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NEUNTE SZENE
Morosus und Aminta sind allein, man hört die Schritte der Fortgehenden auf der Treppe und dann das Tor zuschlagen. Tiefe Stille. Aminta hat sich ganz bedrückt an den Tisch gesetzt und seufzt laut auf. Morosus nähert sich der Schweigenden, die ihn nicht anblickt, zärtlich und besorgt

MOROSUS
Du bist so still und scheinst bedrückt? Oh, ich versteh's! Dieser wüste infernalische Lärm hat dich wohl müd' gemacht?

AMINTA
Ach nein, das nicht.
Sie seufzt

MOROSUS
sich ihr nähernd
Du seufzst? Drückt dich ein Gram?

AMINTA
ehrlich erregt
Ach güt'ger Herr, um aller Heil'gen willen, fragt mich nicht, fragt mich nicht!

MOROSUS
zärtlich
Ich muss dich aber fragen, Kind! Sind wir nicht eine Sache jetzt vor Gott, ein Herz, ein Leben? Muss deine Sorge nicht auch die meine sein? Vertrau mir's an: was drückt dich so ?

AMINTA
zur Seite
Wenn er nur grob wäre und hart, dann ging nur's leichter!
Laut
Nichts, nichts, drängt nicht in mich!

MOROSUS
Nein, sag' es, Kind, vertrau' mir's an.

AMINTA
Noch einmal, Herr, flehentlich bitt' ich Euch: drängt nicht in mich!

MOROSUS
Aber es tut mir weh wie eig'ner Schmerz, dich umdüstert zu sehn, dich, die ich glücklich haben möchte ... meine Timida, was drückt dich so?

AMINTA
ganz blass und gespannt
Herr, gnädigster Herr, um Euretwillen drängt jetzt nicht ... ich brauche noch ein wenig Ruhe ...
leise für sich
Ein Wort noch, wenn er spricht, und ich fange an ...

MOROSUS
für sich
Wie hold ist eines Mädchens Scham!
Zu ihr heran und sie anfassend
Hör', meine Timida ...

AMINTA
aufstampfend und in geheucheltem Zorn schreiend
Ruhe! Hab' ich dir gesagt!!!

MOROSUS
vor Schreck auf den Rücken fallend
Aaaaaah!

AMINTA
losbrechend
Meine Ruh' will ich haben,
Ruhe, Ruhe, Ruhe, Ruhe!
Will nicht gefragt sein,
Will nicht geplagt sein!
Lass mich nicht quälen, nicht inquirieren,
Weiss meine Sachen selber zu führen,
Weiss am besten, was mir mundet und frommt,
Und verdammt, wer mir da in die Quere kommt!

MOROSUS
ganz verblüfft über die Verwandlung, kleinlaut
Aber Timida.... ich wollte doch nur ...

AMINTA
stampfend
Gar kein Aber! Ausgeabert!
Nichts zu wünschen, nichts zu reden,
Hier geschieht nur, was ich will,
Ich und ich und ich und ich.
Niemand hat hier was zu fragen,
Niemand hat hier was zu wollen,
Ausser ich und ich und ich.

MOROSUS
Aber Timida … Wo ist deine Sanftmut… ich er-kenne dich gar nicht ... ich meinte ...

AMINTA
scheinbar wütend auf- und ablaufend
Hast gemeint, du kaufst dir eine,
Die still buckelt und pariert,
Eine stumme, dumme Kleine,
Die dir Herd und Haushalt führt.
Fehlgeraten! Fehlgeschossen!
Merk's beizeiten, wer ich bin!
Glaubst, ich habe dich genommen,
Hier mich schweigsam einzumauern
Und mein Leben zu vertrauern?
Nein und nein und nein und nein!
Nein, ich lass mich nicht verstören,
Selber will ich mir gehören!
Ich bin jung und ich will leben,
Ich bin jung und will mich freu'n!
Ich will spassen, ich will lachen,
Freude haben, Freude machen,
Munter unter Menschen sein,
Unter jungen, frohen, frischen,
Die mir warm das Blut aufmischen -
Soll ich hier im Hause bleiben,
Muss es laut und lustig sein!

MOROSUS
ganz verzweifelt auf- und abrennend
Oh, ich Narr, ich gottgeschlagener,
Der in seinem Wahn geglaubt,
Eine Frau könnt' stille sein.
Oh, ich Narr, ich Narr, ich Narr,
Der mit seinen grauen Haaren
Noch einmal zur Freite ging
Und sich wie ein dummer Bube
In dem eignen Netze fing!
Oh, ich Narr, ich Narr, zu spät jetzt
Seh' ich meine Narrheit ein!

AMINTA
auf und ab
Alles muss hier anders werden,
Jugend hat ihr eigen Recht!
Wagen will ich und drei Pferde,
Kleider, Perlen, Diamanten,
Diener, Pagen, Lakaien,
Papagei und Kakadu,
Wie es einer Lady ziemt.
In die Messe, in die Bäder,
Immer in den schönsten Kleidern
Und zu Hause stets Musik,
Bläser, Geiger, Lautenschläger,
Cembalo und Clavecin,
Sänger, Tänzer und Kastraten.
Immerdar Musik, Musik!
Selber will ich singen, lernen
Musik, Musik, die grösste Lust!
Denn zu laut drängt mir die Freude
In der aufgespannten Brust!

MOROSUS
gleichfalls auf- und abrennend
Oh, ich Narr, ich ausgepichter!
Weh an welche Teufelin
Bin ich Tölpel da geraten!
Wie sie schreit , oh, wie sie zetert,
Wie sie jubelt, wie sie schmettert!
Meine Ohren! Meine Ohren!
Ach Gott, ich bin verloren,
Wenn sie lang so weitertobt!
Beide sind im Hin- und Hergehen aneinandergeraten

AMINTA
herrisch
Renn' mir da nicht in die Quere!
Ich geh' hier und niemand andrer!
Ich red' hier und ich allein;
Ich und ich und ich und ich!
In den Winkel, in die Ecken
Geh' dein graues Haar verstecken,
Ich bin jung und brauche Raum!

MOROSUS
ist in die Ecke geflüchtet, schlägt mit den Fäusten an dieWand
Oh, ich Tölpel, oh, ich Esel,
Der an eine Frau geglaubt!
Narr und Narr und Narr und Narr,
Der ich bin und der ich war!
Das ist ärger als die Hölle!
Das ist ärger als der Tod!

AMINTA
immer heftiger
Alles muss hier anders werden:
Breit die Fenster, hell die Wände
Und erleuchtet von Brokat,
Tisch und Tafel neu und üppig,
Viele Spiegel, viele Lichter,
Bilder, Blumen und Gestühle,
Raum für Tanz, Raum für Musik!
Sie sieht sich um, reisst die Decken und Vorhänge, welche die Fenster verhängen, polternd herab, nimmt einen Stock und drischt in die Kostbarkeiten des Morosus hinein, seine Fisch-gerippe, Pfeifenständer, astronornischen Instrumente, dass alles zu Boden klirrt und fällt
ort mit diesem alten Plunder:
Kirchhofsdung und Mottenfrass!
Weg die Waffen, die Pistolen,
Diese bleichen Fischgerippe,
Alles, was an Tod erinnert,
Alles, was an Furcht gemahnt!
Weg mit all dem Muff und Moder
Einer abgelebten Zeit,
Weg mit all' dem Stank von Toback,
Diesem Grind von Greisenheit!
Krach und klirr und noch und nochmals
Weg mit all dem toten Zeug!

MOROSUS
ganz verzweifelt, um seine Habseligkeiten zu retten, ihr in den Weg gesprungen
Meine Pfeife! Mein Teleskop!

AMINTA
den Stock gegen ihn hebend
Weg, sonst kriegst du auch noch Dresche!
Hüte dich! Ich bin im Schwung,
Einmal gründlich auszuräumen,
Was hier morsch und muffig ist.
Sie drischt weiter zu
Weg mit dem da! Weg mit diesem!
Krach und klirr und noch und nochmals!
Ich will diese Bude säubern,
Dass kein Stück mehr übrigbleibt.


ZEHNTE SZENE
Die Eingangstür wird aufgerissen. Es erscheint Henry Morosus in seinem gewöhnlichen Aufzug

HENRY
Was geht hier vor? Sind die Türken im Haus?

MOROSUS
auf ihn zu und vor ihm auf die Knie stürzend
Henry, Henry, um aller Heiligen willen, rette mich vor diesem Satanas, rette mich, rette mich! Sie macht mich krank, sie macht mich tot, sie macht mich wahnsinnig, sie zerreisst mir die Ohren, sie zertrampelt mir das Herz, Henry, Henry, errette mich vor ihr oder ich geh' vor die Hunde!

HENRY
ihn aufhebend
Mein gütiger Ohm, beruhigt Euch!
Zu Aminta
Was erlaubt Ihr Euch gegen meinen Oheim?

AMINTA
frech
Bin Euch keine Auskunft schuldig. Und macht schleunigst wieder die Tür von aussen zu. Hier bin ich Herrin und niemand andrer. Brauch' keine Ehehelfer und Hausgucker. Expediert Euch hinaus!

HENRY
Euch werd' ich hinausexpedieren und mit der flinkesten Post! Ich will dir, Weibsbild, Manieren lehren!

AMINTA
Haha? Mich hinaus! Bin die Herrin hier mit Siegel und Pakt. Das ist Hausfriedensbruch! Den Sheriff! Dieser Lümmel stört meine Ehe.

HENRY
Ruhe und hinein in dein Zimmer!

AMINTA
Hier tu ich, was ich will.

HENRY
In dein Zimmer, oder ich prügle dich zusammen!

AMINTA
Mich schlagen? Eine Frau willst du schlagen?

HENRY
Eine Frau, die ihren Mann nicht ehrt, gehört zerdroschen wie Häcksel: ich scheu' diese Arbeit nicht. Vorwärts, hinein, in dein Zimmer und Ruhe gehalten!

AMINTA
Mich eine Frau -
aufstampfend
Nein, nein, nein, nein!

HENRY
Marsch!
Er packt sie am Handgelenk

AMINTA
Er hat mir die Finger gequetscht,
aufschreiend
er hat mir die Gelenke gebrochen ... Aber ich, ich geh' züm Sheriff, zum Sheriff ... Justiz ... Justiz!

HENRY
Wirst du jetzt gehen?

AMINTA
unter der Daumenschraube heulend
Ja, ja, ja.

HENRY
sie loslassend
Das war meine erste Probe! Versuch's nicht weiter! Und jetzt vorwärts: hinein!

AMINTA
Oh ... oh ... oh.. er hat mir die Hand zerquetscht ...
heulend ins Zimmer gehend
aber ich - ich geh zum Sheriff morgen ... oh ... oh ... oh.
Sie verschwindet heulend in dem Nebenzimmer


ELFTE SZENE

HENRY
sich umwendend
Siehst du, Ohrn, das ist die richtige Art, mit schweigsamen Frauen umzugehn, wenn sie nicht schweigsam sind.

MOROSUS
Henry Henry, wie soll ich dir danken? O Gott, welch ein Weib hast du da erschaffen, o Gott! Henry, du weisst, ich war nie ein feiger Mann, in siebzehn Schlachten hab' ich gestanden und hab'im Orkan mir selber die Segel gerefft, aber gegen die komm' ich nicht auf. Die macht mich hin. Henry, wie soll ich's ertragen, mit solchem Teufel zu leben! Lieber ins Wasser! Lieber in die Themse!

HENRY
Keine Not! Habt zwar eine Eselei begangen, höher als ein Mastbaum, aber sorgt Euch nicht, ich werde alles schon einrenken. Morgen bestell' ich den Richter und Advokaten, und Ihr löst die Ehe wieder auf.

MOROSUS
ganz beglückt
Oh, wenn das möglich wär: zwei silberne Kandelaber würd' ich stiften für die Kirche, zehn Betten fürs Armenhaus! Henry, Henry, wie hundsföttisch hab' ich gegen dich gehandelt, aber jetzt, wenn du mich rettest, soll alles dir gehören, was ich habe, alles, alles ich brauch' ja nichts mehr im Leben, meine Ruhe will ich haben, meine Ruhe, Rnhe!

HENRY
Lasst mich nur alles besorgen, morgen seid Ihr ein freier Mann.
Begütigend
Aber nun geht zu Bette, Ohm, Ihr seht recht ermüdet aus.

MOROSUS
Ja, ganz zerbrochen fühl' ich mich, sie hat mich platt gedrückt wie einen Schellfisch, sie hat mich geschmort, geröstet, ach, nie hätt' ich gedacht, dass ein rechtschaffner Mann so ein armer Hund werden könnte, wie ich es bin.

HENRY
Überschlaft's nur, und morgen ist alles vorüber!

MOROSUS
Wie soll ich schlafen können mit der nebenan! Lieber mit der brennenden Pfeife auf einem Pulverfass - nein, ich fürchte mich ... ich fürchte mich.

HENRY
Fürchtet Euch nicht! Geht ruhig in Euer Zimmer, riegelt es ab, und vor der Tür halt' ich Wacht, dass sie nicht bei Euch einbricht: sie hat meine Faust schon gespürt, die kommt nicht mehr.

MOROSUS
Oh, wie gut du bist! ja, bleib da vor der Tür, viel-leicht kann ich schlafen. Oh, ich bin so müde, so zer-schlagen, mir schwindelt's vor den Augen, ganz leer ist mir im Leib, ja, ich muss ruhen, ich muss ruh'n.

HENRY
ihn unterin Arme fassend und geleitend
Geht nun zur Ruhe und seid unbesorgt, ich halte treue Wacht vor Eurer Tür bis zum Morgen, dann geh' ich den Richter holen. Und jetzt: schlaft wohl!

MOROSUS
bei der Tür hineinwankend
Dank dir, mein Henry, ah ... schlafen ... schlafen ...schlafen ...


ZWÖLFTE SZENE
Man hört den Riegel von innen zuschieben und den Schlüssel sich im Schlosse drehen. Henry lauscht - wartet, bis Sir Morosus zur Ruhe gegangen ist, dann mit drei Sprüngen leise hinüber zur andern Tür

HENRY
leise
Aminta, Amintal

AMINTA
kommt leise heraus, beide umarmen sich

HENRY
Du süssester Engel, wie herrlich hast du geteufelt! Schon ist er weich wie Wachs, morgen wird der Braten gar.

AMINTA
Ach Gott, der arme alte Mann,
Wie ungern hab' ich ihm wehgetani
Hatt' mitten in meinen Teufelei'n
Immer Lust, mit ihm recht gütig zu sein,
Seufzt
Wär alles nur schon beim rechten End',
Dass ich ihn ehrlich und offen liebhaben könnt!

HENRY
Wie gut du bist und voll Gefühl.
Wie ganz zum Zärtlichsein gemacht!
Nein, sorg dich nicht! Nur diese Nacht noch
Musst du Frau Morosus sein,
Dann immer mein, dann immer mein!

AMINTA
Wie hass' ich all' die Spiel' und Schlich',
Dies Bösetun mit Spott und List -
Und doch, was tät' ich nicht für dich,
Der du mir eins und alles bist!

HENRY
Oh, Kind, wie glücklich machst du mich!
Sie halten einander urnschlungen. Tiefe Stille. Plötzlich die Stimme des Morosus aus dem Schlafgeniach, tief und dunkel

STIMME DES MOROSUS
Henry, Henry! Hältst du noch Wacht?

HENRY
Ja, mein Ohm, die ganze Nacht!

STIMME DES MOROSUS
Und ist sie jetzt still?

HENRY
Aminta, die er umfangen hält, über das Haar streifend
Ja, sie ist still,
Kein Wort, kein Hauch fliesst ihr von der Lippe,
Still ruht ihre Hand, still ruht ihre Brust,
Ihr Atem ist kaum im Dunkel zu spuren,
Sie kann sich nicht regen, sie kann sich nicht rühren,
Stumm ruht sie wie ein schlafendes Kind.

STIMME DES MOROSUS
So kann ich nun schlafen? Hältst du sie fest?

HENRY
Aminta noch enger an sich ziehend
Ihr braucht nicht zu bangen!
Wie mit eisernem Griff, wie mit brennenden Schnüren
Halt ich sie gefangen,
Sie kann sich nicht regen, sie kann sich nicht rühren,
Mit Willen und Wissen ihr ganzes Leben
Mir nun für immer anheimgegeben!

STIMME DES MOROSUS
tief, warm
Aah ... aah ... So kann ich beruhigt schlafen. Dank dir für alles, Dank dir, o Dank!

HENR
Immer dein, immer dein!

AMINTA
selig zu Henry aufschauend
Dank dir für alles! Dank dir, Dank!
NEUNTE SZENE
Morosus und Aminta sind allein, man hört die Schritte der Fortgehenden auf der Treppe und dann das Tor zuschlagen. Tiefe Stille. Aminta hat sich ganz bedrückt an den Tisch gesetzt und seufzt laut auf. Morosus nähert sich der Schweigenden, die ihn nicht anblickt, zärtlich und besorgt

MOROSUS
Du bist so still und scheinst bedrückt? Oh, ich versteh's! Dieser wüste infernalische Lärm hat dich wohl müd' gemacht?

AMINTA
Ach nein, das nicht.
Sie seufzt

MOROSUS
sich ihr nähernd
Du seufzst? Drückt dich ein Gram?

AMINTA
ehrlich erregt
Ach güt'ger Herr, um aller Heil'gen willen, fragt mich nicht, fragt mich nicht!

MOROSUS
zärtlich
Ich muss dich aber fragen, Kind! Sind wir nicht eine Sache jetzt vor Gott, ein Herz, ein Leben? Muss deine Sorge nicht auch die meine sein? Vertrau mir's an: was drückt dich so ?

AMINTA
zur Seite
Wenn er nur grob wäre und hart, dann ging nur's leichter!
Laut
Nichts, nichts, drängt nicht in mich!

MOROSUS
Nein, sag' es, Kind, vertrau' mir's an.

AMINTA
Noch einmal, Herr, flehentlich bitt' ich Euch: drängt nicht in mich!

MOROSUS
Aber es tut mir weh wie eig'ner Schmerz, dich umdüstert zu sehn, dich, die ich glücklich haben möchte ... meine Timida, was drückt dich so?

AMINTA
ganz blass und gespannt
Herr, gnädigster Herr, um Euretwillen drängt jetzt nicht ... ich brauche noch ein wenig Ruhe ...
leise für sich
Ein Wort noch, wenn er spricht, und ich fange an ...

MOROSUS
für sich
Wie hold ist eines Mädchens Scham!
Zu ihr heran und sie anfassend
Hör', meine Timida ...

AMINTA
aufstampfend und in geheucheltem Zorn schreiend
Ruhe! Hab' ich dir gesagt!!!

MOROSUS
vor Schreck auf den Rücken fallend
Aaaaaah!

AMINTA
losbrechend
Meine Ruh' will ich haben,
Ruhe, Ruhe, Ruhe, Ruhe!
Will nicht gefragt sein,
Will nicht geplagt sein!
Lass mich nicht quälen, nicht inquirieren,
Weiss meine Sachen selber zu führen,
Weiss am besten, was mir mundet und frommt,
Und verdammt, wer mir da in die Quere kommt!

MOROSUS
ganz verblüfft über die Verwandlung, kleinlaut
Aber Timida.... ich wollte doch nur ...

AMINTA
stampfend
Gar kein Aber! Ausgeabert!
Nichts zu wünschen, nichts zu reden,
Hier geschieht nur, was ich will,
Ich und ich und ich und ich.
Niemand hat hier was zu fragen,
Niemand hat hier was zu wollen,
Ausser ich und ich und ich.

MOROSUS
Aber Timida … Wo ist deine Sanftmut… ich er-kenne dich gar nicht ... ich meinte ...

AMINTA
scheinbar wütend auf- und ablaufend
Hast gemeint, du kaufst dir eine,
Die still buckelt und pariert,
Eine stumme, dumme Kleine,
Die dir Herd und Haushalt führt.
Fehlgeraten! Fehlgeschossen!
Merk's beizeiten, wer ich bin!
Glaubst, ich habe dich genommen,
Hier mich schweigsam einzumauern
Und mein Leben zu vertrauern?
Nein und nein und nein und nein!
Nein, ich lass mich nicht verstören,
Selber will ich mir gehören!
Ich bin jung und ich will leben,
Ich bin jung und will mich freu'n!
Ich will spassen, ich will lachen,
Freude haben, Freude machen,
Munter unter Menschen sein,
Unter jungen, frohen, frischen,
Die mir warm das Blut aufmischen -
Soll ich hier im Hause bleiben,
Muss es laut und lustig sein!

MOROSUS
ganz verzweifelt auf- und abrennend
Oh, ich Narr, ich gottgeschlagener,
Der in seinem Wahn geglaubt,
Eine Frau könnt' stille sein.
Oh, ich Narr, ich Narr, ich Narr,
Der mit seinen grauen Haaren
Noch einmal zur Freite ging
Und sich wie ein dummer Bube
In dem eignen Netze fing!
Oh, ich Narr, ich Narr, zu spät jetzt
Seh' ich meine Narrheit ein!

AMINTA
auf und ab
Alles muss hier anders werden,
Jugend hat ihr eigen Recht!
Wagen will ich und drei Pferde,
Kleider, Perlen, Diamanten,
Diener, Pagen, Lakaien,
Papagei und Kakadu,
Wie es einer Lady ziemt.
In die Messe, in die Bäder,
Immer in den schönsten Kleidern
Und zu Hause stets Musik,
Bläser, Geiger, Lautenschläger,
Cembalo und Clavecin,
Sänger, Tänzer und Kastraten.
Immerdar Musik, Musik!
Selber will ich singen, lernen
Musik, Musik, die grösste Lust!
Denn zu laut drängt mir die Freude
In der aufgespannten Brust!

MOROSUS
gleichfalls auf- und abrennend
Oh, ich Narr, ich ausgepichter!
Weh an welche Teufelin
Bin ich Tölpel da geraten!
Wie sie schreit , oh, wie sie zetert,
Wie sie jubelt, wie sie schmettert!
Meine Ohren! Meine Ohren!
Ach Gott, ich bin verloren,
Wenn sie lang so weitertobt!
Beide sind im Hin- und Hergehen aneinandergeraten

AMINTA
herrisch
Renn' mir da nicht in die Quere!
Ich geh' hier und niemand andrer!
Ich red' hier und ich allein;
Ich und ich und ich und ich!
In den Winkel, in die Ecken
Geh' dein graues Haar verstecken,
Ich bin jung und brauche Raum!

MOROSUS
ist in die Ecke geflüchtet, schlägt mit den Fäusten an dieWand
Oh, ich Tölpel, oh, ich Esel,
Der an eine Frau geglaubt!
Narr und Narr und Narr und Narr,
Der ich bin und der ich war!
Das ist ärger als die Hölle!
Das ist ärger als der Tod!

AMINTA
immer heftiger
Alles muss hier anders werden:
Breit die Fenster, hell die Wände
Und erleuchtet von Brokat,
Tisch und Tafel neu und üppig,
Viele Spiegel, viele Lichter,
Bilder, Blumen und Gestühle,
Raum für Tanz, Raum für Musik!
Sie sieht sich um, reisst die Decken und Vorhänge, welche die Fenster verhängen, polternd herab, nimmt einen Stock und drischt in die Kostbarkeiten des Morosus hinein, seine Fisch-gerippe, Pfeifenständer, astronornischen Instrumente, dass alles zu Boden klirrt und fällt
ort mit diesem alten Plunder:
Kirchhofsdung und Mottenfrass!
Weg die Waffen, die Pistolen,
Diese bleichen Fischgerippe,
Alles, was an Tod erinnert,
Alles, was an Furcht gemahnt!
Weg mit all dem Muff und Moder
Einer abgelebten Zeit,
Weg mit all' dem Stank von Toback,
Diesem Grind von Greisenheit!
Krach und klirr und noch und nochmals
Weg mit all dem toten Zeug!

MOROSUS
ganz verzweifelt, um seine Habseligkeiten zu retten, ihr in den Weg gesprungen
Meine Pfeife! Mein Teleskop!

AMINTA
den Stock gegen ihn hebend
Weg, sonst kriegst du auch noch Dresche!
Hüte dich! Ich bin im Schwung,
Einmal gründlich auszuräumen,
Was hier morsch und muffig ist.
Sie drischt weiter zu
Weg mit dem da! Weg mit diesem!
Krach und klirr und noch und nochmals!
Ich will diese Bude säubern,
Dass kein Stück mehr übrigbleibt.


ZEHNTE SZENE
Die Eingangstür wird aufgerissen. Es erscheint Henry Morosus in seinem gewöhnlichen Aufzug

HENRY
Was geht hier vor? Sind die Türken im Haus?

MOROSUS
auf ihn zu und vor ihm auf die Knie stürzend
Henry, Henry, um aller Heiligen willen, rette mich vor diesem Satanas, rette mich, rette mich! Sie macht mich krank, sie macht mich tot, sie macht mich wahnsinnig, sie zerreisst mir die Ohren, sie zertrampelt mir das Herz, Henry, Henry, errette mich vor ihr oder ich geh' vor die Hunde!

HENRY
ihn aufhebend
Mein gütiger Ohm, beruhigt Euch!
Zu Aminta
Was erlaubt Ihr Euch gegen meinen Oheim?

AMINTA
frech
Bin Euch keine Auskunft schuldig. Und macht schleunigst wieder die Tür von aussen zu. Hier bin ich Herrin und niemand andrer. Brauch' keine Ehehelfer und Hausgucker. Expediert Euch hinaus!

HENRY
Euch werd' ich hinausexpedieren und mit der flinkesten Post! Ich will dir, Weibsbild, Manieren lehren!

AMINTA
Haha? Mich hinaus! Bin die Herrin hier mit Siegel und Pakt. Das ist Hausfriedensbruch! Den Sheriff! Dieser Lümmel stört meine Ehe.

HENRY
Ruhe und hinein in dein Zimmer!

AMINTA
Hier tu ich, was ich will.

HENRY
In dein Zimmer, oder ich prügle dich zusammen!

AMINTA
Mich schlagen? Eine Frau willst du schlagen?

HENRY
Eine Frau, die ihren Mann nicht ehrt, gehört zerdroschen wie Häcksel: ich scheu' diese Arbeit nicht. Vorwärts, hinein, in dein Zimmer und Ruhe gehalten!

AMINTA
Mich eine Frau -
aufstampfend
Nein, nein, nein, nein!

HENRY
Marsch!
Er packt sie am Handgelenk

AMINTA
Er hat mir die Finger gequetscht,
aufschreiend
er hat mir die Gelenke gebrochen ... Aber ich, ich geh' züm Sheriff, zum Sheriff ... Justiz ... Justiz!

HENRY
Wirst du jetzt gehen?

AMINTA
unter der Daumenschraube heulend
Ja, ja, ja.

HENRY
sie loslassend
Das war meine erste Probe! Versuch's nicht weiter! Und jetzt vorwärts: hinein!

AMINTA
Oh ... oh ... oh.. er hat mir die Hand zerquetscht ...
heulend ins Zimmer gehend
aber ich - ich geh zum Sheriff morgen ... oh ... oh ... oh.
Sie verschwindet heulend in dem Nebenzimmer


ELFTE SZENE

HENRY
sich umwendend
Siehst du, Ohrn, das ist die richtige Art, mit schweigsamen Frauen umzugehn, wenn sie nicht schweigsam sind.

MOROSUS
Henry Henry, wie soll ich dir danken? O Gott, welch ein Weib hast du da erschaffen, o Gott! Henry, du weisst, ich war nie ein feiger Mann, in siebzehn Schlachten hab' ich gestanden und hab'im Orkan mir selber die Segel gerefft, aber gegen die komm' ich nicht auf. Die macht mich hin. Henry, wie soll ich's ertragen, mit solchem Teufel zu leben! Lieber ins Wasser! Lieber in die Themse!

HENRY
Keine Not! Habt zwar eine Eselei begangen, höher als ein Mastbaum, aber sorgt Euch nicht, ich werde alles schon einrenken. Morgen bestell' ich den Richter und Advokaten, und Ihr löst die Ehe wieder auf.

MOROSUS
ganz beglückt
Oh, wenn das möglich wär: zwei silberne Kandelaber würd' ich stiften für die Kirche, zehn Betten fürs Armenhaus! Henry, Henry, wie hundsföttisch hab' ich gegen dich gehandelt, aber jetzt, wenn du mich rettest, soll alles dir gehören, was ich habe, alles, alles ich brauch' ja nichts mehr im Leben, meine Ruhe will ich haben, meine Ruhe, Rnhe!

HENRY
Lasst mich nur alles besorgen, morgen seid Ihr ein freier Mann.
Begütigend
Aber nun geht zu Bette, Ohm, Ihr seht recht ermüdet aus.

MOROSUS
Ja, ganz zerbrochen fühl' ich mich, sie hat mich platt gedrückt wie einen Schellfisch, sie hat mich geschmort, geröstet, ach, nie hätt' ich gedacht, dass ein rechtschaffner Mann so ein armer Hund werden könnte, wie ich es bin.

HENRY
Überschlaft's nur, und morgen ist alles vorüber!

MOROSUS
Wie soll ich schlafen können mit der nebenan! Lieber mit der brennenden Pfeife auf einem Pulverfass - nein, ich fürchte mich ... ich fürchte mich.

HENRY
Fürchtet Euch nicht! Geht ruhig in Euer Zimmer, riegelt es ab, und vor der Tür halt' ich Wacht, dass sie nicht bei Euch einbricht: sie hat meine Faust schon gespürt, die kommt nicht mehr.

MOROSUS
Oh, wie gut du bist! ja, bleib da vor der Tür, viel-leicht kann ich schlafen. Oh, ich bin so müde, so zer-schlagen, mir schwindelt's vor den Augen, ganz leer ist mir im Leib, ja, ich muss ruhen, ich muss ruh'n.

HENRY
ihn unterin Arme fassend und geleitend
Geht nun zur Ruhe und seid unbesorgt, ich halte treue Wacht vor Eurer Tür bis zum Morgen, dann geh' ich den Richter holen. Und jetzt: schlaft wohl!

MOROSUS
bei der Tür hineinwankend
Dank dir, mein Henry, ah ... schlafen ... schlafen ...schlafen ...


ZWÖLFTE SZENE
Man hört den Riegel von innen zuschieben und den Schlüssel sich im Schlosse drehen. Henry lauscht - wartet, bis Sir Morosus zur Ruhe gegangen ist, dann mit drei Sprüngen leise hinüber zur andern Tür

HENRY
leise
Aminta, Amintal

AMINTA
kommt leise heraus, beide umarmen sich

HENRY
Du süssester Engel, wie herrlich hast du geteufelt! Schon ist er weich wie Wachs, morgen wird der Braten gar.

AMINTA
Ach Gott, der arme alte Mann,
Wie ungern hab' ich ihm wehgetani
Hatt' mitten in meinen Teufelei'n
Immer Lust, mit ihm recht gütig zu sein,
Seufzt
Wär alles nur schon beim rechten End',
Dass ich ihn ehrlich und offen liebhaben könnt!

HENRY
Wie gut du bist und voll Gefühl.
Wie ganz zum Zärtlichsein gemacht!
Nein, sorg dich nicht! Nur diese Nacht noch
Musst du Frau Morosus sein,
Dann immer mein, dann immer mein!

AMINTA
Wie hass' ich all' die Spiel' und Schlich',
Dies Bösetun mit Spott und List -
Und doch, was tät' ich nicht für dich,
Der du mir eins und alles bist!

HENRY
Oh, Kind, wie glücklich machst du mich!
Sie halten einander urnschlungen. Tiefe Stille. Plötzlich die Stimme des Morosus aus dem Schlafgeniach, tief und dunkel

STIMME DES MOROSUS
Henry, Henry! Hältst du noch Wacht?

HENRY
Ja, mein Ohm, die ganze Nacht!

STIMME DES MOROSUS
Und ist sie jetzt still?

HENRY
Aminta, die er umfangen hält, über das Haar streifend
Ja, sie ist still,
Kein Wort, kein Hauch fliesst ihr von der Lippe,
Still ruht ihre Hand, still ruht ihre Brust,
Ihr Atem ist kaum im Dunkel zu spuren,
Sie kann sich nicht regen, sie kann sich nicht rühren,
Stumm ruht sie wie ein schlafendes Kind.

STIMME DES MOROSUS
So kann ich nun schlafen? Hältst du sie fest?

HENRY
Aminta noch enger an sich ziehend
Ihr braucht nicht zu bangen!
Wie mit eisernem Griff, wie mit brennenden Schnüren
Halt ich sie gefangen,
Sie kann sich nicht regen, sie kann sich nicht rühren,
Mit Willen und Wissen ihr ganzes Leben
Mir nun für immer anheimgegeben!

STIMME DES MOROSUS
tief, warm
Aah ... aah ... So kann ich beruhigt schlafen. Dank dir für alles, Dank dir, o Dank!

HENR
Immer dein, immer dein!

AMINTA
selig zu Henry aufschauend
Dank dir für alles! Dank dir, Dank!



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