.

VAN BETT
Solchen Hohn zu ertragen,
Müsst' ich ein Schwachkopf sein.

Gegen Ende geht der Bürgermeister auf den Zaren los, dieser schleudert ihn zurück, worauf sich van Bett unter einem Tische verkriecht; der Zar'ergreifl einen Stuhl und schlägt auf den Tisch, die Platte sPringt herunter und van Bett läufl mit dem Tisch als Halskragen durch die Menge, die ebenfalls handgemein wurde. Die Männer ergreifen Stühle und Bänke; die Weiber rennen du-rcheinander, die Soldaten verteidigen sich mit den Kolben, und unter allgemeiner Bewegung fällt der Vorhang.



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