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ACHTER AUFTRITT
Aubry allein

AUBRY
Himmel, verleihe meinen Worten Kraft, sein Herz zu rühren. Retten muss ich sie, und sei der Preis mein Leben! Können meine Bitten ihn nicht bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen, mein Entschluss ist gefasst, so eile ich zum alten Lord zurück, breche den fürchterlichen Schwur, und entdecke ihm das schreckliche Geheimnis, möge daraus entstehen, was da wolle.

Lord Ruthwen kommt von rechts vor der Terrasse

NEUNTER AUFTRITT
Ruthwen, Aubry zu seiner Linken

RUTHWEN
Wie, Sir Aubry, Ihr hier?

AUBRY
sehr energisch
Ja, überall hin werde ich dir folgen, alle deine Schritte bewachen, überall dich bitten und beschwören, den entsetzlichen Gedanken aufzugeben: überall dir drohend entgegentreten, dir mit Gewalt dein Opfer entreissen. Ruthwen, ich liebe Malwina, ich werde von ihr wieder geliebt! Wenn noch ein Gefühl von Menschlichkeit in deinem Herzen zurückblieb, so lass ab von ihr, morde nicht das Glück zweier Menschen. Er kniet. Hier auf meinen Knieen beschwöre ich dich, weiche von ihr zurück, ich will zu dem Ewigen um Erbarmen für dich flehen - und das Bewusstsein dieser einzigen guten Tat wird wie ein rettender Engel für dich sprechen in der Stunde des ewigen Gerichts!
Er steht auf

RUTHWEN
Verschwende nicht unnötige Worte, törichter Knabe! Mich treibt mein fürchterliches Schicksal. Zürne, tobe, rase gegen den ewigen Kreislauf der Natur! Kannst du ihn stillstehen heissen? Kannst du das Dasein der ganzen Schöpfung in ein leeres Nichts zurückwerfen? Tu's! Ha, auf meinen Knieen will ich dir danken! Ohnmächtiger, geh! Lass ab von mir.

Nr. 14 - Grosse Szene

AUBRY
Wohl, du zwingst mich zum Verbrechen,
Meinen Schwur geh ich zu brechen,
Gott im Himmel wird verzeihn!
Kann ich es dadurch erreichen,
Dass du von ihr musst entweichen,
Ist die Sünde ja nur klein.

RUTHWEN
Strauchle auf der Bahn des Rechten,
Du verfällst den finstern Mächten,
Scheint der Fehltritt auch nicht gross;
Bist du einmal erst gewonnen,
Enger stets wirst du umsponnen,
Und die Hölle lässt nicht los.

AUBRY
Gern will ich für mein Verschulden
Martervolle Strafe dulden;
Was kann Ärgeres geschehn!
Gibt es grösseres Verderben,
Als die Heissgeliebte sterben
Und so grässlich sterben sehn!

RUTHWEN
Meinst du? Ha! versuch' es nur!
Und mit Schaudern wirst du sehen,
Was noch Ärgres kann geschehen.
Glaubst du, dass mich die Natur
Zu dem schrecklichen Beruf
Schon bei der Geburt erschuf?
Geh denn hin, verrate mich!
Schuld des Meineids lad' auf dich,
Um mit süssem Triumphieren
Die Geliebte heimzuführen;
Werde Gatte, Vater dann,
Und ein hochbeglückter Mann!
Doch es naht die Zeit heran,
Wo bei tausend Schlangenbissen
Dir die Seele wird entrissen;
Vor den Richter bang und schwer
Tritt sie, und der Strenge spricht:
Reue sühnet Meineid nicht;
Kehre dann zurück mit Graus
In das kaum verlassne Haus.“
Nun gehst du, ein grausiger Leichnam, einher,
Bestimmt, dich vom Blute Derer zu nähren,
Die dich am meisten lieben und ehren;
Im Innern trägst du verzehrende Glut.
Bei deinem Leben hatt'st du geschworen:
Was durch dich lebt, ist durch dich verloren;
Der Gattin, der Söhne, der Töchter Blut,
Es stillet zuerst deine scheussliche Wut,
Und vor ihrem Ende erkennen sie dich
Und fluchen dir - und verdammen sich!
Doch was dir auf Erden das Teuerste war,
Ein liebliches Mädchen mit lockigem Haar
Schmiegt bittend die kleinen Händchen um dich.
Die Tränen ins helle Äuglein ihr treten.
Sie lallet: Vater, verschone mich,
Ich will auf Erden für dich beten!
Du siehst ihr ins unschuldig fromme Gesicht,
Du möchtest gern schonen und kannst es doch nicht!
wild
Es reizt dich der Teufel, es treibt dich die Wut.
Du musst es saugen, das teure Blut!
So lebst du, bis du zur Hölle fährst,
Der du auf ewig nun angehörst;
Selbst dort noch weichet vor deinem Blick
Die Schar der Verworfnen mit Schrecken zurück:
Denn gegen dich sind sie engelrein,
Und der Verdammte bist du allein! -

Er streckt seine linke Hand gegen Aubry aus. Aubry starrt ihn entsetzt an und tritt einen Schritt zurück

RUTHWEN
Du starrst? Du stehst entsetzt vor mir?
lachend
Haha! ich zeichnete nach der Natur,
Meine eigne Geschichte erzählte ich dir.
Jetzt geh hin! - Geh hin! - Geh hin!
Und brich deinen Schwur!

Er eilt ab nach rechts hinten vor der Terrasse

ZEHNTER AUFTRITT
Aubry allein

AUBRY
starrt Ruthwen entsetzt nach
Ha! wie das grausenvolle Bild
Mich mit Entsetzen ganz erfüllt;
Kein Trost, kein Ausweg zeigt sich hier,
Sie ist verloren! Wehe mir!

Er sinkt auf einen Stuhl am Tisch rechts

Nr. 15 - Arie

AUBRY
Wie ein schöner Frühlingsmorgen
Lag das Leben sonst vor mir,
All mein Wünschen, all mein Sorgen
War ein heitrer Blick von ihr.
Er steht auf
Flur und Wald schien nur zu leben,
Um ihr Bild zurückzugeben,
Und mit süssem Zauberklingen
Nur von ihr, von ihr zu singen.
Denn ihr Antlitz wunderhold
Lacht aus jeder Blume mir,
Aus der Abendröte Gold,
Aus der Sterne Glanzrevier.
Ach, ihr Antlitz wunderhold,
Lacht aus jeder Blume mir!
Zephir schien mit ihr zu kosen,
Nur von ihr sang Quell und Baum,
Und entschlummert unter Rosen
räumte noch von ihr der Traum. -
Doch jetzt umgibt mich dunkle Nacht,
Ich verzweifl' an Gottes Macht;
Unheilbringende Dämonen
Scheinen die Schöpfung nur zu bewohnen.
Grinsend hör' ich sie triumphieren,
Zum Verderben muss es führen,
Was ich auch beginnen wollte. -
Und von allem, was mir droht,
Ist das minder Schreckensvolle:
Wahnsinn! Wahnsinn, oder Tod!

George Dibdin kommt von rechts hinten vor der Terrasse

ELFTER AUFTRITT
George, Aubry zu seiner Linken

GEORGE
Gut, dass ich Euch noch finde, gnäd'ger Herr! Ach, nehmt Euch meiner an!

AUBRY
Was hast du, George?

GEORGE
Wenn Ihr doch den gnäd'gen Herrn bereden könntet, mit Euch nach Davenaut zurückzukehren. Er zerstört mir meine ganze Hochzeitsfreude, er ist immer um meine Braut, spricht und tanzt beständig mit ihr; und sie thut auch, als wenn ich gar nicht auf der Welt wäre, und ist so freundlich gegen ihn, als wäre er der Bräutigam. Die jungen Burschen foppen mich schon damit, allen Hochzeitsgästen diene ich zum Gespötte; ich ertrage es nicht länger!

AUBRY
Unglücklicher! Und du verliessest sie? Kehre sogleich in den Saal zurück, verlass deine Braut nie, hörst du? Nie, auch nicht auf einen Augenblick! Es ist das einzige Mittel, dich und sie vom grössten Verderben zu retten.

GEORGE
Ihr macht mir Angst, gnäd'ger Herr! Ihr glaubt doch nicht, dass er sie wirklich verführen würde?

AUBRY
Frage nicht, geh' schnell hinein zu ihr! Ich eile nach Davenaut zurück! Gott! Gott! wie wird das enden!

George eilt ab nach rechts vor der Terrasse. Aubry geht ab nach links vor der Terrasse. Lord Ruthwen kommt nach einer Pause mit der sich etwas sträubenden Emmy im rechten Arm von rechts vorn

ZWÖLFTER AUFTRITT
Emmy, Ruthwen zu ihrer Linken

Nr. 16 - Duett

RUTHWEN
zeigt nach links
Leise dort zur fernen Laube!

EMMY
Gnäd'ger Herr!

RUTHWEN
Wo wir ungestörter sind.

EMMY
sich immer angstvoll nach rechts umsehend
Gnäd'ger Herr, man kommt, ich glaube -

RUTHWEN
Nicht doch, liebes süsses Kind!

EMMY
Ja, ja, man kommt!

RUTHWEN
Folge mir nur wen'ge Schritte -

EMMY
Gnäd'ger Herr! ach nein, ich bitte -
George wird mich im Saal vermissen!

RUTHWEN
Furchtsam Närrchen, lass dich küssen!

Emmy will sich losreissen. Ruthwen hält sie fest umschlungen

EMMY
Nein, ach, lasst zurück mich gehen,
Gnäd'ger Herr, ach, schonet mein!
Würde George bei Euch mich sehen,
Nimmer könnt' er mir verzeihen.

RUTHWEN
Soll ich, ach, noch länger klagen?

Emmy wendet sich einige Schritte nach rechts

RUTHWEN
Wird mir nie dein Auge sagen,
Dass für mich dein Herzchen spricht?

EMMY
für sich
Ach, ich fühl's, mit tausend Banden
Hängt mein ganzes Herz an ihm. - Ach!

RUTHWEN
für sich
Lange hat sie widerstanden,
Doch sie weicht dem Ungestüm.

EMMY
für sich
Ach, ich fühl's, mit tausend Banden -

RUTHWEN
So komm doch -

EMMY
wie oben
Hängt mein ganzes Herz an ihm!

RUTHWEN
O komm doch, komm, mein süsses Leben!
Meiner Augen holdes Licht!

EMMY
für sich
Seinen Bitten widerstreben,
Ich vermag es länger nicht.

RUTHWEN
nähert sich ihr erst jetzt wieder
Nun, so komm, noch wen'ge Schritte -
Er umfasst sie

EMMY
Nein, ach, gnäd'ger Herr, ich bitte -

RUTHWEN
Süsses Mädchen, folge mir!

EMMY
Gnäd'ger Herr!

RUTHWEN
O folge mir!

EMMY
Ach, ich zittre!

RUTHWEN
Folge mir!

EMMY
Ach, ich zittre!

RUTHWEN
Folge mir!
Er lässt sie wieder los
Kannst du länger grausam sein?

EMMY
einen Schritt von ihm
Grausam, gegen Euch? Ach, nein!

RUTHWEN
Folge mir!

EMMY
Wohl, es sei! - Ich folge dir!

Sie sinkt an seine Brust
BEIDE
Leise, leis' im Mondenschimmer,
Still und heimlich ziehn wir fort
Nach dem süss verschwiegnen Ort;
Du bist mein, ich dein auf immer!
Mond und Sterne mögen lauschen,
Wie wir Seel' um Seele tauschen,
Und in Liebe uns berauschen.

Sie eilen links vorn ab

James Gadshill, Richard Scrop, Robert Green, Toms Blunt alle etwas angetrunken, am meisten Blunt, kommen, jeder mit einer Weinflasche in der Tasche, von rechts vor der Terrasse

DREIZEHNTER AUFTRITT
Gadshill und Scrop rechts, Green und Blunt links

BLUNT
Kommt hierher, hier sind wir ungestört.

SCROP
Im Saal ist's so heiss.

GREEN
Und solch ein Lärm, dass man nicht einmal in Ruhe trinken kann.

Alle Vier setzen sich an den Tisch rechts

GADSHILL
Hier ist's angenehm kühl, und der klare Mondenschein -

BLUNT
Ach, Bruder, die Welt ist so schön!
Hast du auch eine Flasche bei dir?

GADSHILL
zieht eine Flasche aus der Tasche
Das versteht sich!

SCROP
ebenso
Ich auch!

GREEN
ebenso
Ich auch!

BLUNT
ebenso
Siehst du, ich habe auch eine bei mir - und zwei hab' ich noch in der Tasche; denn Trinken, Bruder, siehst du, Trinken, das ist: Trinken! Es gibt viel Annehmlichkeiten in der Welt, aber doch nur drei Hauptvergnügungen.

GADSHILL
Ah, ich weiss schon, du meinst: Wein, Weiber und Gesang.

BLUNT
Du bist ein guter Christ, aber du hast's nicht getroffen. Siehst du, Bruder, das erste ist: Trinken! und das Zweite ist: Trinken! und das dritte ist: Trinken!

Alle lachen

BLUNT
Hahaha! Nicht wahr, ich habe recht? Denn seht: Singen? Singen ist gut, ich singe auch, aber man kann doch nicht immer singen, man kriegt's satt. Und Weiber? O ja! o ja! - Aber - na, davon wollen wir nicht reden, das weiss ich und meine Suse am besten. Aber Trinken? Seht ihr, Trinken, das ist: Trinken!

ALLE DREI
Ja, Bruder, du hast recht, Bruder!
Sie trinken, stehen auf und treten vor.

Nr. 17 - Trinklied und Quintett mit Chor

BLUNT
Im Herbst, da muss man trinken!

ALLE
Im Herbst, da muss man trinken!
Das ist die rechte Zeit;
Da reift uns ja der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Herbst, da muss man trinken!

BLUNT
Im Winter muss man trinken!

ALLE
Im Winter muss man trinken!
Im Winter ist es kalt;
Da wärmet uns der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Winter, ja, da muss man trinken!

BLUNT
Im Sommer muss man trinken!

ALLE
Im Sommer muss man trinken!
Im Sommer ist es heiss;
Da kühlet uns der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Sommer muss man trinken, trinken!

BLUNT
Im Frühling muss man trinken!

ALLE
Im Frühling muss man trinken!
Da ist's nicht heiss, noch kalt!
Da labt uns erst der Traube Blut,
Da schmeckt der Wein erst doppelt gut;
Im Frühling muss man trinken, trinken! - -

Juch! Das ist 'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit!
Alles bricht in Jubel aus,
So ist's recht beim Hochzeitsschmaus!
Juch! Das ist 'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit!
in grösster Ausgelassenheit
Juch!

Sie setzen sich wieder. Frau Suse Blunt kommt eilig von rechts vor der Terasse

VIERZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen am Tisch rechts sitzend, Frau Blunt auf der linken Seite

Quintett

FRAU BLUNT
schlägt Blunt auf die Schulter
Endlich, Alter, find' ich dich!
Sie reisst Blunt empor

BLUNT
seelenvergnügt
Suse, ja, der hier bin ich.

FRAU BLUNT
Lange, lang' schon hab' ich dich gesucht,
Nirgends konnte ich dich finden.
Hab' gewettert, hab' geflucht,
Gott verzeih' mir meine Sünden!
keifend
Hier bei deinen Saufkumpanen
Treffe ich dich endlich an!

Alle stehen auf und taumeln vor

FRAU BLUNT
O du ehrvergessner Mann,
Gleich gehst du mit mir von dannen!

BLUNT
Liebes Weibchen, sieh nicht scheel,
Ach, ich bin so kreuzfidel.

GREEN, SROP, GADSHILL
Frau, was schilt sie uns denn aus,
Heute ist ja Hochzeitsschmaus.

FRAU BLUNT
Schweigt! - Schweigt, eh' mir die Galle schwillt!
Wollt ihr noch zu mucksen wagen,
Will ich jedem von euch sagen,
Was er ist und was er gilt.

BLUNT
heimlich
O weh!

FRAU BLUNT
nimmt Green mit der linken Hand und stellt ihn vor sich
Robert Green! Ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann,
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen,
Und zum Spiel und Weine gehen.

Green kratzt sich hinter dem Ohr und geht zurück

FRAU BLUNT
dreht Blunt zu sich
Du, Tom, bist ein alter Narr!
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer!
Sie wendet sich nach links, stösst auf Scrop, nimmt ihn beim Kragen
Scrop, Scrop hier ist im gleichen Falle!
Sie schubst ihn beiseite, geht zu Gadshill, schlägt ihn vor die Stirn
Euch, James Gadshill, Euch gebricht es
An Verstand, und kurz alle,
In der Mitte stehend, erst nach rechts, dann nach links weisend
Alle, alle, alle, alle taugt ihr nichts!

BLUNT
Liebe Suse, keinen Streit,
Sieh, ich bin voll Seligkeit!
Liebe Suse, keinen Streit,
Sieh, ich bin voll Seligkeit!

FRAU BLUNT
Ja, ich sag' euch, alle, alle,
Alle, alle taugt ihr nichts!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Still! Nein, bei Gott, das ist zu toll!
zu Blunt
Sagt ihr, dass sie schweigen soll.

BLUNT
Suse, lass uns doch in Ruh!
ihr seine Flasche hinhaltend
Trink' einmal!

GREEN, SCROP, GADSHILL
zu Blunt
Sagt ihr, dass sie schweigen soll!
Sagt ihr, dass sie schweigen soll!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

FRAU BLUNT
sehr heftig
Wie?
Was war das? Ich soll schweigen?

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ja, wir wollen nichts mehr hören.

BLUNT
Trink' einmal!

FRAU BLUNT
Ich soll schweigen!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ja, wir wollen nichts mehr hören!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

FRAU BLUNT
Wer will mir den Mund verwehren!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ach, wir wollen nichts mehr hören!

FRAU BLUNT
schreiend
Nein, nein, nein, nein!
Jetzt will ich noch ärger schrein!

BLUNT
Liebe Suse, lass uns doch in Ruh!
Suse, lass uns doch in Ruh!

FRAU BLUNT
schlägt mit der geballten Faust auf den Tisch rechts
Nein, nein, nein, nein, nein, nein,
Nein, nein, nein, nein, nein, nein!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Still jetzt, still jetzt, still!
Stille soll sie sein!
Still jetzt! Stille soll sie sein!

FRAU BLUNT
schreiend
Ich will nicht schweigen!
Wartet nur, ich will euch zeigen,
Dass ich reden will und kann!
Höhnisch, in der Mitte stehend, mit dem Rücken gegen das Publikum, mit dem Gesicht nach dem Hintergrunde, den vier Zechern zugewendet, kann sie vor Erschöpfung nicht weiter und macht eine Pause; dann noch heftiger
Hat euch, was ich sprach, verdrossen?
Nun, wohlan denn, euch zum Possen
Fange ich von vorne an!

BLUNT
Suse, lass uns doch in Ruh!
Trink einmal!

FRAU BLUNT
Nun, wohlan denn, euch zum Possen
Fange ich von vorne an!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

GREEN, SCROP, GADSHILL
O schweiget still!

FRAU BLUNT
zu Green
Robert Green, Ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ist das Weib denn ganz von Sinnen!

FRAU BLUNT
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen
Und zum Spiel und Weine gehen.

GREEN, SCROP, GADSHILL
zu Blunt
Nachbar, sprecht, was nun beginnen?

Blunt steht abgewendet und trinkt

FRAU BLUNT
dreht ihn zu sich herum
Du, Tom, bist ein alter Narr,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ist das Weib denn ganz von Sinnen?

Blunt steht wieder abgewendet und trinkt

FRAU BLUNT
Scrop hier ist in gleichem Falle;
Euch, James Gadshill, Euch gebricht's am Verstande!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Nachbar, sagt, was nun beginnen?

BLUNT
Macht's wie ich, und bleibt in Ruh,
Wird's zu arg, so lacht dazu!
's ist ein liebes Weibchen doch,
Stosset an, sie lebe hoch!

FRAU BLUNT
Und kurz, alle, alle taugt ihr nichts!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahahahahahahahahahahaha!

BLUNT, GREEN, SCROP, GADSHILL
Stosset an, sie lebe hoch!

John Perth, George Dibdin, sämtliche Bauern kommen von rechts

FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Perth nimmt die rechte Ecke. Bauern zurückstehend. George. Dann Aufwärter

George entfernt sich, Emmy suchend, nach links vorn, wo Ruthwen zuletzt mit ihr abgegangen ist

BLUNT
Sie lebe hoch! sie lebe hoch!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahaha, hahahahahahahaha!

CHOR
Welcher Lärm! was ist geschehen?
Saget, was bedeutet das?

BLUNT
Sie lebe hoch!

CHOR
Man kann ja kein Wort verstehen,
Ist es Ernst denn oder Spass?

FRAU BLUNT
wie vorher
Robert Green, ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann,
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen
Und zum Spiel und Weine gehen.
Du, Tom, bist ein alter Narr,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer.
Scrop hier ist in gleichem Falle.
Euch, James Gadshill, Euch gebricht's am Verstande!
Sie hört gleichsam vor Erschöpfung auf
Und kurz, alle, alle, alle, alle, alle taugt ihr nichts!

BLUNT
Suse! Suse! - Lass uns doch in Ruh!
Liebes Weibchen, sieh nicht scheel,
Ach, ich bin so kreuzfidel!
Trink einmal, ich bring' dir's zu!
Sie lebe hoch! sie lebe hoch! sie lebe hoch!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahahahahahahahahaha!

CHOR
Dieses Schelten, dieses Lachen,
Das verwirrt uns alle noch!
Wollt ihr uns denn rasend machen?
Frau, so schweig sie endlich still!

Einige Bauern tragen Frau Blunt jubelnd nach rechts vor der Terrasse ab. Blunt folgt ihnen.
Aufwärter räumen unauffällig den Tisch und die Stühle rechts vorn weg. Es fällt links vorn ein Schuss

SECHZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Blunt und seine Frau

PERTH
nimmt die Mitte, spricht
Horch - was war das?

Er beobachtet nach links vorn

GREEN
spricht
Es fiel ein Schuss!

ALLE
durcheinandersprechend
Ja, ja, ein Schuss, ein Schuss!

Sie wenden sich nach der rechten Seite, so dass die linke Seite frei bleibt.
Pause.
Es fällt links vorn ein zweiter Schuss

PERTH
wie oben
Und noch einmal! Was kann das sein?

ALLE
nach links vorn zeigend
Auf, eilet schnell nach jener Seite,
Im nahen Wäldchen fiel der Schuss!

PERTH
Doch sehet, dort nahet diesem Platze
George Dibdin sich in voller Hast!

George Dibdin kommt eilig und atemlos von links vorn

SIEBZEHNTER AUFTRITT
Alle auf der rechten Seite. John Perth rechts vorn. George zu seiner Linken. Dann Emmy als Leiche

GEORGE
angstvoll
Ach, Freunde, eilt, ach, eilet, rettet, Freunde!

PERTH
Sprich, George, was ist geschehn? Was ist geschehn?

GEORGE
Ach, Eure Emmy, Vater, ist ermordet,
Und ich, weh mir, erschoss den gnäd'gen Herrn!

PERTH
Gerechter Gott! welch grässliches Verbrechen!
Sprich, Unglückseliger, wie ging das zu?

Grösste Teilnahme während der Erzählung

GEORGE
Voll Eifersucht sucht' ich den gnäd'gen Herrn,
Der meine Emmy aus dem Saal entführte.
Vergebens spähte ich den Garten durch,
Und kam zur Pforte bei dem nahen Wäldchen.
Da höre ich die Stimme meiner Braut,
Sie schreit um Hilfe, teuflisches Gelächter
Des gnäd'gen Herrn dringt gleich drauf mir ins Ohr,
Ich eile hin, erblicke sie am Boden,
Ich ziehe die Pistole wutentflammt,
Ich ziele nach dem gnäd'gen Herrn, ich schiesse!
Er stürzt zu Boden, rafft sich wieder auf,
Und eilt davon, ich hin zu Eurer Tochter!
Weh mir! voll Blut und leblos liegt sie da!

Vier Bauern eilen ab nach links vorn

GEORGE
Besinnungslos, nur meiner Rache folgend,
Stürz' ich ihm nach, dem Grafen! Ein zweiter Schuss
Ereilt ihn bei dem Erdfall nah am Garten,
Er stürzt hinab! Erstarrt steh' ich am Rande.
Gekühlt war meine Rache; mit Entsetzen
Erkenn' ich meine schaudervolle Tat!
Ach, grässlich war es anzusehen, wie
Der Mond das blasse Antlitz hell beschien,
Der hoch herab vom Himmel in die Kluft sah.
Nicht Ruhe hab' ich mehr auf dieser Erde.
Eilt, seht, ob Eure Tochter noch zu retten,
Mich treibt die Untat in die weite Welt!

Er stürzt ab nach links hinten vor der Terrasse.
Die vier Bauern bringen von links vorn auf einer Trage die Leiche Emmys und stellen sie in der Mitte nieder

PERTH
ruft aus
Mein Kind, mein armes Kind!

Er bricht an der Trage zusammen. Alle nähern sich und knieen nieder

Nr. 18 - Chor

CHOR
Freuden und Leiden im irdischen Leben
Wechseln so rasch, wie die Stunden entschweben!
Wir zogen so fröhlich und munter daher,
Zu vereinen die Braut mit dem Gatten.
Ach, und jetzt gehen wir bange und schwer,
Ihre Leiche zur Gruft zu bestatten!
ACHTER AUFTRITT
Aubry allein

AUBRY
Himmel, verleihe meinen Worten Kraft, sein Herz zu rühren. Retten muss ich sie, und sei der Preis mein Leben! Können meine Bitten ihn nicht bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen, mein Entschluss ist gefasst, so eile ich zum alten Lord zurück, breche den fürchterlichen Schwur, und entdecke ihm das schreckliche Geheimnis, möge daraus entstehen, was da wolle.

Lord Ruthwen kommt von rechts vor der Terrasse

NEUNTER AUFTRITT
Ruthwen, Aubry zu seiner Linken

RUTHWEN
Wie, Sir Aubry, Ihr hier?

AUBRY
sehr energisch
Ja, überall hin werde ich dir folgen, alle deine Schritte bewachen, überall dich bitten und beschwören, den entsetzlichen Gedanken aufzugeben: überall dir drohend entgegentreten, dir mit Gewalt dein Opfer entreissen. Ruthwen, ich liebe Malwina, ich werde von ihr wieder geliebt! Wenn noch ein Gefühl von Menschlichkeit in deinem Herzen zurückblieb, so lass ab von ihr, morde nicht das Glück zweier Menschen. Er kniet. Hier auf meinen Knieen beschwöre ich dich, weiche von ihr zurück, ich will zu dem Ewigen um Erbarmen für dich flehen - und das Bewusstsein dieser einzigen guten Tat wird wie ein rettender Engel für dich sprechen in der Stunde des ewigen Gerichts!
Er steht auf

RUTHWEN
Verschwende nicht unnötige Worte, törichter Knabe! Mich treibt mein fürchterliches Schicksal. Zürne, tobe, rase gegen den ewigen Kreislauf der Natur! Kannst du ihn stillstehen heissen? Kannst du das Dasein der ganzen Schöpfung in ein leeres Nichts zurückwerfen? Tu's! Ha, auf meinen Knieen will ich dir danken! Ohnmächtiger, geh! Lass ab von mir.

Nr. 14 - Grosse Szene

AUBRY
Wohl, du zwingst mich zum Verbrechen,
Meinen Schwur geh ich zu brechen,
Gott im Himmel wird verzeihn!
Kann ich es dadurch erreichen,
Dass du von ihr musst entweichen,
Ist die Sünde ja nur klein.

RUTHWEN
Strauchle auf der Bahn des Rechten,
Du verfällst den finstern Mächten,
Scheint der Fehltritt auch nicht gross;
Bist du einmal erst gewonnen,
Enger stets wirst du umsponnen,
Und die Hölle lässt nicht los.

AUBRY
Gern will ich für mein Verschulden
Martervolle Strafe dulden;
Was kann Ärgeres geschehn!
Gibt es grösseres Verderben,
Als die Heissgeliebte sterben
Und so grässlich sterben sehn!

RUTHWEN
Meinst du? Ha! versuch' es nur!
Und mit Schaudern wirst du sehen,
Was noch Ärgres kann geschehen.
Glaubst du, dass mich die Natur
Zu dem schrecklichen Beruf
Schon bei der Geburt erschuf?
Geh denn hin, verrate mich!
Schuld des Meineids lad' auf dich,
Um mit süssem Triumphieren
Die Geliebte heimzuführen;
Werde Gatte, Vater dann,
Und ein hochbeglückter Mann!
Doch es naht die Zeit heran,
Wo bei tausend Schlangenbissen
Dir die Seele wird entrissen;
Vor den Richter bang und schwer
Tritt sie, und der Strenge spricht:
Reue sühnet Meineid nicht;
Kehre dann zurück mit Graus
In das kaum verlassne Haus.“
Nun gehst du, ein grausiger Leichnam, einher,
Bestimmt, dich vom Blute Derer zu nähren,
Die dich am meisten lieben und ehren;
Im Innern trägst du verzehrende Glut.
Bei deinem Leben hatt'st du geschworen:
Was durch dich lebt, ist durch dich verloren;
Der Gattin, der Söhne, der Töchter Blut,
Es stillet zuerst deine scheussliche Wut,
Und vor ihrem Ende erkennen sie dich
Und fluchen dir - und verdammen sich!
Doch was dir auf Erden das Teuerste war,
Ein liebliches Mädchen mit lockigem Haar
Schmiegt bittend die kleinen Händchen um dich.
Die Tränen ins helle Äuglein ihr treten.
Sie lallet: Vater, verschone mich,
Ich will auf Erden für dich beten!
Du siehst ihr ins unschuldig fromme Gesicht,
Du möchtest gern schonen und kannst es doch nicht!
wild
Es reizt dich der Teufel, es treibt dich die Wut.
Du musst es saugen, das teure Blut!
So lebst du, bis du zur Hölle fährst,
Der du auf ewig nun angehörst;
Selbst dort noch weichet vor deinem Blick
Die Schar der Verworfnen mit Schrecken zurück:
Denn gegen dich sind sie engelrein,
Und der Verdammte bist du allein! -

Er streckt seine linke Hand gegen Aubry aus. Aubry starrt ihn entsetzt an und tritt einen Schritt zurück

RUTHWEN
Du starrst? Du stehst entsetzt vor mir?
lachend
Haha! ich zeichnete nach der Natur,
Meine eigne Geschichte erzählte ich dir.
Jetzt geh hin! - Geh hin! - Geh hin!
Und brich deinen Schwur!

Er eilt ab nach rechts hinten vor der Terrasse

ZEHNTER AUFTRITT
Aubry allein

AUBRY
starrt Ruthwen entsetzt nach
Ha! wie das grausenvolle Bild
Mich mit Entsetzen ganz erfüllt;
Kein Trost, kein Ausweg zeigt sich hier,
Sie ist verloren! Wehe mir!

Er sinkt auf einen Stuhl am Tisch rechts

Nr. 15 - Arie

AUBRY
Wie ein schöner Frühlingsmorgen
Lag das Leben sonst vor mir,
All mein Wünschen, all mein Sorgen
War ein heitrer Blick von ihr.
Er steht auf
Flur und Wald schien nur zu leben,
Um ihr Bild zurückzugeben,
Und mit süssem Zauberklingen
Nur von ihr, von ihr zu singen.
Denn ihr Antlitz wunderhold
Lacht aus jeder Blume mir,
Aus der Abendröte Gold,
Aus der Sterne Glanzrevier.
Ach, ihr Antlitz wunderhold,
Lacht aus jeder Blume mir!
Zephir schien mit ihr zu kosen,
Nur von ihr sang Quell und Baum,
Und entschlummert unter Rosen
räumte noch von ihr der Traum. -
Doch jetzt umgibt mich dunkle Nacht,
Ich verzweifl' an Gottes Macht;
Unheilbringende Dämonen
Scheinen die Schöpfung nur zu bewohnen.
Grinsend hör' ich sie triumphieren,
Zum Verderben muss es führen,
Was ich auch beginnen wollte. -
Und von allem, was mir droht,
Ist das minder Schreckensvolle:
Wahnsinn! Wahnsinn, oder Tod!

George Dibdin kommt von rechts hinten vor der Terrasse

ELFTER AUFTRITT
George, Aubry zu seiner Linken

GEORGE
Gut, dass ich Euch noch finde, gnäd'ger Herr! Ach, nehmt Euch meiner an!

AUBRY
Was hast du, George?

GEORGE
Wenn Ihr doch den gnäd'gen Herrn bereden könntet, mit Euch nach Davenaut zurückzukehren. Er zerstört mir meine ganze Hochzeitsfreude, er ist immer um meine Braut, spricht und tanzt beständig mit ihr; und sie thut auch, als wenn ich gar nicht auf der Welt wäre, und ist so freundlich gegen ihn, als wäre er der Bräutigam. Die jungen Burschen foppen mich schon damit, allen Hochzeitsgästen diene ich zum Gespötte; ich ertrage es nicht länger!

AUBRY
Unglücklicher! Und du verliessest sie? Kehre sogleich in den Saal zurück, verlass deine Braut nie, hörst du? Nie, auch nicht auf einen Augenblick! Es ist das einzige Mittel, dich und sie vom grössten Verderben zu retten.

GEORGE
Ihr macht mir Angst, gnäd'ger Herr! Ihr glaubt doch nicht, dass er sie wirklich verführen würde?

AUBRY
Frage nicht, geh' schnell hinein zu ihr! Ich eile nach Davenaut zurück! Gott! Gott! wie wird das enden!

George eilt ab nach rechts vor der Terrasse. Aubry geht ab nach links vor der Terrasse. Lord Ruthwen kommt nach einer Pause mit der sich etwas sträubenden Emmy im rechten Arm von rechts vorn

ZWÖLFTER AUFTRITT
Emmy, Ruthwen zu ihrer Linken

Nr. 16 - Duett

RUTHWEN
zeigt nach links
Leise dort zur fernen Laube!

EMMY
Gnäd'ger Herr!

RUTHWEN
Wo wir ungestörter sind.

EMMY
sich immer angstvoll nach rechts umsehend
Gnäd'ger Herr, man kommt, ich glaube -

RUTHWEN
Nicht doch, liebes süsses Kind!

EMMY
Ja, ja, man kommt!

RUTHWEN
Folge mir nur wen'ge Schritte -

EMMY
Gnäd'ger Herr! ach nein, ich bitte -
George wird mich im Saal vermissen!

RUTHWEN
Furchtsam Närrchen, lass dich küssen!

Emmy will sich losreissen. Ruthwen hält sie fest umschlungen

EMMY
Nein, ach, lasst zurück mich gehen,
Gnäd'ger Herr, ach, schonet mein!
Würde George bei Euch mich sehen,
Nimmer könnt' er mir verzeihen.

RUTHWEN
Soll ich, ach, noch länger klagen?

Emmy wendet sich einige Schritte nach rechts

RUTHWEN
Wird mir nie dein Auge sagen,
Dass für mich dein Herzchen spricht?

EMMY
für sich
Ach, ich fühl's, mit tausend Banden
Hängt mein ganzes Herz an ihm. - Ach!

RUTHWEN
für sich
Lange hat sie widerstanden,
Doch sie weicht dem Ungestüm.

EMMY
für sich
Ach, ich fühl's, mit tausend Banden -

RUTHWEN
So komm doch -

EMMY
wie oben
Hängt mein ganzes Herz an ihm!

RUTHWEN
O komm doch, komm, mein süsses Leben!
Meiner Augen holdes Licht!

EMMY
für sich
Seinen Bitten widerstreben,
Ich vermag es länger nicht.

RUTHWEN
nähert sich ihr erst jetzt wieder
Nun, so komm, noch wen'ge Schritte -
Er umfasst sie

EMMY
Nein, ach, gnäd'ger Herr, ich bitte -

RUTHWEN
Süsses Mädchen, folge mir!

EMMY
Gnäd'ger Herr!

RUTHWEN
O folge mir!

EMMY
Ach, ich zittre!

RUTHWEN
Folge mir!

EMMY
Ach, ich zittre!

RUTHWEN
Folge mir!
Er lässt sie wieder los
Kannst du länger grausam sein?

EMMY
einen Schritt von ihm
Grausam, gegen Euch? Ach, nein!

RUTHWEN
Folge mir!

EMMY
Wohl, es sei! - Ich folge dir!

Sie sinkt an seine Brust
BEIDE
Leise, leis' im Mondenschimmer,
Still und heimlich ziehn wir fort
Nach dem süss verschwiegnen Ort;
Du bist mein, ich dein auf immer!
Mond und Sterne mögen lauschen,
Wie wir Seel' um Seele tauschen,
Und in Liebe uns berauschen.

Sie eilen links vorn ab

James Gadshill, Richard Scrop, Robert Green, Toms Blunt alle etwas angetrunken, am meisten Blunt, kommen, jeder mit einer Weinflasche in der Tasche, von rechts vor der Terrasse

DREIZEHNTER AUFTRITT
Gadshill und Scrop rechts, Green und Blunt links

BLUNT
Kommt hierher, hier sind wir ungestört.

SCROP
Im Saal ist's so heiss.

GREEN
Und solch ein Lärm, dass man nicht einmal in Ruhe trinken kann.

Alle Vier setzen sich an den Tisch rechts

GADSHILL
Hier ist's angenehm kühl, und der klare Mondenschein -

BLUNT
Ach, Bruder, die Welt ist so schön!
Hast du auch eine Flasche bei dir?

GADSHILL
zieht eine Flasche aus der Tasche
Das versteht sich!

SCROP
ebenso
Ich auch!

GREEN
ebenso
Ich auch!

BLUNT
ebenso
Siehst du, ich habe auch eine bei mir - und zwei hab' ich noch in der Tasche; denn Trinken, Bruder, siehst du, Trinken, das ist: Trinken! Es gibt viel Annehmlichkeiten in der Welt, aber doch nur drei Hauptvergnügungen.

GADSHILL
Ah, ich weiss schon, du meinst: Wein, Weiber und Gesang.

BLUNT
Du bist ein guter Christ, aber du hast's nicht getroffen. Siehst du, Bruder, das erste ist: Trinken! und das Zweite ist: Trinken! und das dritte ist: Trinken!

Alle lachen

BLUNT
Hahaha! Nicht wahr, ich habe recht? Denn seht: Singen? Singen ist gut, ich singe auch, aber man kann doch nicht immer singen, man kriegt's satt. Und Weiber? O ja! o ja! - Aber - na, davon wollen wir nicht reden, das weiss ich und meine Suse am besten. Aber Trinken? Seht ihr, Trinken, das ist: Trinken!

ALLE DREI
Ja, Bruder, du hast recht, Bruder!
Sie trinken, stehen auf und treten vor.

Nr. 17 - Trinklied und Quintett mit Chor

BLUNT
Im Herbst, da muss man trinken!

ALLE
Im Herbst, da muss man trinken!
Das ist die rechte Zeit;
Da reift uns ja der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Herbst, da muss man trinken!

BLUNT
Im Winter muss man trinken!

ALLE
Im Winter muss man trinken!
Im Winter ist es kalt;
Da wärmet uns der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Winter, ja, da muss man trinken!

BLUNT
Im Sommer muss man trinken!

ALLE
Im Sommer muss man trinken!
Im Sommer ist es heiss;
Da kühlet uns der Traube Blut
Und dabei schmeckt der Wein so gut;
Im Sommer muss man trinken, trinken!

BLUNT
Im Frühling muss man trinken!

ALLE
Im Frühling muss man trinken!
Da ist's nicht heiss, noch kalt!
Da labt uns erst der Traube Blut,
Da schmeckt der Wein erst doppelt gut;
Im Frühling muss man trinken, trinken! - -

Juch! Das ist 'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit!
Alles bricht in Jubel aus,
So ist's recht beim Hochzeitsschmaus!
Juch! Das ist 'ne Fröhlichkeit,
Alles schwimmt in Seligkeit!
in grösster Ausgelassenheit
Juch!

Sie setzen sich wieder. Frau Suse Blunt kommt eilig von rechts vor der Terasse

VIERZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen am Tisch rechts sitzend, Frau Blunt auf der linken Seite

Quintett

FRAU BLUNT
schlägt Blunt auf die Schulter
Endlich, Alter, find' ich dich!
Sie reisst Blunt empor

BLUNT
seelenvergnügt
Suse, ja, der hier bin ich.

FRAU BLUNT
Lange, lang' schon hab' ich dich gesucht,
Nirgends konnte ich dich finden.
Hab' gewettert, hab' geflucht,
Gott verzeih' mir meine Sünden!
keifend
Hier bei deinen Saufkumpanen
Treffe ich dich endlich an!

Alle stehen auf und taumeln vor

FRAU BLUNT
O du ehrvergessner Mann,
Gleich gehst du mit mir von dannen!

BLUNT
Liebes Weibchen, sieh nicht scheel,
Ach, ich bin so kreuzfidel.

GREEN, SROP, GADSHILL
Frau, was schilt sie uns denn aus,
Heute ist ja Hochzeitsschmaus.

FRAU BLUNT
Schweigt! - Schweigt, eh' mir die Galle schwillt!
Wollt ihr noch zu mucksen wagen,
Will ich jedem von euch sagen,
Was er ist und was er gilt.

BLUNT
heimlich
O weh!

FRAU BLUNT
nimmt Green mit der linken Hand und stellt ihn vor sich
Robert Green! Ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann,
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen,
Und zum Spiel und Weine gehen.

Green kratzt sich hinter dem Ohr und geht zurück

FRAU BLUNT
dreht Blunt zu sich
Du, Tom, bist ein alter Narr!
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer!
Sie wendet sich nach links, stösst auf Scrop, nimmt ihn beim Kragen
Scrop, Scrop hier ist im gleichen Falle!
Sie schubst ihn beiseite, geht zu Gadshill, schlägt ihn vor die Stirn
Euch, James Gadshill, Euch gebricht es
An Verstand, und kurz alle,
In der Mitte stehend, erst nach rechts, dann nach links weisend
Alle, alle, alle, alle taugt ihr nichts!

BLUNT
Liebe Suse, keinen Streit,
Sieh, ich bin voll Seligkeit!
Liebe Suse, keinen Streit,
Sieh, ich bin voll Seligkeit!

FRAU BLUNT
Ja, ich sag' euch, alle, alle,
Alle, alle taugt ihr nichts!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Still! Nein, bei Gott, das ist zu toll!
zu Blunt
Sagt ihr, dass sie schweigen soll.

BLUNT
Suse, lass uns doch in Ruh!
ihr seine Flasche hinhaltend
Trink' einmal!

GREEN, SCROP, GADSHILL
zu Blunt
Sagt ihr, dass sie schweigen soll!
Sagt ihr, dass sie schweigen soll!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

FRAU BLUNT
sehr heftig
Wie?
Was war das? Ich soll schweigen?

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ja, wir wollen nichts mehr hören.

BLUNT
Trink' einmal!

FRAU BLUNT
Ich soll schweigen!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ja, wir wollen nichts mehr hören!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

FRAU BLUNT
Wer will mir den Mund verwehren!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ach, wir wollen nichts mehr hören!

FRAU BLUNT
schreiend
Nein, nein, nein, nein!
Jetzt will ich noch ärger schrein!

BLUNT
Liebe Suse, lass uns doch in Ruh!
Suse, lass uns doch in Ruh!

FRAU BLUNT
schlägt mit der geballten Faust auf den Tisch rechts
Nein, nein, nein, nein, nein, nein,
Nein, nein, nein, nein, nein, nein!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Still jetzt, still jetzt, still!
Stille soll sie sein!
Still jetzt! Stille soll sie sein!

FRAU BLUNT
schreiend
Ich will nicht schweigen!
Wartet nur, ich will euch zeigen,
Dass ich reden will und kann!
Höhnisch, in der Mitte stehend, mit dem Rücken gegen das Publikum, mit dem Gesicht nach dem Hintergrunde, den vier Zechern zugewendet, kann sie vor Erschöpfung nicht weiter und macht eine Pause; dann noch heftiger
Hat euch, was ich sprach, verdrossen?
Nun, wohlan denn, euch zum Possen
Fange ich von vorne an!

BLUNT
Suse, lass uns doch in Ruh!
Trink einmal!

FRAU BLUNT
Nun, wohlan denn, euch zum Possen
Fange ich von vorne an!

BLUNT
Ich bring' dir's zu!

GREEN, SCROP, GADSHILL
O schweiget still!

FRAU BLUNT
zu Green
Robert Green, Ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ist das Weib denn ganz von Sinnen!

FRAU BLUNT
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen
Und zum Spiel und Weine gehen.

GREEN, SCROP, GADSHILL
zu Blunt
Nachbar, sprecht, was nun beginnen?

Blunt steht abgewendet und trinkt

FRAU BLUNT
dreht ihn zu sich herum
Du, Tom, bist ein alter Narr,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Ist das Weib denn ganz von Sinnen?

Blunt steht wieder abgewendet und trinkt

FRAU BLUNT
Scrop hier ist in gleichem Falle;
Euch, James Gadshill, Euch gebricht's am Verstande!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Nachbar, sagt, was nun beginnen?

BLUNT
Macht's wie ich, und bleibt in Ruh,
Wird's zu arg, so lacht dazu!
's ist ein liebes Weibchen doch,
Stosset an, sie lebe hoch!

FRAU BLUNT
Und kurz, alle, alle taugt ihr nichts!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahahahahahahahahahahaha!

BLUNT, GREEN, SCROP, GADSHILL
Stosset an, sie lebe hoch!

John Perth, George Dibdin, sämtliche Bauern kommen von rechts

FÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Perth nimmt die rechte Ecke. Bauern zurückstehend. George. Dann Aufwärter

George entfernt sich, Emmy suchend, nach links vorn, wo Ruthwen zuletzt mit ihr abgegangen ist

BLUNT
Sie lebe hoch! sie lebe hoch!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahaha, hahahahahahahaha!

CHOR
Welcher Lärm! was ist geschehen?
Saget, was bedeutet das?

BLUNT
Sie lebe hoch!

CHOR
Man kann ja kein Wort verstehen,
Ist es Ernst denn oder Spass?

FRAU BLUNT
wie vorher
Robert Green, ihr seid bekannt
Überall im ganzen Land
Als ein schlechter Ehemann,
Der zu gern nur dann und wann
Mag nach andern Weibern sehen
Und zum Spiel und Weine gehen.
Du, Tom, bist ein alter Narr,
Der nichts ist und der nichts war,
Als ein liederlicher Säufer,
Spieler, Schlemmer, Wirtshausläufer.
Scrop hier ist in gleichem Falle.
Euch, James Gadshill, Euch gebricht's am Verstande!
Sie hört gleichsam vor Erschöpfung auf
Und kurz, alle, alle, alle, alle, alle taugt ihr nichts!

BLUNT
Suse! Suse! - Lass uns doch in Ruh!
Liebes Weibchen, sieh nicht scheel,
Ach, ich bin so kreuzfidel!
Trink einmal, ich bring' dir's zu!
Sie lebe hoch! sie lebe hoch! sie lebe hoch!

GREEN, SCROP, GADSHILL
Hahahahahahahahahaha!

CHOR
Dieses Schelten, dieses Lachen,
Das verwirrt uns alle noch!
Wollt ihr uns denn rasend machen?
Frau, so schweig sie endlich still!

Einige Bauern tragen Frau Blunt jubelnd nach rechts vor der Terrasse ab. Blunt folgt ihnen.
Aufwärter räumen unauffällig den Tisch und die Stühle rechts vorn weg. Es fällt links vorn ein Schuss

SECHZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Blunt und seine Frau

PERTH
nimmt die Mitte, spricht
Horch - was war das?

Er beobachtet nach links vorn

GREEN
spricht
Es fiel ein Schuss!

ALLE
durcheinandersprechend
Ja, ja, ein Schuss, ein Schuss!

Sie wenden sich nach der rechten Seite, so dass die linke Seite frei bleibt.
Pause.
Es fällt links vorn ein zweiter Schuss

PERTH
wie oben
Und noch einmal! Was kann das sein?

ALLE
nach links vorn zeigend
Auf, eilet schnell nach jener Seite,
Im nahen Wäldchen fiel der Schuss!

PERTH
Doch sehet, dort nahet diesem Platze
George Dibdin sich in voller Hast!

George Dibdin kommt eilig und atemlos von links vorn

SIEBZEHNTER AUFTRITT
Alle auf der rechten Seite. John Perth rechts vorn. George zu seiner Linken. Dann Emmy als Leiche

GEORGE
angstvoll
Ach, Freunde, eilt, ach, eilet, rettet, Freunde!

PERTH
Sprich, George, was ist geschehn? Was ist geschehn?

GEORGE
Ach, Eure Emmy, Vater, ist ermordet,
Und ich, weh mir, erschoss den gnäd'gen Herrn!

PERTH
Gerechter Gott! welch grässliches Verbrechen!
Sprich, Unglückseliger, wie ging das zu?

Grösste Teilnahme während der Erzählung

GEORGE
Voll Eifersucht sucht' ich den gnäd'gen Herrn,
Der meine Emmy aus dem Saal entführte.
Vergebens spähte ich den Garten durch,
Und kam zur Pforte bei dem nahen Wäldchen.
Da höre ich die Stimme meiner Braut,
Sie schreit um Hilfe, teuflisches Gelächter
Des gnäd'gen Herrn dringt gleich drauf mir ins Ohr,
Ich eile hin, erblicke sie am Boden,
Ich ziehe die Pistole wutentflammt,
Ich ziele nach dem gnäd'gen Herrn, ich schiesse!
Er stürzt zu Boden, rafft sich wieder auf,
Und eilt davon, ich hin zu Eurer Tochter!
Weh mir! voll Blut und leblos liegt sie da!

Vier Bauern eilen ab nach links vorn

GEORGE
Besinnungslos, nur meiner Rache folgend,
Stürz' ich ihm nach, dem Grafen! Ein zweiter Schuss
Ereilt ihn bei dem Erdfall nah am Garten,
Er stürzt hinab! Erstarrt steh' ich am Rande.
Gekühlt war meine Rache; mit Entsetzen
Erkenn' ich meine schaudervolle Tat!
Ach, grässlich war es anzusehen, wie
Der Mond das blasse Antlitz hell beschien,
Der hoch herab vom Himmel in die Kluft sah.
Nicht Ruhe hab' ich mehr auf dieser Erde.
Eilt, seht, ob Eure Tochter noch zu retten,
Mich treibt die Untat in die weite Welt!

Er stürzt ab nach links hinten vor der Terrasse.
Die vier Bauern bringen von links vorn auf einer Trage die Leiche Emmys und stellen sie in der Mitte nieder

PERTH
ruft aus
Mein Kind, mein armes Kind!

Er bricht an der Trage zusammen. Alle nähern sich und knieen nieder

Nr. 18 - Chor

CHOR
Freuden und Leiden im irdischen Leben
Wechseln so rasch, wie die Stunden entschweben!
Wir zogen so fröhlich und munter daher,
Zu vereinen die Braut mit dem Gatten.
Ach, und jetzt gehen wir bange und schwer,
Ihre Leiche zur Gruft zu bestatten!



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