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ERSTER AUFZUG

Ouverture

Nr. 1 - Introduktion

Der Vorhang hebt sich im vierten Takte.
Starre Wildnis, Felsengruppen. In der Mitte vorn ein Felsblock auf einer Versenkung. Rechts vorn ein Felsenlager. Im Hintergrunde der Eingang in eine Höhle. Über der Höhle ein Steinruhelager, welches mit einer Maschinerie zum Erheben eines Menschen versehen ist; auf der linken Seite führt ein Aufgang zu diesem Steinruhelager.
Es ist Nacht, der Mond leuchtet im Hintergrunde halbhell. Kleine Irrlichter flackern hin und her. Die Hexen und Geister erscheinen in einem blauen und grünen Schimmer.

ERSTER AUFTRITT
Geister. Hexen. Gnomen. Kobolde. Teufelsfratzen. Frösche. Fledermäuse. Dann der Vampyrmeister und Lord Ruthwen

GEISTERCHOR
im wirren Durcheinander
Ihr Hexen und Geister,
Schlingt fröhlich den Reihn,
Ihr Hexen und Geister,
Bald wird unser Meister
Hier unter uns sein!
Sie bilden in tanzender Bewegung einen Halbkreis
Wegen grauser Freveltaten
Ward der Boden hier verflucht,
Drum wird er von uns gesucht,
Dass wir uns auf ihm beraten.
Lichtscheu in der Mitternacht,
Wenn nur Angst und Bosheit wacht,
Schleichen wir beim Mondenschein
In die finstre Kluft hinein.
Schlange, Natter hör' ich zischen,
Irrlicht flackert froh dazwischen,
Molche, Kröten, schwarze Katzen,
Kobold, Hexen, Teufelsfratzen
Kommt und schlingt den muntern Reihn!
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Kommt und schliesst den muntern Reihn!
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Jo, hoho! hoho! joho! hoho! hoho!

Die Höhle im Hintergrunde öffnet sich. Der Vampyrmeister und Lord Ruthwen erscheinen aus der Tiefe des Höhlenganges auf einem Wagen in Form einer grossen Fledermaus, beim Näherkommen immer stärker grün und gelb beleuchtet

GEISTERCHOR
Lichtscheu in der Mitternacht,
Wenn nur Angst und Bosheit wacht,
Schleichen wir beim Mondenschein
In die finstre Kluft hinein.
Ihr Hexen und Geister,
Schlingt fröhlich den Reihn,
Bald wird unser Meister
Hier bei uns sein, hier bei uns sein!
Kommt und schliesst den muntern Reihn,
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Joho, joho, joho! - Joho, joho, joho! -
Heissa, heissa, heissa, joho!

Sie stehen plötzlich still

ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Ruthwen. Der Vampyrmeister

GEISTERCHOR
Dort nahet der Meister
Im falben Feuerschein!

Es beginnt starker Donner und Blitz. Der Wagen hat den Höhleneingang erreicht und kommt nach vorn bis zu dem Felsblock in der Mitte, bei welchem er mit einem starken Tamtamschlage hält. Der Mond verfinstert sich und wird blutrot, ein gelber Schein überflutet die Felsgegend, die blaugrüne Beleuchtung verschwindet.
Der Vampyrmeister wird vom Souffleur aus fahlgrün beleuchtet. Ruthwen und der Vampyrmeister steigen, wenn der Wagen am Felsblock in der Mitte vorn angelangt ist, auf den Felsblock. Gnomen schieben den leeren Wagen langsam in die Höhle zurück. Ruthwen steigt nach rechts Hinunter in den Vordergrund.

Melodram

VAMPYRMEISTER
spricht und zeigt auf Ruthwen
Dieser hier, der schon verfallen
Unserm Dienste ist,
Wünscht noch eine kurze Frist
Unter den freien Menschen zu wallen.
Sein Begehren sei bewillet,
Wenn er seinen Schwur erfüllet,
Wenn bis künft'ge Mitternacht
Er drei Opfer uns gebracht:
Für drei Bräute, zart und rein,
Soll dem Vampyr ein Jahr bewilligt sein!

RUTHWEN
beschwört den Vampyrmeister, singt
Bei der Urkraft alles Bösen
Schwör' ich Euch, mein Wort zu lösen;
Doch fliehet diesen Aufenthalt,
Denn eins der Opfer naht sich bald!

Vampyrmeister versinkt mit dem Felsblock unter Donner, Blitz und aufsteigendem Dampf Das fahle Licht verlischt. Der Mond leuchtet wieder halbhell, ebenso erscheint der blau-grüne Schimmer wieder.
Ruthwen tritt einen Schritt vor und steht bei dem Geisterchor regungslos in der Mitte.

DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne den Vampyrmeister

GEISTERCHOR
im wirren Durcheinander um Ruthwen
Leise, leis', beim Mondenschein
Husch, in die Erde, husch, hinein!
Husch, tausend Spalten, tausend Ritzen,
Tausend Spalten, tausend Ritzen
Dienen uns zum Aufenthalt.
Lasst uns brütend unten sitzen,
Bis die Mitternacht erschallt.
Leise, leis', beim Mondenschein
Husch, husch, in die Erde, husch, hinein!

Sie verschwinden eilig in den Versenkungen, in den Höhlen, hinter den Felsen. Mit dem letzen Akkord schlägt es auf einer fernen Turmuhr Eins und geht es ohne Pause weiter. Lautlose Stille.
Der Mond und die Beleuchtung der Soffitten werden allmählich ganz hell.

VIERTER AUFTRITT
Ruthwen allein

Nr. 2 - Rezitativ und Arie

Rezitativ

RUTHWEN
Ha! noch einen ganzen Tag!
Überlang ist diese Zeit! -
Zwei Opfer sind mir schon geweiht
Und das dritte - das dritte ist leicht gefunden.

Arie

Ha! ha! welche Lust! Ha, welche Lust!
Ha! welche Lust, aus schönen Augen
An blühender Brust
Neues Leben
In wonnigem Beben,
Ha, neues Leben
In wonnigem Beben,
Mit einem Kusse in sich zu saugen! -
Ha! welche Lust,
In liebendem Kosen,
Mit lüsternem Mut
Das süsseste Blut
Wie Saft der Rosen,
Von purpurnen Lippen
Schmeichelnd zu nippen! -
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Und wenn das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
teuflisch lachend
haha!
Haha! Welch Ergötzen! Welch Ergötzen!
Welche Lust! Ha, welche Lust! -
Mit neuem Mut, mit neuem Mut
Durchglüht mich ihr Blut;
Ihr Todesbeben ist frisches Leben! -
Weich, rührend, mit der Erinnerung an verlorenes Glück
Armes Liebchen, bleich wie Schnee,
Tat dir wohl im Herzen weh! -
Ach, einst fühlt' ich selbst die Schmerzen
Ihrer Angst im warmen Herzen,
Das der Himmel fühlend schuf.
Anklänge des Hexenchors.
Er erschrickt bei den Tönen.
Mahnt mich nicht in diesen Tönen,
Die den Himmel frech verhöhnen,
Ich verstehe euren Ruf!
wilder stürmend
Ha! Ha! welche Lust! Ha, welche Lust!
Ha, welche Lust, aus schönen Augen,
An blühender Brust neues Leben
In wonnigem Beben,
Ha, neues Leben
In wonnigem Beben
Mit einem Kusse in sich zu saugen. -
Ha, welche Lust, in liebendem Kosen,
Mit lüsternem Mut
Das süsseste Blut
Wie Saft der Rosen,
Von purpurnen Lippen
Schmeichelnd zu nippen,
Schmeichelnd, schmeichelnd zu nippen! -
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Wenn dann das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen, haha!
Haha! Ha! Welch Ergötzen!
Ha, welche Lust! Ha, welch Ergötzen!
Ha, welche Lust! Ha, welche Lust! Haha!
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Ha, welch Ergötzen, welche Lust!
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Wenn das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Haha, haha, welche Lust!
Wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Welch Ergötzen, welch Ergötzen, welche Lust!

Er geht zurück, sieht nach links, macht eine Bewegung der Freude; spricht:
Horch, Geräusch, sie ist es! In der Abwesenheit ihrer Eltern wusste ich schlau unter fremdem Namen ihre Liebe zu gewinnen; nun kehrten sie zurück und kündigten ihr an, dass ihre Hand versprochen sei. Ich bewog sie, ihrem Herzen zu folgen und mit mir zu fliehen. Haha, armes Mädchen, dein Herz hat dich garstig betrogen!

Er geht ab nach links und kehrt mit Janthe zurück

FÜNFTER AUFTRITT
Ruthwen, Janthe zu seiner Linken

RUTHWEN
Seh ich dich endlich, meine süsse Janthe! Ach, verzeihe, wenn ich schon an deiner Liebe zweifelte.

JANTHE.
Ach, die Angst hat mich entkräftet. Sie sinkt in seine Arme. Erst nach Mitternacht konnte ich das Haus verlassen. Die Zubereitungen zum festlichen Empfang des Lord Mersey, der morgen mit dem Frühesten erwartet wird, beschäftigten Vater, Mutter und das ganze Haus bis spät in die Nacht.

RUTHWEN
O so war es die höchste Zeit! Morgen schon wärst du auf ewig für mich verloren gewesen. Du, die Braut eines andern! Du, die mein Herz so zärtlich, so unsäglich liebt, du, die Frau eines andern! Ha, der Gedanke könnte mich zum Wahnsinn führen.

JANTHE
Ach, hätte ich meinem Vater deine Liebe geschildert, ihm gesagt, wie gut du bist, wie sehr mein Herz an dir hängt; ach, auch er ist ja so gut, er hätte mir gewiss verziehen und meine Liebe zu dir gebilligt. Warum hattest du mir auch verboten, gleich bei der Zurückkunft meiner Eltern der freudigen Regung meines kindlichen Herzens zu fol gen.

RUTHWEN
Kannst du mir die Besorgnis meiner Liebe zum Vorwurf machen? Er, der geschworene Feind meines Hauses, nie hätte er in den Bund unsrer Herzen gewilligt, und seine Weigerung wäre mein Todesurteil gewesen.

JANTHE
Du kennst ihn nicht; kein Hass steht so fest in seinem Herzen, dass ihn die Liebe zu seiner einzigen Tochter nicht entwurzelt hätte. Ach, und heimlich konnte ich ihn verlassen, mit Tränen wird er am Morgen sein Kind suchen und nicht finden. Sie wendet sich weinend von ihm.

Nr. 3 - Duett

JANTHE
Teurer Eltern einz'ge Freude,
Lohn' ich sie mit herbem Leide,
Die zu ehren süsse Pflicht.
Ach! Ich muss sie ja betrüben,
Denn es zwingt mich, dich zu lieben,
Was Vernunft dagegen spricht.

RUTHWEN
tritt zu Janthe und umarmt sie
Fühl' an meines Herzens Schlagen,
Mehr als ich vermag zu sagen,
Dass ich dein auf ewig bin;
Nimmer werd' ich dich betrüben,
Ewig, ewig dich zu lieben,
Schwör' ich dir mit treuem Sinn.

JANTHE
sinkt an seine Brust
Ach, ich muss sie ja betrüben,
Denn es zwingt mich, dich zu lieben,
Was Vernunft dagegen spricht.
So bist du, Teurer, mein auf ewig,
Und ewig, Teurer, bin ich dein!
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich dir allein!

RUTHWEN
Nimmer werd' ich dich betrüben,
Ewig dich zu lieben,
Schwöre ich mit treuem Sinn!
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig,
Und ewig, Teure, bist du mein!
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich dir allein!

JANTHE
So bist du, Teurer, mein auf ewig!

RUTHWEN
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig!

JANTHE
Und ewig, Teurer, bin ich dein!

RUTHWEN
Und ewig, Teure, bist du mein!

JANTHE
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich ihr allein!
So bist du, Teurer, mein auf ewig,
Auf ewig, Teurer, bin ich dein! -

RUTHWEN
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich ihr allein!
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig,
Und ewig, Teure, bist du mein! -

JANTHE
Als du dich zuerst mir nahtest,
Bebte ich entsetzt zurück.

RUTHWEN
Weiss wohl, Liebchen, dass du's tatest,
Doch jetzt lächelt mir dein Blick.

Der Mond dunkelt allmählich und steigt dabei langsam höher, bis er am Ende des Duetts ganz hinter den Felsen links oben verschwunden ist

JANTHE
Als du dich zuerst mir nahtest,
Bebte ich entsetzt zurück!
Aber wie mit Zaubersbanden
Zog es später mich zu dir. -
Ja, ich folg' dem innern Drange,
Meinem Herzen folge ich.
beiseite
Ewig, ewig ist er mein!
Liebe lacht aus seinen Augen;
O wie glücklich werd' ich sein!

RUTHWEN
Weiss wohl, Liebchen, dass du's thatest,
Doch jetzt lächelt mir dein Blick!
beiseite
Ha, ihr ist im Herzen bange,
Armes Mädchen, dauerst mich.
laut
Unsre Herzen, die sich fanden,
Sind der Zauber, glaube mir. -
beiseite
Ha, ihr ist im Herzen bange,
Armes Mädchen, dauerst mich.
beiseite
Doch Triumph! jetzt ist sie mein;
Und ihr süsses Blut zu sangen,
Welche Wollust wird das sein!

Sie umarmen sich. Der Mond ist verschwunden. Ruthwen und Janthe fliehen beim ersten Hornruf nach hinten in die Höhle. Jäger mit Hörnern, Diener und Landleute mit Fackeln kommen, nach allen Seiten hin suchend, von links.

SECHSTER AUFTRITT
Jäger. Diener. Landleute

Nr. 4 - Chor mit Soli

CHOR
ausserhalb
Wo kann sie sein? -
auftretend
Wo kann sie sein?
Beim Fackelschein
Durchsucht den Wald,
Ruft Echo wach,
Dass tausendfach
Mit Hörnerschall
Allüberall
Die Stimme widerhall'.
Janthe! Janthe! - Janthe! -

Alle horchen gespannt, bis das Echo geantwortet hat. Sir Berkley kommt mit einem alten Diener und mit vier Fackelträgern von links vorn. Starker Mondschein beleuchtet die Felsen auf der rechten Seite.

SIEBENTER AUFTRITT
Berkley in der Mitte. Die Andern zurückstehend. Dann die Stimmen von Janthe und Ruthwen.

Rezitativ

BERKLEY
Weh, mein Kind! In welcher Wildnis mag es irren?
Weh, mein Kind, mein Kind! weh, mein Kind!
In später Mitternacht vermiss' ich es im Hause.
Sicher haben Räuber sie entführt.
zu seiner Umgebung
Wer ihre Spur entdeckt, ich schwör' es euch,
Ihm wird des Vaters heisser Dank und grosser Lohn.
um sich blickend
Doch wehe! welchen Ort betraten wir?
Er zeigt nach hinten auf die Höhle
Hier hausen böse Geister seit Jahrhunderten,
leise
Die Vampyrhöhle nennt ihn das Volk.

CHOR
sieht sich entsetzt und ängstlich um, unruhig hin und her eilend
Weh! die Vampyrhöhle!
Schnell hinweg mit leisem Tritt!
sich mit Teilnahme Berkley nähernd
Armer Vater! Armer Vater!
Sie beginnen, sich nach links zurückzuziehen
Nur schnell hinweg! Nur schnell hinweg!
Nur schnell hinweg mit leisem Tritt!
Wo mag sie sein? Hier ist sie nicht!
Ja, hier verlor sich ihre Spur!
Ach, armer Vater, armer Vater, armer Vater,
Nimmer siehst du Janthen wieder,
Hier verlor sich ihre Spur.
Drum schnell hinweg mit leisem Tritt,
Nur fort von hier, nur fort von hier!
Drum schnell hinweg mit leisem Tritt!
Nur fort von hier, nur fort von hier,
Fort mit leisem Tritt!

Berkley vermag sich kaum noch aufrecht zu erhalten. Der alte Diener reicht ihm den Arm zur Stütze. Alle wenden sich nach links zum Abgang

JANTHE
in grellem Aufschrei in der Höhle
Weh' mir!

RUTHWEN
ebenso, mit triumphierendem Hohngelächter
Haha!

JANTHE
wie oben
Weh' mir!

RUTHWEN
ebenso
Haha!

Alle kehren entsetzt um und eilen zurück

CHOR
Welch' Geschrei!
auf die Höhle hinten zeigend
Dort kam es her!

JANTHE
wie oben
Weh!

BERKLEY
Das war meines Kindes Stimme,
Rettet mir ihr teures Leben!

Die Jäger und die Diener mit den Fackeln eilen in die Höhle hinein

BERKLEY
Weh' mir! Meine Kräfte schwinden!

Er wankt. Der alte Diener stützt ihn

BERKLEY
Angst und Freude macht mich beben;
Wie werd' ich sie wiederfinden!

Er ermannt sich und will zur Höhle. Einige Diener kommen mit Lord Ruthwen, den sie fest gepackt halten und der sich mit aller Macht dagegen sträubt, von dort zurück. Einige Jäger folgen. Die sonstigen Abgegangenen bleiben in der Höhle bei Janthe zurück. Der Vordergrund wird allmählich von blauem Licht überflutet, dann verbreitet sich schwacher Mondschein über die obersten Felsenspitzen.

ACHTER AUFTRITT
Ruthwen, Berkley zu seiner Linken. Die Andern zurückstehend

BERKLEY
zieht ergrimmt beim Anblick Ruthwens seinen Degen
Frecher Räuber meines Kindes,
Hier nimm deiner Taten Lohn.

Er dringt auf Ruthwen ein und verwundet ihn tödlich. Ruthwen sinkt auf dem Felsenlager rechts vorn zusammen

DIE ZURÜCKGEBLIEBENEN
in der Höhle
Sie ist tot!

BERKLEY
Wie? Mein Kind ermordet?
Mein Kind ermordet!

Er will zur Höhle. Jäger und Diener kommen ihm entgegen

EIN DIENER
Armer Vater! Weh! Entsetzen!
Brust und Nacken deiner Tochter
Sind voll Blut. Gift'ger Zähne Spuren
Verraten das Entsetzliche!
Sie ward zum Opfer dem Vampyr!

ALLE
aufs höchste erschreckt
Ein Vampyr! Ein Vampyr! Weh, ein Vampyr!

Sie stürzen nach links davon. Berkley ebenso, geführt von seinem alten Diener. Ruthwen bleibt allein zurück. Der Mondschein beleuchtet nur noch die oberen Felsenspitzen im Hintergrunde

NEUNTER AUFTRITT
Ruthwen allein

Rezitativ

RUTHWEN
sich mühsam aufrichtend
Weh mir! Meine Kräfte weichen!
Müssig wird die Zeit verstreichen,
Kann ich nicht die Höh' erreichen,
Um dort sterbend mit den Augen
Mondesstrahlen einzusaugen,
Die mir neue Kräfte geben zum Leben. Schrecklich!
Schrecklich! Allgerechter! Alles, alles öd und leer,
Grause Stille ringsumher! -
Nur der Hölle Hohngelächter
Muss ich hören!

Er sinkt zurück. Edgar Aubry kommt mit dem Hörnereinsatz von links

ZEHNTER AUFTRITT
Ruthwen auf dem Felsenlager rechts vorn, Aubry zu seiner Linken.

AUBRY
toch nicht sichtbar, spricht:
Ist denn nirgends ein Ausweg zu finden? Er kommt von links. Ein freier Platz ist hier, aber nach welcher Seite wende ich mich nun?

Ruthwen macht eine Bewegung.

AUBRY.
Still, dort regt sich etwas.

Er tritt näher. Die Musik endet

RUTHWEN
mit der Stimme eines tödlich Verwundeten
Wohl mir! Ich höre eines Menschen Stimme! Wer du auch sein magst -

AUBRY
Ha, ein Verwundeter liegt hier am Boden.

RUTHWEN
Wer du auch sein magst, habe Mitleid -

AUBRY
Welche Stimme?
Er steht nun Ruthwen ganz nahe
Was seh' ich! Täuscht des Mondes matter Schimmer mein Auge nicht, so bist du Ruthwen!

RUTHWEN.
Aubry, du bist's? Mein Engel sendet dich; ich ward hier von Räubern überfallen.

AUBRY
Gott! Teurer Freund, was kann ich für dich tun? Ist deine Wunde tödlich? Ist dir zu helfen?

RUTHWEN
der mit Aubrys Hilfe sich ein wenig erhoben hat
Nein, menschliche Hilfe kommt zu spät - und doch - Aubry - wenn ich je dein Freund war - leiste mir einen wichtigen Dienst.

AUBRY
O rede, was kann ich für dich tun? Du warst einst der Retter meines Lebens, o dass ich dir vergelten, dass ich mein Leben für das deine opfern könnte.

RUTHWEN.
Nein, für mein Leben ist nichts mehr zu tun, aber - Aubry - ich bitte dich -

AUBRY
Zögere nicht, es auszusprechen! Was ist's? Soll ich deinen Tod rächen? Hast du jene Räuber erkannt?

RUTHWEN
Nein, das ist es nicht, was ich von dir begehre! Schmerzhaft zusammenzuckend und niedersinkend. O!

AUBRY
So rede denn, was ist's! Was kann ich für dich tun? Welch seltsame Unruhe in deinem ganzen Wesen - lebt irgend jemand, um den du besorgt bist? Drückt irgend eine schwere Schuld dein Gewissen? - Rede, was ist's?

RUTHWEN
erhebt sich ein wenig
Nichts von allem - ich bitte dich nur - Aubry - leite mich hinauf auf jene Felsen
Er zeigt nach dem Steinlager über der Höhle
und lege mein Gesicht so - dass die Strahlen des Mondes - mir in die Augen dringen.

AUBRY
Seltsam - und was soll?
von einem Gedanken erfasst
Ha, welche Ahnung! Man sagt, dass jene fürchterlichen Geschöpfe -

RUTHWEN
Still! Vollziehe meine Bitte!

AUBRY
So wär es wahr, was man in London mir gesagt? Entsetzlicher! Du wärst ein V -

RUTHWEN
rafft sich gewaltsam halb in die Höhe
Halt ein, Unglückseliger, vollende nicht! In jener Stunde, da ich dein Leben rettete, gelobtest du, für mich zu tun, was ich von dir verlangte. Wohl, so erfülle jetzt, um was ich dich bat, und schwöre mir zuvor, alles, was du von mir weisst, oder noch erfahren, oder auch nur ahnen magst, zu verschweigen.

Aubry zögert

RUTHWEN
Nur vierundzwanzig Stunden!

AUBRY
Ruthwen!

RUTHWEN
heftig
Schwöre! Schwöre bei allem, was dir heilig ist, bei deiner Seele Seligkeit!

AUBRY
Du warst der Retter meines Lebens - wohlan, ich schwöre!
Er erhebt die Hand zum Schwur

RUTHWEN.
Und verflucht seist du in den Abgrund der Hölle, alle Strafe des Meineids laste zehnfach auf deiner Seele, wenn du den Schwur brichst! Verflucht seist du, und wer dir angehört! Verflucht sei, was du liebst, und was dich liebt! Schwöre mir!

AUBRY
wie oben
Ich schwöre!
durchschauert
Entsetzlich!

Nr. 5 - Melodram. Begleitendes Musikstück

RUTHWEN
Ah! - So - nun will ich ruhig mein Schicksal erwarten. - Leite mich hinauf.

Er erhebt sich mühsam unter Aubrys Beihilfe. Der von links hereinfallende Mondschein wird heller.
Aubry leitet Ruthwen langsam, indem er die linke Hand auf seinen Nacken legt, über den Aufgang links zu dem Steinlager über der Höhle, ist ihm beim Niederlegen auf die Maschine behilflich, und zwar so, dass von links her die Strahlen des Mondes auf Ruthwens Gesicht fallen; dann entflieht er entsetzt nach links.
Grellheller Mondschein, grosser und voller Beleuchtungseffekt. Der Vordergrund bleibt dunkel.

RUTHWEN's
Züge beginnen sich zu regen, er richtet sich durch die Maschine neubelebt unter dem Einfluss der Mondstrahlen auf, erhebt malerisch den Mantel gegen den Mond, so dass die Maschine ungesehen sich wieder senkt und atmet tief auf.
Ah!
ERSTER AUFZUG

Ouverture

Nr. 1 - Introduktion

Der Vorhang hebt sich im vierten Takte.
Starre Wildnis, Felsengruppen. In der Mitte vorn ein Felsblock auf einer Versenkung. Rechts vorn ein Felsenlager. Im Hintergrunde der Eingang in eine Höhle. Über der Höhle ein Steinruhelager, welches mit einer Maschinerie zum Erheben eines Menschen versehen ist; auf der linken Seite führt ein Aufgang zu diesem Steinruhelager.
Es ist Nacht, der Mond leuchtet im Hintergrunde halbhell. Kleine Irrlichter flackern hin und her. Die Hexen und Geister erscheinen in einem blauen und grünen Schimmer.

ERSTER AUFTRITT
Geister. Hexen. Gnomen. Kobolde. Teufelsfratzen. Frösche. Fledermäuse. Dann der Vampyrmeister und Lord Ruthwen

GEISTERCHOR
im wirren Durcheinander
Ihr Hexen und Geister,
Schlingt fröhlich den Reihn,
Ihr Hexen und Geister,
Bald wird unser Meister
Hier unter uns sein!
Sie bilden in tanzender Bewegung einen Halbkreis
Wegen grauser Freveltaten
Ward der Boden hier verflucht,
Drum wird er von uns gesucht,
Dass wir uns auf ihm beraten.
Lichtscheu in der Mitternacht,
Wenn nur Angst und Bosheit wacht,
Schleichen wir beim Mondenschein
In die finstre Kluft hinein.
Schlange, Natter hör' ich zischen,
Irrlicht flackert froh dazwischen,
Molche, Kröten, schwarze Katzen,
Kobold, Hexen, Teufelsfratzen
Kommt und schlingt den muntern Reihn!
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Kommt und schliesst den muntern Reihn!
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Jo, hoho! hoho! joho! hoho! hoho!

Die Höhle im Hintergrunde öffnet sich. Der Vampyrmeister und Lord Ruthwen erscheinen aus der Tiefe des Höhlenganges auf einem Wagen in Form einer grossen Fledermaus, beim Näherkommen immer stärker grün und gelb beleuchtet

GEISTERCHOR
Lichtscheu in der Mitternacht,
Wenn nur Angst und Bosheit wacht,
Schleichen wir beim Mondenschein
In die finstre Kluft hinein.
Ihr Hexen und Geister,
Schlingt fröhlich den Reihn,
Bald wird unser Meister
Hier bei uns sein, hier bei uns sein!
Kommt und schliesst den muntern Reihn,
Eul' und Uhu, ihr sollt schrein,
Joho, joho, joho! - Joho, joho, joho! -
Heissa, heissa, heissa, joho!

Sie stehen plötzlich still

ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Ruthwen. Der Vampyrmeister

GEISTERCHOR
Dort nahet der Meister
Im falben Feuerschein!

Es beginnt starker Donner und Blitz. Der Wagen hat den Höhleneingang erreicht und kommt nach vorn bis zu dem Felsblock in der Mitte, bei welchem er mit einem starken Tamtamschlage hält. Der Mond verfinstert sich und wird blutrot, ein gelber Schein überflutet die Felsgegend, die blaugrüne Beleuchtung verschwindet.
Der Vampyrmeister wird vom Souffleur aus fahlgrün beleuchtet. Ruthwen und der Vampyrmeister steigen, wenn der Wagen am Felsblock in der Mitte vorn angelangt ist, auf den Felsblock. Gnomen schieben den leeren Wagen langsam in die Höhle zurück. Ruthwen steigt nach rechts Hinunter in den Vordergrund.

Melodram

VAMPYRMEISTER
spricht und zeigt auf Ruthwen
Dieser hier, der schon verfallen
Unserm Dienste ist,
Wünscht noch eine kurze Frist
Unter den freien Menschen zu wallen.
Sein Begehren sei bewillet,
Wenn er seinen Schwur erfüllet,
Wenn bis künft'ge Mitternacht
Er drei Opfer uns gebracht:
Für drei Bräute, zart und rein,
Soll dem Vampyr ein Jahr bewilligt sein!

RUTHWEN
beschwört den Vampyrmeister, singt
Bei der Urkraft alles Bösen
Schwör' ich Euch, mein Wort zu lösen;
Doch fliehet diesen Aufenthalt,
Denn eins der Opfer naht sich bald!

Vampyrmeister versinkt mit dem Felsblock unter Donner, Blitz und aufsteigendem Dampf Das fahle Licht verlischt. Der Mond leuchtet wieder halbhell, ebenso erscheint der blau-grüne Schimmer wieder.
Ruthwen tritt einen Schritt vor und steht bei dem Geisterchor regungslos in der Mitte.

DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne den Vampyrmeister

GEISTERCHOR
im wirren Durcheinander um Ruthwen
Leise, leis', beim Mondenschein
Husch, in die Erde, husch, hinein!
Husch, tausend Spalten, tausend Ritzen,
Tausend Spalten, tausend Ritzen
Dienen uns zum Aufenthalt.
Lasst uns brütend unten sitzen,
Bis die Mitternacht erschallt.
Leise, leis', beim Mondenschein
Husch, husch, in die Erde, husch, hinein!

Sie verschwinden eilig in den Versenkungen, in den Höhlen, hinter den Felsen. Mit dem letzen Akkord schlägt es auf einer fernen Turmuhr Eins und geht es ohne Pause weiter. Lautlose Stille.
Der Mond und die Beleuchtung der Soffitten werden allmählich ganz hell.

VIERTER AUFTRITT
Ruthwen allein

Nr. 2 - Rezitativ und Arie

Rezitativ

RUTHWEN
Ha! noch einen ganzen Tag!
Überlang ist diese Zeit! -
Zwei Opfer sind mir schon geweiht
Und das dritte - das dritte ist leicht gefunden.

Arie

Ha! ha! welche Lust! Ha, welche Lust!
Ha! welche Lust, aus schönen Augen
An blühender Brust
Neues Leben
In wonnigem Beben,
Ha, neues Leben
In wonnigem Beben,
Mit einem Kusse in sich zu saugen! -
Ha! welche Lust,
In liebendem Kosen,
Mit lüsternem Mut
Das süsseste Blut
Wie Saft der Rosen,
Von purpurnen Lippen
Schmeichelnd zu nippen! -
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Und wenn das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
teuflisch lachend
haha!
Haha! Welch Ergötzen! Welch Ergötzen!
Welche Lust! Ha, welche Lust! -
Mit neuem Mut, mit neuem Mut
Durchglüht mich ihr Blut;
Ihr Todesbeben ist frisches Leben! -
Weich, rührend, mit der Erinnerung an verlorenes Glück
Armes Liebchen, bleich wie Schnee,
Tat dir wohl im Herzen weh! -
Ach, einst fühlt' ich selbst die Schmerzen
Ihrer Angst im warmen Herzen,
Das der Himmel fühlend schuf.
Anklänge des Hexenchors.
Er erschrickt bei den Tönen.
Mahnt mich nicht in diesen Tönen,
Die den Himmel frech verhöhnen,
Ich verstehe euren Ruf!
wilder stürmend
Ha! Ha! welche Lust! Ha, welche Lust!
Ha, welche Lust, aus schönen Augen,
An blühender Brust neues Leben
In wonnigem Beben,
Ha, neues Leben
In wonnigem Beben
Mit einem Kusse in sich zu saugen. -
Ha, welche Lust, in liebendem Kosen,
Mit lüsternem Mut
Das süsseste Blut
Wie Saft der Rosen,
Von purpurnen Lippen
Schmeichelnd zu nippen,
Schmeichelnd, schmeichelnd zu nippen! -
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Wenn dann das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen, haha!
Haha! Ha! Welch Ergötzen!
Ha, welche Lust! Ha, welch Ergötzen!
Ha, welche Lust! Ha, welche Lust! Haha!
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Ha, welch Ergötzen, welche Lust!
Und wenn der brennende Durst sich stillt,
Wenn das Blut dem Herzen entquillt,
Und wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Haha, haha, welche Lust!
Wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
Welch Ergötzen, welch Ergötzen, welche Lust!

Er geht zurück, sieht nach links, macht eine Bewegung der Freude; spricht:
Horch, Geräusch, sie ist es! In der Abwesenheit ihrer Eltern wusste ich schlau unter fremdem Namen ihre Liebe zu gewinnen; nun kehrten sie zurück und kündigten ihr an, dass ihre Hand versprochen sei. Ich bewog sie, ihrem Herzen zu folgen und mit mir zu fliehen. Haha, armes Mädchen, dein Herz hat dich garstig betrogen!

Er geht ab nach links und kehrt mit Janthe zurück

FÜNFTER AUFTRITT
Ruthwen, Janthe zu seiner Linken

RUTHWEN
Seh ich dich endlich, meine süsse Janthe! Ach, verzeihe, wenn ich schon an deiner Liebe zweifelte.

JANTHE.
Ach, die Angst hat mich entkräftet. Sie sinkt in seine Arme. Erst nach Mitternacht konnte ich das Haus verlassen. Die Zubereitungen zum festlichen Empfang des Lord Mersey, der morgen mit dem Frühesten erwartet wird, beschäftigten Vater, Mutter und das ganze Haus bis spät in die Nacht.

RUTHWEN
O so war es die höchste Zeit! Morgen schon wärst du auf ewig für mich verloren gewesen. Du, die Braut eines andern! Du, die mein Herz so zärtlich, so unsäglich liebt, du, die Frau eines andern! Ha, der Gedanke könnte mich zum Wahnsinn führen.

JANTHE
Ach, hätte ich meinem Vater deine Liebe geschildert, ihm gesagt, wie gut du bist, wie sehr mein Herz an dir hängt; ach, auch er ist ja so gut, er hätte mir gewiss verziehen und meine Liebe zu dir gebilligt. Warum hattest du mir auch verboten, gleich bei der Zurückkunft meiner Eltern der freudigen Regung meines kindlichen Herzens zu fol gen.

RUTHWEN
Kannst du mir die Besorgnis meiner Liebe zum Vorwurf machen? Er, der geschworene Feind meines Hauses, nie hätte er in den Bund unsrer Herzen gewilligt, und seine Weigerung wäre mein Todesurteil gewesen.

JANTHE
Du kennst ihn nicht; kein Hass steht so fest in seinem Herzen, dass ihn die Liebe zu seiner einzigen Tochter nicht entwurzelt hätte. Ach, und heimlich konnte ich ihn verlassen, mit Tränen wird er am Morgen sein Kind suchen und nicht finden. Sie wendet sich weinend von ihm.

Nr. 3 - Duett

JANTHE
Teurer Eltern einz'ge Freude,
Lohn' ich sie mit herbem Leide,
Die zu ehren süsse Pflicht.
Ach! Ich muss sie ja betrüben,
Denn es zwingt mich, dich zu lieben,
Was Vernunft dagegen spricht.

RUTHWEN
tritt zu Janthe und umarmt sie
Fühl' an meines Herzens Schlagen,
Mehr als ich vermag zu sagen,
Dass ich dein auf ewig bin;
Nimmer werd' ich dich betrüben,
Ewig, ewig dich zu lieben,
Schwör' ich dir mit treuem Sinn.

JANTHE
sinkt an seine Brust
Ach, ich muss sie ja betrüben,
Denn es zwingt mich, dich zu lieben,
Was Vernunft dagegen spricht.
So bist du, Teurer, mein auf ewig,
Und ewig, Teurer, bin ich dein!
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich dir allein!

RUTHWEN
Nimmer werd' ich dich betrüben,
Ewig dich zu lieben,
Schwöre ich mit treuem Sinn!
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig,
Und ewig, Teure, bist du mein!
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich dir allein!

JANTHE
So bist du, Teurer, mein auf ewig!

RUTHWEN
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig!

JANTHE
Und ewig, Teurer, bin ich dein!

RUTHWEN
Und ewig, Teure, bist du mein!

JANTHE
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich ihr allein!
So bist du, Teurer, mein auf ewig,
Auf ewig, Teurer, bin ich dein! -

RUTHWEN
Ach, Liebe, Liebe nur macht selig,
Mein Leben weih ich ihr allein!
Ja, Teure, dein bin ich auf ewig,
Und ewig, Teure, bist du mein! -

JANTHE
Als du dich zuerst mir nahtest,
Bebte ich entsetzt zurück.

RUTHWEN
Weiss wohl, Liebchen, dass du's tatest,
Doch jetzt lächelt mir dein Blick.

Der Mond dunkelt allmählich und steigt dabei langsam höher, bis er am Ende des Duetts ganz hinter den Felsen links oben verschwunden ist

JANTHE
Als du dich zuerst mir nahtest,
Bebte ich entsetzt zurück!
Aber wie mit Zaubersbanden
Zog es später mich zu dir. -
Ja, ich folg' dem innern Drange,
Meinem Herzen folge ich.
beiseite
Ewig, ewig ist er mein!
Liebe lacht aus seinen Augen;
O wie glücklich werd' ich sein!

RUTHWEN
Weiss wohl, Liebchen, dass du's thatest,
Doch jetzt lächelt mir dein Blick!
beiseite
Ha, ihr ist im Herzen bange,
Armes Mädchen, dauerst mich.
laut
Unsre Herzen, die sich fanden,
Sind der Zauber, glaube mir. -
beiseite
Ha, ihr ist im Herzen bange,
Armes Mädchen, dauerst mich.
beiseite
Doch Triumph! jetzt ist sie mein;
Und ihr süsses Blut zu sangen,
Welche Wollust wird das sein!

Sie umarmen sich. Der Mond ist verschwunden. Ruthwen und Janthe fliehen beim ersten Hornruf nach hinten in die Höhle. Jäger mit Hörnern, Diener und Landleute mit Fackeln kommen, nach allen Seiten hin suchend, von links.

SECHSTER AUFTRITT
Jäger. Diener. Landleute

Nr. 4 - Chor mit Soli

CHOR
ausserhalb
Wo kann sie sein? -
auftretend
Wo kann sie sein?
Beim Fackelschein
Durchsucht den Wald,
Ruft Echo wach,
Dass tausendfach
Mit Hörnerschall
Allüberall
Die Stimme widerhall'.
Janthe! Janthe! - Janthe! -

Alle horchen gespannt, bis das Echo geantwortet hat. Sir Berkley kommt mit einem alten Diener und mit vier Fackelträgern von links vorn. Starker Mondschein beleuchtet die Felsen auf der rechten Seite.

SIEBENTER AUFTRITT
Berkley in der Mitte. Die Andern zurückstehend. Dann die Stimmen von Janthe und Ruthwen.

Rezitativ

BERKLEY
Weh, mein Kind! In welcher Wildnis mag es irren?
Weh, mein Kind, mein Kind! weh, mein Kind!
In später Mitternacht vermiss' ich es im Hause.
Sicher haben Räuber sie entführt.
zu seiner Umgebung
Wer ihre Spur entdeckt, ich schwör' es euch,
Ihm wird des Vaters heisser Dank und grosser Lohn.
um sich blickend
Doch wehe! welchen Ort betraten wir?
Er zeigt nach hinten auf die Höhle
Hier hausen böse Geister seit Jahrhunderten,
leise
Die Vampyrhöhle nennt ihn das Volk.

CHOR
sieht sich entsetzt und ängstlich um, unruhig hin und her eilend
Weh! die Vampyrhöhle!
Schnell hinweg mit leisem Tritt!
sich mit Teilnahme Berkley nähernd
Armer Vater! Armer Vater!
Sie beginnen, sich nach links zurückzuziehen
Nur schnell hinweg! Nur schnell hinweg!
Nur schnell hinweg mit leisem Tritt!
Wo mag sie sein? Hier ist sie nicht!
Ja, hier verlor sich ihre Spur!
Ach, armer Vater, armer Vater, armer Vater,
Nimmer siehst du Janthen wieder,
Hier verlor sich ihre Spur.
Drum schnell hinweg mit leisem Tritt,
Nur fort von hier, nur fort von hier!
Drum schnell hinweg mit leisem Tritt!
Nur fort von hier, nur fort von hier,
Fort mit leisem Tritt!

Berkley vermag sich kaum noch aufrecht zu erhalten. Der alte Diener reicht ihm den Arm zur Stütze. Alle wenden sich nach links zum Abgang

JANTHE
in grellem Aufschrei in der Höhle
Weh' mir!

RUTHWEN
ebenso, mit triumphierendem Hohngelächter
Haha!

JANTHE
wie oben
Weh' mir!

RUTHWEN
ebenso
Haha!

Alle kehren entsetzt um und eilen zurück

CHOR
Welch' Geschrei!
auf die Höhle hinten zeigend
Dort kam es her!

JANTHE
wie oben
Weh!

BERKLEY
Das war meines Kindes Stimme,
Rettet mir ihr teures Leben!

Die Jäger und die Diener mit den Fackeln eilen in die Höhle hinein

BERKLEY
Weh' mir! Meine Kräfte schwinden!

Er wankt. Der alte Diener stützt ihn

BERKLEY
Angst und Freude macht mich beben;
Wie werd' ich sie wiederfinden!

Er ermannt sich und will zur Höhle. Einige Diener kommen mit Lord Ruthwen, den sie fest gepackt halten und der sich mit aller Macht dagegen sträubt, von dort zurück. Einige Jäger folgen. Die sonstigen Abgegangenen bleiben in der Höhle bei Janthe zurück. Der Vordergrund wird allmählich von blauem Licht überflutet, dann verbreitet sich schwacher Mondschein über die obersten Felsenspitzen.

ACHTER AUFTRITT
Ruthwen, Berkley zu seiner Linken. Die Andern zurückstehend

BERKLEY
zieht ergrimmt beim Anblick Ruthwens seinen Degen
Frecher Räuber meines Kindes,
Hier nimm deiner Taten Lohn.

Er dringt auf Ruthwen ein und verwundet ihn tödlich. Ruthwen sinkt auf dem Felsenlager rechts vorn zusammen

DIE ZURÜCKGEBLIEBENEN
in der Höhle
Sie ist tot!

BERKLEY
Wie? Mein Kind ermordet?
Mein Kind ermordet!

Er will zur Höhle. Jäger und Diener kommen ihm entgegen

EIN DIENER
Armer Vater! Weh! Entsetzen!
Brust und Nacken deiner Tochter
Sind voll Blut. Gift'ger Zähne Spuren
Verraten das Entsetzliche!
Sie ward zum Opfer dem Vampyr!

ALLE
aufs höchste erschreckt
Ein Vampyr! Ein Vampyr! Weh, ein Vampyr!

Sie stürzen nach links davon. Berkley ebenso, geführt von seinem alten Diener. Ruthwen bleibt allein zurück. Der Mondschein beleuchtet nur noch die oberen Felsenspitzen im Hintergrunde

NEUNTER AUFTRITT
Ruthwen allein

Rezitativ

RUTHWEN
sich mühsam aufrichtend
Weh mir! Meine Kräfte weichen!
Müssig wird die Zeit verstreichen,
Kann ich nicht die Höh' erreichen,
Um dort sterbend mit den Augen
Mondesstrahlen einzusaugen,
Die mir neue Kräfte geben zum Leben. Schrecklich!
Schrecklich! Allgerechter! Alles, alles öd und leer,
Grause Stille ringsumher! -
Nur der Hölle Hohngelächter
Muss ich hören!

Er sinkt zurück. Edgar Aubry kommt mit dem Hörnereinsatz von links

ZEHNTER AUFTRITT
Ruthwen auf dem Felsenlager rechts vorn, Aubry zu seiner Linken.

AUBRY
toch nicht sichtbar, spricht:
Ist denn nirgends ein Ausweg zu finden? Er kommt von links. Ein freier Platz ist hier, aber nach welcher Seite wende ich mich nun?

Ruthwen macht eine Bewegung.

AUBRY.
Still, dort regt sich etwas.

Er tritt näher. Die Musik endet

RUTHWEN
mit der Stimme eines tödlich Verwundeten
Wohl mir! Ich höre eines Menschen Stimme! Wer du auch sein magst -

AUBRY
Ha, ein Verwundeter liegt hier am Boden.

RUTHWEN
Wer du auch sein magst, habe Mitleid -

AUBRY
Welche Stimme?
Er steht nun Ruthwen ganz nahe
Was seh' ich! Täuscht des Mondes matter Schimmer mein Auge nicht, so bist du Ruthwen!

RUTHWEN.
Aubry, du bist's? Mein Engel sendet dich; ich ward hier von Räubern überfallen.

AUBRY
Gott! Teurer Freund, was kann ich für dich tun? Ist deine Wunde tödlich? Ist dir zu helfen?

RUTHWEN
der mit Aubrys Hilfe sich ein wenig erhoben hat
Nein, menschliche Hilfe kommt zu spät - und doch - Aubry - wenn ich je dein Freund war - leiste mir einen wichtigen Dienst.

AUBRY
O rede, was kann ich für dich tun? Du warst einst der Retter meines Lebens, o dass ich dir vergelten, dass ich mein Leben für das deine opfern könnte.

RUTHWEN.
Nein, für mein Leben ist nichts mehr zu tun, aber - Aubry - ich bitte dich -

AUBRY
Zögere nicht, es auszusprechen! Was ist's? Soll ich deinen Tod rächen? Hast du jene Räuber erkannt?

RUTHWEN
Nein, das ist es nicht, was ich von dir begehre! Schmerzhaft zusammenzuckend und niedersinkend. O!

AUBRY
So rede denn, was ist's! Was kann ich für dich tun? Welch seltsame Unruhe in deinem ganzen Wesen - lebt irgend jemand, um den du besorgt bist? Drückt irgend eine schwere Schuld dein Gewissen? - Rede, was ist's?

RUTHWEN
erhebt sich ein wenig
Nichts von allem - ich bitte dich nur - Aubry - leite mich hinauf auf jene Felsen
Er zeigt nach dem Steinlager über der Höhle
und lege mein Gesicht so - dass die Strahlen des Mondes - mir in die Augen dringen.

AUBRY
Seltsam - und was soll?
von einem Gedanken erfasst
Ha, welche Ahnung! Man sagt, dass jene fürchterlichen Geschöpfe -

RUTHWEN
Still! Vollziehe meine Bitte!

AUBRY
So wär es wahr, was man in London mir gesagt? Entsetzlicher! Du wärst ein V -

RUTHWEN
rafft sich gewaltsam halb in die Höhe
Halt ein, Unglückseliger, vollende nicht! In jener Stunde, da ich dein Leben rettete, gelobtest du, für mich zu tun, was ich von dir verlangte. Wohl, so erfülle jetzt, um was ich dich bat, und schwöre mir zuvor, alles, was du von mir weisst, oder noch erfahren, oder auch nur ahnen magst, zu verschweigen.

Aubry zögert

RUTHWEN
Nur vierundzwanzig Stunden!

AUBRY
Ruthwen!

RUTHWEN
heftig
Schwöre! Schwöre bei allem, was dir heilig ist, bei deiner Seele Seligkeit!

AUBRY
Du warst der Retter meines Lebens - wohlan, ich schwöre!
Er erhebt die Hand zum Schwur

RUTHWEN.
Und verflucht seist du in den Abgrund der Hölle, alle Strafe des Meineids laste zehnfach auf deiner Seele, wenn du den Schwur brichst! Verflucht seist du, und wer dir angehört! Verflucht sei, was du liebst, und was dich liebt! Schwöre mir!

AUBRY
wie oben
Ich schwöre!
durchschauert
Entsetzlich!

Nr. 5 - Melodram. Begleitendes Musikstück

RUTHWEN
Ah! - So - nun will ich ruhig mein Schicksal erwarten. - Leite mich hinauf.

Er erhebt sich mühsam unter Aubrys Beihilfe. Der von links hereinfallende Mondschein wird heller.
Aubry leitet Ruthwen langsam, indem er die linke Hand auf seinen Nacken legt, über den Aufgang links zu dem Steinlager über der Höhle, ist ihm beim Niederlegen auf die Maschine behilflich, und zwar so, dass von links her die Strahlen des Mondes auf Ruthwens Gesicht fallen; dann entflieht er entsetzt nach links.
Grellheller Mondschein, grosser und voller Beleuchtungseffekt. Der Vordergrund bleibt dunkel.

RUTHWEN's
Züge beginnen sich zu regen, er richtet sich durch die Maschine neubelebt unter dem Einfluss der Mondstrahlen auf, erhebt malerisch den Mantel gegen den Mond, so dass die Maschine ungesehen sich wieder senkt und atmet tief auf.
Ah!



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