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ERSTER AUFZUG

ZWISCHENSPIEL

Erste Szene

(Das Innere der Mühle. Links eine Tür, zu der zwei Treppen führen und die durch einen Vorhang verdeckt ist. Rechts eine kleine Tür. Im Hintergrund das sehr große Eingangstor, durch das im Hintergrund der Gletscher erkennbar ist. Kurz vor Sonnenuntergang. Moruccio ist damit beschäftigt, Korn zu sieben. Pepa, Antonia und Rosalia stürmen herein)

PEPA
Sag uns doch, ist es wahr?

ANTONIA
Ist es wirklich wahr?

ROSALIA
Rede! Sprich! Gib Antwort!

PEPA
Also rasch, erzähle!
Macht die Marta wirklich Hochzeit?

(Moruccio leert unterdessen gleichmütig sein Sieb und füllt es dann wieder mit frischem Korn)

MORUCCIO
»An der offenen Kirchentüre wartet schon die Braut!«

PEPA
Ha, dich ärgert's! Kann mir's denken,
daß die Marta dich nicht nimmt.
Müller wärst du gern geworden
Seit der alte Müller starb, ist nun bald ein Jahr vorbei,
aber Marta nimmt dich nicht.

ANTONIA, ROSALIA
Nimmt dich nicht.

PEPA
Bist zu alt, zu häßlich, bist ein Brummbär!

ANTONIA
Plump und mürrisch!

ROSALIA
(schmeichlerisch)
Wenn wir aber recht sehr bitten,
wirst du endlich doch erzählen .

MORUCCIO
(wie vorher)
»An der offenen Kirchentüre wartet schon die Braut!«

ANTONIA
Du bist es, der wartet.

PEPA
Wo ist Marta?

ROSALIA
Ja, wo ist sie?

ANTONIA
Ist sie in der Mühle?

(Moruccio zuckt die Achseln)

PEPA
Laßt ihn laufen, diesen Starrkopf!

Zweite Szene

(Nuri tritt ein. Sie strickt an einer Jacke)

NURI
Da bin ich!
Alle Hühner hab ich in den Stall gebracht.
Und sie schlafen schon.
Darf ich herein?

ANTONIA
Komm nur, komm!

NURI
Und ihr werdet mich nicht schelten, wie ihr's immer tut,
wenn ich Marta besuche.
Mich hat sie lieb, lieber als euch.

PEPA
Weißt du was?

ANTONIA
Neuigkeiten?

ROSALIA
Rede! Sprich! Erzähle!

NURI
Was denn soll ich euch erzählen?

PEPA
Warst du bei Tommaso?

NURI
Bei Tommaso war ich. Und er hat mir viel erzählt.
Ach so vieles und so schönes!

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
Was denn? Was denn? Was?

NURI
Er sagte zu mir:
»Schau, mein Kind, alles was du siehst hier,
so weit dein Auge reicht,
alles das gehört dem Herrn,
unserm Herrn Sebastiano.
Das Häuschen wo ihr wohnt,
die Mühle dort am Fluß,
mein Hüttchen, das am Berge klebt,
und das Gehöft mit Turm und hohem Dach,
das unser Herr bewohnt,
das alles, alles, hoch hinauf den Berg
und tief hinab ins Tal,
alles das gehört dem Herrn,
unserm Herrn Sebastiano«.

PEPA
Alles das wissen wir.

NURI
Ich aber, ich wusst es nicht,
und Tommaso, der vom Berge kam,
und der nie es gesehn, der weiß das alles.

PEPA
Und wo ist Tommaso jetzt?

NURI
In die Berge ging er mit dem Herrn.
Hoch hinauf, wo schon die Gletscher
an die letzten Wiesen grenzen.
Einen Hirten bringt er her,
und der Hirte, denkt nur, denkt,
der soll kommen, heut abend noch
und Hochzeit machen mit der Marta.

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
Gott sei Dank, jetzt wissen wir's!

MORUCCIO
(der alles gehört hat)
Hol der Teufel diese Hexen,
haben sie es doch erfahren!

ANTONIA
Heute abend? Wer befahl's?

NURI
Wer's befahl? Ei unser Herr.
Er befiehlt und es geschieht.
So befahl er auch die Hochzeit
der Marta und dem Hirten.
Lang schon wusst ich,
daß sie unserm Herrn gehöre,
nur verstand ich's damals nicht.

ANTONIA
Was sagst du da?

NURI
Ich sag, was ich einmal hörte.

PEPA
Warum hast du's uns verschwiegen?

NURI
Weil ich mich schämte. Weiß selber nicht warum.

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
So erzähle! Rede! Sprich!

NURI
An einem Abend war's,
der Mond ging auf hinterm Weidenbusch
und ich lag am Wiesenrand.
Seht, da kam am Fluß entlang
Marta mit dem Herrn.
Und ich hörte Marta weinen,
und ich hörte, wie sie sagte:
»Ja, ich weiß, ich weiß es gut, daß ich dein bin.
Nie komm ich von dir mehr los!«
Ach, sie schluchzte, daß ich kaum
recht verstand, was sie sagte.
Darauf sprach der Herr:
»Und wenn du einen andern nimmst zum Manne,
und nehm ich mir ein and'res Weib,
so bleib ich dein doch immer, immer Dein.«
So hört ich's mit meinen Ohren.
Marta weinte und der Herr sprach leise weiter.
Aber sagt mir nur, was soll das heißen?
Wie kann unser Herr der Marta sagen,
daß er ihr gehöre?
Daß sie sein ist, das versteh ich,
ihm gehören wir ja alle.
Doch was wollt er damit sagen,
»Ich bleibe dein, doch immer dein!«

PEPA
Was kümmert's dich, was er auch sagen wollte?

MORUCCIO
Schweigt still, ihr Weiber, Marta kommt!

Dritte Szene

(arta tritt mit gesenktem Kopf durch die rechte Tür auf. Sie bemerkt die Frauen nicht. Sobald Marta ihrer ansichtig wird, eilt sie schnell durch die verhangene Tür ab)

NURI
Oh, sie ist fort!

PEPA
Marta, Marta, hörst du nicht? Aber wart nur, warte!
Dir zum Trotze kommen wir auf deine Hochzeit!

ROSALIA
Ist es möglich, daß sie's wagt, so in die Eh' zu treten?
In die heilige Ehe?

PEPA
Und wir werden alle kommen als ein lustig Brautgeleit!
Hahaha! Lustig, lustig soll es werden!

ANTONIA
Und wir werden alle kommen als ein lustig Brautgeleit!
Hahaha!

ROSALIA
Hahaha!

(Alle drei lachen)

MARTA
(weinend und gereizt)
Geht alle fort! Ich will niemanden sehen.

PEPA
Aber Herzchen, süßer Liebling, sag uns doch, warum?

ANTONIA
Da wir nun schon alles wissen.

MARTA
Fortgehen sollt ihr, hört ihr, fort!

ROSALIA
Wir sind nur gekommen, Liebling...

MARTA
Geht nach Hause, packt euch, schnell!

(Die Frauen rühren sich nicht. Marta faßt die Armkörbe, die die Weiber niedergesetzt hatten, und wirft sie zum Tor hinaus)

Hinaus damit und hinaus mit euch!

PEPA
Heil'ge Jungfrau, hilf uns doch!

(Die drei Frauen ab)

NURI
Und ich, soll ich auch gehen, Marta?
Ich bin ja die Nuri!

MARTA
Du bist es, Nuri, mein Kind?
Komm, küsse mich!

NURI
Aber deine Wangen sind ja naß!

MARTA
Laß nur!

NURI
Sei doch lustig.

MARTA
Könnt ich doch lustig sein,
wie ich einmal war als Kind!
Niemals werd ich wieder froh!
Niemals werd ich wieder lachen!

NURI
Aber Hochzeit machst du ja?

MARTA
Hochzeit mach ich... ja, so ist es.
Warum blieb ich nicht bei meinem Nein?
Ist nicht Wahnsinn, ein Verbrechen, diese Heirat?
O wie unglücklich bin ich!
Niemand hilft mir, niemand steht mir bei.

NURI
Mich hast du ja, Marta. Ich bin bei dir.

MARTA
(ohne sie gehört zu haben)
Niernand steht mir bei in meiner Not!
Diesen Pedro, wie hass ich ihn!
Er, mein Mann? Nein, nahn soll er mir nicht!
Ruhe will ich! Nichts als Ruhe will ich!

(Man hört draußen Lärmen)

Geh, mein Kind, das ist Sebastiano.
Er soll mich nicht weinen sehn,
sonst schlägt mich der Herr.

NURI
Das soll er nicht!

MARTA
Willst du ihn hindern?
Wüsst ich ganz genau, daß er mich totschlägt,
würd ich weinen, weinen, bis...

NURI
Ich versteh dich nicht! Wer darf dir was zu Leide tun?

MARTA
(sie hinausdrängend)
Geh, mein Schatz, und frage nicht.

(Nuri geht ab)

Vierte Szene

MARTA
Sein bin ich, sein!
Sein Eigentum! Jetzt und immer!
Hätt er mich doch fortgejagt!
Aber ich komm nicht los von ihm.
Niemals werd ich frei!
Heil'ge Jungfrau, schmerzensreiche!
Warum straft mich Gott so hart?
War ich sündig? War ich schlecht?
Sein bin ich, sein! Sein Eigentum!
Heil'ge Jungfrau, Mutter Gottes,
hilf mir, wenn du helfen kannst!

(ärm von draußen)

Kommen sie schon mich zu holen?
Kommt der Tölpel schon, den Gott verdamme?
Ich will ihn nicht sehen!

(Sie geht in ihr Zimmer)

Fünfte Szene

BAUERN, BÄUERINNEN
(draußen, vor dem Tor Pedro erwartend)
Er kommt!

NURI
Wo kommt er? Wo?

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
Den Berg herab, seht ihr ihn nicht?

BAUERN, BÄUERINNEN
Der Bräutigam!

MORUCCIO
(zieht Tommaso herein)
He, Tommaso, auf ein Wort!

TOMMASO
Was gibt's, mein Freund?

MORUCCIO
Seid Ihr das erste Mal in unsrer Gegend?

TOMMASO
Das erste Mal, mein Sohn.
Hoch oben wohn ich auf des Berges Hang,
in dieses Tal kam ich noch nie.

MORUCCIO
Doch Sebastiano, unsern Herrn, kennt Ihr den?

TOMMASO
Ein wack'rer Herr, ein edler Herr, Gott segne ihn.

MORUCCIO
Ihr wißt also nichts?

TOMMASO
Wovon denn? Sprich!

MORUCCIO
Die Frage bleibt nur offen,
ob der Pedro solch ein Dummkopf ist
oder bloß ein schlechter Kerl.

TOMMASO
Was soll das heißen? Ah, ich verstehe dich!...
Die Marta ist dir wohl entwischt?
Du hattest wohl gehofft?

MORUCCIO
Daß Gott mich behüte!

TOMMASO
Erkläre mir doch!

MORUCCIO
Das ist bald getan.
Mit ihrem Vater kam sie einmal bettelnd her.
Der Teufel weiß es, ob es ihr Vater war.
Ein schönes Kind, das muss ich sagen.
Das sagte auch der gnäd'ge Herr, Herr Sebastiano.
Die Mühle gab er hier dem alten Vagabunden,
dem schönen Kind zuliebe.
Und der und Marta... das weitre malt euch selber aus.

TOMMASO
Das ist erlogen! Muss erlogen sein!

MORUCCIO
Hört mich zu Ende an. Erfahren müßt Ihr auch,
warum er einen Mann für sie jetzt braucht!
Es geht ihm schlecht, dem Herrn Sebastiano,
der große Herr hat Schulden.
Er kann nicht aus noch ein. Die Pfändung droht.
In alle Winde fliegt das Gut,
wenn er nicht Hilfe schafft.
Die Hilfe bringt ihm denn ein reiches Mädchen.
Die aber kriegt er nicht, so lang er nicht
die bösen Zungen hier zum Schweigen bringt.
Die Sach' mit Marta muss ein Ende haben.
So will's die Welt.
Und darum, Ihr versteht,
wird Marta dieses Dummkopfs Frau.

TOMMASO
Das ist erlogen.

MORUCCIO
Sucht einen hier im Tale, der es nicht weiß.

TOMMASO
Ich sage dir...

MORUCCIO
Seid Ihr ein Ehrenmann,
müßt Ihr wie ich die drei verachten.

TOMMASO
Niederträcht'ger Lump!

MORUCCIO
So seid Ihr also kein Ehrenmann!

(Als beide mit ihren Stöcken aufeinander losgehen wollen, hört man draußen das Geräusch der Menge und sie halten ein)

Sechste Szene

(Pedro, Moruccio, Nuri, Antonia, Rosalia, Pepa, Männer und Frauen, Lärm und Gedränge. Die Dämmerung geht allmählich in Nacht über)

PEPA
Da ist er, seht nur!

ROSALIA
Pedro kommt!

ANTONIA
Der Bräutigam!

BAUERN, BÄUERINNEN
Der Bräutigam! Er lebe hoch!

PEDRO
Ja, ich bin da! Wie ein Gemsbock schnell
sprang ich herunter vom Berg ins Tal.
Da bin ich! Aber wo ist sie?
Wo ist mein Schätzchen, meine Braut?

PEPA
Marta!

ANTONIA
Komm doch heraus! Dein Bräutigam ist da!

PEDRO
O du mein Herrgott! Hier gibt's Menschen!
Und alle Menschen sind hier lustig,
man könnt fast glauben, wir heiraten alle!
Kennt ihr die Marta? Nicht wahr, die ist schön?
Ei Sapperlot!

PEPA
Schön und frisch!

ANTONIA
Wie eine Rosenknospe!

PEPA
Ich wünsche dir viel Glück!

ROSALIA
Ich wünsche dir viel Glück!

BÄUERINNEN
Wir wünschen dir viel Glück!

PEDRO
Ich dank euch sehr. Ich glaub mir's selber kaum,
daß solches Glück mir winkt.
Denkt euch nur: Marta wird mein Weib!
Die ganze Welt tanzt wie
in Feuerkreisen vor meinen Augen.
Das Glück zersprengt mir noch die Brust.
Marta ist mein, wird heute noch mein Weib.

TOMMASO
(zu Moruccio)
Wie konntest du glauben, daß Sebastiano...

MORUCCIO
Wenn du neugierig bist, so frag ihn doch,
den Herrn Sebastiano.
Schau, da kommt er selbst.

NURI
Der gnädige Herr kommt! Der Herr von uns allen!

Siebente Szene

(Sebastiano tritt ein)

SEBASTIANO
Ist Pedro noch nicht da?

PEDRO
Da bin ich, Herr, da bin ich schon!
Laßt mich Euch die Hände küssen.

SEBASTIANO
Laß sein! Und wo ist Marta?

PEPA
In der Kammer ist sie.

SEBASTIANO
So geh und hole sie.

(Pepa geht ab. Zu Pedro)

Bereit ist alles schon! Der Pfarrer ist bestellt,
in einer Stunde seid ihr Mann und Weib
Ein Segensspruch, und alles ist vorüber.

PEDRO
Wie soll ich, Herr, für Eure Güte danken?

PEPA
(kommt aus der Kammer zurück)
Sie wird bald kommen, läßt die Marta sagen.

SEBASTIANO
Was soll das heißen? Bald wird sie kommen?
Sie muss sofort zur Stelle sein, wenn ich sie rufe.

(Er geht bis an den Fuß der Treppe und ruft hinauf)

Marta!

TOMMASO
Ich muss Euch sprechen, Herr,
es liegt mir auf dem Herzen wie Zentnerlast.

SEBASTIANO
Was kümmert's mich, was dir am Herzen liegt.
Ein andermal.

TOMMASO
Es geht ums Seelenheil! Gleich muss es sein.

(Marta erscheint auf der Treppe)

SEBASTIANO
Ah, endlich!

(unwillig zu Tommaso)

Später, später,

MARTA
Da bin ich, Herr, wie Ihr befahlt!

(leise zu Sebastiano)

Erlaßt es mir! Um aller Heiligen Willen,
habt Mitleid mit mir Armen!

SEBASTIANO
(laut)
Du bist nicht lustig, Marta!
Schau dir den Pedro an,
der weiß sein Glück zu schätzen!

NURI
Die arme Marta weint...

ROSALIA
Sie weint, das arme Kind!

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
Sie weint, das arme Kind!

MARTA
(sich rasch die Tränen abwischend)
Wer sagt das? Wer? Wer sah mich weinen?
Der Herr befiehlt, und ich bin lustig!
Seht, ich lache!

(Sie lacht)

PEDRO
So soll es sein!
Nichts Lust'geres auf Erden als eine Hochzeit!
Was, ihr Leute?
Wie alles sich mit unserm Glücke freut!
Du aber hast mir noch kein Wort gesagt,
kein einzig Wort!
Sag mir doch was!

MARTA
Wir wollen gehen!

SEBASTIANO
(auf Pedros Gewand zeigend)
So geht man nicht zur Kirche!
Zerlumpt, zerrissen und in Fetzen.
Ich hab ein Gewand für dich besorgt.
Du mußt dich schön herausstaffieren!
Ein feiner junger Herr, ein Stutzer mußt du sein.
So schickt es sich für einen Bräutigam.

PEPA, ANTONIA, ROSALIA,
BAUERN, BÄUERINNEN
Ein feiner junger Herr!
Ein Stutzer gar!

PEDRO
Ein Stutzer, was ist das?

ANTONIA
Ein Stutzer ist ein Geck!

ROSALIA
Ein Stutzer ist ein Geck!

BÄUERINNEN
Ein Stutzer ist ein Geck!

PEDRO
Was ist ein Geck?

BAUERN, BÄUERINNEN
Hahaha!

PEDRO
Lacht ihr über mich? Ich rat es keinem!
Mit diesen Fäusten hau ich jeden nieder, der es wagt.
Was ist ein Geck? Gib Antwort!

(Die Bäuerinnen schreien auf)

MARTA
Die feigen Lümmel!
Von diesem Tölpel lassen sie sich prügeln.

SEBASTIANO
Pedro!

PEDRO
(beruhigt sich plötzlich; das Durcheinander hört auf)
Jetzt wär ich bald in Wut geraten.

SEBASTIANO
Zieh dir dein neues Gewand an und mach dich fertig.
Ich seh den Pfarrer kommen.

PEDRO
Kommt alle mit, helft mir mich schmücken.
Wir wollen lachen und lustig sein.
Heut ist ja mein Ehrentag, mein Freudentag.
Freut euch mit mir!

(Die Bauern mit Pedro ab)

PEPA
(zu den Bäuerinnen)
Zum Fenster kommt, wir schauen zu.

BÄUERINNEN
Wir schauen zu.

(Die Bäuerinnen ab)

TOMMASO
(zu Sebastiano)
Ich muss Euch sprechen, Herr. Es geht ums Leben!

SEBASTIANO
(ungeduldig)
Wenn's gar so dringend ist, erwart mich draußen.
Ich komme gleich.

TOMMASO
Ich werde warten, Herr.

(Er geht ab)

Achte Szene

(Marta hat während der ganzen Szene teilnahmslos auf einem Mühlstein im Hintergrund gesessen. Nun betrachtet Sebastiano sie einen Augenblick schweigend)

SEBASTIANO
Marta!

MARTA
Tu mit mir, was du willst, nur eines nicht,
gib mich nicht diesem Menschen!

SEBASTIANO
(höhnisch)
Ein andrer wäre dir wohl lieber!
Ein höfliches, zierliches Herrchen,
das schmachtende Lieder singt und die Augen verdreht.
Und mich wärst du gerne los. Hab ich's erraten?
Vergessen hast du längst, was ich dir Gutes getan.
Das ist der Dank für meine Liebe!

(Er will sie küssen, sie wendet sich unwillig ab)

Du kennst mich schlecht. Das laß ich mir nicht bieten!
Mein bist du, mein bleibst du!
Keinen andern Willen hast du als den meinen.
Komm her! Komm her, sag ich dir!

(Er macht eine drohende Gebärde)

Sag mir einmal, graut dir vor diesem Pedro?

MARTA
Ich kann's nicht schildern, wie's mir graut.

SEBASTIANO
So ist es recht, so will ich es haben.
So geht alles nach meinem Wunsche.
Würd ich die Heirat dulden,
glaubst du, wenn er dir gefiele?

MARTA
Oh, daß es einen Menschen gibt,
der weiß, wer ich bin und mich doch nimmt!
Gekauft hast du ihn, den Elenden. Schmach über ihn!

(zusammensinkend)

Schmach über mich!

SEBASTIANO
Die Liebe gleicht alles wieder aus.
Die Liebe zu mir! Verstehst du wohl?

MARTA
Laß mich, ich hab Angst vor dir!

SEBASTIANO
Du weißt es, Marta, du weißt es gut,
daß ich nichts lieb auf dieser Welt als dich.
Niemals laß ich dich.
Und wenn ich dich jetzt einem andern gebe,
so tu ich das, weil ich's tun muss!
Meine Liebe, mein Glück,
das nennt die Welt ein Ärgernis!
Der Welt zur Liebe geb ich dich dem Pedro,
und alles bleibt beim alten.
Ich laß dich nicht, ich werd dich niemals lassen!
Ich liebe dich und werd dich immer lieben!
Ich brauche dich, kann ohne dich nicht leben.
Ich halte dich und nie entkommst du mir.

MARTA
Ich fürchte mich vor dir!

SEBASTIANO
Nicht fürchten sollst du mich. Du sollst mich lieben!

MARTA
(ihn abwehrend)
Sebastiano!

SEBASTIANO
Du kennst mich nicht! Gib acht, du kennst mich nicht!
Ich dulde keinen Widerstand, ich hab ihn nie geduldet.
Zur Kirche wirst du gehn?

MARTA
gesprochen
Ja.

SEBASTIANO
Und du wirst Pedros Weib?

MARTA
(gesprochen)
Ja.

SEBASTIANO
Und bleibst mein Lieb?

MARTA
Nein, nein!

(Lachen von draußen)

Hör, sie kommen schon,
sie kommen schon mich holen!

SEBASTIANO
So ist es recht, das tut mir wohl,
von ihm fliehst du zu mir.

Neunte Szene

(Pedro, Rosalia, Antonia, Pepa, Nuri, Bauern und Bäuerinnen treten auf)

BAUERN
Er will kein Stutzer sein.

BÄUERINNEN
Von schönem Kleid will er nichts wissen.

PEDRO
Ich laß nicht einen Narren aus mir machen.
Gebt, wem ihr wollt, den bunten Trödel, mir nicht.
Die alte Jacke hier, die ist mir lieber!

SEBASTIANO
Mir ist es recht.
Du wirst getraut so wie du bist.
Marta, nimm die Mantille.

MARTA
Ja, ja, ich bin bereit.

(leise zu Sebastiano)

Und zwischen uns ist alles aus.

SEBASTIANO
(leise zu Marta)
Glaubst du? Ich glaub es nicht.
Heut nacht noch komm ich zu dir.
Siehst du in deiner Kammer Licht,
so weißt du, ich bin es.

NURI
Hier hast du die Mantille.

(Tommaso tritt durchs Tor ein)

MARTA
Und du bist es, mein liebes Kind,
die mir die Mantille bringt!

NURI
Nicht wahr, Marta,
du bist mir gut und bleibst mir gut.

MARTA
Ja, mein Kind...

(zu Sebastiano)

Schau her, ein unschuldiges Kind
wie Nuri war auch ich einmal.
So kam ich her in diese Mühle.

SEBASTIANO
(zuckt die Achseln)
Vorwärts, zur Kapelle!

(Draußen vor dem Tor beginnt sich der Zug zu formieren. Marta geht, auf Nuri gestützt, dem Ausgang zu, wo Pedro sie erwartet. Bauern und Bäuerinnen drängen nach)

BAUERN, BÄUERINNEN
Vorwärts, zur Kapelle!

TOMMASO
(zu Sebastiano)
Ich muss reden mit Euch. Sie dürfen nicht heiraten,
eh Ihr mir nicht Antwort gegeben.

SEBASTIANO
Was wollt Ihr, Alter, denn von mir?

PEDRO
(im Hintergrund sich Bahn schaffend)
Ohe, fort mit euch!

SEBASTIANO
(zu den Abgehenden)
Geht nur, geht, ich komme nach.

PEDRO
Hü, meine Herde, macht Platz.
Ich will neben meiner Marta gehn!
Vorwärts, hü!

(Alle gehen unter Lachen und Johlen in Unordnung ab)

Zehnte Szene

SEBASTIANO
(zu Moruccio, der zurückgeblieben ist)
Was suchst du noch, Moruccio?
Kannst du nicht auch zur Hochzeit gehn?

MORUCCIO
Zu dieser Hochzeit geh ich nicht.

SEBASTIANO
Warum denn nicht? Laß hören.

MORUCCIO
Ich will nicht, das muss Euch genügen.

SEBASTIANO
So muss es dir genügen, wenn ich sage:
Pack dein Bündel, und mach fort!

MORUCCIO
Das tu ich gern.

(Er geht nach hinten, wo er seine Sachen zusammenpackt)

SEBASTIANO
(zu Tommaso)
Und was willst du?

TOMMASO
So sonderbares ward mir erzählt von Euch und Marta,
und ich kann's nicht glauben.
Es wäre ja Betrug am armen Pedro,
der keine Ahnung hat von all den Dingen.

SEBASTIANO
Was kümmerst du dich, Alter, um solche Reden?
Die Leute schwatzen. Laß sie schwatzen.
Kein Wort von alledem ist wahr.

MORUCCIO
(gegen Moruccio die Faust ballend)
Ich dacht mir's gleich,
Verleumder du, du Schuft, du Lügner!

SEBASTIANO
Der also war's? Mach fort, sag ich.
Hinaus mit dir, sonst gibt es Prügel!
Ich jage dich wie einen Hund aus dieser Mühle.

MORUCCIO
(mustert Sebastiano von oben bis unten)
Mich? Ich möcht doch sehn, ob Ihr euch traut!

TOMMASO
Mit deinem Herrn wagst du so zu reden?

MORUCCIO
Mein Herr? Er ist's nicht mehr.
Ich wollt, er wär es nie gewesen.

SEBASTIANO
Hinaus!

MORUCCIO
Ich gehe schon! Doch eh ich gehe,
will ich dir vor Tommaso noch die Wahrheit sagen,
damit er wisse, wer von beiden hier der Lügner ist.
Der Schuft seid Ihr! Glaubt Ihr, ich sah es nicht,
wenn Ihr zur Marta in die Kammer schlicht
Glaubt Ihr, ich wüsst nicht warum Ihr die Marta zwingt,
daß sie jetzt den Dummkopf nimmt?
Die Wahrheit sage ich.
Hier heb ich die Hand und schwör's
bei meiner armen Mutter Seele,
daß ich die Wahrheit rede.
Auch Eure Mutter liegt im Grab,
so schwört gleich mir, wenn Ihr es wagt.

SEBASTIANO
Hör nicht auf ihn!

TOMMASO
Heilige Jungfrau, hilf!
Nun ist mir's klar, es darf nicht sein.
Ich laufe zur Kapelle und ich sag: Nein!

(In diesem Augenblick hört man die Glocken in der Kapelle läuten)

Die Glocken läuten, ach, es ist zu spät!
Was habt Ihr getan! Weh über Euch!

SEBASTIANO
Geschehen ist geschehen.
Beruhige dich und gute Nacht!

(Er geht ab)

TOMMASO
O welche Schmach und Schande!
Ich kann sie nicht sehen!
Ich kann nicht, will nicht. Fort!

(Tommaso und Moruccio ab Der Mond geht auf. Man hört von ferne den sich nähernden Festzug. Marta kommt)

Elfte Szene

(Pedro bleibt auf der Schwelle des Tores stehen und winkt den Vorübergehenden nach)

PEDRO
Das Fest ist vorbei. Nun Bursche,
geht nach Haus! Lebt wohl!
Ein jedes Schaf in seinen Stall!
Gut Nacht! Der Himmel sei mit euch.

(Er schliesst das Tor und kommt nach vorne. Marta sitzt mit gesenktem Kopf beim Tisch)

Das Tor ist zu. Wir sind allein.
So rede doch, sag ein Wort! Marta, mein Lieb!
Ach, ich weiß ein bessres Kosewort:
Marta, mein Weib!

MARTA
Was willst du? Laß mich in Frieden!

PEDRO
Was ist dir denn? Komm her, setz dich zu mir.

(Er setzt sich auf die Erde und lacht)

Da sitzt sich's am besten.

(Er sucht aus seinen Taschen Geld zusammen. Dann holt er aus seiner Brusttasche ein kleines Tüchlein, in dem sich Silberstücke befinden. Für sich)

Das soll eine Überraschung für sie werden!
Das Häufchen wiegt was!

(Er nähert sich Marta leise; als er sich hinter ihr befindet, berührt er mit einem Finger ihren Kopf)

Kuckuck!

MARTA
(fährt zusammen)
Was treibst du? Machst du immer solche Scherze?

PEDRO
Sei mir nicht bös! Willst du mir die Hand nicht geben?
Marta, deine Hand!

(Er bietet ihr das Geld)

MARTA
(Sie beachtet seine Hand gar nicht und geht zur anderen Seite)
Laß deine Scherze!
Ich bin nicht aufgelegt zum Lachen,
es ist spät, geh schlafen, Pedro.

PEDRO
Du Trotzkopf, wart!
Wie mach ich's nur?

(Er breitet das Tuch auf der Erde aus)

Schau her, das ist ein Taler.
Der erste, den ich mir verdiente.
Mein Blut klebt dran. Haha! Der Herr,
Herr Sebastiano, der gnäd'ge Herr gab mir den Taler.
Gott segne ihn, den guten Herrn.
So nimm den Taler doch!
Hab keine Angst! 's ist gut verdientes Geld.

MARTA
(weist seine Hand zurück, diesmal aber ohne Widerwillen)
Nein, nein, ich mag nicht.

PEDRO
Du meinst wohl gar, ich hab ihn leicht verdient?
Mein Leben gab ich drum, ja, ja, mein Leben!
Es kam in jeder Nacht ein Wolf in unsern Stall
und holt sich ein Böcklein. Den besten Hund zerriß er.
Zum Rasendwerden war es!
Ich war verzweifelt, war ganz krank vor Ärger,
und ich sagte mir: den Wolf erleg ich,
und kostet's mein Leben!
So leg ich mich denn nachts ins Felsgestein
auf die Lauer und wart auf ihn.
Der graue Dieb, der schlimme Wolf,
er sollt mir nicht entkommen.

(Marta beginnt aufmerksam zu werden)

So lag ich da, ganz Aug und Ohr,
versteckt in meinem Winkel.
Die Zeit verstrich, und über mir,
da wanderten die Sterne.
Vom Schneefeld über mir
hört ich das Wasser tropfen.
Dann war es wieder still, ganz still.
Auf einmal rauscht es leis im Gras
und über mir in einem Satz da fliegt's hinweg.
Ein heißer Atem streifte meinen Hals.
Das war der Wolf.
Der Hund schlägt an, die Schafe blöken
Ich spring auf und zieh mein Messer.
Und wie ich so im Wege stehe,
da kommt auch schon mein Wolf vorbei.
Der graue Dieb, der schlimme Wolf,
ein blutend Lamm im Maul.
Schnell spring ich ihn an und stoß ihm
mit Macht das Messer ins Herz.
Was dann geschah, ich weiß es nicht genau.
Umklammert hielt ich ihn, so wie er mich.
Er heulte und ich schrie, ich biß ihn und ich fühlte,
wie seine Zähne sich ins Fleisch mir gruben.
Umschlungen rollen wir den Berg hinab,
verbissen ineinander, zwei wütende Bestien,
die wild um ihr Leben kämpfen.
So stürzen wir hinunter in den Giessbach.
Man bracht mich heim in meine Hütte,
verband mir meine Wunden,
schlimm sah ich aus,
und Wochen lag ich auf dem Stroh.
Und eines Tages, ich konnt schon in der Sonne sitzen,
da kommt der gnäd'ge Herr herauf zu mir
und schenkt mir diesen Taler.
Und wie ich ihm dafür die Hand will küssen,
schießt aus der schlecht vernarbten Wunde
mein Blut hervor und färbt den Taler rot.
Das war ein hart verdientes Geld, nicht wahr?

MARTA
(bewegt)
Es ist schon spät. Zur Ruhe müssen wir.

PEDRO
So nimm das Geld, ich schenk es dir.

MARTA
Nein, nein, ich nehm es nicht.
Und nun gut Nacht! Dort hast du deine Kammer, geh.

PEDRO
In meine Kammer?
Nun scherzest wohl du?
Denn unsre Kammer, die ist dort.

(Er zeigt nach links)

MARTA
Ich scherze nicht, laß mich allein.

PEDRO
Du willst... daß ich... ist das dein Ernst?

MARTA
Zum Reden zwing mich nicht, sonst müßt ich sagen,
was zentnerschwer mein Herz belastet.
Ich will nicht reden, sonst müßt ich dir sagen,
was du an mir getan, du weißt es ja:
Schlecht warst du und schamlos!

PEDRO
(verblüfft)
Das sagst du mir? Was hab ich dir getan?
Mit welchem Rechte sprichst du so zu mir?
Was soll ich wissen?

MARTA
(voller Scham)
Was man dir sagte.

PEDRO
Gesagt? Man hat mir nichts gesagt.

MARTA
Soll ich zu meiner Schande es noch wiederholen?
Du mußt es wissen, du mußtest wissen, was du tatst,
als du zu deiner Frau mich nahmst.

PEDRO
Was ich tat? Ei ja, das weiß ich wohl.
Mein Glück nahm ich in beide Hände.
Ich will es halten, will es pflegen,
ein ganzes Leben lang.
Auf Erden lieb ich nichts als dich allein.
Und eine Sorge hab ich nur:
Dir Glück zu bringen, dir Glück zu schaffen.

(In diesem Augenblick erscheint ein Licht hinter dem Vorhang, mit dem Martas Tür verhängt ist)

MARTA
(entsetzt)
Mutter Gottes, steh mir bei!
Er wagt es zu kommen.

PEDRO
(überrascht)
Ein Licht? In deinem Zimmer Licht?
Wir sind nicht allein.

MARTA
(will ihren Schreck verbergen)
Niemand ist hier.

PEDRO
(sucht in seiner Brusttasche nach dem Messer und geht auf die Türe zu)
Und ich sage dir, ich irre mich nicht.

MARTA
(hält ihn auf)
Niemand ist da. Das Licht in meinem Zimmer,
ich hab es selbst entzündet.

PEDRO
Das kann nicht sein. Es war nicht dort,
als wir zur Mühle kamen.

(Das Licht verschwindet)

Nun ward es ausgelöscht.

MARTA
Du träumst, du bist geblendet.

PEDRO
Hast du nicht selbst gesagt,
daß früher ein Licht in deinem Zimmer war?
Nun ist es fort.

MARTA
Du träumst, ich habe nichts gesehn.

PEDRO
Du sahst kein Licht?

MARTA
Nein, sag ich dir, du hast geträumt.
Es war kein Licht in meinem Zimmer.

PEDRO
Geträumt hab ich?

MARTA
(für sich)
Er wagt es auch heute.

PEDRO
(verwirrt, im Selbstgespräch)
Ich hab kein Licht gesehn? Ich hab geträumt?

MARTA
(setzt sich auf einen Stuhl)
Ich werde hier die Nacht verbringen.
Ich hab dir schon gesagt, geh schlafen.

PEDRO
Ich weiß schon, ich dort drüben?
Und du? Aber ich geh noch nicht.

(Er setzt sich auf die Erde und streckt sich langsam aus)

MARTA
(für sich)
In meinem Kopf ist's wirr und wüst...
herzlos war er immer und grausam.
Doch nie hätt ich gedacht,
daß er so schlecht sein könnte.
Und dieser arme Kerl, er glaubt,
ich seh ihn nicht und achte seiner nicht.

PEDRO
(traurig, fast weinend, aber resigniert)
Was soll ich tun? Ich weiß es nicht.
Geduld! Geduld
Ich denk mir, ich schlafe dort oben am Felsen.
In deiner Nähe will ich sein.

(Er kriecht verstohlen in Martas Nähe)

Jetzt bet ich ein Vaterunser für meine guten Eltern,
die da droben stehen vor Gott.
Das andre Vaterunser aber bet ich nicht,
denn eine Frau, die hab ich jetzt.
Der Himmel gab sie mir.

MARTA
O großer Gott im Himmel,
wie schrecklich ist dein Strafgericht.

PEDRO
(im Halbschlaf)
Ringsum ist Ruhe. Still ist alles.
Der Wolf kommt heute nicht. Heut nicht…
ERSTER AUFZUG

ZWISCHENSPIEL

Erste Szene

(Das Innere der Mühle. Links eine Tür, zu der zwei Treppen führen und die durch einen Vorhang verdeckt ist. Rechts eine kleine Tür. Im Hintergrund das sehr große Eingangstor, durch das im Hintergrund der Gletscher erkennbar ist. Kurz vor Sonnenuntergang. Moruccio ist damit beschäftigt, Korn zu sieben. Pepa, Antonia und Rosalia stürmen herein)

PEPA
Sag uns doch, ist es wahr?

ANTONIA
Ist es wirklich wahr?

ROSALIA
Rede! Sprich! Gib Antwort!

PEPA
Also rasch, erzähle!
Macht die Marta wirklich Hochzeit?

(Moruccio leert unterdessen gleichmütig sein Sieb und füllt es dann wieder mit frischem Korn)

MORUCCIO
»An der offenen Kirchentüre wartet schon die Braut!«

PEPA
Ha, dich ärgert's! Kann mir's denken,
daß die Marta dich nicht nimmt.
Müller wärst du gern geworden
Seit der alte Müller starb, ist nun bald ein Jahr vorbei,
aber Marta nimmt dich nicht.

ANTONIA, ROSALIA
Nimmt dich nicht.

PEPA
Bist zu alt, zu häßlich, bist ein Brummbär!

ANTONIA
Plump und mürrisch!

ROSALIA
(schmeichlerisch)
Wenn wir aber recht sehr bitten,
wirst du endlich doch erzählen .

MORUCCIO
(wie vorher)
»An der offenen Kirchentüre wartet schon die Braut!«

ANTONIA
Du bist es, der wartet.

PEPA
Wo ist Marta?

ROSALIA
Ja, wo ist sie?

ANTONIA
Ist sie in der Mühle?

(Moruccio zuckt die Achseln)

PEPA
Laßt ihn laufen, diesen Starrkopf!

Zweite Szene

(Nuri tritt ein. Sie strickt an einer Jacke)

NURI
Da bin ich!
Alle Hühner hab ich in den Stall gebracht.
Und sie schlafen schon.
Darf ich herein?

ANTONIA
Komm nur, komm!

NURI
Und ihr werdet mich nicht schelten, wie ihr's immer tut,
wenn ich Marta besuche.
Mich hat sie lieb, lieber als euch.

PEPA
Weißt du was?

ANTONIA
Neuigkeiten?

ROSALIA
Rede! Sprich! Erzähle!

NURI
Was denn soll ich euch erzählen?

PEPA
Warst du bei Tommaso?

NURI
Bei Tommaso war ich. Und er hat mir viel erzählt.
Ach so vieles und so schönes!

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
Was denn? Was denn? Was?

NURI
Er sagte zu mir:
»Schau, mein Kind, alles was du siehst hier,
so weit dein Auge reicht,
alles das gehört dem Herrn,
unserm Herrn Sebastiano.
Das Häuschen wo ihr wohnt,
die Mühle dort am Fluß,
mein Hüttchen, das am Berge klebt,
und das Gehöft mit Turm und hohem Dach,
das unser Herr bewohnt,
das alles, alles, hoch hinauf den Berg
und tief hinab ins Tal,
alles das gehört dem Herrn,
unserm Herrn Sebastiano«.

PEPA
Alles das wissen wir.

NURI
Ich aber, ich wusst es nicht,
und Tommaso, der vom Berge kam,
und der nie es gesehn, der weiß das alles.

PEPA
Und wo ist Tommaso jetzt?

NURI
In die Berge ging er mit dem Herrn.
Hoch hinauf, wo schon die Gletscher
an die letzten Wiesen grenzen.
Einen Hirten bringt er her,
und der Hirte, denkt nur, denkt,
der soll kommen, heut abend noch
und Hochzeit machen mit der Marta.

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
Gott sei Dank, jetzt wissen wir's!

MORUCCIO
(der alles gehört hat)
Hol der Teufel diese Hexen,
haben sie es doch erfahren!

ANTONIA
Heute abend? Wer befahl's?

NURI
Wer's befahl? Ei unser Herr.
Er befiehlt und es geschieht.
So befahl er auch die Hochzeit
der Marta und dem Hirten.
Lang schon wusst ich,
daß sie unserm Herrn gehöre,
nur verstand ich's damals nicht.

ANTONIA
Was sagst du da?

NURI
Ich sag, was ich einmal hörte.

PEPA
Warum hast du's uns verschwiegen?

NURI
Weil ich mich schämte. Weiß selber nicht warum.

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
So erzähle! Rede! Sprich!

NURI
An einem Abend war's,
der Mond ging auf hinterm Weidenbusch
und ich lag am Wiesenrand.
Seht, da kam am Fluß entlang
Marta mit dem Herrn.
Und ich hörte Marta weinen,
und ich hörte, wie sie sagte:
»Ja, ich weiß, ich weiß es gut, daß ich dein bin.
Nie komm ich von dir mehr los!«
Ach, sie schluchzte, daß ich kaum
recht verstand, was sie sagte.
Darauf sprach der Herr:
»Und wenn du einen andern nimmst zum Manne,
und nehm ich mir ein and'res Weib,
so bleib ich dein doch immer, immer Dein.«
So hört ich's mit meinen Ohren.
Marta weinte und der Herr sprach leise weiter.
Aber sagt mir nur, was soll das heißen?
Wie kann unser Herr der Marta sagen,
daß er ihr gehöre?
Daß sie sein ist, das versteh ich,
ihm gehören wir ja alle.
Doch was wollt er damit sagen,
»Ich bleibe dein, doch immer dein!«

PEPA
Was kümmert's dich, was er auch sagen wollte?

MORUCCIO
Schweigt still, ihr Weiber, Marta kommt!

Dritte Szene

(arta tritt mit gesenktem Kopf durch die rechte Tür auf. Sie bemerkt die Frauen nicht. Sobald Marta ihrer ansichtig wird, eilt sie schnell durch die verhangene Tür ab)

NURI
Oh, sie ist fort!

PEPA
Marta, Marta, hörst du nicht? Aber wart nur, warte!
Dir zum Trotze kommen wir auf deine Hochzeit!

ROSALIA
Ist es möglich, daß sie's wagt, so in die Eh' zu treten?
In die heilige Ehe?

PEPA
Und wir werden alle kommen als ein lustig Brautgeleit!
Hahaha! Lustig, lustig soll es werden!

ANTONIA
Und wir werden alle kommen als ein lustig Brautgeleit!
Hahaha!

ROSALIA
Hahaha!

(Alle drei lachen)

MARTA
(weinend und gereizt)
Geht alle fort! Ich will niemanden sehen.

PEPA
Aber Herzchen, süßer Liebling, sag uns doch, warum?

ANTONIA
Da wir nun schon alles wissen.

MARTA
Fortgehen sollt ihr, hört ihr, fort!

ROSALIA
Wir sind nur gekommen, Liebling...

MARTA
Geht nach Hause, packt euch, schnell!

(Die Frauen rühren sich nicht. Marta faßt die Armkörbe, die die Weiber niedergesetzt hatten, und wirft sie zum Tor hinaus)

Hinaus damit und hinaus mit euch!

PEPA
Heil'ge Jungfrau, hilf uns doch!

(Die drei Frauen ab)

NURI
Und ich, soll ich auch gehen, Marta?
Ich bin ja die Nuri!

MARTA
Du bist es, Nuri, mein Kind?
Komm, küsse mich!

NURI
Aber deine Wangen sind ja naß!

MARTA
Laß nur!

NURI
Sei doch lustig.

MARTA
Könnt ich doch lustig sein,
wie ich einmal war als Kind!
Niemals werd ich wieder froh!
Niemals werd ich wieder lachen!

NURI
Aber Hochzeit machst du ja?

MARTA
Hochzeit mach ich... ja, so ist es.
Warum blieb ich nicht bei meinem Nein?
Ist nicht Wahnsinn, ein Verbrechen, diese Heirat?
O wie unglücklich bin ich!
Niemand hilft mir, niemand steht mir bei.

NURI
Mich hast du ja, Marta. Ich bin bei dir.

MARTA
(ohne sie gehört zu haben)
Niernand steht mir bei in meiner Not!
Diesen Pedro, wie hass ich ihn!
Er, mein Mann? Nein, nahn soll er mir nicht!
Ruhe will ich! Nichts als Ruhe will ich!

(Man hört draußen Lärmen)

Geh, mein Kind, das ist Sebastiano.
Er soll mich nicht weinen sehn,
sonst schlägt mich der Herr.

NURI
Das soll er nicht!

MARTA
Willst du ihn hindern?
Wüsst ich ganz genau, daß er mich totschlägt,
würd ich weinen, weinen, bis...

NURI
Ich versteh dich nicht! Wer darf dir was zu Leide tun?

MARTA
(sie hinausdrängend)
Geh, mein Schatz, und frage nicht.

(Nuri geht ab)

Vierte Szene

MARTA
Sein bin ich, sein!
Sein Eigentum! Jetzt und immer!
Hätt er mich doch fortgejagt!
Aber ich komm nicht los von ihm.
Niemals werd ich frei!
Heil'ge Jungfrau, schmerzensreiche!
Warum straft mich Gott so hart?
War ich sündig? War ich schlecht?
Sein bin ich, sein! Sein Eigentum!
Heil'ge Jungfrau, Mutter Gottes,
hilf mir, wenn du helfen kannst!

(ärm von draußen)

Kommen sie schon mich zu holen?
Kommt der Tölpel schon, den Gott verdamme?
Ich will ihn nicht sehen!

(Sie geht in ihr Zimmer)

Fünfte Szene

BAUERN, BÄUERINNEN
(draußen, vor dem Tor Pedro erwartend)
Er kommt!

NURI
Wo kommt er? Wo?

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
Den Berg herab, seht ihr ihn nicht?

BAUERN, BÄUERINNEN
Der Bräutigam!

MORUCCIO
(zieht Tommaso herein)
He, Tommaso, auf ein Wort!

TOMMASO
Was gibt's, mein Freund?

MORUCCIO
Seid Ihr das erste Mal in unsrer Gegend?

TOMMASO
Das erste Mal, mein Sohn.
Hoch oben wohn ich auf des Berges Hang,
in dieses Tal kam ich noch nie.

MORUCCIO
Doch Sebastiano, unsern Herrn, kennt Ihr den?

TOMMASO
Ein wack'rer Herr, ein edler Herr, Gott segne ihn.

MORUCCIO
Ihr wißt also nichts?

TOMMASO
Wovon denn? Sprich!

MORUCCIO
Die Frage bleibt nur offen,
ob der Pedro solch ein Dummkopf ist
oder bloß ein schlechter Kerl.

TOMMASO
Was soll das heißen? Ah, ich verstehe dich!...
Die Marta ist dir wohl entwischt?
Du hattest wohl gehofft?

MORUCCIO
Daß Gott mich behüte!

TOMMASO
Erkläre mir doch!

MORUCCIO
Das ist bald getan.
Mit ihrem Vater kam sie einmal bettelnd her.
Der Teufel weiß es, ob es ihr Vater war.
Ein schönes Kind, das muss ich sagen.
Das sagte auch der gnäd'ge Herr, Herr Sebastiano.
Die Mühle gab er hier dem alten Vagabunden,
dem schönen Kind zuliebe.
Und der und Marta... das weitre malt euch selber aus.

TOMMASO
Das ist erlogen! Muss erlogen sein!

MORUCCIO
Hört mich zu Ende an. Erfahren müßt Ihr auch,
warum er einen Mann für sie jetzt braucht!
Es geht ihm schlecht, dem Herrn Sebastiano,
der große Herr hat Schulden.
Er kann nicht aus noch ein. Die Pfändung droht.
In alle Winde fliegt das Gut,
wenn er nicht Hilfe schafft.
Die Hilfe bringt ihm denn ein reiches Mädchen.
Die aber kriegt er nicht, so lang er nicht
die bösen Zungen hier zum Schweigen bringt.
Die Sach' mit Marta muss ein Ende haben.
So will's die Welt.
Und darum, Ihr versteht,
wird Marta dieses Dummkopfs Frau.

TOMMASO
Das ist erlogen.

MORUCCIO
Sucht einen hier im Tale, der es nicht weiß.

TOMMASO
Ich sage dir...

MORUCCIO
Seid Ihr ein Ehrenmann,
müßt Ihr wie ich die drei verachten.

TOMMASO
Niederträcht'ger Lump!

MORUCCIO
So seid Ihr also kein Ehrenmann!

(Als beide mit ihren Stöcken aufeinander losgehen wollen, hört man draußen das Geräusch der Menge und sie halten ein)

Sechste Szene

(Pedro, Moruccio, Nuri, Antonia, Rosalia, Pepa, Männer und Frauen, Lärm und Gedränge. Die Dämmerung geht allmählich in Nacht über)

PEPA
Da ist er, seht nur!

ROSALIA
Pedro kommt!

ANTONIA
Der Bräutigam!

BAUERN, BÄUERINNEN
Der Bräutigam! Er lebe hoch!

PEDRO
Ja, ich bin da! Wie ein Gemsbock schnell
sprang ich herunter vom Berg ins Tal.
Da bin ich! Aber wo ist sie?
Wo ist mein Schätzchen, meine Braut?

PEPA
Marta!

ANTONIA
Komm doch heraus! Dein Bräutigam ist da!

PEDRO
O du mein Herrgott! Hier gibt's Menschen!
Und alle Menschen sind hier lustig,
man könnt fast glauben, wir heiraten alle!
Kennt ihr die Marta? Nicht wahr, die ist schön?
Ei Sapperlot!

PEPA
Schön und frisch!

ANTONIA
Wie eine Rosenknospe!

PEPA
Ich wünsche dir viel Glück!

ROSALIA
Ich wünsche dir viel Glück!

BÄUERINNEN
Wir wünschen dir viel Glück!

PEDRO
Ich dank euch sehr. Ich glaub mir's selber kaum,
daß solches Glück mir winkt.
Denkt euch nur: Marta wird mein Weib!
Die ganze Welt tanzt wie
in Feuerkreisen vor meinen Augen.
Das Glück zersprengt mir noch die Brust.
Marta ist mein, wird heute noch mein Weib.

TOMMASO
(zu Moruccio)
Wie konntest du glauben, daß Sebastiano...

MORUCCIO
Wenn du neugierig bist, so frag ihn doch,
den Herrn Sebastiano.
Schau, da kommt er selbst.

NURI
Der gnädige Herr kommt! Der Herr von uns allen!

Siebente Szene

(Sebastiano tritt ein)

SEBASTIANO
Ist Pedro noch nicht da?

PEDRO
Da bin ich, Herr, da bin ich schon!
Laßt mich Euch die Hände küssen.

SEBASTIANO
Laß sein! Und wo ist Marta?

PEPA
In der Kammer ist sie.

SEBASTIANO
So geh und hole sie.

(Pepa geht ab. Zu Pedro)

Bereit ist alles schon! Der Pfarrer ist bestellt,
in einer Stunde seid ihr Mann und Weib
Ein Segensspruch, und alles ist vorüber.

PEDRO
Wie soll ich, Herr, für Eure Güte danken?

PEPA
(kommt aus der Kammer zurück)
Sie wird bald kommen, läßt die Marta sagen.

SEBASTIANO
Was soll das heißen? Bald wird sie kommen?
Sie muss sofort zur Stelle sein, wenn ich sie rufe.

(Er geht bis an den Fuß der Treppe und ruft hinauf)

Marta!

TOMMASO
Ich muss Euch sprechen, Herr,
es liegt mir auf dem Herzen wie Zentnerlast.

SEBASTIANO
Was kümmert's mich, was dir am Herzen liegt.
Ein andermal.

TOMMASO
Es geht ums Seelenheil! Gleich muss es sein.

(Marta erscheint auf der Treppe)

SEBASTIANO
Ah, endlich!

(unwillig zu Tommaso)

Später, später,

MARTA
Da bin ich, Herr, wie Ihr befahlt!

(leise zu Sebastiano)

Erlaßt es mir! Um aller Heiligen Willen,
habt Mitleid mit mir Armen!

SEBASTIANO
(laut)
Du bist nicht lustig, Marta!
Schau dir den Pedro an,
der weiß sein Glück zu schätzen!

NURI
Die arme Marta weint...

ROSALIA
Sie weint, das arme Kind!

PEPA, ANTONIA, ROSALIA
Sie weint, das arme Kind!

MARTA
(sich rasch die Tränen abwischend)
Wer sagt das? Wer? Wer sah mich weinen?
Der Herr befiehlt, und ich bin lustig!
Seht, ich lache!

(Sie lacht)

PEDRO
So soll es sein!
Nichts Lust'geres auf Erden als eine Hochzeit!
Was, ihr Leute?
Wie alles sich mit unserm Glücke freut!
Du aber hast mir noch kein Wort gesagt,
kein einzig Wort!
Sag mir doch was!

MARTA
Wir wollen gehen!

SEBASTIANO
(auf Pedros Gewand zeigend)
So geht man nicht zur Kirche!
Zerlumpt, zerrissen und in Fetzen.
Ich hab ein Gewand für dich besorgt.
Du mußt dich schön herausstaffieren!
Ein feiner junger Herr, ein Stutzer mußt du sein.
So schickt es sich für einen Bräutigam.

PEPA, ANTONIA, ROSALIA,
BAUERN, BÄUERINNEN
Ein feiner junger Herr!
Ein Stutzer gar!

PEDRO
Ein Stutzer, was ist das?

ANTONIA
Ein Stutzer ist ein Geck!

ROSALIA
Ein Stutzer ist ein Geck!

BÄUERINNEN
Ein Stutzer ist ein Geck!

PEDRO
Was ist ein Geck?

BAUERN, BÄUERINNEN
Hahaha!

PEDRO
Lacht ihr über mich? Ich rat es keinem!
Mit diesen Fäusten hau ich jeden nieder, der es wagt.
Was ist ein Geck? Gib Antwort!

(Die Bäuerinnen schreien auf)

MARTA
Die feigen Lümmel!
Von diesem Tölpel lassen sie sich prügeln.

SEBASTIANO
Pedro!

PEDRO
(beruhigt sich plötzlich; das Durcheinander hört auf)
Jetzt wär ich bald in Wut geraten.

SEBASTIANO
Zieh dir dein neues Gewand an und mach dich fertig.
Ich seh den Pfarrer kommen.

PEDRO
Kommt alle mit, helft mir mich schmücken.
Wir wollen lachen und lustig sein.
Heut ist ja mein Ehrentag, mein Freudentag.
Freut euch mit mir!

(Die Bauern mit Pedro ab)

PEPA
(zu den Bäuerinnen)
Zum Fenster kommt, wir schauen zu.

BÄUERINNEN
Wir schauen zu.

(Die Bäuerinnen ab)

TOMMASO
(zu Sebastiano)
Ich muss Euch sprechen, Herr. Es geht ums Leben!

SEBASTIANO
(ungeduldig)
Wenn's gar so dringend ist, erwart mich draußen.
Ich komme gleich.

TOMMASO
Ich werde warten, Herr.

(Er geht ab)

Achte Szene

(Marta hat während der ganzen Szene teilnahmslos auf einem Mühlstein im Hintergrund gesessen. Nun betrachtet Sebastiano sie einen Augenblick schweigend)

SEBASTIANO
Marta!

MARTA
Tu mit mir, was du willst, nur eines nicht,
gib mich nicht diesem Menschen!

SEBASTIANO
(höhnisch)
Ein andrer wäre dir wohl lieber!
Ein höfliches, zierliches Herrchen,
das schmachtende Lieder singt und die Augen verdreht.
Und mich wärst du gerne los. Hab ich's erraten?
Vergessen hast du längst, was ich dir Gutes getan.
Das ist der Dank für meine Liebe!

(Er will sie küssen, sie wendet sich unwillig ab)

Du kennst mich schlecht. Das laß ich mir nicht bieten!
Mein bist du, mein bleibst du!
Keinen andern Willen hast du als den meinen.
Komm her! Komm her, sag ich dir!

(Er macht eine drohende Gebärde)

Sag mir einmal, graut dir vor diesem Pedro?

MARTA
Ich kann's nicht schildern, wie's mir graut.

SEBASTIANO
So ist es recht, so will ich es haben.
So geht alles nach meinem Wunsche.
Würd ich die Heirat dulden,
glaubst du, wenn er dir gefiele?

MARTA
Oh, daß es einen Menschen gibt,
der weiß, wer ich bin und mich doch nimmt!
Gekauft hast du ihn, den Elenden. Schmach über ihn!

(zusammensinkend)

Schmach über mich!

SEBASTIANO
Die Liebe gleicht alles wieder aus.
Die Liebe zu mir! Verstehst du wohl?

MARTA
Laß mich, ich hab Angst vor dir!

SEBASTIANO
Du weißt es, Marta, du weißt es gut,
daß ich nichts lieb auf dieser Welt als dich.
Niemals laß ich dich.
Und wenn ich dich jetzt einem andern gebe,
so tu ich das, weil ich's tun muss!
Meine Liebe, mein Glück,
das nennt die Welt ein Ärgernis!
Der Welt zur Liebe geb ich dich dem Pedro,
und alles bleibt beim alten.
Ich laß dich nicht, ich werd dich niemals lassen!
Ich liebe dich und werd dich immer lieben!
Ich brauche dich, kann ohne dich nicht leben.
Ich halte dich und nie entkommst du mir.

MARTA
Ich fürchte mich vor dir!

SEBASTIANO
Nicht fürchten sollst du mich. Du sollst mich lieben!

MARTA
(ihn abwehrend)
Sebastiano!

SEBASTIANO
Du kennst mich nicht! Gib acht, du kennst mich nicht!
Ich dulde keinen Widerstand, ich hab ihn nie geduldet.
Zur Kirche wirst du gehn?

MARTA
gesprochen
Ja.

SEBASTIANO
Und du wirst Pedros Weib?

MARTA
(gesprochen)
Ja.

SEBASTIANO
Und bleibst mein Lieb?

MARTA
Nein, nein!

(Lachen von draußen)

Hör, sie kommen schon,
sie kommen schon mich holen!

SEBASTIANO
So ist es recht, das tut mir wohl,
von ihm fliehst du zu mir.

Neunte Szene

(Pedro, Rosalia, Antonia, Pepa, Nuri, Bauern und Bäuerinnen treten auf)

BAUERN
Er will kein Stutzer sein.

BÄUERINNEN
Von schönem Kleid will er nichts wissen.

PEDRO
Ich laß nicht einen Narren aus mir machen.
Gebt, wem ihr wollt, den bunten Trödel, mir nicht.
Die alte Jacke hier, die ist mir lieber!

SEBASTIANO
Mir ist es recht.
Du wirst getraut so wie du bist.
Marta, nimm die Mantille.

MARTA
Ja, ja, ich bin bereit.

(leise zu Sebastiano)

Und zwischen uns ist alles aus.

SEBASTIANO
(leise zu Marta)
Glaubst du? Ich glaub es nicht.
Heut nacht noch komm ich zu dir.
Siehst du in deiner Kammer Licht,
so weißt du, ich bin es.

NURI
Hier hast du die Mantille.

(Tommaso tritt durchs Tor ein)

MARTA
Und du bist es, mein liebes Kind,
die mir die Mantille bringt!

NURI
Nicht wahr, Marta,
du bist mir gut und bleibst mir gut.

MARTA
Ja, mein Kind...

(zu Sebastiano)

Schau her, ein unschuldiges Kind
wie Nuri war auch ich einmal.
So kam ich her in diese Mühle.

SEBASTIANO
(zuckt die Achseln)
Vorwärts, zur Kapelle!

(Draußen vor dem Tor beginnt sich der Zug zu formieren. Marta geht, auf Nuri gestützt, dem Ausgang zu, wo Pedro sie erwartet. Bauern und Bäuerinnen drängen nach)

BAUERN, BÄUERINNEN
Vorwärts, zur Kapelle!

TOMMASO
(zu Sebastiano)
Ich muss reden mit Euch. Sie dürfen nicht heiraten,
eh Ihr mir nicht Antwort gegeben.

SEBASTIANO
Was wollt Ihr, Alter, denn von mir?

PEDRO
(im Hintergrund sich Bahn schaffend)
Ohe, fort mit euch!

SEBASTIANO
(zu den Abgehenden)
Geht nur, geht, ich komme nach.

PEDRO
Hü, meine Herde, macht Platz.
Ich will neben meiner Marta gehn!
Vorwärts, hü!

(Alle gehen unter Lachen und Johlen in Unordnung ab)

Zehnte Szene

SEBASTIANO
(zu Moruccio, der zurückgeblieben ist)
Was suchst du noch, Moruccio?
Kannst du nicht auch zur Hochzeit gehn?

MORUCCIO
Zu dieser Hochzeit geh ich nicht.

SEBASTIANO
Warum denn nicht? Laß hören.

MORUCCIO
Ich will nicht, das muss Euch genügen.

SEBASTIANO
So muss es dir genügen, wenn ich sage:
Pack dein Bündel, und mach fort!

MORUCCIO
Das tu ich gern.

(Er geht nach hinten, wo er seine Sachen zusammenpackt)

SEBASTIANO
(zu Tommaso)
Und was willst du?

TOMMASO
So sonderbares ward mir erzählt von Euch und Marta,
und ich kann's nicht glauben.
Es wäre ja Betrug am armen Pedro,
der keine Ahnung hat von all den Dingen.

SEBASTIANO
Was kümmerst du dich, Alter, um solche Reden?
Die Leute schwatzen. Laß sie schwatzen.
Kein Wort von alledem ist wahr.

MORUCCIO
(gegen Moruccio die Faust ballend)
Ich dacht mir's gleich,
Verleumder du, du Schuft, du Lügner!

SEBASTIANO
Der also war's? Mach fort, sag ich.
Hinaus mit dir, sonst gibt es Prügel!
Ich jage dich wie einen Hund aus dieser Mühle.

MORUCCIO
(mustert Sebastiano von oben bis unten)
Mich? Ich möcht doch sehn, ob Ihr euch traut!

TOMMASO
Mit deinem Herrn wagst du so zu reden?

MORUCCIO
Mein Herr? Er ist's nicht mehr.
Ich wollt, er wär es nie gewesen.

SEBASTIANO
Hinaus!

MORUCCIO
Ich gehe schon! Doch eh ich gehe,
will ich dir vor Tommaso noch die Wahrheit sagen,
damit er wisse, wer von beiden hier der Lügner ist.
Der Schuft seid Ihr! Glaubt Ihr, ich sah es nicht,
wenn Ihr zur Marta in die Kammer schlicht
Glaubt Ihr, ich wüsst nicht warum Ihr die Marta zwingt,
daß sie jetzt den Dummkopf nimmt?
Die Wahrheit sage ich.
Hier heb ich die Hand und schwör's
bei meiner armen Mutter Seele,
daß ich die Wahrheit rede.
Auch Eure Mutter liegt im Grab,
so schwört gleich mir, wenn Ihr es wagt.

SEBASTIANO
Hör nicht auf ihn!

TOMMASO
Heilige Jungfrau, hilf!
Nun ist mir's klar, es darf nicht sein.
Ich laufe zur Kapelle und ich sag: Nein!

(In diesem Augenblick hört man die Glocken in der Kapelle läuten)

Die Glocken läuten, ach, es ist zu spät!
Was habt Ihr getan! Weh über Euch!

SEBASTIANO
Geschehen ist geschehen.
Beruhige dich und gute Nacht!

(Er geht ab)

TOMMASO
O welche Schmach und Schande!
Ich kann sie nicht sehen!
Ich kann nicht, will nicht. Fort!

(Tommaso und Moruccio ab Der Mond geht auf. Man hört von ferne den sich nähernden Festzug. Marta kommt)

Elfte Szene

(Pedro bleibt auf der Schwelle des Tores stehen und winkt den Vorübergehenden nach)

PEDRO
Das Fest ist vorbei. Nun Bursche,
geht nach Haus! Lebt wohl!
Ein jedes Schaf in seinen Stall!
Gut Nacht! Der Himmel sei mit euch.

(Er schliesst das Tor und kommt nach vorne. Marta sitzt mit gesenktem Kopf beim Tisch)

Das Tor ist zu. Wir sind allein.
So rede doch, sag ein Wort! Marta, mein Lieb!
Ach, ich weiß ein bessres Kosewort:
Marta, mein Weib!

MARTA
Was willst du? Laß mich in Frieden!

PEDRO
Was ist dir denn? Komm her, setz dich zu mir.

(Er setzt sich auf die Erde und lacht)

Da sitzt sich's am besten.

(Er sucht aus seinen Taschen Geld zusammen. Dann holt er aus seiner Brusttasche ein kleines Tüchlein, in dem sich Silberstücke befinden. Für sich)

Das soll eine Überraschung für sie werden!
Das Häufchen wiegt was!

(Er nähert sich Marta leise; als er sich hinter ihr befindet, berührt er mit einem Finger ihren Kopf)

Kuckuck!

MARTA
(fährt zusammen)
Was treibst du? Machst du immer solche Scherze?

PEDRO
Sei mir nicht bös! Willst du mir die Hand nicht geben?
Marta, deine Hand!

(Er bietet ihr das Geld)

MARTA
(Sie beachtet seine Hand gar nicht und geht zur anderen Seite)
Laß deine Scherze!
Ich bin nicht aufgelegt zum Lachen,
es ist spät, geh schlafen, Pedro.

PEDRO
Du Trotzkopf, wart!
Wie mach ich's nur?

(Er breitet das Tuch auf der Erde aus)

Schau her, das ist ein Taler.
Der erste, den ich mir verdiente.
Mein Blut klebt dran. Haha! Der Herr,
Herr Sebastiano, der gnäd'ge Herr gab mir den Taler.
Gott segne ihn, den guten Herrn.
So nimm den Taler doch!
Hab keine Angst! 's ist gut verdientes Geld.

MARTA
(weist seine Hand zurück, diesmal aber ohne Widerwillen)
Nein, nein, ich mag nicht.

PEDRO
Du meinst wohl gar, ich hab ihn leicht verdient?
Mein Leben gab ich drum, ja, ja, mein Leben!
Es kam in jeder Nacht ein Wolf in unsern Stall
und holt sich ein Böcklein. Den besten Hund zerriß er.
Zum Rasendwerden war es!
Ich war verzweifelt, war ganz krank vor Ärger,
und ich sagte mir: den Wolf erleg ich,
und kostet's mein Leben!
So leg ich mich denn nachts ins Felsgestein
auf die Lauer und wart auf ihn.
Der graue Dieb, der schlimme Wolf,
er sollt mir nicht entkommen.

(Marta beginnt aufmerksam zu werden)

So lag ich da, ganz Aug und Ohr,
versteckt in meinem Winkel.
Die Zeit verstrich, und über mir,
da wanderten die Sterne.
Vom Schneefeld über mir
hört ich das Wasser tropfen.
Dann war es wieder still, ganz still.
Auf einmal rauscht es leis im Gras
und über mir in einem Satz da fliegt's hinweg.
Ein heißer Atem streifte meinen Hals.
Das war der Wolf.
Der Hund schlägt an, die Schafe blöken
Ich spring auf und zieh mein Messer.
Und wie ich so im Wege stehe,
da kommt auch schon mein Wolf vorbei.
Der graue Dieb, der schlimme Wolf,
ein blutend Lamm im Maul.
Schnell spring ich ihn an und stoß ihm
mit Macht das Messer ins Herz.
Was dann geschah, ich weiß es nicht genau.
Umklammert hielt ich ihn, so wie er mich.
Er heulte und ich schrie, ich biß ihn und ich fühlte,
wie seine Zähne sich ins Fleisch mir gruben.
Umschlungen rollen wir den Berg hinab,
verbissen ineinander, zwei wütende Bestien,
die wild um ihr Leben kämpfen.
So stürzen wir hinunter in den Giessbach.
Man bracht mich heim in meine Hütte,
verband mir meine Wunden,
schlimm sah ich aus,
und Wochen lag ich auf dem Stroh.
Und eines Tages, ich konnt schon in der Sonne sitzen,
da kommt der gnäd'ge Herr herauf zu mir
und schenkt mir diesen Taler.
Und wie ich ihm dafür die Hand will küssen,
schießt aus der schlecht vernarbten Wunde
mein Blut hervor und färbt den Taler rot.
Das war ein hart verdientes Geld, nicht wahr?

MARTA
(bewegt)
Es ist schon spät. Zur Ruhe müssen wir.

PEDRO
So nimm das Geld, ich schenk es dir.

MARTA
Nein, nein, ich nehm es nicht.
Und nun gut Nacht! Dort hast du deine Kammer, geh.

PEDRO
In meine Kammer?
Nun scherzest wohl du?
Denn unsre Kammer, die ist dort.

(Er zeigt nach links)

MARTA
Ich scherze nicht, laß mich allein.

PEDRO
Du willst... daß ich... ist das dein Ernst?

MARTA
Zum Reden zwing mich nicht, sonst müßt ich sagen,
was zentnerschwer mein Herz belastet.
Ich will nicht reden, sonst müßt ich dir sagen,
was du an mir getan, du weißt es ja:
Schlecht warst du und schamlos!

PEDRO
(verblüfft)
Das sagst du mir? Was hab ich dir getan?
Mit welchem Rechte sprichst du so zu mir?
Was soll ich wissen?

MARTA
(voller Scham)
Was man dir sagte.

PEDRO
Gesagt? Man hat mir nichts gesagt.

MARTA
Soll ich zu meiner Schande es noch wiederholen?
Du mußt es wissen, du mußtest wissen, was du tatst,
als du zu deiner Frau mich nahmst.

PEDRO
Was ich tat? Ei ja, das weiß ich wohl.
Mein Glück nahm ich in beide Hände.
Ich will es halten, will es pflegen,
ein ganzes Leben lang.
Auf Erden lieb ich nichts als dich allein.
Und eine Sorge hab ich nur:
Dir Glück zu bringen, dir Glück zu schaffen.

(In diesem Augenblick erscheint ein Licht hinter dem Vorhang, mit dem Martas Tür verhängt ist)

MARTA
(entsetzt)
Mutter Gottes, steh mir bei!
Er wagt es zu kommen.

PEDRO
(überrascht)
Ein Licht? In deinem Zimmer Licht?
Wir sind nicht allein.

MARTA
(will ihren Schreck verbergen)
Niemand ist hier.

PEDRO
(sucht in seiner Brusttasche nach dem Messer und geht auf die Türe zu)
Und ich sage dir, ich irre mich nicht.

MARTA
(hält ihn auf)
Niemand ist da. Das Licht in meinem Zimmer,
ich hab es selbst entzündet.

PEDRO
Das kann nicht sein. Es war nicht dort,
als wir zur Mühle kamen.

(Das Licht verschwindet)

Nun ward es ausgelöscht.

MARTA
Du träumst, du bist geblendet.

PEDRO
Hast du nicht selbst gesagt,
daß früher ein Licht in deinem Zimmer war?
Nun ist es fort.

MARTA
Du träumst, ich habe nichts gesehn.

PEDRO
Du sahst kein Licht?

MARTA
Nein, sag ich dir, du hast geträumt.
Es war kein Licht in meinem Zimmer.

PEDRO
Geträumt hab ich?

MARTA
(für sich)
Er wagt es auch heute.

PEDRO
(verwirrt, im Selbstgespräch)
Ich hab kein Licht gesehn? Ich hab geträumt?

MARTA
(setzt sich auf einen Stuhl)
Ich werde hier die Nacht verbringen.
Ich hab dir schon gesagt, geh schlafen.

PEDRO
Ich weiß schon, ich dort drüben?
Und du? Aber ich geh noch nicht.

(Er setzt sich auf die Erde und streckt sich langsam aus)

MARTA
(für sich)
In meinem Kopf ist's wirr und wüst...
herzlos war er immer und grausam.
Doch nie hätt ich gedacht,
daß er so schlecht sein könnte.
Und dieser arme Kerl, er glaubt,
ich seh ihn nicht und achte seiner nicht.

PEDRO
(traurig, fast weinend, aber resigniert)
Was soll ich tun? Ich weiß es nicht.
Geduld! Geduld
Ich denk mir, ich schlafe dort oben am Felsen.
In deiner Nähe will ich sein.

(Er kriecht verstohlen in Martas Nähe)

Jetzt bet ich ein Vaterunser für meine guten Eltern,
die da droben stehen vor Gott.
Das andre Vaterunser aber bet ich nicht,
denn eine Frau, die hab ich jetzt.
Der Himmel gab sie mir.

MARTA
O großer Gott im Himmel,
wie schrecklich ist dein Strafgericht.

PEDRO
(im Halbschlaf)
Ringsum ist Ruhe. Still ist alles.
Der Wolf kommt heute nicht. Heut nicht…



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