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ZWEITER AUFZUG

Ein reiches, geräumiges Frauengemach im Hause des Kadi Baba Mustapha

Im Hintergrunde eine grosse Mitteltür. Rechts eine Tapetentür, links eine mit Gardinen verhängte Nische. Rechts Ottomane und Kniebank neben einem mit prächtigen Blumen verzierten Tisch. Links in der ersten Kulisse ein Fenster. Dem Fenster schräg gegenüber, in der zweiten Kulisse rechts, eine Seitentür.

ERSTER AUFTRITT
Margiana. Dann Bostana. Dann der Kadi. Dann vier Diener. Zuletzt drei Muezzin hinter der Szene.

MARGIANA
aus der Tür rechts auftretend
Er kommt! Er kommt! O Wonne meiner Brust!
Wie werd' ich jubeln, ihn zu sehen!
Bezähm', o Herz, das Wallen deiner Lust,
O lass mich vor Entzücken nicht vergehen!
Den nie im Leben ich geschaut,
Geahnt allein in holden Träumen:
Gleich ist er hier in diesen Räumen,
So schön, so hold, so süss und traut.
Er kommt! Er kommt! O Wonnelaut!

BOSTANA
durch die Mitteltür eintretend, zu Margiana
Er kommt! Er kommt! O wonnigliche Lust!
Wie wird er staunen, dich zu sehen;
Wie wird entzückt das Herz in seiner Brust
Vor eitel Glück und Wonne schier vergehen,
Der, seit er einmal dich geschaut,
Nur dich gesehn in wachen Träumen:
Gleich ist er hier in diesen Räumen
Und nennt dich seine holde Braut.
Er kommt! Er kommt! O Wonnelaut!

KADI
durch die Mitteltür hereineilend, einen Brief und einen Schlüssel in der Hand
Er kommt! Er kommt! O wonnigliche Lust!
Wie wirst du staunen, ihn zu sehen!
Wie wird entzückt das Herz in deiner Brust
Vor lauter Glück und Wonne schier vergehen!
Ein Schatz, wie du ihn nie geschaut,
Ja kaum geahnt in allen Träumen:
Gleich ist er hier in diesen Räumen,
Freund Selim schenkt ihn seiner Braut.
Er kommt! Er kommt! O Wonnelaut!

Vier Diener des Kadi tragen eine grosse, stattliche Kiste herein, setzen sie auf die Seite des Fensters dem Blumentisch gegenüber, nieder und entfernen sich wieder.

KADI
Ja, frohe Kunde bring' ich, meine Tochter!
Mein alter Jugendfreund und Spielgenoss,
Der würd'ge Selim, fordert dich zum Weib,
Kommt von Damaskus bald, um dich zu holen.
Sieh, diese Kiste, sie ist voll von Gaben,
Die er zur Morgengabe dir gesandt.

MARGIANA
zum Kadi
Dein Wille, Herr und Vater, ist der meine;
Gehorsam danket deine Tochter dir.
zu Bostana
So hast du meinen Willen ihm verkündet,
Dass nach der Liebe Leid ihm Wonne winkt?

BOSTANA
Ich sagt' ihm alles, er vergeht vor Liebe
Und stirbt vor Sehnsucht, bis die Stunde naht.

KADI
hat indessen die Kiste aufgeschlossen und mehrere Stoffe herausgenommen und entfaltet, die er dann über den Rand der Kiste herniederhängen lässt
Sieh, diese Stoffe - Seide, Sammet, Atlas -
Den Purpurschal mit Goldbrokat verbrämt!

MARGIANA
zum Kadi
Welch eine Pracht, mein Vater, ich erstaune!
zu Bostana
Und wird die rechte Zeit er nicht versäumen?

BOSTANA
Wenn von den Türmen die Muezzin rufen
Und wenn der Kadi ging, lass' ich ihn ein.

KADI
Sieh diese reichen Kaftans und Dualmas!
Nicht Gleiches tragen des Kalifen Fraun.

MARGIANA
zum Kadi
Wie wird mich die Agraffe herrlich kleiden.
zu Bostana
Sag' an, er ist wohl bleich von Liebessehnen?

BOSTANA
Ja, er ist bleich, doch hört er deines Namens Klang,
Wird wie von Purpur die Wang' ihm rot.

KADI
Die Ringe, sieh, für Finger, Ohr und Arme!
Sind alles Diamanten und Smaragden.

MARGIANA
zum Kadi
Und die Rubinen! ach! rot wie die Liebe!
für sich
Bald ist er hier und heilen soll ihn Liebe!

BOSTANA
Dem alten Selim lasse du die Schätze,
Ein junger Liebster ist der beste Schatz.

MARGIANA
für sich
Für alle Leiden spendet
Die süsse Lieb' Ersatz.
Komm, dass dein Weh sie endet,
Mein holder Schatz.

BOSTANA
zu Margiana
Schon lauschet er und wendet
Nicht einen Fluss vom Platz,
Bis du mich hingesendet;
Der liebe Schatz!

KADI
Sieh, welche Strahlen spendet
Der Diamantbesatz!
Wie das die Augen blendet!
O welch ein Schatz!

MUEZZIN
hinter der Szene von verschiedenen Türmen. Der erste (Bass) in der Nähe der Rückwand, also wie einer dem Hause nahegelegenen Moschee; der zweite (Tenor) entfernter; der dritte (Tenor) in grosser Ferne, so weit wie möglich im Hintergrund
Allah ist gross, und Mahomet sein Prophet.
Versammelt euch, ihr Gläub'gen, zum Gebet.

DER KADI, MARGIANA UND BOSTANA
geben das ausfüllende Spiel, das sie noch während des Muezzinrufs eingehalten, auf und nehmen eine andächtige Stellung an
Allah ist gross, und Mahomet sein Prophet.
Die Gläubigen all, sie eilen zum Gebet.

MARGIANA
Nun komm', mein Schatz. Der fromme Kadi geht.

BOSTANA
Ich hol' den Schatz - der fromme Kadi geht.

DER KADI
u schöner Schatz! - Ich eile zum Gebet!

DRITTER MUEZZIN
Versammelt euch, ihr Gläubigen!

Der Kadi wirft noch einen entzückten Blick auf die Kiste, winkt seiner sich ehrfürchtig verneigenden Tochter einen Gruss zu und geht ab.
Bostana verschwindet, sobald er fort ist, durch die Tapetentür.
Margiana bleibt allein auf der Bühne, sieht einen Augenblick durch das Fenster, wendet sich dann zu der Seite des Blumentisches.
Bostana führt Nureddin herein und zieht sich zurück.


ZWEITER AUFTRITT
Margiana. Nureddin. Abul vor dem Fenster

NUREDDIN
O holdes Bild in Engelschöne,
Oft, wenn in Träumen ich dich angeschaut,
Da fand ich Worte, fand ich Töne,
Da hab' ich innig dir mein Herz vertraut.
Nun fühl' ich alles mir entschwinden,
Was ich geträumt, gedacht - entwich;
Vor deinem Anblick wonniglich
Ist alles nur ein seliges Empfinden;
Ein Wort nur kann ich wiederfinden,
Das eine Wort: „Ich liebe dich!“

MARGIANA
Wohl hab' ich Grüsse dir ersonnen,
Blumen zum Strausse dir gereiht,
Wie holde Lieb' in Weh und Wonnen
Gern sie zu ihrem Boten weiht.
Doch du erscheinst, und ach, es neigen
Die Blumen demutvoll und zagend sich.
Sie nimmt eine blühende Rose vom Zweig
Kühn nimmt die Rose nur das Wort für mich,
Den hohen Sinn zu künden, der ihr eigen;
Ob auch die Schwestern alle schweigen,
Die Rose sagt: „Ich liebe dich!“

Sie gibt ihm die Rose

NUREDDIN UND MARGIANA
So mag kein andres Wort erklingen,
Als das die blüh'nde Rose sprach;
Kein Lied in unsre Seele dringen,
Als das aus Träumen tönte nach;
Und wenn des Lebens Traum entschwunden
Und wenn der Rose Glut verblich,
Dann tön in Eden ewiglich,
Wo Rosenketten uns umwunden,
Wo ew'ger Traum uns hält verbunden,
Das eine Wort: „Ich liebe dich!“

ABUL
vor dem Fenster
O Nureddin, geniesse froh dein Glück!
Sei ohne Furcht, es wacht vor diesem Fenster
Dein Abul Hassan Ali Ebn Bekar.

BOSTANA
eilt herein


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Bostana

BOSTANA
Der Abul Hassan Ali Ebn Bekar.

NUREDDIN
schreckt auf, noch halb weltentrückt
Wie? Abul Hassan Ali Ebn Bekar?

BOSTANA
Der tolle Kauz singt drüben vor dem Haus
Von Liebesglück und nennet deinen Namen.

NUREDDIN
Verwünschter Kerl! Erdrosseln möcht' ich dich!

BOSTANA
Ich geh, zu lauschen, ob der Kadi kommt.
Seid unbesorgt; noch kehrt er nicht zurück.

Sie zieht sich wieder zurück


VIERTER AUFTRITT
Nureddin. Margiana. Abul vor dem Fenster

Nureddin und Margiana lauschen noch einige Zeit, ob kein neuer Lärm entsteht. Es bleibt alles still, Nureddin geleitet Margiana zu dem Sitze am Blumentisch und kniet auf den Schemel zu ihren Füssen.

NUREDDIN
Dass nicht die laute Welt uns störe,
Schweige der Liebe leises Wort!

ABUL
vor dem Fenster
Lass dir zu Füssen wonnesam mich liegen,
O Margiana!

MARGIANA
Dass keines Lauschers Ohr es höre,
Tief in der Brust nur kling' es fort!

ABUL
Wonnen der Liebe gleichen bunten flücht'gen Sommerfaltern,
Lasse sie kosend um die Stirn' uns fliegen,
O Margiana!

NUREDDIN
Lass deiner Blicke Strahl es sagen,
Du wunderdunkles Auge, sprich!

ABUL
Die Welt versinkt, es leuchten helle goldnen Äthers Wogen!

MARGIANA
Sagt es mein Herz dir nicht für mich
Mit seinem süssberedten Schlagen?

NUREDDIN
Zum Himmel mich empor zu tragen,
Sag' es ein Kuss -

MARGIANA
Ich liebe dich!

ABUL
Wir sind empor zum Eden schon gestiegen!

NUREDDIN
Zum Himmel mich empor zu tragen,
Sag' es ein Kuss.

Sie umarmen sich

ABUL
O Margiana!

STIMME EINES SKLAVEN
hinter der Szene, im Innern des Hauses
Weh! Weh! Weh! Weh! Weh! Weh!

Bostana tritt eilig auf


FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Bostana

BOSTANA
Erschrecket nicht, der Kadi kam zurück,
Und einem Sklaven, der ihm ungeschickt
Die schöne Blumenvase brach in Scherben,
Gibt er mit eigner Hand die Bastonade.

STIMME DES SKLAVEN
Weh! Weh! Weh! Weh!

ABUL
vor dem Fenster
Weh mir, o weh, man mordet meinen Freund!
Kadi, verruchter Mörder!
Heda! Helft ihr Leute!

MARGIANA
Weh uns, es sammeln Leute sich ums Haus!

BOSTANA
Was macht der alte Tollkopf auch für Streiche!

NUREDDIN
Dreimal verwünschter, teuflischer Barbier!

STIMMEN
vor dem Fenster
Kadi, verruchter Mörder! Weh dir! Wehe!

ABUL
Wehe!

STIMME DES SKLAVEN
Weh!

BOSTANA
Nun kannst du nicht mehr unbemerkt entfliehn!

MARGIANA
Bostana, wenn der Vater ihn hier findet!

NUREDDIN
Ist kein Versteck da, dass ich mich verberge?

BOSTANA
Hier an der Kiste steckt der Schlüssel noch!
Margiana! Eilig! Fort mit all den Schätzen,

Sie beginnt sogleich die Kiste auszuräumen.
Die Kiste birgt ihn, bis der Sturm vorüber!
Sie zerren eilig den Inhalt der Kiste heraus und schleifen die Stoffe in die verdeckte Nische des Hintergrundes. Während des Folgenden wird Nureddin von den beiden Frauen in die Kiste versteckt.
Bostana zieht den Schlüssel ab, steckt ihn zu sich und schiebt Margiana in die Seitentür.
Verworrener, anwachsender Lärm hinter der Szene.

Abul von vier Dienern Nureddins begleitet, die mit Stöcken bewaffnet sind, stürzt herein.


SECHSTER AUFTRITT
Bostana. Abul und vier Diener Nureddins

ABUL
auf Bostana losstürzend
Wo ist er hin? Unsel'ge, sprich, wo habt ihr
Den Leichnam des Ermordeten verborgen?

BOSTANA
Wahnsinniger, was faselst du von Mord?
Willst du dies ganze Haus ins Unglück stürzen?
Hier in der Kiste hab' ich ihn versteckt;
Schnell, schafft sie fort, eh' es der Kadi merkt!

Sie geht eilig ins Nebengemach rechts


SIEBENTER AUFTRITT
Abul. Diener Nureddins. Später der Kadi

ABUL
stürzt sich wehklagend über die Kiste
Unsel'ger Freund! Und musstest so du enden,
Eh' dich des Retters Hand befreien konnte?
Dreifach verwünscht, du Mars und du Merkur!
Sternschnuppen mögt ihr werden und verderben!
Sich erhebend, zu den Dienern
Legt eilig Hand an, traget fort die Kiste!

Die vier Diener wollen die Kiste aufnehmen

KADI
hereineilend
Wo wollt ihr mit der Kiste hin, ihr Frechen?
So ist mein Haus den Dieben preisgegeben?

ABUL
Verruchter Kadi! Mörder meines Freundes!
Vor dem Kalifen sehen wir uns wieder!

KADI
Du glaubst mich närrisch, Narr, und willst mich narren,
Brandschatzen um den unschätzbaren Schatz,

ABUL
Ruchloser Richter, der sich ungerecht rächt,
Doch höh're Richter richten, Richter, dich!

KADI
Lass los die Kiste.

ABUL
Tragt die Kiste fort!

KADI
Der Tochter Schatz ist's!

ABUL
Ihr geraubt von dir!

KADI
Zu Hilfe! Diebe!

ABUL
Mörder! Hilfe! He!

KADI
Ich lass euch hängen!

ABUL
Ja, wenn du gespiesst!

Freunde des Kadi, Klagefrauen und Bewohner Bagdads treten nacheinander ein


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Freunde des Kadi. Klagefrauen. Bewohner Bagdads

KADI
Verruchte Diebe, die ihr offen
Am hellen Tag beraubt mein Haus,
Nicht Gnade darf ein einz'ger hoffen.
Mit euch ist's aus!

ABUL UND NUREDDINS DIENER
Verruchter Kadi, der du offen
Den Freund erschlugst in deinem Haus,
Nicht Gnade darfst du, Mörder, hoffen.
Mit dir ist's aus!

FREUNDE DES KADI
herbeieilend, zum Kadi
Welch arges Unheil hat betroffen,
Freund Mustapha, dein armes Haus?
Das Volk strömt ein, die Tür ist offen.
Was wird daraus?

KLAGEFRAUEN
hereinstürzend, in langen weissen Kleidern mit fliegenden schwarzen Trauerschals
Bekleidet euch mit Trauerstoffen,
Ein Mord geschah in diesem Haus.
Der Tränen Schleusen stehen offen:

Sie brechen aus!
Weh, o weh, o weh, o weh.

BEWOHNER BAGDADS
hereineilend
Wo ist er, den der Stahl getroffen?
Nicht Gnade darf der Mörder hoffen!
Vermaledeit sei dieses Haus!
Schleppt ihn hinaus!

KADI
So sprecht, ist denn ein Tollhaus offen,
Und schleudert seine Narren aus?
Des Himmels Blitz hat mich getroffen,

Mit mir ist's aus!

ABUL
Bringt Eisen, brecht die Kiste offen,
Und zieht den Toten nur heraus!
Des Kadis Stahl hat ihn getroffen,

Mit ihm ist's aus!

KADI UND SEINE FREUNDE
Verruchte Diebe, die ihr offen
Am hellen Tag bestehlt dies Haus,
Nicht Gnade darf ein einz'ger hoffen.

Mit euch ist's aus!

ABUL, NUREDDINS DIENER UND ALLE ÜBRIGEN
Verruchter Kadi, der du offen
Den Gast erschlägst in deinem Haus,
Nicht Gnade darfst du hoffen,

Mit dir ist's aus.

KLAGEFRAUEN
Weh, o weh, o weh, o weh!

Während des Nachspiels entsteht ein allgemeiner Tumult um die Kiste. Nureddins Diener wollen sie aufladen, werden aber wiederholt daran gehindert und werfen sie um. Der Kadi und seine Freunde wollen sie in den Hintergrund schleppen und stellen sie wieder um, so dass sie nun, den Deckel nach unten gekehrt, während des nächsten Chors stehen bleibt

Vier glänzend uniformierte Bewaffnete machen sich Platz durch das Gedränge und schieben die Streitenden nach rechts aus dem Mittelpunkt der Bühne von der Kiste fort. Die übrigen Anwesenden sind zu beiden Seiten der Bühne zurückgewichen.


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der Kalif mit Gefolge

VIER BEWAFFNETE
nehmen einen Augenblick die Mitte ein und singen
Platz dem Kalifen!

DER KALIF
tritt ein, von Gefolge umgeben. Er sieht jugendlich aus und tritt in die Mitte des Vordergrunds. Sein Gefolge und die vier Bewaffneten füllen den Hintergrund. Auf der Fensterseite steht Abul mit Nureddins Dienern, auf der Seite des Blumentisches der Kadi und seine Freunde. Die Klagefrauen und Männer von Bagdad zu beiden Seiten verteilt.
Sprich, Kadi, du bist Herr in deinem Hause.
Ich kenne dich als ehrenwerten Mann:
Wie brach der Sturm an, der so laut getobt,
Dass bis zu meinem Ohr der Lärm gedrungen?

KADI
Herr, dieser Unhold nennt mich einen Mörder!
Mit einer Horde Vagabunden drang
Er in mein Haus, der Tochter Schatz am hellen Tag zu stehlen.
Ganz Bagdad dringt herein mit tollem Lärm,
Bis wie die Sonne du, o Herr, erschienen
Und Licht gestrahlt in dieses tolle Chaos!

KALIF
zu Abul
Ergreister Böswicht! Sprich! Verteid'ge dich!

ABUL
Sonne des Weltalls! Nein, ich bin kein Böswicht;
Die Brüder waren's - Ja! und zwar aus Liebe:
Der ältste, Bakbak, und dann Bakbarah,
Der dritte: Bukbuk und der vierte: Alkuz,
Dann Alnaschar, der sechste: Schakkabak;
Doch ich, o Herr, der jüngste von den Sieben,
Bin tadellos und rein - sogar im Lieben!
O!

KALIF
Sag' deinen Namen, deinen Stand -

ABUL
Mein Name
Ist Abul Hassan Ali Ebn Bekar.
Ich bin - Barbier, doch was für ein Barbier!
Freistatt der Welt, es lässt sich nicht beschreiben.
Ich bin Total-Universalgenie,
Verkannt im Leben, doch berühmt in Zukunft,
Ich bin Gesamtmensch, bin Barbier der Nachwelt.

KALIF
Du toller Kauz! Und du bestiehlst die Mitwelt?

ABUL
O Perle des Kalifentums! Nicht also:
In dieser Kiste liegt mein Freund ermordet.
Des Kadis Tochter, ach! hat ihn geliebt -

Der Vater aber, o! hat - ihn - entleibt!

CHOR
Weh! Mustapha!

KALIF
Die Wahrheit kann nicht lang verborgen bleiben,
Schliess auf die Kiste, Kadi, zeig' den Inhalt.

KADI
wendet sich zum Nebengemach und ruft hinein
Wo hab' ich doch den Schlüssel? He! Margiana!
Bostana! Eilig, schliesset auf die Kiste! Eilig!

Margiana und Bostana kommen aus dem Nebengemach. Auf Abuls Wink bringen die Diener Nureddins die Kiste auf ihren Platz zurück.


ZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Margiana. Bostana

KADI
zu Margiana
Zeig' deinen Schatz, mein Kind, dass glänzend er
Die Wahrheit allen Augen offenbare.

MARGIANA
zögernd
Mein Herr und Vater -

KADI
Augenblicks gehorche!

Margiana gibt Bostana einen Wink; diese geht zur Kiste, um aufzuschliessen

CHOR
leise
Wie wird sich's wenden? Wer hat recht von beiden?

KADI
Nun überzeugt euch - seht der Tochter Schatz!

ABUL
zieht den ohnmächtig gewordenen Nureddin aus der Kiste in die Höhe und lehnt ihn an den Rand so dass er sichtbar bleibt
Ja, sieh der Tochter Schatz,
Den ihr dein Stahl stahl!

ALLE
Ha!!

KADI
bleibt in der Stellung, die er eingenommen, als er Nureddin erblickte, wie vor Schrecken versteinert stehen. Er spielt die ganze nächste Szene wie ein Träumender, der sich von einem Alpdruck zu befreien sucht; für sich, Nureddin anstarrend.
He, Mustapha! Freund Mustapha, wach auf!
Was schläfst du auch, was machst du auch für Streiche?
Hoch schön am Himmel geht der Sonne Lauf.
Aus Träumen raffe dich, der Alpdruck weiche!
O Mustapha! Freund Mustapha, wach auf!

KALIF
O Mustapha! Ein Licht geht mir nun auf,
Es spielte hier die Liebe ihre Streiche!
Sie, die allmächtig lenkend ihren Lauf,
Mich selber Sklaven nennt in ihrem Reiche.
O Mustapha! Nun geht ein Licht mir auf!

ABUL
O Nureddin! Kein Ruf mehr weckt dich auf.
Beschlossen war's im hohen Sternenreiche;
Kein ird'scher Mund beschwört der Sterne Lauf,
Morgens rasiert - und abends eine Leiche!
O Nureddin, dich weckt kein Ruf mehr auf!

MARGIANA UND BOSTANA
eilen zur Kiste und singen zu beiden Seiten derselben zu Nureddin
O Nureddin, geliebter / verliebter Nureddin wach auf!
Dass von dem Vater der Verdacht entweiche;
Du schlummerst nur, dich wecket süsse Liebe auf
Und macht zum Herrscher dich in ihrem Reiche.
O Nureddin, geliebter / verliebter Freund wach auf!

CHOR
Weh Mustapha!
Die Rache steigt herauf!
Nicht wähne zu entrinnen ihrem Streiche,
Recht und Gerechtigkeit gehn ihren Lauf
Allüberall in des Kalifen Reiche.
Weh Mustapha, die Rache steigt herauf!

ABUL
der klagend über Nureddin gebeugt lag, erhebt sich plötzlich; zum Kalifen gewendet
Er lebt, er lebt! Beherrscher aller Gläub'gen!
Noch glimmt ein Funke Lebens hier, ich fühl' es.

KALIF
So zeig einmal, du Prahler, deine Künste,
Ob du, ein Arzt, ihm Leben wiedergibst.

FRAUEN
Ach, kein Barbier weckt Tote wieder auf!

MÄNNER
Weh Mustapha, die Rache steigt herauf!

KADI
He, Mustapha, o Mustapha, wach auf!

ABUL
entfernt alle Umstehenden von der Kiste, umschreitet dieselbe feierlich und beugt sich über Nureddin, ihm ins Ohr singend, indem er ihm auf die Schulter klopft
„Lass dir zu Füssen wonnesam mich liegen,
O Margiana!“

NUREDDIN
bleibt regungslos

ABUL
zupft ihn an Nase und Ohr
„An deine Hand die Lippe trunken schmiegen,
O Margiana!
Er nimmt ein Riechfläschchen und hält es ihm unter die Nase
Auf deinem Munde lachet holde Fülle süsser Labe.

Er nimmt die Rose, die Nureddin von Margiana bekommen und noch immer fest in Händen hält, und lässt ihn daran riechen
Lass seinen Hauch mich atmen still verschwiegen,
O Margiana!“

NUREDDIN
regt sich und erwacht
Wonnen der Liebe -

Er wird von Abul emporgerichtet, sein erster Blick fällt auf Margiana.

ABUL
Bunte Sommerfalter,
Lasse sie kosend um die Stirn' uns fliegen.

NUREDDIN
O Margiana!

FRAUEN
Habt ihr gehört, er sprach!

MÄNNER
Ja, er sprach!

ALLE.
Seht, er erhebt sich. Er lebt!

Während der folgenden Worte führt Abul Nureddin zu Margiana, zu deren Füssen er niederkniet

ABUL UND NUREDDIN
Die Welt versinkt, es leuchten helle goldnen Äthers Wogen,
Wir sind empor zum Eden schon gestiegen,
O Margiana!“

KADI
mit wachsendem Erstaunen die Liebenden erblickend
He, Mustapha! He, Mustapha, wach auf!

KALIF
zum Kadi, auf die Liebenden zeigend
Du sagtest es ja selbst und schwurst darauf:
Es ist ihr Schatz! Lass ihn ihr eigen sein!

KADI
die Hände der Liebenden zusammenfügend
So nimm ihn hin - er sei auf ewig dein!

CHOR
Heil sei der Schönen,
Die den Schatz verborgen
In Liebessorgen,
Ihn bis zum Feste
Verschloss aufs beste.
Mag er schön sie nun schmücken,
Wonniglich beglücken!

KALIF
zu den Bewaffneten, auf Abul deutend
Ergreift den Alten - und verwahrt ihn wohl!

ABUL
Herr, übe Gnade; gnädig sind die Sterne!

KALIF
Sei ohne Furcht, sie bringen dich zu mir,
Dass deine Künste du vor mir erprobest
Und deines Lebens Märchen mir erzählest.
zu den übrigen
Ihr aber, friedlich geht nun eures Wegs,
Bis ich zur Hochzeit dieses Paars euch lade,
Weil ihr ja doch einmal so freundlich wart,
Uneingeladen heut' euch einzufinden.

ABUL
zu dem Kalifen gewendet
Heil diesem Hause, denn du tratst ein:
sich verneigend
Salamaleikum!

SOLI UND CHOR
wiederholen jedesmal, und jedesmal wird der Gruss mit tiefer Verbeugung begleitet
Salamaleikum!

ABUL
Heil deiner Gegenwart leuchtendem Schein.
Salamaleikum!
Sieh deine Sklaven, die dir sich weihn,
Salamaleikum!
Lass unser Angesicht weiss vor dir sein,
Salamaleikum!
öge dein Wohl stets blühend gedeihn,
Salamaleikum!
Stets möge Allah dir Sieg verleihn,
Salamaleikum!
Nie sei geringer der Schatten dein,
Salamaleikum!
Leb' in dein tausendstes Jahr hinein,
Salamaleikum!

ALLE
Salamaleikum!

Während der Kalif sich zum Abgehen wendet, fällt der Vorhang
ZWEITER AUFZUG

Ein reiches, geräumiges Frauengemach im Hause des Kadi Baba Mustapha

Im Hintergrunde eine grosse Mitteltür. Rechts eine Tapetentür, links eine mit Gardinen verhängte Nische. Rechts Ottomane und Kniebank neben einem mit prächtigen Blumen verzierten Tisch. Links in der ersten Kulisse ein Fenster. Dem Fenster schräg gegenüber, in der zweiten Kulisse rechts, eine Seitentür.

ERSTER AUFTRITT
Margiana. Dann Bostana. Dann der Kadi. Dann vier Diener. Zuletzt drei Muezzin hinter der Szene.

MARGIANA
aus der Tür rechts auftretend
Er kommt! Er kommt! O Wonne meiner Brust!
Wie werd' ich jubeln, ihn zu sehen!
Bezähm', o Herz, das Wallen deiner Lust,
O lass mich vor Entzücken nicht vergehen!
Den nie im Leben ich geschaut,
Geahnt allein in holden Träumen:
Gleich ist er hier in diesen Räumen,
So schön, so hold, so süss und traut.
Er kommt! Er kommt! O Wonnelaut!

BOSTANA
durch die Mitteltür eintretend, zu Margiana
Er kommt! Er kommt! O wonnigliche Lust!
Wie wird er staunen, dich zu sehen;
Wie wird entzückt das Herz in seiner Brust
Vor eitel Glück und Wonne schier vergehen,
Der, seit er einmal dich geschaut,
Nur dich gesehn in wachen Träumen:
Gleich ist er hier in diesen Räumen
Und nennt dich seine holde Braut.
Er kommt! Er kommt! O Wonnelaut!

KADI
durch die Mitteltür hereineilend, einen Brief und einen Schlüssel in der Hand
Er kommt! Er kommt! O wonnigliche Lust!
Wie wirst du staunen, ihn zu sehen!
Wie wird entzückt das Herz in deiner Brust
Vor lauter Glück und Wonne schier vergehen!
Ein Schatz, wie du ihn nie geschaut,
Ja kaum geahnt in allen Träumen:
Gleich ist er hier in diesen Räumen,
Freund Selim schenkt ihn seiner Braut.
Er kommt! Er kommt! O Wonnelaut!

Vier Diener des Kadi tragen eine grosse, stattliche Kiste herein, setzen sie auf die Seite des Fensters dem Blumentisch gegenüber, nieder und entfernen sich wieder.

KADI
Ja, frohe Kunde bring' ich, meine Tochter!
Mein alter Jugendfreund und Spielgenoss,
Der würd'ge Selim, fordert dich zum Weib,
Kommt von Damaskus bald, um dich zu holen.
Sieh, diese Kiste, sie ist voll von Gaben,
Die er zur Morgengabe dir gesandt.

MARGIANA
zum Kadi
Dein Wille, Herr und Vater, ist der meine;
Gehorsam danket deine Tochter dir.
zu Bostana
So hast du meinen Willen ihm verkündet,
Dass nach der Liebe Leid ihm Wonne winkt?

BOSTANA
Ich sagt' ihm alles, er vergeht vor Liebe
Und stirbt vor Sehnsucht, bis die Stunde naht.

KADI
hat indessen die Kiste aufgeschlossen und mehrere Stoffe herausgenommen und entfaltet, die er dann über den Rand der Kiste herniederhängen lässt
Sieh, diese Stoffe - Seide, Sammet, Atlas -
Den Purpurschal mit Goldbrokat verbrämt!

MARGIANA
zum Kadi
Welch eine Pracht, mein Vater, ich erstaune!
zu Bostana
Und wird die rechte Zeit er nicht versäumen?

BOSTANA
Wenn von den Türmen die Muezzin rufen
Und wenn der Kadi ging, lass' ich ihn ein.

KADI
Sieh diese reichen Kaftans und Dualmas!
Nicht Gleiches tragen des Kalifen Fraun.

MARGIANA
zum Kadi
Wie wird mich die Agraffe herrlich kleiden.
zu Bostana
Sag' an, er ist wohl bleich von Liebessehnen?

BOSTANA
Ja, er ist bleich, doch hört er deines Namens Klang,
Wird wie von Purpur die Wang' ihm rot.

KADI
Die Ringe, sieh, für Finger, Ohr und Arme!
Sind alles Diamanten und Smaragden.

MARGIANA
zum Kadi
Und die Rubinen! ach! rot wie die Liebe!
für sich
Bald ist er hier und heilen soll ihn Liebe!

BOSTANA
Dem alten Selim lasse du die Schätze,
Ein junger Liebster ist der beste Schatz.

MARGIANA
für sich
Für alle Leiden spendet
Die süsse Lieb' Ersatz.
Komm, dass dein Weh sie endet,
Mein holder Schatz.

BOSTANA
zu Margiana
Schon lauschet er und wendet
Nicht einen Fluss vom Platz,
Bis du mich hingesendet;
Der liebe Schatz!

KADI
Sieh, welche Strahlen spendet
Der Diamantbesatz!
Wie das die Augen blendet!
O welch ein Schatz!

MUEZZIN
hinter der Szene von verschiedenen Türmen. Der erste (Bass) in der Nähe der Rückwand, also wie einer dem Hause nahegelegenen Moschee; der zweite (Tenor) entfernter; der dritte (Tenor) in grosser Ferne, so weit wie möglich im Hintergrund
Allah ist gross, und Mahomet sein Prophet.
Versammelt euch, ihr Gläub'gen, zum Gebet.

DER KADI, MARGIANA UND BOSTANA
geben das ausfüllende Spiel, das sie noch während des Muezzinrufs eingehalten, auf und nehmen eine andächtige Stellung an
Allah ist gross, und Mahomet sein Prophet.
Die Gläubigen all, sie eilen zum Gebet.

MARGIANA
Nun komm', mein Schatz. Der fromme Kadi geht.

BOSTANA
Ich hol' den Schatz - der fromme Kadi geht.

DER KADI
u schöner Schatz! - Ich eile zum Gebet!

DRITTER MUEZZIN
Versammelt euch, ihr Gläubigen!

Der Kadi wirft noch einen entzückten Blick auf die Kiste, winkt seiner sich ehrfürchtig verneigenden Tochter einen Gruss zu und geht ab.
Bostana verschwindet, sobald er fort ist, durch die Tapetentür.
Margiana bleibt allein auf der Bühne, sieht einen Augenblick durch das Fenster, wendet sich dann zu der Seite des Blumentisches.
Bostana führt Nureddin herein und zieht sich zurück.


ZWEITER AUFTRITT
Margiana. Nureddin. Abul vor dem Fenster

NUREDDIN
O holdes Bild in Engelschöne,
Oft, wenn in Träumen ich dich angeschaut,
Da fand ich Worte, fand ich Töne,
Da hab' ich innig dir mein Herz vertraut.
Nun fühl' ich alles mir entschwinden,
Was ich geträumt, gedacht - entwich;
Vor deinem Anblick wonniglich
Ist alles nur ein seliges Empfinden;
Ein Wort nur kann ich wiederfinden,
Das eine Wort: „Ich liebe dich!“

MARGIANA
Wohl hab' ich Grüsse dir ersonnen,
Blumen zum Strausse dir gereiht,
Wie holde Lieb' in Weh und Wonnen
Gern sie zu ihrem Boten weiht.
Doch du erscheinst, und ach, es neigen
Die Blumen demutvoll und zagend sich.
Sie nimmt eine blühende Rose vom Zweig
Kühn nimmt die Rose nur das Wort für mich,
Den hohen Sinn zu künden, der ihr eigen;
Ob auch die Schwestern alle schweigen,
Die Rose sagt: „Ich liebe dich!“

Sie gibt ihm die Rose

NUREDDIN UND MARGIANA
So mag kein andres Wort erklingen,
Als das die blüh'nde Rose sprach;
Kein Lied in unsre Seele dringen,
Als das aus Träumen tönte nach;
Und wenn des Lebens Traum entschwunden
Und wenn der Rose Glut verblich,
Dann tön in Eden ewiglich,
Wo Rosenketten uns umwunden,
Wo ew'ger Traum uns hält verbunden,
Das eine Wort: „Ich liebe dich!“

ABUL
vor dem Fenster
O Nureddin, geniesse froh dein Glück!
Sei ohne Furcht, es wacht vor diesem Fenster
Dein Abul Hassan Ali Ebn Bekar.

BOSTANA
eilt herein


DRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Bostana

BOSTANA
Der Abul Hassan Ali Ebn Bekar.

NUREDDIN
schreckt auf, noch halb weltentrückt
Wie? Abul Hassan Ali Ebn Bekar?

BOSTANA
Der tolle Kauz singt drüben vor dem Haus
Von Liebesglück und nennet deinen Namen.

NUREDDIN
Verwünschter Kerl! Erdrosseln möcht' ich dich!

BOSTANA
Ich geh, zu lauschen, ob der Kadi kommt.
Seid unbesorgt; noch kehrt er nicht zurück.

Sie zieht sich wieder zurück


VIERTER AUFTRITT
Nureddin. Margiana. Abul vor dem Fenster

Nureddin und Margiana lauschen noch einige Zeit, ob kein neuer Lärm entsteht. Es bleibt alles still, Nureddin geleitet Margiana zu dem Sitze am Blumentisch und kniet auf den Schemel zu ihren Füssen.

NUREDDIN
Dass nicht die laute Welt uns störe,
Schweige der Liebe leises Wort!

ABUL
vor dem Fenster
Lass dir zu Füssen wonnesam mich liegen,
O Margiana!

MARGIANA
Dass keines Lauschers Ohr es höre,
Tief in der Brust nur kling' es fort!

ABUL
Wonnen der Liebe gleichen bunten flücht'gen Sommerfaltern,
Lasse sie kosend um die Stirn' uns fliegen,
O Margiana!

NUREDDIN
Lass deiner Blicke Strahl es sagen,
Du wunderdunkles Auge, sprich!

ABUL
Die Welt versinkt, es leuchten helle goldnen Äthers Wogen!

MARGIANA
Sagt es mein Herz dir nicht für mich
Mit seinem süssberedten Schlagen?

NUREDDIN
Zum Himmel mich empor zu tragen,
Sag' es ein Kuss -

MARGIANA
Ich liebe dich!

ABUL
Wir sind empor zum Eden schon gestiegen!

NUREDDIN
Zum Himmel mich empor zu tragen,
Sag' es ein Kuss.

Sie umarmen sich

ABUL
O Margiana!

STIMME EINES SKLAVEN
hinter der Szene, im Innern des Hauses
Weh! Weh! Weh! Weh! Weh! Weh!

Bostana tritt eilig auf


FÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Bostana

BOSTANA
Erschrecket nicht, der Kadi kam zurück,
Und einem Sklaven, der ihm ungeschickt
Die schöne Blumenvase brach in Scherben,
Gibt er mit eigner Hand die Bastonade.

STIMME DES SKLAVEN
Weh! Weh! Weh! Weh!

ABUL
vor dem Fenster
Weh mir, o weh, man mordet meinen Freund!
Kadi, verruchter Mörder!
Heda! Helft ihr Leute!

MARGIANA
Weh uns, es sammeln Leute sich ums Haus!

BOSTANA
Was macht der alte Tollkopf auch für Streiche!

NUREDDIN
Dreimal verwünschter, teuflischer Barbier!

STIMMEN
vor dem Fenster
Kadi, verruchter Mörder! Weh dir! Wehe!

ABUL
Wehe!

STIMME DES SKLAVEN
Weh!

BOSTANA
Nun kannst du nicht mehr unbemerkt entfliehn!

MARGIANA
Bostana, wenn der Vater ihn hier findet!

NUREDDIN
Ist kein Versteck da, dass ich mich verberge?

BOSTANA
Hier an der Kiste steckt der Schlüssel noch!
Margiana! Eilig! Fort mit all den Schätzen,

Sie beginnt sogleich die Kiste auszuräumen.
Die Kiste birgt ihn, bis der Sturm vorüber!
Sie zerren eilig den Inhalt der Kiste heraus und schleifen die Stoffe in die verdeckte Nische des Hintergrundes. Während des Folgenden wird Nureddin von den beiden Frauen in die Kiste versteckt.
Bostana zieht den Schlüssel ab, steckt ihn zu sich und schiebt Margiana in die Seitentür.
Verworrener, anwachsender Lärm hinter der Szene.

Abul von vier Dienern Nureddins begleitet, die mit Stöcken bewaffnet sind, stürzt herein.


SECHSTER AUFTRITT
Bostana. Abul und vier Diener Nureddins

ABUL
auf Bostana losstürzend
Wo ist er hin? Unsel'ge, sprich, wo habt ihr
Den Leichnam des Ermordeten verborgen?

BOSTANA
Wahnsinniger, was faselst du von Mord?
Willst du dies ganze Haus ins Unglück stürzen?
Hier in der Kiste hab' ich ihn versteckt;
Schnell, schafft sie fort, eh' es der Kadi merkt!

Sie geht eilig ins Nebengemach rechts


SIEBENTER AUFTRITT
Abul. Diener Nureddins. Später der Kadi

ABUL
stürzt sich wehklagend über die Kiste
Unsel'ger Freund! Und musstest so du enden,
Eh' dich des Retters Hand befreien konnte?
Dreifach verwünscht, du Mars und du Merkur!
Sternschnuppen mögt ihr werden und verderben!
Sich erhebend, zu den Dienern
Legt eilig Hand an, traget fort die Kiste!

Die vier Diener wollen die Kiste aufnehmen

KADI
hereineilend
Wo wollt ihr mit der Kiste hin, ihr Frechen?
So ist mein Haus den Dieben preisgegeben?

ABUL
Verruchter Kadi! Mörder meines Freundes!
Vor dem Kalifen sehen wir uns wieder!

KADI
Du glaubst mich närrisch, Narr, und willst mich narren,
Brandschatzen um den unschätzbaren Schatz,

ABUL
Ruchloser Richter, der sich ungerecht rächt,
Doch höh're Richter richten, Richter, dich!

KADI
Lass los die Kiste.

ABUL
Tragt die Kiste fort!

KADI
Der Tochter Schatz ist's!

ABUL
Ihr geraubt von dir!

KADI
Zu Hilfe! Diebe!

ABUL
Mörder! Hilfe! He!

KADI
Ich lass euch hängen!

ABUL
Ja, wenn du gespiesst!

Freunde des Kadi, Klagefrauen und Bewohner Bagdads treten nacheinander ein


ACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Freunde des Kadi. Klagefrauen. Bewohner Bagdads

KADI
Verruchte Diebe, die ihr offen
Am hellen Tag beraubt mein Haus,
Nicht Gnade darf ein einz'ger hoffen.
Mit euch ist's aus!

ABUL UND NUREDDINS DIENER
Verruchter Kadi, der du offen
Den Freund erschlugst in deinem Haus,
Nicht Gnade darfst du, Mörder, hoffen.
Mit dir ist's aus!

FREUNDE DES KADI
herbeieilend, zum Kadi
Welch arges Unheil hat betroffen,
Freund Mustapha, dein armes Haus?
Das Volk strömt ein, die Tür ist offen.
Was wird daraus?

KLAGEFRAUEN
hereinstürzend, in langen weissen Kleidern mit fliegenden schwarzen Trauerschals
Bekleidet euch mit Trauerstoffen,
Ein Mord geschah in diesem Haus.
Der Tränen Schleusen stehen offen:

Sie brechen aus!
Weh, o weh, o weh, o weh.

BEWOHNER BAGDADS
hereineilend
Wo ist er, den der Stahl getroffen?
Nicht Gnade darf der Mörder hoffen!
Vermaledeit sei dieses Haus!
Schleppt ihn hinaus!

KADI
So sprecht, ist denn ein Tollhaus offen,
Und schleudert seine Narren aus?
Des Himmels Blitz hat mich getroffen,

Mit mir ist's aus!

ABUL
Bringt Eisen, brecht die Kiste offen,
Und zieht den Toten nur heraus!
Des Kadis Stahl hat ihn getroffen,

Mit ihm ist's aus!

KADI UND SEINE FREUNDE
Verruchte Diebe, die ihr offen
Am hellen Tag bestehlt dies Haus,
Nicht Gnade darf ein einz'ger hoffen.

Mit euch ist's aus!

ABUL, NUREDDINS DIENER UND ALLE ÜBRIGEN
Verruchter Kadi, der du offen
Den Gast erschlägst in deinem Haus,
Nicht Gnade darfst du hoffen,

Mit dir ist's aus.

KLAGEFRAUEN
Weh, o weh, o weh, o weh!

Während des Nachspiels entsteht ein allgemeiner Tumult um die Kiste. Nureddins Diener wollen sie aufladen, werden aber wiederholt daran gehindert und werfen sie um. Der Kadi und seine Freunde wollen sie in den Hintergrund schleppen und stellen sie wieder um, so dass sie nun, den Deckel nach unten gekehrt, während des nächsten Chors stehen bleibt

Vier glänzend uniformierte Bewaffnete machen sich Platz durch das Gedränge und schieben die Streitenden nach rechts aus dem Mittelpunkt der Bühne von der Kiste fort. Die übrigen Anwesenden sind zu beiden Seiten der Bühne zurückgewichen.


NEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der Kalif mit Gefolge

VIER BEWAFFNETE
nehmen einen Augenblick die Mitte ein und singen
Platz dem Kalifen!

DER KALIF
tritt ein, von Gefolge umgeben. Er sieht jugendlich aus und tritt in die Mitte des Vordergrunds. Sein Gefolge und die vier Bewaffneten füllen den Hintergrund. Auf der Fensterseite steht Abul mit Nureddins Dienern, auf der Seite des Blumentisches der Kadi und seine Freunde. Die Klagefrauen und Männer von Bagdad zu beiden Seiten verteilt.
Sprich, Kadi, du bist Herr in deinem Hause.
Ich kenne dich als ehrenwerten Mann:
Wie brach der Sturm an, der so laut getobt,
Dass bis zu meinem Ohr der Lärm gedrungen?

KADI
Herr, dieser Unhold nennt mich einen Mörder!
Mit einer Horde Vagabunden drang
Er in mein Haus, der Tochter Schatz am hellen Tag zu stehlen.
Ganz Bagdad dringt herein mit tollem Lärm,
Bis wie die Sonne du, o Herr, erschienen
Und Licht gestrahlt in dieses tolle Chaos!

KALIF
zu Abul
Ergreister Böswicht! Sprich! Verteid'ge dich!

ABUL
Sonne des Weltalls! Nein, ich bin kein Böswicht;
Die Brüder waren's - Ja! und zwar aus Liebe:
Der ältste, Bakbak, und dann Bakbarah,
Der dritte: Bukbuk und der vierte: Alkuz,
Dann Alnaschar, der sechste: Schakkabak;
Doch ich, o Herr, der jüngste von den Sieben,
Bin tadellos und rein - sogar im Lieben!
O!

KALIF
Sag' deinen Namen, deinen Stand -

ABUL
Mein Name
Ist Abul Hassan Ali Ebn Bekar.
Ich bin - Barbier, doch was für ein Barbier!
Freistatt der Welt, es lässt sich nicht beschreiben.
Ich bin Total-Universalgenie,
Verkannt im Leben, doch berühmt in Zukunft,
Ich bin Gesamtmensch, bin Barbier der Nachwelt.

KALIF
Du toller Kauz! Und du bestiehlst die Mitwelt?

ABUL
O Perle des Kalifentums! Nicht also:
In dieser Kiste liegt mein Freund ermordet.
Des Kadis Tochter, ach! hat ihn geliebt -

Der Vater aber, o! hat - ihn - entleibt!

CHOR
Weh! Mustapha!

KALIF
Die Wahrheit kann nicht lang verborgen bleiben,
Schliess auf die Kiste, Kadi, zeig' den Inhalt.

KADI
wendet sich zum Nebengemach und ruft hinein
Wo hab' ich doch den Schlüssel? He! Margiana!
Bostana! Eilig, schliesset auf die Kiste! Eilig!

Margiana und Bostana kommen aus dem Nebengemach. Auf Abuls Wink bringen die Diener Nureddins die Kiste auf ihren Platz zurück.


ZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Margiana. Bostana

KADI
zu Margiana
Zeig' deinen Schatz, mein Kind, dass glänzend er
Die Wahrheit allen Augen offenbare.

MARGIANA
zögernd
Mein Herr und Vater -

KADI
Augenblicks gehorche!

Margiana gibt Bostana einen Wink; diese geht zur Kiste, um aufzuschliessen

CHOR
leise
Wie wird sich's wenden? Wer hat recht von beiden?

KADI
Nun überzeugt euch - seht der Tochter Schatz!

ABUL
zieht den ohnmächtig gewordenen Nureddin aus der Kiste in die Höhe und lehnt ihn an den Rand so dass er sichtbar bleibt
Ja, sieh der Tochter Schatz,
Den ihr dein Stahl stahl!

ALLE
Ha!!

KADI
bleibt in der Stellung, die er eingenommen, als er Nureddin erblickte, wie vor Schrecken versteinert stehen. Er spielt die ganze nächste Szene wie ein Träumender, der sich von einem Alpdruck zu befreien sucht; für sich, Nureddin anstarrend.
He, Mustapha! Freund Mustapha, wach auf!
Was schläfst du auch, was machst du auch für Streiche?
Hoch schön am Himmel geht der Sonne Lauf.
Aus Träumen raffe dich, der Alpdruck weiche!
O Mustapha! Freund Mustapha, wach auf!

KALIF
O Mustapha! Ein Licht geht mir nun auf,
Es spielte hier die Liebe ihre Streiche!
Sie, die allmächtig lenkend ihren Lauf,
Mich selber Sklaven nennt in ihrem Reiche.
O Mustapha! Nun geht ein Licht mir auf!

ABUL
O Nureddin! Kein Ruf mehr weckt dich auf.
Beschlossen war's im hohen Sternenreiche;
Kein ird'scher Mund beschwört der Sterne Lauf,
Morgens rasiert - und abends eine Leiche!
O Nureddin, dich weckt kein Ruf mehr auf!

MARGIANA UND BOSTANA
eilen zur Kiste und singen zu beiden Seiten derselben zu Nureddin
O Nureddin, geliebter / verliebter Nureddin wach auf!
Dass von dem Vater der Verdacht entweiche;
Du schlummerst nur, dich wecket süsse Liebe auf
Und macht zum Herrscher dich in ihrem Reiche.
O Nureddin, geliebter / verliebter Freund wach auf!

CHOR
Weh Mustapha!
Die Rache steigt herauf!
Nicht wähne zu entrinnen ihrem Streiche,
Recht und Gerechtigkeit gehn ihren Lauf
Allüberall in des Kalifen Reiche.
Weh Mustapha, die Rache steigt herauf!

ABUL
der klagend über Nureddin gebeugt lag, erhebt sich plötzlich; zum Kalifen gewendet
Er lebt, er lebt! Beherrscher aller Gläub'gen!
Noch glimmt ein Funke Lebens hier, ich fühl' es.

KALIF
So zeig einmal, du Prahler, deine Künste,
Ob du, ein Arzt, ihm Leben wiedergibst.

FRAUEN
Ach, kein Barbier weckt Tote wieder auf!

MÄNNER
Weh Mustapha, die Rache steigt herauf!

KADI
He, Mustapha, o Mustapha, wach auf!

ABUL
entfernt alle Umstehenden von der Kiste, umschreitet dieselbe feierlich und beugt sich über Nureddin, ihm ins Ohr singend, indem er ihm auf die Schulter klopft
„Lass dir zu Füssen wonnesam mich liegen,
O Margiana!“

NUREDDIN
bleibt regungslos

ABUL
zupft ihn an Nase und Ohr
„An deine Hand die Lippe trunken schmiegen,
O Margiana!
Er nimmt ein Riechfläschchen und hält es ihm unter die Nase
Auf deinem Munde lachet holde Fülle süsser Labe.

Er nimmt die Rose, die Nureddin von Margiana bekommen und noch immer fest in Händen hält, und lässt ihn daran riechen
Lass seinen Hauch mich atmen still verschwiegen,
O Margiana!“

NUREDDIN
regt sich und erwacht
Wonnen der Liebe -

Er wird von Abul emporgerichtet, sein erster Blick fällt auf Margiana.

ABUL
Bunte Sommerfalter,
Lasse sie kosend um die Stirn' uns fliegen.

NUREDDIN
O Margiana!

FRAUEN
Habt ihr gehört, er sprach!

MÄNNER
Ja, er sprach!

ALLE.
Seht, er erhebt sich. Er lebt!

Während der folgenden Worte führt Abul Nureddin zu Margiana, zu deren Füssen er niederkniet

ABUL UND NUREDDIN
Die Welt versinkt, es leuchten helle goldnen Äthers Wogen,
Wir sind empor zum Eden schon gestiegen,
O Margiana!“

KADI
mit wachsendem Erstaunen die Liebenden erblickend
He, Mustapha! He, Mustapha, wach auf!

KALIF
zum Kadi, auf die Liebenden zeigend
Du sagtest es ja selbst und schwurst darauf:
Es ist ihr Schatz! Lass ihn ihr eigen sein!

KADI
die Hände der Liebenden zusammenfügend
So nimm ihn hin - er sei auf ewig dein!

CHOR
Heil sei der Schönen,
Die den Schatz verborgen
In Liebessorgen,
Ihn bis zum Feste
Verschloss aufs beste.
Mag er schön sie nun schmücken,
Wonniglich beglücken!

KALIF
zu den Bewaffneten, auf Abul deutend
Ergreift den Alten - und verwahrt ihn wohl!

ABUL
Herr, übe Gnade; gnädig sind die Sterne!

KALIF
Sei ohne Furcht, sie bringen dich zu mir,
Dass deine Künste du vor mir erprobest
Und deines Lebens Märchen mir erzählest.
zu den übrigen
Ihr aber, friedlich geht nun eures Wegs,
Bis ich zur Hochzeit dieses Paars euch lade,
Weil ihr ja doch einmal so freundlich wart,
Uneingeladen heut' euch einzufinden.

ABUL
zu dem Kalifen gewendet
Heil diesem Hause, denn du tratst ein:
sich verneigend
Salamaleikum!

SOLI UND CHOR
wiederholen jedesmal, und jedesmal wird der Gruss mit tiefer Verbeugung begleitet
Salamaleikum!

ABUL
Heil deiner Gegenwart leuchtendem Schein.
Salamaleikum!
Sieh deine Sklaven, die dir sich weihn,
Salamaleikum!
Lass unser Angesicht weiss vor dir sein,
Salamaleikum!
öge dein Wohl stets blühend gedeihn,
Salamaleikum!
Stets möge Allah dir Sieg verleihn,
Salamaleikum!
Nie sei geringer der Schatten dein,
Salamaleikum!
Leb' in dein tausendstes Jahr hinein,
Salamaleikum!

ALLE
Salamaleikum!

Während der Kalif sich zum Abgehen wendet, fällt der Vorhang



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