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ERSTER AUFZUG

ERSTE SZENE

Zimmer des Sir Morosus. Weiter, unordentlich gehaltener Raum mit vielen Zeichen, die erkennen lassen, dass hier ein ehemaliger Seemann haust: Schiffsmodelle, Fahnen, Gewehre, Anker, Fischgerippe, Takelwerk. Besonders auffällig, dass alle Türen mit dichten Vorhängen oder Säcken geschützt sind.
Vormittagsstunde

DIE HAUSHÄLTERIN
fegt den Staub vom Tische, macht Ordnung. Es klopft

DIE HAUSHÄLTERIN
öffnet, lässt den Barbier herein
Ei, die Ehre, die Ehre! Der Herr Schneidebart, immer zeitig, immer zur Zeit. Komm Er nur, komm Er nur weiter und wart' Er ein wenig! Er schläft noch, der Herr, er schläft Gott sei Dank, da haben wir Ruhe. Da kann man was reden, da kann man noch plaudern.

BARBIER
Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Ich sag's doch, er schläft noch, er schläft, Gott sei Dank. Da kann man noch reden, mir friert schon der Mund. Da darf man sich rühren, denn mein Gott, denn mein Gott, wenn er erwacht, dann ist es zu Ende, Da heisst es sich ducken, ganz stumm tun, und leise herum in Pantoffeln, ganz stumm und ganz leise, kein Wort und kein Atem, kein Schritt und kein Ton, nur schweigen und schweigen, schweigen bis man erstickt! Ach, liebster Herr Bader!

BARBIER
Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich, ich muss Ihm's erklären, ich halt' es nicht aus. Der Herr, Er weiss ja, der Herr ist so streng, und doch, Er weiss ja, der Herr ist so gut. Man will ihm doch helfen, man will ihn doch pflegen, man müht sich, man plagt sich, man denkt nur für ihn, - wie arm und verlassen ist so ein einsamer Mann! Kein Sohn und kein Neffe, kein Freund und kein Schwäher undvo r allem, und vor allem, ach ja, keine Frau! Keine brave, keine treue, keine rechte und echte, keine ehrliche, redliche, sorgliche Frau ...

BARBIER
Zum Teufel, meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich - Versteht sich, nicht eine, die frech ist und windig, nicht so ein verbuhltes, ludriges Ding... Keine junge, oh nein, keine junge, keine grüne, nicht so ein Püppchen aus Zucker und Wachs, nein, nein, eine rechte, erfahren und fleissig, sehr still und sehr schweigsam, schon reif in den Jahren - so etwa in meinen - genau und gelassen, zwar sparsam, doch flink, nicht hitzig, doch munter, so eine, so eine ... ich meine, die treu ist und gut.

BARBIER
Zum Teufel, ich hab' meine Zeit nicht gestohlen! Was schwätzt Sie und schwatzt Sie! Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich, ich meine nur ... Er weiss doch, Er kennt doch, Er kennt doch den gnädigen Herrn . . ; Er hat sein Vertrauen, Er plaudert mit ihm. Da dacht ich, Er könnt' doch verstohlen . . .

BARBIER
Potz Kreuz, ich bin zum Barbieren bestellt.

AUSHÄLTERIN
ch mein' nur . .. ach hört doch, ich denke ...

BARBIER
Den Schaum schlag' ich selber, was schwätzt Sie? Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Nur dies noch. . Er könnte doch ... ich meine.. ich zahlt' es Ihm gut ... ich meine, Er könnte dem Herren doch sagen ... versteht sich, ich zahlt' es Ihm gut ... Er könnt' Ihm doch sagen .... Er begreift mich, ich zahlt' es Ihm gut ... Was braucht er lang' suchen, der gnädige Herr ... Mich hat er erprobt. Seit siebzehn Jahren ...

BARBIER
Schwätzt Sie und schwatzt Sie allein wie ein Kirchenspiel von morgens bis abends -

DIE HAUSHÄLTERIN
Er könnt' Ihm doch raten ...

BARBIER
ausbrechend
Euch zum Henker zu jagen, Euch altes, verschwatztes, verwittertes Weib!

DIE HAUSHÄLTERIN
aufschreiend
Ai!

BARBIER
Eh' an den Glockenklöppel von Sankt Pankraz sich hängen als an Euren Hals! Eh' sich nackt in ein Nesselfeld legen, als mit Euch ins Bett!

DIE HAUSHÄLTERIN
schriller
Ai!

BARBIER
Eh' sich alle Backenzähne reihenweis ausziehn zu lassen, als ein Ja" vor dem Pfarrer!

DIE HAUSHÄLTERIN
Er Grobian, - Er. . . Er ...

BARBIER
Eh' sich inokulieren zu lassen mit Narrenkraut, als Euch zu sponsieren!

DIE HAUSHÄLTERIN
Was erlaubt Er sich gegen eine ehrsame Wittib? Er will reden! Er, Er elender Bartschaber, Er lediger Kindermacher, Er Kuppelmajor und Mixturenmischer, Er ausgeflogener Galgenvogel, Er ausgepichter, ausgejagter Tanzmeister des Teufels? Hinaus aus dem Haus! Marschier' Er sofort! Hinaus!

BARBIER
Ruhig, alter Scherben, oder ich schlag' dich in Trümmer!

DIE HAUSHÄLTERIN
sehr grell
Mich schlagen, du Hundsknochen? Mich schlagen, eine ehrsame Wittib? Hinaus mit Ihm, hinaus aus dem Haus . .

ZWEITE SZENE

SIR MOROSUS
stürzt aus dem Schlafzimmer hervor. Er ist im Morgenrock, hält eine lange türkische Pfeife in der Hand, deren langen Stiel er vom Pfeifenkopf wegreisst und gegen die erschrockene Haushälterin schwingt. Losdreschend

Da eine in deine Takelage, du altes wurmstichiges Wrack! Ich will dich lehren, Lärm machen. Da noch eine Breitseite und noch eine und noch eine! Mich willst du entern, du rostiger Ankerhaken ? Mich willst du als Prise nehmen, du morsche Galeere? Ich werde dir Wind machen, dass du zum Satan fährst. Marsch, in deine Koje und nicht wieder heraus! Marsch und keinen Ton mehr oder ...

DIE HAUSHÄLTERIN
ist durch die Tür entflohen

BARBIER
Morosus unterbrechend und beruhigend
Nur nicht so cholerisch, gnädiger Herr, es schlägt sich auf die Leber und macht schwarzes Blut. Nur Ruhe! Sie ist die Spucke nicht wert. Nur Ruhe, nur Ruhe!

MOROSUS
ärgerlich auf den Barbiersessel sich niederlassend
Ruhe? Warum soll ich Ruhe halten? Warum gerade ich? Warum ich allein in diesem Lärmkessel des Teufels? Wer lässt mir Ruhe?

BARBIER
ihm das Tuch umbindend und den Schaum schlagend, höflich, friseurhaft
Euer Liebden haben, ich fürchte, schlecht geschlafen.

MOROSUS
Schlafen? Wie kann man schlafen, wenn immer eine ganze Herde von Brüllhälsen wach ist? Schlafen denn die andern Menschen in der Stadt? Und lassen sie einen friedsamen Bürger schlafen? Nein, sie rennen auf die Strasse, sie toben in den Schenken, sie kotzen die Nacht voll mit ihrem vermaledeiten Lärm! Oh Gott, wie ist dieses Eselsgeschlecht der Menschen erfindungsreich im Spektakulieren! Das fiedelt und flötet, das pfeift und trompetet, das brummt und das schrummt, das rauft und besauft sich, das klimpert und stümpert und setzt niemals aus, nie, nie wird's hier still in Gasse und Haus!

BARBIER
ihn beflissen einseif end, nach hurtiger Friseursart
Wohl, wohl, eine Schande ists, wie die gestrengen Verordnungen seiner Majestät des Königs und des löblichen Magistrats missachtet werden in dieser Stadt. Aber solange das Volk Geld in der Tasche hat, will es saufen, und wenn es gesoffen hat, dann geht's ans Raufen, und leider, leider, das ist jederzeit mit Geschrei verbunden. Da hilft nichts, als dass ein ruheliebender Bürger selber sein Gläschen Ale trinken geht und im Wirtshaus abwartet, bis die Scharwache die Gassen reinfegt. Um Mitternacht wird's dann schon still!

MOROSUS
ihn wegstossend vor Zorn
Still? Um Mitternacht still? Und die Glocken? Die verfluchten, vermaledeiten Glocken? Wann werden die jemals still?

Oh diese Glocken,
Die bös und schwarz auf den Türmen hocken,
Unsichtbar stumm im Gestühle kauern
Und die Zeit, die unendliche Zeit belauern!
Und plötzlich mit einem donnernden Stoss,
Fahren sie los:
Ping, pang,
Schwing, schwang,
Stundenlang,
Die grossen, die schweren,
Die donnern und dröhnen,
Die kleinen, die dünnen,
Die plärren und stöhnen,
Immer und immer
Schmeissen sie einem Lärm ins Zimmer;
Ob es dunkelt, ob's dämmert,
Bei Nacht und bei Tag,
Immer und immer
Dieser grässliche, grausame Stundenschlag!
Oh, die Glocken,
Die entsetzlichen Glocken,
Bald gröhlen sie, um in die Kirche zu locken,
Wenn einer krepiert,
Wenn einer geboren,
Wenn ein Narr einem Weib sich zur Ehe verschworen,
Wenn ein Dieb zum Galgen befördert wird,
Immer, immer,
Immer werden die Glocken gerührt!

BARBIER
die rechte Seite rasierend
Sehr wahr, Euer Liebden, nicht einmal Sonntag feiern sie wie sonst jeder ehrsame Handwerksmann. Aber die Glocken unterstehen der Diözese und nicht der Judikatur des Magistrats. So tut jeder Bürger, dem sein ehrlicher Schlaf lieb ist, wohl, seine Läden gut zu schliessen gegen dieses ärgerliche Gel.trm und er hat Ruh' im Haus.

MOROSUS
ihn wieder wegstossend
Ruhe im Haus? Wann hab' ich Ruhe im Haus? Ist dieses Weib nicht da, das mehr Lärm macht als ein achtzehngräd'ger Monsun? Ah, dieses Plappermaul, das mehr Worte in einer Minute abschiesst als seiner Majestät bestes Kriegsschiff Salven in einer Stunde. jetzt fegt sie die Zimmer, jetzt schlägt sie die Türen, bald klopft sie und knattert, bald schwatzt sie und schnattert, beständig zeigt sie sich höllisch lebendig und nie, niemals schweigt sie.

BARBIER
Einen solchen Drachen würde ich an Eurer Gnaden Stelle per Stückfracht dahin spedieren, wo der Pfeffer wächst und nähme mir dafür eine junge ins Haus, still und gefügig, ein schmuckes Weibchen, ein sanftes Täubchen, ein zartes, zärtliches Zeitvertreibchen - eine nette, adrette, schweigsame Frau!

MOROSUS
Ha! Eine schweigsame Frau? Ein Meer ohne Salz? Ein Schiff ohne Ratten ? Eine Frau, die nicht schnattert? Siebenmal bin ich ums Kap gesegelt und vom Eismeer bis ins Affenland und habe vierundsechzig Jahre keine begegnet! Eine schweigsame Frau, die findet man nur auf Kirchhöfen und unterm steinernen Kreuz!

BARBIER
hat das Rasieren beendet, stäubt ihn mit Puder ein und bereitet die Brennscheren vor für die Perücke
Euer Gnaden belieben zu übertreiben. Sind nicht so rar, die stillen Täubchen, flattern nur nicht aus, sitzen brav gehorsam im Taubenschlag bei Vater und Mutter, und ausser im Kirchstuhl sieht sie kein Mann. Ein Dutzend an jedem Finger wüsst' ich, die sich glücklich schätzten, einen so respektablen, hochehrenswerten S quire wie Euer Gnaden betreuen zu dürfen. Und gar heiraten, geheiratet werden, ach, sie liefen hundert Meilen weit, denn die ehrsamen Männer sind rar geworden und . . .

MOROSUS
Will Er mich zum Narren haben? Eine junge Frau ins Haus, das hiesse mich drei Wochen später auf der Bahre!

BARBIER
Mit nichten, mit nichten! Glauben Euer Gnaden einem geprüften Bader, der siebenmal mehr weiss als jeder Medikus von der Royal Academy: es gibtkein besseres Remedium, um das Blut warm zu halten, als eine junge Frau! Das schmeidigt den Schlaf, das schmächtigt die Galle und sänftigt die Laune, das heitert den Sinn, das vergütigt die Seele. Ach, kein Arcanum tut einem ältlichen Herzen so wohl als eine junge, zärtliche Frau. Es ist ein Elektron in ihrem Blick, das alle guten Kräfte im Mann aufziehet und fruchtbar macht. Es ist wie gefilterte Sonne, die das Herz wieder zum Blühen bringt. Denkt Euch's nur aus:

Es wird Abend, der Ofen friert kalt,
Man fühlt sich verlassen, man fühlt sich uralt. -
Es wird traurig und schaurig, wird so furchtbar stumm,
Als sässe der Tod in der Stube herum.
Da tritt sie herein,
Ein Stück lebendiger Sonnenschein,
Bringt Wärme und Blüte, bringt Güte und Licht
Mit hilfreichen Händen, mit frohem Gesicht,
Und alles Grauen ist fortgetan.
Man hält sich die Hände, man blickt sich an,
Man plaudert, man schweigt, man lächelt sich zu,
Man spricht sich, man scherzt sich und träumt sich
Zur Ruh. -
Wär das nicht schön?

MOROSUS
plötzlich nachdenklich werdend. Ganz träumerisch vor sich hin
Ja, das wär schön! Nicht so bang, - nicht so leer, -- nicht so sterbensallein
Jeden Tag, jede Nacht mit sich selber zu sein.
Kein Sohn, kein Erbe, kein Neffe, kein Freund,
Kein Mensch auf der Welt, der es herzlich meint.
ja, das wär schön! -
Irgendwen
Zu wissen, für den man da ist,
Der einem gut, - der einem nah' ist,
Mit dem man atmet, mit dem man denkt.
Wenn einem die Angst in die Kehle drängt.
Irgendwen,
Für den man lebt und dem man stirbt,
Und dass einer da ist, wenn man erkaltet,
Der einem die Augen zudrückt und die Hände faltet,
tief atmend
Ja, das wär schön. -

BARBIER
schnell
Also verstatten Euer Gnaden, ein wenig Umschau zu halten, ich kenne alle Mütter und Väter und Tanten und Töchter im Umkreis von siebzehn Meilen, ich brächte Euch das Feinste, das Stillste, das Lieblichste, das Leiseste aus der ganzen Grafschaft ...

MOROSUS
Unsinn, mach' keinen Scherz! Welches Mädchen sollte mich nehmen wollen, mich alten, bösen, bissigen Mann? Was jung ist, liebt die Jugend, und recht so! Nein, nein, ich bin zu alt, ich bin zu alt !

BARBIER
Oh, Euer Gnaden tun sich selber Unrecht. Es gibt solche und solche bei den Jungfern, und solche, die gar keine sind. Es gibt törichte und kluge, und die Klugen wissen, dass das Alter gütig ist und die Jugend frech, die Schönheit vergänglich und das Geld beständig, und sie wählen tausendmal lieber einen Mann mit Würde und Ehre, als einen Tunichtgut.
Er hat die Brennschere in der Hand und singt, während er die Locken aufwickelt und einrollt, die Kanzone
Mädchen nur, die nichts erfahren,
Sind vom blossen Blick betört,
Nicht nach Rang, nur nach den Jahren
Messen sie des Mannes Wert.
Keiner kann da grob genung sein,
Denn sie suchen ohne Halt
In der Liebe nur das Jungsein,
In dem Mann nur die Gestalt.

MOROSUS
Ja, ich bin mir längst im klaren,
Ja, ach ja, ich bin zu alt.

BARBIER
Anders aber lieben Frauen,
Kraft und Reife zieht sie an,
Nur wem sie getrost vertrauen,
Ehren sie als rechten Mann.
Gern beugt jede sich und fügt sich,
Wo sie Geist spürt und Gehalt.
Wer nur Jugend sucht betrügt sich,
Jede Kluge weiss das bald.

MOROSUS
Ich, ich sehe, Er belügt mich,
Nein, ach nein, ich bin zu alt. -

BARBIER
Diese lieben, jene schwärmen,
Sucht Euch nur die Rechte aus.

MOROSUS
Nein, sie werden beide immer lärmen,
Ruhe will ich, Ruh' im Haus!

DRITTE SZENE

Ein plötzlicher harter Schlag mit dem Klopfer an die äussere Türe

MOROSUS
aufspringend wie von einer Kugel getroffen
Ah!

BARBIER
hat die Brennschere fallen gelassen vor Schreck
Gnädiger Herr!

Neues kräftiges Pochen

MOROSUS
Ah! Mein Stock! Wo ist mein Stock? Ich muss diesem Schurken den Schädel eindreschen!

BARBIER
ihn haltend
Euer Gnaden, temperiert Euch! Es kann ein Schlagfluss resultieren, wenn Euer Gnaden sich so echauffieren.

MOROSUS
mit ihm ringend
Meine Ruhe! Ich will keine Menschen im Haus! Meine Ruhe will ich!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
draussen, unsichtbar
Für niemanden! Sir Morosus empfängt niemanden.

STIMME DES HENRY MOROSUS
unsichtbar
Ich muss ihn aber sprechen.

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Ist nicht zu sprechen.

STIMME HENRYS
Muss zu sprechen sein!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Nein!

STIMME HENRYS
Doch!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Nein!

STIMME HENRYS
Doch!

MOROSUS
Ah, du Kröte! Ich werde dich breitschlagen!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Was, mit Gewalt?

STIMME HENRYS
noch draussen
Ich muss herein.

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
draussen
Lasst mich los.

MOROSUS
innen zum Barbier
Lass mich los, Verfluchter!
Morosus hat sich losgerissen, rennt nach seinem Prügel und stürzt mit dem geschwungenen Stock nach der Tür

HAUSHÄLTERIN
fliegt in diesem Augenblick durch die aufgerissene Tür herein und zu Boden, hinter ihr Henry

HENRY
ich werde dir zeigen, mir den Weg zu sperren!

MOROSUS
Ah..
Er schwingt den Stock, um auf Henry loszuschlagen. Plötzlich lässt er den Stock starr erhoben schweben, fragend
Henry?

HENRY
Mein teuerster Ohm!

MOROSUS
begeisterter, sicherer
Henry? Wirklich Henry?

HENRY
Und meines Oheims allergetreuester Neffe!

MOROSUS
Henry!
Er lässt den Stock fallen und umarmt ihn. Zärtlich ihn nach vorn führend
Du lebst?

HENRY
Ich lebe.

MOROSUS
Du bist nicht tot ?

HENRY
Nicht dass ich wüsste.

MOROSUS
Du bist nicht gestorben?

HENRY
Nicht dass ich dessen mich erinnerte.

MOROSUS
Aber du warst verschwunden von der Universität Pavia; niemand konnte mir Nachricht geben.

HENRY
Ach, Ohm, verzeiht mir's. Mich langweilten die Bücher, mich ekelte die Jurisprudenz, mich widerte der ganze papierene Kram. So lief ich davon.

MOROSUS
breit lachend
Ha! Liefst davon? Einfach davon? Bravo, bravo! Ein Morosus, ein echter Morosus, mein wahrer BruderSohn! So sind wir, nicht zu halten, nicht zu binden, immer dem Abenteuer nach. Genau so entlief ich vor vierzig Jahren vom Gut meines Vaters zur Flotte, mich herumzuschlagen mit Tod und Teufel. Ein echter Morosus! Unser Blut, unser Sinn! Aber nun bleibst du hier?

HENRY
Wenn Ihr's verstattet, mein gütigster Ohm. Doch ...

MOROSUS
zum Barbier
Er bleibt hier. Habt ihr's gehört? Ihm dies Haus, ihm mein Erbe! Alles ihm! jetzt brauch' ich keine Braut, keine Frau, keine Mädchen, keine stummen und schweigsamen ' sie sollen einen Schuster heiraten oder einen Krämer und ich geb' meinen Segen, jetzt ist er da, mein Erbe, mein Sohn. Du wirst ihn rasieren.
zur Haushälterin
Du wirst ihn betreuen! Die oberen Zimmer für ihn! Alles für ihn! Ab, mein Henry, jetzt weiss ich wieder, wozu inan lebt. Komm, leg' ab, setz' dich her, komm in meine Arme, wackrer junge, komm, ich bin hundeneugierig, von dir zu hören.

HENRY
Ja, gerne, gerne… doch möcht' ich erst …

MOROSUS
Ganz - was dir beliebt! Du bist bei dir zu Hause! Soll man dir ein Bad rüsten? Willst du essen? Willst du trinken ? Nur setz' dich, setz' dich her, mein junge, lass mich freuen an dir!

HENRY
unruhig
Ja, es ist nur ... wie soll ich's Euch erklären ... ich bin nicht allein.

MOROSUS
Nicht allein?

HENRY
Ich bin mit ihnen ... sie sind mit mir ... sie warten unten ... nämlich ... nämlich
zögernd
meine Truppe ...

MOROSUS
falsch verstehend, begeistert
Deine Truppen? Du hast sie mitgebracht, deine Soldaten? Ha, ich dacht' es gleich, ein Morosus klebt nicht bei Büchern, den lockt's ins Abenteuer. Wacker, wacker! Ein echter Morosus, das gute, feurige Blut! Wer mit einem Morosus gefochten, ist mein Freund, mein Gast! Her mit deinen Soldaten! Alle herauf!
Zum Fenster hinunterrufend
Herauf! alle herauf! Ihr seid alle geladen.
Wieder zu Henry
Ich will sie sehen, deine jungen, sie sollen mir er-zählen von deinen Heldentaten, ein alter Seemann hört nichts lieber als von Schlachten und Kriegen!
Zur Haushälterin
Wein her! Krüge und Becher! Ah, wie freu' ich mich, mein Henry, deine Kameraden zu bewirten, es sind doch des Herrgotts beste Söhne, die Soldaten, und ich war auch einer von ihnen.

Kleiner humoristischer Marsch. Es tritt auf die Operntruppe Cesare Vanuzzis: zuerst Cesare Vanuzzi, schlecht angezogen, aber pathetisch und gravitätisch. Carlo Morbio, Giuseppe Farfallo, drei Sängerinnen: Aminta, Isotta und Carlotta, hinter ihnen zwei bis vier andere Sänger, die gewissermassen den kleinen Chor bilden. Sie treten gravitätisch ein, die Frauen machen devote Kratzfüsse

MOROSUS
hat überrascht und sprachlos dem Aufzug zugesehen, dann indigniert, mit erwachendem Zorn
Das deine Truppen? Deine Soldaten?

HENRY
ängstlich
Allerdings. . . jawohl ... unsere Truppe ... Die hoch- berühmte Compagnia Maestro Cesare Vanuzzis ...
sich fassend
gestattet, Ohm, Euch zu präsentieren: Cavaliere Cesare Vanuzzi, der Principal unserer Opera, Ritter des goldenen Sporens, der Apoll Italiens ... hochbeliebt bei Seiner Heiligkeit, Gast der illustresten Höfe ...

VANUZZI
sich verbeugend
und Euer Gnaden ergebenster servitore.

HENRY
Dies Carlo Morbio, gefeiert für seinen Orfeo, dies Giu-seppe Farfallo, der Liebling Bolognas, - dies Aminta, dies Isotta, dies Carlotta, dies die andern Kameraden.

MOROSUS
misstrauisch
Du willst doch nicht sagen, dass du gleichfalls singst ?

HENRY
Ich habe mich nicht ohne Erfolg darum bemüht.

VANUZZI
Nicht so bescheiden! Ein junger Meister, Euer Gnaden! Parola d'onore, das Entzücken von San Carlo und Santa Capella.

MOROSUS
Doch nicht in publico singst?

HENRY
Allerdings. Seit einigen Monden.

MOROSUS
Für Geld? Ein Morosus? Du lässt dich bezahlen?

HENRY
Ich darf zu meinen Gunsten vorbringen, dass ich bisher sehr schlecht bezahlt wurde.

MOROSUS
Und wozu ... wozu schleppst du all die mit nach England? Was soll das da?

HENRY
Cavaliere Vanuzzis Ruhm ist bis in unser Vaterland gedrungen. Ein Impresario hat ihn gewonnen, im Haymarket-Theater einige seiner berühmten Operas zu produzieren, wir hoffen auf den geneigten Beifall Ihrer Majestäten und die Gunst des Publikums.

MOROSUS
Und wenn dazu im Chorus die himmlischen Heerscharen singen wollten, ich hör' mir's nicht an. Eher auf die Galeeren als zu diesem neumodischen Ohrengeschinde, das man Operas nennt! Mögen sie trillern und brüllen, bis ihnen der Kehlkopf platzt. Ich hoffe nur, du, ein Morosus, machst mir nicht die Schande, dich hierzulanden mit ihnen zu zeigen.

HENRY
Cavaliere Vanuzzi hat mir den Part des Primo Tenore zugedacht. Ich werde den Orlando singen in der Opera des göttlichen ...

MOROSUS
Du wirst nicht singen!

HENRY
Ich werde singen!

MOROSUS
Du wirst nicht singen!

HENRY
Ich werde singen!

MOROSUS
Ich verbiete es. Ich dulde die Schande nicht. Unser ehrlicher Name! Unser angeseh'nes Haus! Ein Morosus neben Kastraten und Gauklern! Ein -Morosus! Ich verbiete es! Ich verbiete es!

HENRY
Hört mich an, gütigster Ohm!

MOROSUS
Ich will nichts hören. Ruhe will ich, Ruhe! Ein Morosus, der singt, ist kein Morosus! Sofort verlässt du diese Truppe!

HENRY
Ich kann sie nicht verlassen. Ich bin gebunden an sie! Mit meinem Wort, mit meiner Ehre, mit -
er zieht die zögernde Aminta heran
meiner Liebe. Ich wagt' es Euch nicht gleich zu gestehen, Ohm. Diese, Aminta, ist meine Frau.

MOROSUS
Deine Frau? Eine Sängerin? Und sie soll in mein Haus? Eine Lärmmacherin, eine Ohrenschinderin, eine Komödiantin, eine Gauklerin, eine ...

HENRY
Genug und zu viel! Wenn sie Euch nicht willkommen ist, dann gehe ich mit ihr.

MOROSUS
Drei Komödianten! Sechs Komödianten! Eine ganze Opera in meinem Haus? Bist du toll? Fort mit denen allen, oder - ich enterbe dich!

HENRY
Mein gütigster Ohm!

MOROSUS
immer wilder
Ich enterbe dich! Kein Pfund und keinen Schilling! Lieber vor die Ratten! Lieber ins Wasser! Oh diese Schande! Ein Morosus mit solchen Kujonen, solchem Galgenholz, mit solchen Strassenläufern, Bettelsängern ...

VANUZZI
ausbrechend
Ah! C'è troppo! Das mir! Einem Ritter vom goldenen Sporn!

Alle durcheinander zusammen und auf die einzelnen Invektiven Morosus' einsetzend, immer stärker, erbitterter, schliess-lich zum Tumult werdend

MOROSUS
Solchen ausgestäupten Halunken! Solchen Weissnichtwohers!

MORBIO
Impertinenza! Was erlaubt er sich!

FARFALLO
Che arroganza! Mich, der vor dem Papst gesungen!

HENRY
Ohm, ich beschwöre Euch, moderier Er sich!

MOROSUS
Mit Dirnen und Hübschlerinnen ...

ISOTTA
Was erlaubt Er sich!

CARLOTTA
Was erfrecht Er sich!

MOROSUS
Mit solchem zusammengelesenen Pack, das für zehn Soldi Speichel frisst, das für jedes Bravo buckelt, das für ein Goldstück heult und hurt ... Fort mit denen allen, oder ich enterbe dich!

HENRY
Das ist zuviel! Das duld' ich nicht. Ihr beleidigt meine Frau!

VANUZZI
Meinen Degen! Meinen Degen! Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Ich muss ihm die Ohren abschneiden!

MORBIO
Vor die Justiz! Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Er hat uns beschimpft! Soddisfazione!

FARFALLO
Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Er hat mich beschimpft! Soddisfazione!

ISOTTA
Meine Ehre! Meine Ehre! Ich klage ihn an! Vor die Justiz!

CARLOTTA
Ein Saufbold! Ein Weinfass! Er weiss nicht, was er spricht! Was erlaubt er sich!

CHORUS DER ANDERN
Soddisfazione! Er hat uns beleidigt. Soddisfazione! Vor die Justiz!
ERSTER AUFZUG

ERSTE SZENE

Zimmer des Sir Morosus. Weiter, unordentlich gehaltener Raum mit vielen Zeichen, die erkennen lassen, dass hier ein ehemaliger Seemann haust: Schiffsmodelle, Fahnen, Gewehre, Anker, Fischgerippe, Takelwerk. Besonders auffällig, dass alle Türen mit dichten Vorhängen oder Säcken geschützt sind.
Vormittagsstunde

DIE HAUSHÄLTERIN
fegt den Staub vom Tische, macht Ordnung. Es klopft

DIE HAUSHÄLTERIN
öffnet, lässt den Barbier herein
Ei, die Ehre, die Ehre! Der Herr Schneidebart, immer zeitig, immer zur Zeit. Komm Er nur, komm Er nur weiter und wart' Er ein wenig! Er schläft noch, der Herr, er schläft Gott sei Dank, da haben wir Ruhe. Da kann man was reden, da kann man noch plaudern.

BARBIER
Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Ich sag's doch, er schläft noch, er schläft, Gott sei Dank. Da kann man noch reden, mir friert schon der Mund. Da darf man sich rühren, denn mein Gott, denn mein Gott, wenn er erwacht, dann ist es zu Ende, Da heisst es sich ducken, ganz stumm tun, und leise herum in Pantoffeln, ganz stumm und ganz leise, kein Wort und kein Atem, kein Schritt und kein Ton, nur schweigen und schweigen, schweigen bis man erstickt! Ach, liebster Herr Bader!

BARBIER
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DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich, ich muss Ihm's erklären, ich halt' es nicht aus. Der Herr, Er weiss ja, der Herr ist so streng, und doch, Er weiss ja, der Herr ist so gut. Man will ihm doch helfen, man will ihn doch pflegen, man müht sich, man plagt sich, man denkt nur für ihn, - wie arm und verlassen ist so ein einsamer Mann! Kein Sohn und kein Neffe, kein Freund und kein Schwäher undvo r allem, und vor allem, ach ja, keine Frau! Keine brave, keine treue, keine rechte und echte, keine ehrliche, redliche, sorgliche Frau ...

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Zum Teufel, meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich - Versteht sich, nicht eine, die frech ist und windig, nicht so ein verbuhltes, ludriges Ding... Keine junge, oh nein, keine junge, keine grüne, nicht so ein Püppchen aus Zucker und Wachs, nein, nein, eine rechte, erfahren und fleissig, sehr still und sehr schweigsam, schon reif in den Jahren - so etwa in meinen - genau und gelassen, zwar sparsam, doch flink, nicht hitzig, doch munter, so eine, so eine ... ich meine, die treu ist und gut.

BARBIER
Zum Teufel, ich hab' meine Zeit nicht gestohlen! Was schwätzt Sie und schwatzt Sie! Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Gleich, gleich, ich meine nur ... Er weiss doch, Er kennt doch, Er kennt doch den gnädigen Herrn . . ; Er hat sein Vertrauen, Er plaudert mit ihm. Da dacht ich, Er könnt' doch verstohlen . . .

BARBIER
Potz Kreuz, ich bin zum Barbieren bestellt.

AUSHÄLTERIN
ch mein' nur . .. ach hört doch, ich denke ...

BARBIER
Den Schaum schlag' ich selber, was schwätzt Sie? Meld' Sie mich an!

DIE HAUSHÄLTERIN
Nur dies noch. . Er könnte doch ... ich meine.. ich zahlt' es Ihm gut ... ich meine, Er könnte dem Herren doch sagen ... versteht sich, ich zahlt' es Ihm gut ... Er könnt' Ihm doch sagen .... Er begreift mich, ich zahlt' es Ihm gut ... Was braucht er lang' suchen, der gnädige Herr ... Mich hat er erprobt. Seit siebzehn Jahren ...

BARBIER
Schwätzt Sie und schwatzt Sie allein wie ein Kirchenspiel von morgens bis abends -

DIE HAUSHÄLTERIN
Er könnt' Ihm doch raten ...

BARBIER
ausbrechend
Euch zum Henker zu jagen, Euch altes, verschwatztes, verwittertes Weib!

DIE HAUSHÄLTERIN
aufschreiend
Ai!

BARBIER
Eh' an den Glockenklöppel von Sankt Pankraz sich hängen als an Euren Hals! Eh' sich nackt in ein Nesselfeld legen, als mit Euch ins Bett!

DIE HAUSHÄLTERIN
schriller
Ai!

BARBIER
Eh' sich alle Backenzähne reihenweis ausziehn zu lassen, als ein Ja" vor dem Pfarrer!

DIE HAUSHÄLTERIN
Er Grobian, - Er. . . Er ...

BARBIER
Eh' sich inokulieren zu lassen mit Narrenkraut, als Euch zu sponsieren!

DIE HAUSHÄLTERIN
Was erlaubt Er sich gegen eine ehrsame Wittib? Er will reden! Er, Er elender Bartschaber, Er lediger Kindermacher, Er Kuppelmajor und Mixturenmischer, Er ausgeflogener Galgenvogel, Er ausgepichter, ausgejagter Tanzmeister des Teufels? Hinaus aus dem Haus! Marschier' Er sofort! Hinaus!

BARBIER
Ruhig, alter Scherben, oder ich schlag' dich in Trümmer!

DIE HAUSHÄLTERIN
sehr grell
Mich schlagen, du Hundsknochen? Mich schlagen, eine ehrsame Wittib? Hinaus mit Ihm, hinaus aus dem Haus . .

ZWEITE SZENE

SIR MOROSUS
stürzt aus dem Schlafzimmer hervor. Er ist im Morgenrock, hält eine lange türkische Pfeife in der Hand, deren langen Stiel er vom Pfeifenkopf wegreisst und gegen die erschrockene Haushälterin schwingt. Losdreschend

Da eine in deine Takelage, du altes wurmstichiges Wrack! Ich will dich lehren, Lärm machen. Da noch eine Breitseite und noch eine und noch eine! Mich willst du entern, du rostiger Ankerhaken ? Mich willst du als Prise nehmen, du morsche Galeere? Ich werde dir Wind machen, dass du zum Satan fährst. Marsch, in deine Koje und nicht wieder heraus! Marsch und keinen Ton mehr oder ...

DIE HAUSHÄLTERIN
ist durch die Tür entflohen

BARBIER
Morosus unterbrechend und beruhigend
Nur nicht so cholerisch, gnädiger Herr, es schlägt sich auf die Leber und macht schwarzes Blut. Nur Ruhe! Sie ist die Spucke nicht wert. Nur Ruhe, nur Ruhe!

MOROSUS
ärgerlich auf den Barbiersessel sich niederlassend
Ruhe? Warum soll ich Ruhe halten? Warum gerade ich? Warum ich allein in diesem Lärmkessel des Teufels? Wer lässt mir Ruhe?

BARBIER
ihm das Tuch umbindend und den Schaum schlagend, höflich, friseurhaft
Euer Liebden haben, ich fürchte, schlecht geschlafen.

MOROSUS
Schlafen? Wie kann man schlafen, wenn immer eine ganze Herde von Brüllhälsen wach ist? Schlafen denn die andern Menschen in der Stadt? Und lassen sie einen friedsamen Bürger schlafen? Nein, sie rennen auf die Strasse, sie toben in den Schenken, sie kotzen die Nacht voll mit ihrem vermaledeiten Lärm! Oh Gott, wie ist dieses Eselsgeschlecht der Menschen erfindungsreich im Spektakulieren! Das fiedelt und flötet, das pfeift und trompetet, das brummt und das schrummt, das rauft und besauft sich, das klimpert und stümpert und setzt niemals aus, nie, nie wird's hier still in Gasse und Haus!

BARBIER
ihn beflissen einseif end, nach hurtiger Friseursart
Wohl, wohl, eine Schande ists, wie die gestrengen Verordnungen seiner Majestät des Königs und des löblichen Magistrats missachtet werden in dieser Stadt. Aber solange das Volk Geld in der Tasche hat, will es saufen, und wenn es gesoffen hat, dann geht's ans Raufen, und leider, leider, das ist jederzeit mit Geschrei verbunden. Da hilft nichts, als dass ein ruheliebender Bürger selber sein Gläschen Ale trinken geht und im Wirtshaus abwartet, bis die Scharwache die Gassen reinfegt. Um Mitternacht wird's dann schon still!

MOROSUS
ihn wegstossend vor Zorn
Still? Um Mitternacht still? Und die Glocken? Die verfluchten, vermaledeiten Glocken? Wann werden die jemals still?

Oh diese Glocken,
Die bös und schwarz auf den Türmen hocken,
Unsichtbar stumm im Gestühle kauern
Und die Zeit, die unendliche Zeit belauern!
Und plötzlich mit einem donnernden Stoss,
Fahren sie los:
Ping, pang,
Schwing, schwang,
Stundenlang,
Die grossen, die schweren,
Die donnern und dröhnen,
Die kleinen, die dünnen,
Die plärren und stöhnen,
Immer und immer
Schmeissen sie einem Lärm ins Zimmer;
Ob es dunkelt, ob's dämmert,
Bei Nacht und bei Tag,
Immer und immer
Dieser grässliche, grausame Stundenschlag!
Oh, die Glocken,
Die entsetzlichen Glocken,
Bald gröhlen sie, um in die Kirche zu locken,
Wenn einer krepiert,
Wenn einer geboren,
Wenn ein Narr einem Weib sich zur Ehe verschworen,
Wenn ein Dieb zum Galgen befördert wird,
Immer, immer,
Immer werden die Glocken gerührt!

BARBIER
die rechte Seite rasierend
Sehr wahr, Euer Liebden, nicht einmal Sonntag feiern sie wie sonst jeder ehrsame Handwerksmann. Aber die Glocken unterstehen der Diözese und nicht der Judikatur des Magistrats. So tut jeder Bürger, dem sein ehrlicher Schlaf lieb ist, wohl, seine Läden gut zu schliessen gegen dieses ärgerliche Gel.trm und er hat Ruh' im Haus.

MOROSUS
ihn wieder wegstossend
Ruhe im Haus? Wann hab' ich Ruhe im Haus? Ist dieses Weib nicht da, das mehr Lärm macht als ein achtzehngräd'ger Monsun? Ah, dieses Plappermaul, das mehr Worte in einer Minute abschiesst als seiner Majestät bestes Kriegsschiff Salven in einer Stunde. jetzt fegt sie die Zimmer, jetzt schlägt sie die Türen, bald klopft sie und knattert, bald schwatzt sie und schnattert, beständig zeigt sie sich höllisch lebendig und nie, niemals schweigt sie.

BARBIER
Einen solchen Drachen würde ich an Eurer Gnaden Stelle per Stückfracht dahin spedieren, wo der Pfeffer wächst und nähme mir dafür eine junge ins Haus, still und gefügig, ein schmuckes Weibchen, ein sanftes Täubchen, ein zartes, zärtliches Zeitvertreibchen - eine nette, adrette, schweigsame Frau!

MOROSUS
Ha! Eine schweigsame Frau? Ein Meer ohne Salz? Ein Schiff ohne Ratten ? Eine Frau, die nicht schnattert? Siebenmal bin ich ums Kap gesegelt und vom Eismeer bis ins Affenland und habe vierundsechzig Jahre keine begegnet! Eine schweigsame Frau, die findet man nur auf Kirchhöfen und unterm steinernen Kreuz!

BARBIER
hat das Rasieren beendet, stäubt ihn mit Puder ein und bereitet die Brennscheren vor für die Perücke
Euer Gnaden belieben zu übertreiben. Sind nicht so rar, die stillen Täubchen, flattern nur nicht aus, sitzen brav gehorsam im Taubenschlag bei Vater und Mutter, und ausser im Kirchstuhl sieht sie kein Mann. Ein Dutzend an jedem Finger wüsst' ich, die sich glücklich schätzten, einen so respektablen, hochehrenswerten S quire wie Euer Gnaden betreuen zu dürfen. Und gar heiraten, geheiratet werden, ach, sie liefen hundert Meilen weit, denn die ehrsamen Männer sind rar geworden und . . .

MOROSUS
Will Er mich zum Narren haben? Eine junge Frau ins Haus, das hiesse mich drei Wochen später auf der Bahre!

BARBIER
Mit nichten, mit nichten! Glauben Euer Gnaden einem geprüften Bader, der siebenmal mehr weiss als jeder Medikus von der Royal Academy: es gibtkein besseres Remedium, um das Blut warm zu halten, als eine junge Frau! Das schmeidigt den Schlaf, das schmächtigt die Galle und sänftigt die Laune, das heitert den Sinn, das vergütigt die Seele. Ach, kein Arcanum tut einem ältlichen Herzen so wohl als eine junge, zärtliche Frau. Es ist ein Elektron in ihrem Blick, das alle guten Kräfte im Mann aufziehet und fruchtbar macht. Es ist wie gefilterte Sonne, die das Herz wieder zum Blühen bringt. Denkt Euch's nur aus:

Es wird Abend, der Ofen friert kalt,
Man fühlt sich verlassen, man fühlt sich uralt. -
Es wird traurig und schaurig, wird so furchtbar stumm,
Als sässe der Tod in der Stube herum.
Da tritt sie herein,
Ein Stück lebendiger Sonnenschein,
Bringt Wärme und Blüte, bringt Güte und Licht
Mit hilfreichen Händen, mit frohem Gesicht,
Und alles Grauen ist fortgetan.
Man hält sich die Hände, man blickt sich an,
Man plaudert, man schweigt, man lächelt sich zu,
Man spricht sich, man scherzt sich und träumt sich
Zur Ruh. -
Wär das nicht schön?

MOROSUS
plötzlich nachdenklich werdend. Ganz träumerisch vor sich hin
Ja, das wär schön! Nicht so bang, - nicht so leer, -- nicht so sterbensallein
Jeden Tag, jede Nacht mit sich selber zu sein.
Kein Sohn, kein Erbe, kein Neffe, kein Freund,
Kein Mensch auf der Welt, der es herzlich meint.
ja, das wär schön! -
Irgendwen
Zu wissen, für den man da ist,
Der einem gut, - der einem nah' ist,
Mit dem man atmet, mit dem man denkt.
Wenn einem die Angst in die Kehle drängt.
Irgendwen,
Für den man lebt und dem man stirbt,
Und dass einer da ist, wenn man erkaltet,
Der einem die Augen zudrückt und die Hände faltet,
tief atmend
Ja, das wär schön. -

BARBIER
schnell
Also verstatten Euer Gnaden, ein wenig Umschau zu halten, ich kenne alle Mütter und Väter und Tanten und Töchter im Umkreis von siebzehn Meilen, ich brächte Euch das Feinste, das Stillste, das Lieblichste, das Leiseste aus der ganzen Grafschaft ...

MOROSUS
Unsinn, mach' keinen Scherz! Welches Mädchen sollte mich nehmen wollen, mich alten, bösen, bissigen Mann? Was jung ist, liebt die Jugend, und recht so! Nein, nein, ich bin zu alt, ich bin zu alt !

BARBIER
Oh, Euer Gnaden tun sich selber Unrecht. Es gibt solche und solche bei den Jungfern, und solche, die gar keine sind. Es gibt törichte und kluge, und die Klugen wissen, dass das Alter gütig ist und die Jugend frech, die Schönheit vergänglich und das Geld beständig, und sie wählen tausendmal lieber einen Mann mit Würde und Ehre, als einen Tunichtgut.
Er hat die Brennschere in der Hand und singt, während er die Locken aufwickelt und einrollt, die Kanzone
Mädchen nur, die nichts erfahren,
Sind vom blossen Blick betört,
Nicht nach Rang, nur nach den Jahren
Messen sie des Mannes Wert.
Keiner kann da grob genung sein,
Denn sie suchen ohne Halt
In der Liebe nur das Jungsein,
In dem Mann nur die Gestalt.

MOROSUS
Ja, ich bin mir längst im klaren,
Ja, ach ja, ich bin zu alt.

BARBIER
Anders aber lieben Frauen,
Kraft und Reife zieht sie an,
Nur wem sie getrost vertrauen,
Ehren sie als rechten Mann.
Gern beugt jede sich und fügt sich,
Wo sie Geist spürt und Gehalt.
Wer nur Jugend sucht betrügt sich,
Jede Kluge weiss das bald.

MOROSUS
Ich, ich sehe, Er belügt mich,
Nein, ach nein, ich bin zu alt. -

BARBIER
Diese lieben, jene schwärmen,
Sucht Euch nur die Rechte aus.

MOROSUS
Nein, sie werden beide immer lärmen,
Ruhe will ich, Ruh' im Haus!

DRITTE SZENE

Ein plötzlicher harter Schlag mit dem Klopfer an die äussere Türe

MOROSUS
aufspringend wie von einer Kugel getroffen
Ah!

BARBIER
hat die Brennschere fallen gelassen vor Schreck
Gnädiger Herr!

Neues kräftiges Pochen

MOROSUS
Ah! Mein Stock! Wo ist mein Stock? Ich muss diesem Schurken den Schädel eindreschen!

BARBIER
ihn haltend
Euer Gnaden, temperiert Euch! Es kann ein Schlagfluss resultieren, wenn Euer Gnaden sich so echauffieren.

MOROSUS
mit ihm ringend
Meine Ruhe! Ich will keine Menschen im Haus! Meine Ruhe will ich!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
draussen, unsichtbar
Für niemanden! Sir Morosus empfängt niemanden.

STIMME DES HENRY MOROSUS
unsichtbar
Ich muss ihn aber sprechen.

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Ist nicht zu sprechen.

STIMME HENRYS
Muss zu sprechen sein!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Nein!

STIMME HENRYS
Doch!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Nein!

STIMME HENRYS
Doch!

MOROSUS
Ah, du Kröte! Ich werde dich breitschlagen!

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
Was, mit Gewalt?

STIMME HENRYS
noch draussen
Ich muss herein.

STIMME DER HAUSHÄLTERIN
draussen
Lasst mich los.

MOROSUS
innen zum Barbier
Lass mich los, Verfluchter!
Morosus hat sich losgerissen, rennt nach seinem Prügel und stürzt mit dem geschwungenen Stock nach der Tür

HAUSHÄLTERIN
fliegt in diesem Augenblick durch die aufgerissene Tür herein und zu Boden, hinter ihr Henry

HENRY
ich werde dir zeigen, mir den Weg zu sperren!

MOROSUS
Ah..
Er schwingt den Stock, um auf Henry loszuschlagen. Plötzlich lässt er den Stock starr erhoben schweben, fragend
Henry?

HENRY
Mein teuerster Ohm!

MOROSUS
begeisterter, sicherer
Henry? Wirklich Henry?

HENRY
Und meines Oheims allergetreuester Neffe!

MOROSUS
Henry!
Er lässt den Stock fallen und umarmt ihn. Zärtlich ihn nach vorn führend
Du lebst?

HENRY
Ich lebe.

MOROSUS
Du bist nicht tot ?

HENRY
Nicht dass ich wüsste.

MOROSUS
Du bist nicht gestorben?

HENRY
Nicht dass ich dessen mich erinnerte.

MOROSUS
Aber du warst verschwunden von der Universität Pavia; niemand konnte mir Nachricht geben.

HENRY
Ach, Ohm, verzeiht mir's. Mich langweilten die Bücher, mich ekelte die Jurisprudenz, mich widerte der ganze papierene Kram. So lief ich davon.

MOROSUS
breit lachend
Ha! Liefst davon? Einfach davon? Bravo, bravo! Ein Morosus, ein echter Morosus, mein wahrer BruderSohn! So sind wir, nicht zu halten, nicht zu binden, immer dem Abenteuer nach. Genau so entlief ich vor vierzig Jahren vom Gut meines Vaters zur Flotte, mich herumzuschlagen mit Tod und Teufel. Ein echter Morosus! Unser Blut, unser Sinn! Aber nun bleibst du hier?

HENRY
Wenn Ihr's verstattet, mein gütigster Ohm. Doch ...

MOROSUS
zum Barbier
Er bleibt hier. Habt ihr's gehört? Ihm dies Haus, ihm mein Erbe! Alles ihm! jetzt brauch' ich keine Braut, keine Frau, keine Mädchen, keine stummen und schweigsamen ' sie sollen einen Schuster heiraten oder einen Krämer und ich geb' meinen Segen, jetzt ist er da, mein Erbe, mein Sohn. Du wirst ihn rasieren.
zur Haushälterin
Du wirst ihn betreuen! Die oberen Zimmer für ihn! Alles für ihn! Ab, mein Henry, jetzt weiss ich wieder, wozu inan lebt. Komm, leg' ab, setz' dich her, komm in meine Arme, wackrer junge, komm, ich bin hundeneugierig, von dir zu hören.

HENRY
Ja, gerne, gerne… doch möcht' ich erst …

MOROSUS
Ganz - was dir beliebt! Du bist bei dir zu Hause! Soll man dir ein Bad rüsten? Willst du essen? Willst du trinken ? Nur setz' dich, setz' dich her, mein junge, lass mich freuen an dir!

HENRY
unruhig
Ja, es ist nur ... wie soll ich's Euch erklären ... ich bin nicht allein.

MOROSUS
Nicht allein?

HENRY
Ich bin mit ihnen ... sie sind mit mir ... sie warten unten ... nämlich ... nämlich
zögernd
meine Truppe ...

MOROSUS
falsch verstehend, begeistert
Deine Truppen? Du hast sie mitgebracht, deine Soldaten? Ha, ich dacht' es gleich, ein Morosus klebt nicht bei Büchern, den lockt's ins Abenteuer. Wacker, wacker! Ein echter Morosus, das gute, feurige Blut! Wer mit einem Morosus gefochten, ist mein Freund, mein Gast! Her mit deinen Soldaten! Alle herauf!
Zum Fenster hinunterrufend
Herauf! alle herauf! Ihr seid alle geladen.
Wieder zu Henry
Ich will sie sehen, deine jungen, sie sollen mir er-zählen von deinen Heldentaten, ein alter Seemann hört nichts lieber als von Schlachten und Kriegen!
Zur Haushälterin
Wein her! Krüge und Becher! Ah, wie freu' ich mich, mein Henry, deine Kameraden zu bewirten, es sind doch des Herrgotts beste Söhne, die Soldaten, und ich war auch einer von ihnen.

Kleiner humoristischer Marsch. Es tritt auf die Operntruppe Cesare Vanuzzis: zuerst Cesare Vanuzzi, schlecht angezogen, aber pathetisch und gravitätisch. Carlo Morbio, Giuseppe Farfallo, drei Sängerinnen: Aminta, Isotta und Carlotta, hinter ihnen zwei bis vier andere Sänger, die gewissermassen den kleinen Chor bilden. Sie treten gravitätisch ein, die Frauen machen devote Kratzfüsse

MOROSUS
hat überrascht und sprachlos dem Aufzug zugesehen, dann indigniert, mit erwachendem Zorn
Das deine Truppen? Deine Soldaten?

HENRY
ängstlich
Allerdings. . . jawohl ... unsere Truppe ... Die hoch- berühmte Compagnia Maestro Cesare Vanuzzis ...
sich fassend
gestattet, Ohm, Euch zu präsentieren: Cavaliere Cesare Vanuzzi, der Principal unserer Opera, Ritter des goldenen Sporens, der Apoll Italiens ... hochbeliebt bei Seiner Heiligkeit, Gast der illustresten Höfe ...

VANUZZI
sich verbeugend
und Euer Gnaden ergebenster servitore.

HENRY
Dies Carlo Morbio, gefeiert für seinen Orfeo, dies Giu-seppe Farfallo, der Liebling Bolognas, - dies Aminta, dies Isotta, dies Carlotta, dies die andern Kameraden.

MOROSUS
misstrauisch
Du willst doch nicht sagen, dass du gleichfalls singst ?

HENRY
Ich habe mich nicht ohne Erfolg darum bemüht.

VANUZZI
Nicht so bescheiden! Ein junger Meister, Euer Gnaden! Parola d'onore, das Entzücken von San Carlo und Santa Capella.

MOROSUS
Doch nicht in publico singst?

HENRY
Allerdings. Seit einigen Monden.

MOROSUS
Für Geld? Ein Morosus? Du lässt dich bezahlen?

HENRY
Ich darf zu meinen Gunsten vorbringen, dass ich bisher sehr schlecht bezahlt wurde.

MOROSUS
Und wozu ... wozu schleppst du all die mit nach England? Was soll das da?

HENRY
Cavaliere Vanuzzis Ruhm ist bis in unser Vaterland gedrungen. Ein Impresario hat ihn gewonnen, im Haymarket-Theater einige seiner berühmten Operas zu produzieren, wir hoffen auf den geneigten Beifall Ihrer Majestäten und die Gunst des Publikums.

MOROSUS
Und wenn dazu im Chorus die himmlischen Heerscharen singen wollten, ich hör' mir's nicht an. Eher auf die Galeeren als zu diesem neumodischen Ohrengeschinde, das man Operas nennt! Mögen sie trillern und brüllen, bis ihnen der Kehlkopf platzt. Ich hoffe nur, du, ein Morosus, machst mir nicht die Schande, dich hierzulanden mit ihnen zu zeigen.

HENRY
Cavaliere Vanuzzi hat mir den Part des Primo Tenore zugedacht. Ich werde den Orlando singen in der Opera des göttlichen ...

MOROSUS
Du wirst nicht singen!

HENRY
Ich werde singen!

MOROSUS
Du wirst nicht singen!

HENRY
Ich werde singen!

MOROSUS
Ich verbiete es. Ich dulde die Schande nicht. Unser ehrlicher Name! Unser angeseh'nes Haus! Ein Morosus neben Kastraten und Gauklern! Ein -Morosus! Ich verbiete es! Ich verbiete es!

HENRY
Hört mich an, gütigster Ohm!

MOROSUS
Ich will nichts hören. Ruhe will ich, Ruhe! Ein Morosus, der singt, ist kein Morosus! Sofort verlässt du diese Truppe!

HENRY
Ich kann sie nicht verlassen. Ich bin gebunden an sie! Mit meinem Wort, mit meiner Ehre, mit -
er zieht die zögernde Aminta heran
meiner Liebe. Ich wagt' es Euch nicht gleich zu gestehen, Ohm. Diese, Aminta, ist meine Frau.

MOROSUS
Deine Frau? Eine Sängerin? Und sie soll in mein Haus? Eine Lärmmacherin, eine Ohrenschinderin, eine Komödiantin, eine Gauklerin, eine ...

HENRY
Genug und zu viel! Wenn sie Euch nicht willkommen ist, dann gehe ich mit ihr.

MOROSUS
Drei Komödianten! Sechs Komödianten! Eine ganze Opera in meinem Haus? Bist du toll? Fort mit denen allen, oder - ich enterbe dich!

HENRY
Mein gütigster Ohm!

MOROSUS
immer wilder
Ich enterbe dich! Kein Pfund und keinen Schilling! Lieber vor die Ratten! Lieber ins Wasser! Oh diese Schande! Ein Morosus mit solchen Kujonen, solchem Galgenholz, mit solchen Strassenläufern, Bettelsängern ...

VANUZZI
ausbrechend
Ah! C'è troppo! Das mir! Einem Ritter vom goldenen Sporn!

Alle durcheinander zusammen und auf die einzelnen Invektiven Morosus' einsetzend, immer stärker, erbitterter, schliess-lich zum Tumult werdend

MOROSUS
Solchen ausgestäupten Halunken! Solchen Weissnichtwohers!

MORBIO
Impertinenza! Was erlaubt er sich!

FARFALLO
Che arroganza! Mich, der vor dem Papst gesungen!

HENRY
Ohm, ich beschwöre Euch, moderier Er sich!

MOROSUS
Mit Dirnen und Hübschlerinnen ...

ISOTTA
Was erlaubt Er sich!

CARLOTTA
Was erfrecht Er sich!

MOROSUS
Mit solchem zusammengelesenen Pack, das für zehn Soldi Speichel frisst, das für jedes Bravo buckelt, das für ein Goldstück heult und hurt ... Fort mit denen allen, oder ich enterbe dich!

HENRY
Das ist zuviel! Das duld' ich nicht. Ihr beleidigt meine Frau!

VANUZZI
Meinen Degen! Meinen Degen! Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Ich muss ihm die Ohren abschneiden!

MORBIO
Vor die Justiz! Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Er hat uns beschimpft! Soddisfazione!

FARFALLO
Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Er hat mich beschimpft! Soddisfazione!

ISOTTA
Meine Ehre! Meine Ehre! Ich klage ihn an! Vor die Justiz!

CARLOTTA
Ein Saufbold! Ein Weinfass! Er weiss nicht, was er spricht! Was erlaubt er sich!

CHORUS DER ANDERN
Soddisfazione! Er hat uns beleidigt. Soddisfazione! Vor die Justiz!



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