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ERSTER TEIL

Nr. 1 Einleitung

Die Vorstellung des Chaos

Rezitativ mit Chor

RAPHAEL

Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde,
und die Erde war ohne Form und leer,
und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.

CHOR
Und der Geist Gottes
Schwebte auf der Fläche der Wasser,
Und Gott sprach: Es werde Licht!
Und es ward Licht.

URIEL
Und Gott sah das Licht, daß es gut war,
und Gott schied das Licht von der Finsternis.

Nr. 2 Arie mit Chor

URIEL
Nun schwanden vor dem heiligen Strahle
Des schwarzen Dunkels gräuliche Schatten:
Der erste Tag entstand.
Verwirrung weicht, und Ordnung keimt empor.
Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar
In des Abgrunds Tiefen hinab
Zur ewigen Nacht.

CHOR
Verzweiflung, Wut und Schrecken
Begleiten ihren Sturz,
Und eine neue Welt
Entspringt auf Gottes Wort.

Nr. 3 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott machte das Firmament und teilte die Wasser,
die unter dem Firmament waren, von den Gewässern,
die ober dem Firmament waren, und es ward so.
Da tobten brausend heftige Stürme; wie Spreu vor
dem Winde, so flogen die Wolken, die Luft
durchschnitten feurige Blitze und schrecklich rollten
die Donner umher. Der Flut entstieg auf sein Geheiß
der allerquickende Regen, der allerverheerende
Schauer, der leichte, flockige Schnee.

Nr. 4 Chor mit Sopransolo

GABRIEL
Mit Staunen sieht das Wunderwerk
Der Himmelsbürger frohe Schar,
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Des Schöpfers Lob,
Das Lob des zweiten Tags.

CHOR
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Des Schöpfers Lob,
Das Lob des zweiten Tags.

Nr. 5 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser
unter dem Himmel zusammen an einem Platz
und es erscheine das trockne Land; und es ward so.
Und Gott nannte das trockne Land "Erde"
und die Sammlung der Wasser nannte er "Meer";
Und Gott sah, daß es gut war.

Nr. 6 Arie

RAPHAEL
Rollend in schäumenden Wellen
Bewegt sich ungestüm das Meer.
Hügel und Felsen erscheinen,
Der Berge Gipfel steigt empor.
Die Fläche, weit gedehnt,
Durchläuft der breite Strom
In mancher Krümme.
Leise rauschend gleitet fort
Im stillen Tal der helle Bach.

Nr. 7 Rezitativ

GABRIEL
Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras
hervor, Kräuter. die Samen geben,
und Obstbäume, die Früchte bringen ihrer Art
gemäß, die ihren Samen in sich selbst haben
auf der Erde; und es ward so.

Nr. 8 Arie

GABRIEL
Nun beut die Flur das frische Grün
Dem Auge zur Ergötzung dar.
Den anmutsvollen Blick
Erhöht der Blumen sanfter Schmuck.
Hier duften Kräuter Balsam aus,
Hier sproßt den Wunden Heil.
Die Zweige krümmt der goldnen Früchte Last;
Hier wölbt der Hain zum kühlen Schirme sich,
Den steilen Berg bekrönt ein dichter Wald.

Nr. 9 Rezitativ

URIEL
Und die himmlischen Heerscharen verkündigten
den dritten Tag, Gott preisend und sprechend:

Nr. 10 Chor

CHOR
Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier,
Laßt euren Lobgesang erschallen!
Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott,
Denn er hat Himmel und Erde
Bekleidet in herrlicher Pracht!

Nr. 11 Rezitativ

URIEL
Und Gott sprach: Es sei'n Lichter an der Feste
des Himmels, um den Tag von der Nacht zu
scheiden und Licht auf der Erde zu geben,
und es seien diese für Zeichen und für Zeiten
und für Tage und für Jahre. Er machte die
Sterne gleichfalls.

Nr. 12 Rezitativ

URIEL
In vollem glanze steiget jetzt
Die Sonne strahlend auf,
Ein wonnevoller Bräutigam,
Ein Riese stolz und froh,
Zu rennen seine Bahn.
Mit leisem Gang und sanftem Schimmer
Schleicht der Mond die stille Nacht hindurch.
Den ausgedehnten Himmelsraum
Ziert ohne Zahl der hellen Sterne Gold.
Und die Söhne Gottes
Verkündigten den vierten Tag
Mit himmlischem Gesang,
Seine Macht ausrufend also:

Nr. 13 Chor mit Soli

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Dem kommenden Tage sagt es der Tag,
Die Nacht, die verschwand, der folgenden Nacht:

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
In alle Welt ergeht das Wort,
Jedem Ohre klingend,
Keiner Zunge fremd:

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.



ZWEITER TEIL

Nr. 14 Rezitativ

GABRIEL
Und Gott sprach: Es bringe das Wasser in der
Fülle hervor webende Geschöpfe, die Leben
haben, und Vögel, die über der Erde fliegen
mögen in dem offenen Firmamente
des Himmels.

Nr. 15 Arie

GABRIEL
Auf starkem Fittiche
Schwinget sich der Adler stolz
Und teilet die Luft
Im schnellesten Fluge
Zur Sonne hin.
Den Morgen grüßt
Der Lerche frohes Lied,
Und Liebe girrt
Das zarte Taubenpaar.
Aus jedem Busch und Hain erschallt
Der Nachtigallen süße Kehle.
Noch drückte Gram nicht ihre Brust,
Noch war zur Klage nicht gestimmt
Ihr reizender Gesang.

Nr. 16 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott schuf große Walfische und ein
jedes lebende Geschöpf, das sich beweget,
und Gott segnete sie, sprechend:
Seid fruchtbar alle, mehret euch,
Bewohner der Luft, vermehret euch
Und singt auf jedem Aste!
Mehret euch, ihr Flutenbewohner,
Und füllet jede Tiefe!
Seid fruchtbar, wachset, mehret euch,
Erfreuet euch in eurem Gott!

Nr. 17 Rezitativ

RAPHAEL
Und die Engel rührten ihr' unsterblichen Harfen
und sangen die Wunder des fünften Tags.

Nr. 18 Terzett

GABRIEL
In holder Anmut stehn,
Mit jungem Grün geschmückt,
Die wogigten Hügel da.
Aus ihren Adern quillt
In fließendem Kristall
Der kühlende Bach hervor.

URIEL
In frohen Kreisen schwebt,
Sich wiegend in der Luft,
Der munteren Vögel Schar.
Den bunten Federglanz
Erhöht im Wechselflug
Das goldene Sonnenlicht.

RAPHAEL
Das helle Naß durchblitzt
Der Fisch und windet sich
Im steten Gewühl umher.
Vom tiefsten Meeresgrund
Wälzet sich Leviathan
Auf schäumender Well' empor.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Wie viel sind deiner Werk', o Gott!
Wer fasset ihre Zahl?
Wer, o Gott! Wer fasset ihre Zahl?

Nr. 19 Chor mit Soli

CHOR
Der Herr ist groß in seiner Macht,
Und ewig bleibt sein Ruhm.

Nr. 20 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor
lebende Geschöpfe nach ihrer Art: Vieh und
krichendes Gewürm und Tiere der Erde nach
ihren Gattungen.

Nr. 21 Rezitativ

RAPHAEL
Gleich öffnet sich der Erde Schoß
Und sie gebiert auf Gottes Wort
Geschöpfe jeder Art,
In vollem Wuchs und ohne Zahl.
Vor Freude brüllend steht der Löwe da.
Hier schießt der gelenkige Tiger empor.
Das zackige Haupt erhebt der schnelle Hirsch.
Mit fliegender Mähne springt und wieh'rt
Voll Mut und Kraft das edle Roß.
Auf grünen Matten weidet schon
Das Rind, in Herden abgeteilt.
Die Triften deckt, als wie gesät,
Das wollenreiche, sanfte Schaf.
Wie Staub verbreitet sich
In Schwarm und Wirbel
Das Heer der Insekten.
In langen Zügen kriecht
Am Boden das Gewürm.

Nr. 22 Arie

RAPHAEL
Nun scheint in vollem Glanze der Himmel,
Nun prangt in ihrem Schmucke die Erde.
Die Luft erfüllt das leichte Gefieder,
Das Wasser schwellt der Fische Gewimmel,
Den Boden drückt der Tiere Last.
Doch war noch alles nicht vollbracht.
Dem ganzen fehlte das Geschöpf,
Das Gottes Werke dankbar sehn,
Des Herren Güte preisen soll.

Nr. 23 Rezitativ

URIEL
Und Gott schuf den Menschen nach seinem
Ebenbilde, nach dem Ebenbilde Gottes schuf er
ihn. Mann und Weib erschuf er sie. Den Atem des
Lebens hauchte er in sein Angesicht, und der
Mensch wurde zur lebendigen Seele.

Nr. 24 Arie

URIEL
Mit Würd' und Hoheit angetan,
Mit Schönheit, Stärk' und Mut begabt,
Gen Himmel aufgerichtet steht der Mensch,
Ein Mann und König der Natur.
Die breit gewölbt' erhabne Stirn
Verkünd't der Weisheit tiefen Sinn,
Und aus dem hellen Blicke strahlt
Der Geist, des Schöpfers Hauch und Ebenbild.
An seinen Busen schmieget sich
Für ihn, aus ihm geformt,
Die Gattin, hold und anmutsvoll.
In froher Unschuld lächelt sie,
Des Frühlings reizend Bild,
Ihm Liebe, Glück und Wonne zu.

Nr. 25 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sah jedes Ding, was er gemacht hatte;
und es war sehr gut. Und der himmlische Chor
feierte das Ende des sechsten Tages mit lautem
Gesang:

Nr. 26 Chor

CHOR
Vollendet ist das große Werk,
Der Schöpfer sieht's und freuet sich.
Auch unsre Freund' erschalle laut,
Des Herren Lob sei unser Lied!

Nr. 27 Terzett

GABRIEL, URIEL
Zu dir, o Herr, blickt alles auf.
Um Speise fleht dich alles an.
Du öffnest deine Hand,
Gesättigt werden sie.

RAPHAEL
Du wendest ab dein Angesicht,
Da bebet alles und erstarrt.
Du nimmst den Odem weg,
In Staub zerfallen sie.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Den Odem hauchst du wieder aus,
Und neues Leben sproßt hervor.
Verjüngt ist die Gestalt der Erd'
An Reiz und Kraft.

Nr. 28 Chor

CHOR
Vollendet ist das große Werk,
Des Herren Lob sei unser Lied!
Alles lobe seinen Namen,
Denn er allein ist hoch erhaben!
Alleluja! Alleluja!



DRITTER TEIL

Nr. 29 Orchestereinleitung und Rezitativ

URIEL
Aus Rosenwolken bricht,
Geweckt durch süßen Klang,
Der Morgen jung und schön.
Vom himmlischen Gewölbe
Strömt reine Harmonie
Zur Erde hinab.
Seht das beglückte Paar,
Wie Hand in Hand es geht!
Aus ihren Blicken strahlt
Des heißen Danks Gefühl.
Bald singt in lautem Ton
Ihr Mund des Schöpfers Lob;
Laßt unsre Stimme dann
Sich mengen in ihr Lied.

Nr. 30 Duett mit Chor

EVA und ADAM
Von deiner Güt', o Herr und Gott,
Ist Erd' und Himmel voll.
Die Welt, so groß, so wunderbar,
Ist deiner Hände Werk.

CHOR
Gesegnet sei des Herren Macht,
Sein Lob erschall' in Ewigkeit.

ADAM
Der Sterne hellster, o wie schön
Verkündest du den Tag!
Wie schmückst du ihn, o Sonne du,
Des Weltalls Seel' und Aug'!

CHOR
Macht kund auf eurer weiten Bahn
Des Herren Macht und seinen Ruhm!

EVA
Und du, der Nächte Zierd' und Trost,
Und all das strahlend' Heer,
Verbreitet überall sein Lob
In euerm Chorgesang.

ADAM
Ihr Elemente, deren Kraft
Stets neue Formen zeugt,
Ihr Dünst' und Nebel,
Die der Wind versammelt und vertreibt:

EVA, ADAM und CHOR
Lobsinget alle Gott, dem Herrn,
Groß wie sein Nam' ist seine Macht.

EVA
Sanft rauschend lobt, o Quellen, ihn!
Den Wipfel neigt, ihr Bäum'!
Ihr Pflanzen duftet, Blumen haucht
Ihm euern Wohlgeruch!

ADAM
Ihr, deren Pfad die Höh'n erklimmt,
Und ihr, die niedrig kriecht,
Ihr, deren Flug die Luft durchschneid't,
Und ihr im tiefen Naß:

EVA, ADAM und CHOR
Ihr Tiere, preiset alle Gott!
Ihn lobe, was nur Odem hat!

EVA und ADAM
Ihr dunklen Hain', ihr Berg' und Tal',
Ihr Zeugen unsres Danks,
Ertönen sollt ihr früh und spät
Von unserm Lobgesang.

CHOR
Heil dir, o Gott, o Schöpfer, Heil!
Aus deinem Wort entstand die Welt,
Dich beten Erd' und Himmel an,
Wir preisen dich in Ewigkeit!

Nr. 31 Rezitativ

ADAM
Nun ist die erste Pflicht erfüllt,
Dem Schöpfer haben wir gedankt.
Nun folge mir, Gefährtin meines Lebens!
Ich leite dich, und jeder Schritt
Weckt neue Freud' in unsrer Brust,
Zeigt Wunder überall.
Erkennen sollst du dann,
Welch unaussprechlich Glück
Der Herr uns zugedacht.
Ihn preisen immerdar,
Ihm weihen Herz und Sinn.
Komm, folge mir, ich leite dich.

EVA
O du., für den ich ward,
Mein Schirm, mein Schild, mein All!
Dein Will' ist mir Gesetz.
So hat's der Herr bestimmt,
Und dir gehorchen bringt
Mir Freude, Glück und Ruhm.

Nr. 32Duett

ADAM
Holde Gattin, dir zur Seite
Fließen sanft die Stunden hin.
Jeder Augenblick ist Wonne,
Keine Sorge trübet sie.

EVA
Teurer Gatte, dir zur Seite,
Schwimmt in Freuden mir das Herz.
Dir gewidmet ist mein Leben,
Deine Liebe sei mein Lohn.

ADAM
Der tauende Morgen,
O wie ermuntert er!

EVA
Die Kühle des Abends,
O wie erquicket sie!

ADAM
Wie labend ist
Der runden Früchte Saft!

EVA
Wie reizend ist
Der Blumen süßer Duft!

EVA und ADAM
Doch ohne dich, was wäre mir -

ADAM
Der Morgentau,

EVA
Der Abendhauch,

ADAM
Der Früchte Saft,

EVA
Der Blumen Duft.

EVA und ADAM
Mit dir erhöht sich jede Freude,
Mit dir genieß ich doppelt sie,
Mit dir ist Seligkeit das Leben,
Dir sei es ganz geweiht!

Nr. 33 Rezitativ

URIEL
O glücklich Paar, und glücklich immerfort,
Wenn falscher Wahn euch nicht verführt,
Noch mehr zu wünschen als ihr habt,
Und mehr zu wissen als ihr sollt!

Nr. 34 Schlußchor mit Soli

CHOR
Singt dem Herren alle Stimmen!
Dankt ihm alle seine Werke!
Laßt zu Ehren seines Namens
Lob im Wettgesang erschallen!
Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit!
Amen!
ERSTER TEIL

Nr. 1 Einleitung

Die Vorstellung des Chaos

Rezitativ mit Chor

RAPHAEL

Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde,
und die Erde war ohne Form und leer,
und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.

CHOR
Und der Geist Gottes
Schwebte auf der Fläche der Wasser,
Und Gott sprach: Es werde Licht!
Und es ward Licht.

URIEL
Und Gott sah das Licht, daß es gut war,
und Gott schied das Licht von der Finsternis.

Nr. 2 Arie mit Chor

URIEL
Nun schwanden vor dem heiligen Strahle
Des schwarzen Dunkels gräuliche Schatten:
Der erste Tag entstand.
Verwirrung weicht, und Ordnung keimt empor.
Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar
In des Abgrunds Tiefen hinab
Zur ewigen Nacht.

CHOR
Verzweiflung, Wut und Schrecken
Begleiten ihren Sturz,
Und eine neue Welt
Entspringt auf Gottes Wort.

Nr. 3 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott machte das Firmament und teilte die Wasser,
die unter dem Firmament waren, von den Gewässern,
die ober dem Firmament waren, und es ward so.
Da tobten brausend heftige Stürme; wie Spreu vor
dem Winde, so flogen die Wolken, die Luft
durchschnitten feurige Blitze und schrecklich rollten
die Donner umher. Der Flut entstieg auf sein Geheiß
der allerquickende Regen, der allerverheerende
Schauer, der leichte, flockige Schnee.

Nr. 4 Chor mit Sopransolo

GABRIEL
Mit Staunen sieht das Wunderwerk
Der Himmelsbürger frohe Schar,
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Des Schöpfers Lob,
Das Lob des zweiten Tags.

CHOR
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Des Schöpfers Lob,
Das Lob des zweiten Tags.

Nr. 5 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser
unter dem Himmel zusammen an einem Platz
und es erscheine das trockne Land; und es ward so.
Und Gott nannte das trockne Land "Erde"
und die Sammlung der Wasser nannte er "Meer";
Und Gott sah, daß es gut war.

Nr. 6 Arie

RAPHAEL
Rollend in schäumenden Wellen
Bewegt sich ungestüm das Meer.
Hügel und Felsen erscheinen,
Der Berge Gipfel steigt empor.
Die Fläche, weit gedehnt,
Durchläuft der breite Strom
In mancher Krümme.
Leise rauschend gleitet fort
Im stillen Tal der helle Bach.

Nr. 7 Rezitativ

GABRIEL
Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras
hervor, Kräuter. die Samen geben,
und Obstbäume, die Früchte bringen ihrer Art
gemäß, die ihren Samen in sich selbst haben
auf der Erde; und es ward so.

Nr. 8 Arie

GABRIEL
Nun beut die Flur das frische Grün
Dem Auge zur Ergötzung dar.
Den anmutsvollen Blick
Erhöht der Blumen sanfter Schmuck.
Hier duften Kräuter Balsam aus,
Hier sproßt den Wunden Heil.
Die Zweige krümmt der goldnen Früchte Last;
Hier wölbt der Hain zum kühlen Schirme sich,
Den steilen Berg bekrönt ein dichter Wald.

Nr. 9 Rezitativ

URIEL
Und die himmlischen Heerscharen verkündigten
den dritten Tag, Gott preisend und sprechend:

Nr. 10 Chor

CHOR
Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier,
Laßt euren Lobgesang erschallen!
Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott,
Denn er hat Himmel und Erde
Bekleidet in herrlicher Pracht!

Nr. 11 Rezitativ

URIEL
Und Gott sprach: Es sei'n Lichter an der Feste
des Himmels, um den Tag von der Nacht zu
scheiden und Licht auf der Erde zu geben,
und es seien diese für Zeichen und für Zeiten
und für Tage und für Jahre. Er machte die
Sterne gleichfalls.

Nr. 12 Rezitativ

URIEL
In vollem glanze steiget jetzt
Die Sonne strahlend auf,
Ein wonnevoller Bräutigam,
Ein Riese stolz und froh,
Zu rennen seine Bahn.
Mit leisem Gang und sanftem Schimmer
Schleicht der Mond die stille Nacht hindurch.
Den ausgedehnten Himmelsraum
Ziert ohne Zahl der hellen Sterne Gold.
Und die Söhne Gottes
Verkündigten den vierten Tag
Mit himmlischem Gesang,
Seine Macht ausrufend also:

Nr. 13 Chor mit Soli

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Dem kommenden Tage sagt es der Tag,
Die Nacht, die verschwand, der folgenden Nacht:

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
In alle Welt ergeht das Wort,
Jedem Ohre klingend,
Keiner Zunge fremd:

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.



ZWEITER TEIL

Nr. 14 Rezitativ

GABRIEL
Und Gott sprach: Es bringe das Wasser in der
Fülle hervor webende Geschöpfe, die Leben
haben, und Vögel, die über der Erde fliegen
mögen in dem offenen Firmamente
des Himmels.

Nr. 15 Arie

GABRIEL
Auf starkem Fittiche
Schwinget sich der Adler stolz
Und teilet die Luft
Im schnellesten Fluge
Zur Sonne hin.
Den Morgen grüßt
Der Lerche frohes Lied,
Und Liebe girrt
Das zarte Taubenpaar.
Aus jedem Busch und Hain erschallt
Der Nachtigallen süße Kehle.
Noch drückte Gram nicht ihre Brust,
Noch war zur Klage nicht gestimmt
Ihr reizender Gesang.

Nr. 16 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott schuf große Walfische und ein
jedes lebende Geschöpf, das sich beweget,
und Gott segnete sie, sprechend:
Seid fruchtbar alle, mehret euch,
Bewohner der Luft, vermehret euch
Und singt auf jedem Aste!
Mehret euch, ihr Flutenbewohner,
Und füllet jede Tiefe!
Seid fruchtbar, wachset, mehret euch,
Erfreuet euch in eurem Gott!

Nr. 17 Rezitativ

RAPHAEL
Und die Engel rührten ihr' unsterblichen Harfen
und sangen die Wunder des fünften Tags.

Nr. 18 Terzett

GABRIEL
In holder Anmut stehn,
Mit jungem Grün geschmückt,
Die wogigten Hügel da.
Aus ihren Adern quillt
In fließendem Kristall
Der kühlende Bach hervor.

URIEL
In frohen Kreisen schwebt,
Sich wiegend in der Luft,
Der munteren Vögel Schar.
Den bunten Federglanz
Erhöht im Wechselflug
Das goldene Sonnenlicht.

RAPHAEL
Das helle Naß durchblitzt
Der Fisch und windet sich
Im steten Gewühl umher.
Vom tiefsten Meeresgrund
Wälzet sich Leviathan
Auf schäumender Well' empor.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Wie viel sind deiner Werk', o Gott!
Wer fasset ihre Zahl?
Wer, o Gott! Wer fasset ihre Zahl?

Nr. 19 Chor mit Soli

CHOR
Der Herr ist groß in seiner Macht,
Und ewig bleibt sein Ruhm.

Nr. 20 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor
lebende Geschöpfe nach ihrer Art: Vieh und
krichendes Gewürm und Tiere der Erde nach
ihren Gattungen.

Nr. 21 Rezitativ

RAPHAEL
Gleich öffnet sich der Erde Schoß
Und sie gebiert auf Gottes Wort
Geschöpfe jeder Art,
In vollem Wuchs und ohne Zahl.
Vor Freude brüllend steht der Löwe da.
Hier schießt der gelenkige Tiger empor.
Das zackige Haupt erhebt der schnelle Hirsch.
Mit fliegender Mähne springt und wieh'rt
Voll Mut und Kraft das edle Roß.
Auf grünen Matten weidet schon
Das Rind, in Herden abgeteilt.
Die Triften deckt, als wie gesät,
Das wollenreiche, sanfte Schaf.
Wie Staub verbreitet sich
In Schwarm und Wirbel
Das Heer der Insekten.
In langen Zügen kriecht
Am Boden das Gewürm.

Nr. 22 Arie

RAPHAEL
Nun scheint in vollem Glanze der Himmel,
Nun prangt in ihrem Schmucke die Erde.
Die Luft erfüllt das leichte Gefieder,
Das Wasser schwellt der Fische Gewimmel,
Den Boden drückt der Tiere Last.
Doch war noch alles nicht vollbracht.
Dem ganzen fehlte das Geschöpf,
Das Gottes Werke dankbar sehn,
Des Herren Güte preisen soll.

Nr. 23 Rezitativ

URIEL
Und Gott schuf den Menschen nach seinem
Ebenbilde, nach dem Ebenbilde Gottes schuf er
ihn. Mann und Weib erschuf er sie. Den Atem des
Lebens hauchte er in sein Angesicht, und der
Mensch wurde zur lebendigen Seele.

Nr. 24 Arie

URIEL
Mit Würd' und Hoheit angetan,
Mit Schönheit, Stärk' und Mut begabt,
Gen Himmel aufgerichtet steht der Mensch,
Ein Mann und König der Natur.
Die breit gewölbt' erhabne Stirn
Verkünd't der Weisheit tiefen Sinn,
Und aus dem hellen Blicke strahlt
Der Geist, des Schöpfers Hauch und Ebenbild.
An seinen Busen schmieget sich
Für ihn, aus ihm geformt,
Die Gattin, hold und anmutsvoll.
In froher Unschuld lächelt sie,
Des Frühlings reizend Bild,
Ihm Liebe, Glück und Wonne zu.

Nr. 25 Rezitativ

RAPHAEL
Und Gott sah jedes Ding, was er gemacht hatte;
und es war sehr gut. Und der himmlische Chor
feierte das Ende des sechsten Tages mit lautem
Gesang:

Nr. 26 Chor

CHOR
Vollendet ist das große Werk,
Der Schöpfer sieht's und freuet sich.
Auch unsre Freund' erschalle laut,
Des Herren Lob sei unser Lied!

Nr. 27 Terzett

GABRIEL, URIEL
Zu dir, o Herr, blickt alles auf.
Um Speise fleht dich alles an.
Du öffnest deine Hand,
Gesättigt werden sie.

RAPHAEL
Du wendest ab dein Angesicht,
Da bebet alles und erstarrt.
Du nimmst den Odem weg,
In Staub zerfallen sie.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Den Odem hauchst du wieder aus,
Und neues Leben sproßt hervor.
Verjüngt ist die Gestalt der Erd'
An Reiz und Kraft.

Nr. 28 Chor

CHOR
Vollendet ist das große Werk,
Des Herren Lob sei unser Lied!
Alles lobe seinen Namen,
Denn er allein ist hoch erhaben!
Alleluja! Alleluja!



DRITTER TEIL

Nr. 29 Orchestereinleitung und Rezitativ

URIEL
Aus Rosenwolken bricht,
Geweckt durch süßen Klang,
Der Morgen jung und schön.
Vom himmlischen Gewölbe
Strömt reine Harmonie
Zur Erde hinab.
Seht das beglückte Paar,
Wie Hand in Hand es geht!
Aus ihren Blicken strahlt
Des heißen Danks Gefühl.
Bald singt in lautem Ton
Ihr Mund des Schöpfers Lob;
Laßt unsre Stimme dann
Sich mengen in ihr Lied.

Nr. 30 Duett mit Chor

EVA und ADAM
Von deiner Güt', o Herr und Gott,
Ist Erd' und Himmel voll.
Die Welt, so groß, so wunderbar,
Ist deiner Hände Werk.

CHOR
Gesegnet sei des Herren Macht,
Sein Lob erschall' in Ewigkeit.

ADAM
Der Sterne hellster, o wie schön
Verkündest du den Tag!
Wie schmückst du ihn, o Sonne du,
Des Weltalls Seel' und Aug'!

CHOR
Macht kund auf eurer weiten Bahn
Des Herren Macht und seinen Ruhm!

EVA
Und du, der Nächte Zierd' und Trost,
Und all das strahlend' Heer,
Verbreitet überall sein Lob
In euerm Chorgesang.

ADAM
Ihr Elemente, deren Kraft
Stets neue Formen zeugt,
Ihr Dünst' und Nebel,
Die der Wind versammelt und vertreibt:

EVA, ADAM und CHOR
Lobsinget alle Gott, dem Herrn,
Groß wie sein Nam' ist seine Macht.

EVA
Sanft rauschend lobt, o Quellen, ihn!
Den Wipfel neigt, ihr Bäum'!
Ihr Pflanzen duftet, Blumen haucht
Ihm euern Wohlgeruch!

ADAM
Ihr, deren Pfad die Höh'n erklimmt,
Und ihr, die niedrig kriecht,
Ihr, deren Flug die Luft durchschneid't,
Und ihr im tiefen Naß:

EVA, ADAM und CHOR
Ihr Tiere, preiset alle Gott!
Ihn lobe, was nur Odem hat!

EVA und ADAM
Ihr dunklen Hain', ihr Berg' und Tal',
Ihr Zeugen unsres Danks,
Ertönen sollt ihr früh und spät
Von unserm Lobgesang.

CHOR
Heil dir, o Gott, o Schöpfer, Heil!
Aus deinem Wort entstand die Welt,
Dich beten Erd' und Himmel an,
Wir preisen dich in Ewigkeit!

Nr. 31 Rezitativ

ADAM
Nun ist die erste Pflicht erfüllt,
Dem Schöpfer haben wir gedankt.
Nun folge mir, Gefährtin meines Lebens!
Ich leite dich, und jeder Schritt
Weckt neue Freud' in unsrer Brust,
Zeigt Wunder überall.
Erkennen sollst du dann,
Welch unaussprechlich Glück
Der Herr uns zugedacht.
Ihn preisen immerdar,
Ihm weihen Herz und Sinn.
Komm, folge mir, ich leite dich.

EVA
O du., für den ich ward,
Mein Schirm, mein Schild, mein All!
Dein Will' ist mir Gesetz.
So hat's der Herr bestimmt,
Und dir gehorchen bringt
Mir Freude, Glück und Ruhm.

Nr. 32Duett

ADAM
Holde Gattin, dir zur Seite
Fließen sanft die Stunden hin.
Jeder Augenblick ist Wonne,
Keine Sorge trübet sie.

EVA
Teurer Gatte, dir zur Seite,
Schwimmt in Freuden mir das Herz.
Dir gewidmet ist mein Leben,
Deine Liebe sei mein Lohn.

ADAM
Der tauende Morgen,
O wie ermuntert er!

EVA
Die Kühle des Abends,
O wie erquicket sie!

ADAM
Wie labend ist
Der runden Früchte Saft!

EVA
Wie reizend ist
Der Blumen süßer Duft!

EVA und ADAM
Doch ohne dich, was wäre mir -

ADAM
Der Morgentau,

EVA
Der Abendhauch,

ADAM
Der Früchte Saft,

EVA
Der Blumen Duft.

EVA und ADAM
Mit dir erhöht sich jede Freude,
Mit dir genieß ich doppelt sie,
Mit dir ist Seligkeit das Leben,
Dir sei es ganz geweiht!

Nr. 33 Rezitativ

URIEL
O glücklich Paar, und glücklich immerfort,
Wenn falscher Wahn euch nicht verführt,
Noch mehr zu wünschen als ihr habt,
Und mehr zu wissen als ihr sollt!

Nr. 34 Schlußchor mit Soli

CHOR
Singt dem Herren alle Stimmen!
Dankt ihm alle seine Werke!
Laßt zu Ehren seines Namens
Lob im Wettgesang erschallen!
Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit!
Amen!



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