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VIERTER AUFZUG

Festlich geschmückter Säulensaal im Schlosse des Lord von Davenaut

ERSTER AUFTRITT
Edgar Aubry allein, kommt von links über die Estrade

AUBRY
Vergebens sinne ich hin und her, kein Mittel zeigt sich mir, die schreckliche Tat zu verhüten! Malwina muss ich sprechen, sie beschwören, Aufschub zu gewinnen, nur wenige Stunden, nur so lange, bis die Zeit verflossen, in welcher jener fürchterliche Eid meine Zunge fesselt. Ach, wird sie es können? Ich muss sie warnen, warnen, auch nicht der leisesten Hingebung zu jenem schrecklichen Wesen Raum zu geben, sei es aus Wohlwollen, sei es aus Mitleid. Einmal ihm verfallen, vermag nichts mehr, sie zu retten.

Malwina kommt hochzeitlich gekleidet von rechts über die Estrade

ZWEITER AUFTRITT
Malwina, Aubry zu ihrer Linken

MALWINA
in heftiger Bewegung in seine Arme sinkend
Edgar!
Pause

AUBRY
Malwina! - Du hast geweint!
Pause

MALWINA
Ach, umsonst habe ich meinen Vater mit Tränen gebeten, den Gedanken an jene verhasste Verbindung aufzugeben; vergebens ihn beschworen, mir nur Aufschub zu gewähren; fest beharrt er auf seinem Sinn, fühllos gegen meine Leiden. Die Gäste sind versammelt, die Kapelle geschmückt, nur die Rückkunft des Grafen wird erwartet, um mein Unglück durch Priestersegen zu heiligen.
Sie wendet sich ab und weint bitterlich
Vor der Kapelle steht der Wagen des Grafen, um sogleich nach der Trauung -

Nr. 19 - Duett

AUBRY
Halt ein, ich kann es nicht ertragen,
Du bist verloren! Wehe dir!
Und wehe mir, ich muss verzagen,
Nur Wahnsinn bleibt, Verzweiflung mir!
O dürft' ich rasch mit eignen Händen
Dies martervolle Dasein enden!

MALWINA
O lass, Geliebter, dich beschwören,
Ersticke nicht den frohen Mut!
Noch lebt ein Gott, er kann uns hören,
Will er, so endet alles gut!
Lass uns mit kindlichem Vertrauen
Auf seine Vaterhilfe bauen.
für sich
Ach, ich darf ihm ja nicht sagen,
Dass auch ich nicht Trost noch Rettung finde,
Muss allein den schweren Kummer tragen,
Dass ihm nicht die letzte Hoffnung schwinde!

AUBRY
für sich
Ach, ich muss ihr ja verschweigen,
Welch Verderben ihr genüber steht;
Darf ihr nicht den finstern Abgrund zeigen,
Dem sie rettungslos entgegengeht!
laut zu Malwina
Es drängt die Zeit, Malwina, lass dich warnen,
O zögre nur, bis der Tag erwacht;
Arglistig ist und gross der Hölle Macht,
Mit bösem Zauber weiss sie zu umgarnen.

MALWINA
Was redest du? Was hätt' ich zu befahren?
Ich fürchte nur des Vaters streng' Gebot!
Vor allem, was mir sonst Verderben droht,
Wird mich mein Herz, mein reiner Sinn bewahren!
in frommer Begeisterung
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

AUBRY
entzückt
Sei mir gegrüsst, du schönes Himmelslicht,
Das prangend durch die Nacht des Zweifels bricht!
Mit lautem Jubel, wie aus lichten Sphären,
Jauchzt es mir zu mit tausend Engelchören!

BEIDE
gesteigert
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

Aubry geht mit dem Einsatz der Trompeten, welcher die Hochzeitsgäste ankündigt, nach rechts.
Malwina wendet sich gleichzeitig mit einigen Schritten nach links. Der Hochzeitszug kommt von rechts über die Estrade. Acht Jäger mit Fahnen eröffnen den Zug; es folgen vier Diener, acht Blumenmädchen, sechs Paar Edelherren und Damen, zwei Brautjungfern mit Kranz und Schleier, Sir Humphrey Lord von Davenaut, zwölf Guirlandenmädchen, Bauern und Bäuerinnen von Davenaut

DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der Hochzeitszug

Nr. 20 - Finale

CHOR DER GÄSTE
Blumen und Blüten im Zephyrgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.

DAVENAUT
Ihr Freunde, kommt, beginnt die Hochzeitsfeier
Mit frohem Sinn und heitrer Fröhlichkeit;
Mein einzig Kind, dem Vaterherzen teuer,
Vermähle ich dem edlen Gatten heut'!

MALWINA
für sich
Dein Wille, Herr im Himmel, mag geschehen,
In gläub'ger Demut unterwerf' ich mich;
O lass ein Zeichen deiner Huld mich sehen,
Ich bin ja dein Geschöpf, erbarme dich!

AUBRY
für sich
Schon senkte sich ein Engel tröstend nieder
Mit schöner Hoffnung ros'gem Dämmerschein;
Doch rasch durchbebt mich kaltes Grausen wieder,
Hohnlachend stürmt die Hölle auf mich ein!
O Herr, erbarme dich!

DAVENAUT
Ihr Freunde, kommt, beginnt die Hochzeitsfeier!

CHOR
Ja, Freunde, auf, beginnt die Hochzeitsfeier
Mit frohem Sinn und heitrer Fröhlichkeit;
Das einz'ge Kind, dem Vaterherzen teuer,
Vermählet er dem edlen Gatten heut'!
Singet laut und jubelt froh!

Der Haushofmeister kommt mit zwei Dienern von rechts über die Estrade.
Lord Ruthwen tritt wild und verstört, ohne Mantel, unmittelbar hinter den Dienern ein.

VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Ruthwen. Der Haushofmeister. Die beiden Diener

HAUSHOFMEISTER
spricht meldend
Der Graf von Marsden!

Davenaut geht Ruthwen entgegen und geleitet ihn vor. Ruthwen tritt zwischen Aubry und Davenaut.
Der Haushofmeister nimmt mit den beiden Dienern hinter den Brautjungfern Aufstellung.
Begrüssung von allen Seiten

MALWINA
wankt, Ruthwen erblickend, einige Schritte nach links, für sich; singt
Allgerechter!

AUBRY
beiseite
Weh, Entsetzen!

CHOR
Ha, willkommen!

DAVENAUT
Ha, willkommen!

RUTHWEN
zu Davenaut
Sir, entschuld'gen kann ich nicht,
Dass ich säumt' in meiner Pflicht,
Hab' ich doch mein Glück verschoben;
Meinen Fehler wollt' ich loben,
Preisen noch mein Missgeschick,
zärtlich zu Malwina
Zürnte auch Myladys Blick
Auf den läss'gen Bräutigam,
Der so spät zur Hochzeit kam.

DAVENAUT
Spart die Worte, lieber Sohn,
Alles ist bereitet schon!
Auf denn, fort, hin zur Kapelle,
Dort will ich an heil'ger Stelle
Bei des Priesters frommem Segen
Ihre Hand in Eure legen.

Aubry zieht sich beobachtend mehr und mehr zurück

MALWINA
stürzt verzweifelt zu ihrem Vater, ihn mit bittenden Gebärden anflehend
Ach, mein Vater, habt Erbarmen!

DAVENAUT
weist sie zurück; zu den Anwesenden
Auf, Freunde, auf!

MALWINA
Ach, habt Erbarmen, ach, mein Vater!

DAVENAUT
wie oben
Mit heiterm Sang begleitet unsern Hochzeitsgang!

AUBRY
für sich
Starr und leblos steh' ich da! -
O Gott, wie wird das enden!

MALWINA
für sich
Wehe mir! ach, weh' mir Armen! -
laut
Mein Vater!

RUTHWEN
für sich
Ha! Triumph! Das Ziel ist nah!
Sie ist in meinen Händen!
Triumph! Das Ziel ist nah!

DAVENAUT
Auf! Freunde, auf, mit heiterm Sang
Begleitet unsern Hochzeitsgang,
Auf, Freunde, auf!

Er führt Malwina an sich vorüber Ruthwen zu. Die Blumenmädchen streuen nach dem Ausgang hin Blumen. Die Edelherren reichen ihren Damen die Hand. Ruthwen fasst in zärtlicher Haltung Malwinas Hand, um sie zu führen.

CHOR
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich, dir auf den Lebenspfad streun;
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen -

Alle machen während des Chors eine leichte Bewegung zum Abgang nach dem Hintergrunde zu

AUBRY
tritt heftig zwischen Malwina und Ruthwen
Haltet ein! -
Nein, nimmermehr soll sie dein Opfer sein!

Allgemeine Bestürzung. Alle wenden sich erstaunt nach vorn. Malwina lässt Ruthwen los. Ruthwen wendet sich mit einigen Schritten nach rechts vorn

CHOR
Ha! was ist das?
Welch seltsames Beginnen!

DAVENAUT
tritt zwischen Ruthwen und Aubry
Törichter Knabe!
Weiche schnell von hinnen!
Unsinniger, hinweg mit dir! zurück!
Zu weit treibt dich strafbare Leidenschaft.

AUBRY
Ha, nimmermehr! Es drängt der Augenblick!
Er umschlingt Malwina
Ich fühle Mut in mir und Kraft,
Ich will und muss die Heissgeliebte retten!

DAVENAUT
Ha, werft den Rasenden in Ketten!

Die beiden Diener beim Haushofmeister treten vor und gehen auf Aubry los. Aubry geht mit Malwina, die er fest umschlungen hält, ganz vor

CHOR
Ha! was ist das? Welch seltsames Beginnen?

AUBRY
Fest will ich sie umklammern und umfassen
Und nur mit meinem Leben lassen!

DAVENAUT
Hinweg mit ihm!

CHOR
Ha! was ist das?

DAVENAUT
Trennt sie, er ist von Sinnen!

AUBRY
Ha, nimmermehr!

Die beiden Diener trennen Aubry und Malwina mit Gewalt

AUBRY
Ach, habt Erbarmen!
Betrogner Vater, ach, Ihr wisst nicht, was Ihr thut!
Verloren Euer Kind, noch eh' der Morgen graut,
Bestimmt Ihr sie zu dieses Scheusals Braut.

DAVENAUT
Wie, Rasender!

CHOR
Was ist das?

DAVENAUT
Du wagst den Mann zu schmähen,
Den sich dein Lord zum Eidam ausersehen?
Ha, fürchte meines Zornes Wut!

RUTHWEN
für sich
Die Zeit vergeht!
Es wird zu spät! -
Grausen bebt durch meine Glieder!
Die Zeit vergeht, es wird zu spät!
Grausen bebt durch meine Glieder!

MALWINA
für sich
Mut und Vertrauen verlassen mich,
Vater im Himmel, erbarme dich!

CHOR
unter sich
Wie die Sache auch sich wende,
Weh, das nimmt kein gutes Ende,
Was ich höre, was ich sehe,
Deutet mir des Unglücks Nähe!

AUBRY
Ha, trauet dem Verruchten nicht!
Seht das verworfne Angesicht!
Sein Auge flammet Höllenglut!
Er lechzet schon nach ihrem Blut!
Ihr seht sie niemals, niemals wieder!

CHOR
Weh! was war das? Welch seltsames Beginnen?

RUTHWEN
Der hoffnungslosen Liebe Glut,
Sie tobt in ihm mit wilder Wut!
Ha, fesselt seinen Ungestüm,
Ihr hört, der Wahnsinn spricht aus ihm!

DAVENAUT
Ja, fesselt seinen Ungestüm!
Man hört, der Wahnsinn spricht aus ihm!
Hinweg mit ihm, er ist von Sinnen!
Hinweg mit ihm!

RUTHWEN
Ja, hinweg mit ihm, er ist von Sinnen!

CHOR
Ha, fesselt seinen Ungestüm! - Ja! -
Man hört, der Wahnsinn - ja - spricht aus ihm!
Ja, hinweg mit ihm, er ist von Sinnen,
Hinweg mit ihm!

Die beiden Diener drängen Aubry etwas weiter zurück

AUBRY
ausser sich
Malwina, höre mich!
In Todesangst beschwör' ich dich!
Verderben droht dir diese Nacht!
O zögre nur, bis der Tag erwacht,
O zögre nur -

Die beiden Diener schleppen Aubry nach links ab

FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Aubry Dann Aubrys Stimme

DAVENAUT
Hinweg!

RUTHWEN
für sich
Die Zeit vergeht, es wird zu spät!
Grausen bebt durch meine Glieder!

MALWINA
für sich
Mut und Vertrauen verlassen mich,
Vater im Himmel, erbarme dich!

AUBRY
ausserhalb
Malwina! - Malwina! -

CHOR
Hinweg! Wie die Sache auch sich wende,
Weh! das nimmt kein gutes Ende!
Was ich höre, was ich sehe,
Deutet mir des Unglücks Nähe!

RUTHWEN
zu Davenaut
Die Zeit vergeht, es wird zu spät,
Lasst uns rasch zum Werke schreiten.

DAVENAUT.
Ihr Freunde, auf, mit heiterm Sang
Begleitet unsern Hochzeitsgang.

MALWINA
Vater! ach, Vater! lass mit Zähren dich beschwören!
Vater! ach, Vater! Hab' Erbarmen mit mir Armen!
Meine Kräfte fühl' ich schwinden,
O lass die Tochter Mitleid finden!
O gönn' mir Zeit, der Tag ist nicht mehr weit!
Ach, lass uns bis morgen weilen!

CHOR
O gönnt ihr Zeit, der Tag ist nicht mehr weit!
Warum so hastig eilen?

RUTHWEN
Mich drängt die Zeit!

DAVENAUT
Sprecht, kann es sein!

RUTHWEN
Ihr wisst, was Pflicht gebeut!

DAVENAUT
Ich will'ge gerne ein!

RUTHWEN
Ich darf nicht länger weilen!

DAVENAUT
Sir, lasst uns bis morgen weilen.

RUTHWEN
Nein! nimmermehr! Es kann und darf nicht sein.
Ihr gabt mir Euer Wort,
Wollt Ihr es ehrlos brechen?

DAVENAUT
heftig
Ha! Wer wagt es, so mit mir zu sprechen?

RUTHWEN
Wollt Ihr es ehrlos brechen?

DAVENAUT
Ha! Wer wagt es, so mit mir zu sprechen!
Auf! auf denn, zur Trauung fort!

Er will Malwinas Hand fassen, um sie Ruthwen zuzuführen. Allgemeine Bewegung zur Zugordnung

MALWINA
widerstrebend
Nein, nimmermehr!

DAVENAUT
Auf, zur Trauung fort!

Er fasst energisch Malwinas Hand

MALWINA
energisch
Ich will'ge niemals ein!

Sie reisst sich los und flieht einige Schritte nach links

DAVENAUT
Auf, Freunde, fort!

MALWINA
Ha, nicht Liebe, nur Entsetzen
Fühle ich für diesen Mann.

Bewegung

DAVENAUT
Ha! wagst du's, dich zu widersetzen?
Ha! Verräterin! Wohlan!
So treffe dich - des Vaters Fluch!

MALWINA UND CHOR
Weh!

Malwina wankt und droht zu sinken. Allgemeine grosse Bewegung. Die nahestehenden Edeldamen treten erschreckt an Malwina heran und unterstützen sie. Allgemeine Teilnahme für Malwina

CHOR
Was ist geschehn!

DAVENAUT
selbst ist tief ergriffen und gibt mit Widerstreben den Befehl für den Hochzeitszug
Auf! beginnt den Hochzeitszug!

Die zwei Brautjungfern treten heran und schmücken Malwina mit Kranz und Schleier

CHOR
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Freude mit heiterem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück!

Der Zug ordnet sich. Es zieht sich ein Gewitter zusammen, der Saal verdunkelt sich ein wenig.
Die Jäger treten von den Stufen und bilden Spalier. Die Blumenmädchen paarweise in der Mitte.
Die Guirlandenmädchen rechts und links im Mittelgrund. Davenaut reicht Malwina die linke Hand und macht mit ihr eine Wendung nach hinten, so dass Malwina die Mitte gewinnt. Ruthwen tritt ihr zur Seite, sobald sie die Mitte erreicht hat und gibt ihr seine rechte Hand. Ruthwen, Malwina, Davenaut beginnen den Zug nach hinten. Die beiden Brautjungfern folgen. Die Edelpaare ebenso. Leichter Donner

AUBRY
links ausserhalb
Vergebens hemmt ihr meines Wahnsinns Stärke,
Ich muss hinein!
Zertrümmern will ich dieses Dämons Werke.

RUTHWEN, DAVENAUT UND CHOR
Man muss den Eingang ihm verwehren!

Ruthwen, Malwina und Davenaut sind an den Stufen zur Estrade angelangt. Edgar Aubry gehalten von den beiden Dienern, die mit ihm abgegangen sind, stürzt von links über die Estrade bis zur Mitte vor den Vorhang zur Kapelle

SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Aubry. Die beiden Diener an seiner Seite, ihn haltend. Dann der Vampyrmeister. Dann ein Priester und zwei Chorknaben

AUBRY
in grösster Erregung
Haltet ein!

Mit dem letzten Worte heftiger Donnerschlag. Alle wenden sich nach vorn. Aubry reisst sich von den beiden Dienern los und stürzt vor, Ruthwen zur Linken. Malwina eilt an Davenaut vorüber nach der linken Ecke

RUTHWEN
für sich
Ich bin verloren! Wehe mir!

AUBRY
auf Ruthwen weisend
Wisst, dieses Scheusal der Natur -

Das Gewitter dauert fort

RUTHWEN
Aubry! Gedenk' an deinen Schwur -
Verderben drohet dir!

CHOR
entsetzt
Weh'!

AUBRY
wie oben
Nicht zag' ich vor des Ew'gen Grimme -

CHOR
Weh'!

AUBRY
Laut ruf' ich es mit Donnerstimme:

RUTHWEN
zu Aubry
Verderben drohet dir!

CHOR
wie oben
Weh', was werd' ich hören?

Donner

AUBRY
wie oben
Dieses Scheusal hier -

Donner

RUTHWEN
für sich
Zermalmung bebt durch meine Glieder!
Gottes Donner wirft mich nieder! Wehe mir!

AUBRY
mit grösster Kraft
Dieses Scheusal hier,
Ist ein Vampyr!

Es schlägt mit der zweiten Silbe des letzten Wortes Eins

ALLE
mit dem Ausruf des Entsetzens
Weh'!

Es wird plötzlich Nacht. Die Lichter erlöschen. Der Vampyrmeister steigt von unten herauf. Fürchterlicher Blitz, Donner und Einschlag. Ruthwen stürzt vernichtet dem Vampyrmeister zu Füssen.
Vampyrmeister packt ihn unter jubelndem Hohngelächter der Hölle und versinkt mit ihm. Flammen schlagen hinter beiden empor. Alle stehen leblos, wie versteinert, in einer Gruppe des Entsetzens. Malwina ist links vorn in die Kniee gesunken. Die Edeldamen bemühen sich um sie. Die Mädchen sind wie Malwina in die Kniee gesunken.
Grosse Pause.
Das Gewitter endet, es wird wieder hell, die Lichter brennen wieder. Alle erholen sich nach und nach und stehen, Malwina ausgenommen, auf

CHOR
scheu und tonlos
Ha! Was war das? Was ist geschehen hier?

DAVENAUT
Gott, mein Kind, welch Unglück drohte dir!

MALWINA
erhebt sich erst jetzt, mit erhobenen Händen zum Himmel
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

AUBRY, MALWINA, CHOR
in betender Stellung
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

DAVENAUT
Verloren hab' ich meine Vaterrechte!
Geliebte Tochter, kannst du mir verzeihen?
Auf dass ich sie zurückgewinnen möchte,
Will ich mit heissem Vatersegen
Jetzt diese Hand in deine legen!
zu Aubry
Du sollst mein Sohn und meines Namens Erbe sein!

Er vereinigt die Liebenden

MALWINA
beglückt
Tief im innersten Gemüte
Fühl' ich dankbar deine Güte,
Vater, Worte hab ich nicht.

AUBRY
ebenso
Darf ich's glauben, darf ich's hoffen?
Ach, den Himmel seh' ich offen!
Diese Wonne trag' ich nicht.

Der Vorhang zur Kapelle hinten wird geöffnet; es zeigt sich die Schlosskapelle mit dem Altar in der Mitte.
Der Priester wendet sich mit den beiden Chorknaben nach vorn, um Segen spendend das Brautpaar zu empfangen. Abermalige Ordnung zum Zug

CHOR
Prangend aus des Verderbens Schoss
Erblühte euch das schönste Los;
So steiget aus der finstern Nacht
Der Tag empor mit Strahlenpracht;
Dem Ewigen sei Preis und Dank!
Ihm schalle unser Lobgesang!

AUBRY, MALWINA, DAVENAUT
Dem Ewigen sei Preis und Dank!
Ihm schalle unser Lobgesang!

Die Mädchen streuen Blumen. Aubry reicht Malwina die rechte Hand und wendet sich nach hinten zur Trauung. Die Brautjungfern, Davenaut und die Andern folgen
VIERTER AUFZUG

Festlich geschmückter Säulensaal im Schlosse des Lord von Davenaut

ERSTER AUFTRITT
Edgar Aubry allein, kommt von links über die Estrade

AUBRY
Vergebens sinne ich hin und her, kein Mittel zeigt sich mir, die schreckliche Tat zu verhüten! Malwina muss ich sprechen, sie beschwören, Aufschub zu gewinnen, nur wenige Stunden, nur so lange, bis die Zeit verflossen, in welcher jener fürchterliche Eid meine Zunge fesselt. Ach, wird sie es können? Ich muss sie warnen, warnen, auch nicht der leisesten Hingebung zu jenem schrecklichen Wesen Raum zu geben, sei es aus Wohlwollen, sei es aus Mitleid. Einmal ihm verfallen, vermag nichts mehr, sie zu retten.

Malwina kommt hochzeitlich gekleidet von rechts über die Estrade

ZWEITER AUFTRITT
Malwina, Aubry zu ihrer Linken

MALWINA
in heftiger Bewegung in seine Arme sinkend
Edgar!
Pause

AUBRY
Malwina! - Du hast geweint!
Pause

MALWINA
Ach, umsonst habe ich meinen Vater mit Tränen gebeten, den Gedanken an jene verhasste Verbindung aufzugeben; vergebens ihn beschworen, mir nur Aufschub zu gewähren; fest beharrt er auf seinem Sinn, fühllos gegen meine Leiden. Die Gäste sind versammelt, die Kapelle geschmückt, nur die Rückkunft des Grafen wird erwartet, um mein Unglück durch Priestersegen zu heiligen.
Sie wendet sich ab und weint bitterlich
Vor der Kapelle steht der Wagen des Grafen, um sogleich nach der Trauung -

Nr. 19 - Duett

AUBRY
Halt ein, ich kann es nicht ertragen,
Du bist verloren! Wehe dir!
Und wehe mir, ich muss verzagen,
Nur Wahnsinn bleibt, Verzweiflung mir!
O dürft' ich rasch mit eignen Händen
Dies martervolle Dasein enden!

MALWINA
O lass, Geliebter, dich beschwören,
Ersticke nicht den frohen Mut!
Noch lebt ein Gott, er kann uns hören,
Will er, so endet alles gut!
Lass uns mit kindlichem Vertrauen
Auf seine Vaterhilfe bauen.
für sich
Ach, ich darf ihm ja nicht sagen,
Dass auch ich nicht Trost noch Rettung finde,
Muss allein den schweren Kummer tragen,
Dass ihm nicht die letzte Hoffnung schwinde!

AUBRY
für sich
Ach, ich muss ihr ja verschweigen,
Welch Verderben ihr genüber steht;
Darf ihr nicht den finstern Abgrund zeigen,
Dem sie rettungslos entgegengeht!
laut zu Malwina
Es drängt die Zeit, Malwina, lass dich warnen,
O zögre nur, bis der Tag erwacht;
Arglistig ist und gross der Hölle Macht,
Mit bösem Zauber weiss sie zu umgarnen.

MALWINA
Was redest du? Was hätt' ich zu befahren?
Ich fürchte nur des Vaters streng' Gebot!
Vor allem, was mir sonst Verderben droht,
Wird mich mein Herz, mein reiner Sinn bewahren!
in frommer Begeisterung
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

AUBRY
entzückt
Sei mir gegrüsst, du schönes Himmelslicht,
Das prangend durch die Nacht des Zweifels bricht!
Mit lautem Jubel, wie aus lichten Sphären,
Jauchzt es mir zu mit tausend Engelchören!

BEIDE
gesteigert
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

Aubry geht mit dem Einsatz der Trompeten, welcher die Hochzeitsgäste ankündigt, nach rechts.
Malwina wendet sich gleichzeitig mit einigen Schritten nach links. Der Hochzeitszug kommt von rechts über die Estrade. Acht Jäger mit Fahnen eröffnen den Zug; es folgen vier Diener, acht Blumenmädchen, sechs Paar Edelherren und Damen, zwei Brautjungfern mit Kranz und Schleier, Sir Humphrey Lord von Davenaut, zwölf Guirlandenmädchen, Bauern und Bäuerinnen von Davenaut

DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der Hochzeitszug

Nr. 20 - Finale

CHOR DER GÄSTE
Blumen und Blüten im Zephyrgekose,
Lieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Winden wir dir zu dem heutigen Fest.

DAVENAUT
Ihr Freunde, kommt, beginnt die Hochzeitsfeier
Mit frohem Sinn und heitrer Fröhlichkeit;
Mein einzig Kind, dem Vaterherzen teuer,
Vermähle ich dem edlen Gatten heut'!

MALWINA
für sich
Dein Wille, Herr im Himmel, mag geschehen,
In gläub'ger Demut unterwerf' ich mich;
O lass ein Zeichen deiner Huld mich sehen,
Ich bin ja dein Geschöpf, erbarme dich!

AUBRY
für sich
Schon senkte sich ein Engel tröstend nieder
Mit schöner Hoffnung ros'gem Dämmerschein;
Doch rasch durchbebt mich kaltes Grausen wieder,
Hohnlachend stürmt die Hölle auf mich ein!
O Herr, erbarme dich!

DAVENAUT
Ihr Freunde, kommt, beginnt die Hochzeitsfeier!

CHOR
Ja, Freunde, auf, beginnt die Hochzeitsfeier
Mit frohem Sinn und heitrer Fröhlichkeit;
Das einz'ge Kind, dem Vaterherzen teuer,
Vermählet er dem edlen Gatten heut'!
Singet laut und jubelt froh!

Der Haushofmeister kommt mit zwei Dienern von rechts über die Estrade.
Lord Ruthwen tritt wild und verstört, ohne Mantel, unmittelbar hinter den Dienern ein.

VIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Ruthwen. Der Haushofmeister. Die beiden Diener

HAUSHOFMEISTER
spricht meldend
Der Graf von Marsden!

Davenaut geht Ruthwen entgegen und geleitet ihn vor. Ruthwen tritt zwischen Aubry und Davenaut.
Der Haushofmeister nimmt mit den beiden Dienern hinter den Brautjungfern Aufstellung.
Begrüssung von allen Seiten

MALWINA
wankt, Ruthwen erblickend, einige Schritte nach links, für sich; singt
Allgerechter!

AUBRY
beiseite
Weh, Entsetzen!

CHOR
Ha, willkommen!

DAVENAUT
Ha, willkommen!

RUTHWEN
zu Davenaut
Sir, entschuld'gen kann ich nicht,
Dass ich säumt' in meiner Pflicht,
Hab' ich doch mein Glück verschoben;
Meinen Fehler wollt' ich loben,
Preisen noch mein Missgeschick,
zärtlich zu Malwina
Zürnte auch Myladys Blick
Auf den läss'gen Bräutigam,
Der so spät zur Hochzeit kam.

DAVENAUT
Spart die Worte, lieber Sohn,
Alles ist bereitet schon!
Auf denn, fort, hin zur Kapelle,
Dort will ich an heil'ger Stelle
Bei des Priesters frommem Segen
Ihre Hand in Eure legen.

Aubry zieht sich beobachtend mehr und mehr zurück

MALWINA
stürzt verzweifelt zu ihrem Vater, ihn mit bittenden Gebärden anflehend
Ach, mein Vater, habt Erbarmen!

DAVENAUT
weist sie zurück; zu den Anwesenden
Auf, Freunde, auf!

MALWINA
Ach, habt Erbarmen, ach, mein Vater!

DAVENAUT
wie oben
Mit heiterm Sang begleitet unsern Hochzeitsgang!

AUBRY
für sich
Starr und leblos steh' ich da! -
O Gott, wie wird das enden!

MALWINA
für sich
Wehe mir! ach, weh' mir Armen! -
laut
Mein Vater!

RUTHWEN
für sich
Ha! Triumph! Das Ziel ist nah!
Sie ist in meinen Händen!
Triumph! Das Ziel ist nah!

DAVENAUT
Auf! Freunde, auf, mit heiterm Sang
Begleitet unsern Hochzeitsgang,
Auf, Freunde, auf!

Er führt Malwina an sich vorüber Ruthwen zu. Die Blumenmädchen streuen nach dem Ausgang hin Blumen. Die Edelherren reichen ihren Damen die Hand. Ruthwen fasst in zärtlicher Haltung Malwinas Hand, um sie zu führen.

CHOR
Möchte die Zukunft die heitersten Lose,
Rosen gleich, dir auf den Lebenspfad streun;
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wie wir heut' Blumen -

Alle machen während des Chors eine leichte Bewegung zum Abgang nach dem Hintergrunde zu

AUBRY
tritt heftig zwischen Malwina und Ruthwen
Haltet ein! -
Nein, nimmermehr soll sie dein Opfer sein!

Allgemeine Bestürzung. Alle wenden sich erstaunt nach vorn. Malwina lässt Ruthwen los. Ruthwen wendet sich mit einigen Schritten nach rechts vorn

CHOR
Ha! was ist das?
Welch seltsames Beginnen!

DAVENAUT
tritt zwischen Ruthwen und Aubry
Törichter Knabe!
Weiche schnell von hinnen!
Unsinniger, hinweg mit dir! zurück!
Zu weit treibt dich strafbare Leidenschaft.

AUBRY
Ha, nimmermehr! Es drängt der Augenblick!
Er umschlingt Malwina
Ich fühle Mut in mir und Kraft,
Ich will und muss die Heissgeliebte retten!

DAVENAUT
Ha, werft den Rasenden in Ketten!

Die beiden Diener beim Haushofmeister treten vor und gehen auf Aubry los. Aubry geht mit Malwina, die er fest umschlungen hält, ganz vor

CHOR
Ha! was ist das? Welch seltsames Beginnen?

AUBRY
Fest will ich sie umklammern und umfassen
Und nur mit meinem Leben lassen!

DAVENAUT
Hinweg mit ihm!

CHOR
Ha! was ist das?

DAVENAUT
Trennt sie, er ist von Sinnen!

AUBRY
Ha, nimmermehr!

Die beiden Diener trennen Aubry und Malwina mit Gewalt

AUBRY
Ach, habt Erbarmen!
Betrogner Vater, ach, Ihr wisst nicht, was Ihr thut!
Verloren Euer Kind, noch eh' der Morgen graut,
Bestimmt Ihr sie zu dieses Scheusals Braut.

DAVENAUT
Wie, Rasender!

CHOR
Was ist das?

DAVENAUT
Du wagst den Mann zu schmähen,
Den sich dein Lord zum Eidam ausersehen?
Ha, fürchte meines Zornes Wut!

RUTHWEN
für sich
Die Zeit vergeht!
Es wird zu spät! -
Grausen bebt durch meine Glieder!
Die Zeit vergeht, es wird zu spät!
Grausen bebt durch meine Glieder!

MALWINA
für sich
Mut und Vertrauen verlassen mich,
Vater im Himmel, erbarme dich!

CHOR
unter sich
Wie die Sache auch sich wende,
Weh, das nimmt kein gutes Ende,
Was ich höre, was ich sehe,
Deutet mir des Unglücks Nähe!

AUBRY
Ha, trauet dem Verruchten nicht!
Seht das verworfne Angesicht!
Sein Auge flammet Höllenglut!
Er lechzet schon nach ihrem Blut!
Ihr seht sie niemals, niemals wieder!

CHOR
Weh! was war das? Welch seltsames Beginnen?

RUTHWEN
Der hoffnungslosen Liebe Glut,
Sie tobt in ihm mit wilder Wut!
Ha, fesselt seinen Ungestüm,
Ihr hört, der Wahnsinn spricht aus ihm!

DAVENAUT
Ja, fesselt seinen Ungestüm!
Man hört, der Wahnsinn spricht aus ihm!
Hinweg mit ihm, er ist von Sinnen!
Hinweg mit ihm!

RUTHWEN
Ja, hinweg mit ihm, er ist von Sinnen!

CHOR
Ha, fesselt seinen Ungestüm! - Ja! -
Man hört, der Wahnsinn - ja - spricht aus ihm!
Ja, hinweg mit ihm, er ist von Sinnen,
Hinweg mit ihm!

Die beiden Diener drängen Aubry etwas weiter zurück

AUBRY
ausser sich
Malwina, höre mich!
In Todesangst beschwör' ich dich!
Verderben droht dir diese Nacht!
O zögre nur, bis der Tag erwacht,
O zögre nur -

Die beiden Diener schleppen Aubry nach links ab

FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Aubry Dann Aubrys Stimme

DAVENAUT
Hinweg!

RUTHWEN
für sich
Die Zeit vergeht, es wird zu spät!
Grausen bebt durch meine Glieder!

MALWINA
für sich
Mut und Vertrauen verlassen mich,
Vater im Himmel, erbarme dich!

AUBRY
ausserhalb
Malwina! - Malwina! -

CHOR
Hinweg! Wie die Sache auch sich wende,
Weh! das nimmt kein gutes Ende!
Was ich höre, was ich sehe,
Deutet mir des Unglücks Nähe!

RUTHWEN
zu Davenaut
Die Zeit vergeht, es wird zu spät,
Lasst uns rasch zum Werke schreiten.

DAVENAUT.
Ihr Freunde, auf, mit heiterm Sang
Begleitet unsern Hochzeitsgang.

MALWINA
Vater! ach, Vater! lass mit Zähren dich beschwören!
Vater! ach, Vater! Hab' Erbarmen mit mir Armen!
Meine Kräfte fühl' ich schwinden,
O lass die Tochter Mitleid finden!
O gönn' mir Zeit, der Tag ist nicht mehr weit!
Ach, lass uns bis morgen weilen!

CHOR
O gönnt ihr Zeit, der Tag ist nicht mehr weit!
Warum so hastig eilen?

RUTHWEN
Mich drängt die Zeit!

DAVENAUT
Sprecht, kann es sein!

RUTHWEN
Ihr wisst, was Pflicht gebeut!

DAVENAUT
Ich will'ge gerne ein!

RUTHWEN
Ich darf nicht länger weilen!

DAVENAUT
Sir, lasst uns bis morgen weilen.

RUTHWEN
Nein! nimmermehr! Es kann und darf nicht sein.
Ihr gabt mir Euer Wort,
Wollt Ihr es ehrlos brechen?

DAVENAUT
heftig
Ha! Wer wagt es, so mit mir zu sprechen?

RUTHWEN
Wollt Ihr es ehrlos brechen?

DAVENAUT
Ha! Wer wagt es, so mit mir zu sprechen!
Auf! auf denn, zur Trauung fort!

Er will Malwinas Hand fassen, um sie Ruthwen zuzuführen. Allgemeine Bewegung zur Zugordnung

MALWINA
widerstrebend
Nein, nimmermehr!

DAVENAUT
Auf, zur Trauung fort!

Er fasst energisch Malwinas Hand

MALWINA
energisch
Ich will'ge niemals ein!

Sie reisst sich los und flieht einige Schritte nach links

DAVENAUT
Auf, Freunde, fort!

MALWINA
Ha, nicht Liebe, nur Entsetzen
Fühle ich für diesen Mann.

Bewegung

DAVENAUT
Ha! wagst du's, dich zu widersetzen?
Ha! Verräterin! Wohlan!
So treffe dich - des Vaters Fluch!

MALWINA UND CHOR
Weh!

Malwina wankt und droht zu sinken. Allgemeine grosse Bewegung. Die nahestehenden Edeldamen treten erschreckt an Malwina heran und unterstützen sie. Allgemeine Teilnahme für Malwina

CHOR
Was ist geschehn!

DAVENAUT
selbst ist tief ergriffen und gibt mit Widerstreben den Befehl für den Hochzeitszug
Auf! beginnt den Hochzeitszug!

Die zwei Brautjungfern treten heran und schmücken Malwina mit Kranz und Schleier

CHOR
Wie nach verderblichem Wettergetose
Lächelt die Freude mit heiterem Blick,
Blume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
Wende sich jede Gefahr dir zum Glück!

Der Zug ordnet sich. Es zieht sich ein Gewitter zusammen, der Saal verdunkelt sich ein wenig.
Die Jäger treten von den Stufen und bilden Spalier. Die Blumenmädchen paarweise in der Mitte.
Die Guirlandenmädchen rechts und links im Mittelgrund. Davenaut reicht Malwina die linke Hand und macht mit ihr eine Wendung nach hinten, so dass Malwina die Mitte gewinnt. Ruthwen tritt ihr zur Seite, sobald sie die Mitte erreicht hat und gibt ihr seine rechte Hand. Ruthwen, Malwina, Davenaut beginnen den Zug nach hinten. Die beiden Brautjungfern folgen. Die Edelpaare ebenso. Leichter Donner

AUBRY
links ausserhalb
Vergebens hemmt ihr meines Wahnsinns Stärke,
Ich muss hinein!
Zertrümmern will ich dieses Dämons Werke.

RUTHWEN, DAVENAUT UND CHOR
Man muss den Eingang ihm verwehren!

Ruthwen, Malwina und Davenaut sind an den Stufen zur Estrade angelangt. Edgar Aubry gehalten von den beiden Dienern, die mit ihm abgegangen sind, stürzt von links über die Estrade bis zur Mitte vor den Vorhang zur Kapelle

SECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Aubry. Die beiden Diener an seiner Seite, ihn haltend. Dann der Vampyrmeister. Dann ein Priester und zwei Chorknaben

AUBRY
in grösster Erregung
Haltet ein!

Mit dem letzten Worte heftiger Donnerschlag. Alle wenden sich nach vorn. Aubry reisst sich von den beiden Dienern los und stürzt vor, Ruthwen zur Linken. Malwina eilt an Davenaut vorüber nach der linken Ecke

RUTHWEN
für sich
Ich bin verloren! Wehe mir!

AUBRY
auf Ruthwen weisend
Wisst, dieses Scheusal der Natur -

Das Gewitter dauert fort

RUTHWEN
Aubry! Gedenk' an deinen Schwur -
Verderben drohet dir!

CHOR
entsetzt
Weh'!

AUBRY
wie oben
Nicht zag' ich vor des Ew'gen Grimme -

CHOR
Weh'!

AUBRY
Laut ruf' ich es mit Donnerstimme:

RUTHWEN
zu Aubry
Verderben drohet dir!

CHOR
wie oben
Weh', was werd' ich hören?

Donner

AUBRY
wie oben
Dieses Scheusal hier -

Donner

RUTHWEN
für sich
Zermalmung bebt durch meine Glieder!
Gottes Donner wirft mich nieder! Wehe mir!

AUBRY
mit grösster Kraft
Dieses Scheusal hier,
Ist ein Vampyr!

Es schlägt mit der zweiten Silbe des letzten Wortes Eins

ALLE
mit dem Ausruf des Entsetzens
Weh'!

Es wird plötzlich Nacht. Die Lichter erlöschen. Der Vampyrmeister steigt von unten herauf. Fürchterlicher Blitz, Donner und Einschlag. Ruthwen stürzt vernichtet dem Vampyrmeister zu Füssen.
Vampyrmeister packt ihn unter jubelndem Hohngelächter der Hölle und versinkt mit ihm. Flammen schlagen hinter beiden empor. Alle stehen leblos, wie versteinert, in einer Gruppe des Entsetzens. Malwina ist links vorn in die Kniee gesunken. Die Edeldamen bemühen sich um sie. Die Mädchen sind wie Malwina in die Kniee gesunken.
Grosse Pause.
Das Gewitter endet, es wird wieder hell, die Lichter brennen wieder. Alle erholen sich nach und nach und stehen, Malwina ausgenommen, auf

CHOR
scheu und tonlos
Ha! Was war das? Was ist geschehen hier?

DAVENAUT
Gott, mein Kind, welch Unglück drohte dir!

MALWINA
erhebt sich erst jetzt, mit erhobenen Händen zum Himmel
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

AUBRY, MALWINA, CHOR
in betender Stellung
Wer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
Im treuen Busen reine Liebe hegt,
Dem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
Kein böser Zauber kann ihn je erreichen!

DAVENAUT
Verloren hab' ich meine Vaterrechte!
Geliebte Tochter, kannst du mir verzeihen?
Auf dass ich sie zurückgewinnen möchte,
Will ich mit heissem Vatersegen
Jetzt diese Hand in deine legen!
zu Aubry
Du sollst mein Sohn und meines Namens Erbe sein!

Er vereinigt die Liebenden

MALWINA
beglückt
Tief im innersten Gemüte
Fühl' ich dankbar deine Güte,
Vater, Worte hab ich nicht.

AUBRY
ebenso
Darf ich's glauben, darf ich's hoffen?
Ach, den Himmel seh' ich offen!
Diese Wonne trag' ich nicht.

Der Vorhang zur Kapelle hinten wird geöffnet; es zeigt sich die Schlosskapelle mit dem Altar in der Mitte.
Der Priester wendet sich mit den beiden Chorknaben nach vorn, um Segen spendend das Brautpaar zu empfangen. Abermalige Ordnung zum Zug

CHOR
Prangend aus des Verderbens Schoss
Erblühte euch das schönste Los;
So steiget aus der finstern Nacht
Der Tag empor mit Strahlenpracht;
Dem Ewigen sei Preis und Dank!
Ihm schalle unser Lobgesang!

AUBRY, MALWINA, DAVENAUT
Dem Ewigen sei Preis und Dank!
Ihm schalle unser Lobgesang!

Die Mädchen streuen Blumen. Aubry reicht Malwina die rechte Hand und wendet sich nach hinten zur Trauung. Die Brautjungfern, Davenaut und die Andern folgen



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