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Die Schalenträgerinnen schreiten auf die Schäfer zu und laden sie zum Trinken ein. Sie trinken mit den Mädchen. Leukippos nähert sich mit lockenden Gebärden Daphne

GAEA
Trinke ' du Tochter !
Aus Erde kam es,
Die Erde segnets!
Mit solchem Trank
Kehrst zu den Deinen,
Kehrst zur Erde zurück!

Leukippos bietet Daphne die Schale

ERSTE MAGD
für sich, zugleich mit Gaea
Vorzüglich gelang es!
Ganz ist er Daphne!

ZWEITE MAGD
ebenso
Was nie er gewagt,
Gerät ihm nun leicht!

DAPHNE
Woher nur kommst du,
Du grosse Fremde,
Die mir ganz gleicht
In meinen Kleidern,
So rätselvoll
Ziehts mich zu dir!
sie trinkt

ERSTER SCHÄFER
Wie gleicht sie Daphne!

ZWEITER SCHÄFER
Ist auch dies eine Magd
Oder der Himmlischen eine?

Leukippos ladet Daphne durch Zeichen ein, ihm tanzend zu folgen. Die andern Mädchen, die Trinkschalen anboten, tun desgleichen mit ihren berauschten Partnern

DIE SCHÄFER
So folgen wir euch
Zu Ehren des Gottes
Dionysos ! Dionysos!
Daphne steht unentschlossen, vor ihr der lockende Leukippos

GAEA
Wenn es dich treibt
Zum heiligen Tanze,
Willfahre denn, Tochter,
Und mir ist wohl!

DAPHNE
Nur weil du mir
Ganz schwesterlich bist,
Als wäre ich selbst
Durch der Götter Willen
Entstiegen dem Quell – –
Nur weil du mein Spiegelbild – – –
Will ich dir folgen ...
Langsamer hieratischer Tanz

DIE SCHÄFER
alle Augen starr auf das Paar gerichtet
Gross sind die Götter,
Reich ihre Wunder! Dionysos!

APOLLO
ausbrechend
Furchtbare Schmach dem Gotte!

ALLE SCHÄFER
durcheinander

Was sagt der da ?
Der eitle Fremde ?
Mit blanker Waffe
Bei unsrem Dienste
Der hohen Götter ?

APOLLO
Was ich euch sage?
Dass ihr geäfft werdet
Von einem Gaukler!
Betrogen die Tochter
Des weisen Fischers,
Und nichts als Lästrung
Das ganze Fest!
Die Schäfer erheben sich wie ein Mann und bedrohen Apollo. Leukippos und Daphne kommen so nach dem Hintergrund

ERSTER SCHÄFER
Willst du uns höhnen?

DIE SCHÄFER
Recht so, Adrast!

ERSTER SCHÄFER
Fort mit der Waffe!

DIE SCHÄFER
Willst du uns drohn?

ZWEITER SCHÄFER
Fort mit dem frechen
Rinderhirten!
er droht Apollo mit seinem Stabe

ERSTER SCHÄFER
Bist du so weise,
So gib ein Zeichen!

Apollowird von den wilden Schäfern ganz auf die Bühnenseite gedrängt. Sie reissen ihm den Mantel weg. Vergebens suchen Peneios und Gaea sich Gehör zu verschaffen

DIE SCHÄFER
Ein Zeichen, ein Zeichen,
Im Namen des Gottes!

APOLLO
Ein Zeichen wollt ihr?
Ihr sollt es haben!
Den Gast beraubt ihr,
Der Schwindler entschlüpft euch!
Mag euch die Fremde beschützen!
Er schwingt seinen Bogen durch die Luft. Es donnert leise, aber vernehmlich. Die Schäfer stehen erstarrt

ZWEITER SCHÄFER
der ganz hinten geblieben ist, hell
Gewitter! Gewitter!

ERSTER SCHÄFER
Die Hürden offen!

DRITTER SCHÄFER
Die Böcke entspringen!

ERSTER SCHÄFER
Entlaufen am Ufer!

ERSTER, DRITTER UND VIERTER SCHÄFER
Treiben die Schafe!

ZWEITER SCHÄFER
Verdorben die Paarung!

ERSTE MAGD
Jetzt wirds gefährlich!

ZWEITE MAGD
Lass uns entlaufen!
beide ab. Das Drängen und Scharren der Herden erhebt sich nochmals, jetzt am stärksten. Donner

ALLE SCHÄFER
Sieh, es umgeben uns
Dunkle Dämonen!
Vater, rette!

PENEIOS
Fort denn, Männer!
Rettet, rettet!

GAEA
Fort, ihr Mägde!
Rettet, rettet!
Dritter stärkster Donner. Alles stiebt ungeordnet davon. Ungewisses gewittriges Dämmerlicht. Apollo, Daphne und Leukippos bleiben allein zurück

APOLLO
zornig
Zu dir nun, Knabe!
Der mit frechem Trug
Sich einschlich zum Fest
Meines göttlichen Bruders
Und rauben mir wollte
Die herrliche Daphne!

LEUKIPPOS
reisst sich selbst die Frauenkleider ab)
Ja, ich bekenne!
Ich bin Leukippos!
Der Trug ist getilgt,
Da ich bekenne!
Frei weiss ich mich
Von aller Schuld!
Aus männlicher Kraft
Werb ich um Daphne!
Verschmähe gerne
Die weichliche Maske
Und eitle Verhüllung!
Denn besser ging
Der Gott in mich ein,
Da mit Daphne ich trank
Sein gewaltiges Blut:
Dionysos! – – –
zu Daphne
In Dionysos Namen
Wend dich von jenem
Und diene dem Fest!
In Dionysos Namen:
Von neuem bring ich
Dir meine Liebe!
In Dionysos Namen
Folge mir, Geliebte,
Auf ewig vereint!

DAPHNE
verhüllt sich schmerzvoll
O doppelt getäuscht!
Getäuscht vom Gespielen,'
Getäuscht von ihm,
Der Bruder sich nannte!

APOLLO
zornig
Der Kinder Mund
Wirft Götternamen
Achtlos umher!
Und sehn nicht den Gott!

LEUKIPPOS
tritt stolz und offen vor Daphne
Nicht mehr von mir!
zu Apollo
Doch du, du selbst,
Der sich vermisst
Ihn zu verteidigen
Und uns zu schmähn:
Warum trägst du,
Du Eitler, Starker,
Noch eine Maske
Und Hirtenkleider ?
Vom Antlitz weg
Des Geheimnis' Maske !

APOLLO
in schwerem Kampf
Menschen – Menschen –
Wohin treibt ihr den Gott?

LEUKIPPOS
fasst Apollo an den Schultern
Herab mit dem falschen Hirtengewand!

APOLLO
Daphne – Geliebte,
Erzwing nicht Enthüllung!
Menschen – Menschen,
Ihr ertrügt sie nicht!

LEUKIPPOS
Miss dich mit mir,
Wenn du vermagst!

DAPHNE
gross und ehrlich, zugleich
So wahr du mir
Vom Lichte sprachst,
So wahr du genannt
Meine echte Liebe,
So wahr du mir
Erfüllung verhiessest,
Muss Wahrheit ich fordern!

APOLLO
Wahrheit wollt ihr?

DAPHNE
Reinige dich,
Falscher Bruder!

APOLLO
schlägt die Arme auf, in gewaltig rhapsodischem Ton
Wahrheit ? – –
Jeden heiligen Morgen
Schnür ich die Riemen,
Besteig den gewaltigen
Goldenen Wagen! –
Aufwärts geht es
Mit schlagenden Hufen!
Da lang ich ins Dunkel

er nimmt den Pfeil aus seinem Köcher
Einen Pfeil – so wie jetzt !
Erhebe den Bogen,
er spannt den Bogen
So scharf wie j etzt – –
Über der Berge eisige Spitzen,
Über die grünende Niederung,
Über das flammende Meer
Fliegt mein Geschoss!
hebt den Pfeil wieder ab
Freut euch, ihr Götter, freut euch!
Ihr Menschen und Wesen alle:
Die Sonne
Seht in mir

DAPHNE
in höchster Ergriffenheit
So rührst du mich
Als sängest du,
Was meine Liebe längst
Hintrug in alle Welt – –
Und doch fass ich dich nicht!

LEUKIPPOS
Ich aber fass ihn wohl:
Lügner, Lügner!

APOLLO
Bogen und Pfeil noch in den Händen
Was will das Menschlein?
Flieh, wenn du kannst!

DAPHNE
auf den Knien
Jetzt helft, Freunde,
Wahre Brüder!
Jetzt hilf, geliebtes
Heiliges Schimmern
Über den Wipfeln,
Über den Wassern!

APOLLO
Daphne, wen rufst du
Und siehst mich nicht,
Wahres Licht ?

LEUKIPPOS
muss vor dem Bogen weichen
So schütze mich, Daphne,
Du tanztest mit mir
Zu Ehren des Gottes!

DAPHNE
wie festgebannt
Ich kann ja nicht!
Er weiss mein Geheimnis,
Er kennt mein Herz –
Er selbst ist das Licht!

APOLLO
senkt den Bogen
So ahnst du mich endlich!
Folge dem Gott!

DAPHNE
wie erwachend, stark
Doch nie deinen Gluten!

LEUKIPPOS
Dank dir, Geliebte!
gross vor Apollo
Dir aber fluch ich!
Apollo hebt rasch den Bogen und schnellt ab. Blitz und Donnerschlag. Leukippos taumelt und fällt im Hintergrunde. Daphne bleibt erstarrt

DAPHNE
sich langsam aus der Starre lösend
Was blendet so?
War es die Sonne ?
Nein – es war nicht – die Sonne –
Es war der Blitz!
sie geht mit schwankenden Schritten nach dem Hintergrunde, erblickt den Daliegenden
Leukippos!
sie wirft sich über ihn

LEUKIPPOS
schwach
Daphne – Gespielin
Dich zu lieben wagt ich. –
Und ward erschlagen
Von einem Gotte – –
stirbt

DAPHNE
Unheilvolle Daphne! –
Weil ein Gott dich geliebt,
Musste er sterben!
O mein Leukippos!
Geliebter Gespiele!
Wieder erklingt mir
Die trauernde Flöte.
Doch jetzt erlausche ich
Nicht des Windes Spiele,
Jetzt weiss ich endlich,
Was du gelitten,
Jetzt sagt mir die Flöte
Dein ganzes Herz! ...
O mein Leukippos!
Schuldvoll bin ich,
Da ich dir nicht folgte!
Aus kindischen Spielen
Dich leiden liess
Und klagen die Flöte...
Schuldvoller noch,
Da zu ihm ich mich wandte,
Dem Herrn der Blitze,
Statt ihn anzuflehn,
Dass er uns verlasse,
Die schwachen Menschen,
Und gnädig folge
Den himmlischen Wegen
Der ewigen Götter.
Aber am schuldvollsten,
Da ich dich nicht schützte,
Mich ihm nicht darbot
Zu seinem Willen
Und meiner Vernichtung.
Dich nicht errettet
Mit meiner Keuschheit
Geliebter Gespiele!
So höre, mein Leukippos:
Alles, was jemals ich liebte,
Will ich dir opfern,
Alle die Spiele,
Mein kindliches Glück!
In meiner Hand
Bring ich die Quelle,
Die Stirn dir zu netzen,
Die arme, bleiche!
Die gaukelnden Falter
Ich ruf sie herbei,
Um dich zu schmücken
Mit ihrer Pracht!
Und all die Blumen,
Die je ich geliebt,
Bring ich auf vollen,
Schwellenden Händen,
Breite sie aus
Um dich, Geliebter,
Zu deiner Feier
Und Totenfest! –
Ich aber, armselige Daphne,
Will still mich kauer
Zu deinen Füssen
In grosser Trauer,
In tiefer Demut –
Und warten ... warten,
Bis sie mich rufen
Die stolzen Herren
Die dich getötet –
Und mich geliebt!
sie sinkt ganz in sich

APOLLO
in ihre Betrachtung versunken
Was erblicke ich?
Himmlische Schönheit !
Was höre ich ?
Welch ein Gesang ?
Sind wir noch Götter ?
Oder längst schon beschattet
Von menschlichen Herzen
Oder längst schon ausgelöscht
Von solcher Reinheit?
Götter! Brüder
Im hohen Olympos!
Seht den schuldvollen
Elenden Bruder
Getötet hab ich
Mehr als den Armen,
Getötet hab ich
Die unschuldvollste,
Die lichteste Reinheit!
Bruder Dionysos,
Du bliebst unsichtbar
Bei deinem Feste;
Denn ich, ich selber
Zierte mich fälschlich
Mit deiner Kraft!
Kannst du verzeihen,
Dass ich den jünger
Dir getötet habe,
Der dein erfüllt war?
Nimm ihn zu dir
In deine Kreise,
Erfreu sein Flötenspiel
Göttliche Tänze!
Du aber, stärkster
Erhabener Vater,
Zeus Kronion!
Kannst du verzeihen,
Dass ich mich mengte
In dein innerstes Walten
Erhabner Natur,
Statt darüber zu schweben
In meiner Sphäre?
kniend, ganz gross
Gib sie mir wieder,
Die ich geliebt
Und tief beleidigt,
Die schuldlose Daphne!
Doch nicht als Mensch mehr,
Wie ich sie suchte
In meiner Verblendungl
Erfüll ihren Traum,
Erfüll ihre Liebe!
Unverwelklich
Ewig grünend
Lass sie aufblühn
Im Kreis ihrer Freunde,
Der Blütenbäume,
Zu unsern Höhn!
So schenke mir
Den Baum Daphne –
Den göttlichen Lorbeer –
Und ich will ihn setzen
In höchster Ehre!
Er erhebt sich beschwörend. Es wird nach und nach dunkel

Priesterlich diene,
Verwandelte Daphne,
Dem ewigen Bruder
Phoibos Apollon!
Der von je dich geliebt
Und in Ewigkeit!
So löst er von dir,
Schwester, das Reis,
Das ewig grünende,
Windet den Kranz!
Die hart um dich streiten,
Der Männer beste –
Du berührst sie
Nur an den Stirnen,
Die Jünger des Gottes,
Die besten im Streite
Und edlen im Frieden!

Apollo verschwindet. Es ist ganz dunkel geworden. Daphne rafft sich auf und eilt in den Hintergrund. Plötzlich bleibt sie festgebannt

DAPHNE
Ich komme – ich komme –
Grünende Brüder… ,
Süss durchströmt mich
Der Erde Saft!
Dir entgegen –
In Blättern und Zweigen –
Keuschestes Licht !
Daphne unsichtbar, an ihrer Stelle erhebt sich der Baum

STIMME DER DAPHNE
Apollo! Bruder!
Nimm… mein ... Gezweige .
Wind. ... Wind.
Spiele mit mir!
Selige Vögel,
Wohnet in mir ...
Menschen ... Freunde ...
Nehmt mich ... als Zeichen
Unsterblicher Liebe ...

Mondlicht hat sich über den ganzen Baum gebreitet. Daphnes Stimme tönt aus seinem Geäst weiter

Der Vorhang fällt langsam
Die Schalenträgerinnen schreiten auf die Schäfer zu und laden sie zum Trinken ein. Sie trinken mit den Mädchen. Leukippos nähert sich mit lockenden Gebärden Daphne

GAEA
Trinke ' du Tochter !
Aus Erde kam es,
Die Erde segnets!
Mit solchem Trank
Kehrst zu den Deinen,
Kehrst zur Erde zurück!

Leukippos bietet Daphne die Schale

ERSTE MAGD
für sich, zugleich mit Gaea
Vorzüglich gelang es!
Ganz ist er Daphne!

ZWEITE MAGD
ebenso
Was nie er gewagt,
Gerät ihm nun leicht!

DAPHNE
Woher nur kommst du,
Du grosse Fremde,
Die mir ganz gleicht
In meinen Kleidern,
So rätselvoll
Ziehts mich zu dir!
sie trinkt

ERSTER SCHÄFER
Wie gleicht sie Daphne!

ZWEITER SCHÄFER
Ist auch dies eine Magd
Oder der Himmlischen eine?

Leukippos ladet Daphne durch Zeichen ein, ihm tanzend zu folgen. Die andern Mädchen, die Trinkschalen anboten, tun desgleichen mit ihren berauschten Partnern

DIE SCHÄFER
So folgen wir euch
Zu Ehren des Gottes
Dionysos ! Dionysos!
Daphne steht unentschlossen, vor ihr der lockende Leukippos

GAEA
Wenn es dich treibt
Zum heiligen Tanze,
Willfahre denn, Tochter,
Und mir ist wohl!

DAPHNE
Nur weil du mir
Ganz schwesterlich bist,
Als wäre ich selbst
Durch der Götter Willen
Entstiegen dem Quell – –
Nur weil du mein Spiegelbild – – –
Will ich dir folgen ...
Langsamer hieratischer Tanz

DIE SCHÄFER
alle Augen starr auf das Paar gerichtet
Gross sind die Götter,
Reich ihre Wunder! Dionysos!

APOLLO
ausbrechend
Furchtbare Schmach dem Gotte!

ALLE SCHÄFER
durcheinander

Was sagt der da ?
Der eitle Fremde ?
Mit blanker Waffe
Bei unsrem Dienste
Der hohen Götter ?

APOLLO
Was ich euch sage?
Dass ihr geäfft werdet
Von einem Gaukler!
Betrogen die Tochter
Des weisen Fischers,
Und nichts als Lästrung
Das ganze Fest!
Die Schäfer erheben sich wie ein Mann und bedrohen Apollo. Leukippos und Daphne kommen so nach dem Hintergrund

ERSTER SCHÄFER
Willst du uns höhnen?

DIE SCHÄFER
Recht so, Adrast!

ERSTER SCHÄFER
Fort mit der Waffe!

DIE SCHÄFER
Willst du uns drohn?

ZWEITER SCHÄFER
Fort mit dem frechen
Rinderhirten!
er droht Apollo mit seinem Stabe

ERSTER SCHÄFER
Bist du so weise,
So gib ein Zeichen!

Apollowird von den wilden Schäfern ganz auf die Bühnenseite gedrängt. Sie reissen ihm den Mantel weg. Vergebens suchen Peneios und Gaea sich Gehör zu verschaffen

DIE SCHÄFER
Ein Zeichen, ein Zeichen,
Im Namen des Gottes!

APOLLO
Ein Zeichen wollt ihr?
Ihr sollt es haben!
Den Gast beraubt ihr,
Der Schwindler entschlüpft euch!
Mag euch die Fremde beschützen!
Er schwingt seinen Bogen durch die Luft. Es donnert leise, aber vernehmlich. Die Schäfer stehen erstarrt

ZWEITER SCHÄFER
der ganz hinten geblieben ist, hell
Gewitter! Gewitter!

ERSTER SCHÄFER
Die Hürden offen!

DRITTER SCHÄFER
Die Böcke entspringen!

ERSTER SCHÄFER
Entlaufen am Ufer!

ERSTER, DRITTER UND VIERTER SCHÄFER
Treiben die Schafe!

ZWEITER SCHÄFER
Verdorben die Paarung!

ERSTE MAGD
Jetzt wirds gefährlich!

ZWEITE MAGD
Lass uns entlaufen!
beide ab. Das Drängen und Scharren der Herden erhebt sich nochmals, jetzt am stärksten. Donner

ALLE SCHÄFER
Sieh, es umgeben uns
Dunkle Dämonen!
Vater, rette!

PENEIOS
Fort denn, Männer!
Rettet, rettet!

GAEA
Fort, ihr Mägde!
Rettet, rettet!
Dritter stärkster Donner. Alles stiebt ungeordnet davon. Ungewisses gewittriges Dämmerlicht. Apollo, Daphne und Leukippos bleiben allein zurück

APOLLO
zornig
Zu dir nun, Knabe!
Der mit frechem Trug
Sich einschlich zum Fest
Meines göttlichen Bruders
Und rauben mir wollte
Die herrliche Daphne!

LEUKIPPOS
reisst sich selbst die Frauenkleider ab)
Ja, ich bekenne!
Ich bin Leukippos!
Der Trug ist getilgt,
Da ich bekenne!
Frei weiss ich mich
Von aller Schuld!
Aus männlicher Kraft
Werb ich um Daphne!
Verschmähe gerne
Die weichliche Maske
Und eitle Verhüllung!
Denn besser ging
Der Gott in mich ein,
Da mit Daphne ich trank
Sein gewaltiges Blut:
Dionysos! – – –
zu Daphne
In Dionysos Namen
Wend dich von jenem
Und diene dem Fest!
In Dionysos Namen:
Von neuem bring ich
Dir meine Liebe!
In Dionysos Namen
Folge mir, Geliebte,
Auf ewig vereint!

DAPHNE
verhüllt sich schmerzvoll
O doppelt getäuscht!
Getäuscht vom Gespielen,'
Getäuscht von ihm,
Der Bruder sich nannte!

APOLLO
zornig
Der Kinder Mund
Wirft Götternamen
Achtlos umher!
Und sehn nicht den Gott!

LEUKIPPOS
tritt stolz und offen vor Daphne
Nicht mehr von mir!
zu Apollo
Doch du, du selbst,
Der sich vermisst
Ihn zu verteidigen
Und uns zu schmähn:
Warum trägst du,
Du Eitler, Starker,
Noch eine Maske
Und Hirtenkleider ?
Vom Antlitz weg
Des Geheimnis' Maske !

APOLLO
in schwerem Kampf
Menschen – Menschen –
Wohin treibt ihr den Gott?

LEUKIPPOS
fasst Apollo an den Schultern
Herab mit dem falschen Hirtengewand!

APOLLO
Daphne – Geliebte,
Erzwing nicht Enthüllung!
Menschen – Menschen,
Ihr ertrügt sie nicht!

LEUKIPPOS
Miss dich mit mir,
Wenn du vermagst!

DAPHNE
gross und ehrlich, zugleich
So wahr du mir
Vom Lichte sprachst,
So wahr du genannt
Meine echte Liebe,
So wahr du mir
Erfüllung verhiessest,
Muss Wahrheit ich fordern!

APOLLO
Wahrheit wollt ihr?

DAPHNE
Reinige dich,
Falscher Bruder!

APOLLO
schlägt die Arme auf, in gewaltig rhapsodischem Ton
Wahrheit ? – –
Jeden heiligen Morgen
Schnür ich die Riemen,
Besteig den gewaltigen
Goldenen Wagen! –
Aufwärts geht es
Mit schlagenden Hufen!
Da lang ich ins Dunkel

er nimmt den Pfeil aus seinem Köcher
Einen Pfeil – so wie jetzt !
Erhebe den Bogen,
er spannt den Bogen
So scharf wie j etzt – –
Über der Berge eisige Spitzen,
Über die grünende Niederung,
Über das flammende Meer
Fliegt mein Geschoss!
hebt den Pfeil wieder ab
Freut euch, ihr Götter, freut euch!
Ihr Menschen und Wesen alle:
Die Sonne
Seht in mir

DAPHNE
in höchster Ergriffenheit
So rührst du mich
Als sängest du,
Was meine Liebe längst
Hintrug in alle Welt – –
Und doch fass ich dich nicht!

LEUKIPPOS
Ich aber fass ihn wohl:
Lügner, Lügner!

APOLLO
Bogen und Pfeil noch in den Händen
Was will das Menschlein?
Flieh, wenn du kannst!

DAPHNE
auf den Knien
Jetzt helft, Freunde,
Wahre Brüder!
Jetzt hilf, geliebtes
Heiliges Schimmern
Über den Wipfeln,
Über den Wassern!

APOLLO
Daphne, wen rufst du
Und siehst mich nicht,
Wahres Licht ?

LEUKIPPOS
muss vor dem Bogen weichen
So schütze mich, Daphne,
Du tanztest mit mir
Zu Ehren des Gottes!

DAPHNE
wie festgebannt
Ich kann ja nicht!
Er weiss mein Geheimnis,
Er kennt mein Herz –
Er selbst ist das Licht!

APOLLO
senkt den Bogen
So ahnst du mich endlich!
Folge dem Gott!

DAPHNE
wie erwachend, stark
Doch nie deinen Gluten!

LEUKIPPOS
Dank dir, Geliebte!
gross vor Apollo
Dir aber fluch ich!
Apollo hebt rasch den Bogen und schnellt ab. Blitz und Donnerschlag. Leukippos taumelt und fällt im Hintergrunde. Daphne bleibt erstarrt

DAPHNE
sich langsam aus der Starre lösend
Was blendet so?
War es die Sonne ?
Nein – es war nicht – die Sonne –
Es war der Blitz!
sie geht mit schwankenden Schritten nach dem Hintergrunde, erblickt den Daliegenden
Leukippos!
sie wirft sich über ihn

LEUKIPPOS
schwach
Daphne – Gespielin
Dich zu lieben wagt ich. –
Und ward erschlagen
Von einem Gotte – –
stirbt

DAPHNE
Unheilvolle Daphne! –
Weil ein Gott dich geliebt,
Musste er sterben!
O mein Leukippos!
Geliebter Gespiele!
Wieder erklingt mir
Die trauernde Flöte.
Doch jetzt erlausche ich
Nicht des Windes Spiele,
Jetzt weiss ich endlich,
Was du gelitten,
Jetzt sagt mir die Flöte
Dein ganzes Herz! ...
O mein Leukippos!
Schuldvoll bin ich,
Da ich dir nicht folgte!
Aus kindischen Spielen
Dich leiden liess
Und klagen die Flöte...
Schuldvoller noch,
Da zu ihm ich mich wandte,
Dem Herrn der Blitze,
Statt ihn anzuflehn,
Dass er uns verlasse,
Die schwachen Menschen,
Und gnädig folge
Den himmlischen Wegen
Der ewigen Götter.
Aber am schuldvollsten,
Da ich dich nicht schützte,
Mich ihm nicht darbot
Zu seinem Willen
Und meiner Vernichtung.
Dich nicht errettet
Mit meiner Keuschheit
Geliebter Gespiele!
So höre, mein Leukippos:
Alles, was jemals ich liebte,
Will ich dir opfern,
Alle die Spiele,
Mein kindliches Glück!
In meiner Hand
Bring ich die Quelle,
Die Stirn dir zu netzen,
Die arme, bleiche!
Die gaukelnden Falter
Ich ruf sie herbei,
Um dich zu schmücken
Mit ihrer Pracht!
Und all die Blumen,
Die je ich geliebt,
Bring ich auf vollen,
Schwellenden Händen,
Breite sie aus
Um dich, Geliebter,
Zu deiner Feier
Und Totenfest! –
Ich aber, armselige Daphne,
Will still mich kauer
Zu deinen Füssen
In grosser Trauer,
In tiefer Demut –
Und warten ... warten,
Bis sie mich rufen
Die stolzen Herren
Die dich getötet –
Und mich geliebt!
sie sinkt ganz in sich

APOLLO
in ihre Betrachtung versunken
Was erblicke ich?
Himmlische Schönheit !
Was höre ich ?
Welch ein Gesang ?
Sind wir noch Götter ?
Oder längst schon beschattet
Von menschlichen Herzen
Oder längst schon ausgelöscht
Von solcher Reinheit?
Götter! Brüder
Im hohen Olympos!
Seht den schuldvollen
Elenden Bruder
Getötet hab ich
Mehr als den Armen,
Getötet hab ich
Die unschuldvollste,
Die lichteste Reinheit!
Bruder Dionysos,
Du bliebst unsichtbar
Bei deinem Feste;
Denn ich, ich selber
Zierte mich fälschlich
Mit deiner Kraft!
Kannst du verzeihen,
Dass ich den jünger
Dir getötet habe,
Der dein erfüllt war?
Nimm ihn zu dir
In deine Kreise,
Erfreu sein Flötenspiel
Göttliche Tänze!
Du aber, stärkster
Erhabener Vater,
Zeus Kronion!
Kannst du verzeihen,
Dass ich mich mengte
In dein innerstes Walten
Erhabner Natur,
Statt darüber zu schweben
In meiner Sphäre?
kniend, ganz gross
Gib sie mir wieder,
Die ich geliebt
Und tief beleidigt,
Die schuldlose Daphne!
Doch nicht als Mensch mehr,
Wie ich sie suchte
In meiner Verblendungl
Erfüll ihren Traum,
Erfüll ihre Liebe!
Unverwelklich
Ewig grünend
Lass sie aufblühn
Im Kreis ihrer Freunde,
Der Blütenbäume,
Zu unsern Höhn!
So schenke mir
Den Baum Daphne –
Den göttlichen Lorbeer –
Und ich will ihn setzen
In höchster Ehre!
Er erhebt sich beschwörend. Es wird nach und nach dunkel

Priesterlich diene,
Verwandelte Daphne,
Dem ewigen Bruder
Phoibos Apollon!
Der von je dich geliebt
Und in Ewigkeit!
So löst er von dir,
Schwester, das Reis,
Das ewig grünende,
Windet den Kranz!
Die hart um dich streiten,
Der Männer beste –
Du berührst sie
Nur an den Stirnen,
Die Jünger des Gottes,
Die besten im Streite
Und edlen im Frieden!

Apollo verschwindet. Es ist ganz dunkel geworden. Daphne rafft sich auf und eilt in den Hintergrund. Plötzlich bleibt sie festgebannt

DAPHNE
Ich komme – ich komme –
Grünende Brüder… ,
Süss durchströmt mich
Der Erde Saft!
Dir entgegen –
In Blättern und Zweigen –
Keuschestes Licht !
Daphne unsichtbar, an ihrer Stelle erhebt sich der Baum

STIMME DER DAPHNE
Apollo! Bruder!
Nimm… mein ... Gezweige .
Wind. ... Wind.
Spiele mit mir!
Selige Vögel,
Wohnet in mir ...
Menschen ... Freunde ...
Nehmt mich ... als Zeichen
Unsterblicher Liebe ...

Mondlicht hat sich über den ganzen Baum gebreitet. Daphnes Stimme tönt aus seinem Geäst weiter

Der Vorhang fällt langsam



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