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DRITTER AKT

Grosse Halle im Stadthause zu Saardam
Den Hintergrund bildet ein durch einen Vorhang geschlossener grosser Bogen.

ERSTER AUFTRITT
van Bett gravitätisch auftretend und sinnend rund um die Halle schreitend; ihm dicht auf der Ferse folgt ein Ratsdiener, welcher eine Menge Notenblätter trägt; dann treten junge Mädchen und Burschen, ihn begrüssend, ein.

Nr. 13 a - Ensemble

VAN BETT
zum Chor
Den hohen Herrscher würdig zu empfangen,
Beschied ich, meine Freunde, euch allesamt hierher.
Es sollen Worte ihm zum Ohr gelangen,
Wie er auf dieser Welt vernimmt sie nimmermehr.
Worte voll Salbung, voll Demut und Moral,
Und Schmeicheleien ohne Zahl.

CHOR
Lasst doch hören, lasst doch hören!
Alle sind wir gern bereit,
Einen Kaiser hoch zu ehren,
Der uns seine Liebe weiht.
Doch wir möchten gerne wissen,
Wer der grosse Herrscher ist,
Wenn wir ihn empfangen müssen,
Sprecht, wie heisst er?

VAN BETT
Nun so wisst: 's ist der Kaiser aller Reussen.

CHOR
Aller Reussen?

VAN BETT
Oder Russen, wie ihr wollt.
Peter lwanow hat er geheissen,
Dem man jetzt so hohe Ehre zollt.

CHOR
Iwanow, der Zimmermann?

VAN BETT
Das war sein Privatvergnügen
Höhern Pflichten zu genügen,
Er den schlauen Plan ersann.
Lasset ohne Zeitverlieren
Die Kantate uns probieren,
Die zu anderm Zwecke zwar verfasst,
Sich jedoch hierher grad' passt.

CHOR
Her die Noten!

VAN BETT
Nur Geduld!
Die Worte sind von mir verfasst,
In einer schönen Stunde;
Doch bin ich nur Poet, nicht Musiker, aus diesem Grunde
Erfand mein Freund, der Kantor, mir, auf dass es wirksam sei,
Zu diesen schönen Worten eine zarte Melodei.
Den Solosang wird' ich mit Kraft und Grazie vollführen.
Ihr sollt den Chor mit Präzision riskieren!
Da in der Kirche ihr perfekt von Noten singt,
So ist es ganz natürlich, dass es hier euch auch gelingt.

CHOR
Her die Noten, Ihr sollt sehen,
Dass wir uns darauf verstehen.

RATSDIENER
verteilt die Noten und stellt alle in einem Halbkreis auf

VAN BETT
Nehmt die Noten!

CHOR
Mir her!
Sie greifen danach

VAN BETT
Und Ruhe dann.

CHOR
Mir her!

VAN BETT
Jetzt fang ich mein Solo an:
Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen."
Dideldum. - Das ist das Zwischenspiel. -
"Es ist schon lange her,
Wir alle können uns nicht mehr darauf besinnen",
Dideldum!
"Das freut uns um so mehr.
Aus vollem Herzen rufen wir: Heil uns, der Zar ist da!
Du bist ein grosser Held! Vivat! Halleluja!"
O wie schön die Worte fliessen.
Wie ein Bächlein über Wiesen;
Gar nicht schwülstig, ganz natürlich,
Und der Stilus so ausführlich.
Jeder Redesatz korrekt,
Das macht sicherlich Effekt.

CHOR
Ja, wenn wir alle erst es wissen,
Macht es sicherlich Effekt.

VAN BETT
Aufgepasst! Schärfet alle Aug und Ohr,
Denn noch einmal trage ich die Stelle vor.

CHOR
Aufgepasst! Schärfet alle Aug und Ohr,
Denn noch einmal trägt er jetzt die Stelle vor

VAN BETT
Ruhe, schwatzt mir nicht so viel
Und habt acht aufs Zwischenspiel

CHOR
"Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen,
Dideldum -

VAN BETT
ihnen nachäffend
Dideldum! - Dideldum ist kein Gesang;
Es ist, ich sagte es euch schon,
Nur Instrumentenreflexion.

CHOR
Aha! Es ist nur Reflexion.

VAN BETT
Hört mich an, es ist nicht schwer,
Und dann schreit mir nicht so sehr.
Reisst.die Mäuler nicht so weit,
Sonst wird-s nichts in Ewigkeit.
"Heil sei dem Tag, an welchem du

CHOR
"Heil sei dem Tag-"

VAN BETT
Das ist zu hoch! Halt!

CHOR
"Heil sei dem Tag -"

VAN BETT
Das ist zu tief - schweigt still! Ruhe!

CHOR
"An welchem du bei uns erschienen."

VAN BETT
Hört mich doch an1

DIE MÄDCHEN
unter sich zankend
Du hast gefehlt, ich war ganz recht.

VAN BETT
Halt't eure Mäuler!

DIE MÄDCHEN
Ich singe gut, du triffst so schlecht.

VAN BETT
Wollt ihr schweigen!

CHOR
Ihr sollt jetzt entscheiden, wer von uns gefehlt.

ALLE
umringen van Bett und schreien ihm in die Ohren
"Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen!"

VAN BETT
Euer Singsang ist ein Graus.
Reisst der Zar sich vor Entsetzen
Lieber alle Haare aus.

DIE MÄDCHEN
Besser wird es uns gelingen,
Wenn wir ganz alleine singen,
Denn wenn Ihr dazwischen schreit,
Wird es nichts in Ewigkeit.

VAN BETT
Darin bin ich eurer Meinung,
Jeder singe, wie er kann;
Fanget ohne meine Leitung
Noch einmal von vorne an.

CHOR
der sich wieder im Halbkreis aufgestellt hat
"Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen."

VAN BETT
Jetzt tacet für den Chor

CHOR
"Es ist schon lange her."

VAN BETT
Bravo!

CHOR
"Wir alle können uns nicht mehr darauf besinnen."

VAN BETT
St!

CHOR
Das freut uns um so mehr.
Aus vollem Herzen rufen wir:"

VAN BETT
soufflierend
Heil uns, der Zar -

CHOR
"Heil uns, der Zar ist da."

VAN BETT
Schön, schön!

CHOR
"Du bist ein grosser Held! Vivat! Halleluja."

VAN BETT
O wie schön die Worte fliessen.
Wie ein Bächlein über Wiesen.

CHOR
Nun sprecht, wie haben wir gesungen,
Wie ist es uns gelungen,
Legen wir wohl Ehre ein?

VAN BETT
Köstlich habt ihr nun gesungen,
Endlich ist es euch gelungen.

CHOR
So werdet Ihr zufrieden sein?

VAN BETT
So werde ich zufrieden sein!

CHOR
So legen wir auch Ehre ein?

VAN BETT
So legt ihr grosse Ehre ein!

CHOR
Wir legen Ehre ein, das wird 'ne Freude sein!
Endlich ist es uns gelungen, und wir legen damit Ehre ein

VAN BETT
Wie so schön die Worte fliessen, wie ein Bächlein hin;
Gar nicht schwülstig, ganz natürlich,
Und der Stilus so ausführlich. ja, wir legen Ehre ein.

ALLE
"Du bist ein grosser Held, vivat hoch!«
Das wird 'ne grosse Freude sein,
Wir legen Ehre ein.

Alle wenden sich zum Gehen


ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Zar.

ZAR
Was geht denn hier vor?

VAN BETT
Was Euch nichts angeht, Ihr kecker Gesell. Binnen kurzem wird aber zwischen uns beiden etwas vorgehen, was Euch gar sehr angeht.

ZAR
Und das wäre?

VAN BETT
Sieh doch an, die liebe Unschuld, wie sie tut, als ware nichts vorgefallen. Ihr wisst doch, dassIhr mir einen Stoss versetzt habt?

ZAR
Ich, Herr Bürgermeister?

VAN BETT
Habt Ihr mir einen Stoss versetzt oder nicht?

ZAR
Ja, Herr Bürgermeister.

VAN BETT
Nun, das ist mir lieb -

ZAR
's ist gern geschehen.

VAN BETT
Ausreden lassen! Es ist mir lieb, dass Ihr es eingesteht. Hätte der fremde Gesandte nicht für Euch Kaution gestellt, so sässet Ihr in Ketten und Banden.Verstanden? Jetzt habe ich die Feierlichkeit im Kopf, aber in einer Stunde werdet Ihr Euch einfinden, dann geht das Verhör los.

ZAR
Aber ich wüsste nicht -

VAN BETT
Ich sage Euch, das Verhör geht los, und wisst Ihr, was ein Verhör zu bedeuten hat?

ZAR
So halb und halb.

VAN BETT
Das ist mir lieb. Quousque tandem abutere, Catilina, patientia nostra? Wisst Ihr, was das heisst?

ZAR
Nein.

VAN BETT
Das heisst: Das Verhör geht los. Kommt, meine Freunde!

Nr. 13 b - Refrain

ALLE
indem sie abgehen
"Du bist ein grosser Held, vivat hoch!"
Das wird 'ne Freude sein, wir legen Ehre ein.


DRITTER AUFTRITT
Zar allein

ZAR
Dummkopf! In einer Stunde kannst du dein Verhör auf offener See halten.


VIERTER AUFTRITT
Zar. Marie.

MARIE
Gut, dass ich Euch finde. Ihr spracht meinen Oheim; hat er Euch gesagt, wie es mit Iwanow steht?

ZAR
Soviel ich weiss, gut. Er ist auf freiem Fusse, wie ich.

MARIE
Das wusste ich wohl; der eine Herr Gesandte hat sich für euch beide verbürgt, aber wie steht es denn weiter mit ihm?

ZAR
Weiter? Soviel ich weiss, gut.

MARIE
Seid nicht so wortkarg; sagt mir, ist er denn wirklich -?

ZAR
Was?

MARIE
Der Kaiser von Moskau?

ZAR
Die Leute sagen es, und Ihr Oheim überhäuft ihn mit Ehrenbezeigungen, also muss es doch wohl wahr sein.

MARIE
verzweifelt
Also doch! Und so auf einmal! Ach, du lieber Himmel, was soll denn da aus mir werden? Als Kaiser kann er mich doch nicht heiraten.

ZAR
Möchten Sie nicht Kaiserin sein?

MARIE
Je nun, es mag wohl so übel nicht sein, wenn man sich gegenseitig recht lieb hat; ich habe aber immer gehört, bei den hohen Herren dauerte das nicht lange. Und was hätte ich denn von einem Manne, der den ganzen Tag regierte und sich gar nicht um mich bekümmerte.

ZAR
Was wäre denn da zu tun?

MARIE
Reden Sie ihm zu, dass er abdankt. Was hat er denn davon? Viele Menschen, die ihm den Kopf warm machen, viele Sorgen, Krieg das ganze Jahr, und am Ende kommt doch nichts dabei heraus.

ZAR
Wenn es aber das Wohl von vielen Tausenden gälte?

MARIE
nach einer Pause
Das ist etwas anderes. Mich freut es, wenn ich nur einen einzigen glücklich machen kann, und auf ihn warten Tausende - ja dann muss er folgen, aber, es wird mir das Herz brechen.
mit Tränen
Ach, nun fühl ich erst, wie lieb ich ihn habe. Aber wozu diese Mummerei? Warum kam er als Zimmergeselle, um sich meine Liebe zu erwerben, warum nicht gleich als Kaiser? Da wusste ich doch, woran ich war.

ZAR
Verhältnisse wahrscheinlich. jetzt ein ernstes Wort, liebe Marie. - Ihr Glück liegt mir am Herzen, und gelingt mein Plan, so führe ich Sie heute noch in Iwanows Arme.

MARIE
erfreut
In des Kaisers lwanow Arme?

ZAR
Gleichviel ob Kaiser oder nicht, genug, ich bewirke es, Sie werden seine Gattin.

MARIE
freudig
Wär's möglich - Sie könnten -
plötzlich ernst
Ach gehen Sie; Sie sind mir auch so ein Heimlicher, man weiss nie, was man aus Ihnen machen soll.

ZAR
Mögen Sie mich halten, wofür Sie wollen - mein Wort darauf, lwanow wird Ihr Mann.

MARIE
ausser sich vor Freude
Wenn das wahr würde, liebster Herr Michaelow, ich wollte Sie für den besten Menschen auf der Welt, für einen Engel wollte ich Sie halten. Aber täuschen Sie mich auch nicht? - Nein, Sie haben sich uns stets so treulich genähert ' Ahr biederer Sinn, Ihr gutes Herz hat uns so oft bewiesen, wie gut Sie es mit uns meinen - nein, Sie täuschen uns gewiss nicht, Sie haben zwei so ehrliche Augen. Ach, wäre Iwanow nur da, dass ich ihm unser Glück verkünden könnte! Meinen Oheim kriegen wir herum, das ist Nebensache; und wenn ich erst gewiss wüsste, dass Iwanow kein Kaiser ist, ich wollte vor Freude jauchzen, dass man es bis übers Meer hörte.

ZAR
Nur jetzt noch nicht.

MARIE
Ich werde ganz leise jauchzen. - Noch eins: weiss Iwan schon?

ZAR
Kein Wort. Er darf vor einer Stunde auch keine Silbe davon erfahren.

MARIE
Vor einer Stunde? Aber wie hängt denn das eigentlich zusammen?

ZAR
Das soll Ihnen nach Verlauf einer Stunde alles klarwerden. Für jetzt müssen Sie ihn als Kaiser behandeln, öffentlich wie unter vier Augen, das bedinge ich.

MARIE
Oh, ich werde nichts verraten. Wenn ich ihm begegne, werde ich sprechen: Haben Euer Majestät gut geschlafen, oder haben Euer Majestät heute viel zu regieren, kann ich helfen? Und wenn er mich dann staunend ansieht, dann werfe ich ihm einen Blick zu, so einen gewissen, den versteht er recht gut, und versteht er ihn nicht, so sage ich ihm -

ZAR
St! Kein Wort!

MARIE
Kein Wort, ich tue nur, als ob ich etwas sagte; aber wenn alles vorbei, wenn unser Glück entschieden ist, dann wird ihm gehörig der Text gelesen, weil er mich so geängstigt hat. Lebt wohl, lieber, lieber Michaelow, mögt Ihr nun sein, wer Ihr wollt, ich betrachte Euch als unsern Schutzgott!
herzlich
Für jetzt kann ich Euch nichts weiter bieten, als den Dank eines armen Mädchens, dessen Lebensglück Ihr gründen wollt,
heiter
für die Zukunft sollt Ihr ein Glied unserer Familie sein. Bei der Verlobung, bei der Trauung, bei der Hochzeit, bei -bei allem, was vorf ällt, sollt Ihr der erste sein.
Rasch ab


FÜNFTER AUFTRITT
Zar allein.

ZAR
Glückliche, beneidenswerte Menschen! Euch lächelt froh die Zukunft, wie in der Kindheit goldnen Tagen, wo noch kein Kummer die Seele drückt.

Nr. 14 - Lied

ZAR
Sonst spielt' ich mit Zepter, mit Krone und Stern;
Das Schwert schon als Kind, ach, ich schwang es so gern!
Gespielen und Diener bedrohte mein Blick;
Froh kehrt-' ich zum Schosse des Vaters zurück.
Und liebkosend sprach er: Lieb Knabe, bist mein!
O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

Nun schmückt mich die Krone, nun trag ich den Stern,
Das Volk, meine Russen, beglückt` ich so gern.
Ich führ sie zur Grösse, ich führ sie zum Licht,
Mein väterlich Streben erkennen sie nicht.
Umhüllet von Purpur nun steh ich allein -
O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

Und endet dies Streben und endet die Pein,
So setzt man dem Kaiser ein Denkmal von Stein.
Ein Denkmal im Herzen erwirbt er sich kaum,
Denn irdische Grösse erlischt wie im Traum.
Doch rufst du, Allgüt'ger: In Frieden geh ein!"
So werd ich beseligt dein Kind wieder sein.

Er geht ab.


SECHSTER AUFTRITT
Iwanow allein.

IWANOW
ihm nachrufend
Michaelow! - Er hört nicht! Rätselhafter Mensch, bald fange auch ich an, mich vor ihm zu scheuen. Zwar wenn ich's recht bedenke, was wollen denn die Menschen aus mir machen? Der Bürgermeister nennt mich Majestät, man huldigt mir, gibt mir Ehrenwachen, und wenn ich frage, was das bedeutet, so hüllen sich alle in ein geheimnisvolles Schweigen. je nun, mir ist alles recht , und nebenbei habe ich von dem närrischen Zeuge wenigstens den Nutzen, dass ich nicht an meinen Obersten ausgeliefert werde.


SIEBENTER AUFTRITT
Iwanow. Marie.

MARIE
Noch eine Frage, Herr Michaelow - wie - du bist es?
sich fassend
Euer Majestät sind es?

IWANOW
Sieh da, Marie, was willst du denn hier?

Nr. 15 - Duett

MARIE
Darf eine niedre Magd es wagen,
Sich Eurer Majestät zu nahn?
Ich wollte untertänigst fragen,
Ob Sie Herrn Michaelow sahn?

IWANOW
Hör auf, Marie, lass die Possen,
Ich bin ja keine Majestät.
Es hat mich lange schon verdrossen,
Dass man mich mit Gewalt erhöht!

MARIE
O Majestät sind zu bescheiden,
Ich weiss es besser, wer Sie sind.

IWANOW
Dann bist du zu beneiden! Wer bin ich? Sag es mir geschwind!

MARIE
sich vergessend
Du bist ein Spitzbub!

IWANOW
Ich, Marie?

MARIE
Was tu ich!

IWANOW
Meinst du dein Herz, ja allerdings,
Dein Herz, das stahl ich dir.

MARIE
für sich
Herrgott, es ist ja viel zu frühe,
Michaelow verbot es mir.

IWANOW
Du hast mich zum besten, gleich gib mir Kunde,
Wer konnte wohl unser Fürsprecher sein?

MARIE
Ich bleibe stumm und vor einer Stunde
Lass ich mich in keine Erklärung ein.

IWANOW
Das ist mir zu bunt.

MARIE
Er will mich fangen.

IWANOW
Sie hat mich zum besten.

MARIE
Er ärgert sich, er ärgert sich fürchterlich. -
Wenn Euer Majestät verlangen,
So bin ich so frei und empfehle mich.

IWANOW
So geh nur.

MARIE
Das tu ich.

IWANOW
In Gottes Namen.

MARIE
Empfehl mich.

IWANOW
Diener!

MARIE
Das klingt sehr galant.
Majestät gehen wohl sehr viel um mit Damen?

IWANOW
trotzig
Sehr viel; das tu ich, hab ich stets getan.

MARIE
sich vergessend, will auf ihn los
Du!

IWANOW
Was gibt's?

MARIE
fasst sich, beiseite
Da seht doch, da seht doch den Duckmäuser an!

BEIDE
Wart nur! Später werd ich's dir gedenken,
Was ich jetzt leide; die Spielerei
Werd ich dir niemals schenken.
Wart nur! Ist nur die Stunde erst vorbei;
Teuer sollst du mir bezahlen,
Darauf setze ich mein Leben ein;
Und sollte auch das Ende unsrer vielen Qualen
Der Anfang des Glückes sein.

IWANOW
für sich
Ich soll durchaus den Herrscher spielen,
Ich mag nun wollen oder nicht,
Wohlan, nun soll sie einmal fühlen,
Wie's tut, wenn man mit einem spricht.
laut
Jungfrau Marie!

MARIE
Sie befehlen?

IWANOW
Man geht hinaus!

MARIE
Sieh einmal an.

IWANOW
Jungfrau Marie!

MARIE
Sie befehlen?

IWANOW
Man bleibt!

MARIE
beiseite
Der Grobian!

IWANOW
Jungfrau Marie!

MARIE
ungeduldig
Ja, so heiss ich,
Was steht denn eigentlich noch zu Gebot?

IWANOW
mit komischer Gravität
Wir sind der Kaiser.

MARIE
Ei ja, das weiss ich.

IWANOW
Und was für einer, sapperlot!
Drum wollt' Euch unserm Willen fügen,
Wir bieten gnäd'gen Kuss Euch an.

MARIE
ihn foppend
Der Herr Franzos' küsst mich mit vielem Vergnügen, 's ist überhaupt ein feiner Mann.

IWANOW
seine Würde vergessend, will auf sie zu
Du!

MARIE
Majestät?

IWANOW
fasst sich, für sich
Da seht doch, da seht doch die Duckmäusrin an.

BEIDE
Wart nur! Später werd ich's dir gedenken, Was ich jetzt leide; die Spielerei Werd ich dir niemals schenken. Wart nur! Ist nur die Stunde erst vorbei; Teuer sollst du mir bezahlen, Darauf setze ich mein Leben ein; Und sollte auch das Ende unsrer vielen Qualen Der Anfang des Glückes sein.

MARIE
geht ab

IWANOW
will sich nach der andern Seite entfernen

ZAR
tritt ihm entgegen.


ACHTER AUFTRITT
Zar. Iwanow.

ZAR
lebhaft
Das ist zum Rasendwerden! Der Hafen ist gesperrt. Selbst der Kapitän, der mich führen sollte -

IWANOW
Ei, Michaelow, du kommst mir wie gerufen.

ZAR
Nun?

IWANOW
Weisst du wohl, dass deine Freiheit bedroht ist? Die Leute wollen nämlich mit aller Gewalt in uns beiden einen Ausreisser und einen Zaren finden. Da sie mich nun alle für den Zaren nehmen, so musst du der Ausreisser sein.

ZAR
Die Leute sind alle toll. Doch sei es, wie es sei, noch in dieser Stunde muss ich fort.

IWANOW
Also ist die Sache so ernsthaft?

ZAR
Meine Ehre, mein Leben steht auf dem Spiel.

IWANOW
Wenn's so ist, muss sich meine Majestät ins Mittel schlagen. - Da -
er zieht ein Papier hervor
lies, ich ernenne dich zu meinem Geheimsekretär und nehme dich mit auf meiner Jacht.

ZAR
Was seh ich? Wie kamst du zu diesen Papieren?

IWANOW
Lieber Gott, wie eine Majestät zu so etwas kommen kann. Ich begegnete vorhin dem englischen Lord; er versichert mir, meine Feinde wären darauf bedacht, mich hier in Saardam festzuhalten, gibt mir diesen Pass, bietet mir eine Jacht, Matrosen, Geld - ich begreife nichts von allem, das tut aber nichts, er hat es zu verantworten.

ZAR
nachdem er gelesen
Herrlich! Wir sind gerettet!

IWANOW.
Ganz gewiss!

ZAR
Ich nehme dich mit, wenn du willst.

IWANOW
Wie kommst du mir denn vor? Ich nehme dich mit, wenn du es erlaubst.

ZAR
Einerlei - wir reisen noch in dieser Stunde.

IWANOW
Nicht einerlei. Was soll denn aus Marie werden?

ZAR
Für euch ist gesorgt. Nimm dies versiegelte Papier und gelobe mir, es vor einer Stunde nicht zu öffnen.

IWANOW
Kommst du mir auch mit der Stunde? Da mach ich kurzen Prozess.
Er will das Papier öffnen.

ZAR
reisst es ihm aus der Hand
Halt! Nicht eher, als bis ich auf off ner See bin.

IWANOW
Ich denke, wir reisen zusammen -

ZAR
Oder bis wir uns getrennt - diese Schrift enthält dein Glück.

IWANOW
Du begründest mein Glück? Ich werde immer konfuser.

ZAR
Du willst nicht -?
Er will gehen.

IWANOW
schnell
Versteht sich. Her mit dem Glück!

ZAR
Du gelobst mir auch, dies Papier nicht eher zu erbrechen -

IWANOW
Als bis eine Stunde vorüber, das ist eine alte Geschichte. jetzt gib mir aber auch den Pass.
Er nimmt die Schrift

ZAR
Den empfängst du später.

IWANOW
Aber Michaelow!

ZAR
zornig
Gehorche!

IWANOW
Was Teufel!


NEUNTER AUFTRITT
Marquis. Lefort. Zar. Iwanow.

Nr. 16 - Finale

Quartett

ZAR
Marquis und Lefort beiseite ziehend
Freunde, hört, das Mittel ist gefunden,
Das alsbald uns nun von dannen bringt. ,
Seht diesen Pass, wir sind in wenig Stunden ,
Schon weit von hier.

MARQUIS und LEFORT
Wohl Euch, wenn es gelingt;
Doch dem Zar zu huld'gen naht die Menge
In hoher.Feier diesem Ort.

ZAR
Zustatten kommt uns dies Gedränge,
Leise schleichen wir uns fort.

IWANOW
beiseite
Was soll ich von dem allen glauben,
Warum verstehen sie sich gleich?
Will man mir nieine Freiheit rauben?
Das wäre ein verwünschter Streich.

MARQUIS und LEFORT
zu Iwanow
Wenn Euer Majestät befehlen,
So gehen wir.

IWANOW
Was heisst denn das?

MARQUIS und LEFORT
Wir werden andre Zeit erwählen.

IWANOW
Was? Andre Zeit? Gib mir den Pass!

ZAR
Den Pass erhältst du ohne Zweifel,
Sobald es Zeit und Stunde ist.

IWANOW
zornig
Hol alle Stunden doch der Teufel,
Ich bin ein Opfer seiner List.

ZAR, MARQUIS und LEFORT
Armer Schelm, er weiss es nicht zu deuten,
Was uns allen Heil und Nutzen bringt.
Diese List wird uns ans Ziel geleiten,
Gib, o Himmel, dass sie uns gelingt!
Während friedlich unterm Sternenbogen


Der
NEUNTE AUFTRITT
wird gewöhnlich fortgelassen, und das


Finale
beginnt mit dem Auftritt des

CHORS
Alles schlummert schon in süsser Ruh,
Eilen wir auf raschen Wogen
Einem teuren Lande zu.

IWANOW
Nein, bei Gott, ich weiss es nicht zu deuten,
Dass man mich um meine Freiheit bringt.
Dies der Zweck von seinen Heimlichkeiten,
Gib, o Himmel, dass es nicht gelingt.
Während unterm Sternenbogen
Alles schlummert schon in süsser Ruh,
Eile ich auf raschen Wogen
Mit Marie einem fernen, teuren Lande zu.

ZAR, MARQUIS und LEFORT
gehen ab


ZEHNTER AUFTRITT
Ein Fahnenträger eröffnet den Zug; ihm folgen sechs kleine Mädchen in Nationaltracht, dann zwei Männer, die einen mit Blumen gezierten, thronartig gestalteten Sitz tragen, welchen sie im Vordergrunde auf einigen sich dort befindlichen Stufen niedersetzen. van Bett mit den Ratsherren paarweise, vor jedem Paar wieder ein Fahnen träger; dann Marie und Meisterin Browe mit dem Chor der Mädchen und Frauen, ihnen folgen die Männer paarweise. Der Zug geht um die ganze Bühne und stellt sich dann zu beiden Seiten im Hintergrunde auf. Wenn derZug steht, will sich Iwanow, der sich staunend im Vordergrund aufhielt, entfernen; auf einen Wink des Bürgermeisters umringen ihn die kleinen Mädchen und ziehen den sich Sträubenden zum Sitz.

CHOR
Schmücket mit Kränzen und Blumen die Halle,
Singt, ihn zu ehren, ein heiteres Lied,
Dass es dem grossen Monarchen gefalle
Und dass er unsre Freude sieht.
Mög' er länger noch bei uns verweilen
Und wie sonst unsre Freuden teilen!
Jauchzet hoch auf, es lebe der Mann,
Der unbekannt aller Herzen gewann!

VAN BETT
Möcht' es, grosser Held, dir gefallen,
Fröhlichen Tänzen dein Auge zu leihn,
Würd' es uns Hochbeglückten allen
Ein ganz besondres Vergnügen sein.

IWANOW
nickt

VAN BETT
gibt ein Zeichen

Ballett
Nationaltanz mit Holzschuhen

VAN BETT
nachdem der Tanz zu Ende
Erhabner Held, die Römer und Griechen
Opferten Tiere bei jeglichem Fest!
Wir konnten keinen Ochsen kriegen,
Der sich so etwas gefallen lässt.
Auch ist bekannt, dass solch ein Ergötzen
Sich für die heutige Zeit nicht mehr passt;
Diesen Mangel nun zu ersetzen,
Gab ich mich her und habe zierliche Reime verfasst.

Er stellt die Personen zum Gesang auf.

MARIE
steht Iwanow zur Seite und flüstert ihm zu
Zage nicht, nah sind wir dem Ziel,
Und eine frohe Zukunft lacht.

IWANOW
's wäre Zeit, dass dem närr'schen Spiel
Ein bald'ges Ende würd' gemacht.

MARIE
Ja, unsre Wünsche krönt ein gütiges Geschick.

IWANOW
Sieh dies Papier, es enthält unser Glück.

VAN BETT
Dass ihr mir die Verse nicht zerstückelt,
Im Flusse muss das Ganze gehn.

MARIE
zu Iwanow
Unser Glück ist in Papier gewickelt?
Ei, ei, wie soll ich das verstehn?

IWANOW
Mein Kind, das sollst du nun bald sehn.

VAN BETT
ist mit dem Ordnen fertig
"Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen.
Es ist schon lange her."

CHOR
,Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen.
Es ist schon lange her.
Aus vollem Herzen rufen wir:
Heil uns, der Zar ist da!"

EIN RATSDIENER
kommt eilig und flüstert dem Bürgermeister etwas ins Ohr.

VAN BETT
Ei was, jetzt kann mich niemand sprechen,
Meinen Vortrag unterbrechen
Kann ich nun und nimmermehr.

RATSDIENER
geht ab

CHOR und VAN BETT
"Du bist ein grosser Held, vivat!
Kanonenschüsse und Lärm von aussen
Welch Geräusch! Was gibt's?
Wer stört des Tages Feier?

RATSDIENER
stürzt herein und spricht
Der Hafen ist geöffnet. Peter Michaelow an der Spitze einer grossen Mannschaft will soeben auslaufen.

VAN BETT
Ha, Verrat!

CHOR
Ha, Verrat!

VAN BETT
Welch höllisches Komplott!

CHOR
Ein Komplott?

VAN BETT
Rebellion!

CHOR
Was soll das wohl bedeuten?

VAN BETT und CHOR
Greifet alle zu den Waff en,
Diesen Frevel zu bestrafen
Sei nun meine / Eure erste Pflicht.
van Bett erteilt im Hintergrunde Befehle. Mehrere eilen hinaus, allgemeine Bewegung.

MARIE und IWANOW
im Vordergrunde
So hat er uns betrogen
Und Freundschaft nur gelogen,
Unsre Hoffnung ist dahin.

MARIE
Doch die Schrift, die du empfangen,
Wohl zu seinen Gunsten spricht.

IWANOW
Gern erfüll ich dein Verlangen,
Ihn verteid'gen wird sie nicht.

VAN BETT
öffnet dieses Saales Türen,
Die zunächst zum Hafen führen.

IWANOW
hat die Schrift gelesen und spricht
Heiliger Nikolaus, was sehen meine Augen?

ALLE
Was geschieht? Was ergreift die Majestät?

IWANOW
spricht
Peter Michaelow, er ist der Zar!
Da steht es.
Er liest
"Hiermit gebe ich meine Einwilligung zur Verheiratung des Kaiserlichen Oberaufsehers Peter Iwanow mit der Nichte des schwachköpfigen –"

VAN BETT
spricht
An diesen huldreichen Gesinnungen erkenn ich den Zaren.


ELFTER AUFTRITT
In diesem Augenblick wurden die hintern Vorhänge geöffnet; man erblickt den Hafen. In der Mitte auf einer Jacht steht der Zar (als Zar gekleidet), umgeben von Lefort, Marquis und Offizieren.

VAN BETT
sieht sich um und ruft
Da steht er! - Der muss es sein.

Die Musik fällt rauschend ein.

ALLE
rufen
Es lebe der Zar!

ZAR
auf dem Schiffe
So scheid ich denn von euch im Hochgefühle,
Dass eure Liebe meinen Namen nennt.
Mich ruft die ernste Pflicht zum höhern Ziele!
Doch wenn auch fernes Land und Meer uns trennt:
Ihr denkt freundlich dann an den Zimmermann!
Lebt wohl!
Kühn mög' euer Fleiss mit kräft'gem Arm manchen Bau noch vollenden
Stolze Schiffe sollen meiner Huld gnäd'ge Grüsse euch senden.

ALLE
Kann uns auch dein Lied nicht mehr erfreun,
Soll dein Name doch uns Leitstern sein!
Über Land und Meer tön' es hinaus:
Heil dem Zar und seinem Haus!

Gegen das Ende eilen Iwanow und Marie zum Schiff und knien nieder.
Van Bett sammelt einige der im Vordergrund Stehenden, um seine Kantate zu beginnen.
Trommeln wirbeln, Matrosen erklettern die Mastbäume, Glocken läuten, Kanonen werden gelöst.
DRITTER AKT

Grosse Halle im Stadthause zu Saardam
Den Hintergrund bildet ein durch einen Vorhang geschlossener grosser Bogen.

ERSTER AUFTRITT
van Bett gravitätisch auftretend und sinnend rund um die Halle schreitend; ihm dicht auf der Ferse folgt ein Ratsdiener, welcher eine Menge Notenblätter trägt; dann treten junge Mädchen und Burschen, ihn begrüssend, ein.

Nr. 13 a - Ensemble

VAN BETT
zum Chor
Den hohen Herrscher würdig zu empfangen,
Beschied ich, meine Freunde, euch allesamt hierher.
Es sollen Worte ihm zum Ohr gelangen,
Wie er auf dieser Welt vernimmt sie nimmermehr.
Worte voll Salbung, voll Demut und Moral,
Und Schmeicheleien ohne Zahl.

CHOR
Lasst doch hören, lasst doch hören!
Alle sind wir gern bereit,
Einen Kaiser hoch zu ehren,
Der uns seine Liebe weiht.
Doch wir möchten gerne wissen,
Wer der grosse Herrscher ist,
Wenn wir ihn empfangen müssen,
Sprecht, wie heisst er?

VAN BETT
Nun so wisst: 's ist der Kaiser aller Reussen.

CHOR
Aller Reussen?

VAN BETT
Oder Russen, wie ihr wollt.
Peter lwanow hat er geheissen,
Dem man jetzt so hohe Ehre zollt.

CHOR
Iwanow, der Zimmermann?

VAN BETT
Das war sein Privatvergnügen
Höhern Pflichten zu genügen,
Er den schlauen Plan ersann.
Lasset ohne Zeitverlieren
Die Kantate uns probieren,
Die zu anderm Zwecke zwar verfasst,
Sich jedoch hierher grad' passt.

CHOR
Her die Noten!

VAN BETT
Nur Geduld!
Die Worte sind von mir verfasst,
In einer schönen Stunde;
Doch bin ich nur Poet, nicht Musiker, aus diesem Grunde
Erfand mein Freund, der Kantor, mir, auf dass es wirksam sei,
Zu diesen schönen Worten eine zarte Melodei.
Den Solosang wird' ich mit Kraft und Grazie vollführen.
Ihr sollt den Chor mit Präzision riskieren!
Da in der Kirche ihr perfekt von Noten singt,
So ist es ganz natürlich, dass es hier euch auch gelingt.

CHOR
Her die Noten, Ihr sollt sehen,
Dass wir uns darauf verstehen.

RATSDIENER
verteilt die Noten und stellt alle in einem Halbkreis auf

VAN BETT
Nehmt die Noten!

CHOR
Mir her!
Sie greifen danach

VAN BETT
Und Ruhe dann.

CHOR
Mir her!

VAN BETT
Jetzt fang ich mein Solo an:
Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen."
Dideldum. - Das ist das Zwischenspiel. -
"Es ist schon lange her,
Wir alle können uns nicht mehr darauf besinnen",
Dideldum!
"Das freut uns um so mehr.
Aus vollem Herzen rufen wir: Heil uns, der Zar ist da!
Du bist ein grosser Held! Vivat! Halleluja!"
O wie schön die Worte fliessen.
Wie ein Bächlein über Wiesen;
Gar nicht schwülstig, ganz natürlich,
Und der Stilus so ausführlich.
Jeder Redesatz korrekt,
Das macht sicherlich Effekt.

CHOR
Ja, wenn wir alle erst es wissen,
Macht es sicherlich Effekt.

VAN BETT
Aufgepasst! Schärfet alle Aug und Ohr,
Denn noch einmal trage ich die Stelle vor.

CHOR
Aufgepasst! Schärfet alle Aug und Ohr,
Denn noch einmal trägt er jetzt die Stelle vor

VAN BETT
Ruhe, schwatzt mir nicht so viel
Und habt acht aufs Zwischenspiel

CHOR
"Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen,
Dideldum -

VAN BETT
ihnen nachäffend
Dideldum! - Dideldum ist kein Gesang;
Es ist, ich sagte es euch schon,
Nur Instrumentenreflexion.

CHOR
Aha! Es ist nur Reflexion.

VAN BETT
Hört mich an, es ist nicht schwer,
Und dann schreit mir nicht so sehr.
Reisst.die Mäuler nicht so weit,
Sonst wird-s nichts in Ewigkeit.
"Heil sei dem Tag, an welchem du

CHOR
"Heil sei dem Tag-"

VAN BETT
Das ist zu hoch! Halt!

CHOR
"Heil sei dem Tag -"

VAN BETT
Das ist zu tief - schweigt still! Ruhe!

CHOR
"An welchem du bei uns erschienen."

VAN BETT
Hört mich doch an1

DIE MÄDCHEN
unter sich zankend
Du hast gefehlt, ich war ganz recht.

VAN BETT
Halt't eure Mäuler!

DIE MÄDCHEN
Ich singe gut, du triffst so schlecht.

VAN BETT
Wollt ihr schweigen!

CHOR
Ihr sollt jetzt entscheiden, wer von uns gefehlt.

ALLE
umringen van Bett und schreien ihm in die Ohren
"Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen!"

VAN BETT
Euer Singsang ist ein Graus.
Reisst der Zar sich vor Entsetzen
Lieber alle Haare aus.

DIE MÄDCHEN
Besser wird es uns gelingen,
Wenn wir ganz alleine singen,
Denn wenn Ihr dazwischen schreit,
Wird es nichts in Ewigkeit.

VAN BETT
Darin bin ich eurer Meinung,
Jeder singe, wie er kann;
Fanget ohne meine Leitung
Noch einmal von vorne an.

CHOR
der sich wieder im Halbkreis aufgestellt hat
"Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen."

VAN BETT
Jetzt tacet für den Chor

CHOR
"Es ist schon lange her."

VAN BETT
Bravo!

CHOR
"Wir alle können uns nicht mehr darauf besinnen."

VAN BETT
St!

CHOR
Das freut uns um so mehr.
Aus vollem Herzen rufen wir:"

VAN BETT
soufflierend
Heil uns, der Zar -

CHOR
"Heil uns, der Zar ist da."

VAN BETT
Schön, schön!

CHOR
"Du bist ein grosser Held! Vivat! Halleluja."

VAN BETT
O wie schön die Worte fliessen.
Wie ein Bächlein über Wiesen.

CHOR
Nun sprecht, wie haben wir gesungen,
Wie ist es uns gelungen,
Legen wir wohl Ehre ein?

VAN BETT
Köstlich habt ihr nun gesungen,
Endlich ist es euch gelungen.

CHOR
So werdet Ihr zufrieden sein?

VAN BETT
So werde ich zufrieden sein!

CHOR
So legen wir auch Ehre ein?

VAN BETT
So legt ihr grosse Ehre ein!

CHOR
Wir legen Ehre ein, das wird 'ne Freude sein!
Endlich ist es uns gelungen, und wir legen damit Ehre ein

VAN BETT
Wie so schön die Worte fliessen, wie ein Bächlein hin;
Gar nicht schwülstig, ganz natürlich,
Und der Stilus so ausführlich. ja, wir legen Ehre ein.

ALLE
"Du bist ein grosser Held, vivat hoch!«
Das wird 'ne grosse Freude sein,
Wir legen Ehre ein.

Alle wenden sich zum Gehen


ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Zar.

ZAR
Was geht denn hier vor?

VAN BETT
Was Euch nichts angeht, Ihr kecker Gesell. Binnen kurzem wird aber zwischen uns beiden etwas vorgehen, was Euch gar sehr angeht.

ZAR
Und das wäre?

VAN BETT
Sieh doch an, die liebe Unschuld, wie sie tut, als ware nichts vorgefallen. Ihr wisst doch, dassIhr mir einen Stoss versetzt habt?

ZAR
Ich, Herr Bürgermeister?

VAN BETT
Habt Ihr mir einen Stoss versetzt oder nicht?

ZAR
Ja, Herr Bürgermeister.

VAN BETT
Nun, das ist mir lieb -

ZAR
's ist gern geschehen.

VAN BETT
Ausreden lassen! Es ist mir lieb, dass Ihr es eingesteht. Hätte der fremde Gesandte nicht für Euch Kaution gestellt, so sässet Ihr in Ketten und Banden.Verstanden? Jetzt habe ich die Feierlichkeit im Kopf, aber in einer Stunde werdet Ihr Euch einfinden, dann geht das Verhör los.

ZAR
Aber ich wüsste nicht -

VAN BETT
Ich sage Euch, das Verhör geht los, und wisst Ihr, was ein Verhör zu bedeuten hat?

ZAR
So halb und halb.

VAN BETT
Das ist mir lieb. Quousque tandem abutere, Catilina, patientia nostra? Wisst Ihr, was das heisst?

ZAR
Nein.

VAN BETT
Das heisst: Das Verhör geht los. Kommt, meine Freunde!

Nr. 13 b - Refrain

ALLE
indem sie abgehen
"Du bist ein grosser Held, vivat hoch!"
Das wird 'ne Freude sein, wir legen Ehre ein.


DRITTER AUFTRITT
Zar allein

ZAR
Dummkopf! In einer Stunde kannst du dein Verhör auf offener See halten.


VIERTER AUFTRITT
Zar. Marie.

MARIE
Gut, dass ich Euch finde. Ihr spracht meinen Oheim; hat er Euch gesagt, wie es mit Iwanow steht?

ZAR
Soviel ich weiss, gut. Er ist auf freiem Fusse, wie ich.

MARIE
Das wusste ich wohl; der eine Herr Gesandte hat sich für euch beide verbürgt, aber wie steht es denn weiter mit ihm?

ZAR
Weiter? Soviel ich weiss, gut.

MARIE
Seid nicht so wortkarg; sagt mir, ist er denn wirklich -?

ZAR
Was?

MARIE
Der Kaiser von Moskau?

ZAR
Die Leute sagen es, und Ihr Oheim überhäuft ihn mit Ehrenbezeigungen, also muss es doch wohl wahr sein.

MARIE
verzweifelt
Also doch! Und so auf einmal! Ach, du lieber Himmel, was soll denn da aus mir werden? Als Kaiser kann er mich doch nicht heiraten.

ZAR
Möchten Sie nicht Kaiserin sein?

MARIE
Je nun, es mag wohl so übel nicht sein, wenn man sich gegenseitig recht lieb hat; ich habe aber immer gehört, bei den hohen Herren dauerte das nicht lange. Und was hätte ich denn von einem Manne, der den ganzen Tag regierte und sich gar nicht um mich bekümmerte.

ZAR
Was wäre denn da zu tun?

MARIE
Reden Sie ihm zu, dass er abdankt. Was hat er denn davon? Viele Menschen, die ihm den Kopf warm machen, viele Sorgen, Krieg das ganze Jahr, und am Ende kommt doch nichts dabei heraus.

ZAR
Wenn es aber das Wohl von vielen Tausenden gälte?

MARIE
nach einer Pause
Das ist etwas anderes. Mich freut es, wenn ich nur einen einzigen glücklich machen kann, und auf ihn warten Tausende - ja dann muss er folgen, aber, es wird mir das Herz brechen.
mit Tränen
Ach, nun fühl ich erst, wie lieb ich ihn habe. Aber wozu diese Mummerei? Warum kam er als Zimmergeselle, um sich meine Liebe zu erwerben, warum nicht gleich als Kaiser? Da wusste ich doch, woran ich war.

ZAR
Verhältnisse wahrscheinlich. jetzt ein ernstes Wort, liebe Marie. - Ihr Glück liegt mir am Herzen, und gelingt mein Plan, so führe ich Sie heute noch in Iwanows Arme.

MARIE
erfreut
In des Kaisers lwanow Arme?

ZAR
Gleichviel ob Kaiser oder nicht, genug, ich bewirke es, Sie werden seine Gattin.

MARIE
freudig
Wär's möglich - Sie könnten -
plötzlich ernst
Ach gehen Sie; Sie sind mir auch so ein Heimlicher, man weiss nie, was man aus Ihnen machen soll.

ZAR
Mögen Sie mich halten, wofür Sie wollen - mein Wort darauf, lwanow wird Ihr Mann.

MARIE
ausser sich vor Freude
Wenn das wahr würde, liebster Herr Michaelow, ich wollte Sie für den besten Menschen auf der Welt, für einen Engel wollte ich Sie halten. Aber täuschen Sie mich auch nicht? - Nein, Sie haben sich uns stets so treulich genähert ' Ahr biederer Sinn, Ihr gutes Herz hat uns so oft bewiesen, wie gut Sie es mit uns meinen - nein, Sie täuschen uns gewiss nicht, Sie haben zwei so ehrliche Augen. Ach, wäre Iwanow nur da, dass ich ihm unser Glück verkünden könnte! Meinen Oheim kriegen wir herum, das ist Nebensache; und wenn ich erst gewiss wüsste, dass Iwanow kein Kaiser ist, ich wollte vor Freude jauchzen, dass man es bis übers Meer hörte.

ZAR
Nur jetzt noch nicht.

MARIE
Ich werde ganz leise jauchzen. - Noch eins: weiss Iwan schon?

ZAR
Kein Wort. Er darf vor einer Stunde auch keine Silbe davon erfahren.

MARIE
Vor einer Stunde? Aber wie hängt denn das eigentlich zusammen?

ZAR
Das soll Ihnen nach Verlauf einer Stunde alles klarwerden. Für jetzt müssen Sie ihn als Kaiser behandeln, öffentlich wie unter vier Augen, das bedinge ich.

MARIE
Oh, ich werde nichts verraten. Wenn ich ihm begegne, werde ich sprechen: Haben Euer Majestät gut geschlafen, oder haben Euer Majestät heute viel zu regieren, kann ich helfen? Und wenn er mich dann staunend ansieht, dann werfe ich ihm einen Blick zu, so einen gewissen, den versteht er recht gut, und versteht er ihn nicht, so sage ich ihm -

ZAR
St! Kein Wort!

MARIE
Kein Wort, ich tue nur, als ob ich etwas sagte; aber wenn alles vorbei, wenn unser Glück entschieden ist, dann wird ihm gehörig der Text gelesen, weil er mich so geängstigt hat. Lebt wohl, lieber, lieber Michaelow, mögt Ihr nun sein, wer Ihr wollt, ich betrachte Euch als unsern Schutzgott!
herzlich
Für jetzt kann ich Euch nichts weiter bieten, als den Dank eines armen Mädchens, dessen Lebensglück Ihr gründen wollt,
heiter
für die Zukunft sollt Ihr ein Glied unserer Familie sein. Bei der Verlobung, bei der Trauung, bei der Hochzeit, bei -bei allem, was vorf ällt, sollt Ihr der erste sein.
Rasch ab


FÜNFTER AUFTRITT
Zar allein.

ZAR
Glückliche, beneidenswerte Menschen! Euch lächelt froh die Zukunft, wie in der Kindheit goldnen Tagen, wo noch kein Kummer die Seele drückt.

Nr. 14 - Lied

ZAR
Sonst spielt' ich mit Zepter, mit Krone und Stern;
Das Schwert schon als Kind, ach, ich schwang es so gern!
Gespielen und Diener bedrohte mein Blick;
Froh kehrt-' ich zum Schosse des Vaters zurück.
Und liebkosend sprach er: Lieb Knabe, bist mein!
O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

Nun schmückt mich die Krone, nun trag ich den Stern,
Das Volk, meine Russen, beglückt` ich so gern.
Ich führ sie zur Grösse, ich führ sie zum Licht,
Mein väterlich Streben erkennen sie nicht.
Umhüllet von Purpur nun steh ich allein -
O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!

Und endet dies Streben und endet die Pein,
So setzt man dem Kaiser ein Denkmal von Stein.
Ein Denkmal im Herzen erwirbt er sich kaum,
Denn irdische Grösse erlischt wie im Traum.
Doch rufst du, Allgüt'ger: In Frieden geh ein!"
So werd ich beseligt dein Kind wieder sein.

Er geht ab.


SECHSTER AUFTRITT
Iwanow allein.

IWANOW
ihm nachrufend
Michaelow! - Er hört nicht! Rätselhafter Mensch, bald fange auch ich an, mich vor ihm zu scheuen. Zwar wenn ich's recht bedenke, was wollen denn die Menschen aus mir machen? Der Bürgermeister nennt mich Majestät, man huldigt mir, gibt mir Ehrenwachen, und wenn ich frage, was das bedeutet, so hüllen sich alle in ein geheimnisvolles Schweigen. je nun, mir ist alles recht , und nebenbei habe ich von dem närrischen Zeuge wenigstens den Nutzen, dass ich nicht an meinen Obersten ausgeliefert werde.


SIEBENTER AUFTRITT
Iwanow. Marie.

MARIE
Noch eine Frage, Herr Michaelow - wie - du bist es?
sich fassend
Euer Majestät sind es?

IWANOW
Sieh da, Marie, was willst du denn hier?

Nr. 15 - Duett

MARIE
Darf eine niedre Magd es wagen,
Sich Eurer Majestät zu nahn?
Ich wollte untertänigst fragen,
Ob Sie Herrn Michaelow sahn?

IWANOW
Hör auf, Marie, lass die Possen,
Ich bin ja keine Majestät.
Es hat mich lange schon verdrossen,
Dass man mich mit Gewalt erhöht!

MARIE
O Majestät sind zu bescheiden,
Ich weiss es besser, wer Sie sind.

IWANOW
Dann bist du zu beneiden! Wer bin ich? Sag es mir geschwind!

MARIE
sich vergessend
Du bist ein Spitzbub!

IWANOW
Ich, Marie?

MARIE
Was tu ich!

IWANOW
Meinst du dein Herz, ja allerdings,
Dein Herz, das stahl ich dir.

MARIE
für sich
Herrgott, es ist ja viel zu frühe,
Michaelow verbot es mir.

IWANOW
Du hast mich zum besten, gleich gib mir Kunde,
Wer konnte wohl unser Fürsprecher sein?

MARIE
Ich bleibe stumm und vor einer Stunde
Lass ich mich in keine Erklärung ein.

IWANOW
Das ist mir zu bunt.

MARIE
Er will mich fangen.

IWANOW
Sie hat mich zum besten.

MARIE
Er ärgert sich, er ärgert sich fürchterlich. -
Wenn Euer Majestät verlangen,
So bin ich so frei und empfehle mich.

IWANOW
So geh nur.

MARIE
Das tu ich.

IWANOW
In Gottes Namen.

MARIE
Empfehl mich.

IWANOW
Diener!

MARIE
Das klingt sehr galant.
Majestät gehen wohl sehr viel um mit Damen?

IWANOW
trotzig
Sehr viel; das tu ich, hab ich stets getan.

MARIE
sich vergessend, will auf ihn los
Du!

IWANOW
Was gibt's?

MARIE
fasst sich, beiseite
Da seht doch, da seht doch den Duckmäuser an!

BEIDE
Wart nur! Später werd ich's dir gedenken,
Was ich jetzt leide; die Spielerei
Werd ich dir niemals schenken.
Wart nur! Ist nur die Stunde erst vorbei;
Teuer sollst du mir bezahlen,
Darauf setze ich mein Leben ein;
Und sollte auch das Ende unsrer vielen Qualen
Der Anfang des Glückes sein.

IWANOW
für sich
Ich soll durchaus den Herrscher spielen,
Ich mag nun wollen oder nicht,
Wohlan, nun soll sie einmal fühlen,
Wie's tut, wenn man mit einem spricht.
laut
Jungfrau Marie!

MARIE
Sie befehlen?

IWANOW
Man geht hinaus!

MARIE
Sieh einmal an.

IWANOW
Jungfrau Marie!

MARIE
Sie befehlen?

IWANOW
Man bleibt!

MARIE
beiseite
Der Grobian!

IWANOW
Jungfrau Marie!

MARIE
ungeduldig
Ja, so heiss ich,
Was steht denn eigentlich noch zu Gebot?

IWANOW
mit komischer Gravität
Wir sind der Kaiser.

MARIE
Ei ja, das weiss ich.

IWANOW
Und was für einer, sapperlot!
Drum wollt' Euch unserm Willen fügen,
Wir bieten gnäd'gen Kuss Euch an.

MARIE
ihn foppend
Der Herr Franzos' küsst mich mit vielem Vergnügen, 's ist überhaupt ein feiner Mann.

IWANOW
seine Würde vergessend, will auf sie zu
Du!

MARIE
Majestät?

IWANOW
fasst sich, für sich
Da seht doch, da seht doch die Duckmäusrin an.

BEIDE
Wart nur! Später werd ich's dir gedenken, Was ich jetzt leide; die Spielerei Werd ich dir niemals schenken. Wart nur! Ist nur die Stunde erst vorbei; Teuer sollst du mir bezahlen, Darauf setze ich mein Leben ein; Und sollte auch das Ende unsrer vielen Qualen Der Anfang des Glückes sein.

MARIE
geht ab

IWANOW
will sich nach der andern Seite entfernen

ZAR
tritt ihm entgegen.


ACHTER AUFTRITT
Zar. Iwanow.

ZAR
lebhaft
Das ist zum Rasendwerden! Der Hafen ist gesperrt. Selbst der Kapitän, der mich führen sollte -

IWANOW
Ei, Michaelow, du kommst mir wie gerufen.

ZAR
Nun?

IWANOW
Weisst du wohl, dass deine Freiheit bedroht ist? Die Leute wollen nämlich mit aller Gewalt in uns beiden einen Ausreisser und einen Zaren finden. Da sie mich nun alle für den Zaren nehmen, so musst du der Ausreisser sein.

ZAR
Die Leute sind alle toll. Doch sei es, wie es sei, noch in dieser Stunde muss ich fort.

IWANOW
Also ist die Sache so ernsthaft?

ZAR
Meine Ehre, mein Leben steht auf dem Spiel.

IWANOW
Wenn's so ist, muss sich meine Majestät ins Mittel schlagen. - Da -
er zieht ein Papier hervor
lies, ich ernenne dich zu meinem Geheimsekretär und nehme dich mit auf meiner Jacht.

ZAR
Was seh ich? Wie kamst du zu diesen Papieren?

IWANOW
Lieber Gott, wie eine Majestät zu so etwas kommen kann. Ich begegnete vorhin dem englischen Lord; er versichert mir, meine Feinde wären darauf bedacht, mich hier in Saardam festzuhalten, gibt mir diesen Pass, bietet mir eine Jacht, Matrosen, Geld - ich begreife nichts von allem, das tut aber nichts, er hat es zu verantworten.

ZAR
nachdem er gelesen
Herrlich! Wir sind gerettet!

IWANOW.
Ganz gewiss!

ZAR
Ich nehme dich mit, wenn du willst.

IWANOW
Wie kommst du mir denn vor? Ich nehme dich mit, wenn du es erlaubst.

ZAR
Einerlei - wir reisen noch in dieser Stunde.

IWANOW
Nicht einerlei. Was soll denn aus Marie werden?

ZAR
Für euch ist gesorgt. Nimm dies versiegelte Papier und gelobe mir, es vor einer Stunde nicht zu öffnen.

IWANOW
Kommst du mir auch mit der Stunde? Da mach ich kurzen Prozess.
Er will das Papier öffnen.

ZAR
reisst es ihm aus der Hand
Halt! Nicht eher, als bis ich auf off ner See bin.

IWANOW
Ich denke, wir reisen zusammen -

ZAR
Oder bis wir uns getrennt - diese Schrift enthält dein Glück.

IWANOW
Du begründest mein Glück? Ich werde immer konfuser.

ZAR
Du willst nicht -?
Er will gehen.

IWANOW
schnell
Versteht sich. Her mit dem Glück!

ZAR
Du gelobst mir auch, dies Papier nicht eher zu erbrechen -

IWANOW
Als bis eine Stunde vorüber, das ist eine alte Geschichte. jetzt gib mir aber auch den Pass.
Er nimmt die Schrift

ZAR
Den empfängst du später.

IWANOW
Aber Michaelow!

ZAR
zornig
Gehorche!

IWANOW
Was Teufel!


NEUNTER AUFTRITT
Marquis. Lefort. Zar. Iwanow.

Nr. 16 - Finale

Quartett

ZAR
Marquis und Lefort beiseite ziehend
Freunde, hört, das Mittel ist gefunden,
Das alsbald uns nun von dannen bringt. ,
Seht diesen Pass, wir sind in wenig Stunden ,
Schon weit von hier.

MARQUIS und LEFORT
Wohl Euch, wenn es gelingt;
Doch dem Zar zu huld'gen naht die Menge
In hoher.Feier diesem Ort.

ZAR
Zustatten kommt uns dies Gedränge,
Leise schleichen wir uns fort.

IWANOW
beiseite
Was soll ich von dem allen glauben,
Warum verstehen sie sich gleich?
Will man mir nieine Freiheit rauben?
Das wäre ein verwünschter Streich.

MARQUIS und LEFORT
zu Iwanow
Wenn Euer Majestät befehlen,
So gehen wir.

IWANOW
Was heisst denn das?

MARQUIS und LEFORT
Wir werden andre Zeit erwählen.

IWANOW
Was? Andre Zeit? Gib mir den Pass!

ZAR
Den Pass erhältst du ohne Zweifel,
Sobald es Zeit und Stunde ist.

IWANOW
zornig
Hol alle Stunden doch der Teufel,
Ich bin ein Opfer seiner List.

ZAR, MARQUIS und LEFORT
Armer Schelm, er weiss es nicht zu deuten,
Was uns allen Heil und Nutzen bringt.
Diese List wird uns ans Ziel geleiten,
Gib, o Himmel, dass sie uns gelingt!
Während friedlich unterm Sternenbogen


Der
NEUNTE AUFTRITT
wird gewöhnlich fortgelassen, und das


Finale
beginnt mit dem Auftritt des

CHORS
Alles schlummert schon in süsser Ruh,
Eilen wir auf raschen Wogen
Einem teuren Lande zu.

IWANOW
Nein, bei Gott, ich weiss es nicht zu deuten,
Dass man mich um meine Freiheit bringt.
Dies der Zweck von seinen Heimlichkeiten,
Gib, o Himmel, dass es nicht gelingt.
Während unterm Sternenbogen
Alles schlummert schon in süsser Ruh,
Eile ich auf raschen Wogen
Mit Marie einem fernen, teuren Lande zu.

ZAR, MARQUIS und LEFORT
gehen ab


ZEHNTER AUFTRITT
Ein Fahnenträger eröffnet den Zug; ihm folgen sechs kleine Mädchen in Nationaltracht, dann zwei Männer, die einen mit Blumen gezierten, thronartig gestalteten Sitz tragen, welchen sie im Vordergrunde auf einigen sich dort befindlichen Stufen niedersetzen. van Bett mit den Ratsherren paarweise, vor jedem Paar wieder ein Fahnen träger; dann Marie und Meisterin Browe mit dem Chor der Mädchen und Frauen, ihnen folgen die Männer paarweise. Der Zug geht um die ganze Bühne und stellt sich dann zu beiden Seiten im Hintergrunde auf. Wenn derZug steht, will sich Iwanow, der sich staunend im Vordergrund aufhielt, entfernen; auf einen Wink des Bürgermeisters umringen ihn die kleinen Mädchen und ziehen den sich Sträubenden zum Sitz.

CHOR
Schmücket mit Kränzen und Blumen die Halle,
Singt, ihn zu ehren, ein heiteres Lied,
Dass es dem grossen Monarchen gefalle
Und dass er unsre Freude sieht.
Mög' er länger noch bei uns verweilen
Und wie sonst unsre Freuden teilen!
Jauchzet hoch auf, es lebe der Mann,
Der unbekannt aller Herzen gewann!

VAN BETT
Möcht' es, grosser Held, dir gefallen,
Fröhlichen Tänzen dein Auge zu leihn,
Würd' es uns Hochbeglückten allen
Ein ganz besondres Vergnügen sein.

IWANOW
nickt

VAN BETT
gibt ein Zeichen

Ballett
Nationaltanz mit Holzschuhen

VAN BETT
nachdem der Tanz zu Ende
Erhabner Held, die Römer und Griechen
Opferten Tiere bei jeglichem Fest!
Wir konnten keinen Ochsen kriegen,
Der sich so etwas gefallen lässt.
Auch ist bekannt, dass solch ein Ergötzen
Sich für die heutige Zeit nicht mehr passt;
Diesen Mangel nun zu ersetzen,
Gab ich mich her und habe zierliche Reime verfasst.

Er stellt die Personen zum Gesang auf.

MARIE
steht Iwanow zur Seite und flüstert ihm zu
Zage nicht, nah sind wir dem Ziel,
Und eine frohe Zukunft lacht.

IWANOW
's wäre Zeit, dass dem närr'schen Spiel
Ein bald'ges Ende würd' gemacht.

MARIE
Ja, unsre Wünsche krönt ein gütiges Geschick.

IWANOW
Sieh dies Papier, es enthält unser Glück.

VAN BETT
Dass ihr mir die Verse nicht zerstückelt,
Im Flusse muss das Ganze gehn.

MARIE
zu Iwanow
Unser Glück ist in Papier gewickelt?
Ei, ei, wie soll ich das verstehn?

IWANOW
Mein Kind, das sollst du nun bald sehn.

VAN BETT
ist mit dem Ordnen fertig
"Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen.
Es ist schon lange her."

CHOR
,Heil sei dem Tag, an welchem du bei uns erschienen.
Es ist schon lange her.
Aus vollem Herzen rufen wir:
Heil uns, der Zar ist da!"

EIN RATSDIENER
kommt eilig und flüstert dem Bürgermeister etwas ins Ohr.

VAN BETT
Ei was, jetzt kann mich niemand sprechen,
Meinen Vortrag unterbrechen
Kann ich nun und nimmermehr.

RATSDIENER
geht ab

CHOR und VAN BETT
"Du bist ein grosser Held, vivat!
Kanonenschüsse und Lärm von aussen
Welch Geräusch! Was gibt's?
Wer stört des Tages Feier?

RATSDIENER
stürzt herein und spricht
Der Hafen ist geöffnet. Peter Michaelow an der Spitze einer grossen Mannschaft will soeben auslaufen.

VAN BETT
Ha, Verrat!

CHOR
Ha, Verrat!

VAN BETT
Welch höllisches Komplott!

CHOR
Ein Komplott?

VAN BETT
Rebellion!

CHOR
Was soll das wohl bedeuten?

VAN BETT und CHOR
Greifet alle zu den Waff en,
Diesen Frevel zu bestrafen
Sei nun meine / Eure erste Pflicht.
van Bett erteilt im Hintergrunde Befehle. Mehrere eilen hinaus, allgemeine Bewegung.

MARIE und IWANOW
im Vordergrunde
So hat er uns betrogen
Und Freundschaft nur gelogen,
Unsre Hoffnung ist dahin.

MARIE
Doch die Schrift, die du empfangen,
Wohl zu seinen Gunsten spricht.

IWANOW
Gern erfüll ich dein Verlangen,
Ihn verteid'gen wird sie nicht.

VAN BETT
öffnet dieses Saales Türen,
Die zunächst zum Hafen führen.

IWANOW
hat die Schrift gelesen und spricht
Heiliger Nikolaus, was sehen meine Augen?

ALLE
Was geschieht? Was ergreift die Majestät?

IWANOW
spricht
Peter Michaelow, er ist der Zar!
Da steht es.
Er liest
"Hiermit gebe ich meine Einwilligung zur Verheiratung des Kaiserlichen Oberaufsehers Peter Iwanow mit der Nichte des schwachköpfigen –"

VAN BETT
spricht
An diesen huldreichen Gesinnungen erkenn ich den Zaren.


ELFTER AUFTRITT
In diesem Augenblick wurden die hintern Vorhänge geöffnet; man erblickt den Hafen. In der Mitte auf einer Jacht steht der Zar (als Zar gekleidet), umgeben von Lefort, Marquis und Offizieren.

VAN BETT
sieht sich um und ruft
Da steht er! - Der muss es sein.

Die Musik fällt rauschend ein.

ALLE
rufen
Es lebe der Zar!

ZAR
auf dem Schiffe
So scheid ich denn von euch im Hochgefühle,
Dass eure Liebe meinen Namen nennt.
Mich ruft die ernste Pflicht zum höhern Ziele!
Doch wenn auch fernes Land und Meer uns trennt:
Ihr denkt freundlich dann an den Zimmermann!
Lebt wohl!
Kühn mög' euer Fleiss mit kräft'gem Arm manchen Bau noch vollenden
Stolze Schiffe sollen meiner Huld gnäd'ge Grüsse euch senden.

ALLE
Kann uns auch dein Lied nicht mehr erfreun,
Soll dein Name doch uns Leitstern sein!
Über Land und Meer tön' es hinaus:
Heil dem Zar und seinem Haus!

Gegen das Ende eilen Iwanow und Marie zum Schiff und knien nieder.
Van Bett sammelt einige der im Vordergrund Stehenden, um seine Kantate zu beginnen.
Trommeln wirbeln, Matrosen erklettern die Mastbäume, Glocken läuten, Kanonen werden gelöst.



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