オペラ作曲家別索引

オペラ対訳完成

その他対訳完成

対訳一部完成

このサイトについて

アクセス数

  • 今日  -
  • 昨日  -
  • 累計  -

翻訳エンジン


bose_soundlink_color_ii



ZWEITER AUFZUG

Nr. 6 - Szene und Arie

Der Vorhang öffnet sich im sechzehnten Ein Saal im Schlosse des Lord von Davenaut.
Mitteltür. Eine Seitentür rechts. Ein Fenster links, durch welches eine Berglandschaft sichtbar ist. Rechts und links Tische und Sessel mit hohen Lehnen; die Tische mit schweren. Es ist Tag.

ERSTER AUFTRITT
Malwina allein

Malwina kommt frohbewegt von rechts, geht an das Fenster links und öffnet es. Es zeigt sich die Berglandschaft in Morgenröte, die bald in hellen Tag übergeht.

Rezitativ

MALWINA
Heiter lacht die goldne Frühlingssonne
Auf die buntgeschmückte neubelebte Flur.
Ach, alles, was ich sehe, ist der Abglanz nur
Von meines Herzens nie geahnter Wonne!
voll freudigen Gefühls, aber ohne Leidenschaft
Die Flur im bunten Festgeschmeide,
Der Baum im duft'gen Blütenkleide,
Der Vögel Chor, der mich umklingt
Und jubelnd auf zum Himmel dringt,
Ach, alles jauchzt und teilt mein Glück!
Heute wogt es in mir auf und nieder,
Ja, „heute“ schallt's von aussen wieder!
Ja, heut'! heut'! heut'! ja, heut'! ja, heut'!
a, heut' kehrt der Teure dir zurück! -
Hochbeglückt kniet sie nieder und betet mit gefalteten Händen
O schwing' auch du, mein liebend Herz,
Dich dankerglühend himmelwärts
Und in dem Lust- und Freudendrang
Lall' deines Schöpfers Lobgesang.
Vater, du im Himmel droben,
Du, den alle Welten loben,
Vater, du im Himmel droben,
Hör' auch deines Kindes Stimme! -
Sie steht auf und horcht
Still! wer naht sich dort der Pforte?
Sie tritt ans Fenster links
Er sieht herauf, es ist sein Blick!
Sie zieht ein Tuch hervor und winkt
Er ist's, er ist es! Edgar! Edgar! Er ist's! -
Ach, verzeihe mir die Sünde,
Wenn aus freudetrunkner Brust
Ich zum Dank nicht Worte finde
In dem Übermass der Lust.
Nichts kann ich fühlen als dies Glück,
Es kehrt der Teure mir zurück! -
Sie wendet sich mit nach oben gerichteten Blicken nach der MitteO Gott, verzeihe mir die Sünde
Wenn aus freudetrunkner Brust
Ich zum Dank nicht Worte finde
In dem Übermass der Lust.

Sie eilt ab durch die Mitte, Aubry entgegen. Edgar Aubry und Malwina kommen zwei Takte vor dem Einsatz in freudiger Hast durch die Mitte

ZWEITER AUFTRITT
Aubry, Malwina zu seiner Linken

Nr. 7 - Duett

Beide treten in Umarmung nach vorn

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Du bist's, es ist kein Traum!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

AUBRY
Bist du es wirklich?

MALWINA
Bist du es wirklich?

AUBRY
Seh ich dich wieder!

MALWINA
Seh ich dich wieder!

AUBRY
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

MALWINA
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

BEIDE
Bist du es wirklich, seh ich dich wieder!

MALWINA
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

BEIDE
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Du bist's, es ist kein Traum!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

MALWINA
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!
Du bist es wirklich? Ist's kein Traum?
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

AUBRY
Bist du es wirklich, ist's kein Traum?
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum! -
Ach, entfernt vom Heimatlande,
Stand ich klagend oft und sandte
Seufzend sehnsuchtsvolle Blicke
Nach des Hochlands Bergen hin.

MALWINA
Wenn im Hause nichts mehr wachte,
Nur der Mond durchs Fenster lachte,
räumt' ich mich zu dem Geliebten
Von des Hochlands Bergen hin.

BEIDE
Wenn in trüben Dämmerstunden
Süsse Wehmut ich empfunden,
Träumt' ich mich zu der (dem) Geliebten
Nach (von) des Hochlands Bergen hin.

AUBRY
Doch die Zeit ist nun verschwunden,
Heiter glänzt der Liebe Glück!

BEIDE
Denn es führten mich die Stunden
Zu der (dem) Teuren ja zurück!

MALWINA
Doch die Zeit ist nun verschwunden,
Heiter glänzt der Liebe Glück!

AUBRY
Denn es führten mich die Stunden
Zu der Teuren ja zurück!

BEIDE
Denn es führten mich die Stunden
Zu der (dem) Teuren ja zurück!

MALWINA
Zu dir!

AUBRY
Zu dir!

MALWINA
Zu dir!

AUBRY
Ja, zu dir!

MALWINA
Zu dir! -

BEIDE
Du bist's, du bist's!
Du bist's, du bist's, es ist kein Traum,
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

MALWINA
spricht
Und schon am frühen Morgen bist du hier?

AUBRY
Abends spät kam ich in Schellborn an, mein Pferd war so entkräftet, dass es die drei Meilen bis hierher nicht mehr machen konnte, da entschloss ich mich, die Nacht durch zu gehen, um heute der erste zu sein, der dir seinen herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtsfeste mit dem frühesten Morgen darbringt.

MALWINA
O Edgar, ich bin so froh! Mein Vater spricht seit einiger Zeit mit so viel Achtung von dir. Seit du das für ihn so wichtige Geschäft in London über alle Erwartung glücklich beendet, sieht er in dir nicht mehr den unbedeutenden Jüngling, für den er dich hier immer hielt. Noch vor einigen Tagen sagte er: „Schade, dass mir nicht ein solcher Sohn geworden, er würde den Glanz des alten Hauses Davenaut erhalten!“

AUBRY
Ach, Malwina, ich sehe darin nur die Sorge um den Glanz seines alten Hauses; nur dass ich mit diesem weitläufig verwandt bin, gibt mir in seinen Augen einigen Wert. Glaube mir, nie wird er mir, dem unbedeutenden Jüngling, die Hand seiner einzigen Tochter geben.

MALWINA
Nein, ich fürchte nun nichts mehr; ich glaube, er ahnt unsere Liebe und billigt sie. Bedeutungsvoll haftet oft sein Blick auf mir, und er scheint mein Geständnis zu erwarten. Als du ihm die Nachricht sandtest, dass die grossen Besitzungen der Grafschaft Schellborn nun unangefochten sein Eigentum blieben, küsste der sonst so strenge Vater meine Stirn, und gerührt und voll Liebe sprach er zu mir: „Dich glücklich zu sehen, meine Tochter, sei jetzt meine einzige Sorge“.

AUBRY
Ach, nur Rang und Reichtum ist sein Glück, und ich selbst habe die Hindernisse vermehrt, die mich nun auf ewig von dir trennen.

MALWINA
O trübe nicht durch deinen Zweifel meine frohe Hoffnung. Noch heute, an meinem Geburtstage, wenn mein Vater wie gewöhnlich mir die Gewährung jeder Bitte verspricht, will ich ihm zu Füssen sinken und das Geheimnis unsrer Liebe entdecken. - Still, er kommt!

Sir Humphrey, Lord von Davenaut kommt durch die Mitte

DRITTER AUFTRITT
Aubry rechts. Davenaut in der Mitte. Malwina links

MALWINA
eilt Davenaut entgegen
Vater! Vater! Edgar ist zurück!

DAVENAUT
Sir Aubry, seid mir herzlich willkommen!
Er reicht Aubry die Hand
Einen wichtigen Dienst habt Ihr dem Hause Davenaut geleistet. Doch was Ihr tatet, fällt auf Euch selbst zurück.

MALWINA
für sich
Was hör' ich!

DAVENAUT
fortfahrend
Denn auch Ihr seid ein Sprosse dieses erlauchten Hauses, und je grösser Glanz und Reichtum des Lords, je mehr Ruhm und Ehre für alle Glieder des Stammes. Doch fühl' ich mich Euch sehr verpflichtet, nehmt meinen Dank und Euer Glück sei künftig Eures Vaters Sorge.

AUBRY
Sir, diese Güte -!
Er küsst seine Hand

MALWINA
O mein Vater!

DAVENAUT
Meine Tochter!
Er umarmt sie feierlich und führt sie etwas nach links hinüber
Wohl habe ich oft gemurrt, dass mir kein Sohn geboren, dass der Name Davenaut, seit Jahrhunderten einer der edelsten in Schottland, mit mir aussterben soll. Komm an mein Herz, geliebte Tochter! Der Tag, der dich mir heut' vor achtzehn Jahren gab, er wird auch heut' durch dich mir einen Sohn geben, wert meines Hauses, deiner Liebe wert.

MALWINA
Mein Vater!

DAVENAUT
Ich habe längst bemerkt, was mir dein Mund verschwiegen; besorglich schien dein scheuer Blick mich oft zu fragen, soll ich allein dastehn, wenn mich mein Vater einst verlässt? Erraten hab' ich deinen Wunsch, und deiner Bitte komme ich zuvor, ich grüsse dich als Braut.

MALWINA
O mein Vater, diese Güte
Sie wirft sich in seine Arme

DAVENAUT
nach einer Pause
Ihr steht so fern, Sir Aubry? Nehmt Ihr nicht teil an unserer Freude?

AUBRY
eilt freudig zu Davenaut
O Gott! Wär's möglich? Dürft' ich hoffen?

DAUVENAUT
Glaubt Ihr, ich wolle Euer Schuldner bleiben? Zwar seit Ihr meinem Hause nur fern anverwandt, doch Ihr seid ihm verwandt, dieses genügt mir, und ich versprach, für Euer Glück zu sorgen. Edelmut ist die angeerbte Tugend jedes hochländischen Edelmanns und der Name meines Schwiegersohns, er sei Euch Bürge, dass er stets in meinem Geiste handeln wird: Es ist der Graf von Marsden!

Aubry und Malwina treten entsetzt von Davenaut zurück

Nr. 8 - Terzett

MALWINA
ausser sich
Wie? Mein Vater!

AUBRY
beiseite
Weh, verloren!

DAVENAUT
Ja, es ist der Graf von Marsden.

MALWINA
Wie? Mein Vater!

AUBRY
beiseite
Weh, verloren!

DAVENAUT
Ja, ja, es ist der Graf von Marsden,
Den ich mir zum Sohn, zum Sohn erkoren.

MALWINA
Wie, wer ist's?

AUBRY
Wie, wer ist's?

MALWINA
Der Graf von Marsden?

AUBRY
Der Graf von Marsden?

AUBRY UND MALWINA
Der Graf von Marsden?

DAVENAUT
Ja, ja, es ist der Graf von Marsden,
Den ich mir zum Sohn erkoren!
für sich
Ha, die Wahl scheint sie zu freuen!

MALWINA
Wie, mein Vater! Wie, wer ist's?

AUBRY
Weh, verloren! Weh, verloren! Weh, verloren!

AUBRY UND MALWINA
beiseite
Ach, mein Glück war nur ein Traum,
Musst' er mich so schnell verlassen?
Weh, dies Unglück ganz zu fassen,
Hat mein armes Herz nicht Raum!

DAVENAUT
für sich
Ha, die Wahl scheint sie zu freun!
laut
Ja, er ist an Rang und Adel,
Wie durch Sitten ohne Tadel,
Wert ein Davenaut zu sein! -

MALWINA
knieend
Sieh mich hier zu deinen Füssen;
Vater, kannst du mir verzeihn?
Vater, ach, dem Grafen Marsden
Kann ich nimmer Gattin sein!

DAVENAUT
Wie, was hör' ich? Ha, ist's möglich!

MALWINA
Dieses Herz -

DAVENAUT
Wie?

MALWINA
Hat schon gewählt.

DAVENAUT
Ha! Ist's möglich!

MALWINA
Ach, ich fühl's, ich hab' gefehlt,
Dass ich's dir bis jetzt verschwiegen.

DAVENAUT
Wer ist der Verwegne? Sprich!

AUBRY
knieend
Sieh ihn hier im Staube liegen!

DAVENAUT
Ha, vor Zorn kaum halt' ich mich!
Wie, Verworfner! dürft Ihrs wagen,
Dies ins Antlitz mir zu sagen?

AUBRY
flehend
Ach, seit meiner Kindheit Tagen
Hat dies Herz für sie geschlagen,
Eure Tochter zu beglücken
Soll mein einzig Streben sein!

DAVENAUT
Fort, ihr fleht vergebens, fort! -
Mir ins Antlitz dies zu sagen! -
Ha, Verwegner, dürft Ihr's wagen? -
Ha, vor Zorn kaum halt' ich mich!
Wie, Verwegne, dürft ihr's wagen,
Dies ins Antlitz mir zu sagen! Fort!

MALWINA
flehend
Ach, seit meiner Kindheit Tagen
Hat dies Herz für ihn geschlagen,
Habe Mitleid, deine Tochter
Kann mit ihm nur glücklich sein!

DAVENAUT
Ihr fleht vergebens!

MALWINA
Vater!

DAVENAUT
Fort, ihr fleht vergebens -
Denn der Graf, er hat mein Wort!

AUBRY
Habt Mitleid!

MALWINA
O Vater!

DAVENAUT
Und noch niemals ward gebrochen,
Was ein Davenaut versprochen!

MALWINA
O mein Vater - habe Mitleid!
Habe Mitleid, deine Tochter
Kann mit ihm nur glücklich sein!

Aubry und Malwina erheben sich

MALWINA
für sich
Ach! Sein Zorn raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich der Verzweiflung hin.

AUBRY
für sich
Nimmer wird es mir gelingen,
Seinen Hochmut zu bezwingen -
Wehe mir! Sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin.

DAVENAUT
für sich
Nein, des Vaterherzens Schwächen
Dürfen meinen Stolz nicht brechen;
Dieses Herz erfülle ganz
Meines Hauses Ruhm und Glanz!

AUBRY
für sich
Nimmer wird es mir gelingen,
Seinen Hochmut zu bezwingen!
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin!
Ach, sein Stolz raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin!

Er steht abgewendet rechts

DAVENAUT
für sich
Nein, des Vaterherzens Schwächen
Dürfen meinen Stolz nicht brechen;
Dieses Herz erfülle ganz
Meines Hauses Ruhm und Glanz!

MALWINA
für sich
Ach, sein Zorn raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich der Verzweiflung hin!

Sie wankt zu einem Sessel links und nimmt dort Platz. Trompetenruf ausserhalb. Der Diener George Dibdin kommt durch die Mitte

VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. George zwischen Aubry und Davenaut

GEORGE
meldend
Gnäd'ger Herr, der Graf von Marsden
Ritt soeben durch das Tor,
Und des Dorfes muntre Jugend
Naht vereint im heitern Chor,
Eure Tochter zu begrüssen
Heut' an ihrem Wiegenfeste.

DAVENAUT
Führe denn die muntern Gäste
In den Saal zu meiner Tochter.

Er geht ab nach rechts. George öffnet die Mitteltür, winkt hinaus und geht dann durch die Mitte ab

Nr. 9 - Finale

Der Chor der Landleute tritt paarweise mit dem Beginn des Allegretto giocoso rasch durch die Mitte ein und stellt sich rechts auf. Das Ballett folgt und nimmt vor den Landleuten Aufstellung.
Alle sind mit Blumen geschmückt und tragen Kränze und Sträusse in den Händen. Zwölf Jäger kommen während des Chores mit Fahnen und grünen Zweigen an den Armbrüsten, George an ihrer Spitze, und nehmen vor der Mitteltür Aufstellung.

FÜNFTER AUFTRITT
Aubry rechts. Malwina auf dem Sessel links. Die Landleute und das Ballett auf der rechten Seite. George mit den zwölf Jägern vor der Mitteltür

Chor und Ballett

ALLE LANDLEUTE
zu Malwina gewendet
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest!

VIER PAAR LANDLEUTE
treten vor und ziehen an Malwina vorbei, in die alte Stellung zurück
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich dir auf den Lebenspfad streun,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen und Blüten dir weihn.

Das Ballett nimmt die Kränze und Sträusse ab und legt sie auf den Tisch links neben Malwina

ALLE JÄGER UND LANDLEUTE
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich dir auf den Lebenspfad streun,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen und Blüten dir weihn!

VIER PAAR LANDLEUTE
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Rose mit freundlichem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück.
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.
Blumen und Blüten im Zephirgekose
Winden wir dir zu dem heutigen Fest!

Die Seitentür rechts öffnet sich

GEORGE
nach rechts weisend
Seht, dort naht der Schwiegersohn
An der Hand des alten Herrn,
dringender zu den Landleuten
Stimmt an das Lied, ihr wisst ja schon,
Das der Alte hört so gern!
ärgerlich
Stimmt an das Lied, ihr wisst ja schon.
Das der Alte hört so gern!
Nun stimmt an das Lied!
Nun, ihr wisst ja schon!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
frisch und munter
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt;
Was fest wie unsre Berge steht,
Was mit der Welt nur untergeht,
Was an Glanze der Krone nicht weichet,
Was der Sonne gleich pranget und leuchtet,
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt,
Heil, Heil, Heil, Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil, Heil, Heil, Heil jedem, der mit ihm verwandt. -

Sir Humphrey, Lord von Davenaut kommt bei dem Trompeteneinsatz mit Lord Ruthwen von rechts. Zwei Diener folgen und bleiben am Eingang stehen. Das Ballett ist bis zum Eingang zurückgetreten

SECHSTER AUFTRITT
Aubry abgewendet rechts. Ruthwen und Davenaut in der Mitte. Malwina am Tisch links. Die Landleute rechts zurückstehend. Die Jäger mit George vor der Mitteltür. Das Ballett vor den Jägern. Die beiden Diener an der Tür rechts

Malwina erhebt sich

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
schwenkt die Fahnen und Hüte
Heil! - Heil! - Heil! - Heil,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!

Sie bilden einen grossen Halbkreis

DAVENAUT
Hier, Malwina, ist der Mann,
Den ich deiner wert erachte,
Wert des Hauses Davenaut.

RUTHWEN
geht an Davenaut vorüber zu Malwina
Eure Wahl zwar macht mich froh,
Doch beglückt wär ich nur dann,
Wenn Myladys Aug' mir freundlich lachte.

MALWINA
schüchtern, ohne ihn anzusehen
Werter Sir!
sie sieht ihn an
Ha! - Wehe mir!

Sie wankt und sinkt wie tödlich getroffen zusammen. Die nahestehenden Mädchen stützen sie und beschäftigen sich um sie

AUBRY
sich wendend und jetzt erst Ruthwen ansehend, für sich
Gott, wen seh ich!

Ruthwen tritt an Davenaut vorüber, zu ihm

DAVENAUT
für sich, zu Malwina gewendet
Unbegreiflich!

AUBRY
Seh ich recht - du bist - Lord Ruthwen!

RUTHWEN
ruhig
Nein, Sir! Ruthwen ist mein Bruder,
Der auf Reisen schon seit Jahren
Auf dem festen Lande ist.
Lieb ist mir es, zu erfahren,
Was Ihr etwa von ihm wisst.

AUBRY
verwirrt
Was ich weiss? - Er war ja heut' -

RUTHWEN
ihn durch seinen Blick beeinflussend
Nun?

AUBRY
noch verwirrter
Wehe! - Nein, Sir - ich weiss nichts -
Täuschend ist die Ähnlichkeit
Seines - Euren Angesichts.
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Diese Ähnlichkeit des Bruders,
Das bedeutet nimmer Heil.

RUTHWEN
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Ha, den Träumer hier zu finden,
Das bedeutet nimmer Heil.

DAVENAUT
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Seinen Stolz so zu beleid'gen,
Das bedeutet nimmer Heil.

MALWINA
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Dass mein Innres vor ihm bebet,
Das bedeutet nimmer Heil.

Sie steht regungslos

CHOR
unter sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick ihr durch die Seele,
Dass ihr Innres vor ihm bebet,
Das bedeutet nimmer Heil.

DAVENAUT
Nun, Malwina, ist das Sitte?
Weisst du deinen Bräutigam
Freundlicher nicht zu empfangen?

Er geht nach hinten, spricht, Befehle gebend, mit George und den Dienern und unterhält sich mit den Landleuten. Malwina erhebt sich mühsam und wendet sich zu Ruthwen

RUTHWEN
zu Davenaut
Lasst sie, werter Sir, ich bitte.

MALWINA
zu Ruthwen, beklommen
Sir, ich weiss nicht, wie es kam,
Dass ein grausend seltsam Bangen -

RUTHWEN
unterbrechend
Schöne Lady, o verzeiht!
Wie die junge Rose lacht,
Die am Wege einsam blüht,
Hat im innersten Gemüt
Euer Anblick mich erfreut;
Hoffen will ich, dass die Zeit
Euch mein armes Angesicht
Wenigstens erträglich macht.

Er spricht leise mit Malwina

AUBRY
der Ruthwen nicht aus den Augen gelassen hat, für sich
Nein, mein Auge täuscht mich nicht,
Wie er lacht und wie er spricht,
Alles zeigt es deutlich mir,
Ruthwen ist es, der Vampyr!
Er tritt zu Ruthwen und berührt ihn leicht; laut.
Sir, zwei Worte nur, ich bitte!

Er geht mit einigen Schritten nach rechts. Ruthwen folgt ihm nach dort. Davenaut ist inzwischen, Malwina zur Linken, nach vorn gekommen. Malwina wendet sich unter flehenden Gebärden zu ihm und bittet ihn mit leisen Worten, das Unglück von ihr abzuwenden

AUBRY
leise und bestimmt zu Ruthwen
Entsetzlicher, ich habe dich erkannt!
Hier auch die Narb' an deiner Hand!
Unglücksel'ger, darfst du es wagen,
Zu ihr die Augen aufzuschlagen,
Grauses Scheusal der Natur!

RUTHWEN
leise und energisch
Still! Gedenk' an deinen Schwur!

Davenaut hat sich inzwischen wieder, Befehle erteilend, nach hinten zu George gewendet und tritt nun zwischen Ruthwen und Malwina vor. Malwina stützt sich auf die Lehne des Sessels zu ihrer Linken

DAVENAUT
Der Priester ist bestellt, geladen sind die Gäste,
Bereitet alles nun zum frohen Hochzeitsfeste,
Denn ehe noch die Mitternacht entschwunden,
Bist du auf ewig mit ihm verbunden.

MALWINA
ausser sich
Ach, mein Vater!

AUBRY
leise zu Ruthwen
Ich beschwöre Euch!

MALWINA
Ach, diese Eile, gönnt mir Frist,
Wen'ge Tage bitt' ich!

DAVENAUT
Schweig'!

AUBRY
laut zu Davenaut
Sir, verschiebt's bis morgen nur!

DAVENAUT
Nein, unmöglich!

MALWINA
Ach, mein Vater!

Sie wankt zurück in den Sessel

AUBRY
entschlossen auf Davenaut zutretend
Nun, so wisst -

RUTHWEN
ihn mit einer kraftvollen Gebärde zurückhaltend, leise
Still! gedenk' an deinen Schwur!

DAVENAUT
Heute noch, ich gab mein Wort,
Morgen muss der Graf schon fort!
Zum Gesandten, wie bekannt,
Nach Madrid ist er ernannt,
Seine Zeit gebeut zu eilen.

AUBRY
Lasst ihn nur bis morgen weilen.
Sir, seid nicht so fest gesinnt.
Ach, verschiebt's bis morgen nur,
Und Ihr rettet Euer Kind!

Davenaut macht, indem er sich nach Malwina wendet, eine abwehrende Bewegung. Aubry will wie vorher wieder auf ihn zu. Ruthwen hält ihn wiederholt zurück. Davenaut spricht mit Malwina

RUTHWEN
Still! gedenk' an deinen Schwur!

AUBRY
wankt nach rechts, für sich
Ha, kaum halt' ich mich vor Wut!
Doch mein Schwur hält mich gefangen.
Weh mir, seine blassen Wangen
Lechzen schon nach ihrem Blut.
Stimmen der Hölle, die mich umklingen,
Höhnen mir zu: die Tat muss gelingen.

RUTHWEN
für sich
Lachen kann ich seiner Wut,
Denn sein Schwur hält ihn gefangen.
Mägdlein mit den Rosenwangen,
Bald ist mein dein süsses Blut.
Stimmen der Geister, die mich umklingen,
Jubeln mir zu: die Tat muss gelingen.

MALWINA
erhebt sich, beiseite
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass so lang dies Herz wird schlagen,
Nimmer ich ihm werd' entsagen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

DAVENAUT
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass das Band, das ich geschlungen,
Meinem Hause Ruhm errungen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

RUTHWEN
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Ehe noch die Frist verronnen,
Ist dies Opfer mir gewonnen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

MALWINA
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass so lang dies Herz wird schlagen,
Nimmer ich ihm werd' entsagen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

AUBRY
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Eh' nicht meine Kräfte schwinden,
Wird er nicht sein Opfer finden;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
im Halbkreis
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Rose mit freundlichem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück!

DAVENAUT
zu den Jägern und Landleuten zurücktretend
Zum Feste lad' ich euch alle ein,
Jubeln soll alles und fröhlich sein!

Die Jäger und Landleute danken jubelnd durch Verbeugungen

DAVENAUT
sehr wichtig vortretend
Denn heute noch, ich schwör' es laut,
Führt Marsden zum Altar die Braut.
Der ganzen Herrschaft mögt ihr verkünden,
Dass Marsden sich und Davenaut verbinden.

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
freudig etwas vortretend
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!

AUBRY, RUTHWEN, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Furchtbar eilend drängt die Zeit
Und vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern.

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
freudig
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Wer der eignen Kraft vertraut,
Wer der Hölle Macht geschaut,
Nichts kann ihn erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil dem Hause Davenaut,
Jedem, der mit ihm verwandt!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Mögen sich die Wolken türmen,
Mag es brausen, mag es stürmen,
Nichts soll mich erschüttern!
Furchtbar eilend drängt die Zeit,
Und vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern!
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Mögen sich die Wolken türmen,
Mag es brausen, mag es stürmen,
Finstre Nacht die Zukunft decken,
Höhnend uns das Schicksal necken,
Wer der Hölle Macht geschaut,
Ist mit Grausen schon vertraut,
Ihn kann nichts erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil! Heil! - Heil! Heil dem Hause Davenaut!
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
Auf, singet laut, singet laut, jubelt froh!
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Wer auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern,
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Sieht er nur des Himmels Macht,
Lachet bei Gewittern.
Wer auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!
Bei des Unglücks grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
In der Elemente Toben
Hebt er seinen Blick nach oben,
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Sieht er nur des Himmels Macht!

RUTHWEN
für sich
Bei des Unheils grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
Grinsend blicket er nach oben!
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Freut er sich des Bösen Macht!
Bei des Unglücks grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
Grinsend blicket er nach oben
In der Elemente Toben!
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Freut er sich des Bösen Macht!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
Heil! Heil! Heil! Heil! - Heil! - Heil! -
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
Heil, Heil dem Hause Davenaut!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Ach, vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern!
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Wer der Hölle Macht geschaut,
Ist mit Grausen schon vertraut,
Nichts kann ihn erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
die Fahnen und Hüte schwenkend
Heil! Heil! - jedem, der mit ihm verwandt!
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
Heil, Heil dem Hause Davenaut!
Heil, Heil! - Heil, Heil! -
Heil dem Hause Davenaut!

Das Ballett bildet Spalier bis zur Mitteltür. Die Dienerschaft geht voraus. Davenaut reicht Malwina die Hand zum Abgehen. Ruthwen bannt Aubry durch seinen Blick, ihn dadurch von weiteren Schritten abhaltend. Malwina sinkt ohnmächtig nieder. Allgemeine Bestürzung
ZWEITER AUFZUG

Nr. 6 - Szene und Arie

Der Vorhang öffnet sich im sechzehnten Ein Saal im Schlosse des Lord von Davenaut.
Mitteltür. Eine Seitentür rechts. Ein Fenster links, durch welches eine Berglandschaft sichtbar ist. Rechts und links Tische und Sessel mit hohen Lehnen; die Tische mit schweren. Es ist Tag.

ERSTER AUFTRITT
Malwina allein

Malwina kommt frohbewegt von rechts, geht an das Fenster links und öffnet es. Es zeigt sich die Berglandschaft in Morgenröte, die bald in hellen Tag übergeht.

Rezitativ

MALWINA
Heiter lacht die goldne Frühlingssonne
Auf die buntgeschmückte neubelebte Flur.
Ach, alles, was ich sehe, ist der Abglanz nur
Von meines Herzens nie geahnter Wonne!
voll freudigen Gefühls, aber ohne Leidenschaft
Die Flur im bunten Festgeschmeide,
Der Baum im duft'gen Blütenkleide,
Der Vögel Chor, der mich umklingt
Und jubelnd auf zum Himmel dringt,
Ach, alles jauchzt und teilt mein Glück!
Heute wogt es in mir auf und nieder,
Ja, „heute“ schallt's von aussen wieder!
Ja, heut'! heut'! heut'! ja, heut'! ja, heut'!
a, heut' kehrt der Teure dir zurück! -
Hochbeglückt kniet sie nieder und betet mit gefalteten Händen
O schwing' auch du, mein liebend Herz,
Dich dankerglühend himmelwärts
Und in dem Lust- und Freudendrang
Lall' deines Schöpfers Lobgesang.
Vater, du im Himmel droben,
Du, den alle Welten loben,
Vater, du im Himmel droben,
Hör' auch deines Kindes Stimme! -
Sie steht auf und horcht
Still! wer naht sich dort der Pforte?
Sie tritt ans Fenster links
Er sieht herauf, es ist sein Blick!
Sie zieht ein Tuch hervor und winkt
Er ist's, er ist es! Edgar! Edgar! Er ist's! -
Ach, verzeihe mir die Sünde,
Wenn aus freudetrunkner Brust
Ich zum Dank nicht Worte finde
In dem Übermass der Lust.
Nichts kann ich fühlen als dies Glück,
Es kehrt der Teure mir zurück! -
Sie wendet sich mit nach oben gerichteten Blicken nach der MitteO Gott, verzeihe mir die Sünde
Wenn aus freudetrunkner Brust
Ich zum Dank nicht Worte finde
In dem Übermass der Lust.

Sie eilt ab durch die Mitte, Aubry entgegen. Edgar Aubry und Malwina kommen zwei Takte vor dem Einsatz in freudiger Hast durch die Mitte

ZWEITER AUFTRITT
Aubry, Malwina zu seiner Linken

Nr. 7 - Duett

Beide treten in Umarmung nach vorn

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Du bist's, es ist kein Traum!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

AUBRY
Bist du es wirklich?

MALWINA
Bist du es wirklich?

AUBRY
Seh ich dich wieder!

MALWINA
Seh ich dich wieder!

AUBRY
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

MALWINA
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

BEIDE
Bist du es wirklich, seh ich dich wieder!

MALWINA
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

BEIDE
Freude des Himmels strömt auf mich nieder!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Du bist's, es ist kein Traum!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

MALWINA
Du bist's!

AUBRY
Du bist's!

BEIDE
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

MALWINA
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!
Du bist es wirklich? Ist's kein Traum?
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

AUBRY
Bist du es wirklich, ist's kein Traum?
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum! -
Ach, entfernt vom Heimatlande,
Stand ich klagend oft und sandte
Seufzend sehnsuchtsvolle Blicke
Nach des Hochlands Bergen hin.

MALWINA
Wenn im Hause nichts mehr wachte,
Nur der Mond durchs Fenster lachte,
räumt' ich mich zu dem Geliebten
Von des Hochlands Bergen hin.

BEIDE
Wenn in trüben Dämmerstunden
Süsse Wehmut ich empfunden,
Träumt' ich mich zu der (dem) Geliebten
Nach (von) des Hochlands Bergen hin.

AUBRY
Doch die Zeit ist nun verschwunden,
Heiter glänzt der Liebe Glück!

BEIDE
Denn es führten mich die Stunden
Zu der (dem) Teuren ja zurück!

MALWINA
Doch die Zeit ist nun verschwunden,
Heiter glänzt der Liebe Glück!

AUBRY
Denn es führten mich die Stunden
Zu der Teuren ja zurück!

BEIDE
Denn es führten mich die Stunden
Zu der (dem) Teuren ja zurück!

MALWINA
Zu dir!

AUBRY
Zu dir!

MALWINA
Zu dir!

AUBRY
Ja, zu dir!

MALWINA
Zu dir! -

BEIDE
Du bist's, du bist's!
Du bist's, du bist's, es ist kein Traum,
Ach, dieses Glück, ich fass' es kaum!

MALWINA
spricht
Und schon am frühen Morgen bist du hier?

AUBRY
Abends spät kam ich in Schellborn an, mein Pferd war so entkräftet, dass es die drei Meilen bis hierher nicht mehr machen konnte, da entschloss ich mich, die Nacht durch zu gehen, um heute der erste zu sein, der dir seinen herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtsfeste mit dem frühesten Morgen darbringt.

MALWINA
O Edgar, ich bin so froh! Mein Vater spricht seit einiger Zeit mit so viel Achtung von dir. Seit du das für ihn so wichtige Geschäft in London über alle Erwartung glücklich beendet, sieht er in dir nicht mehr den unbedeutenden Jüngling, für den er dich hier immer hielt. Noch vor einigen Tagen sagte er: „Schade, dass mir nicht ein solcher Sohn geworden, er würde den Glanz des alten Hauses Davenaut erhalten!“

AUBRY
Ach, Malwina, ich sehe darin nur die Sorge um den Glanz seines alten Hauses; nur dass ich mit diesem weitläufig verwandt bin, gibt mir in seinen Augen einigen Wert. Glaube mir, nie wird er mir, dem unbedeutenden Jüngling, die Hand seiner einzigen Tochter geben.

MALWINA
Nein, ich fürchte nun nichts mehr; ich glaube, er ahnt unsere Liebe und billigt sie. Bedeutungsvoll haftet oft sein Blick auf mir, und er scheint mein Geständnis zu erwarten. Als du ihm die Nachricht sandtest, dass die grossen Besitzungen der Grafschaft Schellborn nun unangefochten sein Eigentum blieben, küsste der sonst so strenge Vater meine Stirn, und gerührt und voll Liebe sprach er zu mir: „Dich glücklich zu sehen, meine Tochter, sei jetzt meine einzige Sorge“.

AUBRY
Ach, nur Rang und Reichtum ist sein Glück, und ich selbst habe die Hindernisse vermehrt, die mich nun auf ewig von dir trennen.

MALWINA
O trübe nicht durch deinen Zweifel meine frohe Hoffnung. Noch heute, an meinem Geburtstage, wenn mein Vater wie gewöhnlich mir die Gewährung jeder Bitte verspricht, will ich ihm zu Füssen sinken und das Geheimnis unsrer Liebe entdecken. - Still, er kommt!

Sir Humphrey, Lord von Davenaut kommt durch die Mitte

DRITTER AUFTRITT
Aubry rechts. Davenaut in der Mitte. Malwina links

MALWINA
eilt Davenaut entgegen
Vater! Vater! Edgar ist zurück!

DAVENAUT
Sir Aubry, seid mir herzlich willkommen!
Er reicht Aubry die Hand
Einen wichtigen Dienst habt Ihr dem Hause Davenaut geleistet. Doch was Ihr tatet, fällt auf Euch selbst zurück.

MALWINA
für sich
Was hör' ich!

DAVENAUT
fortfahrend
Denn auch Ihr seid ein Sprosse dieses erlauchten Hauses, und je grösser Glanz und Reichtum des Lords, je mehr Ruhm und Ehre für alle Glieder des Stammes. Doch fühl' ich mich Euch sehr verpflichtet, nehmt meinen Dank und Euer Glück sei künftig Eures Vaters Sorge.

AUBRY
Sir, diese Güte -!
Er küsst seine Hand

MALWINA
O mein Vater!

DAVENAUT
Meine Tochter!
Er umarmt sie feierlich und führt sie etwas nach links hinüber
Wohl habe ich oft gemurrt, dass mir kein Sohn geboren, dass der Name Davenaut, seit Jahrhunderten einer der edelsten in Schottland, mit mir aussterben soll. Komm an mein Herz, geliebte Tochter! Der Tag, der dich mir heut' vor achtzehn Jahren gab, er wird auch heut' durch dich mir einen Sohn geben, wert meines Hauses, deiner Liebe wert.

MALWINA
Mein Vater!

DAVENAUT
Ich habe längst bemerkt, was mir dein Mund verschwiegen; besorglich schien dein scheuer Blick mich oft zu fragen, soll ich allein dastehn, wenn mich mein Vater einst verlässt? Erraten hab' ich deinen Wunsch, und deiner Bitte komme ich zuvor, ich grüsse dich als Braut.

MALWINA
O mein Vater, diese Güte
Sie wirft sich in seine Arme

DAVENAUT
nach einer Pause
Ihr steht so fern, Sir Aubry? Nehmt Ihr nicht teil an unserer Freude?

AUBRY
eilt freudig zu Davenaut
O Gott! Wär's möglich? Dürft' ich hoffen?

DAUVENAUT
Glaubt Ihr, ich wolle Euer Schuldner bleiben? Zwar seit Ihr meinem Hause nur fern anverwandt, doch Ihr seid ihm verwandt, dieses genügt mir, und ich versprach, für Euer Glück zu sorgen. Edelmut ist die angeerbte Tugend jedes hochländischen Edelmanns und der Name meines Schwiegersohns, er sei Euch Bürge, dass er stets in meinem Geiste handeln wird: Es ist der Graf von Marsden!

Aubry und Malwina treten entsetzt von Davenaut zurück

Nr. 8 - Terzett

MALWINA
ausser sich
Wie? Mein Vater!

AUBRY
beiseite
Weh, verloren!

DAVENAUT
Ja, es ist der Graf von Marsden.

MALWINA
Wie? Mein Vater!

AUBRY
beiseite
Weh, verloren!

DAVENAUT
Ja, ja, es ist der Graf von Marsden,
Den ich mir zum Sohn, zum Sohn erkoren.

MALWINA
Wie, wer ist's?

AUBRY
Wie, wer ist's?

MALWINA
Der Graf von Marsden?

AUBRY
Der Graf von Marsden?

AUBRY UND MALWINA
Der Graf von Marsden?

DAVENAUT
Ja, ja, es ist der Graf von Marsden,
Den ich mir zum Sohn erkoren!
für sich
Ha, die Wahl scheint sie zu freuen!

MALWINA
Wie, mein Vater! Wie, wer ist's?

AUBRY
Weh, verloren! Weh, verloren! Weh, verloren!

AUBRY UND MALWINA
beiseite
Ach, mein Glück war nur ein Traum,
Musst' er mich so schnell verlassen?
Weh, dies Unglück ganz zu fassen,
Hat mein armes Herz nicht Raum!

DAVENAUT
für sich
Ha, die Wahl scheint sie zu freun!
laut
Ja, er ist an Rang und Adel,
Wie durch Sitten ohne Tadel,
Wert ein Davenaut zu sein! -

MALWINA
knieend
Sieh mich hier zu deinen Füssen;
Vater, kannst du mir verzeihn?
Vater, ach, dem Grafen Marsden
Kann ich nimmer Gattin sein!

DAVENAUT
Wie, was hör' ich? Ha, ist's möglich!

MALWINA
Dieses Herz -

DAVENAUT
Wie?

MALWINA
Hat schon gewählt.

DAVENAUT
Ha! Ist's möglich!

MALWINA
Ach, ich fühl's, ich hab' gefehlt,
Dass ich's dir bis jetzt verschwiegen.

DAVENAUT
Wer ist der Verwegne? Sprich!

AUBRY
knieend
Sieh ihn hier im Staube liegen!

DAVENAUT
Ha, vor Zorn kaum halt' ich mich!
Wie, Verworfner! dürft Ihrs wagen,
Dies ins Antlitz mir zu sagen?

AUBRY
flehend
Ach, seit meiner Kindheit Tagen
Hat dies Herz für sie geschlagen,
Eure Tochter zu beglücken
Soll mein einzig Streben sein!

DAVENAUT
Fort, ihr fleht vergebens, fort! -
Mir ins Antlitz dies zu sagen! -
Ha, Verwegner, dürft Ihr's wagen? -
Ha, vor Zorn kaum halt' ich mich!
Wie, Verwegne, dürft ihr's wagen,
Dies ins Antlitz mir zu sagen! Fort!

MALWINA
flehend
Ach, seit meiner Kindheit Tagen
Hat dies Herz für ihn geschlagen,
Habe Mitleid, deine Tochter
Kann mit ihm nur glücklich sein!

DAVENAUT
Ihr fleht vergebens!

MALWINA
Vater!

DAVENAUT
Fort, ihr fleht vergebens -
Denn der Graf, er hat mein Wort!

AUBRY
Habt Mitleid!

MALWINA
O Vater!

DAVENAUT
Und noch niemals ward gebrochen,
Was ein Davenaut versprochen!

MALWINA
O mein Vater - habe Mitleid!
Habe Mitleid, deine Tochter
Kann mit ihm nur glücklich sein!

Aubry und Malwina erheben sich

MALWINA
für sich
Ach! Sein Zorn raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich der Verzweiflung hin.

AUBRY
für sich
Nimmer wird es mir gelingen,
Seinen Hochmut zu bezwingen -
Wehe mir! Sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin.

DAVENAUT
für sich
Nein, des Vaterherzens Schwächen
Dürfen meinen Stolz nicht brechen;
Dieses Herz erfülle ganz
Meines Hauses Ruhm und Glanz!

AUBRY
für sich
Nimmer wird es mir gelingen,
Seinen Hochmut zu bezwingen!
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin!
Ach, sein Stolz raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich dem Verderben hin!

Er steht abgewendet rechts

DAVENAUT
für sich
Nein, des Vaterherzens Schwächen
Dürfen meinen Stolz nicht brechen;
Dieses Herz erfülle ganz
Meines Hauses Ruhm und Glanz!

MALWINA
für sich
Ach, sein Zorn raubt mir für immer
Jeden leisen Hoffnungsschimmer.
Wehe mir, sein stolzer Sinn
Gibt mich der Verzweiflung hin!

Sie wankt zu einem Sessel links und nimmt dort Platz. Trompetenruf ausserhalb. Der Diener George Dibdin kommt durch die Mitte

VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. George zwischen Aubry und Davenaut

GEORGE
meldend
Gnäd'ger Herr, der Graf von Marsden
Ritt soeben durch das Tor,
Und des Dorfes muntre Jugend
Naht vereint im heitern Chor,
Eure Tochter zu begrüssen
Heut' an ihrem Wiegenfeste.

DAVENAUT
Führe denn die muntern Gäste
In den Saal zu meiner Tochter.

Er geht ab nach rechts. George öffnet die Mitteltür, winkt hinaus und geht dann durch die Mitte ab

Nr. 9 - Finale

Der Chor der Landleute tritt paarweise mit dem Beginn des Allegretto giocoso rasch durch die Mitte ein und stellt sich rechts auf. Das Ballett folgt und nimmt vor den Landleuten Aufstellung.
Alle sind mit Blumen geschmückt und tragen Kränze und Sträusse in den Händen. Zwölf Jäger kommen während des Chores mit Fahnen und grünen Zweigen an den Armbrüsten, George an ihrer Spitze, und nehmen vor der Mitteltür Aufstellung.

FÜNFTER AUFTRITT
Aubry rechts. Malwina auf dem Sessel links. Die Landleute und das Ballett auf der rechten Seite. George mit den zwölf Jägern vor der Mitteltür

Chor und Ballett

ALLE LANDLEUTE
zu Malwina gewendet
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest!

VIER PAAR LANDLEUTE
treten vor und ziehen an Malwina vorbei, in die alte Stellung zurück
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich dir auf den Lebenspfad streun,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen und Blüten dir weihn.

Das Ballett nimmt die Kränze und Sträusse ab und legt sie auf den Tisch links neben Malwina

ALLE JÄGER UND LANDLEUTE
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich dir auf den Lebenspfad streun,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen und Blüten dir weihn!

VIER PAAR LANDLEUTE
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Rose mit freundlichem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück.
Blumen und Blüten im Zephirgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.
Blumen und Blüten im Zephirgekose
Winden wir dir zu dem heutigen Fest!

Die Seitentür rechts öffnet sich

GEORGE
nach rechts weisend
Seht, dort naht der Schwiegersohn
An der Hand des alten Herrn,
dringender zu den Landleuten
Stimmt an das Lied, ihr wisst ja schon,
Das der Alte hört so gern!
ärgerlich
Stimmt an das Lied, ihr wisst ja schon.
Das der Alte hört so gern!
Nun stimmt an das Lied!
Nun, ihr wisst ja schon!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
frisch und munter
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt;
Was fest wie unsre Berge steht,
Was mit der Welt nur untergeht,
Was an Glanze der Krone nicht weichet,
Was der Sonne gleich pranget und leuchtet,
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt,
Heil, Heil, Heil, Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil, Heil, Heil, Heil jedem, der mit ihm verwandt. -

Sir Humphrey, Lord von Davenaut kommt bei dem Trompeteneinsatz mit Lord Ruthwen von rechts. Zwei Diener folgen und bleiben am Eingang stehen. Das Ballett ist bis zum Eingang zurückgetreten

SECHSTER AUFTRITT
Aubry abgewendet rechts. Ruthwen und Davenaut in der Mitte. Malwina am Tisch links. Die Landleute rechts zurückstehend. Die Jäger mit George vor der Mitteltür. Das Ballett vor den Jägern. Die beiden Diener an der Tür rechts

Malwina erhebt sich

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
schwenkt die Fahnen und Hüte
Heil! - Heil! - Heil! - Heil,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!

Sie bilden einen grossen Halbkreis

DAVENAUT
Hier, Malwina, ist der Mann,
Den ich deiner wert erachte,
Wert des Hauses Davenaut.

RUTHWEN
geht an Davenaut vorüber zu Malwina
Eure Wahl zwar macht mich froh,
Doch beglückt wär ich nur dann,
Wenn Myladys Aug' mir freundlich lachte.

MALWINA
schüchtern, ohne ihn anzusehen
Werter Sir!
sie sieht ihn an
Ha! - Wehe mir!

Sie wankt und sinkt wie tödlich getroffen zusammen. Die nahestehenden Mädchen stützen sie und beschäftigen sich um sie

AUBRY
sich wendend und jetzt erst Ruthwen ansehend, für sich
Gott, wen seh ich!

Ruthwen tritt an Davenaut vorüber, zu ihm

DAVENAUT
für sich, zu Malwina gewendet
Unbegreiflich!

AUBRY
Seh ich recht - du bist - Lord Ruthwen!

RUTHWEN
ruhig
Nein, Sir! Ruthwen ist mein Bruder,
Der auf Reisen schon seit Jahren
Auf dem festen Lande ist.
Lieb ist mir es, zu erfahren,
Was Ihr etwa von ihm wisst.

AUBRY
verwirrt
Was ich weiss? - Er war ja heut' -

RUTHWEN
ihn durch seinen Blick beeinflussend
Nun?

AUBRY
noch verwirrter
Wehe! - Nein, Sir - ich weiss nichts -
Täuschend ist die Ähnlichkeit
Seines - Euren Angesichts.
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Diese Ähnlichkeit des Bruders,
Das bedeutet nimmer Heil.

RUTHWEN
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Ha, den Träumer hier zu finden,
Das bedeutet nimmer Heil.

DAVENAUT
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Seinen Stolz so zu beleid'gen,
Das bedeutet nimmer Heil.

MALWINA
für sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick mir durch die Seele,
Dass mein Innres vor ihm bebet,
Das bedeutet nimmer Heil.

Sie steht regungslos

CHOR
unter sich
Schneidend, wie ein gift'ger Pfeil
Zuckt sein Blick ihr durch die Seele,
Dass ihr Innres vor ihm bebet,
Das bedeutet nimmer Heil.

DAVENAUT
Nun, Malwina, ist das Sitte?
Weisst du deinen Bräutigam
Freundlicher nicht zu empfangen?

Er geht nach hinten, spricht, Befehle gebend, mit George und den Dienern und unterhält sich mit den Landleuten. Malwina erhebt sich mühsam und wendet sich zu Ruthwen

RUTHWEN
zu Davenaut
Lasst sie, werter Sir, ich bitte.

MALWINA
zu Ruthwen, beklommen
Sir, ich weiss nicht, wie es kam,
Dass ein grausend seltsam Bangen -

RUTHWEN
unterbrechend
Schöne Lady, o verzeiht!
Wie die junge Rose lacht,
Die am Wege einsam blüht,
Hat im innersten Gemüt
Euer Anblick mich erfreut;
Hoffen will ich, dass die Zeit
Euch mein armes Angesicht
Wenigstens erträglich macht.

Er spricht leise mit Malwina

AUBRY
der Ruthwen nicht aus den Augen gelassen hat, für sich
Nein, mein Auge täuscht mich nicht,
Wie er lacht und wie er spricht,
Alles zeigt es deutlich mir,
Ruthwen ist es, der Vampyr!
Er tritt zu Ruthwen und berührt ihn leicht; laut.
Sir, zwei Worte nur, ich bitte!

Er geht mit einigen Schritten nach rechts. Ruthwen folgt ihm nach dort. Davenaut ist inzwischen, Malwina zur Linken, nach vorn gekommen. Malwina wendet sich unter flehenden Gebärden zu ihm und bittet ihn mit leisen Worten, das Unglück von ihr abzuwenden

AUBRY
leise und bestimmt zu Ruthwen
Entsetzlicher, ich habe dich erkannt!
Hier auch die Narb' an deiner Hand!
Unglücksel'ger, darfst du es wagen,
Zu ihr die Augen aufzuschlagen,
Grauses Scheusal der Natur!

RUTHWEN
leise und energisch
Still! Gedenk' an deinen Schwur!

Davenaut hat sich inzwischen wieder, Befehle erteilend, nach hinten zu George gewendet und tritt nun zwischen Ruthwen und Malwina vor. Malwina stützt sich auf die Lehne des Sessels zu ihrer Linken

DAVENAUT
Der Priester ist bestellt, geladen sind die Gäste,
Bereitet alles nun zum frohen Hochzeitsfeste,
Denn ehe noch die Mitternacht entschwunden,
Bist du auf ewig mit ihm verbunden.

MALWINA
ausser sich
Ach, mein Vater!

AUBRY
leise zu Ruthwen
Ich beschwöre Euch!

MALWINA
Ach, diese Eile, gönnt mir Frist,
Wen'ge Tage bitt' ich!

DAVENAUT
Schweig'!

AUBRY
laut zu Davenaut
Sir, verschiebt's bis morgen nur!

DAVENAUT
Nein, unmöglich!

MALWINA
Ach, mein Vater!

Sie wankt zurück in den Sessel

AUBRY
entschlossen auf Davenaut zutretend
Nun, so wisst -

RUTHWEN
ihn mit einer kraftvollen Gebärde zurückhaltend, leise
Still! gedenk' an deinen Schwur!

DAVENAUT
Heute noch, ich gab mein Wort,
Morgen muss der Graf schon fort!
Zum Gesandten, wie bekannt,
Nach Madrid ist er ernannt,
Seine Zeit gebeut zu eilen.

AUBRY
Lasst ihn nur bis morgen weilen.
Sir, seid nicht so fest gesinnt.
Ach, verschiebt's bis morgen nur,
Und Ihr rettet Euer Kind!

Davenaut macht, indem er sich nach Malwina wendet, eine abwehrende Bewegung. Aubry will wie vorher wieder auf ihn zu. Ruthwen hält ihn wiederholt zurück. Davenaut spricht mit Malwina

RUTHWEN
Still! gedenk' an deinen Schwur!

AUBRY
wankt nach rechts, für sich
Ha, kaum halt' ich mich vor Wut!
Doch mein Schwur hält mich gefangen.
Weh mir, seine blassen Wangen
Lechzen schon nach ihrem Blut.
Stimmen der Hölle, die mich umklingen,
Höhnen mir zu: die Tat muss gelingen.

RUTHWEN
für sich
Lachen kann ich seiner Wut,
Denn sein Schwur hält ihn gefangen.
Mägdlein mit den Rosenwangen,
Bald ist mein dein süsses Blut.
Stimmen der Geister, die mich umklingen,
Jubeln mir zu: die Tat muss gelingen.

MALWINA
erhebt sich, beiseite
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass so lang dies Herz wird schlagen,
Nimmer ich ihm werd' entsagen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

DAVENAUT
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass das Band, das ich geschlungen,
Meinem Hause Ruhm errungen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

RUTHWEN
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Ehe noch die Frist verronnen,
Ist dies Opfer mir gewonnen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

MALWINA
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Dass so lang dies Herz wird schlagen,
Nimmer ich ihm werd' entsagen;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

AUBRY
für sich
Freudig bin ich mir bewusst,
Eh' nicht meine Kräfte schwinden,
Wird er nicht sein Opfer finden;
Dies Gefühl hebt meine Brust!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
im Halbkreis
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Rose mit freundlichem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück!

DAVENAUT
zu den Jägern und Landleuten zurücktretend
Zum Feste lad' ich euch alle ein,
Jubeln soll alles und fröhlich sein!

Die Jäger und Landleute danken jubelnd durch Verbeugungen

DAVENAUT
sehr wichtig vortretend
Denn heute noch, ich schwör' es laut,
Führt Marsden zum Altar die Braut.
Der ganzen Herrschaft mögt ihr verkünden,
Dass Marsden sich und Davenaut verbinden.

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
freudig etwas vortretend
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land,
Heil, Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!

AUBRY, RUTHWEN, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Furchtbar eilend drängt die Zeit
Und vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern.

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
freudig
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Wer der eignen Kraft vertraut,
Wer der Hölle Macht geschaut,
Nichts kann ihn erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil dem Hause Davenaut,
Jedem, der mit ihm verwandt!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Mögen sich die Wolken türmen,
Mag es brausen, mag es stürmen,
Nichts soll mich erschüttern!
Furchtbar eilend drängt die Zeit,
Und vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern!
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Mögen sich die Wolken türmen,
Mag es brausen, mag es stürmen,
Finstre Nacht die Zukunft decken,
Höhnend uns das Schicksal necken,
Wer der Hölle Macht geschaut,
Ist mit Grausen schon vertraut,
Ihn kann nichts erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil! Heil! - Heil! Heil dem Hause Davenaut!
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
Auf, singet laut, singet laut, jubelt froh!
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Wer auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern,
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Sieht er nur des Himmels Macht,
Lachet bei Gewittern.
Wer auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!
Bei des Unglücks grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
In der Elemente Toben
Hebt er seinen Blick nach oben,
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Sieht er nur des Himmels Macht!

RUTHWEN
für sich
Bei des Unheils grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
Grinsend blicket er nach oben!
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Freut er sich des Bösen Macht!
Bei des Unglücks grauser Nähe
Schwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
Grinsend blicket er nach oben
In der Elemente Toben!
Wenn es blitzet, wenn es kracht,
Freut er sich des Bösen Macht!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
Heil dem Hause Davenaut,
Heil jedem, der mit ihm verwandt!
Heil! Heil! Heil! Heil! - Heil! - Heil! -
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
Heil, Heil dem Hause Davenaut!

AUBRY, DAVENAUT, MALWINA
jedes für sich
Ach, vom Ziel bin ich noch weit,
Doch ich will nicht zittern!
Wer der eignen Kraft vertraut,
Und auf Gottes Hilfe baut,
Den kann nichts erschüttern!

RUTHWEN
für sich
Wer der Hölle Macht geschaut,
Ist mit Grausen schon vertraut,
Nichts kann ihn erschüttern!

CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTE
die Fahnen und Hüte schwenkend
Heil! Heil! - jedem, der mit ihm verwandt!
Singet laut und jubelt froh,
Dass es tönt durchs ganze Land!
Heil, Heil dem Hause Davenaut!
Heil, Heil! - Heil, Heil! -
Heil dem Hause Davenaut!

Das Ballett bildet Spalier bis zur Mitteltür. Die Dienerschaft geht voraus. Davenaut reicht Malwina die Hand zum Abgehen. Ruthwen bannt Aubry durch seinen Blick, ihn dadurch von weiteren Schritten abhaltend. Malwina sinkt ohnmächtig nieder. Allgemeine Bestürzung



|新しいページ|検索|ページ一覧|RSS|@ウィキご利用ガイド | 管理者にお問合せ
|ログイン|