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VORSPIEL

Ein tiefer, kaum möblierter und dürftig erleuchteter Raum im Hause eines grossen Herrn. Links und rechts je zwei Türen. In der Mitte ein runder Tisch. Im Hintergrund sieht man Zurichtungen zu einem Haustheater. Tapezierer und Arbeiter haben einen Prospekt aufgerichtet, dessen Rückseite sichtbar ist. Zwischen diesem Teil der Bühne und dem vorderen Raum läuft ein offener Gang querüber. Der Haushofmeister tritt auf.

MUSIKLEHRER
ihm entgegen
Mein Herr Haushofmeister! Sie suche ich im ganzen Hause

HAUSHOFMEISTER
Womit kann ich dienen? Muss allerdings bemerken, dass ich pressiert bin. Die Vorbereitungen zur heutigen grossen Assemblee im Hause des reichsten Mannes von Wien - wie ich meinen gnädigen Herrn wohl betiteln darf -

MUSIKLEHRER
Ein Wort nur! Ich höre soeben, was ich allerdings nicht begreifen kann -

HAUSHOFMEISTER
Und das wäre?

MUSIKLEHRER
und was mich in erklärliche Aufregung versetzt

HAUSHOFMEISTE
In Kürze, wenn ich bitten darf!

MUSIKLEHRER
dass bei der heutigen festlichen Veranstaltung hier im Palais - nach der Opera seria meines Schülers - kaum traue ich meinen Ohren - noch eine weitere, und zwar gleichfalls sozusagen musikalische Darbietung in Aussicht genommen ist - eine Art von Singspiel oder niedrige Posse in der italianischen Buffo-Manier! Das kann nicht geschehen!

HAUSHOFMEISTER
Kann nicht? Wieso?

MUSIKLEHRER
Darf nicht!

HAUSHOFMEISTER
Wie beliebt?

MUSIKLEHRER
Das wird der Komponist nie und nimmer gestatten!

HAUSHOFMEISTER
Wer wird? Ich höre: gestatten. Ich wüsste nicht, wer ausser meinem gnädigen Herrn, in dessen Palais Sie sich befinden und Ihre Kunstfertigkeiten heute zu produzieren die Ehre haben, etwas zu gestatten - geschweige denn anzuordnen hätte!

MUSIKLEHRER
Es ist wider die Verbredung. Die Opera seria Ariadne wurde eigens für diese festliche Veranstaltung komponiert.

HAUSHOFMEISTER
Und das ausbedungene Honorar wird nebst einer munifizenten Gratifikation durch meine Hand in die Ihrige gelangen.

MUSIKLEHRER
Ich zweifle nicht an der Zahlungsfahigkeit eines steinreichen Mannes.

HAUSHOFMEISTER
Für den Sie samt Ihrem Eleven Ihre Notenarbeit zu liefern die Auszeichnung hatten. - Was dann steht noch zu Diensten ?

MUSIKLEHRER
Diese Notenarbeit ist ein ernstes bedeutendes Werk. Es kann uns nicht gleichgültig sein, in welchem Rahmen dieses dargestellt wird!

HAUSHOFMEISTER
Jedennoch bleibt es meinem gnädigen Herrn summo et unico loco überlassen, welche Arten von Spektakel er seinen hochansehnlichen Gästen nach Vorsetzung einer feierliclien Kollation zu bieten gesonnen ist.

MUSIKLEHRER
Zu diesen die Verdauung fördernden Genüssen rechnen Sie demnach die heroische Oper Ariadne?

HAUSHOFMEISTER
Zuvörderst diese, danach das für Punkt neun Uhr anbefohlene Feuerwerk, und zwischen beiden die eingeschobene Opera buffa. Womit ich die Ehre habe, mich zu empfehlen.
geht ab

MUSIKLEHRER
Wie soll ich das meinem Schüler beibringen?
Geht ab. Ein junger Lakai führt einen Offizier herein.

DER LAKAI
Hier finden Euer Gnaden die Mamsell Zerbinetta. Sie ist bei der Toilette. Ich werde anklopfen.
horcht und klopft an die Tür rechts vorne

DER OFFIZIER
Lass Er das sein und geh' Er zum Teufel.
stösst den Lakai heftig weg und tritt ein

DER LAKAI
taumelt, rettet den Leuchter auf einen Wandtisch rechts zwischen den beiden Türen und klaubt sich zusammen
Das ist die Sprache der Leidenschaft, verbunden mit einem unrichtigen Objekt.

KOMPONIST
kommt eilig von rückwärts
Lieber Freund! Verschaffen Sie mir die Geigen. Richten Sie ihnen aus, dass sie sich hier versammeln sollen zu einer letzten, kurzen Verständigungsprobe.

DER LAKAI
Die Geigen werden schwerlich kommen, erstens weil's keine Füss nicht haben, und zweitens, weil's in der Hand sind!

KOMPONIST
naiv, belehrend, ohne sich verspottet zu glauben
Wenn ich sage: die Geigen, so meine ich die Spieler.

DER LAKAI
gemein, von oben herab
Ach so! Die sind aber jetzt dort, wo ich auch hin sollt'! und wo ich gleich sein werd' - anstatt mich da mit Ihnen aufzuhalten.

KOMPONIST
ganz naiv, zart
Wo ist das?

DER LAKAI
gemein plump
Bei der Tafel!

KOMPONIST
aufgeregt
Jetzt? Eine Viertelstunde vor Anfang meiner Oper beim Essen?

DER LAKAI
Wenn ich sag': bei der Tafel, so mein' ich natürlich bei der herrschaftlichen Tafel, nicht beim Musikantentisch.

KOMPONIST
Was soll das heissen?

DER LAKAI
Aufspielen tun sie. Capito? Sind also für Sie derzeit nicht zu sprechen.

KOMPONIST
aufgeregt, unruhig
So werde ich mit der Demoiselle die Arie der Ariadne repetieren -
will an die vordere Tür rechts

DER LAKAI
hält ihn ab
Hier ist nicht die Demoiselle darin, die Sie suchen, diejenige Demoiselle aber, die hier drin ist, ist für Sie ebenfalls nicht zu sprechen.

KOMPONIST
naiv, stolz
Weiss Er, wer ich bin? Wer in meiner Oper singt, ist für mich jederzeit zu sprechen!

DER LAKAI
lacht spöttisch
Hehehe!
winkt ihm herablassend, geht ab

KOMPONIST
klopft an die Tür, bekommt keine Antwort; dann, plötzlich zornrot, dem Lakai nach
Eselsgesicht! sehr unverschämter frecher Esel!
Der Eselskerl lässt mich allein hier vor der Tür -
Hier vor der Tür mich stehn und geht.
O, ich möcht' vieles ändern noch
In zwölfter Stund - und heut wird meine Oper -
O der Esel! Die Freud'! Du allmächtiger Gott!
O du mein zitterndes Herz! Du allmächtiger Gott!
sinnt der Melodie nach, rucht in seinen Rocktaschen nach einem Stück Notenpapier, findet eines, zerknittert's, schlägt sich an den Kopf
Dem Bacchus eintrichtern, dass er ein Gott ist!
Ein seliger Knabe!
Kein selbstgefälliger Hanswurst mit einem Pantherfell!
Mir scheint, das ist seine Tür.
läuft an die zweite Tür links, klopft; hält indessen mit voller Stimme die gefundene Melodie fest
O du Knabe! Du Kind! Du allmächtiger Gott!

Die Tür geht auf, Perückenmacher taumelt heraus, empfängt soeben eine Ohrfeige vom Tenor, der als Bacchus, aber mit kahlem Kopf, die Lockenperücke in der Hand, nach ihm zornig heraustritt.

DER TENOR
Das! Für einen Bacchus! Das mir aufzusetzen, mutet Er zu. Da hat Er, Lump, für seinen Bacchuskopf!
gibt ihm einen Fusstritt

KOMPONIST
ist zurückgesprungen
Mein Wertester! Sie allerdringendst muss ich sprechen!

PERÜCKENMACHER
zum Tenor
Dero misshelliges Betragen kann ich belächelnd nur einer angenommenen Gemütsaufwallung zurechnen.

KOMPONIST
Mein Wertester!
Der Tenor schlägt die Tür zu.

PERÜCKENMACHER
schreiend gegen die geschlossene Tür
Habe meinerseits keine Ursache, wegen meiner Leistungen vor Ihnen zu erröten!

KOMPONIST
sich ihm nähernd, naiv-bescheiden
Hat der Herr leicht ein Stückerl Schreibpapier?
Hätt' mir gern was aufnotiert!
Ich vergess' nämlich gar so leicht.

PERÜCKENMACHER
Kann nicht dienen!
läuft ab

ZERBINETTA
noch sehr im Négligé, mit dem Offizier aus dem Zimmer rechts
Erst nach der Oper kommen wir daran. Es wird keine kleine Mühe kosten, die Herrschaften wieder lachen zu machen, wenn sie sich erst eine Weile gelangweilt haben.
kokett
Oder meinen Sie, es wird mir gelingen?
Der Offizier küsst ihr stumm die Hand. Die Primadonna und der Musiklehrer treten ein. Sie trägt über dem Ariadne-Kostüm den Frisiermantel. Der Musiklehrer will sich verabschieden.

PRIMADONNA
Schnell, lieber Freund! Einen Lakai zu mir! Ich muss unbedingt sofort den Grafen sprechen.
Schliesst ihre Tür; der Komponist hat sie gesehen, will hin.

MUSIKLEHRER
hält ihn auf
Du kannst jetzt nicht eintreten - sie ist beim Frisieren.
Tanzmeister kommt von rückwärts, tritt zu Zerbinetta und dem Offizier

KOMPONIST
gewahrt erst jetzt Zerbinetta, zum Musiklehrer
Wer ist dieses Mädchen?

TANZMEISTER
zu Zerbinetta
Sie werden leichtes Spiel haben, Mademoiselle. Die Oper ist langweilig über die Begriffe, und was die Einfälle anlangt, so steckt in meinem linken Schuhabsatz mehr Melodie als in dieser ganzen Ariadne auf Naxos.

MUSIKLEHRER
zum Komponisten
Sei sie wer immer!

KOMPONIST
drängender
Wer ist dieses entzückende Mädchen?

MUSIKLEHRER
Um so besser, wenn sie dir gefällt. Es ist die Zerbinetta. Sie singt und tanzt mit vier Partnern das lustige Nachspiel, das man nach deiner Oper gibt.

KOMPONIST
zurückprallend
Nach meiner Oper? Ein lustiges Nachspiel? Tänze und Triller, freche Gebärden und zweideutige Worte nach Ariadne! Sag' mir's!

MUSIKLEHRER
zaghaft
Ich bitte dich um alles. -

KOMPONIST
tritt von ihm weg; edel
Das Geheimnis des Lebens tritt an sie heran, nimmt sie bei der Hand, und sie bestellen sich eine Affenkomödie, um das Nachgefühl der Ewigkeit aus ihrem unsagbar leichtfertigen Schädel fortzuspülen!
lacht krampfhaft
O ich Esel!

MUSIKLEHRER
Beruhige dich!

KOMPONIST
wütend
Ich mag mich nicht beruhigen! Ein heiteres Nachspiel! Ein Übergang zu ihrer Gemeinheit! Dieses masslos ordinäre Volk will sich Brücken bauen aus meiner Welt hinüber in die seinige! 0 Mäzene! Das erlebt zu haben, vergiftet mir die Seele für immer. Es ist undenkbar, dass mir je wieder eine Melodie einfällt! In dieser Welt kann keine Melodie ihre Schwingen regen!
Pause, dann mit verändertem Ton, ganz gemütlich
Und gerade früher ist mir eine recht schöne eingefallen! Ich habe mich über einen frechen Lakaien erzürnt, da ist sie mir aufgeblitzt - dann hat der Tenor dem Perückenmacher eine Ohrfeige gegeben - da hab' ich sie gehabt! - Ein Liebesgefühl, ein süss bescheidenes, ein Vertrauen, wie diese Welt es nicht wert ist - da:
den Text improvisierend
Du, Venus' Sohn - gibst süssen Lohn
Für unser Sehnen und Schmachten!
Lalala - mein junges Herz
Und all mein Sinnen und Trachten:
O du Knabe, du Kind, du allmächtiger Gott!
eilig gemütlich
Hast' ein Stückerl Notenpapier?
Der Musiklehrer gibt ihm welches. Der Komponist notiert. Harlekin, Scaramuccio, Brighella und Truffaldin sind im Gänsemarsch aus Zerbinettas Zimmer herausgekommen.
VORSPIEL

Ein tiefer, kaum möblierter und dürftig erleuchteter Raum im Hause eines grossen Herrn. Links und rechts je zwei Türen. In der Mitte ein runder Tisch. Im Hintergrund sieht man Zurichtungen zu einem Haustheater. Tapezierer und Arbeiter haben einen Prospekt aufgerichtet, dessen Rückseite sichtbar ist. Zwischen diesem Teil der Bühne und dem vorderen Raum läuft ein offener Gang querüber. Der Haushofmeister tritt auf.

MUSIKLEHRER
ihm entgegen
Mein Herr Haushofmeister! Sie suche ich im ganzen Hause

HAUSHOFMEISTER
Womit kann ich dienen? Muss allerdings bemerken, dass ich pressiert bin. Die Vorbereitungen zur heutigen grossen Assemblee im Hause des reichsten Mannes von Wien - wie ich meinen gnädigen Herrn wohl betiteln darf -

MUSIKLEHRER
Ein Wort nur! Ich höre soeben, was ich allerdings nicht begreifen kann -

HAUSHOFMEISTER
Und das wäre?

MUSIKLEHRER
und was mich in erklärliche Aufregung versetzt

HAUSHOFMEISTE
In Kürze, wenn ich bitten darf!

MUSIKLEHRER
dass bei der heutigen festlichen Veranstaltung hier im Palais - nach der Opera seria meines Schülers - kaum traue ich meinen Ohren - noch eine weitere, und zwar gleichfalls sozusagen musikalische Darbietung in Aussicht genommen ist - eine Art von Singspiel oder niedrige Posse in der italianischen Buffo-Manier! Das kann nicht geschehen!

HAUSHOFMEISTER
Kann nicht? Wieso?

MUSIKLEHRER
Darf nicht!

HAUSHOFMEISTER
Wie beliebt?

MUSIKLEHRER
Das wird der Komponist nie und nimmer gestatten!

HAUSHOFMEISTER
Wer wird? Ich höre: gestatten. Ich wüsste nicht, wer ausser meinem gnädigen Herrn, in dessen Palais Sie sich befinden und Ihre Kunstfertigkeiten heute zu produzieren die Ehre haben, etwas zu gestatten - geschweige denn anzuordnen hätte!

MUSIKLEHRER
Es ist wider die Verbredung. Die Opera seria Ariadne wurde eigens für diese festliche Veranstaltung komponiert.

HAUSHOFMEISTER
Und das ausbedungene Honorar wird nebst einer munifizenten Gratifikation durch meine Hand in die Ihrige gelangen.

MUSIKLEHRER
Ich zweifle nicht an der Zahlungsfahigkeit eines steinreichen Mannes.

HAUSHOFMEISTER
Für den Sie samt Ihrem Eleven Ihre Notenarbeit zu liefern die Auszeichnung hatten. - Was dann steht noch zu Diensten ?

MUSIKLEHRER
Diese Notenarbeit ist ein ernstes bedeutendes Werk. Es kann uns nicht gleichgültig sein, in welchem Rahmen dieses dargestellt wird!

HAUSHOFMEISTER
Jedennoch bleibt es meinem gnädigen Herrn summo et unico loco überlassen, welche Arten von Spektakel er seinen hochansehnlichen Gästen nach Vorsetzung einer feierliclien Kollation zu bieten gesonnen ist.

MUSIKLEHRER
Zu diesen die Verdauung fördernden Genüssen rechnen Sie demnach die heroische Oper Ariadne?

HAUSHOFMEISTER
Zuvörderst diese, danach das für Punkt neun Uhr anbefohlene Feuerwerk, und zwischen beiden die eingeschobene Opera buffa. Womit ich die Ehre habe, mich zu empfehlen.
geht ab

MUSIKLEHRER
Wie soll ich das meinem Schüler beibringen?
Geht ab. Ein junger Lakai führt einen Offizier herein.

DER LAKAI
Hier finden Euer Gnaden die Mamsell Zerbinetta. Sie ist bei der Toilette. Ich werde anklopfen.
horcht und klopft an die Tür rechts vorne

DER OFFIZIER
Lass Er das sein und geh' Er zum Teufel.
stösst den Lakai heftig weg und tritt ein

DER LAKAI
taumelt, rettet den Leuchter auf einen Wandtisch rechts zwischen den beiden Türen und klaubt sich zusammen
Das ist die Sprache der Leidenschaft, verbunden mit einem unrichtigen Objekt.

KOMPONIST
kommt eilig von rückwärts
Lieber Freund! Verschaffen Sie mir die Geigen. Richten Sie ihnen aus, dass sie sich hier versammeln sollen zu einer letzten, kurzen Verständigungsprobe.

DER LAKAI
Die Geigen werden schwerlich kommen, erstens weil's keine Füss nicht haben, und zweitens, weil's in der Hand sind!

KOMPONIST
naiv, belehrend, ohne sich verspottet zu glauben
Wenn ich sage: die Geigen, so meine ich die Spieler.

DER LAKAI
gemein, von oben herab
Ach so! Die sind aber jetzt dort, wo ich auch hin sollt'! und wo ich gleich sein werd' - anstatt mich da mit Ihnen aufzuhalten.

KOMPONIST
ganz naiv, zart
Wo ist das?

DER LAKAI
gemein plump
Bei der Tafel!

KOMPONIST
aufgeregt
Jetzt? Eine Viertelstunde vor Anfang meiner Oper beim Essen?

DER LAKAI
Wenn ich sag': bei der Tafel, so mein' ich natürlich bei der herrschaftlichen Tafel, nicht beim Musikantentisch.

KOMPONIST
Was soll das heissen?

DER LAKAI
Aufspielen tun sie. Capito? Sind also für Sie derzeit nicht zu sprechen.

KOMPONIST
aufgeregt, unruhig
So werde ich mit der Demoiselle die Arie der Ariadne repetieren -
will an die vordere Tür rechts

DER LAKAI
hält ihn ab
Hier ist nicht die Demoiselle darin, die Sie suchen, diejenige Demoiselle aber, die hier drin ist, ist für Sie ebenfalls nicht zu sprechen.

KOMPONIST
naiv, stolz
Weiss Er, wer ich bin? Wer in meiner Oper singt, ist für mich jederzeit zu sprechen!

DER LAKAI
lacht spöttisch
Hehehe!
winkt ihm herablassend, geht ab

KOMPONIST
klopft an die Tür, bekommt keine Antwort; dann, plötzlich zornrot, dem Lakai nach
Eselsgesicht! sehr unverschämter frecher Esel!
Der Eselskerl lässt mich allein hier vor der Tür -
Hier vor der Tür mich stehn und geht.
O, ich möcht' vieles ändern noch
In zwölfter Stund - und heut wird meine Oper -
O der Esel! Die Freud'! Du allmächtiger Gott!
O du mein zitterndes Herz! Du allmächtiger Gott!
sinnt der Melodie nach, rucht in seinen Rocktaschen nach einem Stück Notenpapier, findet eines, zerknittert's, schlägt sich an den Kopf
Dem Bacchus eintrichtern, dass er ein Gott ist!
Ein seliger Knabe!
Kein selbstgefälliger Hanswurst mit einem Pantherfell!
Mir scheint, das ist seine Tür.
läuft an die zweite Tür links, klopft; hält indessen mit voller Stimme die gefundene Melodie fest
O du Knabe! Du Kind! Du allmächtiger Gott!

Die Tür geht auf, Perückenmacher taumelt heraus, empfängt soeben eine Ohrfeige vom Tenor, der als Bacchus, aber mit kahlem Kopf, die Lockenperücke in der Hand, nach ihm zornig heraustritt.

DER TENOR
Das! Für einen Bacchus! Das mir aufzusetzen, mutet Er zu. Da hat Er, Lump, für seinen Bacchuskopf!
gibt ihm einen Fusstritt

KOMPONIST
ist zurückgesprungen
Mein Wertester! Sie allerdringendst muss ich sprechen!

PERÜCKENMACHER
zum Tenor
Dero misshelliges Betragen kann ich belächelnd nur einer angenommenen Gemütsaufwallung zurechnen.

KOMPONIST
Mein Wertester!
Der Tenor schlägt die Tür zu.

PERÜCKENMACHER
schreiend gegen die geschlossene Tür
Habe meinerseits keine Ursache, wegen meiner Leistungen vor Ihnen zu erröten!

KOMPONIST
sich ihm nähernd, naiv-bescheiden
Hat der Herr leicht ein Stückerl Schreibpapier?
Hätt' mir gern was aufnotiert!
Ich vergess' nämlich gar so leicht.

PERÜCKENMACHER
Kann nicht dienen!
läuft ab

ZERBINETTA
noch sehr im Négligé, mit dem Offizier aus dem Zimmer rechts
Erst nach der Oper kommen wir daran. Es wird keine kleine Mühe kosten, die Herrschaften wieder lachen zu machen, wenn sie sich erst eine Weile gelangweilt haben.
kokett
Oder meinen Sie, es wird mir gelingen?
Der Offizier küsst ihr stumm die Hand. Die Primadonna und der Musiklehrer treten ein. Sie trägt über dem Ariadne-Kostüm den Frisiermantel. Der Musiklehrer will sich verabschieden.

PRIMADONNA
Schnell, lieber Freund! Einen Lakai zu mir! Ich muss unbedingt sofort den Grafen sprechen.
Schliesst ihre Tür; der Komponist hat sie gesehen, will hin.

MUSIKLEHRER
hält ihn auf
Du kannst jetzt nicht eintreten - sie ist beim Frisieren.
Tanzmeister kommt von rückwärts, tritt zu Zerbinetta und dem Offizier

KOMPONIST
gewahrt erst jetzt Zerbinetta, zum Musiklehrer
Wer ist dieses Mädchen?

TANZMEISTER
zu Zerbinetta
Sie werden leichtes Spiel haben, Mademoiselle. Die Oper ist langweilig über die Begriffe, und was die Einfälle anlangt, so steckt in meinem linken Schuhabsatz mehr Melodie als in dieser ganzen Ariadne auf Naxos.

MUSIKLEHRER
zum Komponisten
Sei sie wer immer!

KOMPONIST
drängender
Wer ist dieses entzückende Mädchen?

MUSIKLEHRER
Um so besser, wenn sie dir gefällt. Es ist die Zerbinetta. Sie singt und tanzt mit vier Partnern das lustige Nachspiel, das man nach deiner Oper gibt.

KOMPONIST
zurückprallend
Nach meiner Oper? Ein lustiges Nachspiel? Tänze und Triller, freche Gebärden und zweideutige Worte nach Ariadne! Sag' mir's!

MUSIKLEHRER
zaghaft
Ich bitte dich um alles. -

KOMPONIST
tritt von ihm weg; edel
Das Geheimnis des Lebens tritt an sie heran, nimmt sie bei der Hand, und sie bestellen sich eine Affenkomödie, um das Nachgefühl der Ewigkeit aus ihrem unsagbar leichtfertigen Schädel fortzuspülen!
lacht krampfhaft
O ich Esel!

MUSIKLEHRER
Beruhige dich!

KOMPONIST
wütend
Ich mag mich nicht beruhigen! Ein heiteres Nachspiel! Ein Übergang zu ihrer Gemeinheit! Dieses masslos ordinäre Volk will sich Brücken bauen aus meiner Welt hinüber in die seinige! 0 Mäzene! Das erlebt zu haben, vergiftet mir die Seele für immer. Es ist undenkbar, dass mir je wieder eine Melodie einfällt! In dieser Welt kann keine Melodie ihre Schwingen regen!
Pause, dann mit verändertem Ton, ganz gemütlich
Und gerade früher ist mir eine recht schöne eingefallen! Ich habe mich über einen frechen Lakaien erzürnt, da ist sie mir aufgeblitzt - dann hat der Tenor dem Perückenmacher eine Ohrfeige gegeben - da hab' ich sie gehabt! - Ein Liebesgefühl, ein süss bescheidenes, ein Vertrauen, wie diese Welt es nicht wert ist - da:
den Text improvisierend
Du, Venus' Sohn - gibst süssen Lohn
Für unser Sehnen und Schmachten!
Lalala - mein junges Herz
Und all mein Sinnen und Trachten:
O du Knabe, du Kind, du allmächtiger Gott!
eilig gemütlich
Hast' ein Stückerl Notenpapier?
Der Musiklehrer gibt ihm welches. Der Komponist notiert. Harlekin, Scaramuccio, Brighella und Truffaldin sind im Gänsemarsch aus Zerbinettas Zimmer herausgekommen.


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