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DRITTER AUFZUG

Schon ehe der Vorhang aufgeht, hört man kräftiges Gehärnmer und Gepolter hinter der Szene

Gleiches Zimmer, nur in grösster Unordnung. Eine Reihe Arbeiter, verkleidete Mitglieder der Schauspieltruppe, schlagen Nägel in die Wände, andere bringen mit viel Getöse Kisten, Spiegel und Geräte die Treppe herauf und stellen sie krachend nieder. Dazwischen immer das rhythmische Einschlagen der Nägel in die Wand


ERSTE SZENE

AMINTA
Hier die Spiegel, die Konsolen,
Aber eilt euch, vorwärts, flink!
Zu andern
Hier die Florentiner Lüster
Und die fläm'schen Gobelins!
Weggeräumt den alten Plunder,
Weg die Läden, die Gardinen,
Licht und Sonne soll herein!
Ein Diener bringt in einem Käfig einen Papagei
Dort vor Herrn Morosus' Zimmer
Stell den Papageien zu!

DER PAPAGEI
laut und schrill
Kora ... Kora ... Kakadu.

AMINTA
Aber rascher, rascher, rascher,
Sputet euch, ich bin schon müde,
Diese Wände leer zu sehn.
Alle hämmern immer rascher


ZWEITE SZENE
Die Haushälterin kommt dernütig aus dem Zimmer des Morosus geschlichen

HAUSHÄLTERIN
Oh, gnädigste Frau, der Herr lässt Euch bitten ...

AMINTA
zu den andern
Flink, hab' ich gesagt, ihr Burschen!

HAUSHÄLTERIN
Ihr möchtet doch ein wenig Rücksicht nehmen ...

AMINTA
wie früher
Nicht gezaudert, nicht geplaudert!

HAUSHÄLTERIN
Das Gehämmer macht ihm Kopfschmerzen.

AMINTA
wie früher
Mittags will ich's fertig sehn.

HAUSHÄLTERIN
Er hat schlecht geschlafen, er braucht seine Ruh'.

DER PAPAGEI
schrill
Kora ... Kakadu.

HAUSHÄLTERIN
Wenn Ihr nur ein Viertelstündchen pausieren könntet...

AMINTA
ohne auf sie zu achten, auf zwei Packträger zu
Ah, da bringt ihr das Clavecin. Hierher in die Ecke! Und siehe, der Maestro in persona!


DRITTE SZENE
Die Haushälterin geht mit allen Zeichen der Verzweiflung ab. Aminta dem Henry und Farfallo entgegen, die als Gesangslehrer - mit einer Rolle in der Hand - und als Klavierbegleiter verkleidet sind

AMINTA
Salute, Maestro! Wir können gleich mit der Sing-stunde beginnen.
Zu den Arbeitern
Weg, ihr Burschen, bis ich euch wieder holen lasse!
Die Arbeiter verschwinden mit Zwinkern und Lachen

HENRY
als Gesangslehrer
Dies mein Begleiter auf dem Cembalo. Ich hoffe, Ihr seid bei Stimme und wir können gleich beginnen. Hier Euer Part:
Überreicht ihr eine Rolle
Die Arie aus Monteverdis ,L'incoronazione di Poppea, I.

FARFALLO
präludiert auf dem Cembalo

AMINTA
beginnt die italienische Arie
Sento un certo non so che,
Che mi pizzica e diletta,
Dimmi tu che cosa egli è
Damigella amorosetta.
Ti farei ti direi
Ti direi ti farei,
Ma non so quel ch'io vorrei,
Ma non so quel ch'io vorrei.

HENRY
bei einer Pause unterbrechend
Brava, brava! Ma piü mosso, piú passionato! Ich falle dann beim Duo ein.

AMINTA
singt lauter und kräftiger
Se sto teco il cor mi batte,
Se tu parti io sto melenso,
AI tuo sen di vivo latte
sempre aspiro e sempre penso.

MOROSUS
kommt aus dem Nachbarzimmer herausgestürzt im losen Morgengewand, den Kopf und die Ohren mit einer Art Turban dick umwunden, hinter ihm die Haushälterin
Habt Erbarmen, macht ein Ende!
Oh, ich kann, ich kann nicht mehr!
Auf den Knien lasst Euch bitten:
Eine Pause, eine Pause!

AMINTA
singt weiter
Duett (Argia und Polinice) aus der Oper »Eteocle e Polinice» des Giovanni Legrenzi (Venedig 1675
Dolce Amor!

HENRY
Bendato alato!

BEIDE
Deh consola, deh consola il mio martir!
E per far ch'io goda a pieno,
Rendi pace a questo seno,
Che ferito da te sol,
Da te sol spero il gioir!

MOROSUS
gleichzeitig
Nein, das kann kein Mensch ertragen,
Das ist ärger als die Hölle,
Das ist ärger als der Tod.
Wie sich flüchten, wie sich retten?
Oh, wie find' ich meine Ruh!

DER PAPAGEI
Kora ... Kora ... Kakadu.

HAUSHÄLTERIN
gleichzeitig
Ach vergebens war mein Warnen!
Ach, wie hab' ich ihn angefleht,
Dass sie ihn mit List umgarnen,
Jetzt kommt aller Rat zu spät!

FARFALLO
applaudierend
Brava, Brava! Bravissima!

HENRY
Sono contentissimo! Nur mehr Schwung noch, da capo also!

MOROSUS
verzweifelt
Nein! Nein!

HAUSHÄLTERIN
Wie sie ihn quälen. Es ist eine Schande!

AMINTA
Gerne da capo! Kümmert euch nicht um diesen Narren!

Alle zusammen

HENRY
zu Farfallo
Also avanti, comincia!

FARFALLO
präludiert am Cernbalo

MOROSUS
Nein! Nein! Meine Ruhe, meine Ruhe!

Wie sich flüchten, wie sich retten?
Oh, wie find' ich meine Ruh?

DER PAPAGEI
schrill
Kora …Kora…Kakadu!


VIERTE SZENE
Die Tür öffnet sich. Der Barbier tritt breitspurig herein. Alles wird sofort still

BARBIER
spricht
Seine illustre Lordschaft, der Chief-Justice, werden in wenigen Augenblicken hier erscheinen, begleitet von zwei Notaren der hohen Kammer.
Zu Henry und Farfallo
Maestro, ihr begreift die Wichtigkeit. Zu anderer Stunde also!

Henry und Farfallo verabschieden sich mit bedeutungsvollen Gesichtern

MOROSUS
Bei Gottes Gnade, Ihr seid zur rechten Zeit gekommen, sonst hättet Ihr mich nach Bedlam führen müssen!
Leise
Ist alles geordnet? Die Scheidung vorbereitet?

BARBIER
leise
Ich habe sie bombardiert mit allen Argumenten und auch ein paar klingende ihnen in die Taschen geschoben. Gleich beginnt die Verhandlung.

MOROSUS
Aber wird sie nicht schreien, wird sie nicht Spektakel machen? Meine Ohren sind ganz wund, ich ertrag's nicht mehr. Oh, Schneidebart, versuch's doch erst gütlich mit ihr, ich vertrag' kein Gezänk. Biet ihr alles, was sie will, nur Ruhe will ich, meine Ruhe!

BARBIER
leise
Ich will's probieren!
Er schreitet gravitätisch auf Aminta zu' die dem leisen Gespräch der beiden markiert misstrauisch zugeblickt hat
Mit Reverenz! Vieledle Dame!

AMINTA
ebenso
Vieledler Barbier!

BARBIER
pompös
Ich kann des Eindrucks
Mich nicht erwehren,
Als ob Eure Ehe
Nicht die glücklichste sei.

AMINTA
spitz
Da irrt Ihr Euch mächtig,
Da irrt Ihr Euch sehr,
Ich fühle mich prächtig,
Und wünsch' mir nichts mehr.

BARBIER
Doch meint' ich zu hören
Vorhin an der Türe,
Erbitterte Rede,
Geharnischten Streit.

AMINTA
Das ist doch alltäglic
In jeglicher Ehe,
Man zankt sich, erregt sich,
Und wird wieder gut.

BARBIER
Doch klagt Herr Morosus,
Ihm ging es ans Leben,
Er wollt Euch nicht länger,
Er hält es nicht aus.

AMINTA
So bin ich die Sanfte
Und will ihn erdulden,
Ich nehme das Kreuz
Demütig auf mich.

BARBIER
leise zu Morosus hinüber
Oh, die ist hartgesotten in allen Satansfeuern! Die Klette kriegt Ihr nicht so leicht los.

MOROSUS
leise
Biet'ihr Geld! Mein halbes Vermögen! Nur Ruhe will ich, Ruhe!

BARBIER
jetzt in anderem Ton, leise, vertraulich zu Aminta
Lasst doch klüglich mit Euch reden,
Nehmet Euren Vorteil wahr.

AMINTA
Gerne, gerne.

BARBIER
Seid vernünftig!

AMINTA
Nur Morosus war der Narr!

BARBIER
Nun, so hört doch!

AMINTA
Ja, ich höre!

BARBIER
Herr Morosus hat viel Geld.

AMINTA
mit einem Knix
Nur um dieser Tugend willen
Hab' ich mich ihm beigesellt.

BARBIER
Und er bietet tausend Pfunde,
Wenn Ihr ihm die Freiheit lasst.

AMINTA
Ha, ich lache! Tausend Pfunde!
Ha, wie Ihr vergnüglich spasst!

MOROSUS
von rückwärts
Biete doppelt, biete weiter!
Alles, alles,
Zahle ich für meine Ruh!

BARBIER
Zwei ... dreitausend ... vier ... nein fünfe...

AMINTA
Bietet, bietet immerzu!

BARBIER
Seid vernünftig. . .

AMINTA
Nein, ich lache
Mir die Seele frei.
Glaubt Ihr, dass mir meine Ehre
Für ein Brosam käuflich sei?
Ein Volkslied parodierend und psalmodierend mit pathetischironischer Geste
Treue hab' ich ihm geschworen,
Treue bis ins kühle Grab,
Und ich will die Treue halten,
Die ich ihm geschworen hab'.

MOROSUS
Oh, du Luder ...
vorbrechend

AMINTA
höhnisch
Nur Eure edle Gattin!

MOROSUS
Gottlob nicht mehr lang.

AMINTA
parodistisch schwärmend
Oh, ewig, ewig. Ich lasse nicht von dir!

MOROSUS
keuchend
Oh,…oh, …sie höhnt mich noch! Sie macht mich rasend… oh, ich ersticke vor Wut …


FÜNFTE SZENE
Die Haushälterin stürzt herein

HAUSHÄLTERIN
Gnädigster Herr ... zwei Karossen sind angefahren mit vornehmen Herren.

MOROSUS
aufatmend
All, ich fange wieder an zu leben.

BARBIER
beim Fenster hinaussehend
Viktoria! Ihr seid gerettet. Der Chief-Justice mit den Advokaten. Aber so, in diesem Morgenflaus, dürft Ihr nicht Seiner Lordschaft entgegen. Fort, fort, den Galarock an und die Orden, sie müssen sehen, mit wem sie hier zu schaffen haben.

MOROSUS
Ja, gleich komm' ich. Entschuldigt mich bei den hohen Herren, in zwei Minuten bin ich respektvollst zur Stelle.
Er verschwindet mit der Haushälterin ins Nebenzimmer


SECHSTE SZENE
Es treten ein Vanuzzi, Farfallo, Morbio, der erste als Chief-Justice mit riesiger weisser Perücke, Brille, der goldenen Kette und dem schwarzen Wams. Die beiden andern als Advokaten gekleidet. Vanuzzi als Chief-Justice pompös mit dem langen Goldknaufstock auf den Boden stossend

VANUZZI
Im Namen Seiner Majestät, im Namen des Parla-ments! Sind die Appellanten zur Stelle: Sir Morosus und Lady Morosus?

AMINTA
Spar deinen Bass für später, Vanuzzi! Wir sind unter uns.

VANUZZI
Haha, tapfere Aminta, wie wacker du teufeln kannst!

BARBIER
O jemine, ich hab' selber Angst gekriegt, so hat sie den Armen gepfeffert, gesalzen, gesotten und getrüffelt, er kocht schon, er siedet im eigenen Fett: in einem Stündchen ist der Braten gar und wir könnenAtem holen.
Nur noch dieses letzte Spässchen,
Und dann ist er auskuriert.
Munter also und vergnüglich,
Bis er selber munter wird.

VANUZZI
rasch die Verkleidung wegwerfend und tanzend
Ach, ich schwitze, ich ersticke,
Der Talar macht mich ganz schlapp,
Fort das Amtszeug, die Perücke
Und ein wenig Luft geschnappt.

MORBIO
Nein, man kann nicht richtig lachen,
Wenn man so in Würden steckt.
Auf den Mantel, los die Krause
Und die Beine grad gestreckt!
(Sie tanzen beide zusammen)

FARFALLO
Aminta fassend
Rasch ein Tänzchen noch, Aminta,
Das beflügelt Witz und Blut,
Hat man sich recht umgeschüttelt,
Schmeckt ein Spässchen doppelt gut.

AMINTA
mit ihm
Würde, Würde, meine Herren,
Ehrt das Ansehn des Gerichts!
Würd' er so uns überraschen,
Wär die ganze Müh' für nichts.

VANUZZI, FARFALLO, MORBIO
zusammen
Nur noch diese letzte Runde,
Rechtsherum und linksherum
Und wir tun schon wieder würdig
Und wir stehn schon wieder stumm.

Sie haben die Kostüme wieder angezogen, die Perücken aufgesetzt und stehen ernst und gravitätisch wie beim ersten Auftreten. Die ganze Szene muss wie im Flug blitzschnell und pantomimenhaft vorüberstreichen und genau die Position beim ersten Eintreten erreicht werden


SIEBENTE SZENE

MOROSUS
im Staatskleid, erscheint, gefolgt von der Haushälterin, verbeugt sich tief
Meinen submissesten Respekt.

VANUZZI
von oben herab
Wir sind von Eurer causa verständigt.
Zu den Advokaten
Beliebt es, doctores, so beginnen wir.
Auf eine Geste des Morosus hin tragen die Haushälterin und der Barbier einen Tisch in die Mitte der Szene. Auf derMittelseite nimmt Vanuzzi als Chief- Justice Platz, rechts und links Morbio und Farfallo als Beisitzer

VANUZZI
Es haben der hochgeborene Lord Morosus und die hochgeborene Lady Morosus das Ansuchen erhoben, ihre Ehe zu lösen ...

AMINTA
Ich protestiere. Ich hatte nie ein derartiges Ansuchen gestellt.

VANUZZI
Hem, hem, das schafft insoferne complicationes, als der Petent obligiert ist, die Gründe vorzubringen, welche ein divortium legitimum argumentieren.

BARBIER
leise übersetzend
Eine Scheidung zu begründen.

VANUZZI
Erklärt ihm, doctores, die impedimenta, welche das Gericht anerkennt per dirimere matrimonium.

BARBIER
leise
Sie werden Euch die Scheidungsgründe aufzählen.

FARFALLO
pathetisch
Impedimenta sunt duodecim ...

MORBIO
übersetzend
Zwölf sind der Hindernisse.

FARFALLO
Quae irritum rendant matrimoniurn,

MORBIO
Welche eine, Ehe aufheben.

FARFALLO
Sunt:

MORBIO
Es sind:

FARFALLO
Error conditio, voturn, cognatio, crimen, cultus dis-paritas, vis, ordo, ligamen, honestas, impotentia ...

MOROSUS
Was will er? Was meint er? Ich habe nur das letzte Hindernis verstanden.

VANUZZI
zu Farfallo
Expliziert ihm doch, doctissime! Seht ihr nicht, der Petent ist totaliter in statu ignorantiae.

FARFALLO
Also ich expliziere. Ad primum: error, wenn Ihr ge-meint habt, eine andere Person zu heiraten, als die Ihr geheiratet habt ...

MOROSUS
begeistert
Das ist es Illustrissime! Ich meinte, um eine schweigsame Frau zu werben und habe einen Vulkan geheiratet, eine Xantippe, eine Satansschwester, ich schwöre es, Illustrissime, es war ein errort

VANUZZI
aufklopfend
Diese Art des errors genügt nicht, sie ist zu gewöhnlich. Diesem Irrtum verfällt jeder Mann. Wir haben alle gemeint, sanfte Mädchen zu heiraten, und wer hat dann seine Frau je schweigsam und folgsam befunden! Erklärt ihm, doctissime, die Formen des error, welche das Gericht einzig anerkennt.

FARFALLO
Der error hat verschiedentliche Formen. Primum: error personae: wenn Euch eine fremde Frau unterschoben war. Secundum: error fortunae: wenn ihr sie reich glaubtet und sie war arm. Tertium: error qualitatis, wenn ihr sie virginem desponsam, als erklärte Jungfrau, heiratet und fandet sie corruptam ...

BARBIER
vortretend laut
Ecco ! Ich bezeuge, ich bezeuge, sie hat Umgang gehabt mit einem andern Mann.

AMINTA
Er ist bestochen, er lügt! Ich habe mit niemand Umgang gehabt als mit meinem ehlichen Gatten. Ich beschwöre es.

VANUZZI
Das wird sich weisen.
Zum Barbier
Habt Ihr Zeugen für Eure Anschuldigung?

BARBIER
Sehr wohl, Euer Gnaden, und sofort zur Stelle.
DRITTER AUFZUG

Schon ehe der Vorhang aufgeht, hört man kräftiges Gehärnmer und Gepolter hinter der Szene

Gleiches Zimmer, nur in grösster Unordnung. Eine Reihe Arbeiter, verkleidete Mitglieder der Schauspieltruppe, schlagen Nägel in die Wände, andere bringen mit viel Getöse Kisten, Spiegel und Geräte die Treppe herauf und stellen sie krachend nieder. Dazwischen immer das rhythmische Einschlagen der Nägel in die Wand


ERSTE SZENE

AMINTA
Hier die Spiegel, die Konsolen,
Aber eilt euch, vorwärts, flink!
Zu andern
Hier die Florentiner Lüster
Und die fläm'schen Gobelins!
Weggeräumt den alten Plunder,
Weg die Läden, die Gardinen,
Licht und Sonne soll herein!
Ein Diener bringt in einem Käfig einen Papagei
Dort vor Herrn Morosus' Zimmer
Stell den Papageien zu!

DER PAPAGEI
laut und schrill
Kora ... Kora ... Kakadu.

AMINTA
Aber rascher, rascher, rascher,
Sputet euch, ich bin schon müde,
Diese Wände leer zu sehn.
Alle hämmern immer rascher


ZWEITE SZENE
Die Haushälterin kommt dernütig aus dem Zimmer des Morosus geschlichen

HAUSHÄLTERIN
Oh, gnädigste Frau, der Herr lässt Euch bitten ...

AMINTA
zu den andern
Flink, hab' ich gesagt, ihr Burschen!

HAUSHÄLTERIN
Ihr möchtet doch ein wenig Rücksicht nehmen ...

AMINTA
wie früher
Nicht gezaudert, nicht geplaudert!

HAUSHÄLTERIN
Das Gehämmer macht ihm Kopfschmerzen.

AMINTA
wie früher
Mittags will ich's fertig sehn.

HAUSHÄLTERIN
Er hat schlecht geschlafen, er braucht seine Ruh'.

DER PAPAGEI
schrill
Kora ... Kakadu.

HAUSHÄLTERIN
Wenn Ihr nur ein Viertelstündchen pausieren könntet...

AMINTA
ohne auf sie zu achten, auf zwei Packträger zu
Ah, da bringt ihr das Clavecin. Hierher in die Ecke! Und siehe, der Maestro in persona!


DRITTE SZENE
Die Haushälterin geht mit allen Zeichen der Verzweiflung ab. Aminta dem Henry und Farfallo entgegen, die als Gesangslehrer - mit einer Rolle in der Hand - und als Klavierbegleiter verkleidet sind

AMINTA
Salute, Maestro! Wir können gleich mit der Sing-stunde beginnen.
Zu den Arbeitern
Weg, ihr Burschen, bis ich euch wieder holen lasse!
Die Arbeiter verschwinden mit Zwinkern und Lachen

HENRY
als Gesangslehrer
Dies mein Begleiter auf dem Cembalo. Ich hoffe, Ihr seid bei Stimme und wir können gleich beginnen. Hier Euer Part:
Überreicht ihr eine Rolle
Die Arie aus Monteverdis ,L'incoronazione di Poppea, I.

FARFALLO
präludiert auf dem Cembalo

AMINTA
beginnt die italienische Arie
Sento un certo non so che,
Che mi pizzica e diletta,
Dimmi tu che cosa egli è
Damigella amorosetta.
Ti farei ti direi
Ti direi ti farei,
Ma non so quel ch'io vorrei,
Ma non so quel ch'io vorrei.

HENRY
bei einer Pause unterbrechend
Brava, brava! Ma piü mosso, piú passionato! Ich falle dann beim Duo ein.

AMINTA
singt lauter und kräftiger
Se sto teco il cor mi batte,
Se tu parti io sto melenso,
AI tuo sen di vivo latte
sempre aspiro e sempre penso.

MOROSUS
kommt aus dem Nachbarzimmer herausgestürzt im losen Morgengewand, den Kopf und die Ohren mit einer Art Turban dick umwunden, hinter ihm die Haushälterin
Habt Erbarmen, macht ein Ende!
Oh, ich kann, ich kann nicht mehr!
Auf den Knien lasst Euch bitten:
Eine Pause, eine Pause!

AMINTA
singt weiter
Duett (Argia und Polinice) aus der Oper »Eteocle e Polinice» des Giovanni Legrenzi (Venedig 1675
Dolce Amor!

HENRY
Bendato alato!

BEIDE
Deh consola, deh consola il mio martir!
E per far ch'io goda a pieno,
Rendi pace a questo seno,
Che ferito da te sol,
Da te sol spero il gioir!

MOROSUS
gleichzeitig
Nein, das kann kein Mensch ertragen,
Das ist ärger als die Hölle,
Das ist ärger als der Tod.
Wie sich flüchten, wie sich retten?
Oh, wie find' ich meine Ruh!

DER PAPAGEI
Kora ... Kora ... Kakadu.

HAUSHÄLTERIN
gleichzeitig
Ach vergebens war mein Warnen!
Ach, wie hab' ich ihn angefleht,
Dass sie ihn mit List umgarnen,
Jetzt kommt aller Rat zu spät!

FARFALLO
applaudierend
Brava, Brava! Bravissima!

HENRY
Sono contentissimo! Nur mehr Schwung noch, da capo also!

MOROSUS
verzweifelt
Nein! Nein!

HAUSHÄLTERIN
Wie sie ihn quälen. Es ist eine Schande!

AMINTA
Gerne da capo! Kümmert euch nicht um diesen Narren!

Alle zusammen

HENRY
zu Farfallo
Also avanti, comincia!

FARFALLO
präludiert am Cernbalo

MOROSUS
Nein! Nein! Meine Ruhe, meine Ruhe!

Wie sich flüchten, wie sich retten?
Oh, wie find' ich meine Ruh?

DER PAPAGEI
schrill
Kora …Kora…Kakadu!


VIERTE SZENE
Die Tür öffnet sich. Der Barbier tritt breitspurig herein. Alles wird sofort still

BARBIER
spricht
Seine illustre Lordschaft, der Chief-Justice, werden in wenigen Augenblicken hier erscheinen, begleitet von zwei Notaren der hohen Kammer.
Zu Henry und Farfallo
Maestro, ihr begreift die Wichtigkeit. Zu anderer Stunde also!

Henry und Farfallo verabschieden sich mit bedeutungsvollen Gesichtern

MOROSUS
Bei Gottes Gnade, Ihr seid zur rechten Zeit gekommen, sonst hättet Ihr mich nach Bedlam führen müssen!
Leise
Ist alles geordnet? Die Scheidung vorbereitet?

BARBIER
leise
Ich habe sie bombardiert mit allen Argumenten und auch ein paar klingende ihnen in die Taschen geschoben. Gleich beginnt die Verhandlung.

MOROSUS
Aber wird sie nicht schreien, wird sie nicht Spektakel machen? Meine Ohren sind ganz wund, ich ertrag's nicht mehr. Oh, Schneidebart, versuch's doch erst gütlich mit ihr, ich vertrag' kein Gezänk. Biet ihr alles, was sie will, nur Ruhe will ich, meine Ruhe!

BARBIER
leise
Ich will's probieren!
Er schreitet gravitätisch auf Aminta zu' die dem leisen Gespräch der beiden markiert misstrauisch zugeblickt hat
Mit Reverenz! Vieledle Dame!

AMINTA
ebenso
Vieledler Barbier!

BARBIER
pompös
Ich kann des Eindrucks
Mich nicht erwehren,
Als ob Eure Ehe
Nicht die glücklichste sei.

AMINTA
spitz
Da irrt Ihr Euch mächtig,
Da irrt Ihr Euch sehr,
Ich fühle mich prächtig,
Und wünsch' mir nichts mehr.

BARBIER
Doch meint' ich zu hören
Vorhin an der Türe,
Erbitterte Rede,
Geharnischten Streit.

AMINTA
Das ist doch alltäglic
In jeglicher Ehe,
Man zankt sich, erregt sich,
Und wird wieder gut.

BARBIER
Doch klagt Herr Morosus,
Ihm ging es ans Leben,
Er wollt Euch nicht länger,
Er hält es nicht aus.

AMINTA
So bin ich die Sanfte
Und will ihn erdulden,
Ich nehme das Kreuz
Demütig auf mich.

BARBIER
leise zu Morosus hinüber
Oh, die ist hartgesotten in allen Satansfeuern! Die Klette kriegt Ihr nicht so leicht los.

MOROSUS
leise
Biet'ihr Geld! Mein halbes Vermögen! Nur Ruhe will ich, Ruhe!

BARBIER
jetzt in anderem Ton, leise, vertraulich zu Aminta
Lasst doch klüglich mit Euch reden,
Nehmet Euren Vorteil wahr.

AMINTA
Gerne, gerne.

BARBIER
Seid vernünftig!

AMINTA
Nur Morosus war der Narr!

BARBIER
Nun, so hört doch!

AMINTA
Ja, ich höre!

BARBIER
Herr Morosus hat viel Geld.

AMINTA
mit einem Knix
Nur um dieser Tugend willen
Hab' ich mich ihm beigesellt.

BARBIER
Und er bietet tausend Pfunde,
Wenn Ihr ihm die Freiheit lasst.

AMINTA
Ha, ich lache! Tausend Pfunde!
Ha, wie Ihr vergnüglich spasst!

MOROSUS
von rückwärts
Biete doppelt, biete weiter!
Alles, alles,
Zahle ich für meine Ruh!

BARBIER
Zwei ... dreitausend ... vier ... nein fünfe...

AMINTA
Bietet, bietet immerzu!

BARBIER
Seid vernünftig. . .

AMINTA
Nein, ich lache
Mir die Seele frei.
Glaubt Ihr, dass mir meine Ehre
Für ein Brosam käuflich sei?
Ein Volkslied parodierend und psalmodierend mit pathetischironischer Geste
Treue hab' ich ihm geschworen,
Treue bis ins kühle Grab,
Und ich will die Treue halten,
Die ich ihm geschworen hab'.

MOROSUS
Oh, du Luder ...
vorbrechend

AMINTA
höhnisch
Nur Eure edle Gattin!

MOROSUS
Gottlob nicht mehr lang.

AMINTA
parodistisch schwärmend
Oh, ewig, ewig. Ich lasse nicht von dir!

MOROSUS
keuchend
Oh,…oh, …sie höhnt mich noch! Sie macht mich rasend… oh, ich ersticke vor Wut …


FÜNFTE SZENE
Die Haushälterin stürzt herein

HAUSHÄLTERIN
Gnädigster Herr ... zwei Karossen sind angefahren mit vornehmen Herren.

MOROSUS
aufatmend
All, ich fange wieder an zu leben.

BARBIER
beim Fenster hinaussehend
Viktoria! Ihr seid gerettet. Der Chief-Justice mit den Advokaten. Aber so, in diesem Morgenflaus, dürft Ihr nicht Seiner Lordschaft entgegen. Fort, fort, den Galarock an und die Orden, sie müssen sehen, mit wem sie hier zu schaffen haben.

MOROSUS
Ja, gleich komm' ich. Entschuldigt mich bei den hohen Herren, in zwei Minuten bin ich respektvollst zur Stelle.
Er verschwindet mit der Haushälterin ins Nebenzimmer


SECHSTE SZENE
Es treten ein Vanuzzi, Farfallo, Morbio, der erste als Chief-Justice mit riesiger weisser Perücke, Brille, der goldenen Kette und dem schwarzen Wams. Die beiden andern als Advokaten gekleidet. Vanuzzi als Chief-Justice pompös mit dem langen Goldknaufstock auf den Boden stossend

VANUZZI
Im Namen Seiner Majestät, im Namen des Parla-ments! Sind die Appellanten zur Stelle: Sir Morosus und Lady Morosus?

AMINTA
Spar deinen Bass für später, Vanuzzi! Wir sind unter uns.

VANUZZI
Haha, tapfere Aminta, wie wacker du teufeln kannst!

BARBIER
O jemine, ich hab' selber Angst gekriegt, so hat sie den Armen gepfeffert, gesalzen, gesotten und getrüffelt, er kocht schon, er siedet im eigenen Fett: in einem Stündchen ist der Braten gar und wir könnenAtem holen.
Nur noch dieses letzte Spässchen,
Und dann ist er auskuriert.
Munter also und vergnüglich,
Bis er selber munter wird.

VANUZZI
rasch die Verkleidung wegwerfend und tanzend
Ach, ich schwitze, ich ersticke,
Der Talar macht mich ganz schlapp,
Fort das Amtszeug, die Perücke
Und ein wenig Luft geschnappt.

MORBIO
Nein, man kann nicht richtig lachen,
Wenn man so in Würden steckt.
Auf den Mantel, los die Krause
Und die Beine grad gestreckt!
(Sie tanzen beide zusammen)

FARFALLO
Aminta fassend
Rasch ein Tänzchen noch, Aminta,
Das beflügelt Witz und Blut,
Hat man sich recht umgeschüttelt,
Schmeckt ein Spässchen doppelt gut.

AMINTA
mit ihm
Würde, Würde, meine Herren,
Ehrt das Ansehn des Gerichts!
Würd' er so uns überraschen,
Wär die ganze Müh' für nichts.

VANUZZI, FARFALLO, MORBIO
zusammen
Nur noch diese letzte Runde,
Rechtsherum und linksherum
Und wir tun schon wieder würdig
Und wir stehn schon wieder stumm.

Sie haben die Kostüme wieder angezogen, die Perücken aufgesetzt und stehen ernst und gravitätisch wie beim ersten Auftreten. Die ganze Szene muss wie im Flug blitzschnell und pantomimenhaft vorüberstreichen und genau die Position beim ersten Eintreten erreicht werden


SIEBENTE SZENE

MOROSUS
im Staatskleid, erscheint, gefolgt von der Haushälterin, verbeugt sich tief
Meinen submissesten Respekt.

VANUZZI
von oben herab
Wir sind von Eurer causa verständigt.
Zu den Advokaten
Beliebt es, doctores, so beginnen wir.
Auf eine Geste des Morosus hin tragen die Haushälterin und der Barbier einen Tisch in die Mitte der Szene. Auf derMittelseite nimmt Vanuzzi als Chief- Justice Platz, rechts und links Morbio und Farfallo als Beisitzer

VANUZZI
Es haben der hochgeborene Lord Morosus und die hochgeborene Lady Morosus das Ansuchen erhoben, ihre Ehe zu lösen ...

AMINTA
Ich protestiere. Ich hatte nie ein derartiges Ansuchen gestellt.

VANUZZI
Hem, hem, das schafft insoferne complicationes, als der Petent obligiert ist, die Gründe vorzubringen, welche ein divortium legitimum argumentieren.

BARBIER
leise übersetzend
Eine Scheidung zu begründen.

VANUZZI
Erklärt ihm, doctores, die impedimenta, welche das Gericht anerkennt per dirimere matrimonium.

BARBIER
leise
Sie werden Euch die Scheidungsgründe aufzählen.

FARFALLO
pathetisch
Impedimenta sunt duodecim ...

MORBIO
übersetzend
Zwölf sind der Hindernisse.

FARFALLO
Quae irritum rendant matrimoniurn,

MORBIO
Welche eine, Ehe aufheben.

FARFALLO
Sunt:

MORBIO
Es sind:

FARFALLO
Error conditio, voturn, cognatio, crimen, cultus dis-paritas, vis, ordo, ligamen, honestas, impotentia ...

MOROSUS
Was will er? Was meint er? Ich habe nur das letzte Hindernis verstanden.

VANUZZI
zu Farfallo
Expliziert ihm doch, doctissime! Seht ihr nicht, der Petent ist totaliter in statu ignorantiae.

FARFALLO
Also ich expliziere. Ad primum: error, wenn Ihr ge-meint habt, eine andere Person zu heiraten, als die Ihr geheiratet habt ...

MOROSUS
begeistert
Das ist es Illustrissime! Ich meinte, um eine schweigsame Frau zu werben und habe einen Vulkan geheiratet, eine Xantippe, eine Satansschwester, ich schwöre es, Illustrissime, es war ein errort

VANUZZI
aufklopfend
Diese Art des errors genügt nicht, sie ist zu gewöhnlich. Diesem Irrtum verfällt jeder Mann. Wir haben alle gemeint, sanfte Mädchen zu heiraten, und wer hat dann seine Frau je schweigsam und folgsam befunden! Erklärt ihm, doctissime, die Formen des error, welche das Gericht einzig anerkennt.

FARFALLO
Der error hat verschiedentliche Formen. Primum: error personae: wenn Euch eine fremde Frau unterschoben war. Secundum: error fortunae: wenn ihr sie reich glaubtet und sie war arm. Tertium: error qualitatis, wenn ihr sie virginem desponsam, als erklärte Jungfrau, heiratet und fandet sie corruptam ...

BARBIER
vortretend laut
Ecco ! Ich bezeuge, ich bezeuge, sie hat Umgang gehabt mit einem andern Mann.

AMINTA
Er ist bestochen, er lügt! Ich habe mit niemand Umgang gehabt als mit meinem ehlichen Gatten. Ich beschwöre es.

VANUZZI
Das wird sich weisen.
Zum Barbier
Habt Ihr Zeugen für Eure Anschuldigung?

BARBIER
Sehr wohl, Euer Gnaden, und sofort zur Stelle.



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