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DRITTER AUFZUG

Nr. 10 - Introduktion

Der Vorhang hebt sich im dreizehnten Takt. Garten und Schloss

ERSTER AUFTRITT
Die Landleute Robert Green und Toms Blunt sitzen unter Bauern am Tische rechts vorn; die Landleute Richard Scrop und James Gadshill ebenso am Tische links vorn. Bauern auf Stühlen und auf den Bänken an allen Tischen vorn und hinten. John Perth geht von einem Tisch zum andern, die Gäste zum Trinken nötigend. Einige Aufwärter und Schenkmädchen bedienen. Frau Suse Blunt bewegt sich unter den Gästen. Vier spielende Musikanten auf dem kleinen Orchester im Hintergrunde. Junges Volk tanzt und singt im Vordergrunde und hinten auf der Terrasse. Fröhliches munteres Durcheinander.

CHOR DER TRINKER
Männer allein
Munter, edle Zecher, munter,
Köstlich ist der Wein!
Seht, die Sonne geht schon unter,
Lasst uns fleissig, fleissig sein!
Ach, der Tag find't bald sein Ziel
Und des Weins ist noch so viel,
Darum frisch getrunken, frisch, frisch!
Munter, edle Zecher, munter,
Köstlich ist der Wein!
Seht, die Sonne geht schon unter,
Lasst uns fleissig, fleissig sein!
Ach, der Tag find't bald sein Ziel,
Und des Weins ist noch so viel!
Darum frisch getrunken, frisch!
Getrunken frisch! -

Der Tanz oben auf der Terrasse endet.
Die Tänzer gehen nach unten.
Es wird unten getanzt.

CHOR DER TÄNZER
alle
Hört ihr die Geigen,
Seht ihr den Reigen
Fröhlich ertönen und munter ergehn?
Eilet zum Tanze
Froh in dem Kranze
Munterer Jugend euch rascher zu drehn!
Bannet die Sorgen!
Heute und morgen
Lächelt die Freude und droht nicht Gefahr.
Nützet die Stunden,
Eh' sie entschwunden,
Dass eure Jugend nicht freudenlos war.

Der Tanz unten endet

Seid ihr erst älter,
Steifer und kälter,
Drücket das Leben euch sorgvoll und schwer:
Dann, ach, ihr Leute,
Schickt sich's, wie heute,
Leider nicht mehr, ach nein, leider nicht mehr.
Immer behende,
Nimmer aus Ende
Drehe der Kreis sich bald hin und bald her.
Munter, nur munter,
Krauser und bunter,
Hinüber, hinüber der Kreuz und die Quer.

Die Tänzer gehen nach oben, Der Tanz oben auf der Terrasse beginnt wieder. Allmählich steckt der Tanz auch die Übrigen an, doch machen sie anfangs nur die Tanzbewegungen mit. Die Trinker werden lebhafter und stehen zum Teil auf.
CHOR DER TRINKER
Männer allein
Mag das junge Volk sich wiegen
Dort im raschen Tanz,
rinken auch ist ein Vergnügen
Hier im Abendglanz!
Sind wir gleich zum Tanz zu alt,
Trinket nur, so wird sich bald
Alles um uns drehn!

Die Lustigkeit hat sich derart gesteigert, dass sich nun alles in grösster Ausgelassenheit zeigt.
Bunte Gruppierung und bewegtes Leben, allgemeine tolle Fröhlichkeit. Aufwärter bringen Windlichter, obwohl es noch nicht besonders dunkel ist, und stellen sie auf die Tische. Scrop und Gadshill gehen mit ihren Krügen nach rechts zu Green und Blunt

ALLGEMEINER CHOR
Juch! - Juch! - Das ist'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit,
Alles jauchzt und alles schwärmt,
Alles tobt und alles lärmt,
Alles bricht in Jubel aus:
So ist's recht beim Hochzeitsschmaus! - - Juch!

Allgemeiner ungeheuerer Jubel oben und unten. Alle tanzen bunt durcheinander und gruppieren sich zum Schlusse. Es wird dunkel. Die Bauern und Bäuerinnen setzen sich und stehen fröhlich umher

GADSHILL
spricht, nachdem es ruhig geworden ist
Aber wo sind denn Braut und Bräutigam?

BLUNT
schon etwas betrunken
Ja, wo sind sie, Braut und Bräutigam?

SCROP
Sollen wir denn die Hochzeit feiern ohne Braut und Bräutigam?

BLUNT
Ich habe noch nie eine Hochzeit gefeiert ohne Braut und Bräutigam.

PERTH
Der Bräutigam kam noch nicht an; er wird sich auf Davenaut verspätet haben, meine Tochter ist ihm entgegen gegangen.

FRAU BLUNT
sieht nach links
Da kommt sie eben her.

BLUNT
ergreift ein Glas vom Tisch
Dies volle Glas will ich ihr zu Ehren
Bis auf den letzten Tropfen leeren.

Er trinkt
FRAU BLUNT
Na, Tom, nimm dich in acht und trink' mir nicht wieder zu viel!

BLUNT
Suse, du hast recht, zu viel hab' ich schon oft getrunken, aber noch nie genug, noch nie genug!

Perth geht Emmy entgegen. Emmy Perth kommt von links hinten vor der Terrasse

ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Emmy tritt ihrem Vater zur Linken

ALLE.
Es lebe die Braut! Emmy Perth lebe hoch!

PERTH
Was ist das, du siehst ja so traurig aus, Emmy? Eine Braut muss fröhlich sein.
Er spricht leise mit ihr weiter

BLUNT
Ja, eine Braut muss ein fröhliches Gesicht haben! Weisst du noch, Suse, wie du Braut warst -

FRAU BLUNT
I, so schweig doch still!

BLUNT
Damals hatt'st du ein ganz andres Gesicht, ein ganz andres Gesicht!

FRAU BLUNT
Musst du denn immer reden!

BLUNT
Ja, wenn ich nicht reden soll, da muss ich trinken.

Er ergreift ein Glas und trinkt. Frau Blunt macht eine abwehrende Bewegung. Alle setzen sich, teils erzählen sie sich leise, teils verhalten sie sich ruhig. Ein Teil der Bauern, Bäuerinnen, Tänzer und Tänzerinnen verliert sich unauffällig nach rechts und links. Aufwärter räumen während des Liedes die Tische und Stühle hinten lautlos und wenig bemerkt weg

PERTH
Nun, Emmy, was fehlt dir denn?
Er tritt mit ihr vor

Nr. 11 - Lied

EMMY
Dort an jenem Felsenhang
Lauschte ich den Weg entlang,
Georgen zu erspähen;
In der Abendsonne Strahl
Glüht und zittert Berg und Tal,
Er lässt sich nicht sehen!
Wenn beim frohen Hochzeitsfest
Mich der Bräut'gam warten lässt:
Soll mich das nicht traurig machen?

Dort im Strauch mit süssem Schall
Lockt und girrt die Nachtigall,
Und er ist noch ferne;
Durch der Bäume grünes Reis
Lauscht der Vollmond; still und leis'
Flimmern schon die Sterne!
Alles zeigt, der Abend kam,
Und noch fehlt der Bräutigam:
Soll mich das nicht traurig machen?

PERTH
spricht
Ei nun, er wird schon kommen! Du weisst, dass heute des Fräuleins Geburtstag war, und da konnte der arme Junge gewiss nicht so zeitig fortkommen.

EMMY
So ein vornehmes Fräulein möchte ich sein, Vater; da liess mich George gewiss nicht warten.
Sie geht mit Perth zurück und beobachtet nach links, ob George kommt

BLUNT
der mit Gadshill, Green und Scrop am Tisch rechts sitzt
Er wird schon kommen, sag' ich euch. Eine Braut ist wie eine volle Flasche Wein, die vergisst man nicht.

GREEN
der leise mit Scrop gesprochen hat
Ja, ja, wie ich Euch sage, Nachbar Scrop, in der vergangenen Nacht!
Er steht auf

SCROP
ebenso, auffällig laut
Das wäre ja entsetzlich!

Alle Sitzenden stehen neugierig auf. Aufwärter räumen unauffällig auch den Tisch und die Stühle links weg; nur der Tisch und die Stühle rechts bleiben stehen

PERT
kommt vor
Nun, was gibt's denn hier?

SCROP
Green erzählt eben, die Tochter des reichen Berkley, drei Stunden hinter Davenaut, sei vergangene Nacht durch einen Vampyr umgebracht worden.

Green tritt in die Mitte

ALLE
versammeln sich um Green
Wie? Was sagt Ihr? Ein Vampyr?

GREEN
Nicht anders; ich war heute Morgen dort. Die Tochter war Braut, heute sollte die Hochzeit sein. In der Nacht, Glock' zwölf Uhr, vermisst der Vater die Tochter, alles wird gleich aufgeboten, sie zu suchen! Endlich findet man sie tot in der Vampyrhöhle.

EMMY
Das arme Mädchen!

FRAU BLUNT
Hat man denn den Vampyr auch gefunden?

GREEN
Freilich, der Vater hat ihn totgestochen.

FRAU BLUNT
Gott sei Dank!

GREEN
Ja, was hilft das, so ein Geschöpf ist ja nicht umzubringen! Sticht man's heute tot, so steht es morgen wieder lebendig auf!

SCROP
zu Green
Habt Ihr schon einmal einen Vampyr gesehen?

GREEN
tritt an Emmy vorüber zwischen Perth und Scrop
Nein, Gott sei Dank! Aber ich habe mir sagen lassen, sie sollen totenblass aussehen, und ihre Opfer am liebsten im Mondenschein aufsuchen, weil dieser eine heilbringende Kraft für sie hat und sie unter seinem besonderen Schutze stehen.

EMMY
Meine selige Grossmutter hat mir oft ein altes Märchen von einem Vampyr erzählt.

Die Mädchen umgeben Emmy im Halbkreis. Die Männer stellen sich hinter ihnen auf

DIE MÄDCHEN
Ach, lasst hören, lasst hören.

EMMY
Aber es ist schon ganz dunkel!

SCROP
Desto besser! Im Dunkeln hören sich solche Geschichten am besten an.

Nr. 12 - Romanze

EMMY
Sieh, Mutter, dort den bleichen Mann
Mit seelenlosem Blick.
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Sonst ist es bald um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Schon manches Mägdlein, jung und schön,
Tat ihm zu tief ins Auge sehn,
Musst' es mit bittern Qualen
Und seinem Blut bezahlen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Was, Mutter, tat der bleiche Mann?
Mir graust vor seinem Blick!
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Viel Böses hat er schon gethan,
Drum traf ihn solch' Geschick!
Und ob er längst gestorben nun,
Kann er im Grabe doch nicht ruhn,
Er geht herum als bleiche,
Lebend'ge grause Leiche!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

Mondschein verbreitet sich allmählich

EMMY
Wie dauert mich der bleiche Mann,
Wie traurig ist sein Blick!
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Sonst ist es bald um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Er geht herum von Haus zu Haus,
Sucht sich die schönsten Bräute aus,
Zeigt eine sich gewogen,
So wird sie ausgesogen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Es lacht mich an der bleiche Mann
Und heitrer wird sein Blick.
Kind, siehst du ihn noch immer an?
Weh mir, es ist um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Sein erster Blick, mit Todesschmerz
Durchzuckte er dein frommes Herz,
Ach, lass dadurch dich warnen,
Sonst wird er dich umgarnen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Das Mägdlein folgt dem bleichen Mann,
Es lockte sie sein Blick;
Hört nicht der Mutter Warnen an,
Und bald war es um sie getan,
Nie kehrte sie zurück!
Ein Opfer ward sie seiner Lust,
Mit blut'ger Spur an Hals und Brust
Fand man den Leichnam wieder;
Sie fuhr zur Hölle nieder!
Nun geht sie selber, glaubt es mir,
Umher als grausiger Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihr jemals gleich zu werden!

CHOR
Nun geht sie selber, glaubt es mir,
Umher als grausiger Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihr jemals gleich zu werden!

Lord Ruthwen kommt in einen grossen Mantel gehüllt, langsam und unbemerkt während der letzten Takte von links hinten vor der Terrasse und tritt unter die Leute

DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Ruthwen zwischen Emmy und Perth

RUTHWEN
spricht
Guten Abend, ihr schönen Kinder!

DIE MÄDCHEN
fahren mit einem Ausruf des Schreckens auseinander
Ha!

EMMY
im höchsten Entsetzen, gleichzeitig
Allmächtiger!

RUTHWEN.
Ist John Perth nicht hier?

PERTH
Hier bin ich. Was ist zu Euren Diensten?

RUTHWEN
Du kennst mich wohl nicht mehr?

PERTH
Ach, seid Ihr es, Mylord? Freilich kenne ich Euch. Ihr seid der Bruder unsers verstorbenen Herrn, und jetzt Graf von Marsden. Seid herzlich willkommen auf Euerem Grund und Boden; wir glaubten Euch noch auf der Reise.

RUTHWEN
Auch kann ich nur wenige Stunden hier verweilen, ein Geschäft führte mich nach Davenaut. Ich hörte dort von deiner Tochter Hochzeit, und komme, die Feier durch meine Gegenwart zu verschönern. Die treuen Dienste, welche du meinem Hause geleistet, erfordern meine Dankbarkeit. Ich will, dass die Hochzeit auf meine Kosten gefeiert werde, und so glänzend als möglich. Betrachte den herrschaftlichen Keller heute als den deinigen.

BLUNT
ausrufend
Das ist ein edler Herr! Bringt ihm ein Vivat! Hoch lebe unser gnädiger Herr! Hoch!

ALLE
Hoch lebe unser gnädiger Herr! Hoch!

RUTHWEN
zu Perth
Lass sogleich den grossen Saal erleuchten, dort will ich selbst Zeuge der heiligen Handlung sein, und der Braut den Myrtenkranz ins Haar flechten.

Alle ausser Emmy, Ruthwen und Perth ziehen sich beobachtend und leise miteinander sprechend, nach hinten zurück

EMMY
ohne Pause fortfahrend
Also meinetwegen seid Ihr gekommen, gnädiger Herr?

RUTHWEN
Ist das deine Tochter, John?

PERTH
Ja, gnäd'ger Herr, meine Tochter Emmy.

RUTHWEN
Freilich bin ich deinetwegen gekommen, schöne Emmy.

EMMY
Ach, so verzeiht, gnäd'ger Herr, dass ich vorhin bei Eurem Anblick so erschrocken bin, aber wir hatten gerade ein schauerliches Märchen erzählt, als Ihr so unvermutet zu uns kamt.

RUTHWEN
zieht einen Ring vom Finger
Hier, schöne Braut, nimm diesen Ring zur Vergütung des Schrecks, den ich dir verursacht habe.
Er steckt ihr den Ring an

EMMY.
Wie, gnäd'ger Herr, den kostbaren Ring, den schenkt Ihr mir?

RUTHWEN.
Als Hochzeitsgast muss ich dir doch wohl ein Geschenk machen! Ich werde überdies für eine Ausstattung für dich Sorge tragen, und wenn du willst, deinen künftigen Mann auf meinen Gütern anstellen.

EMMY
Gnäd'ger Herr, soviel Güte -

RUTHWEN.
Geht, liebe Leute, bringt den Saal in Ordnung.

Das Landvolk wendet sich zum Abgang nach rechts

RUTHWEN
Hier, John, nimm meinen Mantel mit.

Perth nimmt den Mantel

RUTHWEN
Ich werde mich indes mit der Braut über die künftige Versorgung beraten. Wenn alles in Ordnung ist, lass mich rufen, dass ich den Tanz mit der schönen Emmy eröffne.

Alle gehen bis auf Emmy und Lord Ruthwen ab nach rechts

VIERTER AUFTRITT
Emmy, Ruthwen zu ihrer Linken

Es tritt heller Mondschein ein

EMMY
Ach, gnäd'ger Herr, wodurch habe ich soviel Güte verdient?

RUTHWEN
Durch deine Schönheit, liebe Emmy, die mich bei dem ersten Anblick so sehr für dich einnahm, durch deine Liebenswürdigkeit, die mich immer mehr und mehr zu dir hinzieht.

Die Fenster des Schlosses im Hintergrunde erleuchten sich

Nr. 13 - Terzett

EMMY
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

RUTHWEN
Nein, liebe süsse Kleine,
Glaub' mir, ich scherze nicht;
Deine Schönheit ist's alleine,
Die so mein Herz besticht.

Der Diener George Dibdin kommt unbemerkt, den Hut auf dem Kopf, Pistolen im Gürtel, von links hinten vor der Terrasse

FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. George ungesehen zurückstehend

GEORGE
für sich
Potz Blitz! was muss ich schauen!
Die sind ja sehr vertraut!
Darf ich meinen Augen trauen,
Ist denn das nicht meine Braut?

RUTHWEN
Welche Wonne sondergleichen,
Sanft die Wange dir zu streichen,
Dir die weiche Hand zu drücken,
Liebend dir ins Aug' zu blicken,
So den Arm um dich zu schlingen,
Dich zu drücken an die Brust!
Ach, welch ein Opfer wollt' ich bringen,
Gönntest du mir diese Lust!

Er umfasst sie

EMMY
ihn sanft abwehrend
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

GEORGE
für sich
Ei, ei, was muss ich sehen,
Jetzt drückt er ihr die Hand,
Und sie lässt es auch geschehen,
Das ist ja ganz charmant.

RUTHWEN
Ich sollte dich fast schelten,
Ich tat so viel für dich,
Und du willst mir nicht vergelten,
Ist das nicht grausam, sprich?

GEORGE
für sich
Jetzt drückt er ihr die Hand,
Und sie lässt es auch geschehen!
Das ist ja ganz charmant!

EMMY
Ihr sucht mein Glück zu gründen,
Das sehe ich wohl ein!
Ach, ich kann nicht Worte finden,
Euch meinen Dank zu weihn!
Ach, ich kann nicht Worte finden,
Euch meinen Dank zu weihn!

RUTHWEN
Du kannst für mein Bestreben
Den schönsten Lohn mir geben!
Ein einz'ger Kuss von dir
Gilt mehr als Kronen mir!

GEORGE
erstaunt und empört
Ein Kuss!

EMMY
verschämt
Wie?

GEORGE
wie oben
Was muss ich hören?

EMMY
wie oben
Ein Kuss?

GEORGE
wie oben
Er will sie küssen?

EMMY
Wie?

GEORGE
Was?

EMMY
Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss?

Ruthwen will sie küssen

EMMY
entwindet sich ihm
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

RUTHWEN
Nein, liebe süsse Kleine,
Glaub' mir, ich scherze nicht,
Deine Schönheit ist's alleine,
Die so mein Herz besticht. -

Er küsst Emmy. Emmy entwindet sich ihm und läuft an ihm vorüber nach links

RUTHWEN
für sich
So, jetzt ist sie mir verfallen,
Und das Ziel ist nicht mehr weit,
Er lacht.
Haha!

EMMY
für sich
Solchem Herrn zu gefallen,
Ist doch keine Kleinigkeit!
Soll mich das nicht eitel machen?

RUTHWEN
für sich
Jetzt ist sie mir verfallen!
Ha, die Hölle hör' ich lachen!
Ha, jetzt ist sie mir verfallen,
Und das Ziel ist nicht mehr weit!
Ha, die Hölle hör' ich lachen!

GEORGE
für sich
Wie, sie lässt sich das gefallen?
Ha, bei Gott, das geht zu weit!
Soll mich das nicht rasend machen?
Ha, bei Gott, das geht zu weit!
Ha, das geht zu weit!

Ruthwen und Emmy sprechen zusammen

GEORGE
für sich
Soll mich das nicht rasend machen?
Er tritt im vierten Takte vor, Emmy zur Linken
Guten Abend -

RUTHWEN
beiseite
Ei, sieh da, der Bräutigam!

GEORGE
Meine Beste!

EMMY
verlegen
Kommst du endlich auch zum Feste?

GEORGE
Ja, Zeit war es, dass ich kam.

EMMY
blickt fortwährend nach Ruthwen
Unser neuer Herr will dich
Hier zum Gutsverwalter machen.

GEORGE
a, das merk' ich, schöne Sachen,
und zum Eigentümer sich.

RUTHWEN
beiseite
Eifersucht? Das ist zum Lachen!
Guter Tropf, du dauerst mich!

EMMY
beiseite
Eifersucht am ersten Tage! -
Nun fürwahr, nun fürwahr,
Das kommt zu früh!

GEORGE
beiseite
Ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!
Ja, ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!

EMMY
beiseite
Eifersucht am ersten Tage,
Nun fürwahr, das kommt zu früh!

GEORGE
beiseite
Ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!

RUTHWEN
zu Emmy
Nun, ich gehe, Liebesleute
Sind am liebsten doch allein!
Nur vergiss nicht, dass du heute
Meine Tänzerin willst sein. -

George geht grollend nach hinten. Emmy folgt dem Eifersüchtigen und sucht ihn mit leisen Worten zu beruhigen

RUTHWEN
beiseite, mit einigen Schritten nach rechts
Ha, wie mein Herz vor Freude bebet,
Nun ist das zweite Opfer mein!
Die ihr mich unsichtbar umschwebet,
Jubelt! jubelt! Bald wird sie euer sein!

Er blickt Emmy finster an, sich ihr mit einigen Schritten nähernd. George tritt Ruthwen zur Rechten vor

EMMY
ebenso Ruthwen zur Linken, für sich
Mein Herz schwankt zwischen Furcht und Liebe,
Und mir wird wohl und weh zu Sinn;
Mit süss geheimnisvollem Triebe
Zieht es mich zu dem Fremdling hin!

GEORGE
für sich
Wie bei böser Geister Hausen,
So unheimlich wird mir zu Mut!
Mich überläuft's mit kaltem Grausen,
Weh mir! das endet nimmer gut!

RUTHWEN
für sich
Ha! wie mein Herz vor Freude bebet!
Nun ist das dritte Opfer mein!
Die ihr mich unsichtbar umschwebet,
Jubelt, bald wird sie euer sein!

Er geht ab nach rechts vor der Terrasse. George geht ihm drohend einige Schritte nach. Emmy wendet sich nachdenklich nach links

SECHSTER AUFTRITT
George, Emmy zu seiner Linken

GEORGE
für sich
Er geht! Nun ist mir wieder wohl!

EMMY
verlegen, das Gespräch zu eröffnen
Weisst du wohl, George, dass es gar nicht schön von dir ist, dass du heute so spät kommst.

GEORGE
So ist's recht, mach' du mir noch Vorwürfe! Aber das ist schön, dass du hier im Mondenschein mit fremden jungen gnäd'gen Herrn charmierst, dir die Hand drücken, dich um den Leib fassen und am Ende gar küssen lässt? Nicht wahr, das ist schön?

EMMY
Ach, das war ja unser neuer gnäd'ger Herr! Und er will uns versorgen!
Sie zeigt den Ring an ihrem Finger
Sieh nur den kostbaren Ring, den er mir schenkte. Er ist so gut, so liebreich, so herablassend, so -

GEORGE.
Nun? Nur heraus damit: so schön, so liebenswürdig, dass ich nur ein Klotz gegen ihn bin.

EMMY
Wie du nun wieder bist. Ich bin ja bloss deinetwegen freundlich gegen ihn, damit er dich recht vorteilhaft anstellt.

GEORGE
ironisch
So?
abweisend
Meinetwegen! Glaubst du, ich habe nicht bemerkt, wie du ihn immer angesehen hast? So freundlich, so zärtlich, so wie du niemand ansehen solltest als mich. Selbst wie ich vortrat, konntest du keinen Blick von ihm verwenden.
Er zeigt auf seine Pistolen
Siehst du die Pistolen hier? Ich habe sie mitgenommen, weil man mir sagte, der Weg sei nicht sicher. Mit denen schiess ich mich tot, wenn du ihn noch einmal so ansiehst.


EMMY
Sei doch nicht so wild, lieber George, er geht ja noch heute wieder fort –
mit einem unwillkürlichen Seufzer
und wer weiss, ob ich ihn jemals wiedersehe.
Sie geht an ihm vorüber nach rechts

GEORGE
Ja, er muss noch heute zurück nach Davenaut, er soll unser Fräulein heiraten. Aber die ist nicht so wie du. Sie liebt den jungen Herrn Aubry und war nicht so freundlich gegen den Grafen. Mit Tränen hat sie ihren Vater gebeten, den gnäd'gen Herrn wieder wegreisen zu lassen.

EMMY
Also dein Fräulein wird er heiraten?

GEORGE.
Ja. Dir ist's wohl nicht recht? Du könntest vielleicht selber noch eine gnäd'ge Frau werden, nicht wahr? Das ist doch dein höchster Wunsch! O ich Dummkopf! Um dir eine Freude zu machen, weil ich wusste, dass du es gern hast, wenn es recht vornehm bei unsrer Hochzeit hergeht, bitte ich den gnäd'gen Herrn, hierher zu kommen. Deine Freundlichkeit gegen ihn muss er aber schon geahnt haben; kaum sage ich ihm, dass es hier eine Hochzeit gibt, so springt er auf, lässt ein Pferd satteln, nimmt kaum Abschied von unserm alten Herrn und sprengt im Galopp hierher. Ich Esel keuche hinterdrein, um die Freude zu haben, zuzusehen, wie er meine Braut küsst.

Edgar Aubry kommt von links hinten vor der Terrasse

SIEBENTER AUFTRITT
Emmy rechts. George in der Mitte. Aubry links

AUBRY
Guten Abend, George. Ist der Graf hier? Meinen Glückwunsch, schöne Emmy.

GEORGE.
Ja, der gnäd'ge Herr ist im Tanzsaal.

AUBRY
Bitte ihn sogleich, zu mir zu kommen.

GEORGE.
Ich gehe.
leise zu Emmy
Willst du nicht hierbleiben? Es ist ja auch ein junger gnäd'ger Herr.

EMMY
leise
Pfui, George, du wirst mich böse machen. Ich gehe mit dir in den Tanzsaal.

GEORGE
leise
Freilich, da ist der andere, und der ist noch freundlicher.

Beide gehen schmollend ab nach rechts vor der Terrasse
DRITTER AUFZUG

Nr. 10 - Introduktion

Der Vorhang hebt sich im dreizehnten Takt. Garten und Schloss

ERSTER AUFTRITT
Die Landleute Robert Green und Toms Blunt sitzen unter Bauern am Tische rechts vorn; die Landleute Richard Scrop und James Gadshill ebenso am Tische links vorn. Bauern auf Stühlen und auf den Bänken an allen Tischen vorn und hinten. John Perth geht von einem Tisch zum andern, die Gäste zum Trinken nötigend. Einige Aufwärter und Schenkmädchen bedienen. Frau Suse Blunt bewegt sich unter den Gästen. Vier spielende Musikanten auf dem kleinen Orchester im Hintergrunde. Junges Volk tanzt und singt im Vordergrunde und hinten auf der Terrasse. Fröhliches munteres Durcheinander.

CHOR DER TRINKER
Männer allein
Munter, edle Zecher, munter,
Köstlich ist der Wein!
Seht, die Sonne geht schon unter,
Lasst uns fleissig, fleissig sein!
Ach, der Tag find't bald sein Ziel
Und des Weins ist noch so viel,
Darum frisch getrunken, frisch, frisch!
Munter, edle Zecher, munter,
Köstlich ist der Wein!
Seht, die Sonne geht schon unter,
Lasst uns fleissig, fleissig sein!
Ach, der Tag find't bald sein Ziel,
Und des Weins ist noch so viel!
Darum frisch getrunken, frisch!
Getrunken frisch! -

Der Tanz oben auf der Terrasse endet.
Die Tänzer gehen nach unten.
Es wird unten getanzt.

CHOR DER TÄNZER
alle
Hört ihr die Geigen,
Seht ihr den Reigen
Fröhlich ertönen und munter ergehn?
Eilet zum Tanze
Froh in dem Kranze
Munterer Jugend euch rascher zu drehn!
Bannet die Sorgen!
Heute und morgen
Lächelt die Freude und droht nicht Gefahr.
Nützet die Stunden,
Eh' sie entschwunden,
Dass eure Jugend nicht freudenlos war.

Der Tanz unten endet

Seid ihr erst älter,
Steifer und kälter,
Drücket das Leben euch sorgvoll und schwer:
Dann, ach, ihr Leute,
Schickt sich's, wie heute,
Leider nicht mehr, ach nein, leider nicht mehr.
Immer behende,
Nimmer aus Ende
Drehe der Kreis sich bald hin und bald her.
Munter, nur munter,
Krauser und bunter,
Hinüber, hinüber der Kreuz und die Quer.

Die Tänzer gehen nach oben, Der Tanz oben auf der Terrasse beginnt wieder. Allmählich steckt der Tanz auch die Übrigen an, doch machen sie anfangs nur die Tanzbewegungen mit. Die Trinker werden lebhafter und stehen zum Teil auf.
CHOR DER TRINKER
Männer allein
Mag das junge Volk sich wiegen
Dort im raschen Tanz,
rinken auch ist ein Vergnügen
Hier im Abendglanz!
Sind wir gleich zum Tanz zu alt,
Trinket nur, so wird sich bald
Alles um uns drehn!

Die Lustigkeit hat sich derart gesteigert, dass sich nun alles in grösster Ausgelassenheit zeigt.
Bunte Gruppierung und bewegtes Leben, allgemeine tolle Fröhlichkeit. Aufwärter bringen Windlichter, obwohl es noch nicht besonders dunkel ist, und stellen sie auf die Tische. Scrop und Gadshill gehen mit ihren Krügen nach rechts zu Green und Blunt

ALLGEMEINER CHOR
Juch! - Juch! - Das ist'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit,
Alles jauchzt und alles schwärmt,
Alles tobt und alles lärmt,
Alles bricht in Jubel aus:
So ist's recht beim Hochzeitsschmaus! - - Juch!

Allgemeiner ungeheuerer Jubel oben und unten. Alle tanzen bunt durcheinander und gruppieren sich zum Schlusse. Es wird dunkel. Die Bauern und Bäuerinnen setzen sich und stehen fröhlich umher

GADSHILL
spricht, nachdem es ruhig geworden ist
Aber wo sind denn Braut und Bräutigam?

BLUNT
schon etwas betrunken
Ja, wo sind sie, Braut und Bräutigam?

SCROP
Sollen wir denn die Hochzeit feiern ohne Braut und Bräutigam?

BLUNT
Ich habe noch nie eine Hochzeit gefeiert ohne Braut und Bräutigam.

PERTH
Der Bräutigam kam noch nicht an; er wird sich auf Davenaut verspätet haben, meine Tochter ist ihm entgegen gegangen.

FRAU BLUNT
sieht nach links
Da kommt sie eben her.

BLUNT
ergreift ein Glas vom Tisch
Dies volle Glas will ich ihr zu Ehren
Bis auf den letzten Tropfen leeren.

Er trinkt
FRAU BLUNT
Na, Tom, nimm dich in acht und trink' mir nicht wieder zu viel!

BLUNT
Suse, du hast recht, zu viel hab' ich schon oft getrunken, aber noch nie genug, noch nie genug!

Perth geht Emmy entgegen. Emmy Perth kommt von links hinten vor der Terrasse

ZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Emmy tritt ihrem Vater zur Linken

ALLE.
Es lebe die Braut! Emmy Perth lebe hoch!

PERTH
Was ist das, du siehst ja so traurig aus, Emmy? Eine Braut muss fröhlich sein.
Er spricht leise mit ihr weiter

BLUNT
Ja, eine Braut muss ein fröhliches Gesicht haben! Weisst du noch, Suse, wie du Braut warst -

FRAU BLUNT
I, so schweig doch still!

BLUNT
Damals hatt'st du ein ganz andres Gesicht, ein ganz andres Gesicht!

FRAU BLUNT
Musst du denn immer reden!

BLUNT
Ja, wenn ich nicht reden soll, da muss ich trinken.

Er ergreift ein Glas und trinkt. Frau Blunt macht eine abwehrende Bewegung. Alle setzen sich, teils erzählen sie sich leise, teils verhalten sie sich ruhig. Ein Teil der Bauern, Bäuerinnen, Tänzer und Tänzerinnen verliert sich unauffällig nach rechts und links. Aufwärter räumen während des Liedes die Tische und Stühle hinten lautlos und wenig bemerkt weg

PERTH
Nun, Emmy, was fehlt dir denn?
Er tritt mit ihr vor

Nr. 11 - Lied

EMMY
Dort an jenem Felsenhang
Lauschte ich den Weg entlang,
Georgen zu erspähen;
In der Abendsonne Strahl
Glüht und zittert Berg und Tal,
Er lässt sich nicht sehen!
Wenn beim frohen Hochzeitsfest
Mich der Bräut'gam warten lässt:
Soll mich das nicht traurig machen?

Dort im Strauch mit süssem Schall
Lockt und girrt die Nachtigall,
Und er ist noch ferne;
Durch der Bäume grünes Reis
Lauscht der Vollmond; still und leis'
Flimmern schon die Sterne!
Alles zeigt, der Abend kam,
Und noch fehlt der Bräutigam:
Soll mich das nicht traurig machen?

PERTH
spricht
Ei nun, er wird schon kommen! Du weisst, dass heute des Fräuleins Geburtstag war, und da konnte der arme Junge gewiss nicht so zeitig fortkommen.

EMMY
So ein vornehmes Fräulein möchte ich sein, Vater; da liess mich George gewiss nicht warten.
Sie geht mit Perth zurück und beobachtet nach links, ob George kommt

BLUNT
der mit Gadshill, Green und Scrop am Tisch rechts sitzt
Er wird schon kommen, sag' ich euch. Eine Braut ist wie eine volle Flasche Wein, die vergisst man nicht.

GREEN
der leise mit Scrop gesprochen hat
Ja, ja, wie ich Euch sage, Nachbar Scrop, in der vergangenen Nacht!
Er steht auf

SCROP
ebenso, auffällig laut
Das wäre ja entsetzlich!

Alle Sitzenden stehen neugierig auf. Aufwärter räumen unauffällig auch den Tisch und die Stühle links weg; nur der Tisch und die Stühle rechts bleiben stehen

PERT
kommt vor
Nun, was gibt's denn hier?

SCROP
Green erzählt eben, die Tochter des reichen Berkley, drei Stunden hinter Davenaut, sei vergangene Nacht durch einen Vampyr umgebracht worden.

Green tritt in die Mitte

ALLE
versammeln sich um Green
Wie? Was sagt Ihr? Ein Vampyr?

GREEN
Nicht anders; ich war heute Morgen dort. Die Tochter war Braut, heute sollte die Hochzeit sein. In der Nacht, Glock' zwölf Uhr, vermisst der Vater die Tochter, alles wird gleich aufgeboten, sie zu suchen! Endlich findet man sie tot in der Vampyrhöhle.

EMMY
Das arme Mädchen!

FRAU BLUNT
Hat man denn den Vampyr auch gefunden?

GREEN
Freilich, der Vater hat ihn totgestochen.

FRAU BLUNT
Gott sei Dank!

GREEN
Ja, was hilft das, so ein Geschöpf ist ja nicht umzubringen! Sticht man's heute tot, so steht es morgen wieder lebendig auf!

SCROP
zu Green
Habt Ihr schon einmal einen Vampyr gesehen?

GREEN
tritt an Emmy vorüber zwischen Perth und Scrop
Nein, Gott sei Dank! Aber ich habe mir sagen lassen, sie sollen totenblass aussehen, und ihre Opfer am liebsten im Mondenschein aufsuchen, weil dieser eine heilbringende Kraft für sie hat und sie unter seinem besonderen Schutze stehen.

EMMY
Meine selige Grossmutter hat mir oft ein altes Märchen von einem Vampyr erzählt.

Die Mädchen umgeben Emmy im Halbkreis. Die Männer stellen sich hinter ihnen auf

DIE MÄDCHEN
Ach, lasst hören, lasst hören.

EMMY
Aber es ist schon ganz dunkel!

SCROP
Desto besser! Im Dunkeln hören sich solche Geschichten am besten an.

Nr. 12 - Romanze

EMMY
Sieh, Mutter, dort den bleichen Mann
Mit seelenlosem Blick.
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Sonst ist es bald um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Schon manches Mägdlein, jung und schön,
Tat ihm zu tief ins Auge sehn,
Musst' es mit bittern Qualen
Und seinem Blut bezahlen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Was, Mutter, tat der bleiche Mann?
Mir graust vor seinem Blick!
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Viel Böses hat er schon gethan,
Drum traf ihn solch' Geschick!
Und ob er längst gestorben nun,
Kann er im Grabe doch nicht ruhn,
Er geht herum als bleiche,
Lebend'ge grause Leiche!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

Mondschein verbreitet sich allmählich

EMMY
Wie dauert mich der bleiche Mann,
Wie traurig ist sein Blick!
Kind, sieh den bleichen Mann nicht an,
Sonst ist es bald um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Er geht herum von Haus zu Haus,
Sucht sich die schönsten Bräute aus,
Zeigt eine sich gewogen,
So wird sie ausgesogen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Es lacht mich an der bleiche Mann
Und heitrer wird sein Blick.
Kind, siehst du ihn noch immer an?
Weh mir, es ist um dich getan,
Weich' schnell von ihm zurück!
Sein erster Blick, mit Todesschmerz
Durchzuckte er dein frommes Herz,
Ach, lass dadurch dich warnen,
Sonst wird er dich umgarnen!
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

CHOR
Denn still und heimlich sag' ich's dir:
Der bleiche Mann ist ein Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihm jemals gleich zu werden!

EMMY
Das Mägdlein folgt dem bleichen Mann,
Es lockte sie sein Blick;
Hört nicht der Mutter Warnen an,
Und bald war es um sie getan,
Nie kehrte sie zurück!
Ein Opfer ward sie seiner Lust,
Mit blut'ger Spur an Hals und Brust
Fand man den Leichnam wieder;
Sie fuhr zur Hölle nieder!
Nun geht sie selber, glaubt es mir,
Umher als grausiger Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihr jemals gleich zu werden!

CHOR
Nun geht sie selber, glaubt es mir,
Umher als grausiger Vampyr!
Bewahr' uns Gott auf Erden,
Ihr jemals gleich zu werden!

Lord Ruthwen kommt in einen grossen Mantel gehüllt, langsam und unbemerkt während der letzten Takte von links hinten vor der Terrasse und tritt unter die Leute

DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Ruthwen zwischen Emmy und Perth

RUTHWEN
spricht
Guten Abend, ihr schönen Kinder!

DIE MÄDCHEN
fahren mit einem Ausruf des Schreckens auseinander
Ha!

EMMY
im höchsten Entsetzen, gleichzeitig
Allmächtiger!

RUTHWEN.
Ist John Perth nicht hier?

PERTH
Hier bin ich. Was ist zu Euren Diensten?

RUTHWEN
Du kennst mich wohl nicht mehr?

PERTH
Ach, seid Ihr es, Mylord? Freilich kenne ich Euch. Ihr seid der Bruder unsers verstorbenen Herrn, und jetzt Graf von Marsden. Seid herzlich willkommen auf Euerem Grund und Boden; wir glaubten Euch noch auf der Reise.

RUTHWEN
Auch kann ich nur wenige Stunden hier verweilen, ein Geschäft führte mich nach Davenaut. Ich hörte dort von deiner Tochter Hochzeit, und komme, die Feier durch meine Gegenwart zu verschönern. Die treuen Dienste, welche du meinem Hause geleistet, erfordern meine Dankbarkeit. Ich will, dass die Hochzeit auf meine Kosten gefeiert werde, und so glänzend als möglich. Betrachte den herrschaftlichen Keller heute als den deinigen.

BLUNT
ausrufend
Das ist ein edler Herr! Bringt ihm ein Vivat! Hoch lebe unser gnädiger Herr! Hoch!

ALLE
Hoch lebe unser gnädiger Herr! Hoch!

RUTHWEN
zu Perth
Lass sogleich den grossen Saal erleuchten, dort will ich selbst Zeuge der heiligen Handlung sein, und der Braut den Myrtenkranz ins Haar flechten.

Alle ausser Emmy, Ruthwen und Perth ziehen sich beobachtend und leise miteinander sprechend, nach hinten zurück

EMMY
ohne Pause fortfahrend
Also meinetwegen seid Ihr gekommen, gnädiger Herr?

RUTHWEN
Ist das deine Tochter, John?

PERTH
Ja, gnäd'ger Herr, meine Tochter Emmy.

RUTHWEN
Freilich bin ich deinetwegen gekommen, schöne Emmy.

EMMY
Ach, so verzeiht, gnäd'ger Herr, dass ich vorhin bei Eurem Anblick so erschrocken bin, aber wir hatten gerade ein schauerliches Märchen erzählt, als Ihr so unvermutet zu uns kamt.

RUTHWEN
zieht einen Ring vom Finger
Hier, schöne Braut, nimm diesen Ring zur Vergütung des Schrecks, den ich dir verursacht habe.
Er steckt ihr den Ring an

EMMY.
Wie, gnäd'ger Herr, den kostbaren Ring, den schenkt Ihr mir?

RUTHWEN.
Als Hochzeitsgast muss ich dir doch wohl ein Geschenk machen! Ich werde überdies für eine Ausstattung für dich Sorge tragen, und wenn du willst, deinen künftigen Mann auf meinen Gütern anstellen.

EMMY
Gnäd'ger Herr, soviel Güte -

RUTHWEN.
Geht, liebe Leute, bringt den Saal in Ordnung.

Das Landvolk wendet sich zum Abgang nach rechts

RUTHWEN
Hier, John, nimm meinen Mantel mit.

Perth nimmt den Mantel

RUTHWEN
Ich werde mich indes mit der Braut über die künftige Versorgung beraten. Wenn alles in Ordnung ist, lass mich rufen, dass ich den Tanz mit der schönen Emmy eröffne.

Alle gehen bis auf Emmy und Lord Ruthwen ab nach rechts

VIERTER AUFTRITT
Emmy, Ruthwen zu ihrer Linken

Es tritt heller Mondschein ein

EMMY
Ach, gnäd'ger Herr, wodurch habe ich soviel Güte verdient?

RUTHWEN
Durch deine Schönheit, liebe Emmy, die mich bei dem ersten Anblick so sehr für dich einnahm, durch deine Liebenswürdigkeit, die mich immer mehr und mehr zu dir hinzieht.

Die Fenster des Schlosses im Hintergrunde erleuchten sich

Nr. 13 - Terzett

EMMY
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

RUTHWEN
Nein, liebe süsse Kleine,
Glaub' mir, ich scherze nicht;
Deine Schönheit ist's alleine,
Die so mein Herz besticht.

Der Diener George Dibdin kommt unbemerkt, den Hut auf dem Kopf, Pistolen im Gürtel, von links hinten vor der Terrasse

FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. George ungesehen zurückstehend

GEORGE
für sich
Potz Blitz! was muss ich schauen!
Die sind ja sehr vertraut!
Darf ich meinen Augen trauen,
Ist denn das nicht meine Braut?

RUTHWEN
Welche Wonne sondergleichen,
Sanft die Wange dir zu streichen,
Dir die weiche Hand zu drücken,
Liebend dir ins Aug' zu blicken,
So den Arm um dich zu schlingen,
Dich zu drücken an die Brust!
Ach, welch ein Opfer wollt' ich bringen,
Gönntest du mir diese Lust!

Er umfasst sie

EMMY
ihn sanft abwehrend
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

GEORGE
für sich
Ei, ei, was muss ich sehen,
Jetzt drückt er ihr die Hand,
Und sie lässt es auch geschehen,
Das ist ja ganz charmant.

RUTHWEN
Ich sollte dich fast schelten,
Ich tat so viel für dich,
Und du willst mir nicht vergelten,
Ist das nicht grausam, sprich?

GEORGE
für sich
Jetzt drückt er ihr die Hand,
Und sie lässt es auch geschehen!
Das ist ja ganz charmant!

EMMY
Ihr sucht mein Glück zu gründen,
Das sehe ich wohl ein!
Ach, ich kann nicht Worte finden,
Euch meinen Dank zu weihn!
Ach, ich kann nicht Worte finden,
Euch meinen Dank zu weihn!

RUTHWEN
Du kannst für mein Bestreben
Den schönsten Lohn mir geben!
Ein einz'ger Kuss von dir
Gilt mehr als Kronen mir!

GEORGE
erstaunt und empört
Ein Kuss!

EMMY
verschämt
Wie?

GEORGE
wie oben
Was muss ich hören?

EMMY
wie oben
Ein Kuss?

GEORGE
wie oben
Er will sie küssen?

EMMY
Wie?

GEORGE
Was?

EMMY
Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss?

Ruthwen will sie küssen

EMMY
entwindet sich ihm
Ihr wollt mich nur beschämen,
So eitel bin ich nicht,
Um für Ernst es anzunehmen,
Was Euer Mund nur spricht.

RUTHWEN
Nein, liebe süsse Kleine,
Glaub' mir, ich scherze nicht,
Deine Schönheit ist's alleine,
Die so mein Herz besticht. -

Er küsst Emmy. Emmy entwindet sich ihm und läuft an ihm vorüber nach links

RUTHWEN
für sich
So, jetzt ist sie mir verfallen,
Und das Ziel ist nicht mehr weit,
Er lacht.
Haha!

EMMY
für sich
Solchem Herrn zu gefallen,
Ist doch keine Kleinigkeit!
Soll mich das nicht eitel machen?

RUTHWEN
für sich
Jetzt ist sie mir verfallen!
Ha, die Hölle hör' ich lachen!
Ha, jetzt ist sie mir verfallen,
Und das Ziel ist nicht mehr weit!
Ha, die Hölle hör' ich lachen!

GEORGE
für sich
Wie, sie lässt sich das gefallen?
Ha, bei Gott, das geht zu weit!
Soll mich das nicht rasend machen?
Ha, bei Gott, das geht zu weit!
Ha, das geht zu weit!

Ruthwen und Emmy sprechen zusammen

GEORGE
für sich
Soll mich das nicht rasend machen?
Er tritt im vierten Takte vor, Emmy zur Linken
Guten Abend -

RUTHWEN
beiseite
Ei, sieh da, der Bräutigam!

GEORGE
Meine Beste!

EMMY
verlegen
Kommst du endlich auch zum Feste?

GEORGE
Ja, Zeit war es, dass ich kam.

EMMY
blickt fortwährend nach Ruthwen
Unser neuer Herr will dich
Hier zum Gutsverwalter machen.

GEORGE
a, das merk' ich, schöne Sachen,
und zum Eigentümer sich.

RUTHWEN
beiseite
Eifersucht? Das ist zum Lachen!
Guter Tropf, du dauerst mich!

EMMY
beiseite
Eifersucht am ersten Tage! -
Nun fürwahr, nun fürwahr,
Das kommt zu früh!

GEORGE
beiseite
Ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!
Ja, ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!

EMMY
beiseite
Eifersucht am ersten Tage,
Nun fürwahr, das kommt zu früh!

GEORGE
beiseite
Ja, sie hat recht, die alte Sage:
Weibern trau' und Katzen nie!

RUTHWEN
zu Emmy
Nun, ich gehe, Liebesleute
Sind am liebsten doch allein!
Nur vergiss nicht, dass du heute
Meine Tänzerin willst sein. -

George geht grollend nach hinten. Emmy folgt dem Eifersüchtigen und sucht ihn mit leisen Worten zu beruhigen

RUTHWEN
beiseite, mit einigen Schritten nach rechts
Ha, wie mein Herz vor Freude bebet,
Nun ist das zweite Opfer mein!
Die ihr mich unsichtbar umschwebet,
Jubelt! jubelt! Bald wird sie euer sein!

Er blickt Emmy finster an, sich ihr mit einigen Schritten nähernd. George tritt Ruthwen zur Rechten vor

EMMY
ebenso Ruthwen zur Linken, für sich
Mein Herz schwankt zwischen Furcht und Liebe,
Und mir wird wohl und weh zu Sinn;
Mit süss geheimnisvollem Triebe
Zieht es mich zu dem Fremdling hin!

GEORGE
für sich
Wie bei böser Geister Hausen,
So unheimlich wird mir zu Mut!
Mich überläuft's mit kaltem Grausen,
Weh mir! das endet nimmer gut!

RUTHWEN
für sich
Ha! wie mein Herz vor Freude bebet!
Nun ist das dritte Opfer mein!
Die ihr mich unsichtbar umschwebet,
Jubelt, bald wird sie euer sein!

Er geht ab nach rechts vor der Terrasse. George geht ihm drohend einige Schritte nach. Emmy wendet sich nachdenklich nach links

SECHSTER AUFTRITT
George, Emmy zu seiner Linken

GEORGE
für sich
Er geht! Nun ist mir wieder wohl!

EMMY
verlegen, das Gespräch zu eröffnen
Weisst du wohl, George, dass es gar nicht schön von dir ist, dass du heute so spät kommst.

GEORGE
So ist's recht, mach' du mir noch Vorwürfe! Aber das ist schön, dass du hier im Mondenschein mit fremden jungen gnäd'gen Herrn charmierst, dir die Hand drücken, dich um den Leib fassen und am Ende gar küssen lässt? Nicht wahr, das ist schön?

EMMY
Ach, das war ja unser neuer gnäd'ger Herr! Und er will uns versorgen!
Sie zeigt den Ring an ihrem Finger
Sieh nur den kostbaren Ring, den er mir schenkte. Er ist so gut, so liebreich, so herablassend, so -

GEORGE.
Nun? Nur heraus damit: so schön, so liebenswürdig, dass ich nur ein Klotz gegen ihn bin.

EMMY
Wie du nun wieder bist. Ich bin ja bloss deinetwegen freundlich gegen ihn, damit er dich recht vorteilhaft anstellt.

GEORGE
ironisch
So?
abweisend
Meinetwegen! Glaubst du, ich habe nicht bemerkt, wie du ihn immer angesehen hast? So freundlich, so zärtlich, so wie du niemand ansehen solltest als mich. Selbst wie ich vortrat, konntest du keinen Blick von ihm verwenden.
Er zeigt auf seine Pistolen
Siehst du die Pistolen hier? Ich habe sie mitgenommen, weil man mir sagte, der Weg sei nicht sicher. Mit denen schiess ich mich tot, wenn du ihn noch einmal so ansiehst.


EMMY
Sei doch nicht so wild, lieber George, er geht ja noch heute wieder fort –
mit einem unwillkürlichen Seufzer
und wer weiss, ob ich ihn jemals wiedersehe.
Sie geht an ihm vorüber nach rechts

GEORGE
Ja, er muss noch heute zurück nach Davenaut, er soll unser Fräulein heiraten. Aber die ist nicht so wie du. Sie liebt den jungen Herrn Aubry und war nicht so freundlich gegen den Grafen. Mit Tränen hat sie ihren Vater gebeten, den gnäd'gen Herrn wieder wegreisen zu lassen.

EMMY
Also dein Fräulein wird er heiraten?

GEORGE.
Ja. Dir ist's wohl nicht recht? Du könntest vielleicht selber noch eine gnäd'ge Frau werden, nicht wahr? Das ist doch dein höchster Wunsch! O ich Dummkopf! Um dir eine Freude zu machen, weil ich wusste, dass du es gern hast, wenn es recht vornehm bei unsrer Hochzeit hergeht, bitte ich den gnäd'gen Herrn, hierher zu kommen. Deine Freundlichkeit gegen ihn muss er aber schon geahnt haben; kaum sage ich ihm, dass es hier eine Hochzeit gibt, so springt er auf, lässt ein Pferd satteln, nimmt kaum Abschied von unserm alten Herrn und sprengt im Galopp hierher. Ich Esel keuche hinterdrein, um die Freude zu haben, zuzusehen, wie er meine Braut küsst.

Edgar Aubry kommt von links hinten vor der Terrasse

SIEBENTER AUFTRITT
Emmy rechts. George in der Mitte. Aubry links

AUBRY
Guten Abend, George. Ist der Graf hier? Meinen Glückwunsch, schöne Emmy.

GEORGE.
Ja, der gnäd'ge Herr ist im Tanzsaal.

AUBRY
Bitte ihn sogleich, zu mir zu kommen.

GEORGE.
Ich gehe.
leise zu Emmy
Willst du nicht hierbleiben? Es ist ja auch ein junger gnäd'ger Herr.

EMMY
leise
Pfui, George, du wirst mich böse machen. Ich gehe mit dir in den Tanzsaal.

GEORGE
leise
Freilich, da ist der andere, und der ist noch freundlicher.

Beide gehen schmollend ab nach rechts vor der Terrasse



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