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EINZIGER AKT

Steiniges Flussufer, dichte Ölbaumgruppen. Letzte Sonne. Rechts steigt die Landschaft zum Hause des Fischers Peneios auf. Im Hintergrunde ist der Fluss zu denken. Den Abschluss bildet das gewaltige Massiv des Olymp. Die Bewegung einer grossen Schafherde wird hörbar: Zurufe, Geläute, Schieben, Drängen, Hundegebell. Mitten hinein der Laut eines mächtigen Alphorns. Herde stutzt: dann drängt sie – schwächer – weiter. Wieder das Horn. Der Laut der Herde verebbt

ERSTER SCHÄFER
auf der Bühne
Kleontes!

ZWEITER SCHÄFER
vom Fluss aufsteigend
Adrast!

ERSTER SCHÄFER
Wo bliebst du ?

ZWEITER SCHÄFER
Die Herde trieb ich zum Fluss.
Nach des Tages Glut
Labt sich unten die wollige Schar.

ERSTER SCHÄFER
Hörtest du nicht das Horn?
Der Fischer ladet zum Fest.

ZWEITER SCHÄFER
Welches Fest ?

ERSTER SCHÄFER
Das Fest der blühenden Rebe!
Wenn längs des Stromes
Die alten Stöcke erblühn
Treibend geheime Kraft
Wo sie wirkt,
Blüht selbst steinig Gefild,
Rauscht es empor
In unserm Blut.
Es naht die Zeit
Eines grossen Gottes,
Des jungen Dionysos
Herrliche Stunde!
Das Horn sehr stark

ZWEITER SCHÄFER
Furchtbar Getön!
Eines Gottes Stimme

ERSTER SCHÄFER
Nein ' nur das Zeichen
Der wichtigsten Frist
Im Leben der Herden,
Im Herzen der Hirten:
Aller Natur grosse Hochzeit –
Die Zeit der Paarung!

ZWEITER SCHÄFER
So sag mir, Vater:
Was soll ich tun ?

ERSTER SCHÄFER
Eilig hinab zum Flusse!
Sammle die Tiere!
Auch in ihnen reift
Des Gottes Geburt,
Des jungen Dionysos!

Der Junge ab zum Flusse. Dort beginnt wieder das Drängen und Schieben der Herden, dem Hause des Peneios zu. Man sieht die Gestalten einiger Schäfer halben Leibes, denen Adrast zuwinkt

DRITTER SCHÄFER
zurückrufend
Heil dir, Alter!

ERSTER SCHÄFER
Heil dir, Klitos!
Die Stunde ist da !

VIERTER SCHÄFER
Heil, alter Vater!
Gesegnet der Abend!

ERSTER SCHÄFER
Eure Herden lenkt –
Ihr aber selbst
Schmückt euch, salbt euch
Zu der blühenden Rebe Fest,
Des jungen Dionysos!

Das Horn ein letztes Mal. Erster Schäfer geht gegen das Haus. Noch einmal von unten der Laut der Herden, aufbäumend. Dazwischen die Rufe der Schäfer: "Halt ein! Nach rechts! Acht auf das Leittier!" usw. Endlich, unsichtbar, von fern ihr Gesang

DIE SCHÄFER
im Abgehen
Leb wohl, du Tag 1
Einsam ich schritt,
Einsam ich lag.
Zu Ende die Bürde,
Öffnet die Hürde!
Dass ich des Abends pflegen magt
immer ferner
Leb wohl, du Tag!

Der Gesang verklingt. Die Geräusche der Herden legen sich allmählich ganz. Das Licht wird matter, letzte milde Sonne. Daphne kommt von links. Sehr jung, fast kindlich. Sie lauscht dem verklingenden Gesang

DAPHNE
O bleib, geliebter Tag!
Lange weiltest du,
So bleib, bleib für immer!
Sonne, gesegneter Schein,
Du lässt mich leben
Mit meinen Brüdern, den Bäumen.
In dir prangen in Blüte
Strauch und Gezweige,
Jegliche Blume
Die Schwester mir!
In dir erkenne ich
Die tanzende Quelle,
Mein Zwillingsbild,
In dir folgt mir lachend
Der Falter Pracht,
In dir nur spielen
Der Wiese zarteste
Blütenhalme mit mir!
O bleib, geliebter Tag,
Nimm noch nicht Abschied!

Umgib noch nicht
Mit dem Rot der Wehmut mein Gesicht,
Küss meinen Finger nicht
Mit süsser Trauer Abschiedsglanz –
Ich liebe dich – so geh nicht fort von mir!

Wenn du mich verlässt,
Geliebtes Licht,
Sind sie ferne von mir:
Bäume und Blumen,
Schmetterling, Quelle.
Brüder und Schwestern
Gehen vor meinen Blicken
Ferne ins Dunkle,
Antworten nicht mehr
Ängstlichen Rufen:
Still ist alles, Nacht und leer.

Warum, lieber Vater,
Lockst du heute die Menschen,
Die mit schweren Füssen die Wiese versehren,
Mit stumpfem Getier die Gräser vernichten,
Mit harten Händen die Zweige berauben,
Meine geliebteste Schwester trüben, die Quelle!
Ihre verlangenden Blicke quälen mein Herz,
Ihre wilden Lieder bedrängen mein Ohr,
Fremd ihre Sprache, rauh ihre Sinne,
Fremd sind sie mir wie den Bäumen und Blüten!
Fremd ist mir alles,
Einsam bin ich -

O wie gerne blieb ich bei dir,
Mein lieber Baum,
In der Kindheit Tagen gepflanzt
Und so mein Bruder!
Wenn der Tag mich verlässt,
Die Sonne, Apollo, der grosse Gott,
Stolz dahinzielit nach Hause
Ins Gebirge der Götter,
Blicke ich zu dir!
Suchte im Dunkel
Deinen schützenden Ast,
Umklammerte dich fest, liebkoste dich.
Und in feinem Rauschen,
Im schwellenden Nachtwind
Sängest du mir Vom Glanze der Sonne,
Die du tagsüber empfingst
Auf stillem Gezweige,
Von der Stärke der Erde,
Die dein Fuss umfasst,
Sängest ein gewaltiges
Stärkeres Lied
Als die Lieder der Menschen –
O geliebter Baum!
Sie schmiegt sich innig an den Baum. Leukippos springt hinter dem Baum hervor. Sie erschrickt
Leukippos, du!

LEUKIPPOS
Ja, ich selbst,
Ich war der Baum!

DAPHNE
Meine Andacht lästre nicht!
Geschwisterlich bin ich
Der Gottheit des Baumes.

LEUKIPPOS
Seltsame Andacht!
Seltsam Geschwister !
Sieh mich doch an:
Bin dir Gespiele,
Nicht fühlloses Holz.

DAPHNE
mit sanftem Blick auf den Baum
Was fühllos du nennst –
Mir fühl ichs näher –
Geliebter Baum!
sie wendet sich und küsst das Gezweige

LEUKIPPOS
Was blieb für mich ?
Dieser Hirtenflöte
Hölzerner Mund!
Dein Blumenmund aber
Suchte den gleichen Weg
Zum neidischen Holz!
er schlägt mit der Flöte in die Zweige

DAPHNE
vorwurfsvoll
Leukippos !

LEUKIPPOS
Als Kinder spielten wir,
Unter den Herden.
Wenn zagend dir folgte
Der Flöte Laut:
Gerne littst du es, Daphne!
Doch wollt ich dich haschen,
Aus dichtem Gebüsch
Da entglittest du mir, Daphne!

DAPHNE
Lass ruhen die Jahre,
Die Jahre der Kindheit.
Zum Vater lass mich...

LEUKIPPOS
Die Herde liess ich,
Stieg hinunter ins Tal.
Und die Blumen hörten mich,
Deine Geschwister, Daphne!
Einten sich meinen Klagen
Meiner Flöte trauerndem Lied!
Sie alle, die Freunde ihr sind,
Klagen mit mir -
Und Daphne verschmäht mich!

DAPHNE
Nicht verschmäht ich
Die sanfte Flöte.
Sie rief mich, sie lockte mich
Wie des Windes Stimme zum Spiel!
Mit leichtem Raunen
Küsst er die Blumen,
Mit spielendem Drängen
Greift er ins Gebüsch -
Mit süssem Flötenlaut
Ruft er auch mich
Nicht dir, bin ich. gefolgt,
Nur meinem Bruder
Dem lieblichen Wind!

LEUKIPPOS
Und ich – ich selbst – was war ich dir?
Wars sinnlos, was mich zu dir trieb
Und was der Flöte Stimme gab?
Sind Götter nur in Bäumen, Quellen, Blüten –
Nicht auch in mir ?

DAPHNE
sehr innig
Was du mir warst? –
Der Blumen geliebtes Rot
Grüsste mich glücklich
Von deiner Wange!
Es glich dein Flötenspiel
Dem Spiel der Quelle – deine Augen
Der Schwester, Freundin Augen gleicht
Wenn sie sich feuchteten, die Augen,
Wenn weinend sie mich suchten – dann –
Dann blickte mich die eigne Träne
Aus des Gespielen Freundesauge an!

LEUKIPPOS
Nichts – nichts sonst?
Daphne, nur den Atem hauche ich
In dieses kleine Rohr,
Du aber entfährst ihm
Als süsser, lockender Ton!
Vor mir fliehst du,
Der Leichtfüssigen gleichend,
Dianen, der Göttin!
Doch dies ist zu Ende,
Vorbei der Flöte Ton.
Erstarkt bin ich,
Fühle den Gott!
Ich hasse die Spiele!
Dich selbst will ich!
er zerbricht die Flöte

DAPHNE
gleichzeitig
Sieh Leukippos:
Deine Flöte liebte ich
Wie den singenden Wind,
Wie der Quelle Silberlaut.
Ich schwang mich, so wars,
Auf den fliehenden Ton,
Durcheilte – Musik – Das duftende Tal,
Der Leichtfüssigen gleichend,
Dianen, der Göttin!

Doch dies ist zu Ende,
Deine Hand fasst mich an
Voll Glut und Begehren!

LEUKIPPOS
Daphne, Daphne – ich liebe dich!
er umfasst Daphne

DAPHNE
macht sich los
Fremd ist das Fest mir, fremd.

LEUKIPPOS
Zwingt dich das Fest doch,
Keusche Schwester,
Schwester Dianens!
Ich bleib allein!
schnell nach links ab

DAPHNE
macht einige Schritte gegen das Haus

Gespiele Leukippos –
Wie fremd du warst,
ihm traurig nachblickend
Das Licht verlor ich,
Auch dich, den Freund!

Schon während der letzten Verse des Duettes ist Gaea sichtbar geworden. Volle, reife Frauengestalt in blauen Gewändern. Sie fasst Daphne fest ins Auge. Knapp in ihrer Nähe erst ruft sie

GAEA
Daphne!

DAPHNE
sieht sie erst jetzt
Mutter!

GAEA
Wir warten dein.
Komm ins Haus.

DAPHNE
Es eilt der Fuss
Zu gehorchen.
Die Seele, Mutter,
Die Seele bleibt hier.

GAEA
Dein Zagen kenn ich.
Dein Zagen herrscht
In allem Lebendigen!
Doch kommt der Tag,
Da öffnet der Götter
Heiliger Wille
Unsre Herzen wie Blüten
So mir wie dir –
Und lässet blühen
In grosser Andacht
Die ganze Erde!

DAPHNE
kindlich

Bin ich dann näher
Den Bäumen und Blumen?
Bin, was sie sind ?

GAEA
sehr ernst
Dunkel ist der Götter
Heiliger Wille.
Nicht leicht hier unten
Der Weg auf Erden!
Als du so heftig
Dem Freund widersprachst,
Ja fort ihn wiesest
Am Tage des Festes
Kam Sorge mir, Daphne.

DAPHNE
immer kindlich
So leite mich, Mutter,
Ich will gehorchen.

GAEA
Tochter, du bist neues Reis,
Von mir entsendet,
Zweig vor der Blüte,
Bist Sorge mir, Daphne!

DAPHNE
Und werde blühen,
Geschmückt im Frühling
Wie Wiesen und Laub?

Zwei Mägde treten feierlich vom Hause her auf. Jede von ihnen trägt Teile eines Frauenkleides und Schmuck vorsichtig auf den flachen Händen. Sie bieten alles auf einen Wink Gaeas Daphne dar

GAEA
lächelnd
Nimm erst die Kleider,
Der Menschen Schmuck,
Und blüh gesegnet
In Ahnung des Festes!

DAPHNE
nach kurzem Besinnen
So lass mich, Mutter,
So wie ich lief
Durch blühende Wiesen,
Dann bleibt das Fest mir
Nicht ganz so fremd...
sie eilt dem Hause zu

GAEA
schreitet ihr nach, sinnend
Bist du auch fern mir,
Daphne, Tochter:
Einst führen Götter
Dich wieder zurück,
Und wieder zur Erde!
sie folgt

ERSTE MAGD
sieht ihnen nach
Ei, so fliegt sie vorbei,
Des Hauses Tochter?
Und dies edle Kleid
Trifft nicht ein Blick?

ZWEITE MAGD

Ei – so eilig vorbei,
Die keusche Daphne?
Der Schmuck, die Spange,
Sie werden verschmäht?

ERSTE MAGD
Du armes Gewand,
Nie umfassest du mehr
Das süsse Geheimnis!
Nie schmiegst du dich mehr
Um den weissesten Nacken!

ZWEITE MAGD
Du armer Schmuck,
Nie wirst du den zarten
Busen ihr rühren,
Nie durchwühlen
Das herrliche Haart

LEUKIPPOS
noch unsichtbar
Wer höhnt mich dort?
Wer sieht mich schon
Als leeres Kleid,
Verworfen – verachtet?

ERSTE MAGD
Was stöhnt dort unten?

ZWEITE MAGD
Was klagt im Gebüsch?

Leukippos kommt

BEIDE MÄGDE
Ein armer Schäfer,
Verspätet zum Feste!

LEUKIPPOS
Ich hasse dies Fest
und meine Flöte
Hab ich zerbrochen!

ERSTE MAGD
Was dir versagt,
Uns ist es leicht:
Wir dürfen ihr dienen,
Die Glieder ihr salben. . .

BEIDE MÄGDE
Wie Baum und Wind
Umgeben wir sie,
Wahre Geschwister –
Hahahaha!

LEUKIPPOS
Verschwinde, lüsterner Spuk

BEIDE MÄGDE
Höre uns, Schäfer!
Nicht Mägde sind wir!
Wir sind Träume
Besseren Lichts,
Wie Wellenschäume
Zerfliessend in Nichts!
Wir bringen Enthüllung
Dem heissen Gedanken,
Des Festes Erfüllung
Ohne Leid, ohne Schranken!
Höre uns, Schäfer,
Die fröhlichen Wissenden:
Nimm dies Geschenk
Und nahe dich uns!
sie bieten ihm Kleider und Schmuck an

LEUKIPPOS
Euch mich vertrauen?
Wahnsinniger Spott!

BEIDE MÄGDE
Was man nicht ist,
Gewinnt der Schein
So wird sie dein:
Liebe durch List!

LEUKIPPOS
noch unentschlossen
Dumpfer Betrug ...
Doch wie sagte sie selbst,
Die geliebte Grausame?
Meiner Wangen sanfteres Rot
Gemahne sie an die Blumen,
An ihre eigene Träne
Gemahne sie die meine?
Leb wohl, zerbrochene Flöte!
Der Liebe seltsame Dienerinnen,
Mädchen, zu euch...
EINZIGER AKT

Steiniges Flussufer, dichte Ölbaumgruppen. Letzte Sonne. Rechts steigt die Landschaft zum Hause des Fischers Peneios auf. Im Hintergrunde ist der Fluss zu denken. Den Abschluss bildet das gewaltige Massiv des Olymp. Die Bewegung einer grossen Schafherde wird hörbar: Zurufe, Geläute, Schieben, Drängen, Hundegebell. Mitten hinein der Laut eines mächtigen Alphorns. Herde stutzt: dann drängt sie – schwächer – weiter. Wieder das Horn. Der Laut der Herde verebbt

ERSTER SCHÄFER
auf der Bühne
Kleontes!

ZWEITER SCHÄFER
vom Fluss aufsteigend
Adrast!

ERSTER SCHÄFER
Wo bliebst du ?

ZWEITER SCHÄFER
Die Herde trieb ich zum Fluss.
Nach des Tages Glut
Labt sich unten die wollige Schar.

ERSTER SCHÄFER
Hörtest du nicht das Horn?
Der Fischer ladet zum Fest.

ZWEITER SCHÄFER
Welches Fest ?

ERSTER SCHÄFER
Das Fest der blühenden Rebe!
Wenn längs des Stromes
Die alten Stöcke erblühn
Treibend geheime Kraft
Wo sie wirkt,
Blüht selbst steinig Gefild,
Rauscht es empor
In unserm Blut.
Es naht die Zeit
Eines grossen Gottes,
Des jungen Dionysos
Herrliche Stunde!
Das Horn sehr stark

ZWEITER SCHÄFER
Furchtbar Getön!
Eines Gottes Stimme

ERSTER SCHÄFER
Nein ' nur das Zeichen
Der wichtigsten Frist
Im Leben der Herden,
Im Herzen der Hirten:
Aller Natur grosse Hochzeit –
Die Zeit der Paarung!

ZWEITER SCHÄFER
So sag mir, Vater:
Was soll ich tun ?

ERSTER SCHÄFER
Eilig hinab zum Flusse!
Sammle die Tiere!
Auch in ihnen reift
Des Gottes Geburt,
Des jungen Dionysos!

Der Junge ab zum Flusse. Dort beginnt wieder das Drängen und Schieben der Herden, dem Hause des Peneios zu. Man sieht die Gestalten einiger Schäfer halben Leibes, denen Adrast zuwinkt

DRITTER SCHÄFER
zurückrufend
Heil dir, Alter!

ERSTER SCHÄFER
Heil dir, Klitos!
Die Stunde ist da !

VIERTER SCHÄFER
Heil, alter Vater!
Gesegnet der Abend!

ERSTER SCHÄFER
Eure Herden lenkt –
Ihr aber selbst
Schmückt euch, salbt euch
Zu der blühenden Rebe Fest,
Des jungen Dionysos!

Das Horn ein letztes Mal. Erster Schäfer geht gegen das Haus. Noch einmal von unten der Laut der Herden, aufbäumend. Dazwischen die Rufe der Schäfer: "Halt ein! Nach rechts! Acht auf das Leittier!" usw. Endlich, unsichtbar, von fern ihr Gesang

DIE SCHÄFER
im Abgehen
Leb wohl, du Tag 1
Einsam ich schritt,
Einsam ich lag.
Zu Ende die Bürde,
Öffnet die Hürde!
Dass ich des Abends pflegen magt
immer ferner
Leb wohl, du Tag!

Der Gesang verklingt. Die Geräusche der Herden legen sich allmählich ganz. Das Licht wird matter, letzte milde Sonne. Daphne kommt von links. Sehr jung, fast kindlich. Sie lauscht dem verklingenden Gesang

DAPHNE
O bleib, geliebter Tag!
Lange weiltest du,
So bleib, bleib für immer!
Sonne, gesegneter Schein,
Du lässt mich leben
Mit meinen Brüdern, den Bäumen.
In dir prangen in Blüte
Strauch und Gezweige,
Jegliche Blume
Die Schwester mir!
In dir erkenne ich
Die tanzende Quelle,
Mein Zwillingsbild,
In dir folgt mir lachend
Der Falter Pracht,
In dir nur spielen
Der Wiese zarteste
Blütenhalme mit mir!
O bleib, geliebter Tag,
Nimm noch nicht Abschied!

Umgib noch nicht
Mit dem Rot der Wehmut mein Gesicht,
Küss meinen Finger nicht
Mit süsser Trauer Abschiedsglanz –
Ich liebe dich – so geh nicht fort von mir!

Wenn du mich verlässt,
Geliebtes Licht,
Sind sie ferne von mir:
Bäume und Blumen,
Schmetterling, Quelle.
Brüder und Schwestern
Gehen vor meinen Blicken
Ferne ins Dunkle,
Antworten nicht mehr
Ängstlichen Rufen:
Still ist alles, Nacht und leer.

Warum, lieber Vater,
Lockst du heute die Menschen,
Die mit schweren Füssen die Wiese versehren,
Mit stumpfem Getier die Gräser vernichten,
Mit harten Händen die Zweige berauben,
Meine geliebteste Schwester trüben, die Quelle!
Ihre verlangenden Blicke quälen mein Herz,
Ihre wilden Lieder bedrängen mein Ohr,
Fremd ihre Sprache, rauh ihre Sinne,
Fremd sind sie mir wie den Bäumen und Blüten!
Fremd ist mir alles,
Einsam bin ich -

O wie gerne blieb ich bei dir,
Mein lieber Baum,
In der Kindheit Tagen gepflanzt
Und so mein Bruder!
Wenn der Tag mich verlässt,
Die Sonne, Apollo, der grosse Gott,
Stolz dahinzielit nach Hause
Ins Gebirge der Götter,
Blicke ich zu dir!
Suchte im Dunkel
Deinen schützenden Ast,
Umklammerte dich fest, liebkoste dich.
Und in feinem Rauschen,
Im schwellenden Nachtwind
Sängest du mir Vom Glanze der Sonne,
Die du tagsüber empfingst
Auf stillem Gezweige,
Von der Stärke der Erde,
Die dein Fuss umfasst,
Sängest ein gewaltiges
Stärkeres Lied
Als die Lieder der Menschen –
O geliebter Baum!
Sie schmiegt sich innig an den Baum. Leukippos springt hinter dem Baum hervor. Sie erschrickt
Leukippos, du!

LEUKIPPOS
Ja, ich selbst,
Ich war der Baum!

DAPHNE
Meine Andacht lästre nicht!
Geschwisterlich bin ich
Der Gottheit des Baumes.

LEUKIPPOS
Seltsame Andacht!
Seltsam Geschwister !
Sieh mich doch an:
Bin dir Gespiele,
Nicht fühlloses Holz.

DAPHNE
mit sanftem Blick auf den Baum
Was fühllos du nennst –
Mir fühl ichs näher –
Geliebter Baum!
sie wendet sich und küsst das Gezweige

LEUKIPPOS
Was blieb für mich ?
Dieser Hirtenflöte
Hölzerner Mund!
Dein Blumenmund aber
Suchte den gleichen Weg
Zum neidischen Holz!
er schlägt mit der Flöte in die Zweige

DAPHNE
vorwurfsvoll
Leukippos !

LEUKIPPOS
Als Kinder spielten wir,
Unter den Herden.
Wenn zagend dir folgte
Der Flöte Laut:
Gerne littst du es, Daphne!
Doch wollt ich dich haschen,
Aus dichtem Gebüsch
Da entglittest du mir, Daphne!

DAPHNE
Lass ruhen die Jahre,
Die Jahre der Kindheit.
Zum Vater lass mich...

LEUKIPPOS
Die Herde liess ich,
Stieg hinunter ins Tal.
Und die Blumen hörten mich,
Deine Geschwister, Daphne!
Einten sich meinen Klagen
Meiner Flöte trauerndem Lied!
Sie alle, die Freunde ihr sind,
Klagen mit mir -
Und Daphne verschmäht mich!

DAPHNE
Nicht verschmäht ich
Die sanfte Flöte.
Sie rief mich, sie lockte mich
Wie des Windes Stimme zum Spiel!
Mit leichtem Raunen
Küsst er die Blumen,
Mit spielendem Drängen
Greift er ins Gebüsch -
Mit süssem Flötenlaut
Ruft er auch mich
Nicht dir, bin ich. gefolgt,
Nur meinem Bruder
Dem lieblichen Wind!

LEUKIPPOS
Und ich – ich selbst – was war ich dir?
Wars sinnlos, was mich zu dir trieb
Und was der Flöte Stimme gab?
Sind Götter nur in Bäumen, Quellen, Blüten –
Nicht auch in mir ?

DAPHNE
sehr innig
Was du mir warst? –
Der Blumen geliebtes Rot
Grüsste mich glücklich
Von deiner Wange!
Es glich dein Flötenspiel
Dem Spiel der Quelle – deine Augen
Der Schwester, Freundin Augen gleicht
Wenn sie sich feuchteten, die Augen,
Wenn weinend sie mich suchten – dann –
Dann blickte mich die eigne Träne
Aus des Gespielen Freundesauge an!

LEUKIPPOS
Nichts – nichts sonst?
Daphne, nur den Atem hauche ich
In dieses kleine Rohr,
Du aber entfährst ihm
Als süsser, lockender Ton!
Vor mir fliehst du,
Der Leichtfüssigen gleichend,
Dianen, der Göttin!
Doch dies ist zu Ende,
Vorbei der Flöte Ton.
Erstarkt bin ich,
Fühle den Gott!
Ich hasse die Spiele!
Dich selbst will ich!
er zerbricht die Flöte

DAPHNE
gleichzeitig
Sieh Leukippos:
Deine Flöte liebte ich
Wie den singenden Wind,
Wie der Quelle Silberlaut.
Ich schwang mich, so wars,
Auf den fliehenden Ton,
Durcheilte – Musik – Das duftende Tal,
Der Leichtfüssigen gleichend,
Dianen, der Göttin!

Doch dies ist zu Ende,
Deine Hand fasst mich an
Voll Glut und Begehren!

LEUKIPPOS
Daphne, Daphne – ich liebe dich!
er umfasst Daphne

DAPHNE
macht sich los
Fremd ist das Fest mir, fremd.

LEUKIPPOS
Zwingt dich das Fest doch,
Keusche Schwester,
Schwester Dianens!
Ich bleib allein!
schnell nach links ab

DAPHNE
macht einige Schritte gegen das Haus

Gespiele Leukippos –
Wie fremd du warst,
ihm traurig nachblickend
Das Licht verlor ich,
Auch dich, den Freund!

Schon während der letzten Verse des Duettes ist Gaea sichtbar geworden. Volle, reife Frauengestalt in blauen Gewändern. Sie fasst Daphne fest ins Auge. Knapp in ihrer Nähe erst ruft sie

GAEA
Daphne!

DAPHNE
sieht sie erst jetzt
Mutter!

GAEA
Wir warten dein.
Komm ins Haus.

DAPHNE
Es eilt der Fuss
Zu gehorchen.
Die Seele, Mutter,
Die Seele bleibt hier.

GAEA
Dein Zagen kenn ich.
Dein Zagen herrscht
In allem Lebendigen!
Doch kommt der Tag,
Da öffnet der Götter
Heiliger Wille
Unsre Herzen wie Blüten
So mir wie dir –
Und lässet blühen
In grosser Andacht
Die ganze Erde!

DAPHNE
kindlich

Bin ich dann näher
Den Bäumen und Blumen?
Bin, was sie sind ?

GAEA
sehr ernst
Dunkel ist der Götter
Heiliger Wille.
Nicht leicht hier unten
Der Weg auf Erden!
Als du so heftig
Dem Freund widersprachst,
Ja fort ihn wiesest
Am Tage des Festes
Kam Sorge mir, Daphne.

DAPHNE
immer kindlich
So leite mich, Mutter,
Ich will gehorchen.

GAEA
Tochter, du bist neues Reis,
Von mir entsendet,
Zweig vor der Blüte,
Bist Sorge mir, Daphne!

DAPHNE
Und werde blühen,
Geschmückt im Frühling
Wie Wiesen und Laub?

Zwei Mägde treten feierlich vom Hause her auf. Jede von ihnen trägt Teile eines Frauenkleides und Schmuck vorsichtig auf den flachen Händen. Sie bieten alles auf einen Wink Gaeas Daphne dar

GAEA
lächelnd
Nimm erst die Kleider,
Der Menschen Schmuck,
Und blüh gesegnet
In Ahnung des Festes!

DAPHNE
nach kurzem Besinnen
So lass mich, Mutter,
So wie ich lief
Durch blühende Wiesen,
Dann bleibt das Fest mir
Nicht ganz so fremd...
sie eilt dem Hause zu

GAEA
schreitet ihr nach, sinnend
Bist du auch fern mir,
Daphne, Tochter:
Einst führen Götter
Dich wieder zurück,
Und wieder zur Erde!
sie folgt

ERSTE MAGD
sieht ihnen nach
Ei, so fliegt sie vorbei,
Des Hauses Tochter?
Und dies edle Kleid
Trifft nicht ein Blick?

ZWEITE MAGD

Ei – so eilig vorbei,
Die keusche Daphne?
Der Schmuck, die Spange,
Sie werden verschmäht?

ERSTE MAGD
Du armes Gewand,
Nie umfassest du mehr
Das süsse Geheimnis!
Nie schmiegst du dich mehr
Um den weissesten Nacken!

ZWEITE MAGD
Du armer Schmuck,
Nie wirst du den zarten
Busen ihr rühren,
Nie durchwühlen
Das herrliche Haart

LEUKIPPOS
noch unsichtbar
Wer höhnt mich dort?
Wer sieht mich schon
Als leeres Kleid,
Verworfen – verachtet?

ERSTE MAGD
Was stöhnt dort unten?

ZWEITE MAGD
Was klagt im Gebüsch?

Leukippos kommt

BEIDE MÄGDE
Ein armer Schäfer,
Verspätet zum Feste!

LEUKIPPOS
Ich hasse dies Fest
und meine Flöte
Hab ich zerbrochen!

ERSTE MAGD
Was dir versagt,
Uns ist es leicht:
Wir dürfen ihr dienen,
Die Glieder ihr salben. . .

BEIDE MÄGDE
Wie Baum und Wind
Umgeben wir sie,
Wahre Geschwister –
Hahahaha!

LEUKIPPOS
Verschwinde, lüsterner Spuk

BEIDE MÄGDE
Höre uns, Schäfer!
Nicht Mägde sind wir!
Wir sind Träume
Besseren Lichts,
Wie Wellenschäume
Zerfliessend in Nichts!
Wir bringen Enthüllung
Dem heissen Gedanken,
Des Festes Erfüllung
Ohne Leid, ohne Schranken!
Höre uns, Schäfer,
Die fröhlichen Wissenden:
Nimm dies Geschenk
Und nahe dich uns!
sie bieten ihm Kleider und Schmuck an

LEUKIPPOS
Euch mich vertrauen?
Wahnsinniger Spott!

BEIDE MÄGDE
Was man nicht ist,
Gewinnt der Schein
So wird sie dein:
Liebe durch List!

LEUKIPPOS
noch unentschlossen
Dumpfer Betrug ...
Doch wie sagte sie selbst,
Die geliebte Grausame?
Meiner Wangen sanfteres Rot
Gemahne sie an die Blumen,
An ihre eigene Träne
Gemahne sie die meine?
Leb wohl, zerbrochene Flöte!
Der Liebe seltsame Dienerinnen,
Mädchen, zu euch...



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