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I. TANZ
Passepied

DIREKTOR
spricht begeistert auf den Grafen ein, der mit grossem Interesse die Tänzerin beobachtet
Was sagt Ihr! Die personifizierte Grazie! Meine neueste Entdeckung! Ein kleines Mädchen aus der Picardie. Ich fand sie beim Vicomte
Er flüstert dem Grafen diskret den Namen ins Ohr
Er hielt sie bei sich verborgen!
Der'Graf betrachtet die Tänzerin mit neuem Interesse eingehend durch seine Lorgnette
Im richtigen Moment gelang es mir mit List, sie zu entführen. Sie wird jetzt in meiner Ballettschule erzogen. Oh! eine bedeutende Begabung! Ich prophezeie ihr eine grosse Zukunft in der nächsten Nähe des Königs. Morgen tanzt sie beim Prinzen von Conti im »Salon des quatre Glaces«. Seht mir, welch eine Beherrschung des Körpers! Und diese Jugend! Ein Traum! -

II. TANZ
Gigue

Das folgende Gespräch wird so geführt, dass die anderen es nicht hören; sie folgen mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit demvorgeführten Tanz

OLIVIER
setzt sich zu Clairon
Wie soll ich dir danken, dass du gekommen bist? Du sprichst meine Verse hinreissend!

CLAIRON
Ich bin fest entschlossen, auf keinen Fall mehr dein Entzücken zu erregen. Behalt sie bei dir, deine Komplimente.

OLIVIER
Soll zwischen uns nun für alle Zeit feindseliges Schweigen herrschen?

CLAIRON
Ein erspriesslicher Dialog dürfte nicht mehr aufkommen.

OLIVIER
Um so wahrscheinlicher dürfte ein solcher sehr bald zwischen dem Grafen und dir beginnen.

CLAIRON
Ein Wundervogel - ein Philosoph. Er setzt seiner Jugend eine Maske auf. Gegen maskierte Männer bin ich von jeher misstrauisch.

OLIVIER
Der Zauber deines Wesens wird auch ihn bestricken.

CLAIRON
Wenn du so gut die Zukunft weissagen kannst, so wirst du auch wissen, dass es zwischen uns nur eine Vergangenheit gibt.

OLIVIER
Eine sehr schöne Vergangenheit.

CLAIRON
energisch
Die mit einem grossen Krach geschlossen hat.
Sie erhebt sich
Der Vorhang ist gefallen!
Sie lässt ihn stehen und setzt sich zur Gräfin

DIREKTOR
der bemerkt hat, dass die beiden sich in Unfrieden getrennt haben, wendet sich zum Dichter
Na, ich glaube nicht, dass du in ihren Memoiren eine ansehnliche Rolle spielen wirst!


III. TANZ
Gavotte

GRAF
zur Tänzerin
Eure Kunst entzückt und begeistert mich. So wie das Denken unseren Geist vom Körper loslöst und uns in eine höhere Welt versetzt, so überwindet der Tanz die Erdenschwere. Der Körper scheint zu schweben, begleitet von bewegenden Tönen.

Die Tänzerin mit einem Knix ab in den Theater-saal. Der Direktor begleitet sie und kommt sofort wieder zurück
Und hier, lieber Freund Flamand, müssen Sie gestehen, ist Ihre Kunst nicht die Herrscherin, sondern nur
mit einem Dankeswink an die drei abgehenden Musiker
eine - allerdings köstliche - Beigabe.

FLAMAND
Ein bezaubernder Irrtum! Ohne Musik würde es niemand sich einfallen lassen, auch nur ein Bein zu heben.

FUGE

OLIVIER
Tanz und Musik stehen im Bann des Rhythmus, ihm unterworfen seit ewiger Zeit.

FLAMAND
Deiner Verse Mass ist ein weit stärkerer Zwang.

OLIVIER
Frei schaltet in ihm des Dichters Gedanke! Wer zieht da die Grenze zwischen Form und Gehalt?

FLAMAND
In irdischer Form ein Unfassbar-Höheres: Musik! Sie erhebt sich in Sphären, in die der Gedanke nicht dringt.

OLIVIER
Nicht in unfassbaren Klängen, in klarer Sprache forme ich meine Gedanken. Dies ist der Musik für immer verwehrt.

FLAMAND
Mein Gedanke ist die Melodie. Sie kündet Tieferes, ein Unaussprechliches! In einem Akkord erlebst du eine Welt.

DIREKTOR
Sie streiten sich um eine Rangordnung ihrer Künste. Verlorene Mühe! Im Bereich meiner Bühne dienen sie alle.

GRAF
Schon sind wir inmitten der Diskussion über das Streit-Thema unserer Tage.

FLAMAND
Musik ist eine erhabene Kunst! Nur unwillig dient sie dem Trug des Theaters.

GRÄFIN
Nicht Trug! Die Bühne enthüllt uns das Geheimnis der Wirklichkeit. Wie in einem Zauberspiegel gewahren wir uns selbst. Das Theater ist das ergreifende Sinnbild des Lebens.

DIREKTOR
Seine oberste Göttin: Phantasie. Ihr untertan alle Künste: Poesie, Malerei, Skulptur und Musik. Und wo wär' eure Sprache, was sind eure Töne ohne Deklamation und Gesang? Ohne die Darstellung durch den Akteur, den Zauber seiner Persönlichkeit, ohne sein Kostüm? He? Ohne seine Maske?

CLAIRON
Jawohl, ganz recht!

DIREKTOR
Ihr überschätzt euren Schreibtisch!

OLIVIER
Der dichtende Geist ist der Spiegel der Welt. Poesie ist die Mutter aller Künste!

FLAMAND
Musik ist die Wurzel, der alles entquillt. Die Klänge der Natur singen das Wiegenlied allen Künsten!

OLIVIER
Die Sprache des Menschen allein ist der Boden, dem sie entspriessen.

FLAMAND
Der Schmerzensschrei ging der Sprache voraus!

OLIVIER
Doch das Leid zu deuten vermag sie allein. Der wirklichen Tiefe des Tragischen kann nur die Dichtkunst Ausdruck verleihen. Nie kann sie in Tönen sich offenbaren!

GRÄFIN
Das sagt Ihr jetzt, in dem Augenblick, wo ein Genie uns lehrt, dass es eine musikalische Tragödie gibt?

GRAF
Halt! Noch einen Schritt und wir stehen vor dem Abgrund! Schon stehen wir der »Oper« Aug in Aug gegenüber.

GRÄFIN
Ein schöner Anblick, ich wag' es zu sagen.

CLAIRON
Etwas absonderlich, dieses Geschöpf aus Tönen und Worten.

GRAF
dazwischen rufend
Und Rezitativen! Und Rezitativen!

OLIVIER
Komponist und Dichter, einer vom andern schrecklich behindert verschwenden unsägliche Mühen, um es zur Welt zu bringen.

GRAF
Eine Oper ist ein absurdes Ding. Befehle werden singend erteilt, über Politik im Duett verhandelt. Man tanzt um ein Grab, und Dolchstiche werden melodisch verabreicht.

CLAIRON
Ich könnte mich damit befreunden, dass man in der Oper mit einer Arie stirbt. Warum aber sind die Verse immer schlechter als die Musik? Dieser verdanken sie doch erst die Kraft ihres Ausdrucks.

GRÄFIN
Bei Gluck ist es anders. Er führt die Dichter, er kennt die Leidenschaft unserer Herzen und er erweckt in jenen verborgene Kräfte.

OLIVIER
Auch bei ihm ist das Wort mir ein Stiefkind des Taktstocks.

FLAMAND
Nur bei ihm ist die Musik nicht mehr Dienerin! - Dem Worte ebenbürtig, singt sie mit ihm.

GRAF
Wenn nur die Rezitative nicht wären! Wer widerstünde der bleiernen Langeweile, die sie verbreiten?

OLIVIER
Endlos schleppen sie sich dahin.

GRAF
Sie haben weder die Süsse der Melodie noch denReiz der kraftvollen Rede.

FLAMAND
Eure Kritik trifft die Oper des alten Stils. Das »Accompagnato« unseres Meisters hat die Kraft des antiken Monologes. Der Reichtum des Orchesters macht es zu Höhepunkten in seinen Tragödien.

CLAIRON
Und die Arie? Soll sie verschwinden?

DIREKTOR
Das unheilbare Gebrechen unserer Opern ist der betäubende Lärm des Orchesters. Sein Brüllen und Toben verschlingt die Stimmen. Die Sänger werden gezwungen, zu schreien.

GRAF
Ob der Text gut oder schlecht, ist ohne Bedeutung. Niemand kann ihn verstehen.

DIREKTOR
Wo bleibt der Gesang, diese Gabe der Götter? Die menschliche Stimme, das Ur-Instrument, es wird vergewaltigt züi Sklavendiensten! Dahin die Tradition des alten italienischen Gesanges! Der Bel Canto liegt im Sterben!

CLAIRON
Ein dramatischer Tod!

OLIVIER
Seine prophetischen Worte scheinen mir stark übertrieben.

GRÄFIN
ironisch
Bevor sein Leben erloschen, lieber La Roche, lassen Sie uns Ihre Sänger hören! Wir wollen uns immerhin von der Lebenskraft der italienischen Gesangskunst ein Bild machen.

Der Direktor gibt ein Zeichen, worauf die italienische Sängerin und der italienische Tenor eintreten

FLAMAND
ironisch
Gib uns eine Probe deiner »dienenden« Kunst!

DIREKTOR
Sie hören ein Duett einer italienischen Oper nach einem Text des Metastasio.

GRÄFIN
Es wird die Debatte wohltuend beschliessen.
Die Sänger beginnen ihr Duett. - Der Graf bringt Clairon galant eine neue Tasse Schokolade und setzt sich zu ihr


DUETT DER ITALIENISCHEN SÄNGER

TENOR
Addio, mia vita, addio,
Non piangere il mio fato;
Misero non son'io:
Sei fida, ed io lo so.
Se non ti moro allato,
Idolo del cor mio,
Col tuo bel nome amato
Fra' labbri, io morirò.

SOPRAN
Se a me t'invola il fato,
Idolo del cor mio,
Col tuo bel nome amato
Fra' labbri, io morirä.

TENOR
Addio mia vita,

SOPRAN
addio.
Luce degli occhi miei.

GRÄFIN
Ein sehr heiteres »Addio«! Finden Sie nicht auch, Flamand? Der Text scheint nicht sehr zur Musik zu passen.

GRAF
Bravo! Bravo! Bei einer schönen Kantilene werden einem die Worte völlig gleichgültig.

FLAMAND
Es bleibt immerhin eine Kunst, auf eine heitere Melodie so grossen Schmerz auszudrücken.

OLIVIER
Diese Kunst hat einen Vorzug: Wir fühlen uns trotz des grausamenVorgangs angenehm getröstet.

TENOR
Quando fedel mi sei,
Che più bramar dovrò?

SOPRAN
Quando il mio ben perdei,
Che più sperar potrö?

TENOR
Un tenero contento
Eguale a quel ch'io sento,
Numi, i mai provò!

SOPRAN
Un barbaro tormento
Eguale a quel ch'io sento,
Numi, chi mai, provò?

TENOR
Addio, mia vita, addio!

SOPRAN
Addio luce degli occhi miei!
Freundlicher Beifall von allen Seiten. Die Gräfin lädt die beiden ein, einige Erfrischungen zu nehmen. - Graf und Clairon sind im Vordergrund sitzengeblieben

GRAF
Darf ich Sie nach Paris zurückbringen und dort noch ein wenig in Ihrer Gesellschaft sein?

CLAIRON
Ich muss meine Rolle für morgen studieren. Wollen Sie mich abhören?

GRAF
Ich will in allem Ihr Diener sein!

CLAIRON
Das sollten Sie nicht sagen.

GRAF
Warum nicht wenigstens sagen?

CLAIRON
Weil ich überzeugt bin, dass Sie selten das sagen, was Sie wirklich denken.

GRAF
So erraten Sie meine Gedanken?

CLARION
Halten Sie das für schwierig?

GRAF
Ihre Stichworte sind nicht immer leicht zu beantworten.

CLAIRON
Wenn es Ihre Weltanschauung nicht ins Wanken bringt, dürfen Sie mich begleiten.

GRAF
Sie machen mich glücklich!

CLAIRON
Sie haben einen schönen Geist. Ich bin nicht im Zweifel, dass Sie auch noch andere Gemeinplätze artig zu sagen vermögen.

GRÄFIN
kommt mit dem Direktor wieder nach vorne
Werden Ihre Neapolitaner auch bei meiner Geburtstagsfeier mitwirken?

DIREKTOR
Gewiss, gewiss, sie sind aber nur ein winziger Teil meines grossangelegten Programms.

OLIVIER
Vergeblich warten wir seit Tagen auf die Enthüllung deiner geheimnisvollen Pläne.

FLAMAND
Wir lechzen danach, endlich etwas zu erfahren.

GRÄFIN
So verraten Sie uns doch endlich Ihr grosses Programm!

DIREKTOR
Das Huldigungsfestspiel, die grandiose »azione teatrale« meiner gesamten Truppe, hat zwei Teile. Da ist zuerst die Darstellung einer erhabenen Allegorie: »Die Geburt der Pallas Athene.« Aus dem Kopf des Zeus wird sie geboren!

GRAF
Wie das?

DIREKTOR
So erzählt's die Legende: Nachdem er mit Metis das Kind gezeugt, verschlang er die Mutter...

GRAF
Wie? Er hat sie verschluckt?

FLAMAND und OLIVIER
Verschluckt?

GRÄFIN und CLAIRON
Verschluckt?

OLIVIER
Er schlingt sie hinunter wie ein Hecht, die zarte Geliebte ...

CLAIRON
Aus Liebe?

GRAF
Aus Liebe? Wie zärtlich!

GRÄFIN
Aus Liebe?

GRAF
Aus Hunger!

FLAMAND
Aus Angst vor Juno!

DIREKTOR
fährt fort
In ihm wächst die Tochter.

OLIVIER
Die Geliebte versteckt vor der eifersüchtigen Gattin!

CLAIRON
Ein kurioses Mittel, seine Seitensprünge zu verbergen! Ha! Ha!

DIREKTOR
Und als Kind seines Geistes steigt sie jäh empor aus dem Haupt des Gottes!

OLIVIER
Und Zeus?

DIREKTOR
In voller Rüstung - von Chören begrüsst!

FLAMAND
Ha! Ha!

OLIVIER
Ihm ist wohl bei solcher Entbindung!

DIREKTOR
Die Erde erbebt...

FLAMAND
Ein quälender Kopfschmerz ...

DIREKTOR
Die Sonne stelit still!

CLAIRON
Und die Mutter?

FLAMAND
... scheint ausser Frage!

CLAIRON
Wo bleibt sie?

DIREKTOR
Pauken und Zymbeln...

FLAMAND
Sie bleibt spurlos verschwunden!

DIREKTOR
... schildern die Erregung des Weltalls!

OLIVIER
Sie liegt ihm im Magen!

GRAF
Ein possierlicher Einfall!


OKTETT
I. Teil

Lach-Ensemble

GRÄFIN
Sie lachen ihn aus und er meint es so ernst. Seine Würde ist köstlich! Ha! Ha! Im Grunde ist er rührend, der alte Herr in seinem jugendlichen Feuer! Seine Phantasie treibt wundersame Blüten! Seine Naivität ist wirklich entzückend!

CLAIRON
Er ist wie immer originell in seinen Einfällen. Ein kühner Neuerer! Ha! Ha! Eine poetische Idee - in natura dargestellt! Hai Hai Er bringt Zeus in eine fatale Situation! Ha! Ha! Vaterfreuden besonderer Art! Ha! Ha! Bizarrer Gedanke! Ha! Ha!

GRAF
Ha! Ha! Er meint es ganz ernst! Diese Theaterleute sind ganze Narren! Ha! Ha! Sie leben im Mondlicht ihrer fixen Ideen! Ha! Ha! - Wie lächerlich! Sie fährt ihm in voller Rüstung aus dem Kopf. Hai Hai Ein possierlicher Einfall! - Als Geburtstagsüberraschung für meine Schwester! Ha! Ha!

DER ITALIENISCHE TENOR
Sie lachen ihn aus - er wird schlechter Laune. Was ist da zu tun?

DIE SÄNGERIN
Die Torte ist grossartig! Nimm, Gaetano!

DER TENOR
Ich glaube, wir kommen heute nicht mehr züi unserem Vorschuss.

DIE SÄNGERIN
Ich habe dir geraten, heute früh ihn zu fordern, vor unserer Fahrt hierher auf das Schloss.

DER ITALIENISCHE TENOR
Er war nie allein, wie sollt' ich es machen!!

DIE SÄNGERIN
Die Torte ist grossartig! Sie zerfliesst auf der Zunge! Nimm, Gaetano - - -

DER TENOR
Sie isst und isst und trinkt und isst!

DIE SÄNGERIN
Brüll nicht auf mich, Gatano' Die Torte ist grossartig! Nimm, teurer Freund. - *Und hier die Orangen! Sizilianische Früchte - ganz ohne Kerne. - Ein reines Vergnügen!

DER TENOR
brüllt sie an
Trink' nicht so viel vom spanischen Wein!

FLAMAND
Vor unseren Augen entschlüpft sie dem mäch-tigen Haupte Gottes! Ha! Ha! In vollerRüstung - mit Schild und Speer!! »Jäh steigt sie empor« - - mit Zymbeln und Pauken! Tschin! Tschin! - Bum! Bum! Tschin! Tschin! - Bum! Bum! »Die Sonne steht still!«

OLIVIER
Ha! Ha! Schon seh' ich die Wunder seiner Regie: Hephaistos tritt auf, der mächtige Schmied! Ha! Ha! Er schwingt den Hammer! Ha! Ha! Mit wuchtigen Schlägen ... Ha! Ha! Er spaltet ihn auf, den Schädel des Zeus, damit es empor kann, das göttliche Kind. . . Ha! Ha! ans Licht der Welt! - Die Frucht seiner Liebe! Ha! Ha! Es brummt ihm der Schädel - Er wird erlöst! Ha! Ha! und Chöre besingen die göttliche Entbindung! Ha! Ha!

DIREKTOR
Ich glaube, die beiden lachen mich aus! Auch der Graf ist recht heiter! Oberflächliche Weltleute! Sie machen sich lustig über die Mythologie! Die heutige Jugend - sie hat keine Ehrfurcht! Nichts ist ihr heilig. Atheistengesindel! Wahrhaftig - sie lachen! Kein Verständnis für meine Inspiration! Atheistengesindel! Einer trostlosen Zukunft gehen sie entgegen! Lachend - in ihrem Unverstand!

GRÄFIN
Ohol Ich sehe, er fühlt sieh beleidigt durch unser Lachen. Er scheint zu grollen, ich muss ihn versöhnen. (Sie wendet sich an den Direktor) Sie sehen uns überrascht von Ihrer Phantasie. Wir zweifeln, ob ihr kühner Entwurf sich wird darstellen lassen auf dem Theater. Nehmen Sie unseren Pessimismus nicht gar zu ernst. Haben Sie Nachsicht -, wir sind ja Laien. Die Kunst Ihrer Regie wird uns eines Besseren belehren! - Und wovon handelt der zweite Teil Ihres Festspiels?

DIREKTOR
Er ist heroisch und hochdramatisch: » Der Untergang Karthagos.« Kulissen, Prospekte, herrlich gemalt; Maschinen und Massen in regster Bewegung! Die Stadt in Brand - ein Feuermeer - atembeklemmend! Die Dekoration transparent - geschliffene Stäbe aus böhmischem Glas, von rückwärts beleuchtet, in flammendem Rot! Feuerspiegel! -Glasprismen! Viertausend Kerzen - Hundert Flambeaus! Pechringe - Fackeln in allen Grössen! Eine schaukelnde Galeere, von mir konstruiert. - Blitz und Einschlag auf offener Szene - - - Die Segel in Flammen - ein brennendes Wrack! Springflut im Hafen! Der Palast stürzt ein - - -

FLAMAND
Hör auf, hör auf! Wir kennen das Ende!

OLIVIER
Zum Schluss auf den Trümmern grosses Ballett!


OKTETT
II. Teil

Streit-Ensemble

DIREKTOR
Aber so hört doch! Es kommt ja ganz anders.

FLAMAND
Veralteter Plunder -

OLIVIER
Maschinenzauber!

FLAMAND
Einzugsmärsche -

OLIVIER
Wassermusik!

FLAMAND
Sinnlose Aufzüge -

OLIVIER
Öder Pomp!

FLAMAND
Überschwemmung und Apotheose! Statisten und Fackeln!

OLIVIER
Altes Gerümpel!

GRÄFIN
Oh weh! Jetzt fallen sie über ihn her. Mein
Rettungsversuch ist gründlich missglückt. Die
Situation für ihn ist nicht beneidenswert!
Wer wird es sein? Ihre Argumente sind
niederschmetternd! Sie glauben? Er tut mir leid!
Die beiden gehen wirklich zu weit. Olivier!
Flamand! Sie werden brutal! Der Streit
entbrennt immer heftiger! Er scheint verloren!
Warum sie ihn nur so vehement bedrohen? Was
haben sie vor?
Ich fürchte, der Streit wird recht peinlich enden.

GRAF
Jetzt wird es ernst! ... Ein heiterer Zank! ... Sie zerstampfen ihn ... wie in einem Mörser... bald wird nichts mehr .. von ihm übrig sein!
Ha! Ha! Ha! Die edlen Künste liegen sich in den Haaren, ihre Apostel streiten - untereinander - sie fletschen die Zähne und beginnen zu raufen! Wie lächerlich wichtig sie alles nehmen! Ha! Ha! Sie zerreissen ihn in der Luft, weil er uns mit einem Ausstattungsballett unterhalten wollte! Wie ungerecht! La Roche in der Klemme! - Ein köstlicher Anblick! Ha! Ha! Ha! Er ist äusserst bestürzt und kommt nicht zu Wort. Wo bleibt seine oft gepriesene Schlagfertigkeit? Wie wird er sich retten? -

FLAMAND
Ein Spektakel, bei dem die Dekorationen die Hauptrolle spielen!

OLIVIER
Ein Schaustück ohne Darsteller!

FLAMAND
Wie ein Gespenst aus einem vergangenen Jahrhundert blickt dein Stück in unsere Zeit!

OLIVIER
Er erspart sich den Dichter - Wozu auch Verse?

FLAMAND
Von Musik war überhaupt nicht die Rede!

BEIDE
Wort oder Ton? Ha! Welch eine Frage? »Flugmaschinen oder Versenkungen« muss es heissen! Nicht weiter! Sei still! Inhaltloses, schales Theater aus einer längst verklungenen Zeit! Unsinnig-schädlich und lächerlich!

OLIVIER
Transparente Kulissen? Warum nicht ein ehrliches Feuerwerk?

FLAMAND
Wozu ein Orchester? Die Donnermaschine tut bessere Dienste!

OLIVIER
Wo bleibt der Gesang?

FLAMAND
Oho, du irrst: Zu all' dem wird italienisch ge-sungen. Triller-Rouladen! Kadenzen! Kadenzen!

BEIDE
»Veto!« »Veto!« Wir sagen uns los von deinen Künsten! Deine Zeit ist vorüber! Vorbei! Vorbei!

CLAIRON
Haben Sie keine Sorge! Ein Streit zwischen Männern endet immer mit einem Sieger! Wenn sie sich ausgetobt haben, wird er ihnen antworten. Seien Sie beruhigt, er ist nicht schüchtern. Ich kenn' ihn! Seine Widerstandskraft ist nicht leicht zu brechen! Seine »Suada« hat schon manchen niedergestreckt. Er braucht Ihren Schutz nicht, er hilft sich schon selbst! Lassen Sie sich nicht täuschen! Er wird sich furchtbar rächen! Er sammelt Kräfte, dann schlägt er los. Sehen Sie, sehen Sie, jetzt holt er aus. Sein Konzept ist fertig! O, er wird Blitze schleudern! Sehen Sie, sehen Sie, jetzt schlägt er los!

DIREKTOR
So lasst mich doch nur zu Worte kommen!
Vorschnell beurteilt ihr! Ich bin noch nicht fertig!
Aber ...
Wozu diese Vorwürfe? Ihr irrt euch!
Was soll euer Schimpfen?
Alberne Streitsucht! So lasst euch erklären!
Hört doch zu Ende, bevor ihr beurteilt!
Ich bitt' euch ... Aber - aber ...

DER ITALIENISCHE TENOR
Nun streiten sie ernstlich ... Aus ist's für heute mit unsrem Vorschuss!

DIE SÄNGERIN
beginnt weinselig die Melodie des Duetts zu singen
Addio mio dolce acconto, Non piangere il nostro fato!

DER TENOR
stimmt parodierend ein
A morire io son pronto, io povero disgraziato!

BEIDE
Quando il nostro acconto perdiamo, che più sperare potrò? Quando senza danari noi siamo, Che cosa mai far io dovrò?
Un triste malcontento, eguale a quel ch'io sento, Numi, chi mai provò?
Addio mio acconto amato, invano abbiamo sperato!
I. TANZ
Passepied

DIREKTOR
spricht begeistert auf den Grafen ein, der mit grossem Interesse die Tänzerin beobachtet
Was sagt Ihr! Die personifizierte Grazie! Meine neueste Entdeckung! Ein kleines Mädchen aus der Picardie. Ich fand sie beim Vicomte
Er flüstert dem Grafen diskret den Namen ins Ohr
Er hielt sie bei sich verborgen!
Der'Graf betrachtet die Tänzerin mit neuem Interesse eingehend durch seine Lorgnette
Im richtigen Moment gelang es mir mit List, sie zu entführen. Sie wird jetzt in meiner Ballettschule erzogen. Oh! eine bedeutende Begabung! Ich prophezeie ihr eine grosse Zukunft in der nächsten Nähe des Königs. Morgen tanzt sie beim Prinzen von Conti im »Salon des quatre Glaces«. Seht mir, welch eine Beherrschung des Körpers! Und diese Jugend! Ein Traum! -

II. TANZ
Gigue

Das folgende Gespräch wird so geführt, dass die anderen es nicht hören; sie folgen mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit demvorgeführten Tanz

OLIVIER
setzt sich zu Clairon
Wie soll ich dir danken, dass du gekommen bist? Du sprichst meine Verse hinreissend!

CLAIRON
Ich bin fest entschlossen, auf keinen Fall mehr dein Entzücken zu erregen. Behalt sie bei dir, deine Komplimente.

OLIVIER
Soll zwischen uns nun für alle Zeit feindseliges Schweigen herrschen?

CLAIRON
Ein erspriesslicher Dialog dürfte nicht mehr aufkommen.

OLIVIER
Um so wahrscheinlicher dürfte ein solcher sehr bald zwischen dem Grafen und dir beginnen.

CLAIRON
Ein Wundervogel - ein Philosoph. Er setzt seiner Jugend eine Maske auf. Gegen maskierte Männer bin ich von jeher misstrauisch.

OLIVIER
Der Zauber deines Wesens wird auch ihn bestricken.

CLAIRON
Wenn du so gut die Zukunft weissagen kannst, so wirst du auch wissen, dass es zwischen uns nur eine Vergangenheit gibt.

OLIVIER
Eine sehr schöne Vergangenheit.

CLAIRON
energisch
Die mit einem grossen Krach geschlossen hat.
Sie erhebt sich
Der Vorhang ist gefallen!
Sie lässt ihn stehen und setzt sich zur Gräfin

DIREKTOR
der bemerkt hat, dass die beiden sich in Unfrieden getrennt haben, wendet sich zum Dichter
Na, ich glaube nicht, dass du in ihren Memoiren eine ansehnliche Rolle spielen wirst!


III. TANZ
Gavotte

GRAF
zur Tänzerin
Eure Kunst entzückt und begeistert mich. So wie das Denken unseren Geist vom Körper loslöst und uns in eine höhere Welt versetzt, so überwindet der Tanz die Erdenschwere. Der Körper scheint zu schweben, begleitet von bewegenden Tönen.

Die Tänzerin mit einem Knix ab in den Theater-saal. Der Direktor begleitet sie und kommt sofort wieder zurück
Und hier, lieber Freund Flamand, müssen Sie gestehen, ist Ihre Kunst nicht die Herrscherin, sondern nur
mit einem Dankeswink an die drei abgehenden Musiker
eine - allerdings köstliche - Beigabe.

FLAMAND
Ein bezaubernder Irrtum! Ohne Musik würde es niemand sich einfallen lassen, auch nur ein Bein zu heben.

FUGE

OLIVIER
Tanz und Musik stehen im Bann des Rhythmus, ihm unterworfen seit ewiger Zeit.

FLAMAND
Deiner Verse Mass ist ein weit stärkerer Zwang.

OLIVIER
Frei schaltet in ihm des Dichters Gedanke! Wer zieht da die Grenze zwischen Form und Gehalt?

FLAMAND
In irdischer Form ein Unfassbar-Höheres: Musik! Sie erhebt sich in Sphären, in die der Gedanke nicht dringt.

OLIVIER
Nicht in unfassbaren Klängen, in klarer Sprache forme ich meine Gedanken. Dies ist der Musik für immer verwehrt.

FLAMAND
Mein Gedanke ist die Melodie. Sie kündet Tieferes, ein Unaussprechliches! In einem Akkord erlebst du eine Welt.

DIREKTOR
Sie streiten sich um eine Rangordnung ihrer Künste. Verlorene Mühe! Im Bereich meiner Bühne dienen sie alle.

GRAF
Schon sind wir inmitten der Diskussion über das Streit-Thema unserer Tage.

FLAMAND
Musik ist eine erhabene Kunst! Nur unwillig dient sie dem Trug des Theaters.

GRÄFIN
Nicht Trug! Die Bühne enthüllt uns das Geheimnis der Wirklichkeit. Wie in einem Zauberspiegel gewahren wir uns selbst. Das Theater ist das ergreifende Sinnbild des Lebens.

DIREKTOR
Seine oberste Göttin: Phantasie. Ihr untertan alle Künste: Poesie, Malerei, Skulptur und Musik. Und wo wär' eure Sprache, was sind eure Töne ohne Deklamation und Gesang? Ohne die Darstellung durch den Akteur, den Zauber seiner Persönlichkeit, ohne sein Kostüm? He? Ohne seine Maske?

CLAIRON
Jawohl, ganz recht!

DIREKTOR
Ihr überschätzt euren Schreibtisch!

OLIVIER
Der dichtende Geist ist der Spiegel der Welt. Poesie ist die Mutter aller Künste!

FLAMAND
Musik ist die Wurzel, der alles entquillt. Die Klänge der Natur singen das Wiegenlied allen Künsten!

OLIVIER
Die Sprache des Menschen allein ist der Boden, dem sie entspriessen.

FLAMAND
Der Schmerzensschrei ging der Sprache voraus!

OLIVIER
Doch das Leid zu deuten vermag sie allein. Der wirklichen Tiefe des Tragischen kann nur die Dichtkunst Ausdruck verleihen. Nie kann sie in Tönen sich offenbaren!

GRÄFIN
Das sagt Ihr jetzt, in dem Augenblick, wo ein Genie uns lehrt, dass es eine musikalische Tragödie gibt?

GRAF
Halt! Noch einen Schritt und wir stehen vor dem Abgrund! Schon stehen wir der »Oper« Aug in Aug gegenüber.

GRÄFIN
Ein schöner Anblick, ich wag' es zu sagen.

CLAIRON
Etwas absonderlich, dieses Geschöpf aus Tönen und Worten.

GRAF
dazwischen rufend
Und Rezitativen! Und Rezitativen!

OLIVIER
Komponist und Dichter, einer vom andern schrecklich behindert verschwenden unsägliche Mühen, um es zur Welt zu bringen.

GRAF
Eine Oper ist ein absurdes Ding. Befehle werden singend erteilt, über Politik im Duett verhandelt. Man tanzt um ein Grab, und Dolchstiche werden melodisch verabreicht.

CLAIRON
Ich könnte mich damit befreunden, dass man in der Oper mit einer Arie stirbt. Warum aber sind die Verse immer schlechter als die Musik? Dieser verdanken sie doch erst die Kraft ihres Ausdrucks.

GRÄFIN
Bei Gluck ist es anders. Er führt die Dichter, er kennt die Leidenschaft unserer Herzen und er erweckt in jenen verborgene Kräfte.

OLIVIER
Auch bei ihm ist das Wort mir ein Stiefkind des Taktstocks.

FLAMAND
Nur bei ihm ist die Musik nicht mehr Dienerin! - Dem Worte ebenbürtig, singt sie mit ihm.

GRAF
Wenn nur die Rezitative nicht wären! Wer widerstünde der bleiernen Langeweile, die sie verbreiten?

OLIVIER
Endlos schleppen sie sich dahin.

GRAF
Sie haben weder die Süsse der Melodie noch denReiz der kraftvollen Rede.

FLAMAND
Eure Kritik trifft die Oper des alten Stils. Das »Accompagnato« unseres Meisters hat die Kraft des antiken Monologes. Der Reichtum des Orchesters macht es zu Höhepunkten in seinen Tragödien.

CLAIRON
Und die Arie? Soll sie verschwinden?

DIREKTOR
Das unheilbare Gebrechen unserer Opern ist der betäubende Lärm des Orchesters. Sein Brüllen und Toben verschlingt die Stimmen. Die Sänger werden gezwungen, zu schreien.

GRAF
Ob der Text gut oder schlecht, ist ohne Bedeutung. Niemand kann ihn verstehen.

DIREKTOR
Wo bleibt der Gesang, diese Gabe der Götter? Die menschliche Stimme, das Ur-Instrument, es wird vergewaltigt züi Sklavendiensten! Dahin die Tradition des alten italienischen Gesanges! Der Bel Canto liegt im Sterben!

CLAIRON
Ein dramatischer Tod!

OLIVIER
Seine prophetischen Worte scheinen mir stark übertrieben.

GRÄFIN
ironisch
Bevor sein Leben erloschen, lieber La Roche, lassen Sie uns Ihre Sänger hören! Wir wollen uns immerhin von der Lebenskraft der italienischen Gesangskunst ein Bild machen.

Der Direktor gibt ein Zeichen, worauf die italienische Sängerin und der italienische Tenor eintreten

FLAMAND
ironisch
Gib uns eine Probe deiner »dienenden« Kunst!

DIREKTOR
Sie hören ein Duett einer italienischen Oper nach einem Text des Metastasio.

GRÄFIN
Es wird die Debatte wohltuend beschliessen.
Die Sänger beginnen ihr Duett. - Der Graf bringt Clairon galant eine neue Tasse Schokolade und setzt sich zu ihr


DUETT DER ITALIENISCHEN SÄNGER

TENOR
Addio, mia vita, addio,
Non piangere il mio fato;
Misero non son'io:
Sei fida, ed io lo so.
Se non ti moro allato,
Idolo del cor mio,
Col tuo bel nome amato
Fra' labbri, io morirò.

SOPRAN
Se a me t'invola il fato,
Idolo del cor mio,
Col tuo bel nome amato
Fra' labbri, io morirä.

TENOR
Addio mia vita,

SOPRAN
addio.
Luce degli occhi miei.

GRÄFIN
Ein sehr heiteres »Addio«! Finden Sie nicht auch, Flamand? Der Text scheint nicht sehr zur Musik zu passen.

GRAF
Bravo! Bravo! Bei einer schönen Kantilene werden einem die Worte völlig gleichgültig.

FLAMAND
Es bleibt immerhin eine Kunst, auf eine heitere Melodie so grossen Schmerz auszudrücken.

OLIVIER
Diese Kunst hat einen Vorzug: Wir fühlen uns trotz des grausamenVorgangs angenehm getröstet.

TENOR
Quando fedel mi sei,
Che più bramar dovrò?

SOPRAN
Quando il mio ben perdei,
Che più sperar potrö?

TENOR
Un tenero contento
Eguale a quel ch'io sento,
Numi, i mai provò!

SOPRAN
Un barbaro tormento
Eguale a quel ch'io sento,
Numi, chi mai, provò?

TENOR
Addio, mia vita, addio!

SOPRAN
Addio luce degli occhi miei!
Freundlicher Beifall von allen Seiten. Die Gräfin lädt die beiden ein, einige Erfrischungen zu nehmen. - Graf und Clairon sind im Vordergrund sitzengeblieben

GRAF
Darf ich Sie nach Paris zurückbringen und dort noch ein wenig in Ihrer Gesellschaft sein?

CLAIRON
Ich muss meine Rolle für morgen studieren. Wollen Sie mich abhören?

GRAF
Ich will in allem Ihr Diener sein!

CLAIRON
Das sollten Sie nicht sagen.

GRAF
Warum nicht wenigstens sagen?

CLAIRON
Weil ich überzeugt bin, dass Sie selten das sagen, was Sie wirklich denken.

GRAF
So erraten Sie meine Gedanken?

CLARION
Halten Sie das für schwierig?

GRAF
Ihre Stichworte sind nicht immer leicht zu beantworten.

CLAIRON
Wenn es Ihre Weltanschauung nicht ins Wanken bringt, dürfen Sie mich begleiten.

GRAF
Sie machen mich glücklich!

CLAIRON
Sie haben einen schönen Geist. Ich bin nicht im Zweifel, dass Sie auch noch andere Gemeinplätze artig zu sagen vermögen.

GRÄFIN
kommt mit dem Direktor wieder nach vorne
Werden Ihre Neapolitaner auch bei meiner Geburtstagsfeier mitwirken?

DIREKTOR
Gewiss, gewiss, sie sind aber nur ein winziger Teil meines grossangelegten Programms.

OLIVIER
Vergeblich warten wir seit Tagen auf die Enthüllung deiner geheimnisvollen Pläne.

FLAMAND
Wir lechzen danach, endlich etwas zu erfahren.

GRÄFIN
So verraten Sie uns doch endlich Ihr grosses Programm!

DIREKTOR
Das Huldigungsfestspiel, die grandiose »azione teatrale« meiner gesamten Truppe, hat zwei Teile. Da ist zuerst die Darstellung einer erhabenen Allegorie: »Die Geburt der Pallas Athene.« Aus dem Kopf des Zeus wird sie geboren!

GRAF
Wie das?

DIREKTOR
So erzählt's die Legende: Nachdem er mit Metis das Kind gezeugt, verschlang er die Mutter...

GRAF
Wie? Er hat sie verschluckt?

FLAMAND und OLIVIER
Verschluckt?

GRÄFIN und CLAIRON
Verschluckt?

OLIVIER
Er schlingt sie hinunter wie ein Hecht, die zarte Geliebte ...

CLAIRON
Aus Liebe?

GRAF
Aus Liebe? Wie zärtlich!

GRÄFIN
Aus Liebe?

GRAF
Aus Hunger!

FLAMAND
Aus Angst vor Juno!

DIREKTOR
fährt fort
In ihm wächst die Tochter.

OLIVIER
Die Geliebte versteckt vor der eifersüchtigen Gattin!

CLAIRON
Ein kurioses Mittel, seine Seitensprünge zu verbergen! Ha! Ha!

DIREKTOR
Und als Kind seines Geistes steigt sie jäh empor aus dem Haupt des Gottes!

OLIVIER
Und Zeus?

DIREKTOR
In voller Rüstung - von Chören begrüsst!

FLAMAND
Ha! Ha!

OLIVIER
Ihm ist wohl bei solcher Entbindung!

DIREKTOR
Die Erde erbebt...

FLAMAND
Ein quälender Kopfschmerz ...

DIREKTOR
Die Sonne stelit still!

CLAIRON
Und die Mutter?

FLAMAND
... scheint ausser Frage!

CLAIRON
Wo bleibt sie?

DIREKTOR
Pauken und Zymbeln...

FLAMAND
Sie bleibt spurlos verschwunden!

DIREKTOR
... schildern die Erregung des Weltalls!

OLIVIER
Sie liegt ihm im Magen!

GRAF
Ein possierlicher Einfall!


OKTETT
I. Teil

Lach-Ensemble

GRÄFIN
Sie lachen ihn aus und er meint es so ernst. Seine Würde ist köstlich! Ha! Ha! Im Grunde ist er rührend, der alte Herr in seinem jugendlichen Feuer! Seine Phantasie treibt wundersame Blüten! Seine Naivität ist wirklich entzückend!

CLAIRON
Er ist wie immer originell in seinen Einfällen. Ein kühner Neuerer! Ha! Ha! Eine poetische Idee - in natura dargestellt! Hai Hai Er bringt Zeus in eine fatale Situation! Ha! Ha! Vaterfreuden besonderer Art! Ha! Ha! Bizarrer Gedanke! Ha! Ha!

GRAF
Ha! Ha! Er meint es ganz ernst! Diese Theaterleute sind ganze Narren! Ha! Ha! Sie leben im Mondlicht ihrer fixen Ideen! Ha! Ha! - Wie lächerlich! Sie fährt ihm in voller Rüstung aus dem Kopf. Hai Hai Ein possierlicher Einfall! - Als Geburtstagsüberraschung für meine Schwester! Ha! Ha!

DER ITALIENISCHE TENOR
Sie lachen ihn aus - er wird schlechter Laune. Was ist da zu tun?

DIE SÄNGERIN
Die Torte ist grossartig! Nimm, Gaetano!

DER TENOR
Ich glaube, wir kommen heute nicht mehr züi unserem Vorschuss.

DIE SÄNGERIN
Ich habe dir geraten, heute früh ihn zu fordern, vor unserer Fahrt hierher auf das Schloss.

DER ITALIENISCHE TENOR
Er war nie allein, wie sollt' ich es machen!!

DIE SÄNGERIN
Die Torte ist grossartig! Sie zerfliesst auf der Zunge! Nimm, Gaetano - - -

DER TENOR
Sie isst und isst und trinkt und isst!

DIE SÄNGERIN
Brüll nicht auf mich, Gatano' Die Torte ist grossartig! Nimm, teurer Freund. - *Und hier die Orangen! Sizilianische Früchte - ganz ohne Kerne. - Ein reines Vergnügen!

DER TENOR
brüllt sie an
Trink' nicht so viel vom spanischen Wein!

FLAMAND
Vor unseren Augen entschlüpft sie dem mäch-tigen Haupte Gottes! Ha! Ha! In vollerRüstung - mit Schild und Speer!! »Jäh steigt sie empor« - - mit Zymbeln und Pauken! Tschin! Tschin! - Bum! Bum! Tschin! Tschin! - Bum! Bum! »Die Sonne steht still!«

OLIVIER
Ha! Ha! Schon seh' ich die Wunder seiner Regie: Hephaistos tritt auf, der mächtige Schmied! Ha! Ha! Er schwingt den Hammer! Ha! Ha! Mit wuchtigen Schlägen ... Ha! Ha! Er spaltet ihn auf, den Schädel des Zeus, damit es empor kann, das göttliche Kind. . . Ha! Ha! ans Licht der Welt! - Die Frucht seiner Liebe! Ha! Ha! Es brummt ihm der Schädel - Er wird erlöst! Ha! Ha! und Chöre besingen die göttliche Entbindung! Ha! Ha!

DIREKTOR
Ich glaube, die beiden lachen mich aus! Auch der Graf ist recht heiter! Oberflächliche Weltleute! Sie machen sich lustig über die Mythologie! Die heutige Jugend - sie hat keine Ehrfurcht! Nichts ist ihr heilig. Atheistengesindel! Wahrhaftig - sie lachen! Kein Verständnis für meine Inspiration! Atheistengesindel! Einer trostlosen Zukunft gehen sie entgegen! Lachend - in ihrem Unverstand!

GRÄFIN
Ohol Ich sehe, er fühlt sieh beleidigt durch unser Lachen. Er scheint zu grollen, ich muss ihn versöhnen. (Sie wendet sich an den Direktor) Sie sehen uns überrascht von Ihrer Phantasie. Wir zweifeln, ob ihr kühner Entwurf sich wird darstellen lassen auf dem Theater. Nehmen Sie unseren Pessimismus nicht gar zu ernst. Haben Sie Nachsicht -, wir sind ja Laien. Die Kunst Ihrer Regie wird uns eines Besseren belehren! - Und wovon handelt der zweite Teil Ihres Festspiels?

DIREKTOR
Er ist heroisch und hochdramatisch: » Der Untergang Karthagos.« Kulissen, Prospekte, herrlich gemalt; Maschinen und Massen in regster Bewegung! Die Stadt in Brand - ein Feuermeer - atembeklemmend! Die Dekoration transparent - geschliffene Stäbe aus böhmischem Glas, von rückwärts beleuchtet, in flammendem Rot! Feuerspiegel! -Glasprismen! Viertausend Kerzen - Hundert Flambeaus! Pechringe - Fackeln in allen Grössen! Eine schaukelnde Galeere, von mir konstruiert. - Blitz und Einschlag auf offener Szene - - - Die Segel in Flammen - ein brennendes Wrack! Springflut im Hafen! Der Palast stürzt ein - - -

FLAMAND
Hör auf, hör auf! Wir kennen das Ende!

OLIVIER
Zum Schluss auf den Trümmern grosses Ballett!


OKTETT
II. Teil

Streit-Ensemble

DIREKTOR
Aber so hört doch! Es kommt ja ganz anders.

FLAMAND
Veralteter Plunder -

OLIVIER
Maschinenzauber!

FLAMAND
Einzugsmärsche -

OLIVIER
Wassermusik!

FLAMAND
Sinnlose Aufzüge -

OLIVIER
Öder Pomp!

FLAMAND
Überschwemmung und Apotheose! Statisten und Fackeln!

OLIVIER
Altes Gerümpel!

GRÄFIN
Oh weh! Jetzt fallen sie über ihn her. Mein
Rettungsversuch ist gründlich missglückt. Die
Situation für ihn ist nicht beneidenswert!
Wer wird es sein? Ihre Argumente sind
niederschmetternd! Sie glauben? Er tut mir leid!
Die beiden gehen wirklich zu weit. Olivier!
Flamand! Sie werden brutal! Der Streit
entbrennt immer heftiger! Er scheint verloren!
Warum sie ihn nur so vehement bedrohen? Was
haben sie vor?
Ich fürchte, der Streit wird recht peinlich enden.

GRAF
Jetzt wird es ernst! ... Ein heiterer Zank! ... Sie zerstampfen ihn ... wie in einem Mörser... bald wird nichts mehr .. von ihm übrig sein!
Ha! Ha! Ha! Die edlen Künste liegen sich in den Haaren, ihre Apostel streiten - untereinander - sie fletschen die Zähne und beginnen zu raufen! Wie lächerlich wichtig sie alles nehmen! Ha! Ha! Sie zerreissen ihn in der Luft, weil er uns mit einem Ausstattungsballett unterhalten wollte! Wie ungerecht! La Roche in der Klemme! - Ein köstlicher Anblick! Ha! Ha! Ha! Er ist äusserst bestürzt und kommt nicht zu Wort. Wo bleibt seine oft gepriesene Schlagfertigkeit? Wie wird er sich retten? -

FLAMAND
Ein Spektakel, bei dem die Dekorationen die Hauptrolle spielen!

OLIVIER
Ein Schaustück ohne Darsteller!

FLAMAND
Wie ein Gespenst aus einem vergangenen Jahrhundert blickt dein Stück in unsere Zeit!

OLIVIER
Er erspart sich den Dichter - Wozu auch Verse?

FLAMAND
Von Musik war überhaupt nicht die Rede!

BEIDE
Wort oder Ton? Ha! Welch eine Frage? »Flugmaschinen oder Versenkungen« muss es heissen! Nicht weiter! Sei still! Inhaltloses, schales Theater aus einer längst verklungenen Zeit! Unsinnig-schädlich und lächerlich!

OLIVIER
Transparente Kulissen? Warum nicht ein ehrliches Feuerwerk?

FLAMAND
Wozu ein Orchester? Die Donnermaschine tut bessere Dienste!

OLIVIER
Wo bleibt der Gesang?

FLAMAND
Oho, du irrst: Zu all' dem wird italienisch ge-sungen. Triller-Rouladen! Kadenzen! Kadenzen!

BEIDE
»Veto!« »Veto!« Wir sagen uns los von deinen Künsten! Deine Zeit ist vorüber! Vorbei! Vorbei!

CLAIRON
Haben Sie keine Sorge! Ein Streit zwischen Männern endet immer mit einem Sieger! Wenn sie sich ausgetobt haben, wird er ihnen antworten. Seien Sie beruhigt, er ist nicht schüchtern. Ich kenn' ihn! Seine Widerstandskraft ist nicht leicht zu brechen! Seine »Suada« hat schon manchen niedergestreckt. Er braucht Ihren Schutz nicht, er hilft sich schon selbst! Lassen Sie sich nicht täuschen! Er wird sich furchtbar rächen! Er sammelt Kräfte, dann schlägt er los. Sehen Sie, sehen Sie, jetzt holt er aus. Sein Konzept ist fertig! O, er wird Blitze schleudern! Sehen Sie, sehen Sie, jetzt schlägt er los!

DIREKTOR
So lasst mich doch nur zu Worte kommen!
Vorschnell beurteilt ihr! Ich bin noch nicht fertig!
Aber ...
Wozu diese Vorwürfe? Ihr irrt euch!
Was soll euer Schimpfen?
Alberne Streitsucht! So lasst euch erklären!
Hört doch zu Ende, bevor ihr beurteilt!
Ich bitt' euch ... Aber - aber ...

DER ITALIENISCHE TENOR
Nun streiten sie ernstlich ... Aus ist's für heute mit unsrem Vorschuss!

DIE SÄNGERIN
beginnt weinselig die Melodie des Duetts zu singen
Addio mio dolce acconto, Non piangere il nostro fato!

DER TENOR
stimmt parodierend ein
A morire io son pronto, io povero disgraziato!

BEIDE
Quando il nostro acconto perdiamo, che più sperare potrò? Quando senza danari noi siamo, Che cosa mai far io dovrò?
Un triste malcontento, eguale a quel ch'io sento, Numi, chi mai provò?
Addio mio acconto amato, invano abbiamo sperato!


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