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VORSPIEL


Erste Szene

(Eine felsige Halde hoch oben in den Pyrenäen. Links eine primitive Sennhütte. Davor ein Brunnen und ein Trog. Rechts verliert sich der Abhang in Geröll. Hinter dem Hügel scheint eine tiefe Mulde zu liegen. Jenseits der Mulde erheben sich in bizarren, phantastischen Formen die schneebedeckten Spitzen der Pyrenäen. In der Mitte ein kolossaler Gletscher, an dessen Seite ein gewaltiger Steinkoloss. Etwa drei Uhr morgens. Sternenhimmel)

NANDO
(hinter der Szene)
Ohe!

PEDRO
(hinter der Szene, antwortet)
Ohe!

(Nando taucht auf und Pedro erscheint bei der Hütte)

Gelobt sei Jesus Christus!

NANDO
In Ewigkeit!

PEDRO
Gehst du mit deinen Tieren gegen Osten?

NANDO
Ich will zur Höhe.

PEDRO
Hüte dich vor den Wölfen!

NANDO
Ich habe meine Schleuder und den Hund.

PEDRO
Und ich vertrau auf Gott!

(Sie begegnen sich jetzt auf der Mitte der Anhöhe. Man hört das Geläut der Herdenglocken)

Ein schöner Tag wird kommen.

NANDO
Wenn erst die Nebel fallen!

PEDRO
Grüss mir die Hirten oben!

NANDO
Sahst du sie nicht?

PEDRO
Drei Monate sind's her,
daß ich den letzten Menschen sah.
Vor einem halben Jahr sprach ich zuletzt mit einem
und wenn du jetzt dort hinterm Berg verschwindest,
dann mag es wieder Wochen dauern, Monate, ein Jahr,
bis ich den Mund zum Reden wieder öffne.

NANDO
Ist dir die Einsamkeit nicht schrecklich?

PEDRO
Ach, herrlich ist sie mir!
Ich träum des Nachts und träum
des Tags und fühl mich glücklich.
Gibt's ein andres Glück?
Zwei Vaterunser bet ich vor dem Schlafengehn,
das erste bet ich für die Eltern, ich kannt sie nie.
Doch oben rechts und links von Gottes Thron,
da stehen beide wachend über mich.
Das zweite Vaterunser aber,
das geht den lieben Herrgott selber an.
Ich bitt ihn jede Nacht,
daß er ein Weib dem Pedro schenke .

NANDO
Ein Weib! Haha! Kennst du die Weiber ?
Hast du schon mal ein Weib gesehn? Gesprochen?

PEDRO
Noch nicht. Wie käme hier herauf ein Weib?
Von ferne seh ich sie einmal im Jahre nur,
wenn ich ins Tal hinab zur Kirche geh.
Ich denk mir aber, daß wenn Gott nur will,
ich auch einmal zu einem Weibe kommen werde.

NANDO
Hahaha!

PEDRO
Darüber lacht man nicht. Ich mein es ernst.

(Er hat sich auf den Rücken gelegt)

Wie ich nun gestern abend in der Hütte liege
und mit dem ersten Vaterunser fertig bin,
fang ich das zweite an.
Doch nach dem ersten Worte schlaf ich ein,
und das Gebet bleibt mir im Munde liegen.
Im Traume seh ich, wie mit einem Mal
die Herde in die Tiefe flüchtet.
Ich lauf ihr nach und nehm einen Stein
auf meine Schleuder,
werf ihn nach vorn, damit die Tiere stehen bleiben.
Der Stein fällt in den See von Roccabruna,
das Wasser siedet auf und wallt,
als wär der See ein Kochtopf.
Aus Dampf und Wellen ballt es sich zusammen,
wie eine Wolke steigt es aus dem See empor.
Ein leuchtendes Gewand, ein weißer Arm,
ein Kopf mit langem blonden Haar -
die Hexe, schrei ich auf, die Felsenhexe!
Doch nein! So schön kann eine Hexe doch nicht sein.

Und plötzlich wird der wilde See ein Spiegel,
und die Gestalt kommt übers Wasser her
und auf mich zu.
Sie war so schön, ich kann dir's nicht beschreiben.
Und wie sie ging, da neigten sich die Bäume,
da dufteten die Blumen stärker, und die Vögel sangen,
wie ich's nie gehört.
Es war ein Jubeln, daß die Berge dröhnten,
und das die ganze Welt zu füllen schien.
Und die Erscheinung lächelte
und kam zu mir ganz nah heran.

Da kniet ich vor ihr nieder
und sprach mein zweites Vaterunser nun zu Ende.
Nun weiß ich auch, wer die Erscheinung war:
die Mutter Gottes kam zu mir im Traum,
um mir zu sagen,
daß der liebe Gott mir Weib und Glück bescheren will.

NANDO
Du glaubst am Ende, Weib und Glück sind eins?
Ich aber sage dir, daß zwischen beiden
ein Stückchen Himmel und die ganze Hölle liegt.
Das wirst du auch noch lernen! Dessen sei gewiß.

PEDRO
Wenn ich nur wüßte,
aus welcher Gegend sie wohl kommen wird?

Paß auf: da leg ich einen Stein auf meine Schleuder
und schwinge sie im Kreis!
Die Augen hab ich zu. Wohin der Stein jetzt fällt,
das ist der Weg, den sie wohl kommen wird.

(Er wirft den Stein)

SEBASTIANOS STIMME
Verfluchte Kerle, seht ihr nicht,
daß Menschen kommen?
Beinah hätt mich der Kieselstein getroffen.

NANDO
Es kommt Besuch!

PEDRO
Was kümmert's mich! Zu mir kommt niemand.

NANDO
(in die Tiefe spähend)
Der Herr ist es! Herr Sebastiano!
Kennst du den Herren nicht?
So weit du schaust ist alles sein.
Die Wiesen, Matten, Felder,
die Herden, Hütten, Wald und Fluß,
das Dorf da unten und die Mühle,
alles was du dir denken kannst, ist sein.
In seinem Dienste stehn wir alle, alle,
die Hirten oben und die Hirten unten.
Der mit ihm geht, das ist der Älteste aus unserm Dorfe.
Neunzig Jahre trägt Tommaso schon
auf seinem Buckel.

PEDRO
(unwillig aufstehend)
Zu meiner Hütte geh ich.
Wollen die etwas von mir, so sollen sie mich holen.

(Er geht langsam aufwärts und verschwindet in der Hütte)

NANDO
(gespannt zur Tiefe blickend)
Und mit den beiden geht, ich irre nicht,
ein Frauenzimmer.
Was soll das bedeuten?
Am Ende hält der Herrgott Wort
und schickt ein Weibchen für den Pedro.

Zweite Szene

(Sebastiano, Marta und Tommaso treten auf)

SEBASTIANO
Ist Pedro nicht hier?

NANDO
Er ist in seiner Hütte oben.

SEBASTIANO
Tommaso, geh und schaff ihn her.

(zu Nando)

Du aber bring uns Milch und Brot und Käse.
Der Weg war weit, und ich hab Hunger.

(Tommaso und Nando gehen zur Hütte, in die Tommaso eintritt)

MARTA
Warum schleppt Ihr mich hierher?

SEBASTIANO
Weil es mich freut! Und dann, mein Kind,
hab ich einen Plan mit dir.

MARTA
Sagt mir, Herr, um Christi willen,
was Ihr vorhabt.

SEBASTIANO
Fürchte nichts! Warst mir immer treu ergeben.
Und du weißt, ich lohnte gut!
Kamst als Bettelkind ins Land
mit dem alten Vagabunden, deinem Vater.
Du gefielst mir.
Deinen Vater macht ich zum Müller,
deiner schönen Augen willen.
Jetzt bist du die Müllerin.
Und den Pacht zahlst du in Liebe.
Das ist doch nur recht und billig.

MARTA
Schrecklich ist es:
Jeden Tag schrei ich's Euch ins Angesicht.
Doch was hilft's, Ihr seid der Herr.

SEBASTIANO
Wohl, das bin ich!
Und als Herr werd ich dir jetzt befehlen:

(Oben erscheint Pedro)

Schau dir mal den Burschen an!
Hübsch, nicht wahr, und jung und kräftig.
Den bestimm ich dir zum Gatten.

MARTA
(entsetzt zurückweichend)
Lieber spring ich in die Tiefe!

SEBASTIANO
Tollkopf! Trotzkopf! Bleib doch nur!
Warte, bis ich's dir erkläre!
Keine Laune ist's von mir.
Was geschieht, das muss geschehn.

MARTA
Habt Erbarmen!

SEBASTIANO
Darum eben, weil ich's gut und ehrlich meine,
geb ich Pedro dir zum Manne.

MARTA
(reißt sich von Sebastiano, der ihr die Hand gehalten, los)
Laßt mich, Herr, ich will nicht, will nicht!

SEBASTIANO
Marta, schau ihn dir doch an!

MARTA
(gesprochen)
Nein!

(Sie reißt sich los und läuft weg)

PEDRO
(Er ist ganz nahe herangekommen, schaut ihr mit offenem Mund nach)
Mutter Gottes! War die schön!

Dritte Szene

SEBASTIANO
Na, mein Pedro, sag mir mal, bist du hier zufrieden?

PEDRO
Ei gewiß, mein gnäd'ger Herr!

SEBASTIANO
Möchtest du's nicht besser haben?

PEDRO
Wüsst nicht wie!

SEBASTIANO
Hirte sein, ist ja ganz schön, aber meinst du,
daß es nicht doch noch etwas Bessres gibt!
Schau, ich hab im Tale unten eine Mühle stehn.
Willst du nicht der Müller sein?

PEDRO
Wenn es Korn zum Mahlen gibt, warum nicht?

SEBASTIANO
Und zur Mühle geb ich dir noch
die Müllerin als Frau.

PEDRO
Wenn das Mädel mir gefällt und ich ihr,
ich sag nicht nein.

SEBASTIANO
Sahst sie doch! Gelt, die ist schön?

PEDRO
Treibt Ihr euren Spaß mit mir, oder träum ich noch?

SEBASTIANO
Setz dich her und hör mich an.
Meine Mühle ist verwaist, denn der Müller starb,
da hab ich an dich gedacht. Paßt es dir, so komm herab,
nimm die Marta dir zum Weibe
und ich nehme dich zum Müller.

PEDRO
Wie ein Bienenschwarm fliegen Eure Worte
mir ums Ohr.
Darf ich jubeln, darf ich jauchzen?
Darf ich allen Heil'gen danken?
Wird mein Traum zur Wirklichkeit?

TOMMASO
Ich wohne viele Meilen weit dort über dem Gebirge.
Mich frug der Herr um Rat.
Ich nannt ihm deinen Namen.
Kam ich auch viele Jahre nicht hierher,
ich kenn dich doch: Du bist ein wackrer Junge!
Schlag ein, mein Sohn, und nimm's als Gottes Fügung.
Dein Bestes will der Herr. Dank ihm dein Glück.
Und Gott, der über Allem wacht und alles lenkt,
wach über deinem Hause,
lenke deinen Schritt zum Frieden.

SEBASTIANO
Schlag ein, mein Junge.

PEDRO
Soll ich? Darf ich? Wird sie mich denn wollen?
Wird sie nicht finden, daß ich häßlich bin?
Und wenn sie nein sagt? Wenn sie mich verschmäht?

SEBASTIANO
Laß das nur meine Sorge sein!
Ich nehm's auf mich.

PEDRO
Sie floh, als sie mich sah.

SEBASTIANO
So sind und morgen wird die Hochzeit sein die Weiber.
Mach dich nur fertig, komm herab ins Tal,
Für alles hab ich schon gesorgt.

PEDRO
Schon morgen?
So viel Glück schon morgen?

TOMMASO
Das Glück kommt nie zu schnell!
Nun ist es da, nun halt es fest.

SEBASTIANO
Es bleibt dabei: ich warte in der Mühle
und führ dein Weib dir zu.

PEDRO
Ich komme!

TOMMASO
Gott segne deinen Weg!

(Sebastiano und Tommaso gehen ab)

Vierte Szene

PEDRO
Hast du's gehört? Ich krieg ein Weib,
der Himmel schenkt es mir. Ich geh ins Tal.

NANDO
Ins Tiefland gehst du?
Dort sind die Häuser dumpf, die Berge weit,
die Menschen wohnen eng beisammen.
Die Sonne selbst ist trüb, und grau ist alles.
Dort gibt's Zank und Streit und Hader alle Tage.
Ins Tiefland gehst du?

PEDRO
Meinem Glücke nach!

Nimm dich der Herde an, bis unser Herr
statt meiner einen neuen Hirten schickt
Ich grüss noch einmal meine Berge.
Ich kenn euch alle, kenne jeden Gipfel,
kenn jeden Schlund und jede grüne Wiese.
Hier war ich frei in deinem Strahle, o Sonne,
nun leuchte mir auf meinem Weg zum Glück.

(Er geht den Weg hinab)

Nimm dich der Herde an, sei wachsam,
Nando, nimm vor dem Wolf dich in acht!
Hei, wie sie kommen und sich um mich drängen!
Lebt wohl, gewiß, ich will im Tal,
im Tiefland eurer nicht vergessen!
Auch deiner nicht, mein braver Hund.
Lebt wohl, vergeßt auch meiner nicht!

(Er verschwindet ganz. Seine Stimme klingt von unten, sich immer weiter entfernend)

Die Sonne leuchtet meinem Weg ins Tal,
ins Tiefland geh ich!
VORSPIEL


Erste Szene

(Eine felsige Halde hoch oben in den Pyrenäen. Links eine primitive Sennhütte. Davor ein Brunnen und ein Trog. Rechts verliert sich der Abhang in Geröll. Hinter dem Hügel scheint eine tiefe Mulde zu liegen. Jenseits der Mulde erheben sich in bizarren, phantastischen Formen die schneebedeckten Spitzen der Pyrenäen. In der Mitte ein kolossaler Gletscher, an dessen Seite ein gewaltiger Steinkoloss. Etwa drei Uhr morgens. Sternenhimmel)

NANDO
(hinter der Szene)
Ohe!

PEDRO
(hinter der Szene, antwortet)
Ohe!

(Nando taucht auf und Pedro erscheint bei der Hütte)

Gelobt sei Jesus Christus!

NANDO
In Ewigkeit!

PEDRO
Gehst du mit deinen Tieren gegen Osten?

NANDO
Ich will zur Höhe.

PEDRO
Hüte dich vor den Wölfen!

NANDO
Ich habe meine Schleuder und den Hund.

PEDRO
Und ich vertrau auf Gott!

(Sie begegnen sich jetzt auf der Mitte der Anhöhe. Man hört das Geläut der Herdenglocken)

Ein schöner Tag wird kommen.

NANDO
Wenn erst die Nebel fallen!

PEDRO
Grüss mir die Hirten oben!

NANDO
Sahst du sie nicht?

PEDRO
Drei Monate sind's her,
daß ich den letzten Menschen sah.
Vor einem halben Jahr sprach ich zuletzt mit einem
und wenn du jetzt dort hinterm Berg verschwindest,
dann mag es wieder Wochen dauern, Monate, ein Jahr,
bis ich den Mund zum Reden wieder öffne.

NANDO
Ist dir die Einsamkeit nicht schrecklich?

PEDRO
Ach, herrlich ist sie mir!
Ich träum des Nachts und träum
des Tags und fühl mich glücklich.
Gibt's ein andres Glück?
Zwei Vaterunser bet ich vor dem Schlafengehn,
das erste bet ich für die Eltern, ich kannt sie nie.
Doch oben rechts und links von Gottes Thron,
da stehen beide wachend über mich.
Das zweite Vaterunser aber,
das geht den lieben Herrgott selber an.
Ich bitt ihn jede Nacht,
daß er ein Weib dem Pedro schenke .

NANDO
Ein Weib! Haha! Kennst du die Weiber ?
Hast du schon mal ein Weib gesehn? Gesprochen?

PEDRO
Noch nicht. Wie käme hier herauf ein Weib?
Von ferne seh ich sie einmal im Jahre nur,
wenn ich ins Tal hinab zur Kirche geh.
Ich denk mir aber, daß wenn Gott nur will,
ich auch einmal zu einem Weibe kommen werde.

NANDO
Hahaha!

PEDRO
Darüber lacht man nicht. Ich mein es ernst.

(Er hat sich auf den Rücken gelegt)

Wie ich nun gestern abend in der Hütte liege
und mit dem ersten Vaterunser fertig bin,
fang ich das zweite an.
Doch nach dem ersten Worte schlaf ich ein,
und das Gebet bleibt mir im Munde liegen.
Im Traume seh ich, wie mit einem Mal
die Herde in die Tiefe flüchtet.
Ich lauf ihr nach und nehm einen Stein
auf meine Schleuder,
werf ihn nach vorn, damit die Tiere stehen bleiben.
Der Stein fällt in den See von Roccabruna,
das Wasser siedet auf und wallt,
als wär der See ein Kochtopf.
Aus Dampf und Wellen ballt es sich zusammen,
wie eine Wolke steigt es aus dem See empor.
Ein leuchtendes Gewand, ein weißer Arm,
ein Kopf mit langem blonden Haar -
die Hexe, schrei ich auf, die Felsenhexe!
Doch nein! So schön kann eine Hexe doch nicht sein.

Und plötzlich wird der wilde See ein Spiegel,
und die Gestalt kommt übers Wasser her
und auf mich zu.
Sie war so schön, ich kann dir's nicht beschreiben.
Und wie sie ging, da neigten sich die Bäume,
da dufteten die Blumen stärker, und die Vögel sangen,
wie ich's nie gehört.
Es war ein Jubeln, daß die Berge dröhnten,
und das die ganze Welt zu füllen schien.
Und die Erscheinung lächelte
und kam zu mir ganz nah heran.

Da kniet ich vor ihr nieder
und sprach mein zweites Vaterunser nun zu Ende.
Nun weiß ich auch, wer die Erscheinung war:
die Mutter Gottes kam zu mir im Traum,
um mir zu sagen,
daß der liebe Gott mir Weib und Glück bescheren will.

NANDO
Du glaubst am Ende, Weib und Glück sind eins?
Ich aber sage dir, daß zwischen beiden
ein Stückchen Himmel und die ganze Hölle liegt.
Das wirst du auch noch lernen! Dessen sei gewiß.

PEDRO
Wenn ich nur wüßte,
aus welcher Gegend sie wohl kommen wird?

Paß auf: da leg ich einen Stein auf meine Schleuder
und schwinge sie im Kreis!
Die Augen hab ich zu. Wohin der Stein jetzt fällt,
das ist der Weg, den sie wohl kommen wird.

(Er wirft den Stein)

SEBASTIANOS STIMME
Verfluchte Kerle, seht ihr nicht,
daß Menschen kommen?
Beinah hätt mich der Kieselstein getroffen.

NANDO
Es kommt Besuch!

PEDRO
Was kümmert's mich! Zu mir kommt niemand.

NANDO
(in die Tiefe spähend)
Der Herr ist es! Herr Sebastiano!
Kennst du den Herren nicht?
So weit du schaust ist alles sein.
Die Wiesen, Matten, Felder,
die Herden, Hütten, Wald und Fluß,
das Dorf da unten und die Mühle,
alles was du dir denken kannst, ist sein.
In seinem Dienste stehn wir alle, alle,
die Hirten oben und die Hirten unten.
Der mit ihm geht, das ist der Älteste aus unserm Dorfe.
Neunzig Jahre trägt Tommaso schon
auf seinem Buckel.

PEDRO
(unwillig aufstehend)
Zu meiner Hütte geh ich.
Wollen die etwas von mir, so sollen sie mich holen.

(Er geht langsam aufwärts und verschwindet in der Hütte)

NANDO
(gespannt zur Tiefe blickend)
Und mit den beiden geht, ich irre nicht,
ein Frauenzimmer.
Was soll das bedeuten?
Am Ende hält der Herrgott Wort
und schickt ein Weibchen für den Pedro.

Zweite Szene

(Sebastiano, Marta und Tommaso treten auf)

SEBASTIANO
Ist Pedro nicht hier?

NANDO
Er ist in seiner Hütte oben.

SEBASTIANO
Tommaso, geh und schaff ihn her.

(zu Nando)

Du aber bring uns Milch und Brot und Käse.
Der Weg war weit, und ich hab Hunger.

(Tommaso und Nando gehen zur Hütte, in die Tommaso eintritt)

MARTA
Warum schleppt Ihr mich hierher?

SEBASTIANO
Weil es mich freut! Und dann, mein Kind,
hab ich einen Plan mit dir.

MARTA
Sagt mir, Herr, um Christi willen,
was Ihr vorhabt.

SEBASTIANO
Fürchte nichts! Warst mir immer treu ergeben.
Und du weißt, ich lohnte gut!
Kamst als Bettelkind ins Land
mit dem alten Vagabunden, deinem Vater.
Du gefielst mir.
Deinen Vater macht ich zum Müller,
deiner schönen Augen willen.
Jetzt bist du die Müllerin.
Und den Pacht zahlst du in Liebe.
Das ist doch nur recht und billig.

MARTA
Schrecklich ist es:
Jeden Tag schrei ich's Euch ins Angesicht.
Doch was hilft's, Ihr seid der Herr.

SEBASTIANO
Wohl, das bin ich!
Und als Herr werd ich dir jetzt befehlen:

(Oben erscheint Pedro)

Schau dir mal den Burschen an!
Hübsch, nicht wahr, und jung und kräftig.
Den bestimm ich dir zum Gatten.

MARTA
(entsetzt zurückweichend)
Lieber spring ich in die Tiefe!

SEBASTIANO
Tollkopf! Trotzkopf! Bleib doch nur!
Warte, bis ich's dir erkläre!
Keine Laune ist's von mir.
Was geschieht, das muss geschehn.

MARTA
Habt Erbarmen!

SEBASTIANO
Darum eben, weil ich's gut und ehrlich meine,
geb ich Pedro dir zum Manne.

MARTA
(reißt sich von Sebastiano, der ihr die Hand gehalten, los)
Laßt mich, Herr, ich will nicht, will nicht!

SEBASTIANO
Marta, schau ihn dir doch an!

MARTA
(gesprochen)
Nein!

(Sie reißt sich los und läuft weg)

PEDRO
(Er ist ganz nahe herangekommen, schaut ihr mit offenem Mund nach)
Mutter Gottes! War die schön!

Dritte Szene

SEBASTIANO
Na, mein Pedro, sag mir mal, bist du hier zufrieden?

PEDRO
Ei gewiß, mein gnäd'ger Herr!

SEBASTIANO
Möchtest du's nicht besser haben?

PEDRO
Wüsst nicht wie!

SEBASTIANO
Hirte sein, ist ja ganz schön, aber meinst du,
daß es nicht doch noch etwas Bessres gibt!
Schau, ich hab im Tale unten eine Mühle stehn.
Willst du nicht der Müller sein?

PEDRO
Wenn es Korn zum Mahlen gibt, warum nicht?

SEBASTIANO
Und zur Mühle geb ich dir noch
die Müllerin als Frau.

PEDRO
Wenn das Mädel mir gefällt und ich ihr,
ich sag nicht nein.

SEBASTIANO
Sahst sie doch! Gelt, die ist schön?

PEDRO
Treibt Ihr euren Spaß mit mir, oder träum ich noch?

SEBASTIANO
Setz dich her und hör mich an.
Meine Mühle ist verwaist, denn der Müller starb,
da hab ich an dich gedacht. Paßt es dir, so komm herab,
nimm die Marta dir zum Weibe
und ich nehme dich zum Müller.

PEDRO
Wie ein Bienenschwarm fliegen Eure Worte
mir ums Ohr.
Darf ich jubeln, darf ich jauchzen?
Darf ich allen Heil'gen danken?
Wird mein Traum zur Wirklichkeit?

TOMMASO
Ich wohne viele Meilen weit dort über dem Gebirge.
Mich frug der Herr um Rat.
Ich nannt ihm deinen Namen.
Kam ich auch viele Jahre nicht hierher,
ich kenn dich doch: Du bist ein wackrer Junge!
Schlag ein, mein Sohn, und nimm's als Gottes Fügung.
Dein Bestes will der Herr. Dank ihm dein Glück.
Und Gott, der über Allem wacht und alles lenkt,
wach über deinem Hause,
lenke deinen Schritt zum Frieden.

SEBASTIANO
Schlag ein, mein Junge.

PEDRO
Soll ich? Darf ich? Wird sie mich denn wollen?
Wird sie nicht finden, daß ich häßlich bin?
Und wenn sie nein sagt? Wenn sie mich verschmäht?

SEBASTIANO
Laß das nur meine Sorge sein!
Ich nehm's auf mich.

PEDRO
Sie floh, als sie mich sah.

SEBASTIANO
So sind und morgen wird die Hochzeit sein die Weiber.
Mach dich nur fertig, komm herab ins Tal,
Für alles hab ich schon gesorgt.

PEDRO
Schon morgen?
So viel Glück schon morgen?

TOMMASO
Das Glück kommt nie zu schnell!
Nun ist es da, nun halt es fest.

SEBASTIANO
Es bleibt dabei: ich warte in der Mühle
und führ dein Weib dir zu.

PEDRO
Ich komme!

TOMMASO
Gott segne deinen Weg!

(Sebastiano und Tommaso gehen ab)

Vierte Szene

PEDRO
Hast du's gehört? Ich krieg ein Weib,
der Himmel schenkt es mir. Ich geh ins Tal.

NANDO
Ins Tiefland gehst du?
Dort sind die Häuser dumpf, die Berge weit,
die Menschen wohnen eng beisammen.
Die Sonne selbst ist trüb, und grau ist alles.
Dort gibt's Zank und Streit und Hader alle Tage.
Ins Tiefland gehst du?

PEDRO
Meinem Glücke nach!

Nimm dich der Herde an, bis unser Herr
statt meiner einen neuen Hirten schickt
Ich grüss noch einmal meine Berge.
Ich kenn euch alle, kenne jeden Gipfel,
kenn jeden Schlund und jede grüne Wiese.
Hier war ich frei in deinem Strahle, o Sonne,
nun leuchte mir auf meinem Weg zum Glück.

(Er geht den Weg hinab)

Nimm dich der Herde an, sei wachsam,
Nando, nimm vor dem Wolf dich in acht!
Hei, wie sie kommen und sich um mich drängen!
Lebt wohl, gewiß, ich will im Tal,
im Tiefland eurer nicht vergessen!
Auch deiner nicht, mein braver Hund.
Lebt wohl, vergeßt auch meiner nicht!

(Er verschwindet ganz. Seine Stimme klingt von unten, sich immer weiter entfernend)

Die Sonne leuchtet meinem Weg ins Tal,
ins Tiefland geh ich!



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